CoFit-19 – Sportlich durch den Lockdown mit Yin-Yoga

CoFit-19 – Sportlich durch den Lockdown mit Yin-Yoga

Das Fitnessstudio habt ihr seit mindestens einem Jahr nicht mehr von innen gesehen, die Sportmatte hat es sich mit den Wollmäusen unterm Bett gemütlich gemacht und auf dem Rad dem Greifswalder Gegenwind standzuhalten, ist so anstrengend wie noch nie? Kennen wir. Unsere Redaktion versucht, sich aufzuraffen und neue sportliche Aktivitäten während des Lockdowns auszuprobieren. Mit etwas Glück entdeckt ihr in unserer neuen Reihe also vielleicht etwas, woran ihr auch Spaß findet. Vielleicht liegt ihr aber auch lieber im Trainingsanzug auf der Couch und zieht euch die zweite Pizza rein während ihr unsere Artikel lest – auch okay, wir wünschen euch jedenfalls viel Spaß!

Ommm…

Das denken sich gerade bestimmt einige, wenn sie den Begriff „Yoga“ hören. Denn es ist schon lange über den Status einer neuen Trendsportart hinausgewachsen. Inzwischen ist Yoga wohl allen ein Begriff und für viele ist es sogar ihr Lieblingssport geworden, andere nutzen es eher als Ausgleich zu einer anderen Sportart. Es gibt die verschiedensten Arten von Yoga, zum Beispiel Hata-Yoga und Forest-Yoga, um nur ein paar von ihnen zu nennen – und eben Yin-Yoga, das ich euch gerne vorstellen möchte, denn für mich stellt es eine ganz besondere Art des Yogas dar. Im Gegensatz zum Hata-Yoga, sollen beim Yin-Yoga die Positionen länger gehalten werden, um den ganzen Körper zu entspannen. Das hört sich vielleicht ganz relaxt an, aber Achtung Spoiler: Das kann auch mal ganz schön schmerzhaft werden. Aber welcher Sport verlangt uns nicht ab, auch mal über unsere Grenzen hinauszugehen?! Yin-Yoga würde ich auch als Sport für das Durchhaltevermögen bezeichnen, denn manchmal müssen Stellungen für mehrere Minuten gehalten werden. Und zwischendurch denkst du dir „ich kann nicht mehr, alles tut weh.“ Doch dann atmest du deinen Schmerz weg (oder versuchst es zumindest). Du vereinst deinen Körper mit deiner Atmung und gelangst in einen meditativen Zustand. Und das kann genau das Richtige sein, nach einem langen Tag am Schreibtisch oder auch nach einem anstrengenden Gewichts– und/oder Hula-Training. 

Für wen eignet sich Yin-Yoga?

Erlernen können Yin-Yoga alle, aber man sollte langsam damit anfangen und zunächst die einfachsten Stellungen üben. Am Anfang sollten die Haltungen auch nicht zu lange eingenommen werden. Am besten nur 60 bis 90 Sekunden. Hier gilt die Regel: Sobald etwas zu schmerzhaft werden sollte, gehe aus der Haltung raus und wechsle in eine Entspannungshaltung.

 Was benötige ich?

  • Eine Yoga- oder Fitness-Matte
  • Am besten noch eine Decke und ein oder mehrere Kissen. Die Decke kann Schmerzen im Knie verhindern. Und die Kissen können dir dabei helfen, leichter eine entspannte Haltung einzunehmen und Übungen länger zu halten.
  • Wer ein Meditationskissen oder einen Yoga-Block besitzt, kann natürlich auch diese benutzen. Auch sie helfen dir dabei, deine Haltungen zu intensivieren.

Wie viel Geld muss ich dafür ausgeben?

In Corona-Zeiten gar nichts. Es gibt genug YouTube Videos, die dir Einstiegs-Übungen zeigen.

Dennoch kann ich aus eigener Erfahrung nur empfehlen, einen Yoga-Kurs zu besuchen. Dort werden deine Stellungen besser kontrolliert und eine Person gibt auch auf dich Acht. Beim Yin-Yoga kann dich leicht der Ehrgeiz packen,noch tiefer in eine Haltung zu gehen. Das kann deinen Körper überstrapazieren und ihm schaden.

 

Wie viel Zeit muss ich dafür einplanen?

Das kannst du selbst entscheiden. Ich würde aber Videos ab 30 Minuten empfehlen. Dann hat man einen intensiveren Entspannungseffekt. Und die Belohnung, die Endentspannung, ist länger – alle Yogis unter euch, wissen was ich meine. 😉

Durchführung

Zuallererst solltest du dich für die Yoga-Session aufwärmen. Dazu bietet sich der Sonnengruß an, der auf den späteren Ablauf abgestimmt werden kann. Daraufhin fängt man an, Positionen länger zu halten. Dabei ist das Ziel, möglichst komplette Entspannung zu erreichen. Hier findet ihr eine von unendlich vielen Ablauf-Variationen.

Auf YouTube findest du viele Yin-Yoga Klassen, ich habe euch hier einige meiner Lieblingsvideos verlinkt. Der Ablauf kann je nach Schwierigkeitsstufe variieren. Ich hoffe, es ist für alle von euch etwas dabei:

  • Dieses Video führt dich gut in die Yin-Yoga-Praxis ein und ist perfekt für Anfänger*innen geeignet. Glaub mir, danach bist du tiefenentspannt!
  • Dieser Ablauf ist ideal nach einem langem Uni-Tag am Schreibtisch. Du entspannst deine Hüfte und den unteren Rücken.
  • Dieses Video kann ich allen auf einem mittleren Niveau empfehlen.
  • Wenn du schon viele Yoga-Erfahrungen gemacht hast und bereits Yin-Yoga Kenntnisse besitzt, lässt dich dieses Video vielleicht trotzdem an deine Grenzen stoßen.

Mein Fazit

Yin-Yoga ist meine liebste Yoga-Richtung. Angefangen habe ich damit während des Abiturs, ohne zu wissen, worauf ich mich da einlassen würde… auf die totale Entspannung. Ich bin aus dem Kurs rausgegangen und ich war von allem losgelöst. Allzu oft habe ich während eines Kurses gedacht, dass ich nicht mehr kann. Aber ich musste lernen den Schmerz wegzuatmen. Während der Pandemie habe ich Yin-Yoga wieder für mich entdeckt und kann es immer noch weiter empfehlen. Vor allem in Corona-Zeiten kann es helfen, den Stress oder auch die Schmerzen, die uns die Pandemie antut (körperlich wie auch mental), wegzuatmen. Das braucht seine Zeit, kann aber erlernt werden.

Yin-Yoga ist eine Mischung aus Elementen des Yogas und der Meditation. Und das kommt meinem Körper, meiner mentalen Gesundheit und meiner Emotionalität zugute.  

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Entspannungsfaktor

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Schweißfaktor

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Effizienz

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Preis-Leistungs-Verhältnis

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Trendpotential

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Nachbarschafts-verträglichkeit

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Anfänger*innen-tauglichkeit

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Spontanität

Beitragsbilder auf unsplash von Anton Shuvalov, Jared Rice, Conscious Design, Awaken LIVE und Dane Wetton  

 

Auf die Plätze, fertig, radeln! – Das Stadtradeln hat begonnen!

Auf die Plätze, fertig, radeln! – Das Stadtradeln hat begonnen!

Was macht die Stadt Greifswald und ihre Bewohner*innen aus? Genau, ihre Liebe zum Rad. Und perfekt zu dieser Thematik findet auch dieses Jahr wieder das dreiwöchige Event in unserer Stadt statt: Am 1. Mai hat das Stadtradeln in Greifswald begonnen. Und ihr habt noch bis zum 21. Mai Zeit, so richtig kräftig in die Pedale zu treten, um Radkilometer zu sammeln.

Aber wozu sollte ich mich von meiner gemütlichen Couch hochbewegen?

Es wird Deutschlands fahrradaktivste Kommune mit den meisten Radkilometern insgesamt sowie mit den meisten Radkilometern pro Einwohner gesucht. Natürlich steht dabei das Radfahren für das Klima im Fokus. Damit einher geht die Radförderung und die Lebensqualität in deiner Kommune. Falls dich das noch nicht überzeugen konnte, packt dich jetzt vielleicht hiermit der Ehrgeiz: Greifswald tritt nämlich gegen die US-amerikanische Partnerstadt Newport News an. Achtung Spoiler! Bisher sind wir (VIEL) besser aufgestellt als sie. Für Greifswald radeln schon 139 Teams. Tendenz steigend. Aber meinen persönlichen Anreiz stellt der Gewinn eines Pokales dar. Wer liebt keine Pokale?!

Wer darf mitmachen?

Natürlich alle Personen jeder Altersstufe, die einen fahrtüchtigen Drahtesel besitzen und in Greifswald wohnen, arbeiten, einem Verein angehören oder eine (Hoch-)Schule besuchen. Nützlich wäre es vor allem, wenn man beruflich und privat radelt.

Wie kann ich mich anmelden?

Das geht ganz einfach. Hier kannst du dich und dein Team anmelden, um für deine Kommune loszuradeln. Du kannst dich jederzeit (vom 1.-21.Mai) für das Stadtradeln anmelden. Es gibt übrigens auch eine spezielle App zum Stadtradeln. Die findest du bestimmt auch in deinem App-Store. Die App hilft dir nicht nur deine Strecken zu tracken, sondern auch die Radinfrastruktur vor deiner Haustür zu verbessern.

Manche machen es sich zu einer extra Challenge, 21 Tage auch auf das Auto zu verzichten, um aufs Rad umzusteigen. Das sollte aber für die meisten Studierenden in Greifswald kein großes Hindernis darstellen.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Es gibt sogar einen Stadtradeln Podcast.

Beitragsbild von Murillo de Paula auf unsplash.com

Meldeverzug der Inzidenzzahlen im Landkreis Vorpommern-Greifswald – Und nun?

Meldeverzug der Inzidenzzahlen im Landkreis Vorpommern-Greifswald – Und nun?

Gefälschte Inzidenzzahlen für unseren Landkreis?

Erst vor ein paar Tagen erschien auf dem webmoritz. ein Artikel, in dem über den Meldeverzug der Corona-Inzidenzwerte in unserem Landkreis berichtet wurde. Was genau bedeutet das jetzt für unseren Landkreis und die Politik? Die Antworten findet ihr kurz und knapp in diesem Artikel.

Was war passiert?

Nachdem seit Mitte Februar die vom Landkreis gemeldeten 7-Tages-Inzidenzen deutlich von den Zahlen des RKI und weiterer Quellen abwichen, hatte insbesondere der lokale Kreisverband der Partei Bündnis 90/Die Grünen Ende März Kritik an Landrat Michael Sack (CDU) geäußert und eine zeitnahe Aufklärung der Diskrepanzen gefordert. Daraufhin wurde Anfang April in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) eine Untersuchung eingeleitet. Das Ziel dieser Untersuchung bestand darin, mögliche Probleme im Meldeprozess der positiv Getesteten durch die lokalen Gesundheitsämtern an das LAGuS zu ermitteln. Der besagte Meldeverzug der Inzidenzzahlen nahm Einfluss auf den MV-Gipfel. Man hätte besser an der Corona-Lage arbeiten können.

Worin liegt das Problem?

Wie bereits vermutet, bestätigte sich durch die Untersuchung, dass die positiven Testergebnisse seit Mitte Februar zum Teil erst mit deutlicher Verzögerung an das LAGuS gemeldet worden waren. Dadurch gingen diese Erkrankten jedoch nicht den vollen Zeitraum von einer Woche in die 7-Tages-Inzidenz ein. Die offiziellen Statistiken des Landkreises zeigten daher Werte, die deutlich niedriger waren als die tatsächlichen Infektionszahlen in diesem Zeitraum.

Landrat Michael Sack begründete den Meldeverzug in einer Stellungnahme mit einem Missverständnis, das im Zuge des Übermittlungsvorgangs im Gesundheitsamt des Kreises aufgetreten sei. Die Behörde sei demnach davon ausgegangen, dass sie für jeden positiven Fall einen Datensatz aus 70 Einzelpunkten weitergeben müsse, damit der Fall in die Statistik des LAGuS eingehen könne. Durch den hohen Arbeitsaufwand sei es daher nicht immer möglich gewesen, die Testergebnisse zeitnah zu übermitteln. Es habe sich nun aber herausgestellt, dass initial auch einige wenige Informationen genügten, während die anderen nachgereicht werden könnten.
Warum diese Probleme erst seit Mitte Februar aufgetreten waren, obwohl die Ergebnisse davor anscheinend in fast allen Fällen zeitnah mitgeteilt werden konnten, ließ Sack in seiner Erklärung unerwähnt.

Wie ist das weitere Vorgehen?

Laut Michael Sack soll das Meldeverfahren durch das Gesundheitsamt an das LAGuS umgestellt werden. Dadurch ließe sich die Arbeitsweise der Kontaktnachverfolgung schneller und effizienter gestalten. Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) will den Fall prüfen.

Folgen des Meldeverzugs:

Beitragsbild und Mitarbeit am Artikel: Philipp Schweikhard

Mimimi-Mittwoch: Lebensgefahr auf dem Fahrrad

Mimimi-Mittwoch: Lebensgefahr auf dem Fahrrad

Wut, Hass, Zorn: All diese Gefühle verbindet man so manches Mal mit seinem Fahrrad. Genau für solche Momente ist diese Kolumne da. Wann immer wir uns mal gepflegt über Fahrräder auslassen oder uns auch generell mal der Sattel drückt, lest ihr das hier.

Beim webmoritz. wurde sich schon oft mit dem guten alten Rad beschäftigt: z.B. beim Mimimi-Mittwoch über Radfahrende oder bei der aktuell erscheinenden Reihe „Gutes Rad ist teuer„.

Fahrrad während der Verkehrshauptzeit zu fahren bedeutet in der Großstadt: Wenn du nicht aufpasst, zwei Helme, vier Knieschützer (pro Knie) und drei Armschützer (pro Arm) trägst und dazu ganz viel Glück hast, kommst du (eventuell) unverletzt zuhause an. Und mit dieser Einstellung bin ich aufgewachsen. Das wurde sogar in den abendlichen Lokal-Nachrichten propagandiert, als von dem neusten Rad-Unfall berichtet wurde. Ergo: Es ist eine große Abneigung (vielleicht sogar eine gewisse Angst) gegenüber dem Fahrradfahren entstanden. Aber hier geht es nicht um das Fahren. Hier geht es um meine Abneigung zur bloßen Existenz des Gerätes.

„Guter Rad ist teuer. – Eddy Merckx, Radsportler

Während meiner Schulzeit konnte ich den Bus nehmen oder zur Not auch (45 Minuten) laufen. Das stellte im Winter kein Hindernis dar, weil all meine Freund*innen den Bus genommen haben, doch dann kam der Sommer: „Nimm doch das Fahrrad! Das geht viel schneller.“ Verhärmt schüttelte ich den Kopf. Es wurde weiterhin versucht, mich zu überzeugen. Doch dann kam der Schock für meine Freund*innen „Wie, du hast kein Fahrrad?!“ Sie taten so, als ob ein Fahrrad in der Großstadt überlebensnotwendig wäre. Zu ihrer Verteidigung gebe ich zu: Wir wohnen schon eher am Rand der Stadt. Viele meiner Freund*innen lebten in eher dörflichen Verhältnissen und für sie ist das Fahrrad manchmal schon notwendig gewesen. Für mich allerdings nicht! Genauso wenig wie ein Auto. Also waren meinen liebsten Kumpan*innen der Bus, die U-Bahn und die S-Bahn, um mich von A nach B zu kutschieren. Die Monatsfahrkarte war mein ständiger Begleiter – bis ich sie (über einen kurzen Zeitraum) verloren habe. Da fühlte ich mich gleich ganz nackig und hilflos. „Warum leihst du dir nicht das Fahrrad von deiner Familie aus? Dann kannst du damit zur Schule fahren, solange du die Fahrkarten extra für den Bus kaufen musst.“ – Meine Antwort: ,,Vergiss es! Niemals! Fahrrad = Tod“, schrie ich auf.

„Keine Gnade für die Wade. – Louis J. Halle, Naturforscher

Manche von euch mögen jetzt denken: „Vielleicht kann sie kein Fahrrad fahren oder hatte einen schlimmen Unfall.“ Natürlich kann ich Fahrrad fahren. Ich habe es behütet auf einem roten kleinen Fahrrad im Garten meiner Großeltern gelernt. Und als ich dann auch tatsächlich mal fuhr, schrie ich: „Ich fliege!“ Und das tat ich. Voll auf die Fresse. Also nicht am gleichen Tag. Irgendwann später. Drei Jahre später oder so, als ich mit meinem Opa unterwegs gewesen bin. Er konnte mich gerade so vor dem Fliegen in den Himmel bewahren. Ja, ich gebe es zu. Ich übertreibe gerade. So schlimm war es gar nicht. Aber es fühlte sich so an. Ich fasse zusammen, die erste Zeit in meinem Leben bin ich ganz behütet bei meinen Großeltern mit dem Rad gefahren oder in irgendeinen Park, in der Nähe meines Wohnortes. Damals war alles gut. Keine bösen Autos, keine bösen Straßen. Ergo kein Tod. Und dann kam die Fahrschule. Also die Rad-Fahr-Schule in einem Verkehrsgarten. Ich habe den Radführerschein mit 0 Fehlern bestanden. Meine großartige Leistung wurde mit einem Lolli und einem Lineal mit Verkehrszeichen belohnt. Ein Träumchen. Das Problem an einem Verkehrsgarten: Es ist keine richtige Straße. Dort kann mich keine*r umfahren, es sei denn Luise (die auch voll doof war) fährt mich mit ihrem roten Kinderroller an. Es gibt keine hupenden Autos oder einen LKW, zu dem ich im toten Winkel stehe.

„Wenn deine Beine dich anflehen, aufzuhören und deine Lunge zu explodieren droht, dann geht es erst richtig los. Das ist der Ozean der Schmerzen. Gewinner gehen richtig in ihm auf.“ – Chris McCormack

Wie man schlussfolgern kann, wurde ich nicht gut auf das Fahrradfahren in der freien Großstadt-Wildnis vorbereitet. Und dann zog ich nach Norditalien, wo sowohl das Fahrrad als auch das Auto typisch „italienisch“ gefahren wurden. Trotz (oder gerade wegen) eines gestellten Schrott-Fahrrads von der Arbeitsstelle bin ich schön zur Arbeit gelaufen oder habe den Bus genommen. Dennoch ließ ich mich zu einer Rad-“Tour“ mit einer Freundin hinreißen. Die „Tour“ ging bis zu ihrer Wohnung. Dann ist meine Fahrrad-Kette rausgesprungen. Unsere Tour haben wir dann mit der Bahn fortgesetzt.

Das Blatt schien sich zu wenden, als mich Verwandte in Italien besuchen gekommen sind – mit ihren Mountainbike-Rädern für eine Radtour. In voller Montur (inklusive einer wunderschönen, gepolsterten Fahrradhose) konnte ich das Fahrradfahren genießen. Ich mochte es sogar. Das Geniale: Der perfekte Radweg. Es ging Kilometer weit nur geradeaus, inmitten von Obstbaum-Plantagen. Hatte ich etwa unverhofft meine Liebe zum Rad entdeckt?

„Fahre, fahre, fahre.“ – Fausto Coppi, auf die Frage, wie man sich verbessern kann

Ich zog wieder um, in die Hansestadt Greifswald. Alles ist zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen. Sehr motiviert von meiner letzten positiven Rad-Erfahrung, war eine meiner ersten Handlungen vor Ort, ein Fahrrad von bekannten Kleinanzeigen zu kaufen. Es ist ein schönes Fahrrad. Der große Drahtesel schimmert in einem Anthrazitblau und Aschgrau. Vorne ist ein ausladender Korb drapiert, der viel Stauraum bietet. Aber ich hatte Angst damit zu fahren, weil ich mich in Greifswald noch nicht so gut auskannte. Doch ich traute mich, kleine Strecken zu fahren. Doch dann, es war zu schön, um wahr zu sein: Meine Lampe funktionierte nicht mehr und das Rad fuhr sich immer schwerer. Viel, viel, viel schwerer. Ich dachte mir wirklich, dass wir vielleicht eine Bindung aufgebaut hätten, aber da habe ich mich wohl getäuscht. Und jetzt? Jetzt nimmt das Rad zu viel Platz auf meiner Mini-Terrasse ein. Es wurde zugeschneit, jetzt ist der Schnee wieder geschmolzen. Und es steht einfach so da. Und rostet so vor sich hin.

Bis mich die Frühlingsgefühle packten und ich mir dachte, dass ich mal eine Fahrradwerkstatt besuche, um zu schauen, was mit meinem Fahrrad denn los war. Wie bereits vermutet, war das Ventil kaputt. Doktor Fahrrad konnte das Problem schnell lösen und verlangte dafür keine hohe Entlohnung. Voller Vorfreude, dass mein Fahrrad wieder „normal“ fährt, stieg ich auf, trat in die Pedale, wurde dann jedoch umso herber enttäuscht. Es fuhr genau so scheiße wie vorher. Ich entschuldige mich für die Wortwahl, aber mittlerweile würde ich das Teil am liebsten einfach irgendwo stehen lassen und nie wieder sehen. ES REICHT! Und jetzt stellt es, zwar sichtbar, aber wieder nur ein zu großes Dekoelement auf meiner Terrasse dar. Das ist genau die Zweckentfremdung, die dieses Gerät eindeutig verdient hat.

Beitragsbilder: Florian Schmetz und Patrick Pahlke auf unsplash

Umgekrempelt: Eine Woche lang auf Musik verzichten

Umgekrempelt: Eine Woche lang auf Musik verzichten

Kennt ihr das, wenn man mal was Neues ausprobieren will, aber am Ende alles beim Alten bleibt? Uns jedenfalls kommt das sehr bekannt vor, deswegen haben wir uns für euch auf einen Selbstoptimierungstrip begeben. In dieser Kolumne stellen wir uns (meistens) sieben Tage als Testobjekte zur Verfügung. Wir versuchen für euch mit unseren alten Gewohnheiten zu brechen, neue Routinen zu entwickeln und andere Lebensstile auszuprobieren. Ob wir die Challenges meistern oder kläglich scheitern, erfahrt ihr hier.

Wie gerne ich jetzt Musik hören würde! Aber nein! Das ist für mich nicht drin. Denn genau darum geht es: keine Musik zu hören. Eine ganze Woche lang. ‚Aber warum habe ich mir das angetan?‘, fragen sich vielleicht einige – Ich will herausfinden, wie es mir damit geht, wenn ich mich nicht den ganzen Tag über von meiner Musik beschallen lasse. Vielleicht verändert sich sogar nachhaltig etwas an meinem Musikverhalten.

Meine Ausgangssituation vor diesem Selbstversuch ist die Folgende gewesen: Ich höre andauernd und gerne Musik. Bei jeder alltäglichen Situation: beim Abwaschen, beim Zähneputzen, beim Spazierengehen oder auch zum Einschlafen. Daher musste dieses Projekt etwas warten, denn die Prüfungsphase wäre ein unmöglicher Zeitpunkt für mich gewesen, um auf Musik zu verzichten! Was hätte ich schließlich sonst in meinen Lernpausen tun sollen?!

Während meiner siebentägigen Reise bin ich vor allem der Frage nachgegangen, was Musik meinen Mitmenschen bedeutet, was sie mit ihnen macht und was sie selbst dazu verleitet, so viel Musik zu hören.

1. Tag: Montag

Am Sonntag Nachmittag stellte ich mir extra einen Erinnerungs-Wecker, damit ich nicht vergessen konnte, keine Musik zu hören. Und schon prasselten Situationen auf mich ein, in denen ich gerne Musik gehört hätte: Beim Zähneputzen, beim Abwaschen, beim Sachen packen oder auch beim Artikel schreiben. Aber das fiel alles flach. Mich umgab die pure Stille. Doch änderte sich heute irgendetwas für mich? Nicht wirklich. Ich wollte ein paar Mal auf meinen Spotify Account klicken, dann fiel mir jedoch ein, dass ich das nicht darf. Am Abend wollte mein Freund mir einen Song zeigen und er spielte ihn an, bis mir meine selbstgewählte Challenge einfiel und ich meinte: „Stopp! Ich darf keine Musik hören!“ Daraufhin wurde der Song abgebrochen und ich werde ihn mir wohl erst später anhören können.

Unsere Chef-Redakteurin Julia meint: ,,Keine Musik zu hören, wäre für mich unvorstellbar. Sobald ich aufwache, spielt Musik in meinem Kopf on repeat, und wenn ich die Zeit dazu habe, befriedige ich das Dauergedudel schon kurz nach dem Aufstehen, indem ich genau dieses Lied lautstark aus meinem Handylautsprecher ertönen lasse. Dann noch dazu beim Zähneputzen durchs Badezimmer tanzen, und der Morgen ist perfekt. Musik ist mein konstanter Begleiter — auf dem Fahrrad, beim Geschirrspülen, während des Lernens. Sie ist die perfekte Allzweckwaffe: Sie versetzt mich in eine bestimmte Gefühlslage, hilft mir bei der Konzentration oder bringt mich auf andere Gedanken, wenn es nötig ist.“

2. Tag: Dienstag

Heute sollte die größte Herausforderung des Selbstversuchs stattfinden: Eine lange Bahnfahrt stand bevor. Ein Alptraum, denn ALLE hören in der Bahn Musik. Da macht es doch am meisten Spaß, die alten Lieblingssongs zu hören und in Erinnerungen zu schwelgen, während man aus dem Fenster schaut und die Felder an einem vorbei zu fliegen scheinen. Was tut man stattdessen? Ein Buch lesen. Und ich war tatsächlich sehr stolz darauf, weil ich es im Studium kaum noch schaffe, „normale“ Lektüre zu lesen. Später schrieb ich an meinem Artikel weiter. Natürlich ganz ohne Musik auf den Ohren. Es war auszuhalten.

,,If you’ve lost your faith in love or music then the end won’t be long.“ sang schon Indie-Rock-Legende Pete Doherty. Treffender könnte man es kaum ausdrücken, findet auch der Greifswalder Studierende und Hobbygitarrist Kai. Für ihn ist Musik sein ständiger Begleiter im Alltag. ,,Musik kann jegliches Gefühl ausdrücken, passt also in jede Lebenslage. Wenn ich Musik höre oder selbst spiele, versinke ich in ihr und denke an nichts anderes, was sich sonst um mich herum abspielt.“ so Kai. Und diesen Zustand konnte ich bei ihm schon oft genug beobachten 😊.

3. Tag: Mittwoch

Schon wieder erlebte ich einen perfekten Moment, um Musik zu hören: Während eines langen Spaziergangs auf dem Heimweg. Stattdessen telefonierte ich mit jemandem. Das bot sich dann ganz gut an. An diesem Tag arbeitete ich länger an einem Artikel und wollte so gerne wieder Musik hören, aber ich hielt es auch dieses Mal wieder ohne aus.

Meine Freundin Lea fragte ich auch, was Musik für sie bedeutet: ,,Musik bedeutet für mich Individualität. Es ist Ausdruck meiner Persönlichkeit. Musik hilft mir mich besser zu fühlen, mich zu verstehen und mich zu trösten. Über Musik findet man zusammen. Man schließt Freundschaften. Und Musik ist natürlich auch da, um abzutauchen und Zeit zu überbrücken.“

4. bis 6. Tag: Donnerstag bis Samstag

Die Tage über kam ich sehr gut mit der Situation klar. Tatsächlich viel besser als ich dachte. Ich las in Situationen, in denen ich vielleicht träge im Bett liegen würde, um der Musik zu lauschen. Und ansonsten herrschte Stille oder ich hörte einen Podcast, während ich anderen Tätigkeiten nachging. Außer wenn Filmen und Serien Zuhause liefen. Da konnte (und durfte) ich nicht ins Musikgeschehen eingreifen. Von Donnerstag bis Samstag passierte an sich auch nichts Spannendes, was das Selbstexperiment anging. Ich habe mich viel schneller an die Situation ohne Musik zu „leben“ gewöhnt als gedacht.

Meine Freundin Lilly meint: ,,Musik ist der Schlüssel zur Verwandlung in andere Welten. Die Möglichkeit durch die Zeit zu reisen. Die Fähigkeit, eine andere Identität auszuleben und somit das eigene Potential neu zu entdecken.“

7. Tag: Sonntag

Ich freue mich wirklich sehr auf morgen. Nun brauche ich mich nicht mehr zu erschrecken (und auch schuldig zu fühlen), wenn ich auf einmal Background-Musik in einem Film oder einer Serie höre, was mir mehr als nur einmal passierte.

Jetzt habe ich andere Personen gefragt, was Musik für sie bedeutet. Aber zum Schluss will ich die Frage auch für mich selbst beantworten. Meine Musik gibt mir in den unterschiedlichsten Phasen meines Lebens Halt. Ich wähle sie mir (meistens selbst) aus und sie versteht mich, ohne mich zu kennen. Und darf mich gleichzeitig mit einem leichten Mantel der Heimat umdecken. Manche Lieder erinnern mich an Reisen mit guten Freunden, an Verflossene, diverse Familienfeiern oder auch an die Zeit beim verzweifelten Lernen. Man erstellt sich Playlisten, die genau auf diese Geschehnisse zugeschnitten sind. Deine Musik ist immer für dich da und wird dich nie im Stich lassen.

Fazit

Ein Tag nach dem Selbstversuch stellte ich fest, wie sehr mir mein Musikgeschmack auf die Nerven ging. Ich musste mich erst einmal wieder in meine Musik eingrooven. Mein Freund nennt meinen Musikgeschmack immer „Depri-Mucke“. Jetzt kann ich ihn eindeutig besser verstehen. Ich hatte das Gefühl, die Musik einer anderen Person zu hören. Das Gefühl hielt aber auch nur zwei Stunden an. Danach war ich wieder von dem Gefühl umgeben, nach Hause gekommen zu sein.

Weiterhin werde ich in alltäglichen Situationen Musik hören, aber dafür umso mehr die Stille genießen.

Und zu guter Letzt kommen noch von unserem Redakteur Philipp seine Musikweisheiten:

  1. Für mich persönlich ist Musik wohl der zentrale Stimmungsmodulator in meinem Leben. Mit dem passenden Lied kann man Gefühle verstärken, dämpfen oder in eine ganz andere Richtung umlenken. Damit haben Radiosender und heute umso mehr auch KIs zur individualisierten Song-Auswahl einen großen Einfluss auf unsere Stimmung.
  2. Musik ist für mich der eleganteste Weg, um fremde Kulturen kennenzulernen. Sie funktioniert nonverbal und verständigt Menschen auf einer emotionalen Ebene. Außerdem ist sie immer offen für neue Einflüsse und symbolhaft dafür, wie wir voneinander lernen und uns gegenseitig besser machen können.
  3. Im digitalen Zeitalter noch mehr als früher schon, ist Musik immer auch eine endlose Suche. Und gerade das macht für mich einen großen Teil der Faszination aus: immer neue, spannende Klänge zu finden. Egal ob beim Jammen mit Freund*innen oder beim Durchstöbern von Streaming-Diensten, es gibt so viele coole Sounds, die entdeckt werden wollen!
  4. Last but not least ist Musik immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Vom einzelnen Lied mit Einflüssen aus aller Welt bis hin zum Musik-Business als Ganzem, in dem wir lange zwar immer mehr Musik konsumieren, aber gleichzeitig immer weniger dafür ausgeben wollten. Langsam scheint sich jedoch auch hier die Einsicht und damit eine Trendwende anzubahnen.

Beitragsbild: Eric Nopanen
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