Dass die Arbeitsbedingungen an den Kliniken Deutschlands zunehmend schlechter werden und es gleichzeitig vermehrt an Personal mangelt, ist nicht erst seit der Coronapandemie bekannt. Zwar hat die Notlage der letzten anderthalb Jahre auch der breiteren Öffentlichkeit einen Eindruck von der Situation in den Krankenhäusern geboten, doch die Politik scheint demgegenüber den Blick abzuwenden. Jetzt sollen neue Tarifverhandlungen sogar zu einer Herabgruppierung der Mitarbeitenden des Gesundheitswesens in eine niedrigere Entgeltgruppe führen. Die Antwort: Warnstreiks.
„Nach dem Klatschen kommt die Klatsche“, heißt es auf Flyern, die die Gewerkschaft vor dem Warnstreik am vergangenen Montag verteilt. Die ersten Demonstrierenden versammeln sich am 8. November schon gegen 6 Uhr vor dem Universitätsklinikum, wo der Streikzug beginnt. Nach einer Kundgebung auf dem Berthold-Beitz-Platz geht es für eine zweite Kundgebung gemeinsam zum Marktplatz und anschließend wieder zurück zur Klinik. Insgesamt über 200 Streikende kommen zusammen, die mit Trillerpfeifen und Rasseln, selbst gestalteten Plakaten und dem lauten Rufen ihrer Forderungen auf sich aufmerksam machen. Gleichzeitig legen auch Mitarbeitende in anderen Städten wie Lübeck, Essen, Köln oder Münster ihre Arbeit nieder. Die aktuelle Lage des Gesundheitswesens ist ein nationales Problem.
Die Frage des Streiks ist keine leichte, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Berufen betrifft eine Arbeitsniederlegung im Krankenhaus direkt andere Menschenleben. Deshalb wurde im Vorfeld über eine ganze Woche hinweg eine Notdienstvereinbarung ausgehandelt, damit keine lebensnotwendige Arbeit zurückgestellt werden oder gar ausfallen muss. Doch ein Streik scheint unvermeidlich. Bereits zwei Mal kamen in Potsdam die Gewerkschaften und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zusammen, um über die Verteilung von Gehältern zu verhandeln. Der Vorschlag der TdL sieht eine Neustrukturierung des Arbeitsvorgangs bei der Berechnung vor, nach der verschiedene Arbeitsgruppen des öffentlichen Dienstes aus der Entgeltgruppe 9a in die Entgeltgruppe 6 herabgestuft würden. Darunter auch das Krankenhauspersonal der Unikliniken. Zudem wird das Problem der Personalengpässe vom TdL-Verhandlungsführer Reinhold Hilbers (CDU) abgestritten. Die derzeitige Belastung sei lediglich ein vorübergehender Umstand unter der Pandemie, einen Fachkräftemangel gäbe es allenfalls in „Spezialbereichen“. Und: Würden die Gehälter weiter erhöht werden, müsse man zum Ausgleich Arbeitsplätze abbauen.
„Die Äußerungen des Herrn Hilbers zeigen, dass er von der Realität in den Kliniken null Ahnung hat. Wer den Fachkräftemangel und die enorme Arbeitsverdichtung einfach leugnet, treibt die Menschen weiter aus dem Beruf. Wir werden ihn nicht nur mit guten Argumenten, sondern auch mit Aktionen vom Gegenteil überzeugen.“
– Sylke Kiel, Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Jena; vom ver.di-Flyer „Arbeitgeber, geht’s noch?“
Dabei arbeiten viele Stationen bereits jetzt an der Personaluntergrenze, wenn sie überhaupt eingehalten werden kann. Vor allem dort, wo eine hohe Arbeitsbelastung und eine große Unplanbarkeit zusammenkommen, fehlen meist die notwendigen Mitarbeitenden. Ist eine Station beispielsweise nicht voll ausgelastet, wird oft auch mit weniger Pflegepersonal gerechnet, doch gerade in Bereichen wie der Notfallversorgung kann sich die Menge an Patient*innen jederzeit ändern. Durch reduzierte Bettenanzahlen und zunehmend verkürzte Liegezeiten kumuliert sich außerdem die Akutpflege, und das bei einer immer älter werdenden Patient*innenschaft, die ohnehin mehr Pflege benötigt. Und fällt eine Arbeitskraft aus – ein nicht allzu geringes Risiko bei den derzeitig steigenden Corona-Inzidenzen – ist oft niemand da, um die freigewordene Schicht zu besetzen, denn die anderen Pfleger*innen haben bereits ihre Arbeitsgrenze erreicht und ein hohes Pensum an Überstunden angesammelt.
Andere Forderungen der Streikenden umfassen einen eigenen Verhandlungstisch „Gesundheit“ in den Tarifverhandlungen, eine Erhöhung der Zeitzuschläge für Samstagsarbeit und Wechselschicht sowie eine größere Schichtzulage, als Inflationsausgleich monatlich 300 Euro mehr für alle Beschäftigtengruppen der Universitätsmedizin Greifswald sowie 100 Euro mehr für Azubis, Studierende und Praktikant*innen und eine Übernahme aller Azubis nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung. Und, das ist wohl die wichtigste Forderung, egal von welcher Station die Streikenden kommen: Anerkennung und Wertschätzung.
Um diese Ziele zu erreichen, sollen vor der dritten Verhandlungsrunde mit der TdL am 27. und 28. November noch weitere Streiks folgen. Denn auch hier könnte Corona einen Strich durch die Tarifrechnung machen: Steigen die Zahlen an Infizierten weiterhin so wie in den letzten Wochen, wären weitere Streiks im Dezember unverantwortlich, sowohl den Streikteilnehmenden als auch den Patient*innen gegenüber. Daher soll die verbleibende Zeit genutzt werden, um möglichst viel Druck aufzubauen. Morgen, am Dienstag, dem 16.11.2021, möchte man sich daher wieder vom Beginn der ersten Frühschicht (gegen 6 Uhr) bis zum Ende der letzten Spätschicht (gegen 22 Uhr) versammeln und auf die Notsituation aufmerksam machen. Dieses Mal wird auch Unterstützung aus anderen Berufsfeldern erwartet, wie zum Beispiel aus dem Straßenbau, denn die Tarifverhandlungen mit der TdL betreffen alle Bereiche des öffentlichen Dienstes, von Kitas und Schulen über die Polizei bis eben zum Gesundheitswesen. Die Botschaft soll deutlich gemacht werden: Wertschätzung darf in Zukunft nicht nur auf ein Klatschen reduziert bleiben.
Sonntagmorgen in Eldena. Es ist erstaunlich warm für Ende Oktober, die Sonne scheint. Am Rand einer Streuobstwiese sind einige Fahrräder geparkt. Nur sehen kann man niemanden. Hier sieht man nicht den Wald, sondern die Menschen vor lauter Bäumen nicht. Allerdings nicht vor lauter Obstbäumen, wie man meinen sollte. In Wahrheit steht die Gruppe zwischen den Überresten einer Christbaumplantage. 16 Menschen sind hier zusammengekommen, um ein letztes Mal zu pflanzen – Obstbäume versteht sich, keine Tannen. Der ökologische Wert ersterer ist schließlich deutlich höher. Aber bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, was und wie hier gepflanzt wird, sollten wir erst einmal das Warum klären.
Die Unistreuobstwiese am Elisenhain ist Teil des Projekts „Ein Baum für meine Uni“. Ursprünglich aus der Projektstelle für eine CO2-neutrale Uni heraus entstanden, sollte Studierenden damit die Möglichkeit gegeben werden, über Spenden verschiedene Baumpatenschaften zu übernehmen. Der tatsächliche Unterstützer*innenkreis ist jedoch sehr viel diverser: Neben den Studierenden besteht er unter anderem aus Anwohner*innen und Menschen, die eine persönliche Verbindung nach Greifswald haben. Dank ihnen konnte unter dem Motto „Zukunftswald“ in Hanshagen ein Unterstand aus heimischen Buchen unter Douglasien gepflanzt werden, mit der „Greifenweisheit“ wurden alte Bäume im Elisenhain als zusätzliche Habitatbäume unter Schutz gestellt.
Vor allem aber wurde besagte Christbaumplantage Stück für Stück in eine Streuobstwiese verwandelt. Seit 2015 wurden hier regelmäßig alte Obstgehölze gepflanzt, pro Jahr zwischen 15 und 20 Bäume. Inzwischen ist die Wiese gut gefüllt, vor allem mit vielen Apfelsorten, aber auch mit Birnen, Zwetschgen und Kirschen, insgesamt über 100 Sorten. Noch sind sie jung und tragen nicht viel, in einigen Jahren wird das aber ganz anders aussehen, hofft Tobias Scharnweber vom Institut für Botanik und Landschaftsökologie. Dann könnten Studierende hier Obst ernten, man könnte einen Mosttag veranstalten, vielleicht einen eigenen Uni-Saft herstellen – Ideen gibt es viele. Bis es so weit ist, stehen aber erst einmal andere Sachen an. Zum Beispiel müssen die restlichen Tannen gefällt werden, damit die Obstbäume überhaupt richtig wachsen können. Im Moment wird auch noch ein Schäfer zur Beweidung der Fläche gesucht – bisher wird hier gemäht. Eventuell könnte man auch den Artenreichtum der Wiese aufnehmen. In den Streuobstwiesen Deutschlands gibt es weit über 5000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, da wäre es natürlich eine interessante Frage, wie viele davon sich in Greifswald ansiedeln.
Auch mit den Pflanzungen muss nicht zwangsläufig Schluss sein, nur weil die Wiese jetzt voll ist. Scharnweber hält bereits Ausschau nach weiteren Flächen. Dort könnten dann neue Streuobstwiesen entstehen – oder auch ein Studierendenwald durch Erstaufforstung von Grünland oder Acker. Möglich ist vieles, solange sich ein Platz dafür findet.
Einen Platz gefunden haben nach anderthalb Stunden auch die zwölf Bäume der letzten Pflanzung. Sorgsam wurden sie eingegraben und mit Wasser und Mist versorgt. Jetzt sitzen alle gemütlich am Lagerfeuer, zufrieden mit der geleisteten Arbeit. Vor einigen Teilnehmenden liegen frisch geerntete Äpfel aus früheren Pflanzungen – ein kleiner Ausblick darauf, was hoffentlich einmal kommt.
Am Dienstag, den 02.11., soll um 11 Uhr vor dem alten Audimax in der Rubenowstraße gegen die Rückkehr des Rechtsprofessors Ralph Weber und damit einhergehend gegen rechtes Gedankengut an der Universität demonstriert werden.
Am letzten Sonntag haben wir euch im Vorfeld der kontroversen Rückkehr des Rechtsprofessors in einem Artikel die Hintergründe zusammengefasst. Nach Ende seiner Amtszeit für die AfD im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns soll Ralph Weber nun wieder an der Universität lehren dürfen. Diese Entscheidung sorgte vor allem unter der Studierendenschaft für Bedenken, da Weber in seiner Zeit für die AfD als rechtsaußen galt und auch in seiner Arbeit an der Universität Greifswald vermehrt auffiel, unter anderem durch das Tragen von Thor Steinar Kleidung oder das Einladen eines Reichsbürgers als Referenten in einer Vorlesung. In politischen Reden und Beiträgen auf Sozialen Medien machte Weber außerdem wiederholt von rassistischer und anderweitig diskriminierender Sprache Gebrauch, die Studierende auch in seinem Lehrbetrieb befürchten.
Um den Sorgen der Studierenden nun Ausdruck zu verleihen, plant das Kollektiv Uni ohne Nazis, welches es sich zum Ziel gemacht hat, rechtes Gedankengut und Ideologien aufzudecken, eine Demonstration gegen den Rechtsprofessor. Das Kollektiv arbeitet für die Demonstration zusammen mit den Gruppen Unteilbar MV und Greifswald für alle. Uni ohne Nazis hat sich bereits vor 7 Jahren gegen Ralph Weber aufgrund seiner politischen und ideologischen Denkweisen ausgesprochen.
„Wir als Kollektiv haben die 2014 gegründete Initiative ‚Uni ohne Nazis‘ neu aufleben lassen, weil wir heute wie damals für Offenheit und gegen rechtes Gedankengut sind.“ – Laura S., Mitorganisatorin des Kollektivs
Die Kundgebung ist auf kommenden Dienstag, den 02.11, in der Rubenowstraße 1 vor dem alten Audimax um 11 Uhr angesetzt. Das ist am gleichen Tag, an dem die erste Vorlesung von Prof. Weber (12 bis 14 Uhr) stattfinden wird. Geplant sind diverse Redebeitäge, die den Fokus auf die Vielfalt unserer Uni und das Ablehnen rechten Gedankengutes legen.
Zu diesem Anlass wird die gesamte Rubenowstraße (ja, die ganzen 235 Meter) abgesperrt sein. Die Polizei wird auch vor Ort sein und für die die nötige Sicherheit sorgen, da mit mehreren hundert Anwesenden gerechnet wird.
Das Wichtigste auf einen Blick:
Was? Kundgebung zu Ralph Weber Wann? Dienstag, 02.11.2021, 11 Uhr Wo? Rubenowstraße, vor dem alten Audimax
Was geht eigentlich ab in Greifswald? In der web.woche geben wir euch eine Übersicht über die kommenden Veranstaltungen in und um unsere Studierendenstadt. Hier findet ihr Termine, Neuigkeiten und Altigkeiten, von Politik und Region, über Universität und Wissenschaft bis hin zu Kultur und Sport. Im Kalender findet ihr eine Übersicht über alle anstehenden Veranstaltungen. In der Übersicht danach haben wir nicht nur die Veranstaltungen in einzelne Ressorts zusammengefasst, sondern auch weitere Neuigkeiten (und Altigkeiten) zusammengetragen.
von Annica Brommann, Maret Becker und Nina Jungierek
Im Kunstkubus CUBIC könnt ihr ab sofort eine Installation von Martyna Kabulksa unter dem Titel „harmony people“ bewundern.
„Die Vielfalt barrierearmen Lesens“ ist eine Ausstellung der dzb lesen und kann in der Stadtbibliothek besucht werden.
Im BioTechnikum könnt ihr (von Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 15:30 Uhr und Freitag zwischen 8 und 15 Uhr) außerdem die Ausstellung „Wenn die Kinder Segeln gehen“ von Nils-Olaf Hübner besuchen.
Unter dem Titel „Blumen, Seide und mehr“ zeigt die Künstlerin Nadja Klüter im Pommernhus ihre Kreativität auf Seide.
Im PKBkunstLaden könnt ihr zurzeit die Ausstellung „Urbane Geschichten“ des Künstlers Burkhard Szymanski immer Freitag und Samstag zwischen 11 und 16 Uhr besuchen.
Jeden Dienstag und Donnerstag findet in der Kabutze von 14 bis 18 Uhr das „Nähen für Alle!“statt.
DieAusstellung „CAPRICCIO“ des Kunstvereins ART 7 könnt ihr im St. Spiritus immer von Montag bis Freitag zwischen 12 und 17 Uhr anschauen gehen. Der Eintritt ist frei.
Noch bis Mitte November sind die Ergebnisse einer Kooperation des Greifswalder Dalman-Instituts mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin im Rahmen des bundesweiten Themenjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ – als „Ausstellung to go“ in der Stadtbibliothek Greifswald zu sehen.
In Wieck findet derzeit eine Open-Air-Ausstellung unter dem Titel „Die letzten ihrer Zunft“ statt, in der Fotografien von Franz Bischof und Jan Kuchenberger die letzten im Hauptberuf tätigen Fischer*innen der deutschen Ostseeküste zeigen.
Wo? STRAZE, nach Anmeldung über dieses Formular, oder online im virtuellen Hörsaal des Krupp-Kollegs
Neuigkeiten
Am 31. Oktober hatte das Schnelltestzentrum in der Alten Mensa zum letzten Mal geöffnet. Alle Schnelltestzentren in Greifswald sind nun geschlossen. Wer einen Schnelltest braucht, kann den in der Uni Medizin machen lassen.
Der Tierpark bleibt bis auf weiteres aufgrund des Ausbruchs der Vogelpest geschlossen. Das Restaurant hat weiterhin geöffnet.
Achtung! In MV kann bei Veranstaltungen, in der Gastronomie und im Einzelhandel die 2G-Regel gelten. Es gibt dann für Besucher*innen weniger Einschränkungen, Maskenpflicht und Kontaktverfolgung fallen weg und es dürfen mehr Personen in das Restaurant/Konzert. Die 2G-Regel einzuführen, steht den Veranstalter*innen offen.
Die 7-Tage-Inzidenz Hospitalisierung liegt im Kreis Vorpommern-Greifswald zurzeit bei 0,8 (Stand: 29.10.2021). Damit steht der Landkreis auf Stufe 2 – gelb. Der Wert richtet sich nach einer neuen Corona-Ampel, die in MV gilt. Dabei ist die Hospitalisierung entscheidend, im zweiten Schritt wird auf die Infektionszahlen geschaut und danach auf die ITS-Auslastung.
Für die Gremienwahlen der Studierendenschaft im Januar nächsten Jahres werden wieder Mitglieder für den Wahlausschuss und den Wahlprüfungsausschuss gesucht. Alles Weitere findet ihr in einer Mail des AStA-Vorsitzenden vom 26.10. in eurem Uni-Mailpostfach.
Auf dieser Uni-Website könnt ihr die Selbstlernplätze der Universität einsehen und euch bei Bedarf anmelden.
Gemeinsam mit weiteren ostdeutschen Studierendenwerken findet ein Videowettbewerb statt, für den ab diesem Montag Videos eingereicht werden können. Gesucht werden kreative, kurze, knackige Videos (ca. 1 Minute), die sich mit dem Thema „Aussichten… Wie stellst du dir dein Studierendenwerk der Zukunft vor?“ auseinandersetzen. Von Platz 1 bis Platz 10 sind zwischen 100 und 500 € zu gewinnen. Alle weiteren Infos findet ihr hier.
Ein internationales Forschungskonsortium unter Beteiligung Greifswalder Ökonom*innen forscht zur Krebsfrüherkennung in Entwicklungsländern. Dadurch soll ein entscheidender Beitrag zur Bekämpfung von Gebärmutterhalskrebs in diesen Ländern geleistet werden.
Für das Forschungsprojekt „Herrenhäuser des Ostseeraums“ des Casper-David-Friedrich-Instituts wurden erste Testmessungen durchgeführt. Mit dem Bodenradar sollen Erkenntnisse über längst zerstörte Herrenhäuser geliefert werden.
Prof. Dr. Klaus Pinkau, Ehrendoktor der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Greifswald, ist mit 91 Jahren verstorben. Auf der Website der Universität ist ein Nachruf erschienen.
Altigkeiten
Es werden immer noch dringend Blutspender*innen gesucht!! Alle Informationen findet ihr auf der Website der Unimedizin, Termine können über 03834/86-5478 vereinbart werden.
Auf den letzten StuPa-Sitzungen konnten sich noch keine Interessierten für folgende AStA-Referate finden: Das Referat für politische Bildung und Antifaschismus und das Referat für Fachschaftsfinanzen. Die Referatsbeschreibungen findet ihr im Studierendenportal oder in diesem webmoritz.-Artikel.
Der Jugendbereich der Stadtbibliothek Greifswald wird derzeit umgestaltet. Dabei wird nicht nur die Beleuchtung erneuert, sondern es werden auch viele Grünpflanzen in die Gestaltung mit einbezogen. Außerdem hat die Stadtbibliothek die Auswahl an Büchern für Jugendliche zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz erweitert.
Jeden Donnerstag findet in der STRAZE von 16 bis 18 Uhr der Druck- und Zucktreff für alle Jugendlichen ab 14 Jahren statt.
Die Uni bietet fortan einen Babysitter*innenpool an. Die neuen familienfreundlichen Angebote der Uni könnt ihr hier nachlesen.
Über den Hochschulsport können Universitätsangehörige mit Kindern den Sportraum der Fallada-Str. 1 kostenlos nutzen. Auf der Website des Hochschulsports könnt ihr den Raum in einer für euch passenden Zeit buchen.
DerGreifswalder Jugendstadtplan, welcher von und für Jugendliche konzipiert wurde, bietet einen Überblick über die verschiedenen Angebote und Einrichtungen der Region.
Ein kleines heads-up für alle aufmerksamen web.woche.leser*innen: Die web.woche vom 08. bis 14. November fällt aus! Die Woche danach sind wir wieder mit einer vollgepackten web.woche für euch da 🙂
Wir haben ein wichtiges Event in dieser Woche vergessen? Ihr habt noch einen heißen Tipp für die nächste Woche? Schreibt uns einen Kommentar oder eine Nachricht, wenn ihr etwas zur web.woche beisteuern wollt!
Seit über einem Jahr lebe ich nun schon in Greifswald. Ich bin keine frisch Zugezogene mehr. Die Großstadt, die ich für Greifswald verlassen habe, kommt mir sehr weit entfernt vor. Heute weiß ich, dass in Greifswald alles kleiner, ruhiger und nahbarer ist. Die Stadt ist eine kleine Idylle. Aber gefällt mir diese Idylle, wo alles so perfekt zu sein scheint?
Vor genau einem Jahr schrieb ich den Artikel „Eine kleine Review zu meinem neuen Heimathafen Greifswald“. Das scheint so lange her, aber auch gerade erst wie gestern. Nun schreibe ich auch schon seit einem Jahr für den webmoritz.. Wie erging es mir in diesem einen Jahr? Konnte sich Greifswald als mein neuer Heimathafen bewähren? Blieben meine Freundschaften erhalten? Und wie lief das digitale Semester für mich? Was bedeutet mir heute die Stadt, die mir vor einem Jahr noch fremd war?
Die Erstiwoche der anderen
Sehnsüchtig beobachte ich das Treiben am Hafen und auf dem Markt. Dort sind so viele (vor allem junge) Menschen. Menschen, die jetzt ihr Studium beginnen werden. Menschen, die eine ,,richtige“ Erstiwoche erleben dürfen. Ganz ehrlich, ich bin schon etwas (sehr) neidisch. Sie scheinen alle so aufgeregt und glücklich zu sein, dass sie ein neues Kapitel ihres Lebens aufschlagen können. Okay, vielleicht liegt das auch an dem bereits getrunkenen Alkohol, dass alle so glücklich wirken. Der Schein trügt oft.
Aber warum bin ich eigentlich so neidisch auf die Neuankömmlinge?! Vor einem Jahr schrieb ich in meinem Artikel:
,,Sie wurde ganz verantwortungsvoll an die Corona-Maßnahmen angepasst: Alkoholverbot, Masken tragen bei den Veranstaltungen, sich für diese vorher anmelden oder sie online wahrnehmen.“
Das hat die Stimmung damals etwas gedämpft. Aber der eigentliche Grund, warum ich neidisch bin, ist, dass alle so viele Kontakte knüpfen können. Klar, das konnte ich auch. Aber halt in einer abgeschwächten Form. Die Erstis scheinen alle so freudig erregt und das beneide ich.
Dort studieren, wo andere Urlaub machen
Diesen Spruch lese ich so oft. Sowohl in der Stadt, als auch in der Uni. Und jedes Mal stolpere ich darüber. Denn ich verstehe nicht, warum Leute hier Urlaub machen wollen?! Die Innenstadt ist wunderschön, das Fischerdorf Wieck und die Klosterruine Eldena auch. Einen Tages- oder Wochenendtrip würde ich auch vorschlagen, aber war es das nicht im Grunde schon?! Vor einem Jahr schrieb ich:
Die Universität formt die Stadt. Die Stadt formt wiederum das Leben der Studierenden. Ein ewiger Kreislauf, den niemand durchbrechen kann. (…) Die Gebäude der Universität und die Stadt bilden eine wunderschöne Symbiose.
Dem würde ich auch heute noch zustimmen. Aber genau das stört mich manchmal. Es ist meistens sehr voll in der Innenstadt. Ältere Menschen, die die Cafés besetzen, Studierende, die von dem einen zum nächsten Seminar hetzen, Kinder, die von der Schule kommen und Tourist*innen, die große Gruppen bilden. Na ja, ich lebe dort, wo andere Urlaub machen.
Mein erstes Winter- und Sommersemester: Freizeit, Spaß und Spiel adé
Ich studiere jetzt. Das schon seit einem ganzen Jahr. Vor allem während des ersten Semesters war ich maßlos davon überfordert. Hobbys, die kamen viel zu kurz. Ich stand eine Zeit lang jeden Morgen um 5 Uhr auf, um all meine Aufgaben für die Uni zu schaffen.
Das Wintersemester begann noch ein wenig im Präsenz-Unterricht. Das Sommersemester endete rein digital. Und heute? Heute bin ich davon überfordert, so viele Menschen in einem Raum zu sehen. Am liebsten würde ich wegrennen. Manchmal habe ich ein wenig Angst vor den ganzen Leuten, die wieder Augenkontakt mit mir aufbauen können.
Sowohl mit dem Fahrrad, dem Domcenter als auch dem Küstenkind konnte ich mich noch nicht so recht anfreunden.Trotz meiner fehlenden Liebe zum Rad, bin ich nicht auf der Stelle stehengeblieben. Die erste eigene Wohnung, eine Beziehung, ein Jahr webmoritz. und einen Job mehr sind dazu gekommen.
Alte Freundschaften
,,Ich bin zufrieden und dankbar für diejenigen, die jetzt ein Teil meines Lebens sind, die ich hier durch die Universität gefunden habe oder auch Freund*innen, die ich aus der Heimat mitbringen konnte.“
Dem kann ich nur zustimmen. Um ehrlich zu sein, viele neue Freundschaften sind nach dem ersten Monat auch nicht mehr dazu gekommen. Manche Freundschaften sind enger geworden, andere sind auseinandergedriftet. Und wiederum andere könnten durch die Präsenz-Lehre wieder stärker werden.
Mein Fazit zu einem Jahr Heimathafen
Diese Review ist eindeutig kritischer und weniger positiv geworden als der Artikel von vor einem Jahr. Ich kann Greifswald und das Studium bloß nicht mehr durch die Rosa-Rote-Brille sehen. Heute fallen mir Fehler an der Stadt auf, die ich damals nicht sah. Jedoch finde ich das überhaupt nicht schlimm, denn mein Zuhause ist Greifswald. Manchmal ist mir hier alles zu eng und zu viel. An anderen Tag ist es mir zu weit und zu wenig. Und ab und zu ist einfach alles genau richtig, so wie es ist. Hier habe ich meine Freunde und die Universität. Vielleicht denke ich in ein paar Jahren, dass Greifswald nicht mehr der Ort ist, an dem ich mich angekommen fühle. Aber dann ziehe ich weiter. Und das fände ich okay. Denn heute bin ich hier, hier in Greifswald. Und diese kleine Idylle mag ich sehr gerne.
PS: Falls ihr den Artikel schon kritisch fandet, hört mich mal über meine Geburtsstadt lästern ;).
Seit einem Monat ist es nun offiziell: Am 15.09.2021 beschloss der Akademische Senat der Universität Greifswald die letzten drei Punkte der Klimaschutzstrategie, die für unsere Uni eine CO2-Neutralität bis 2030 vorsieht. Die ersten beiden Unterziele des Beschlusses, die festlegen dass und bis wann die Neutralität umgesetzt werden soll, wurden bereits auf der Junisitzung des Senats angenommen. Wir haben beim Nachhaltigkeitsbeauftragten nachgefragt, was genau sich seitdem geändert hat und was die Neurungen für uns Studierende bedeuten.
Während im Juni, trotz breiter Zustimmung für eine Klimaschutzstrategie, noch einige Bedenken in Bezug auf die Umsetzung geäußert werden, fällt die Debatte am 15. September doch überraschend kurz aus: Frau Dr. Juliane Huwe und Herr Dr. Tiemo Timmermann führen in wenigen Sätzen die seit der Junisitzung beschlossenen Neuerungen an, Hannes Damm stellt eine Nachfrage, es wird geantwortet, dann abgestimmt. Nach gerade einmal 9 Minuten ist alles vorbei. Kurz und schmerzlos. Die letzten Worte der Sitzungsleitung wirken nach den vielen Jahren aus umfassenden Planungen und Verhandlungen fast schon etwas unzeremoniell: „Dann möchte ich den erweiterten Senat fragen, ob jemand nicht dafür stimmt? Enthaltungen? Sehe ich keine. Vielen Dank. Damit ist das Ganze angenommen.“
Was bisher geschah…
Denn es war ein langer Weg bis zu diesem finalen Beschluss. Schon 2012 wurde im Leitbild unserer Universität der Wunsch geäußert, klimaneutral zu werden, sechs Jahre später wurde dieser Wunsch dann auch als konkretes Ziel in den „Leitlinien zur Umsetzung des Ziels CO2-neutrale Universität“ festgehalten. So versuchte die Uni bereits vor der aktuellen Klimaschutzstrategie unnötige Emissionen zu vermeiden, und immer wieder wurden in den universitären Gremien Anträge gestellt, die weitere CO2-Reduzierungen fördern sollten.
Mit dem Beschluss im Juni dieses Jahres gibt es nun auch endlich ein Datum, das die festgelegten Leitlinien in einen genauen zeitlichen Rahmen zwängt und damit hoffentlich auch den Druck erhöhen kann, das Vorhaben CO2-Neutralität ohne weitere Umschweife anzugehen. Während im ursprünglichen Antrag von der Nachhaltigkeitskommission noch 2035 als Frist gesetzt worden war, stellte Hannes Damm auf der Senatssitzung den Änderungsantrag, diese auf 2030 herabzusetzen. Mit Erfolg. Damals sprachen wir bereits mit Hannes über die Klimaschutzstrategie und über die Hintergründe seines Antrags. Die Nachhaltigkeitskommission wollte – in Rücksprache mit Rektorat und Pressestelle – zunächst mit einer Stellungnahme bis nach der Septembersitzung des Senats warten.
September’s Not So Far Away
September bricht an, der Senat tagt und wir sind gespannt. Nach wenigen Minuten ist das, worauf wir Monate gewartet haben, auch schon wieder vorbei. Beinahe wünscht man sich eine Gegenrede, immerhin wurde doch auch im Juni noch Kritik geäußert, dass die CO2-Neutralität bis 2030 nur schwer umzusetzen sei. Auch der Nachhaltigkeitsbeauftragte Dr. Tiemo Timmermann, mit dem wir nach der Septembersitzung sprechen, zeigt sich positiv überrascht. Beide Ziele, sowohl 2030 als auch 2035, seien durchaus ehrgeizig. Dass man sich dennoch mit einer breiten Zustimmung auf die Strategie geeinigt hat, setze ein deutliches Zeichen, wie wichtig es unserer Uni ist, einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. „Es zeigt, wie stark der Wunsch an der Universität verankert ist, jetzt mit dem Klimaschutz wirklich schnell voran zu gehen“, so Timmermann.
Aber wie schnell geht die Universität Greifswald wirklich voran? Immerhin sind andere Universitäten Deutschlands schon längst klimaneutral, darunter zum Beispiel die Leuphana Universität Lüneburg, die bis zur Umsetzung des Ziels nur 7 Jahre brauchte. Und wie groß ist der Wunsch, unsere Uni CO2-neutral zu gestalten, auch unter den nicht-studentischen Mitgliedern der Universität? Der Änderungsantrag auf 2030 wurde vom Promotionsstudenten Hannes Damm eingereicht, während sich gerade unter der Statusgruppe der Professor*innen und unter Mitarbeiter*innen der Verwaltung Zweifel zeigten. Timmermann räumt ein, dass unsere Ambitionen natürlich nicht mit denen einer Leuphana Universität oder der Hochschule Eberswalde mithalten können, doch anders als wir haben beide Hochschulen von Anfang an alle Aspekte des universitären Lebens im Sinne eines „Whole Institution Approaches“ auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausgerichtet. Im gesamtdeutschen Vergleich sehe das aber anders aus: Hier haben sich bisher noch nicht einmal 10% aller Universitäten Ziele für Klimaneutralität gesetzt, sodass Greifswald sich mit dem aktuellen Beschluss zu den Vorreiterinnen zählen kann. Auch für die Bedenken der nicht-studentischen Mitglieder hat Timmermann Verständnis. So sei es nicht verwunderlich, dass sich bei Menschen, die seit Jahren in Lehre, Leitung oder Verwaltung einer Hochschule tätig sind, offene Fragen auftun, wie an einer so komplexen Institution in nur 9 Jahren ein solch umfangreiches Ziel umgesetzt werden könne. Timmermann möchte die Skepsis der Beteiligten aber nicht nur negativ sehen: „Sie kann auch hilfreich sein und uns motivieren, gerade die besonders kniffligen Punkte systematisch anzugehen.“
Epilog in Mehrautor*innenschaft
Dass Greifswald nicht die erste Universität sein wird, die sich das Ziel der Klimaneutralität vornimmt, bietet aber auch durchaus Vorteile. So möchte man sich im Laufe des Oktobers in einem ersten Auftakttreffen mit dem HIS-Institut für Hochschulentwicklung e.V. zusammensetzen und, basierend auf den Erfahrungen anderer Hochschulen, über konkretere Maßnahmen beraten. Ein wichtiger Grundsatz dabei sei aber, so Timmermann, „dass ein nachhaltiger und effektiver Klimaschutz, insbesondere an Hochschulen, nicht einfach ‚top down‘ vorgegeben werden kann“. So müssen die besonderen Bedingungen jedes einzelnen Handlungsfeldes der Universität für eine effektive Treibhausgasreduzierung mit einbezogen werden. Bereits jetzt wurden auf Grundlage von Einwänden aus der Universitätsverwaltung kleinere Änderungen an der Klimaschutzstrategie vorgenommen. So wurde die Anzahl der geplanten Arbeitsgruppen von 6 auf 5 reduziert, um die Arbeitsbelastung nicht ausufern zu lassen. Damit entfällt die AG Ernährung und Veranstaltungsmanagement, ihre Aufgaben sollen aber, so wurde es auf der Senatssitzung im September versichert, von den anderen Gruppen aufgefangen werden. Zudem wurde in der Strategie der wichtige Zusatz ergänzt, dass es sich bei allen hier aufgeführten Maßnahmen lediglich um Vorschläge handelt. Erst in den nächsten Wochen und Monaten und nach weiteren Arbeitstreffen mit dem HIS und den ersten Sitzungen der Arbeitsgruppen kann in gemeinsamen Entscheidungen ein Kurs eingeschlagen werden. Denn, das betont Timmermann immer wieder, „alle Akteur*innen an der Hochschule mit ihren jeweiligen Sichtweisen, Erwartungen, Möglichkeiten, Bedenken, bahnbrechenden Ideen, etc. sollen gut und mit gegenseitigem Respekt an einem Strang ziehen“.
Inwieweit Studierende auf diesem Kurs mitnavigieren sollen, steht noch nicht genau fest, nur dass sie beteiligt sein werden, ist „selbstverständlich und notwendig im Sinne eines breiten partizipativen Prozesses“. Auch weiterhin besteht seitens der Nachhaltigkeitskommission der Wunsch, dass Studierende direkt an den neuen Arbeitsgruppen beteiligt werden, auch wenn die genauen Rahmenbedingungen noch nicht festgelegt wurden. Unter den aktuell vorgesehenen maximal 10 Mitgliedern in einer AG sollen demnach ein*e Studierende*r und ein*e Vertreter*in von Scientists4Future sitzen. Aber auch darüber müsse noch offen und transparent diskutiert werden, zum Beispiel innerhalb der Nachhaltigkeitskommission. An dieser Stelle ruft Timmermann auch alle Studierenden zur Einbringung auf: Es sei jederzeit möglich, sich mit Wünschen und Vorschlägen direkt an ihn und die Nachhaltigkeitskommission zu wenden. Auch für Studierende, die selbst weitere Bedenken oder ungeklärte Fragen haben, kann die Kommission eine erste Ansprechpartnerin sein. Denn „auch hier gilt: Miteinander reden ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit!“
Die aktuellste Version der Klimaschutzstrategie findet ihr hier. Über diesen Link gelangt ihr außerdem zur Webseite der Nachhaltigkeitskommission. Der Nachhaltigkeitsbeauftragte Dr. Tiemo Timmermann ist unter tiemo@uni-greifswald.de zu erreichen.