Einfach mal abheben in ein anderes Universum, auch dafür ist der webmoritz. da! Ihr könnt jeden Freitag ein anderes Redaktionsmitglied auf einem neuen Teil der intergalaktischen Reise unserer unendlichen Geschichte begleiten. Die Rahmenbedingungen haben wir in einer gemeinsamen Sitzung aus unseren Ideen zufällig ausgewürfelt, danach haben wir die Geschichte jedoch der individuellen Kreativität und Gnade unserer Redakteur*innen überlassen. Wohin die unendliche Geschichte führen wird, ist für uns also auch noch ungewiss, aber wir bieten Corona-Craziness, Ärger und Spaß ohne Ende – garantiert!
Was bisher geschah … Gerhard Schmitt — Galapagos-Schildkröte, Investigativjournalist, Entenfotograf, ehemaliger Bäcker und Schweineagent, Schnabeltierflüsterer und Brandaufklärer — landet als blinder Passagier des Enten-Raumschiffs Große Kosmische Ente unsanft auf dem Planeten Meridia (Teil 1). Hier beginnt ein großes Abenteuer für den mutigen Schildkröterich. Irgendwann brennt auch mal was nieder, es wird in ein unendliches Loch gesprungen, eine Rebellion wird gestartet und dann gibt es einen Knall (Teil 13). Es spielen: die Schnabeltiere Justus, seine Mutter Monika und sein Biker-Papa, eine Horde Enten, der Hobby-Abenteurer und vollberufliche Nerventöter Cornelius von Nussingen, die Faultiere Lila und Julica und ein mysteriöses Meritär. Genres: Action, Thriller, Krimi, Sauerteig-Romantik. Länge: Eine Geschichte in 14 Akten. Das hier ist also das Finale! Don’t miss out!
Teil 14 –Ente gut, alles gut
Alle drehten sich in die Richtung, aus der das knallende Geräusch kam. Doch es war kein Schuss, wie Gerhard zuerst angenommen hatte, sondern nur die Tür, aus der in diesem Moment zwei Schnabeltiere in Meritär-Rüstungen traten. Nebeneinander liefen sie auf die Gruppe von Enten, Schnabeltieren und einer Schildkröte zu und versperrten somit den gesamten Gang. Einige drehten sich schon um und wollten in die Dunkelheit flüchten, doch plötzlich hörten sie ein „Nein, wartet!“ aus dem Gang erschallen. Die Gruppe sah sich unsicher an und ein paar fingen aufgeregt an miteinander zu tuscheln, ob sie nicht trotzdem loslaufen sollten, aber schon traten in Zeitlupe zwei Meritärmitglieder in das grelle Licht. In ihrer Mitte wurde Justus mitgeführt, und sein Vater erstarrte. Alle hielten die Luft an, was jetzt passieren würde, und in die Stille hinein ertönte ein Grummeln. Moment mal, da stimmt doch was nicht, überlegte Gerhard und kniff prüfend die Augen zusammen. Justus‘ Bauch war auffällig hervorgewölbt … Gerhard schüttelte seinen langen Hals und den kleinen Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Ein Kampf drohte.
Er härtete seinen Panzer und machte sich bereit, Justus aus seiner Gefangenschaft zu befreien. Eigentlich war er durch und durch Pazifist, aber zu dem kleinen Schnabeltier hatte er inzwischen eine beinahe väterliche Bindung aufgebaut und so wollte er ihn instinktiv beschützen. Aus dem Augenwinkel sah er, wie auch Justus‘ Vater seine Fäuste ballte und sich dann in Bewegung setzte. Zielstrebig rannte er mit erhobenen Händen auf die beiden Gestalten zu. „Ihr seid so blöd, A.M.A.B.!“, schrie er ihnen in die Visage, während er mit seinen Fäusten auf sie einschlug. „Wer zuletzt kommt, mahlt zuletzt. Das Leben ist kein Entenhof!“ Auch die Enten, die schon wutschnaubend mit ihren Entenfüßen scharrten, stürzten sich in das Gerangel. Gefieder flog, Blech klapperte, eine kleine Quietscheente platzte. Schwimmhäute watschelten. Plötzlich stob die Masse auseinander und ein Kreis um die beiden Meritiere tat sich auf.
Durch den Kampf war der Helm eines der Tiere zu Bruch gegangen. Und durch den Riss, der sich nun durch das Metall zog, schimmerte es lila hervor. Eine Farbe, die Gerhard allzu bekannt vorkam. „Lila?“, fragte er ungläubig, während sich das Meritier langsam – wie es sich für ein Faultier gehörte – den Helm vom Kopf zog. „Was machst du denn hier? Bist du etwa Teil des Meritärs?“ Auch das zweite vermeintliche Meritier schob das Visier seines Helmes hoch. Enttäuschung machte sich in Gerhard breit. Es fiel ihm wie Schuppen von den den kleinen schrumpeligen Augen. Solch ein Betrug war ihm selten in seiner Recherche untergekommen. Er hatte Julica und Lila vertraut. Die beiden hatten ihm in den letzten Stunden immer zur Seite gestanden und mit informativen Informationen und geheimen Geheimtipps geholfen. Und jetzt waren die beiden Journalistinnen Teil des Meritärs?
„Gerhard, Justus! Lasst mich das erklären!“, setzte Lila stammelnd an. „Der Investigativjournalismus ist auch unser Interesse, daher haben wir uns hier eingeschleust, um wilde Sachen aufzudecken!“ Sie gestikulierte aufgeregt mit den pelzigen Pranken. „Wir haben Wind davon bekommen, dass das Meritär an einem Lebenselixier brütet. Natürlich mussten wir uns dort einschleusen, um eine Enthüllungsgeschichte zu bringen.“ „Aber was soll das für ein mysteriöses Lebenselixier sein?“, fragte Gerhard, der, obwohl er in seiner langen Laufbahn als Journalist schon viel erlebt hatte, kurz davor war, die Fassung zu verlieren. „Na dieser Sauerteig, der sich einfach vermehren und ewig leben soll“, erklärte Lila. Gerhard stutzte. Dachte die ganze Bevölkerung Meridias, dass sein kleiner Sauerteig eine magische Zutat enthielt? „Aber das sind doch einfach nur Mehl und Wasser, das hätten sie doch sogar nachlesen können! Die ganze Aufregung … um diese zwei Zutaten? Da verstehen ja manche wirklich gar nichts von der guten alten Backkunst.“
Plötzlich wurde das Gespräch von Justus unterbrochen, der sich vom Getümmel losgerissen und auf den Weg zu seinem Vater gemacht hatte. Sein Bauch war mittlerweile ganz aufgebläht und waberte seltsam vor sich hin. „Was ist denn los, Justus?“, fragte der Vater das kleine Schnabeltier. Beschämt schaute Justus auf seinen aufgeblähten Bauch. „Seitdem ich von dem Klumpen Sauerteig genascht habe, den du Mama und mir geschenkt hast, grummelt es ganz komisch in meinem Bauch.“ Da machte es PENG und PUFF, und durch einen Druck, der sich in Justus‘ Bauch gebildet hatte, wurde das kleine Schnabeltier wie wild durch die Luft gewirbelt, bis es schließlich zu Boden fiel. Dabei rempelte es eine Ente an, die noch mit einem der Nägel bewaffnet war, mit dem sie zuvor A.M.A.B. in die Tische geritzt hatte, sodass ihm diese mit dem Nagel aus Versehen in die Seite stach. Vielleicht zu Justus‘ Glück, denn durch den Piks schien sich sein dickes Bäuchlein, das durch den Sauerteig anscheinend in einen Gärungsprozess verwickelt war, zu entladen. Es puffte und pfiff erneut, und wie ein Luftballon, aus dem die Luft gelassen wird, wurde Justus mit voller Ladung durch den Gang katapultiert.
Während die versammelte Gruppe völlig überfordert mit der Situation war – und jetzt auch noch völlig angetan von der Magie des Sauerteigs, der anscheinend selbst zum Fliegen verhelfen konnte! – redeten Julica und Lila aufgeregt auf die Truppe ein. Sie riefen, dass das eigentliche Meritär schon auf dem Weg zu ihnen sei (zum Glück waren sie als Meritärsmitglieder ja mit Funkgeräten ausgestattet und wurden über jeden Schritt informiert) und sie schleunigst verschwinden müssten. Glücklicherweise kannten sie durch ihre investigativen Recherchen auch die Schlupfwege durch den Untergrund, und öffneten eine unscheinbar aussehende Tür. Nach und nach stolperten alle in die Dunkelheit dahinter, bis Julica ein Feuerzeug entzündete. „Was soll das denn?“, fragte Lila genervt. „Jetzt ist wirklich nicht der richtige Augenblick, um ’ne Trompete zu rauchen! Du musst echt aufhören mit dem Scheiß.“
Doch das war nicht Julicas Intention. Aus der Tasche ihrer übriggebliebenen Meritärsrüstung holte sie plötzlich ein Axe Sweet-Cinnamon-Spice-Weihnachtsente und fuchtelte mit Deo und Feuerzeug herum. „Keinen Schritt weiter!“, schrie sie. So hatte Lila ihre sonst eher friedfertige Kollegin noch nie erlebt. „Ich gehe nicht ohne den Sauerteig“, erklärte diese entschlossen. „Was? Warum das denn?! Das Meritär muss doch bald hier sein, bist du irre?“ Lila wusste nicht, was in das Faultier gefahren war. Mit zittriger Stimme setzte sie hinterher: „Mach jetzt keinen Fehler, Julica.“ Doch Julica war nicht nach friedlicher und freundschaftlicher Stimmung. Ihr war inzwischen alles egal. Ein fast schon geisteskrank-verzerrter Ausdruck zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab. Sie wollte das Feuerzeug entfachen, doch ihr Daumen war zu langsam, um einen Funken zu erzeugen.
„Wir wollten doch nur recherchieren, Julica. Komm, das ist es echt nicht wert!“, versuchte Lila ihre Freundin zum Gehen zu überreden. „Ja, so hattest du dir das wohl gedacht!“, keifte Julica zurück, deren rot glühende Augen inzwischen einen bösen Blick aufgesetzt hatten. „Ich habe schnell gemerkt, dass dieser klassische Journalismus nichts für mich ist. Investigativjournalismus, Enthüllungsstorys, pipapo. Aber der Abenteuerjounalismus von meinem großen Vorbild Cornelius von Nussingen, der hat mich in den Bann gezogen! Daher erlebe ich jetzt meine ganz eigenen Abenteuer … wohl das größte überhaupt … die Suche nach dem ewigen Leben, um endlich Meridias Next Topmodel zu gewinnen! Und den Enternality-Award!“ „Meridias next Topmodel?? Sind denn jetzt alle völlig durchgedreht?“, brüllte Gerhard in die Runde. Auch Lila fiel fast vom Glauben ab. Sie hatten doch nur eine tolle Story für ihre Lokalzeitung schreiben wollen – wieso sprach Julica jetzt von der Castingshow, bei der jährlich das angeblich beste Topmodel des Planeten gekürt wurde? „Schon als ich klein war, habe ich immer Teigi Klum und ihre Määädels, nein, Chiiicks, im Fernsehen verfolgt. Ich wollte immer mitmachen! Aber nein, als Faultier bin ich noch nicht mal zum Casting zugelassen worden, das ist so diskriminierend! Nur, weil mein Sloth-Walk so langsam ist, muss das doch nicht heißen, dass ich nicht zum Modeln tauge!“
Gerhard konnte sich nur schwer das Lachen verkneifen. Zu komisch war die Vorstellung, wie das Faultier versuchte, mit den geschwinden Schnabeltieren mitzuhalten. Wahrscheinlich hätte es gerade erst den Weg zum Laufsteg geschafft und die Show wäre schon vorbei. „Da brauchst du gar nicht so zu schmunzeln, du dumme Schildkröte. Wenn du dich mit einem langweiligen Leben als Journalist zufrieden geben kannst – bitte. Aber ich habe hier meine Chance entdeckt, wie ich durch die Forschung des Meritärs aufgepimpt werden könnte, und dann zeige ich es euch allen!“, fuhr Julica ihn an. OMG, mit Mehl und Wasser!, dachte sich Gerhard, der alte Bäcker, und schloss verzweifelt seine schrumpeligen Augen.Wo sind wir hier denn nur gelandet? Wenn Julica wüsste, dass keine geheime Geheimzutat des Sauerteigs magische Fähigkeiten besitzt und schon gar kein ewiges Leben verleihen konnten.Schon für den quackmoritz. hatte er vielfältige Texte über sagenhaften Sauerteig und rundum rustikale Rezepte in reißerischen Artikeln verfasst.
In dem Moment hörten sie ein klägliches Wimmern, das von der Decke zu kommen schien. Sind das sprechende Stalaktiten?, fragte sich Gerhard. Mensch, dieser Planet hat es wirklich in sich. Er leuchtete mit dem EiPhone in die Höhe. Da ging ein Raunen durch die Menge von Enten, Schnabeltieren und Faultieren, und auch aus Gerhards Mund drang ein erstauntes „Ooooh“, während sich seine schrumpeligen Augen nach oben richteten. An der Decke klebte nämlich, in Form eines riesigen, runden Flatschen, niemand geringeres als Justus. Anscheinend hatte er nicht gerade wenig von dem verheißungsvollen Sauerteig genascht und mutierte nun selbst zu einer teigartigen Masse. Wenn das nicht der (halbwegs) lebende Beweis für Julica war, dass der Sauerteig eben nicht zu einem stählernen, agilen und gewandten Körper verhilft.
Julica schien tatsächlich leicht verschreckt. Fast schon apathisch starrte sie an die Decke und sah wahrscheinlich vor ihrem geistigen Auge den Opel Adam an sich vorbei ziehen und im Wegfahren ihr noch einmal höhnisch zuwinken. Lila kicherte. „Das sieht mir aber nicht nach den geforderten 90-60-90 aus.“ Gerhard hingegen ergänzte nüchtern: „Naja, aber das würde auf jeden Fall gut in den Cast passen, wenn die wieder Diversity fordern. Ein Teigtier hatten die bestimmt noch nie.“ Lila prustete: „Ich hätte auch schon Ideen für die nächsten Titelsongs: Eye Of The Teiger oder Teig It Away, Teig It To The Limit.“ – „Country Roads, Teig me Home …“, summte Gerhard verzweifelt mit letztem Willen. Er hatte doch eigentlich nur die Enten fotografieren wollen, wie er es immer tat, und nun stand er unter der Erde, mit einem Faultier, was sich mit einem Klumpen Teig zum Topmodel backen wollte und einem Schnaballontier an der Decke. Aber halt, die Enten! Seine eigentliche Mission war vor lauter Aufregung mal wieder völlig in Vergessenheit geraten!
Gerhard holte schnell die Kamera aus seinem Panzer hervor und knipste, dieses Mal äußerst auffällig mit dem Blitz, in den dunklen Gang hinein. Zufrieden schaute er sich das Bild auf seiner Kamera an. Doch was war das für ein dunkler Schatten, den er in der Ecke des Fotos erkennen konnte? Er zoomte näher in das Bild hinein und konnte die markanten Umrisse der Meritär-Rüstung erkennen, bestimmt eines ganzen Dutzend davon. „Sie kommen!“, wisperte er den anderen panisch zu, während bereits schwere Schritte durch den dunklen Gang hallten und sich bedrohlich schnell näherten. „Julica, das wäre der perfekte Moment für einen deiner Brandangriffe, so wie du auch schon den ganzen Wald niedergefackelt hast!“ Das Faultier riss panisch, aber quälend langsam die Augen auf. „Aber das mit dem Brand war ich nicht, das war Cornelius!“ Gerhard rutschte fast die Brille von der Schildkrötennase. „Also doch! Ich wusste es! Er wollte einen neuen Fall erschaffen!“ „Nein“, überlegte Lila, „sein Plan war es, unser Mudix-Hauptquartier niederzubrennen.“ Julica schüttelte den Kopf. „Ihr liegt beide falsch! Cornelius würde niemals einen Brand für so etwas Banales legen! Es war ganz bestimmt …“ Doch weiter kam sie nicht, denn in diesem Moment quoll ein gewaltiger Sauerteig aus dem angrenzenden Raum, der alles zu verschlingen drohte …
Ein guter Teig braucht Zeit zu gehen – und auch die unendliche Geschichte braucht Zeit und geht jetzt in eine wohlverdiente Sommerpause. Damit sagen wir: Ente gut, alles gut? Naja, wenn es nicht gut ist, dann ist es auch nicht das Ente. Und somit versprechen wir euch eine zweite Staffel der unendlichen Geschichte!
Einfach mal abheben in ein anderes Universum, auch dafür ist der webmoritz. da! Ihr könnt jeden Freitag ein anderes Redaktionsmitglied auf einem neuen Teil der intergalaktischen Reise unserer unendlichen Geschichte begleiten. Die Rahmenbedingungen haben wir in einer gemeinsamen Sitzung aus unseren Ideen zufällig ausgewürfelt, danach haben wir die Geschichte jedoch der individuellen Kreativität und Gnade unserer Redakteur*innen überlassen. Wohin die unendliche Geschichte führen wird, ist für uns also auch noch ungewiss, aber wir bieten Corona-Craziness, Ärger und Spaß ohne Ende – garantiert!
Was bisher geschah … Es war einmal in einer anderen Galaxis, aber gar nicht so anderen Zeit. Galapagos-Schildkröte, Entenfotograf und seines Zeichens investigativster Investigativjournalist Gerhard Schmitt hatte auf dem Raumschiff Große Kosmische Ente investigiert, bis dieses schließlich etwas unsanft auf dem Planeten Meridia landete (Teil 1). Dort observierte er eine etwas andere Fete, welche jedoch vom Meritär gecrasht wurde (Teil 3). Auf der Suche nach den gefangenen Enten und mit Justus im Schlepptau traf er auf den galaxiebekannten Abenteurer Cornelius von Nussingen (Teil 5). Das Treffen sollte jedoch nicht von langer Dauer sein, da es nun galt die Wesen zu finden, die die Antworten auf seine Fragen haben könnten (Teil 7).
Immer noch ganz verdutzt von dem Anblick, der sich Gerhard bot, sah er eine zweite Gestalt aus der Ferne sich in seine Richtung hangeln. „Ebenfalls ein Faultier“, sprach er zu sich. „Wieso seid ihr schon hier? Was wollt ihr?“, fragte es mit einer etwas genervten Stimme. „Die Redaktionssitzung ist doch immer am Donnerstag um 19.15 Uhr, außer es läuft …“ – Justus unterbrach das Faultier: „Ich möchte euch vorstellen: Gerhard von …“ Justus stockte. „Gerhard Schmitt“, grummelte die Galapagos-Schildkröte energisch, in ihrer Ehre etwas gekränkt. „Ah, der Abenteurerautor, der die Galaxie durchreist, immer auf der Suche nach neuen Geschichten, Helfer der Wale, Retter der Unentdeckten, …“, legte das zweite Faultier mit leuchtenden Augen los. „Nein“, stieß Gerhard jetzt mit erhobener Stimme aus. „Ich bin Gerhard Schmitt, weltbekannter, investigativer Fotojournalist und Entenfotograf.“ Inzwischen hatte sich nun auch das braune Faultier gemächlich zwischen den Hängematten auf den Boden begeben und begonnen, das seltsame, gepanzerte Wesen, welches sich vor ihnen echauffiert zu mustern. „Sagt mir nix“, „Mir auch nicht“, erwiderten die beiden Faultiere, während sie in das inzwischen karmesinrot anlaufende Gesicht der Schildkröte blickten. In seinem Kopf befand sich Gerhard mittlerweile auf einem schmalen Grat zwischen brennender Wut und vollkommener Entrüstung. „Ich bin übrigens Julica und das ist Lila“, fügte das braune Faultier mit der Brille hinzu. Erst jetzt fiel der Schildkröte die seltsam violette Fellfarbe des linken Faultiers auf. So etwas hatte er vorher noch nie gesehen. „Wir sind Alpha-Mudixe und haben hier sowas wie das Sagen.“ „Chefredakteur*innen …“, zählte Gerhard schnell eins und eins im Kopf zusammen. Genau die Leute, die er gesucht hat. Doch wie geht er die Situation an? Angesichts des absoluten Ausnahmezustands, in dem sich die Meridianer*innen und nun auch er wiederfanden, musste er besonders charismatisch und bedacht mit einer extra großen Prise Feingefühl an die Sache herangehen. Aber das konnte er eben am besten. So war es doch erst seine überaus bemerkenswerte Wortgewandtheit, die ihn an diesen Punkt gebracht hat. Nein. Er weiß, wie er an die Informationen kommt, die er braucht. Darin ist er am besten. Dafür ist er schließlich weltbekannt. Deswegen wollte der quackmoritz. ihn. Und nur ihn. Hierfür hat er studiert.
Versunken in den eigenen Gedanken und einer Mischung aus Lobpreisungen sowie einer unerschütterlichen Überschwänglichkeit, bemerkte Gerhard gar nicht, wie ihm niemand mehr zuhörte oder ihn überhaupt beachtete. Stattdessen hatte Justus den beiden Faultieren alles erzählt, was in den letzten Stunden passiert war. Was auf Brigittes Mottoparty vorgefallen war, wie die Enten festgenommen wurden, wie er dem Meritär nachgelaufen ist, wie er Gerhard Schmitt und Cornelius von Nussingen getroffen hatte und wie die beiden letztendlich bei den Mudixen gelandet waren. Gerhard war wie angewurzelt. „Habe ich das gerade laut gesagt? Haben die mich gehört?“, flüsterte er vor sich hin. Er zog seinen Kopf so weit in den Panzer zurück, bis nur noch sein Gesicht rausschaute. Was gerade passiert war, war ihm sichtlich unangenehm. Wie konnte das sein? Als die Schildkröte jedoch ihren Blick durch den Raum schweifen lies, fiel auf, dass sich gar niemand für ihn interessierte. Die Mudixe warteten immer noch geduldig auf jedes neue Detail, was der kleine Justus stammelnd von sich gab. „Ein ulkiges Bild“, dachte sich Gerhard, während er seinen Kopf langsam wieder aus dem Panzer herausbewegte und eine, wie er dachte, würdige Haltung einnahm. „Wer schon bei der Haltung keine Haltung annehmen kann, der wird nicht mal einen schlafenden Hasen einholen.“ So oder so ähnlich hatte es schon seine Mutter gepredigt.
An der Tür zur Redaktion ertönte lautes Klopfen. „Herein!“ In der Tür stand ein großes Schnabeltier. Gerhard traute seinen Augen kaum. „Das ist ja heute wie vermudixt hier“, brach Lila die Stille. „Die Redaktionssitzung der Mudixe findet jeden Donnerstag um 19.15 Uhr statt. Außer, wenn Meridias Next Top Mudix läuft, dann 18 Uhr. Aber das weißt du eigentlich, Monika.“ Auch Justus erkannte sofort, um wen es sich in der Tür handelte. „Sie haben meinen Sohn“, sprach das Schnabeltier bedrohlich. Auf einmal fiel es der Galapagos-Schildkröte wie Schuppen von den Augen. „Und Sie haben meinen Sauerteig“, entgegnete Gerhard daraufhin etwas zögerlich. Er hatte selbst bemerkt, dass dies weder der rechte Ort noch die rechte Zeit dafür war. Wutentbrannt und wild entschlossen stampfte Monika auf den Entenfotografen zu. Gerhard hatte sich währenddessen seine Chancen ausgemalt und verschwand in seinem Panzer. Zu oft war er in solch prekäre Situationen geraten, um jetzt den Kopf zu verlieren. Einfach warten und ausharren. Das ist seine Strategie. Und gut ist sie auch noch. Sehr gut.
„Ein bisschen so, wie in einer Box oder einem Karton eingesperrt zu sein. Karton … an Board eines Raumschiffs …“, fuhr Gerhard nachdenklich fort. Er hatte schon fast vergessen, weshalb er überhaupt da war. Wofür er sich die letzten zwei Jahre in einem Suppenkarton versteckt hatte. Er wollte Enten fotografieren. Und nicht nur das. Er wollte den größten und informativsten Artikel über Enten schreiben, den es je gab. Es geht ihm nicht mehr nur um Ruhm oder Jahresvorräte an Löwenzahn und Shrimps. Davon hatte er genug. Auch wenn Gerhard noch einige Jahre vor sich hatte, wusste er, dass nichts für die Ewigkeit ist. Er wollte nur nicht vergessen werden. Im Gegenteil. Er wollte Unendlichkeit. Man sollte sich noch in Jahrhunderten an Gerhard Schmitt erinnern. Er wartete nun schon seit fast zwei Minuten auf das endliche Eintreffen der ungebremsten Schläge der Schnabeltierdame. Doch in der Dunkelheit seines Panzers herrschte nur Stille.
Kommt bei Gerhard tatsächlich der Hochmut vor dem Fall? Fängt er sich jetzt eine gehörige Tracht Prügel ein? Haben die Faultiere die Antworten auf seine Fragen? Und was ist jetzt eigentlich mit seinem Sauerteig los? Die Antwort auf all diese Fragen gibt es (vielleicht) nächste Woche in Julias Teil der unendlichen Geschichte. Freut euch drauf!
Einfach mal abheben in ein anderes Universum, auch dafür ist der webmoritz. da! Ihr könnt jeden Freitag ein anderes Redaktionsmitglied auf einem neuen Teil der intergalaktischen Reise unserer unendlichen Geschichte begleiten. Die Rahmenbedingungen haben wir in einer gemeinsamen Sitzung aus unseren Ideen zufällig ausgewürfelt, danach haben wir die Geschichte jedoch der individuellen Kreativität und Gnade unserer Redakteur*innen überlassen. Wohin die unendliche Geschichte führen wird, ist für uns also auch noch ungewiss, aber wir bieten Corona-Craziness, Ärger und Spaß ohne Ende – garantiert!
Was bisher geschah … Es war einmal in einer anderen Zeit, aber gar nicht so anderen Galaxis. Die Galapagos-Schildkröte Gerhard Schmitt ist auf dem Planeten Meridia als blinder Passagier im Raumschiff Große Kosmische Ente gelandet (Teil 1). Dort traf er die Einwohner*innen – die Schnabeltiere – und war Beobachter einer phänomenalen Fete. Aber auch die neu angekommenen Enten mischten sich unter die Gäste und drohten entdeckt zu werden (Teil 3). Nach der geplatzten Sause nahm Gerhard die Verfolgung auf und traf auf Cornelius von Nussingen (Teil 4). Doch die Begegnung wurde durch Geräusche aus dem Unterholz unterbrochen. Justus war es, der aus dem Dickicht brach! Schnell stellte sich heraus, dass er versuchte die Enten zu finden. So machten sich die DR3i schnell auf die Suche nach Hinweisen. Kurz nach dem Fund einer Feder stellte Gerhard noch eine wichtige Frage, deren Antwort alles verändern sollte …
Teil 6– Wenn der Plot twisted
„Ach stimmt, ich habe total vergessen dir diesen emotional aufreibenden Plot Twist zu verraten, um dich in die Rettungsaktion mit einzubinden und damit eine total unerwartete Wende der Ereignisse einzuläuten“, säuselte Justus vor sich her. „Bitte WAS?“, fragten Gerhard und Cornelius wie aus einem Mund, nur um sich danach erschrocken anzuschauen. Irgendwie ärgerte es Gerhard, dasselbe gesagt zu haben wie Cornelius, ging es doch hier um seine Journalistenehre. „Ähm, ich meinte“, meldete sich Justus wieder zu Wort, „das Meritär war vorhin noch bei der Absturzstelle und hat kurz danach auch meinen Vater aufgesucht. Nun und … naja … Sie haben den Sauerteig gefunden.“ Gerhard dachte kurz nach. Es konnte doch wohl nicht sein, dass … „Hier gibt es sowas einfach nicht und nun wurde auch er gefangengenommen!“, erzählte Justus weiter. Er war sichtbar den Tränen nah. „Sie haben etwas von Spion geschnattert. Was ist, wenn das Meritär ihn nun einsperrt, oder …“ Er stockte. „Oder was?“, fragte Gerhard vorsichtig. „Oder sie ihn vielleicht sogar foltern“, beendete Justus den Satz. Gerhard schluckte. Darüber hatte er noch gar nicht nachgedacht. Obwohl hier draußen, fernab von jeglichen größeren Siedlungen, alles so friedlich schien, musste das Meritär so schnell vor Ort gewesen sein. War ein Stützpunkt in der Nähe? Er hatte zumindest keinen von oben sehen können. Wo zur Einweg-Plastikflasche kamen die denn so schnell her? „Ganz ruhig“, versuchte er Justus zu beruhigen. „Ihm wird schon nichts passieren, denn wir haben ja …“ Er wollte gerade auf Cornelius deuten, als ihm auffiel, dass Cornelius weg war. Einfach so. Gerhard konnte diese Autor*innen der Foto-Zeitung nicht leiden. Die waren immer nur auf reißerische Storys aus, aber wenn es mal darum ging zu helfen, dann waren sie am weitesten weg. Typisch. Genau aus dem Grund weigerte sich Gerhard diese Schreiberlinge als Journalist*innen zu bezeichnen. Abenteuerautor*innen, das war passend für diese Bande von Schmalspurgauner*innen und Möchtegern-Journalist*innen. Justus hatte sich wieder etwas beruhigt und saß nun neben Gerhard. „Sieht der Plot nun nicht vor, dass wir uns mit allen Unterschieden dennoch anfreunden und ein späterer Plot uns noch einmal in eine Krise stürzt?“, fragte Justus. „Du fragst aber komische Sachen“, erwiderte Gerhard. „Hör mal, ich bin ja Investigativ-Journalist. Weißt du was das ist?“ Justus schüttelte den Kopf. „Das ist, wenn man ganz mutig ist und so nah wie möglich versucht, an die Wahrheit zu kommen. Ich wage mich in gefährliche Situationen, um die wirklich wahre Wahrheit herauszufinden.“ „Ahh, das machen bei uns die Mudixe. Die schreiben immer nur die wahrlich wahrste Wahrheit in der ‚Schnabeltier am Donnerstag‘. Ihr Motto lautet übrigens ‚Ich bin hier, du bist hier, Schnabeltier.‘“ Nach diesen etwas … naja … besonderen Infos wurde es Zeit, mehr über das Meritär herauszufinden. Seine Erfahrungen als Investigativ-Journalist ließen ihn auch dieses Mal nicht hängen. „Das musst du mir aber nun mal erklären“, sagte Gerhard, „Was ist eigentlich dieses Meritär? Woher kommen sie? Was ist ihre Aufgabe? All das muss ich wissen, wenn wir deinen Vater befreien wollen, weißt du?“ Justus nickte verständnisvoll und begann sogleich mit seiner Erklärung.
Oh man! Das war doch eine unerwartete Wende! Wird Gerhard seine Antworten bekommen? Werden die beiden es schaffen den Vater von Justus, von den drei Schnabeltieren, zu finden und vor dem Meritär zu retten? All das und vieles mehr erfahrt ihr nächste Woche in Ninas siebten Teil der unendlichen Geschichte.
Einfach mal abheben in ein anderes Universum, auch dafür ist der webmoritz. da! Ihr könnt jeden Freitag ein anderes Redaktionsmitglied auf einem neuen Teil der intergalaktischen Reise unserer unendlichen Geschichte begleiten. Die Rahmenbedingungen haben wir in einer gemeinsamen Sitzung aus unseren Ideen zufällig ausgewürfelt, danach haben wir die Geschichte jedoch der individuellen Kreativität und Gnade unserer Redakteur*innen überlassen. Wohin die unendliche Geschichte führen wird, ist für uns also auch noch ungewiss, aber wir bieten Corona-Craziness, Ärger und Spaß ohne Ende – garantiert!
Was bisher geschah… Die Galapagos-Schildkröte Gerhard Schmitt ist auf dem Planeten Meridia als blinder Passagier im Raumschiff Große Kosmische Ente gelandet (Teil 1). Dort traf er die Einwohner*innen – die Schnabeltiere – und war Beobachter einer phänomenalen Fete. Aber auch die neu angekommenen Enten mischten sich unter die Gäste und drohten entdeckt zu werden (Teil 3). Nach der geplatzten Sause nahm Gerhard die Verfolgung auf und traf auf Cornelius von Nussingen (Teil 4). Doch die Begegnung wurde durch Geräusche aus dem Unterholz unterbrochen. Was kann das nur sein?
Teil 5– Unverhofft schnabelt oft
Hektisches Rascheln näherte sich den beiden. Aus Reflex zog sich Gerhard in seine schützende Hülle zurück, während sich Cornelius hinter ihm versteckte und heftig zu zittern begann. Doch anstelle eines erwarteten Ungeheuers war es nur der kleine Justus Schnabeltier, der sich wild fuchtelnd durch das Dickicht schlug. Unser gepanzerter Freund erkannte ihn sofort wieder und streckte seinen langen Hals empor: „Justus, was machst du denn hier?“, fragte die Galapagos-Schildkröte. Justus, der so fokussiert auf die Verfolgung der gefangenen Enten konzentriert war, erschrak derart, dass er aufschrie und nach hinten auf seinen Schnabeltierschwanz fiel. Da pellte sich Gerhard aus seinem Haus und „eilte“ dem Halbwüchsigen zur Hilfe. „Hast du dir etwas getan?“, fragte er besorgt. Justus, der vor Schreck eine Träne verdrückte, rappelte sich auf und klopfte sich das Fell ab. „Was sollte das denn?!“, fragte er das bekannte Gesicht erbost. „Du hast doch gesehen, dass ich denen auf den Fersen war!“, schnabelte er. Gerhard entschuldigte sich, aber war dennoch neugierig, wieso ein Jungspund seines Alters so unbedingt dem „Feind“ hinterherspionierte. „Das geht dich gar nichts an“, maulte Justus ihn an. Dieser Ton ging Cornelius von Nussingen aber zu weit: „Für so ein ulkiges Hybrid-Tier spuckst du hier aber ganz schön große Töne, Kleiner!“ Doch Justus hörte ihm erst gar nicht zu und schaute sich um, in welche Richtung die gefangenen Enten entlang verschwunden waren. Jedoch ohne Erfolg. Niedergeschlagen sackte das kleine Schnabeltier zu Boden und vergrub seinen Schnabel in den mit Schwimmhäuten versehenen Pfötchen. „Was mache ich denn jetzt?“, fragte er sich und schüttelte verzweifelt das Köpfchen. Gerhard tat dieser Anblick so leid, auch wenn er nicht verstand, weshalb es dem kleinen Mann so wichtig war. Cornelius hingegen erschütterte dieses kleine Leid nicht im Geringsten: „War nett sich mal gesehen zu haben, aber ich muss jetzt weiter zu neuen Abenteuern, da kann ich mich nicht mit den Problemen eines Kindes herumschlagen. Das hält uns ehrgeizige Singlemänner bekanntermaßen nur auf. Ade!“ Kaum hatte er seinen Satz beendet, warf Gerhard ihm einen bitterbösen Blick zu. „Aber Cornelius“, sagte er, „ist es nicht ein riesiges Abenteuer, den gefangengenommenen Enten zur Hilfe zu eilen?“ Cornelius setzte schon an, um sich aus diesem Vorschlag herauszureden, doch bevor er auch nur einen seiner Gedanken ausformulieren konnte, begann Justus laut zu jubeln: „OH JA! Dann könnt ihr mir helfen die Enten zu finden!“ Da konnte sich Cornelius nicht mehr rausziehen. Nicht nur, weil er es nun nicht mehr übers Herz brächte, das Jungtier zu enttäuschen, sondern auch, weil Gerhards Blick verriet, dass, wenn er jetzt noch einen Rückzieher machen würde, Gerhard ihm einen kräftigen Biss mit seinem Galapagos-Schnabel verpassen würde. Das Dreiergespann rappelte sich auf und schaute sich nach möglichen Hinweisen um, wo die Enten lang sind. „DA!“, schrie Justus plötzlich auf und rannte in das Dickicht. Kurz darauf winkte eine helle Feder aus dem Unterholz empor. Da setzten sich Cornelius und Gerhard in Bewegung und hefteten sich an die vor ihnen her wackelnde Feder. „Aber sag mal, Justus“, hakte Gerhard nach, „… warum verfolgst du die Enten jetzt eigentlich?“
Das ist eine gute Frage! Und wie wird es dem Dreiergespann nun ergehen? Wird es die Enten ausfindig machen können? Das wissen wir genau so wenig wie ihr und warten daher gespannt auf Toms Teil 6 der unendlichen Geschichte nächsten Freitag.
Einfach mal abheben in ein anderes Universum, auch dafür ist der webmoritz. da! Ihr könnt jeden Freitag ein anderes Redaktionsmitglied auf einem neuen Teil der intergalaktischen Reise unserer unendlichen Geschichte begleiten. Die Rahmenbedingungen haben wir in einer gemeinsamen Sitzung aus unseren Ideen zufällig ausgewürfelt, danach haben wir die Geschichte jedoch der individuellen Kreativität und Gnade unserer Redakteur*innen überlassen. Wohin die unendliche Geschichte führen wird, ist für uns also auch noch ungewiss, aber wir bieten Corona-Craziness, Ärger und Spaß ohne Ende – garantiert!
Was bisher geschah… Die Schildkröte Gerhard, die als Entenfotograf bekannt war, hatte sich in einem Suppenkarton an Board einer von Enten geleiteten Weltraummission geschmuggelt. Auf Flucht vor ihrem alten Planeten, hatten sie Kurs auf den Planeten Meridia genommen. Bevor Gerhard als blinder Passagier auffliegen konnte, stürzte ein Teil der Besatzung mit dem Landungsshuttle ab. So fand sich die Galapagosschildkröte plötzlich auf dem Planeten Meridia wieder (Teil 1 – Der blinde Passagier). Dort machte Gerhard Bekanntschaft mit neuen Wesen, die er aufgrund ihrer auffälligen Gestalt Schnabeltiere taufte. Da die beiden Schnabeltiere, mit denen er zu Beginn Bekanntschaft machte, ihn wie die Enten für einen Eindringling hielten, bestach er sie mit einem Stück edelstem Sauerteig, sodass sie ihn vorerst in Ruhe ließen. Er begann also die Gegend zu erkunden und landete auf einer Kostümparty mit dem Motto „Feiern wie die Erdlinge“, sodass sich die feierwütige Masse fast wie eine Party zuhause anfühlte. Dort legte er ein kleines Nickerchen ein und schreckte auf, als es schon komplett dunkel war. Gerhard hörte aufgeregtes Quaken. „Die Enten kommen“, dachte er, kramte seine Kamera heraus und machte sich bereit, seiner Mission als Entenfotograf nachzugehen (Teil 2– Feels like home).
Teil 3 – Bis die Enten tanzten
Gerhard sah die 12 Enten und Erpel, die ihn vorhin noch in seinem schwebenden Suppenkarton entdeckt hatten. Er musste also besondere Vorsicht walten lassen, um näher an sie heranzukommen. Aber wozu hat man studiert, Gerhard entwurzelte kurzerhand einen nahegelegenen Busch und schlich sich – na gut, schneller konnte er eh nicht – getarnt als grüner Blätterhaufen Stück für Stück an die Gruppe heran.
Die Enten schienen in einer Art Teambesprechung zu sein. Bevor man das Klicken seiner Kamera zu laut hörte, knippste Gerhard schnell ein paar Bilder dieser letzten Anweisungen und kroch in Hörweite der Enten. „… dran, verhaltet euch so unauffällig wie möglich! Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein, dem ersten Blick nach zu urteilen scheint hier gerade ein gewisser Pegel zu herrschen. Verkleidet euch ein wenig und dann sammelt alles an Informationen, was ihr bekommen könnt!“ Das schien die Oberente zu sein, überlegte Gerhard, und versuchte ihr Profil zu erhaschen. Die anderen antworteten mit einem strammen „Quak quak Ma’am!“, und watschelten aus. Gerhard heftete sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an zwei Erpel, die glücklicherweise noch ein wenig trödelten. Dem Raunen nach zu urteilen, schienen sie etwas missgestimmt zu sein. „Also ganz ehrlich“, sagte der kleinere der beiden, „wir hocken ZWEI Jahre in diesen elendigen Glaskästen und Garlinda gönnt uns nicht mal eine spaßige Nacht. Sobald wir entdeckt werden, wird es sowieso noch ernst genug, da kann man doch noch wenigstens für ein paar Stunden auf den Putz hauen!“ „Ganz genau!“ erwiderte der zweite, „Immer müssen alle so verklemmt sein. Ich meine, guck dir das hier doch mal an, das müssen wir nutzen.“ Gerhard hörte noch etwas davon, wie sie sich an der Bowle zu schaffen machen wollten, doch dann wurde ihr Vorsprung zu groß.
Als Gerhard bei der Partymeute ankam, sah er, dass nicht nur die beiden Erpel das Ende ihrer Isolation etwas ausgelassener als aufgetragen angehen wollten. Zwei Enten hatten sich in das Beerpong-Team gemischt und sich als Verkleidung die roten Plastikbecher in einer Linie in ihre Federn gesteckt. „Gar nicht mal schlecht, könnte als ein Low-Budget-Dinokostüm durchgehen“, dachte Gerhard und schoss schnell ein paar Bilder, wobei er darauf achtete, dass der fremde Planet im Hintergrund erkennbar war. „Das wäre deutlich leichter, wenn wir hier nicht ausgerechnet auf einer Erdlings-Party gelandet wären“, ärgerte sich Gerhard mit einem missmutigen Blick auf die Pappaufsteller der Kardashians. Einer der Enten schien das Bier schon ein wenig in den Kopf gestiegen zu sein, sie flatterte auf den Tisch und schwang aufgeregte Motivationsreden für ihr Team. „Dass sich keines der Schnabeltiere über das Fliegen wundert, die müssen ja wirklich schon gut einen sitzen haben“, bemerkte Gerhard und dachte an seine eigenen wilden Jahre zurück. Ei, waren das noch Zeiten. Wie er immer mit seiner Clique um die Häuser gezogen war, nichts als Quak im Kopf. Damals hatten sie noch Brausepulver mit Wodka gemischt und sich dann gegenseitig in ihren Panzern auf der Stelle gedreht… man was für verrückte Nächte das waren, einfach galapagotastisch. Inzwischen war Gerhard durch seine Rolle als Investigativ-Journalist ständig auf Reisen, immer an die Fersen der Enten geheftet, wenn sie in ein neues Gebiet ausflatterten. Den Kontakt zu vielen seiner Freund*innen hatte er dadurch bereits verloren, was umso deprimierender war, da er mit seinen 63 ½ Jahren noch ein gutes halbes Schildkrötenleben vor sich, aber viele der Entengenerationen, mit denen er ja seine meiste Zeit verbrachte, bereits überlebt hatte. Gerhard geriet immer weiter ins Grübeln, was zum Teufel machte er hier eigentlich?
Um der Nostalgie zu entfliehen, bewegte er sich weiter in Richtung Bar. Dort war ein Erpel offensichtlich damit beschäftigt, der Barkeeperin den aktuellen Tratsch aus dem Schnabel zu ziehen. „Nicht schlecht“, dachte sich Gerhard, „wahrscheinlich die beste Informationsquelle hier“, und gönnte sich selbst ein an der Seite stehendes Getränk, dessen pinker Aufkleber es als „Elbewasser“ betitelte. „Elbewasser?“ fragte sich Gerhard und schmunzelte, als er nach einer ersten Kostprobe begriff, dass die Schnabeltiere vermutlich das Alsterwasser etwas falsch übermittelt bekommen hatten. Aber woher eigentlich? Schließlich schien auch das Schnabeltier, an welches er seinen kostbaren Klumpen Sauerteig verschenkt hatte, bereits von den Enten gehört zu haben. Doch warum kursierte hier die fälschliche Annahme, dass die Raumstation hier war, um den Planeten einzunehmen? Anstatt diesen Gedanken weiter zu verfolgen, dachte Gerhard wehmütig an seinen Sauerteig. Hätte sein Schädel nicht so durch den Sturz gehämmert, hätte er seine Brotreserve niemals so voreilig hergegeben. Ob er Justus und seine Mutter nochmal aufsuchen und ihnen gut zureden könne? Man weiß ja schließlich nie, was noch kommt. Gerhard genoss das kalte Prickeln seiner Bierbrause und ließ den Blick wieder über die bunte Menge schweifen. Sein gutes altes Lieblingsgetränk, das Ryckwasser, kam ihm in den Kopf und er bekam schon fast etwas Heimweh, als eine Ente mit gespiegelter Sonnenbrille schließlich seine Aufmerksamkeit auf sich zog. „Den da drüben schnabel ich mir auf!“, raunte sie gerade einem Kollegen zu, der mit seinem Sombréro-Hut und Luftschlangen um den Körper fast gar nicht mehr zu erkennen war. Mit selbstbewussten Tanzschritten arbeitete sie sich zu ihrem auserwählten Schnabeltier vor, doch Gerhard war zu weit weg, um das Geschehen weiter zu verfolgen. Er war schon auf der Suche nach seinem nächsten Beobachtungsplätzchen, als der DJ seine Musik jäh unterbrach.
Ein kreischendes, metallisches Geräusch war zu hören, als ein Schnabeltier auf das DJ-Pult kletterte und eines der Mikrofone anschaltete. „Nicht nur bei uns der typische Stimmungskiller“, amüsierte sich Gerhard über das entnervte Stöhnen der Partygesellschaft. „Naaaa, seid ihr alle gut drauf?“, schmetterte es nun zu Gerhards Missvergnügen aus den Lautsprechern. Was soll man denn auch darauf antworten? Die Partymeute schien damit weniger Probleme zu haben und rief ein schwungvolles „Jaa!“ zurück. „Diese Mottoparty ist bisher eindeutig die gelungenste, ein großes Dankeschön an Brigitte für die unermüdliche Organisation und Recherche der Erdlingsgewohnheiten, was für ein flippiges Volk!“ Jubeln ertönte. „Da sich hier ja einige als Enten verkleidet haben, lasst uns das doch als Anlass nehmen, unsere gefiederten Watschelfreunde mit einem Tanz zu beehren!“ Aus den Boxen erklang ein „Nana nana nanana“ und Gerhard verdrehte seine schrumpeligen Augen. Der Ohrwurm würde ihn bestimmt noch in den nächsten stillen Stunden auf der Raumstation verfolgen. Die Schnabeltiere machten sich daran, ihre Hüften für den Ententanz zu schwingen, doch die „Watschelfreunde“ standen perplex in der Menge herum. Gerhard sah Garlinda wild mit den Flügeln gestikulieren, dass die Enten und Erpel einfach mittanzen sollten, doch diese schienen viel zu überrumpelt zu sein. Auch einige der Schnabeltiere versuchten, ihre starren Partyfreunde mit einem Stupser in die Seite zu ermutigen, wodurch auch langsam wieder Bewegung einkehrte, doch dann hörte Gerhard ein „He, das sind ja gar keine Kostüme!“ aus der Menge rufen. Die Musik wurde schlagartig abgedreht.
Na da überwogen die Auswirkungen sozialer Isolation eindeutig Garlindas strammem Vorbereitungstraining. Aber auch auf Gerhards Seite zeichnen sich erste Sinnkrisen ab – doch die Frage ist erstmal, wie die Enten nun überhaupt den Planeten erforschen können, wo sie doch bereits aufgeflogen sind? Und noch viel wichtiger: Wird Gerhard seinen Klumpen Sauerteig wiederbekommen? Das wissen wir genau so wenig wie ihr und warten daher gespannt auf Fabis Teil 4 der unendlichen Geschichte.