Gespräche über Greifswald – Die DemokraTische

Gespräche über Greifswald – Die DemokraTische

Die Partnerschaft für Demokratie Greifswald lädt zum dritten Mal zu den DemokraTischen ein. Die Gesprächsrunden werden von verschiedenen Initiativen und Institutionen betreut und beschäftigen sich mit vielfältigen Themen aus der Region. „Die Veranstaltungsreihe verfolgt das Ziel, den demokratischen Dialog in der Stadt zu fördern und insbesondere im Wahljahr 2021 den Greifswalder Bürger*innen einen offenen und zugänglichen Raum zu geben, an dem wichtige Themen Aufmerksamkeit erlangen und jeder und jede zum Mitreden eingeladen wird“, heißt es in der Pressemitteilung der Veranstaltung. Die PfD begleitet den Austausch der Bürger*innen dabei anonym, um sie in Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft hörbar zu machen. Die Erkenntnisse sollen außerdem in die Demokratiekonferenz der Initiative mitgenommen werden, um Schwerpunkte für das kommende Jahr zu setzen.

„Die DemokraTische dienen dafür als lokale Situationsanalyse. Demokratie bedeutet, unsere Stadt gemeinsam zu entwickeln – wir freuen uns auf die DemokraTische 2021!“

Partnerschaft für Demokratie

Insgesamt dreizehn DemokraTische mit vielfältigen Gastgeber*innen und unterschiedlichsten Themenschwerpunkten sind geplant. So eröffnet die Aktion am Dienstag, den 07. September mit dem Thema „Was braucht das Ehrenamt?“ im Garten der STRAZE. Das Programm lockt außerdem mit Initiativen wie verquer, Studentenclub Kiste, Bürgerhafen Greifswald, AG Barrierefreie Stadt und Qube, dem radio 98eins und dem Allgemeinem Studierendenausschuss der Uni Greifswald. Themen sind unter anderem Greifswald im Lockdown, klimafreundlich leben in Wieck und Ladebow, Nachbarschaft mit vielen Kulturformen oder Ehrenamt statt Egoismus. Es wird sich darüber hinaus mit Fragen wie „Wie lebt es sich in Schönwalde?“ oder „Wie solidarisch kann Schule sein?“ auseinandergesetzt.

Bis zum 16. September werden die DemokraTische an verschiedenen Orten der Stadt veranstaltet, natürlich unter aktuellen Corona-Auflagen. Auf der Website der Partnerschaft für Demokratie sind alle Infos mitsamt einer Beschreibung des jeweiligen Themas aufgelistet.

Das Wichtigste auf einen Blick

Was? DemokraTische, Gesprächsrunden über regionale Themen
Wann? Dienstag, 07. September bis Donnerstag, 16. September zu unterschiedlichen Uhrzeiten
Wo? verschiedene Lokalitäten in Greifswald unter Corona-Auflagen
Mehr Infos und genaue Daten: Website der Partnerschaft für Demokratie

Beitragsbild: Partnerschaft für Demokratie

Ohne Sonne gegen die AfD

Ohne Sonne gegen die AfD

Über 500 Menschen demonstrierten am Samstag gegen das rechte Flügeltreffen der AfD auf Rügen.

Binz – am 23. November 2019 wird das Straßenbild des Touristenorts von ungewöhnlich viel Polizei geprägt. Aus der ganzen Republik kommen Menschen nur für ein Event: Das rechte Flügeltreffen der AfD im Arkona Strandhotel. Die einen kommen, um sich Reden von Björn Höcke anzuhören, die anderen, um vor dem Hotel genau dessen Ankunft zu verhindern oder wenigstens aufzuhalten.

Um 11.00 Uhr versammeln sich am Binzer Bahnhof die Gegendemonstrierenden, die dem Aufruf von „Rügen für Alle“ gefolgt sind, um gegen die AfD und ihren Beitrag zum politischen Diskurs zu demonstrieren. Das Wetter ist grau und eisig kalt, die Stimmung ist positiv, wenn auch in weiten Teilen verhalten. Die Figur Björn Höcke, der prominenteste Vertreter des selbsternannten Flügels der rechten Partei, war dabei die sichtbarste. Auf vielen Transparenten und Schildern wurde auf ihn angespielt. Der Flügel wird vom Verfassungsschutz als „Verdachtsfall im Bereich Rechtextremismus eingeordnet.“ Auf dem Weg ins Hotel werden aber auch Teile der Identitären Bewegung, darunter auch Greifswalder Studierende, und ein Mitglied der terroristischen Vereinigung Nordkreuz, gesehen. Nordkreuz ist eine Gruppe rechtsextremer Prepper, die sich zurzeit vor Gericht verantworten müssen, weil sie sogenannte Feindeslisten geführt haben, mit dem Ziel die Personen in der Zukunft zu ermorden.

Der Demonstrationszug geht zunächst zum Kundgabeplatz vor dem mit Bauzäunen abgesperrten Hotel, wo auf einer Bühne eine große Anzahl von Redner*innen die Breite des Bündnisses widerspiegelt. Vertreter*innen der Kirche, Gewerkschaften, Kunst und Geflüchtetenvereine, sowie Politiker*innen von SPD, LINKE und Grünen wenden sich deutlich gegen die Spaltung der Gesellschaft und die Verbreitung von Hass durch die Rhetorik und politische Arbeit der AfD Politiker*innen. Insbesondere Björn Höcke selbst und Andreas Kalbitz, aber auch der Juraprofessor der Universität Greifswald, Ralph Weber, werden von den Redner*innen angegriffen. Es nehmen nach Polizeiangaben über 500, nach Schätzungen der Organisierenden, 1200 Menschen an der Gegendemonstration teil.

Claudia Müller (Grüne), Kerstin Kassner (LINKE) und Sonja Steffen (SPD)

Nach zwei Stunden mit Ansprachen und musikalischen Beiträgen brechen die Demonstrierenden erneut zu einem Protestmarsch durch den Ort auf. Auffällig bleibt, dass die Route in erster Linie durch eher abgelegene Wohngegenden führt, wo Anwohnende von ihrem Balkonen aus filmen. Die Ankunft des Hauptredners der AfD um 15 Uhr, will ein Teil der Demonstrierenden den Zugang zum Hotel mit einer Straßenblockade verhindern. Bis dahin tritt die Polizei ziemlich zurückhaltend auf und reagiert auch nicht auf die Abspaltung von einigen Teilnehmenden, während des zweiten Protestmarsches. Als allerdings ein Auto an der Straßensperre vorbei will, nutzt die Polizei die Gelegenheit um die Demonstrierenden an die Seite zu drängen und Höcke kann ungehindert an sein Ziel kommen.

Andrea Sakowski vom Verein PRO BLEIBERECHT

Währendessen ist der restliche Demonstrationszug wieder bei der Bühne angekommen und es wird bei lauter Live-Musik bis 16.00 Uhr der Kälte getrotzt, gerade, als der Sonnenuntergang endlich durch die Wolken bricht.

Bilder und Videos: Jonathan Dehn

Der Demokratiebahnhof Anklam baut gegen alle Widerstände an

Der Demokratiebahnhof Anklam baut gegen alle Widerstände an

Mit dem Slogan „Anbau für alle! Alle für Anbau“ wirbt der Demokratiebahnhof Anklam aktuell um Spenden. Das Modellprojekt hat mit vielen Widerständen zu kämpfen, aber erfährt auch eine Menge Solidarität.

Junge Menschen aus Anklam und Vorpommern finden sich zusammen. Sie sind Teil eines Modellprojekts und seit mittlerweile 4 Jahren gestaltet der Demokratiebahnhof Anklam die Gesellschaft an der Peene entscheidend mit. Jugendarbeit, die auf die Kinder und Jugendlichen zugeht, Angebote für sie schafft und sie zum Mitmachen anregt. So entstanden im Innern des alten Bahnhofgebäudes Gemeinschaftsräume und Werkstätten. Draußen wurden Flächen zum legalen Sprayen und ein Gemeinschaftsgarten geschaffen. Geht nicht, gibt´s nicht!
Ob besagte Graffiti-Angebote, Siebdruck, Nähen, Konzerte, Kleidertausch, gemeinsames Kochen, Fahrradwerkstatt und, und, und. Achja, und Musik machen. Richtig gehört. Man kann stolz einen eigenen Proberaum vorweisen. Mit viel Unterstützung von außen wurden die finanziellen Grundlagen geschaffen und dann in D.I.Y.-Manier vor Ort angepackt. Am Anfang lief fast alles über das Ehrenamt, mittlerweile müssen einige Aufgaben jedoch auch von hauptamtlichen und anderen bezahlten Stellen übernommen werden. Eine normale Entwicklung, bei einem Projekt welches stetig wächst. Dennoch sind die ehrenamtlichen Kräfte, die in ihrer Freizeit vor Ort sind, nicht abhandengekommen und man arbeitet weiterhin gemeinsam an den anstehenden Projekten und Ideen.


Kaffee und Schnack

Aktuell werden wieder Spenden gesammelt. Ein vorhandener Anbau soll grundsaniert werden und dann als Treffpunkt dienen. Direkt am Bahngleis gelegen sind Zugreisende, aber auch Oma & Opa aus der Nachbarschaft herzlich auf einen Kaffee eingeladen. Dabei hilft eine Crowdfunding-Kampagne und ein Teil der Einnahmen aus der Eröffnungsparty des Festivals contre le racisme geht direkt nach Anklam.
Doch es soll nicht nur geklönt, sondern auch gearbeitet werden. Eine Fahrradwerkstatt, sowie ein Lager- und ein Aufenthaltsraum für die Gartencrew des Gemeinschaftsgartens sollen im kleinen aber hoffentlich bald feinen Anbau entstehen.


Jugendliche im Fadenkreuz

Doch so harmonisch geht es nicht immer zu. Es gibt zwar so einige Themen, bei denen im gesellschaftlichen Diskurs die Gemüter schnell hochkochen und Debatten von einem rauen Ton bestimmt werden. Manchmal kann man es nachvollziehen, manchmal schüttelt man aber auch nur den Kopf und versteht die Welt nicht mehr. Für letzteres sorgen die Schlagzeilen, die den Demokratiebahnhof seit seiner Gründung 2014 umgeben. Man liest von einem Brandanschlag, während im Bahnhofsgebäude Menschen schliefen. Man hört von wiederholten Sachbeschädigungen, wie diese Woche erst geschehen am Gemeinschaftsgarten, den Jung und Alt gemeinsam aufgebaut und bepflanzt haben. Man hört vom Bürgermeisterkandidaten Steffen Gabe (CDU) Aussagen wie „Was da jetzt passiert, geht so gar nicht.“. Bezieht sich das auf die rechte Gewalt vor Ort? Die in Teilen Vorpommerns immer noch grassierende Perspektivlosigkeit? Die Spaltung der Gesellschaft? Mitnichten. Es geht bei dieser Aussage um das Feindbild freie Jugendarbeit, die unabhängig von Herkunft, Religion, sexueller Orientierung usw. auf die Kinder und Jugendlichen vor Ort zugeht und ihnen zuhört. Damit begibt sich Gabe, freiwillig oder unfreiwillig, in ein Lager, dass sich nicht durch Dialog und Diskussionsbereitschaft definiert, sondern plumpen Aktionismus und vorgefertigte Meinungen. Die direkte Auseinandersetzung mit den Menschen vor Ort scheut er weiterhin. Sein Parteikollge Bernd Wieczorkowski wiederum bekannte sich beim Besuch im Gemeinschaftsgarten zum Projekt. So oder so bleibt aber die Aussage eines Kandidaten auf das Bürgermeisteramt, der sich mit seiner Darstellung in Fahrwasser weit rechts der CDU begibt.

Die langweiligsten Orte der Welt (?)

Der Demokratiebahnhof hat sich trotz aller Widerstände etabliert. Das Projekt und dessen Akteure durften schon so einige Preise einheimsen. Doch ganz egal ob Preisverleihung beim Bundespräsidenten, Besuch von Sigmar Gabriel oder lobende Worte von Bürgermeister Galander. Man weiß um die Widerstände. Und trotz alledem werden nach jedem Angriff wieder Kräfte gesammelt. Man beißt sich durch. In einem Landstrich, der weder für seine ausgeprägte demokratische Kultur noch für irgendwelche kulturellen Meilensteine bekannt ist. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

 

Titelbild: Clara Engel; Anbau: Claudia Gaschler; Jugendgruppe: Klara Fries; Garten: Clara Engel

Warum Demokratie im Nahen Osten doch umsetzbar ist

Warum Demokratie im Nahen Osten doch umsetzbar ist

Demokratie im Nahen OstenEin Kommentar

Die Ansicht, dass Demokratie und Humanismus mit der Arabischen Welt nicht kompatibel sind, wird von vielen Menschen im Westen als auch im Nahen Osten geteilt. Auch bei der vergangenen Podiumsdiskussion im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg wurde diese Auffassung von einigen Teilnehmern geäußert. Gedankengänge und Werte werden maßgeblich vom Umfeld beeinflusst. Der Blick auf das gesellschaftliche Umfeld der arabischen Region lässt einen schnell dem Trugschluss erliegen, dass Demokratie dort nicht umsetzbar wäre. Wie kam es aber zu diesen Umständen? (mehr …)