Adweb.kalender 1. Fensterchen: Coming Home for Christmas Market

Adweb.kalender 1. Fensterchen: Coming Home for Christmas Market

Alle Jahre wieder weihnachtet es auch beim webmoritz.! Hier wird Weihnachtsmusik gedudelt, werden Plätzchen gebacken und Geschichten der vergangenen, diesjährigen und zukünftigen Weihnacht unter flackernden Lichterketten geraunt. Einen Teil dieser besinnlichen Stimmung möchten wir wieder in unserem Adweb.kalender mit euch teilen. Hinter dem 1. Türchen erwartet euch: ein DIY Weihnachtsmarkt fürs Wohnzimmer.

Ein wenig beängstigend ist es doch irgendwie, die vielen Menschen zu sehen, die sich auf dem Weihnachtsmarkt dicht an dicht zusammendrängen, gebrannte Mandeln in den eisstarren Fingern, teils mit Masken auf den glühweingeröteten Gesichtern, teils ohne. Es kommt einem fast schon falsch vor, dass hier alles einfach zum Alten zurückkehren soll, und so gerne man auch nur die ganzen Probleme vergessen möchte, so wird man doch das unbehagliche Gefühl nur schwer los, dass einen schon beim Anblick des überfüllten Marktes beschleicht. Und ganz ehrlich, wer kann bei diesem Greifswalder Schietwetter denn eigentlich überhaupt an einen gemütlichen Weihnachts­marktbummel denken? Also lieber zurück nach Hause, und vorher noch einmal schnell im nächsten Lebensmittelgeschäft vorbeischauen – denn alles, was einem der Weihnachtsmarkt bietet, kann man sich doch auch ganz leicht in den heimischen vier Wänden zaubern!

Dekoration: Wie euer eigener Weihnachtsmarktbaum

Zuerst muss die Wohnung weihnachtlich aussehen. Ein paar grüne nadelige Kränze gibt es in den meisten Läden zu kaufen, oder ihr bastelt euch einfach eure eigenen, aus unechten oder echten Zweigen, je nachdem, was euch zuerst vor die Füße fällt. Vielleicht wollt ihr sogar schon einen Weihnachtsbaum aufstellen – mit ein paar bunten Kugeln oder leeren glänzenden Geschenken ist der dem großen Baum auf dem Markt doch gar nicht so unähnlich. Wenn ihr keine Deko zu Hause habt, schaut doch einmal, ob ihr noch Papier und Pappe in verschiedenen Farben, Kordeln, Styro­porkugeln oder bunte Stifte herumliegen habt, denn vieles könnt ihr auch ganz einfach selbst basteln. Wenn euer Zimmer weihnachtsmarktig genug aussieht, müsst ihr nur noch eine Sache dekorieren: euch selbst! Also holt die Weihnachtsmannmütze aus den Tiefen eures Kleiderschranks und kramt die Rentierohren unter den dreckigen Socken hervor, denn jetzt geht es, bewaffnet mit der frisch aufgekommenen Weihnachtsstimmung, in die Küche!

Rezepte: Wie die Kugeln an eurem Weihnachtsmarktbaum

Wie ihr euch euren eigenen Glühwein, süße oder deftige Baumstrizel und knusprige gebrannte Mandeln selbst zubereiten könnt, haben wir euch bereits in vergangenen Adventskalendern vorge­stellt. Es gibt allerdings einen Klassiker, der auf einem echten Weihnachtsmarkt auf keinen Fall fehlen darf: Nein, die Rede ist nicht von der Pilzpfanne, vor der euch alle eure Freund*innen war­nen, sondern von kandierten Äpfeln. Und die Zubereitung ist tatsächlich so einfach, wie sie nur sein könnte, sodass ihr die Weihnachts-Schlagerplaylist nur einmal während der Zubereitung hören müsst.

Ihr braucht (für 8 Äpfel):

  • 8 Äpfel (huh)
  • 8 Holzstiele
  • 600 g Zucker
  • 1 EL Zitronensaft
  • 6 EL Wasser
  • rote Lebensmittelfarbe

Und so leicht geht’s: Die Äpfel waschen, Stiele abschneiden und stattdessen die Stäbchen aus Holz rein stecken. Zitronensaft, Zucker und Wasser zusammen in einen Topf geben und bei schwacher Hitze und ständigem Rühren erwärmen, bis die Masse langsam schmilzt. Dann aufkochen lassen. Am Ende muss ein zähflüssiger Sirup entstanden sein. In diesen rührt ihr nun die Lebensmittelfarbe ein, dann nehmt ihr das Ganze vom Herd, und auf zum Tauchgang! Solange die Zuckermasse noch nicht getrocknet ist, könnt ihr die Äpfel übrigens auch noch nach Belieben dekorieren, zum Beispiel mit Streuseln, die ihr mit ein wenig Fingerspitzengefühl sogar stilecht in der Form eines großen ‚M‘ anordnen könnt.

Der letzte Feinschliff: Wie Lametta an eurem Weihnachtsmarktbaum

Jetzt fehlen auf eurem eigenen Home-Weihnachtsmarkt nur noch ein paar Kleinigkeiten. Dazu ge­hören die nervige Weihnachtspartyplaylist, eine kleine Gruppe aus Mitbewoh­ner*innen oder Freund*innen und ein paar Aktivitäten. Wie wäre es zum Beispiel mit selbst ge­bastelten Losen? Wer den Hauptgewinn zieht, bekommt den gruseligen entstellten Nussknacker, den ihr letztes Jahr überraschenderweise aus eurem Weihnachtsgeschenk gezogen habt. Schrottwichteln mit Weihnachtsmarktflair. Oder ihr werdet noch kreativer, sammelt die leeren Glühweinflaschen zusammen und veranstaltet mit den gescheiterten Liebesapfel-Versuchen ein Dosenwerfen. Die nervigen Nachbarn im Stockwerk unter euch seid ihr dann zumindest erst einmal los, wenn diese lieber auf den richtigen Weihnachtsmarkt fliehen, anstatt wie ihr zu Hause zu bleiben.

Beitragsbilder: Julia Schlichtkrull

Aus der Klinik auf die Straße: Warnstreiks an den Unikliniken

Aus der Klinik auf die Straße: Warnstreiks an den Unikliniken

Dass die Arbeitsbedingungen an den Kliniken Deutschlands zunehmend schlechter werden und es gleichzeitig vermehrt an Personal mangelt, ist nicht erst seit der Coronapandemie bekannt. Zwar hat die Notlage der letzten anderthalb Jahre auch der breiteren Öffentlichkeit einen Eindruck von der Situation in den Krankenhäusern geboten, doch die Politik scheint demgegenüber den Blick abzuwenden. Jetzt sollen neue Tarifverhandlungen sogar zu einer Herabgruppierung der Mitarbeitenden des Gesundheitswesens in eine niedrigere Entgeltgruppe führen. Die Antwort: Warnstreiks.

„Nach dem Klatschen kommt die Klatsche“, heißt es auf Flyern, die die Gewerkschaft vor dem Warnstreik am vergangenen Montag verteilt. Die ersten Demonstrierenden versammeln sich am 8. November schon gegen 6 Uhr vor dem Universitätsklinikum, wo der Streikzug beginnt. Nach einer Kundgebung auf dem Berthold-Beitz-Platz geht es für eine zweite Kundgebung gemeinsam zum Marktplatz und anschließend wieder zurück zur Klinik. Insgesamt über 200 Streikende kommen zusammen, die mit Trillerpfeifen und Rasseln, selbst gestalteten Plakaten und dem lauten Rufen ihrer Forderungen auf sich aufmerksam machen. Gleichzeitig legen auch Mitarbei­tende in anderen Städten wie Lübeck, Essen, Köln oder Münster ihre Arbeit nieder. Die aktuelle Lage des Gesundheits­wesens ist ein nationales Problem.

Die Frage des Streiks ist keine leichte, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Berufen betrifft eine Arbeitsniederlegung im Krankenhaus direkt andere Menschenleben. Deshalb wurde im Vorfeld über eine ganze Woche hinweg eine Notdienstvereinbarung ausgehandelt, damit keine lebensnotwendige Ar­beit zurückgestellt werden oder gar ausfallen muss. Doch ein Streik scheint unvermeidlich. Bereits zwei Mal kamen in Potsdam die Gewerkschaften und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zusammen, um über die Verteilung von Gehältern zu verhandeln. Der Vorschlag der TdL sieht eine Neustrukturierung des Arbeitsvorgangs bei der Berechnung vor, nach der verschiedene Arbeitsgrup­pen des öffentlichen Dienstes aus der Entgeltgruppe 9a in die Entgeltgruppe 6 herabgestuft würden. Darunter auch das Krankenhauspersonal der Unikliniken. Zudem wird das Problem der Personal­engpässe vom TdL-Verhandlungsführer Reinhold Hilbers (CDU) abgestritten. Die derzeitige Be­lastung sei lediglich ein vorübergehender Umstand unter der Pandemie, einen Fachkräftemangel gäbe es allenfalls in „Spezialbereichen“. Und: Würden die Gehälter weiter erhöht werden, müsse man zum Ausgleich Arbeitsplätze abbauen.

„Die Äußerungen des Herrn Hilbers zeigen, dass er von der Realität in den Kliniken null Ahnung hat. Wer den Fachkräftemangel und die enorme Arbeitsverdichtung einfach leugnet, treibt die Men­schen weiter aus dem Beruf. Wir werden ihn nicht nur mit guten Argumenten, sondern auch mit Aktionen vom Gegenteil überzeugen.“

– Sylke Kiel, Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Jena; vom ver.di-Flyer „Arbeitgeber, geht’s noch?“

Dabei arbeiten viele Stationen bereits jetzt an der Personaluntergrenze, wenn sie überhaupt eingehalten werden kann. Vor allem dort, wo eine hohe Arbeitsbelastung und eine große Unplanbarkeit zusammenkommen, fehlen meist die notwendigen Mitarbeitenden. Ist eine Station beispielsweise nicht voll ausgelastet, wird oft auch mit weniger Pflegepersonal gerechnet, doch gerade in Bereichen wie der Notfallversorgung kann sich die Menge an Patient*innen jederzeit ändern. Durch reduzierte Bettenanzahlen und zunehmend verkürzte Liegezeiten kumuliert sich außerdem die Akutpflege, und das bei einer immer älter werdenden Patient*innenschaft, die ohnehin mehr Pflege benötigt. Und fällt eine Arbeitskraft aus – ein nicht allzu geringes Risiko bei den derzeitig steigenden Corona-Inzidenzen – ist oft niemand da, um die freigewordene Schicht zu besetzen, denn die anderen Pfleger*innen haben bereits ihre Arbeitsgrenze erreicht und ein hohes Pensum an Überstunden angesammelt.

Andere Forderungen der Streikenden umfassen einen eigenen Verhandlungstisch „Gesundheit“ in den Tarifverhandlungen, eine Erhöhung der Zeitzuschläge für Samstagsarbeit und Wechselschicht sowie eine größere Schichtzulage, als Inflationsausgleich monatlich 300 Euro mehr für alle Be­schäftigtengruppen der Universitätsmedizin Greifswald sowie 100 Euro mehr für Azubis, Studieren­de und Praktikant*innen und eine Übernahme aller Azubis nach erfolgreich abgeschlossener Aus­bildung. Und, das ist wohl die wichtigste Forderung, egal von welcher Station die Streikenden kommen: Anerkennung und Wertschätzung.

Um diese Ziele zu erreichen, sollen vor der dritten Verhandlungsrunde mit der TdL am 27. und 28. November noch weitere Streiks folgen. Denn auch hier könnte Corona einen Strich durch die Tarif­rechnung machen: Steigen die Zahlen an Infizierten weiterhin so wie in den letzten Wochen, wären weitere Streiks im Dezember unverantwortlich, sowohl den Streikteilnehmenden als auch den Patient*innen gegenüber. Daher soll die verbleibende Zeit genutzt werden, um möglichst viel Druck aufzubauen. Morgen, am Dienstag, dem 16.11.2021, möchte man sich daher wieder vom Beginn der ersten Frühschicht (gegen 6 Uhr) bis zum Ende der letzten Spätschicht (gegen 22 Uhr) versammeln und auf die Notsituation aufmerksam machen. Dieses Mal wird auch Unterstützung aus anderen Berufsfeldern erwartet, wie zum Beispiel aus dem Straßenbau, denn die Tarifverhandlungen mit der TdL betreffen alle Bereiche des öffentlichen Dienstes, von Kitas und Schulen über die Polizei bis eben zum Gesundheitswesen. Die Botschaft soll deutlich gemacht werden: Wertschätzung darf in Zukunft nicht nur auf ein Klatschen reduziert bleiben.

Weitere Informationen für euch:
Flugblatt „Arbeitgeber, geht’s noch?“ von ver.di
Über die Forderungen und Verhandlungen der Tarifrunde 2021
Presseinformation der TdL nach der ersten Verhandlungsrunde

Beitragsbild: anonym

Gemeinsam gegen den Klimawandel: CO2-Neutralität bis 2030 an der Universität Greifswald

Gemeinsam gegen den Klimawandel: CO2-Neutralität bis 2030 an der Universität Greifswald

Seit einem Monat ist es nun offiziell: Am 15.09.2021 beschloss der Akademische Senat der Universität Greifswald die letzten drei Punkte der Klimaschutzstrategie, die für unsere Uni eine CO2-Neutralität bis 2030 vorsieht. Die ersten beiden Unterziele des Beschlusses, die fest­legen dass und bis wann die Neutralität umgesetzt werden soll, wurden bereits auf der Junisit­zung des Senats angenommen. Wir haben beim Nachhaltigkeitsbeauftragten nachgefragt, was genau sich seitdem geändert hat und was die Neurungen für uns Studierende bedeuten.

Während im Juni, trotz breiter Zustimmung für eine Klimaschutzstrategie, noch einige Bedenken in Bezug auf die Umsetzung geäußert werden, fällt die Debatte am 15. September doch überraschend kurz aus: Frau Dr. Juliane Huwe und Herr Dr. Tiemo Timmermann führen in wenigen Sätzen die seit der Junisitzung beschlossenen Neuerungen an, Hannes Damm stellt eine Nachfrage, es wird geantwortet, dann abgestimmt. Nach gerade einmal 9 Minuten ist alles vorbei. Kurz und schmerzlos. Die letzten Worte der Sitzungsleitung wirken nach den vielen Jahren aus umfassenden Planungen und Verhandlungen fast schon etwas unzeremoniell: „Dann möchte ich den erweiterten Senat fragen, ob jemand nicht dafür stimmt? Enthaltungen? Sehe ich keine. Vielen Dank. Damit ist das Ganze angenommen.“

Was bisher geschah…

Denn es war ein langer Weg bis zu diesem finalen Beschluss. Schon 2012 wurde im Leitbild unserer Universität der Wunsch geäußert, klimaneutral zu werden, sechs Jahre später wurde dieser Wunsch dann auch als konkretes Ziel in den „Leitlinien zur Umsetzung des Ziels CO2-neutrale Universität“ festgehalten. So versuchte die Uni bereits vor der aktuellen Klimaschutzstrategie unnötige Emissionen zu vermeiden, und immer wieder wurden in den universitären Gremien Anträge gestellt, die weitere CO2-Reduzierungen fördern sollten.

Mit dem Beschluss im Juni dieses Jahres gibt es nun auch endlich ein Datum, das die festgelegten Leitlinien in einen genauen zeitlichen Rahmen zwängt und damit hoffentlich auch den Druck erhöhen kann, das Vorhaben CO2-Neutralität ohne weitere Umschweife anzugehen. Während im ursprünglichen Antrag von der Nachhaltigkeitskom­mission noch 2035 als Frist gesetzt worden war, stellte Hannes Damm auf der Senatssitzung den Änderungsantrag, diese auf 2030 herabzusetzen. Mit Erfolg. Damals sprachen wir bereits mit Hannes über die Klimaschutzstrategie und über die Hintergründe seines Antrags. Die Nachhaltigkeitskommission wollte – in Rücksprache mit Rektorat und Pressestelle – zunächst mit einer Stellungnahme bis nach der Septembersitzung des Senats warten.

September’s Not So Far Away

September bricht an, der Senat tagt und wir sind gespannt. Nach wenigen Minuten ist das, worauf wir Monate gewartet haben, auch schon wieder vorbei. Beinahe wünscht man sich eine Gegenrede, immerhin wurde doch auch im Juni noch Kritik geäußert, dass die CO2-Neutralität bis 2030 nur schwer umzusetzen sei. Auch der Nachhaltigkeitsbeauftragte Dr. Tiemo Timmermann, mit dem wir nach der Septembersitzung sprechen, zeigt sich positiv überrascht. Beide Ziele, sowohl 2030 als auch 2035, seien durchaus ehrgeizig. Dass man sich dennoch mit einer breiten Zustimmung auf die Strategie geeinigt hat, setze ein deutliches Zeichen, wie wichtig es unserer Uni ist, einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. „Es zeigt, wie stark der Wunsch an der Universität verankert ist, jetzt mit dem Klimaschutz wirklich schnell voran zu gehen“, so Timmermann.

Aber wie schnell geht die Universität Greifswald wirklich voran? Immerhin sind andere Universitäten Deutschlands schon längst klimaneutral, darunter zum Beispiel die Leuphana Universität Lüneburg, die bis zur Umsetzung des Ziels nur 7 Jahre brauchte. Und wie groß ist der Wunsch, unsere Uni CO2-neutral zu gestalten, auch unter den nicht-studentischen Mitgliedern der Universität? Der Änderungsantrag auf 2030 wurde vom Promotionsstudenten Hannes Damm eingereicht, während sich gerade unter der Statusgruppe der Professor*innen und unter Mitarbeiter*innen der Verwaltung Zweifel zeigten. Timmermann räumt ein, dass unsere Ambitionen natürlich nicht mit denen einer Leuphana Universität oder der Hochschule Eberswalde mithalten können, doch anders als wir haben beide Hochschulen von Anfang an alle Aspekte des universitären Lebens im Sinne eines „Whole Institution Approaches“ auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausgerichtet. Im gesamtdeutschen Vergleich sehe das aber anders aus: Hier haben sich bisher noch nicht einmal 10% aller Universitäten Ziele für Klimaneutralität gesetzt, sodass Greifswald sich mit dem aktuellen Beschluss zu den Vorreiterinnen zählen kann. Auch für die Bedenken der nicht-studentischen Mitglieder hat Timmermann Verständnis. So sei es nicht verwunderlich, dass sich bei Menschen, die seit Jahren in Lehre, Leitung oder Verwaltung einer Hochschule tätig sind, offene Fragen auftun, wie an einer so komplexen Institution in nur 9 Jahren ein solch umfangreiches Ziel umgesetzt werden könne. Timmermann möchte die Skepsis der Beteiligten aber nicht nur negativ sehen: „Sie kann auch hilfreich sein und uns motivieren, gerade die besonders kniffligen Punkte systematisch anzugehen.“

Epilog in Mehrautor*innenschaft

Dass Greifswald nicht die erste Universität sein wird, die sich das Ziel der Klimaneutralität vornimmt, bietet aber auch durchaus Vorteile. So möchte man sich im Laufe des Oktobers in einem ersten Auftakttreffen mit dem HIS-Institut für Hochschulentwicklung e.V. zusammensetzen und, basierend auf den Erfahrungen anderer Hochschulen, über konkretere Maßnahmen beraten. Ein wichtiger Grundsatz dabei sei aber, so Timmermann, „dass ein nachhaltiger und effektiver Klimaschutz, insbesondere an Hochschulen, nicht einfach ‚top down‘ vorgegeben werden kann“. So müssen die besonderen Bedingungen jedes einzelnen Handlungsfeldes der Universität für eine effektive Treibhausgasreduzierung mit einbezogen werden. Bereits jetzt wurden auf Grundlage von Einwänden aus der Universitätsverwaltung kleinere Änderungen an der Klimaschutzstrategie vorgenommen. So wurde die Anzahl der geplanten Arbeitsgruppen von 6 auf 5 reduziert, um die Arbeitsbelastung nicht ausufern zu lassen. Damit entfällt die AG Ernährung und Veranstaltungsmanagement, ihre Aufgaben sollen aber, so wurde es auf der Senatssitzung im September versichert, von den anderen Gruppen aufgefangen werden. Zudem wurde in der Strategie der wichtige Zusatz ergänzt, dass es sich bei allen hier aufgeführten Maßnahmen lediglich um Vorschläge handelt. Erst in den nächsten Wochen und Monaten und nach weiteren Arbeitstreffen mit dem HIS und den ersten Sitzungen der Arbeitsgruppen kann in gemeinsamen Entscheidungen ein Kurs eingeschlagen werden. Denn, das betont Timmermann immer wieder, „alle Akteur*innen an der Hochschule mit ihren jeweiligen Sichtweisen, Erwartungen, Möglichkeiten, Bedenken, bahnbrechenden Ideen, etc. sollen gut und mit gegenseitigem Respekt an einem Strang ziehen“.

Inwieweit Studierende auf diesem Kurs mitnavigieren sollen, steht noch nicht genau fest, nur dass sie beteiligt sein werden, ist „selbstverständlich und notwendig im Sinne eines breiten partizipativen Prozesses“. Auch weiterhin besteht seitens der Nachhaltigkeitskommission der Wunsch, dass Studierende direkt an den neuen Arbeitsgruppen beteiligt werden, auch wenn die genauen Rahmenbedingungen noch nicht festgelegt wurden. Unter den aktuell vorgesehenen maximal 10 Mitgliedern in einer AG sollen demnach ein*e Studierende*r und ein*e Vertreter*in von Scientists4Future sitzen. Aber auch darüber müsse noch offen und transparent diskutiert werden, zum Beispiel innerhalb der Nachhaltigkeitskommission. An dieser Stelle ruft Timmermann auch alle Studierenden zur Einbringung auf: Es sei jederzeit möglich, sich mit Wünschen und Vorschlägen direkt an ihn und die Nachhaltigkeitskommission zu wenden. Auch für Studierende, die selbst weitere Bedenken oder ungeklärte Fragen haben, kann die Kommission eine erste Ansprechpartnerin sein. Denn „auch hier gilt: Miteinander reden ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit!“

Die aktuellste Version der Klimaschutzstrategie findet ihr hier.
Über diesen Link gelangt ihr außerdem zur Webseite der Nachhaltigkeitskommission.
Der Nachhaltigkeitsbeauftragte Dr. Tiemo Timmermann ist unter tiemo@uni-greifswald.de zu erreichen.

Beitragsbild: Julia Schlichtkrull

Empty chairs at empty tables: StuPa not dead but gone

Empty chairs at empty tables: StuPa not dead but gone

27 Plätze sind eigentlich in unserem Studierendenparlament (StuPa) vorgesehen. Aktuell sind 18 davon besetzt. Zur Beschlussfähigkeit braucht es die Hälfte, zu erfolgreichen Wahlen mehr als die Hälfte. Immerhin wurden es im Laufe der letzten Sitzung noch 8.

Leer ist das StuPa eigentlich nicht. Im BigBlueButton-Raum finden sich am vergangenen Dienstag, den 07.09.2021, wenigstens 27 Leute ein. Der AStA-Vorsitzende Hennis hebt das am Ende im TOP Sonstiges lobend hervor, denn es zeigt das Interesse der Studierendenschaft an der Hochschulpolitik unserer Uni. Die Kirsche auf der HoPo-Torte wäre natürlich, wenn das StuPa selbst auch so ein Interesse an seiner eigenen Arbeit hätte. Denn von den anwesenden 27 Leuten waren gerade einmal 5 StuPist*innen – Bennet, Felix, Niclas, Yannick und ja, auch Leon, den wir leider übersehen haben (sorry, Leon). Immerhin 3 Leute – Annalena, Fabian F. und Patrick – haben es geschafft, ihre Stimmen zu übertragen.

Was für Auswirkungen das auf die Arbeit des StuPas hat, zeigt sich schnell. Mit anfänglich nur 6 Stimmen, darunter immerhin 3 anwesenden Mitgliedern, kann nicht einmal die Tagesordnung be­schlossen werden. Natürlich, alle, die schon länger im StuPa mit dabei sind, wissen, dass eine Sitzung, die wegen zu geringer Teilnehmendenzahl frühzeitig beendet werden muss, nichts Ungewöhnliches ist. Auch am Ende der vergangenen Legislatur wurde es langsam knapp: Die 17. ordentliche und damit letzte Sitzung erreichte mit 14 von 27 Stimmen gerade so die Beschlussfähigkeit, und das erst nach längerem Warten. Auch aufgeregtes Umherschreiben und -telefonieren, um verzweifelt Stimmübertragungen anzufordern, wird in den letzten Sitzungen einer Wahlperiode schon zur Routine. Der bedeutende Unterschied ist jedoch, dass die erwähnte 17. ordentliche Sitzung die insgesamt vierundzwanzigste Sitzung der Legislatur war (inklusive sieben außerordentlicher Sitzungen). Am letzten Dienstag dagegen traf sich das StuPa dieser Legislatur erst zum zehnten Mal.

Entwicklung der anwesenden Stimmen
(Anm.: Die 2. ordentliche Sitzung wurde mit 13 Stimmen begonnen, erreich
te aber im Laufe des Abends 17, s. unten. Für den TOP, an dem die Stimmenanzahl eine Rolle spielte – die AStA-Wahlen – waren 15 Stimmen anwesend. Dieser Wert wurde daher für die Statistik genutzt.)

Und die Tendenz fällt weiter. Während es noch 21 von 23 StuPist*innen zur 1. Sitzung dieser Legislatur geschafft haben, waren es auf der 3. nur noch 16 von 19. Die letzte ordentliche Sitzung war mit 9 von 18 StuPist*innen zumindest gerade so beschlussfähig. Die volle Anwesenheit wurde übrigens auf keiner Sitzung erreicht. Auf dem Studierendenportal finden sich aktuell nur die Anwesenheitslisten von 4 Sitzungen, sodass lediglich spekuliert werden könnte, wer wann anwesend war (und wir möchten ja nicht wieder Leon vergessen). Eine kleine Ehrenmedaille sollen Bennet und Niclas dennoch erhalten, da sie es schafften, auf 4 von 4 Sitzungen physisch anwe­send zu sein. 8 weitere (Fabian B., Fabian F., Kristen, Friederike, Patrick, Lea, Yannick, Felix) waren ebenfalls immer entweder in persona oder per Stimmübertragung mit dabei. Das heißt, es gelang wenigstens 10 von 18 Leuten, an 4 aufeinanderfolgende Sitzungszeiten zu denken. Klingt fast wie ein zynischer Scherz, ist aber leider wahr.

Die letzte StuPa-Sitzung am vergangenen Dienstag stellte jedoch einen weiteren Tiefpunkt dar. Nicht nur wegen der niedrigen Zahl der Anwesenden, sondern auch, weil sie einige Fragen über die Sinnhaftigkeit des Parlaments aufwarf. Denn die außerordentliche Sitzung war bewusst nach längerer Zeit wieder im Onlineformat einberufen worden, um möglichst vielen StuPist*innen die Schwelle so flach wie möglich zu schleifen. Immerhin ging es um etwas: Vor Kurzem war von unserem Senat eine neue Wahlordnung beschlossen worden, die zumindest für die akademi­schen Gremien elektronische Wahlen ermöglichen soll. Nun wollten die studentischen Gremien entspre­chend nachziehen. Denn elektronische Wahlen würden nicht nur den bürokratischen Aufwand niedriger halten, sondern auch in Zeiten von Klimawandel und Pandemie einen deutlichen Vorteil schaffen. Um die Wahlordnung zu ändern, braucht es jedoch eine Satzungsänderung, und für diese eine 2/3-Mehrheit, also aktuell 12 StuPist*innen.

SitzungStimmen zu BeginnStimmen am EndeStuPist*innen insgesamt
konstituierende20 (18|2)1623
1. ordentliche21 (18|3)23
1. außerordentliche21 (19|2)23
2. ordentliche13 (12|1)1719
3. ordentliche16 (15|1)1219
4. ordentliche14 (9|5)19
5. ordentliche14 (9|5)19
6. ordentliche13 (8|5)19
7. ordentliche9 (6|3)9 (5|4)18
2. außerordentliche6 (3|3)8 (5|3)18
(Anm.: Die beiden Werte hinter der Stimmenanzahl unter „Beginn“ und „Ende“ geben jeweils die selbst anwesenden und die mit Stimmübertragung anwesenden StuPist*innen wieder. Das Feld unter „Ende“ ist freigelassen, wenn die Stimmzahl im Laufe der Sitzung entweder gleich geblieben ist oder sich kein genauer Wert aus dem Protokoll ableiten ließ.)

Eine solche Mehrheit erreichte das StuPa immerhin noch auf der 6. ordentlichen Sitzung. Die 7. schaffte es noch zur Beschlussfähigkeit. Das genügte zumindest, um die Tagesordnung anzunehmen. Wahlen hingegen benötigen die Mehrheit der insgesamt vorhandenen Stimmen, also aktuell 10 der 18 StuPist*innen. Sollte sich also ein*e Studierende*r ernsthaft für eine der freien AStA-Referatsstellen interessieren, könnte die Person zwar einmal nett in die Runde winken und sich freundlich vorstellen, auf eine Wahl braucht sie aber nicht zu hoffen. Und selbst, wenn die erfor­derlichen 10 Stimmen wieder erreicht werden können, ist eine Wahl weiterhin mit gewissen Problemen verbunden. Denn um erfolgreich gewählt zu werden, müsste es den Bewerber*innen gelingen, alle 10 Stimmen auf sich vereinen zu können, doch die eine Gegenstimme oder die andere Enthaltung lässt sich nur selten vermeiden. Einfacher geht es natürlich, wenn sich die StuPist*innen dadurch einem indirekten Wahlzwang ausgesetzt fühlen: Eine Gegenstimme aus eigener Überzeugung kann unter 27 Stimmen ein wichtiges und relevantes Zeichen setzen, unter 10 Stimmen wird sie jedoch schnell zur frustauslösenden Wahlblockade.

Es bleibt abzuwarten, ob es der morgigen Sitzung unseres Studierendenparlaments gelingen wird, mehr Stimmen zusammenzubringen. Wünschenswert wäre es, denn nur so könnte die geplante Wahlordnungsänderung noch rechtzeitig für die nächsten Wahlen abgesegnet werden. Und nur so würde es dem StuPa gelingen, einen Teil seiner hochschulpolitischen Wichtigkeit zurückzuerlangen.

Was? 8. ordentliche Sitzung des Studierendenparlaments
Wann? Dienstag, 14.09.2021, 20 Uhr c.t.
Wo? Digital über den moodle-Kurs des StuPas

Anmerkung:
Sämtliche Zahlen, die in diesem Artikel einander gegenübergestellt werden, wurden vom Redakteur selbst aus Anwesenheitslisten, Protokollen und webmoritz.-Livetickern zusammengezählt. Hierbei sowie bereits bei der Erfassung während der Sitzung können natürlich immer Fehler entstehen. Die Angaben sind dementsprechend ohne Gewähr.

Beitragsbild: Dari Oberholster auf Pixabay
Jonathan Dehn: StuPa-Liveticker-Grafik

In 9 Jahren zur 0-Bilanz: CO2-Neutralität 2030 an der Universität Greifswald

In 9 Jahren zur 0-Bilanz: CO2-Neutralität 2030 an der Universität Greifswald

Im Artikel 2 des Pariser Klimaabkommens ist es festgehalten: Jedes Land ist dazu verpflichtet, Anstrengungen zu unternehmen, um die Klimaerwärmung auf nicht mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu halten. Für Deutschland bedeute das eine Klimaneutralität bis 2027, höchstens 2030. Angesetzt ist von der aktuellen Bundesregierung 2045, also nach jetzigem Stand mehr als ein Jahrzehnt zu spät. Unsere Universität will mit besserem Beispiel vorangehen.

Gehaltvoller als Knäckebrot

Fast drei Monate ist es nun her, dass der erweiterte Senat unserer Universität eine CO2-Neutralität bis 2030 beschlossen hat. Ursprünglich war in dem Antrag noch 2035 vorgesehen, also eine jährliche Reduzierung von 7,1 Prozent, da das alte Rektorat eine Reduzierung von 10 Prozent für unrealistisch erachtete. Hannes Damm wagte dennoch den Versuch und stellte den Änderungsantrag, 2035 auf 2030 runterzusetzen und damit die 7,1 Prozent auf 11,1 Prozent zu erhöhen. „Gerade die [Studierenden und Hochschulangehörigen] sehe ich als Akteur*innen, die da vorangehen müssen, um den anderen, die skeptischer sind, eben zu beweisen: Hey, es geht“, sagte der Physik-Promo­tionsstudent im Interview mit webmoritz. „Das heißt nicht, dass wir nicht mehr lehren können oder dass wir alle nur noch Knäckebrot essen müssen, sondern es heißt einfach, dass das funktionie­ren kann und dass wir auch Forschung dafür machen, dass es funktioniert.“

Im Senat appellierte er vor allem an die Statusgruppe der Professor*innen, die in ihrer Lehrfunktion zuallererst den Studierenden verpflichtet sind. Und Klimapolitik ist Jugendpolitik. Was für ältere Generationen nur in den Anfängen spürbar sein wird, werden wir in ganzer Linie erfahren. Am Ende sorgte Hannes‘ Rede zwar nicht für eine große Zustimmung – die Stimmen für den Änderungsantrag lagen nur knapp über den Gegenstimmen – aber es genügte doch zumindest, damit sich ein großer Teil der Anwesenden enthielt.

Dabei ist das Ziel, klimaneutral zu werden, für unsere Universität bei weitem keine neue, bahnbre­chende Idee. Schon 2012 hieß es im Abschnitt „Menschen und ihre Institutionen“ aus dem damals festgelegten Leitbild unserer Uni:

„Alle in der Universität tätigen Menschen benötigen für eine erfolgreiche Arbeit gute äußere Bedingungen […] Sie [die Universität] will CO2-neutral werden. Die Administration versteht sich als Dienstleister der Wissenschaft und fördert unter effizientem Einsatz aller universitären Ressour­cen die nachhaltige Entwicklung zu einer umweltgerechten und barrierefreien Universität.“

Leitbild der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (10. Oktober 2012)

Am 18. Juli 2018 bekannte sich der Senat schließlich zu den „Leitlinien zur Umsetzung des Ziels CO2-neutrale Universität“, die das im Leitbild festgehaltene Vorhaben konkretisieren sollten. Die Leitlinien lieferten zwar noch keine genaueren Maß­nahmen, legten aber zumindest fest, dass alle Gremien und sonstigen Zuständigkeitsbereiche der Universität gemeinsam den Klimaschutz fördern und an der Vermeidung unnötiger Emissionen mitwirken sollen. Als Ideenanregungen wurden damals bereits die Einsparung bei Ressourcen, Materialien und Technologien genannt, ein niedriger CO2-Ausstoß bei Exkursionen und Dienstrei­sen sowie eine möglichst klimafreundliche Flächenbewirtschaftung der universitätseigenen Liegen­schaften. Konkrete Zahlen für die Zielsetzung gaben die Leitlinien noch nicht mit.

AGs vs. CO2

Der im Juni beschlossene Antrag geht nun endlich etwas mehr ins Detail. Da einige Werte, wie zum Beispiel der exakte aktuelle CO2-Ausstoß unserer Uni, noch nicht ermittelt wurden, einigte sich der Senat darauf, zunächst Punkte 1 und 2 des Antrages zu beschließen, und für Punkte 3 bis 5 bis zur kommenden Senatssitzung am 15. Sep­tember zu warten. Konkret bedeutet das: Alle relevanten Akteur*innen (Unileitung, Verwaltung, Fakultäten, Studierendenschaft) müssen in die Umsetzung der Klimaschutzstrategie mit einbezogen werden, der aktuelle Stand soll in einem großen Monitoring im Turnus von drei Jahren erfasst werden (Punkt 1). Und die CO2-Neutralität soll bis 2030 bei einer jährlichen Reduzierung von 11,1 Prozent er­reicht werden, wobei sämtliche direkte und indirekte Emissionen aus Strom und Wärme, Dienst­reisen, Materialbeschaffung und ähnlichem berücksichtigt werden, aber auch die Bewirtschaftung der universitären Flächen (Punkt 2).

Auf die Septembersitzung verschoben wurden somit die Maßnahmenvorschläge für die einzelnen Handlungsfelder Betrieb/Verwaltung, Steuerung/Governance, Forschung, Lehre und Transfer. Dazu zählt auch die Einrichtung von sechs verschiedenen Klimaschutz-Arbeitsgemeinschaften, die ein Kernelement der Strategien darstellen. Die AGs sollen auch für uns Studierende eine direkte Ein­bringungmöglichkeit bieten, denn neben Mitgliedern aus Nachhaltigkeitskommission, Rektorat und Universitätsmedizin sind auch Plätze für Studierende, Wissenschaftler*innen (wie zum Beispiel Scientists4Future) oder andere Externe vorgesehen. Zwei- bis dreimal im Jahr sollen sich die ein­zelnen AGs treffen und über die weiteren Schritte beraten. Durch diese Verteilung sollen die Schnittstellen und damit ineffiziente Doppelstrukturen möglichst klein gehalten werden. Außerdem hält sich so der Arbeitsaufwand für alle Beteiligten in Grenzen, was der Schaffung neuer Stellen vorbeugen könnte.

1. AG SteuerungskreisAufgabenpriorisierung und -verteilung, Monitoring, Berichterstattung, Kompensation, Finanzierung, Personal, Fortbildung, Hochschulpolitik
2. AG Energie & GebäudeEnergie, Strom, Wärme, Kälte, Wasser, nachhaltiges Bauen, Instandhaltung, Kampagnen und Befragungen zu Themen wie Homeoffice
3. AG Campus & LändereienManagement und entsprechende CO2-Reduzierung bei den Ländereien und auf dem Campus
4. AG Mobilität, IT & LogistikDienstreisen, Fuhrpark, Exkursionen, Arbeitswege, Lieferung, Infrastruktur, Digitalisierung, Endgeräte, E-Mobilität, Befragungen
5. AG Beschaffung & VergabeBüromaterial, Dienstleistungen, Druckerzeugnisse, klimaneutraler Versand, Recyclingpapier, Beschaffungsleitlinien, Müll
6. AG Ernährung & VeranstaltungsmanagementMensa, Catering, Auslandsaufenthalte

Trotz geäußerter Kritik am Verwaltungsaufwand, den die Klimastrategie mit sich bringen würde, und einem kurzen Disput über die Gültigkeit der Abstimmung zum Änderungsantrag, zeigte sich die Meinung des Senats im finalen Ergebnis deutlich: Niemand stimmte gegen die Klimaschutz­strategie, nur wenige enthielten sich. „Es war eine sehr eindeutige Entscheidung am Ende für die Gesamtstrategie 2030“, sagt Hannes, „und da bin ich auch ein bisschen stolz drauf.“

Mit Fläche zum Erfolg

Trotz aller Euphorie stellt sich die Frage, ob es sich bei dem beschlossenen Antrag nicht am Ende nur um ein gut gemeintes Wunschdenken handelt. Auch auf der Senatssitzung vom Juni wurden Zweifel geäußert: Obwohl das Leitbild 2012 bereits Klimaneutralität vorsah, konnte unsere Uni in den letzten zehn Jahren keine nennenswerten Einsparungen in den Bereichen Wärmeenergie und Mobilität erzielen. Das in den nächsten zehn Jahren so drastisch zu ändern, könnte sich schwierig gestalten.

Dieser Skepsis gegenüber stehen jedoch die sehr guten Voraussetzungen, die unsere Universität hat, wenn sie nur richtig genutzt würden. Neben noch unausgeschöpften Einsparungen durch Gebäude­sanierungen oder die Schaffung von mehr erneuerbarer Energie, zum Beispiel über Photovoltaik­anlagen auf universitären Dächern, bergen vor allem die universitätseigenen Flächen ein riesiges Potential. „Die Universität Greifswald ist die größte Flächeneigentümerin an Universitäten überhaupt in Deutschland“, erklärt uns Hannes. „Aber damit geht eben auch eine Verantwortung für die Flächen einher, jedenfalls nach meiner Überzeugung. Da sind viele trockengelegte Moorflächen dabei, da sind Waldflächen dabei […] Wir haben teilweise auch nasse Moore, die in einem ganz guten Zustand sind. Das Ökosystem darfst du nicht unterschätzen.“ Eine wichtige Rolle werden dabei die universitären Wälder spielen, die als sehr effiziente Kohlenstoffsenke fungieren, aber auch die vielen Moorflächen. Von denen ist ein großer Teil zurzeit allerdings noch trockengelegt. Hier werden also weitere Forschungen in der Paludikultur und Gespräche mit den Eigentümer*innen notwendig, um zu zeigen, dass Moor auch nass bewirtschaftet werden kann.

Andere Maßnahmen werden auch direkt für uns Studierende spürbar sein. Bereits jetzt laufen Verhandlungen mit Stadt und Land zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und auch die Fahr­radinfrastruktur soll weiter verbessert werden. Das Voranbringen der Digitalisierung wird ein wich­tiger Faktor sein sowie eine Umstellung im Essensangebot der Mensen auf weniger fleischhaltige Gerichte. Zudem sollen Angebote geschaffen werden, die unternommenen Strategien der nächsten Jahre auch wissenschaftlich von Studierendenseite zu begleiten, so zum Beispiel in Form von Abschlussarbeiten. Wer als Studierende*r direkt mitmischen will, kann sich an die hochschulöffent­lich tagende Nachhaltigkeitskommission wenden oder Ideen an die AG Ökologie oder das AStA-Referat für Umweltpolitik und Nachhaltigkeit (asta_oekologie@uni-greifswald.de) weiterleiten. Und hoffentlich dann bald auch an die sechs Klima-AGs.

„Ich bin echt zuversichtlich. Wir stellen uns gerade gut auf als Studierende, da mitreden und mitwirken zu können. Jetzt müssen wir es schaffen, auch an die Umsetzung zu kommen. Und dafür ist es wichtig, dass wir konkrete Ziele haben und dass wir jetzt auch konkrete Maßnahmen ausfor­mulieren und aushandeln.“

Hannes Damm

Der nächste wichtige Schritt dafür wird die kommende Senatssitzung am 15. September sein. Wir haben außerdem bereits im Vorfeld Fragen über den aktuellen Stand der Umsetzung an die Nachhaltigkeitskommission gestellt, allerdings wollte man dort mit einer Stellungnahme bis nach der Senatssitzung warten. Welche Antworten wir erhalten werden und was die Sitzung ergibt, erfahrt ihr nach dem 15. September hier auf dem webmoritz.

Senatssitzung
Wann? 15.09.2021, 13:30 Uhr
Wo? Hörsaal 3/4, Ernst-Lohmeyer-Platz 6

Beitragsbild: Franziska Schlichtkrull