Auf der 3. außerordentlichen StuPa-Sitzung vom 17.08.2020 sind die beiden Prorektor*innen Frau Prof. Dr. Riedel und Herr Prof. Dr. Fleßa zu Gast. Es geht in erster Linie um das Corona-Semester, um das Problem der Regelstudienzeit, die Schwierigkeit des Verlängern oder Aussetzens von Fristen. Doch auch der Wunsch nach einem studentischen Prorektorat wird von den StuPist*innen geäußert. Frau Riedel verspricht: Sollte sie für das bald frei werdende Amt des*r Rektor*in gewählt werden, wird die Einführung eines*r studentischen Prorektor*in an unserer Uni eines ihrer zentralen Ziele sein. Etwa zwei Monate später wird Frau Riedel zur neuen Rektorin gewählt. Am 20.11. erreicht eine Rundmail der studentischen Senator*innen, weitergeleitet vom AStA-Vorsitzenden Hennis Herbst, die Studierenden: Die Bewerbungen können eingeschickt werden. Ab April 2021 soll ein studentisches Mitglied im Rektorat unserer Uni sitzen.
Dass eine gute Kommunikation zwischen Rektorat und Studierendenschaft wichtig ist, hat nicht zuletzt das vergangene Semester eindrücklich gezeigt. Da der Wunsch nach einem studentischen Prorektorat immer wieder laut wurde und gerade in letzter Zeit an Wichtigkeit gewann, lud der webmoritz. am 11.10.2020 Titus Wiesner, den studentischen Prorektor aus Rostock, zum Gespräch ein. Titus sprach sich damals für das gleiche Amt an unserer Uni aus. Eine bessere weil direktere Kommunikation zwischen Studierendenschaft, studentischen Gremien und Rektorat könnte die Arbeit der Greifswalder Hochschulpolitik konstruktiv voranbringen. „Ich will gar nicht sagen, dass in Greifswald nicht konstruktiv gearbeitet wird, aber dass viele Konflikte, die eventuell jetzt noch bestehen, durch so ein Amt gelöst werden könnten.“
Am 21.10.2020 wurde Frau Riedel ins Amt der Rektorin gewählt. Als wir sie einen Monat später in einem Interview nach ihren Zielen in Hinblick auf die Studierendenschaft fragten, nennt sie als erstes großes Vorhaben die Etablierung eines studentischen Prorektorats. Entscheidungen sollten nicht ohne eine studentische Perspektive gefällt werden; Studierende sollten die Möglichkeit haben, sich direkt und mit eigenen kreativen Ideen in die Bereiche der Unistruktur einzubringen, die ihnen wirklich am Herzen liegen.
Jetzt bestätigte es auch die Mail der studentischen Senator*innen noch einmal. Es ist ihnen gelungen, das Rektorat endgültig davon zu überzeugen, ab April 2021 auch an unserer Uni ein studentisches Prorektorat einführen zu wollen. Die Position ist offen für alle Studierenden ausgeschrieben, aber natürlich gibt es dennoch einige Voraussetzungen, die ihr erfüllen solltet, wenn ihr euch auf die Stelle bewerben möchtet. So solltet ihr gewährleisten können, für die gesamte einjährige Amtszeit (also bis März 2022) an unserer Universität eingeschrieben zu sein. Hochschulpolitische Erfahrung ist keine Voraussetzung, kann aber selbstverständlich nicht schaden, in erster Linie sind aber vor allem eine offene, kommunikative Art und Mut zu eigenen kreativen Ideen gefragt.
In den Aufgabenbereich des*der studentischen Prorektor*in fällt in erster Linie die regelmäßige Beteiligung an Sitzungen und Entscheidungen des Rektorats. Gerade in sämtlichen Bereichen, die direkt die Studierendenschaft betreffen, ist der*die studentische Prorektor*in gefragt. Hier soll der*die gewählte Studierende selbstständig die von der Rektorin zugewiesenen Arbeiten erledigen, sich aber auch in eigener Verantwortung nach neuen Baustellen umsehen und an deren Problemlösung feilen, unter Berücksichtigung der Gesamtverantwortung und Richtlinienkompetenz der Rektorin. Besonders wichtig ist auch die Vermittlungsposition, die der*die studentische Prorektor*in einnehmen wird: Als Bindeglied zwischen Hochschulleitung und Studierendenschaft unterliegt es ihr*ihm, einen Interessensausgleich beider Parteien herzustellen.
Sollte eure Neugierde geweckt sein, bewerbt euch gerne bis zum 01.12.2020, 23:59 Uhr mit einer Mail an asta_vorsitz@uni-greifswald.de. Eure Bewerbung sollte knapp eure Motivation für das Amt darstellen, und zudem einen Lebenslauf, eure Matrikelnummer und Mail-Adresse sowie im besten Fall ein Foto enthalten. Eine Woche später, am 08.12.2020, werdet ihr dann die Möglichkeit erhalten, euch persönlich beim StuPa, der FSK und den studentischen Senator*innen vorzustellen. Die drei studentischen Gremien leiten ihre Nominierung anschließend an das Rektorat weiter. Bereits zu Beginn des kommenden Jahres soll es dann zu einer Vorstellung im Senat und zur offiziellen Wahl kommen.
Das Wichtigste auf einen Blick: Was? Bewerbung zum*zur studentischen Prorektor*in Wann? Bis einschließlich zum 01.12.2020 Wie? Per Mail an asta_vorsitz@uni-greifswald.de, inklusive eines kurzen Motivationsschreibens, eurer Matrikelnummer, Mail-Adresse und eines Fotos
Die letzten Monate haben wir damit verbracht, einen neuen Podcast für euch auf die Beine zu stellen. In einer Kooperation mit radio 98eins hat das Projekt jetzt endlich Gestalt angenommen. Jeden zweiten Donnerstag um 21 Uhr live im Radio und wenige Tage später als Podcast bei uns auf dem webmoritz. werdet ihr ab jetzt ein regelmäßiges Update zu HoPo, Uni-Strukturen, Uni-Organisationen und co. bekommen. Gemeinsam mit Gästen aus allen Bereichen unserer Universität wollen wir euch näher bringen, was unter dem Dach unserer Uni so geschieht.
In dieser Folge steigen Svenja und Tom unter das Dach des Studierendenparlaments. Gemeinsam mit Felix und Niclas aus dem Präsidium reden sie unter anderem über die Möglichkeiten, die ein studentisches Parlament bietet und über eigene Erfahrungen mit der Hochschulpolitik, und stoßen dabei an die Grenzen digitaler Kommunikation. Natürlich wird auch wieder die letzte StuPa-Sitzung besprochen – darunter auch eine erfreuliche Wendung. [Eine kurze Anmerkung der Redaktion: Beim Schnitt ist ein kleiner Fehler unterlaufen, der sich nachträglich auch nicht beheben lässt. Bei der Nennung der noch freien AStA-Referate im Interviewteil hat Felix selbstverständlich auch den AStA-Vorsitz aufgezählt. Da das Interview vor der letzten StuPa-Sitzung aufgezeichnet wurde und das Referat (SPOILER-WARNUNG) danach nicht mehr frei war, wurde diese Stelle in übereifriger Korrekturwut rausgeschnitten. Das Thema Vorsitz wird aber im späteren Interview-Verlauf aber noch einmal so zentral wichtig, dass hier nicht geschnitten wurde. Damit also nicht der Eindruck entsteht, Felix habe den AStA-Vorsitz einfach vergessen oder unterschlagen wollen: Er hat ihn mit aufgezählt. Jetzt gibt es einen Vorsitz. Daher der Schnitt im ersten Teil. Viel Spaß bei der Folge!]
Ihr habt Fragen oder Anregungen? Dann schreibt uns einfach einen Kommentar (hier oder bei radio 98eins) oder eine Mail an: web-podcast@moritz-medien.de
Am 21. Oktober wurde Frau Prof. Dr. Katharina Riedel vom erweiterten Senat zur neuen Rektorin der Universität Greifswald gewählt. Damit löst sie im kommenden Frühjahr Frau Prof. Dr. Johanna Eleonore Weber ab. Bisher war die Lehrstuhlinhaberin der Mikrobiologie schon als Prorektorin an der Uni aktiv. Die moritz.medien haben Frau Riedel zum Interview gebeten und mit ihr über Greifswald, die Herausforderungen und Ziele im neuen Amt und Frauen in höheren Positionen an der Uni gesprochen. Das Interview findet ihr übrigens auch im Videoformat bei moritz.tv.
moritz.medien: Also erst mal danke, dass das geklappt hat. Vielleicht als kleine Frage zum Einstieg: Wie lange leben Sie schon in Greifswald und wie sind Sie dazu gekommen hierher zu ziehen?
Riedel: Ich bin jetzt seit 2017 hier an der Universität Greifswald. Ich habe mich in dem Gebiet „Microbial Proteomics“ qualifiziert, und es wurde in Greifswald dann genau in diesem Fachgebiet eine Stelle frei, eine W3-Professur. Ich war lange Zeit in der Schweiz, bin dann von dort aus als W2-Professorin nach Braunschweig gekommen und dann gab’s quasi nach einem halben Jahr diese Ausschreibung hier, die mich einfach gereizt hat, weil es sowohl von der Infrastruktur sehr sehr spannend war als auch thematisch – ja, das hat mich nach Greifswald geführt (lacht).
moritz.medien: Wie würden Sie Greifswald einer Person beschreiben, die noch nie hier war? Was macht Greifswald für Sie aus?
Riedel: Es ist eine kleine und überschaubare Stadt, mit viel Historie. Was mich sehr begeistert, ist, dass es eine sehr junge Stadt ist. Also durch die vielen Studierenden, durch die vielen jungen Eltern, die man auch im Stadtbild sieht, ist das eine Stadt, die lebt und insofern für mich genau die richtige Größe. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, hab auch lang in Großstädten gewohnt, aber merke, dass mir dieses Kleinstädtische durchaus sehr gut gefällt.
moritz.medien: Was hat Sie dazu bewegt, für das Amt als Rektorin zu kandidieren?
Riedel: Ich bin ja nun seit dreieinhalb Jahren Prorektorin und hab da gemerkt, dass man einfach viel bewegen kann in der Hochschulpolitik. Als Wissenschaftlerin hat man einen ganz begrenzten Bereich; das ist natürlich auch sehr spannend und ich werde das, glaub ich, auch ein bisschen vermissen, aber durch dieses Amt als Prorektorin hab ich meinen Horizont nochmal erweitern können. Ich hab auch andere Fächerkulturen kennengelernt, hab einfach gesehen, wie viel man in dieser Position bewegen kann und daran hab ich so viel Freude gewonnen, dass ich dann überlegt habe, den Weg weiterzugehen. Es gab einige Anfragen von außerhalb; andere Universitäten suchen ja auch nach potentiellen Kandidat*innen, vor allem für Rektorate und Präsidien. Dann gab’s einige Head-Hunting-Firmen, die auch mich angefragt hatten, und da fing ich dann an, drüber nachzudenken, ob ich mir das nicht für längere Zeit vorstellen könne und dachte, ich will eigentlich nicht weggehen. Nachdem Frau Weber ja nun im April ausscheidet, war das dann die Motivation, mich auf dieses Amt als Rektorin zu bewerben.
moritz.medien: Sie hatten es gerade kurz angeschnitten, wir würden da gerne noch mal ein bisschen näher drauf eingehen: Was, glauben Sie, wird Ihnen am meisten und was am wenigsten aus der Lehre fehlen?
Riedel: Einfach der Kontakt zu den Studierenden, der Austausch. Ich meine, ich werde auch als Rektorin hoffentlich Kontakt zu Studierenden haben (lacht), aber der fachliche Kontakt zu Studierenden, das ist etwas, was mir schon abgehen wird. Auch die direkte Möglichkeit, den Nachwuchs im Bereich der Wissenschaft zu fördern. Also zum einen natürlich einfach die Ausbildung, die Leute für die Mikrobiologie zu begeistern, was ja nun mal mein Fachgebiet ist. Aber zum anderen auch im Bereich Promotionszeit, dass man da eben Leute auf eine gute akademische Laufbahn vorbereitet. Das sind natürlich Dinge, die kann ich im Rektorat in der Form dann nicht mehr tun.
moritz.medien: Und welcher Teil aus dem Lehrbereich würde Ihnen am wenigsten fehlen?
Riedel: Dieses ganze Administrative, muss ich ganz ehrlich sagen (lacht). Also, ich mein, da wird sich spätestens auch mit der Digitalisierung viel ändern, aber dieses Eintragen von Noten oder der Prüfungsergebnisse – also das sind alles Dinge, das macht glaube ich keiner besonders gerne, das wird mir sicher nicht fehlen.
moritz.medien: Frauen sind sowohl in der medizinischen als auch in der naturwissenschaftlichen Forschung sowie auch in der Leitung von Universitäten noch unterrepräsentiert. In Deutschland haben wir ungefähr 107 Universitäten, davon sind gerade einmal 22 Frauen im Rektorat. Wie stehen Sie dazu?
Riedel: Ja, das ist eine Tatsache, die wir ändern müssen. Ich war früher eigentlich kein Fan von der Quote, aber ich hab gesehen, dass wir, wenn irgendwas passieren soll, tatsächlich mehr dahinter sein müssen, dass eben Frauen von unten nachwachsen können. Das Problem ist ja nicht, dass wir nicht genügend Frauen hätten, die mit dem Studium beginnen oder dann noch eine Promotion beginnen und abschließen – dann kommt der Bruch und das heißt, an der Stelle müssen wir eigentlich dafür sorgen, dass unser wissenschaftlicher Nachwuchs nicht auf der halben Strecke aufgibt, sondern weitermacht. Und ich denke, je mehr Frauen dann auch als Professorinnen an Universitäten tätig sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch die Funktion als Rektorin einnehmen. Klar würde ich jetzt nicht explizit eine Quote einführen, das soll eine Person sein, die gewählt wird. Aber wenn sich einfach die Basis verbreitert, dann kommt das ganz automatisch, dass mehr Frauen in solche Ämter gewählt werden.
moritz.medien: Haben Sie für Ihre Amtszeit bereits Strategien, um den Frauenanteil in Professuren oder Schlüsselpositionen zu erhöhen?
Riedel: Das eine ist die ganz gezielte Rekrutierung von Frauen. Das wird ja jetzt schon angestrebt, es wird nur zum Teil nicht so wirklich konsequent umgesetzt. Das heißt, dass man da einfach drauf achtet, dass bei jedem Berufungsverfahren auch geeignete Frauen persönlich angesprochen werden, dass man das auch dokumentieren muss, dass man das getan hat. Wenn man dann keine findet, kann man natürlich nichts erzwingen, aber das ist auf jeden Fall schon mal eine Möglichkeit, wirklich konsequenter bei den Besetzungen drauf zu achten, dass Frauen zum Zug kommen können.
Das andere ist natürlich einfach auch, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Frauen Familie und den Beruf vereinbaren können. Wobei, das gilt nicht nur für junge Frauen, sondern natürlich auch für junge Männer, die beispielsweise in Elternzeit gehen. Das heißt also, das Thema Familienfreundlichkeit ist, glaube ich, ein ganz großes Thema, was wir hier an der Universität konsequent weiterführen müssen. Dass man auf familienfreundliche Veranstaltungszeiten achtet, dass die Gremien eben nicht abends tagen, sondern tagsüber, dass wir für Entlastung im Bereich der Kinderbetreuung sorgen. Es sind viele kleine Maßnahmen, die dazu beitragen.
moritz.medien: Wollen Sie eigentlich das Türschild austauschen lassen?
Riedel: Sie nehmen Bezug auf das „Rektor“…? Das wird wahrscheinlich noch Frau Weber tun (lacht). Also wir haben schon darüber gesprochen, und Sie meinte „Rektorin“ wäre schwierig, es wird dann wohl „Rektorat“ dort stehen, was dann einfach übertragen ist, glaube ich. Sonst wird’s mühsam, wenn wir das jedes Mal, wenn jemand gewählt wird, der ein anderes Geschlecht hat, dann wieder umändern müssen. Aber das ist sicherlich etwas, was Frau Weber lange machen wollte und jetzt noch umsetzten wird (lacht).
moritz.medien: Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Aufgabe als Rektorin der Universität Greifswald?
Riedel: Das eine ist natürlich, die Universität nach außen entsprechend zu vertreten. Also die Interessen der Universität zum Beispiel gegenüber dem Land, gegenüber der Politik durchzusetzen. Und das andere ist, die Universität in eine – auch unter diesen jetzt im Moment ja verschärften Rahmenbedingungen – gute Zukunft zu führen. Also dafür zu sorgen, dass wir uns im Bereich Digitalisierung weiterentwickeln. Ein Bereich, der mir auch sehr wichtig ist, ist Kommunikation und Partizipation. Also, dass wir Entscheidungsprozesse gemeinsam gestalten. Irgendjemand muss zum Schluss entscheiden, aber dass man von Anfang an die verschiedenen Statusgruppen, die verschiedenen Fachbereiche mit ins Boot holt. Das sind so die Baustellen, die ich im Moment sehe, die ich jetzt in dieser ersten Amtsperiode ganz gezielt angehen möchte.
moritz.medien: Was, glauben Sie, was wird davon Ihre größte Herausforderung sein?
Riedel: Es gibt sicherlich Widerstände, beispielsweise bei der Umsetzung des studentischen Prorektorats, weil einfach noch keine Erfahrungen mit dieser Konstellation gemacht worden sind. Ich hab jetzt in vielen Gesprächen mit Kollegen und Kolleginnen gemerkt, dass da eine gewisse Skepsis vorherrscht. Und die Überzeugungsarbeit zu leisten, dass eben alle Statusgruppen auch mit in der universitären Führung vertreten sein sollen, das gilt für die Studierenden, das gilt aber auch für die Mitarbeitenden, die wissenschaftlichen Mitarbeitenden. Ich glaube, das wird zunächst einmal eine Herausforderung sein, die noch vor meinem Amtsantritt auf mich zukommt. Und ich hoffe sehr, dass wir dann im April soweit sind, dass wir mit dem von mir präferierten Team wirklich loslegen können.
moritz.medien: Worauf freuen Sie sich am meisten?
Riedel: Auf die Gestaltungsspielräume, die ich dann habe. Ich denke, das ist einfach nochmal ungleich mehr als jetzt als Prorektorin. Auf den Austausch mit allen Statusgruppen. Ja, und – Repräsentation ist ja auch ein Teil dieses Jobs – auch auf die Kontakte zur Stadt, zur Politik, zum Umland. Das sind Dinge, worauf ich mich wirklich freue, weil ich glaube, dass wir da auch noch viel bewegen können.
moritz.medien: Konkret in Bezug auf die Studierendenschaft: Welche Ziele verfolgen Sie da?
Riedel: Wie gesagt, das erste ist, das studentische Prorektorat zu etablieren. Hier geht es mir eigentlich vor allem darum, dass wir die Perspektiven der Studierenden eben von Anfang an in die Entscheidungsprozesse miteinbeziehen, dass die Studierenden sich wirklich von Beginn an auch in den Bereichen engagieren können, die für sie wichtig sind. Das ist natürlich zum einen der Input in die Lehre, dann gibt’s aber auch die ganzen sozialpolitischen Bereiche, ob es jetzt Personalentwicklung, Internationalisierung, Kommunikation ist. Ich glaube, da gibt’s viele interessante Ideen, die aus der Studierendenschaft kommen.
Insgesamt liegt mir am Herzen, die Kommunikation zu verbessern. Mein Eindruck ist, dass es auch bei den Studierenden vielleicht nicht immer ganz optimal läuft und dass es auch da natürlich unterschiedliche Gruppen gibt, die vielleicht nicht immer so im Austausch miteinander stehen, wie sie es tun sollten. Und da ist eben die Hoffnung, dass über dieses Prorektorat, wenn eine Person die Aufgabe bekommt, Dinge auch aus der Universitätsleitung wirklich an alle weiterzugeben, das dann besser funktioniert.
moritz.medien: Die Pandemie hat unser Campusleben ja drastisch verändert. Wie stehen Sie zur digitalen Lehre? Und wie zufrieden sind Sie mit der digitalen Lehre aus dem letzten Semester?
Riedel: Grundsätzlich ist digitale Lehre ja etwas Spannendes und Gutes. Im ersten Semester hat es natürlich eine Weile gedauert, bis sich alles eingespielt hat, aber wir haben ja dann gesehen, dass gerade zum Beispiel digitale Vorlesungen durchaus auf Gegenliebe bei den Studierenden stoßen. Ich habe von vielen gehört, dass sogar mehr Leute an den Vorlesungen digital teilnehmen, als wenn sie in Präsenz stattfinden würden.
Wir haben aber dann auch gelernt, dass viele Veranstaltungen in digitaler Form nicht umsetzbar sind. Wenn man zum Beispiel an Seminare oder an Praktika denkt – da müssen wir Lösungen finden und ich glaube, da sind wir jetzt auch bereits dabei, Lösungsansätze zu etablieren, die eben dann auch erlauben, diese Präsenzveranstaltungen durchzuführen.
Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass wir diese ganzen positiven Aspekte der digitalen Lehre mitnehmen, dass wir zukünftig eben zu einer gesunden Mischung aus beidem kommen. Ich glaube, das ist für die Studierenden attraktiv, einerseits die Präsenzlehre zu haben und zum anderen aber auch die Möglichkeit zu haben, beispielsweise mal von Zuhause aus an Veranstaltungen teilzunehmen. Also, ich sag mal, das beste aus beiden Welten einfach mit in die Zukunft zu tragen.
moritz.medien: Und als abschließende Frage: Gibt es etwas, was Sie den Studierenden mit auf den Weg geben wollen?
Riedel: Ja, im Moment einfach zu akzeptieren, dass die Situation ist, wie sie ist. Das ist für alle, glaube ich, sehr sehr schwer, aber wir werden natürlich alles tun, um den Studierenden zu ermöglichen, ihre Abschlüsse rechtzeitig zu machen und auch ein halbwegs normales Studium durchzuführen. Aber man muss sich einfach im Klaren sein, dass wir im Moment weitab von der Normalität sind. Und ich glaube, wenn man so ein bisschen versucht, seinen Frieden mit der Situation zu schließen, können wir das auch alle gemeinsam ganz gut durchstehen.
moritz.medien: Dankeschön, das war‘s auch schon!
Riedel: Na, das war ja kurz und schmerzlos (lacht).
Was geht eigentlich ab in Greifswald? In der web.woche geben wir euch eine Übersicht über die kommenden Veranstaltungen in und um unsere Studierendenstadt. Hier findet ihr Termine, Infos und Neuigkeiten, von Politik und Region, über Universität und Wissenschaft bis hin zu Kultur und Sport.
Bis zum 08. Dezember können noch Wahlvorschläge für die Gremienwahlen eingereicht werden. Wenn ihr euch also für eure Fachschaft oder die Hochschulpolitik engagieren wollt, dann nutzt die Chance für die kommende Legislatur!
Mit Frau Prof. Dr. Riedel als neue Rektorin wird es in Greifswald künftig auch das Amt eines studentischen Prorektorats geben! Die studentischen Senator*innen haben dafür eine offene Ausschreibung an die Studierendenschaft gerichtet. Näheres findet ihr in eurem Mail-Account.
Die Uni hat den mit 500 € dotiertenNachhaltigkeitspreis 2020 an Johanna Braun für ihre Masterarbeit mit dem Titel „Sustaining Global Food Supply within the Planetary Boundary for Freshwater Use – A quantitative Analysis on the Potentials of Dietary Changes“ im Fach Umweltwissenschaften verliehen.
Auf Vorschläge aus der Studierendenschaft hat die Uni wieder drei Preise an Dozierende für „hervorragende Lehre“ vergeben. Ausgezeichnet wurden Prof. Dr. Joachim Lege (Rechtswissenschaften), apl. Prof. Dr. Heiko Hüneke (Geologie) und Prof. Dr. Mladen V. Tzvetkov (Pharmakologie).
Dieses Jahr wurden von der Uni Sonderpreise für Engagement in der digitalen Lehre an Dr. Margitta Kuty (Anglistik und Amerikanistik) und Dr. Jana Kiesendahl (Digitalisierung in der Hochschullehre) vergeben.
DerPreis für die Käthe-Kluth-Nachwuchsgruppe 2020 wurde an Juniorprofessorin Dr. Paula Prenzel, Inhaberin des Lehrstuhls Regionalentwicklung am Institut für Geographie und Geologie, für ihr Forschungskonzept „Bevölkerungsstruktur in der Regionalentwicklung“ vergeben.
Das Onkologische Zentrum Vorpommern der Universitätsmedizin Greifswald hat eine neue Leitung. Prof. Stephanhatte schon Anfang Oktober die Leitung der Chirurgischen Klinik übernommen und nimmt nun auch die Leitung des Onkologischen Zentrums ein. Damit löst er in beiden Positionen Prof. Claus-Dieter Heidecke ab, der nun in den Ruhestand geht.
Die Greifswalder Professorin Dr. Maria-Theresia Schafmeister ist neues Mitglied des Nationalen Begleitgremiums für die Endlagersuche. Aufgabe des Gremiums ist die Suche eines Endlagers für radioaktive Abfälle, die in Deutschland verursacht wurden.
Vom 23. bis zum 30. November findet die Aktionswoche „Cities for Life“ Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafestatt. Nicht nur der Dom wird ab 18 Uhr in ein blaues Licht gehüllt, es können auch von Freitag bis Montag jeweils um 17 Uhr thematisch passende Kurzfilme vor dem Dom bestaunt werden. Am Montag, den 30. November, findet zudem um 12 Uhr ein Friedensgebet statt.
Das StuThewagt ein Experiment und sucht noch Interessierte für sein neues Projekt online://Theater. Anmelden könnt ihr euch unter online@stuthe.de.
Noch etwas? Das Thema wird #BoykottBlackFriday sein. Weitere Infos für euch gibt’s hier!
Wir haben ein wichtiges Event in dieser Woche vergessen? Ihr habt noch einen heißen Tipp für die nächste Woche? Schreibt uns einen Kommentar oder eine Nachricht, wenn ihr etwas zur web.woche beisteuern wollt!
Wenn wir einen Film zu Ende geschaut haben, behalten wir immer so ein „gewisses“ Gefühl in uns. Schließlich haben wir uns mindestens 90 Minuten lang nur auf das Geschehen auf dem Bildschirmkonzentriert (oft länger als bei Online-Vorlesungen!). Manchmal sind wir am Ende des Films traurig, weil die Superheldin überraschend gestorben ist, oder erfreut, weil das Liebespaar zum Schluss – nicht ganz so überraschend – heiratet. Wir denken über das Geschehene nach und reden mit unseren Freund*innen darüber. Vielleicht bringt der Film uns dazu, unsere eigenen Gedanken und Vorstellungen zu hinterfragen oder er erinnert uns an Vergangenes. Das müssen jedoch nicht immer positive Erinnerungen sein. Und genau darauf möchte ich in diesem Kommentar eingehen: Wenn vergessen wird, was Erzählungen bei Menschen auslösen können und verpasst wird, Maßnahmen zu ergreifen, die genau das verhindern könnten.
„Na und? Es ist doch nur ein Film. Mach es doch nicht schlimmer als es ist! Man kann es auch wirklich übertreiben!“ Ein Freund und ich diskutieren über den umstrittenen Film „365 Tage“. Seine Aussage hat mich dazu bewogen, diesen Artikel zu schreiben. Denn seinen Kommentar kann und will ich nicht so stehen lassen, wenn es wie in diesem Fall um die starke Romantisierung eines Gewaltverbrechens in einem Erotik-Film geht. Beziehungsweise wenn Filme und Serien keinen Warnhinweis geben, dass gewaltverherrlichende Szenen, Darstellungen von Drogenmissbrauch oder Suizid gezeigt werden, die Menschen verstören oder triggern könnten. Natürlich ist es bei manchen Filmen und Serien absehbar, um was es gehen wird. Man kann es im Trailer oder in der Kurzbeschreibung erahnen. Meistens sind diese (natürlich auch, um nichts Wichtiges zu spoilern) aber sehr vage formuliert, wodurch man oft auf das Folgende nicht gut vorbereitet ist. So ist es auch mir bei dem Film „365 Tage“ ergangen. Der Film war monatelang in den Top 10 Charts auf Netflix. „Ein ‚Fifty-Shades of Grey‘-Abklatsch‘ „, dachte ich. „Okay… könnte man sich ja mal anschauen“, entschieden meine beste Freundin und ich. Vielleicht wird es trashig und kann uns von dem öden Corona-Alltag ablenken.
Tja, in welches Genre soll man den Film einordnen, den ich hier ins Visier nehme? Softporn und/oder Trash? Für Netflix ist es ein Drama. Das Genre „Drama“ ist natürlich sehr weit gefächert. Hier ein kurzer Überblick, für alle, die den Film nicht gesehen haben (das ist auch völlig unnötig!). Ich zitiere Netflix‘ Filmbeschreibung: „Eine Frau fällt einem dominanten Mafiaboss zum Opfer, der sie einsperrt und ihr ein Jahr Zeit gibt, sich in ihn zu verlieben.“ Hmmm… Er sperrt sie ein. Kann aber nicht so schlimm sein, schließlich befindet sich schon im Nebensatz das Zauberwort „Liebe“. Und schon lasse ich mich in den Bann des Filmes ziehen.
Und bin dann ganz, ganz schnell wieder in der Realität angelangt: Dieser zuvor benannte Mafiaboss ist Massimo. Massimo ist sehr gutaussehend und sehr reich. Die sehr hübsche Laura wird von Massimo entführt, gegen ihren Willen festgehalten, erpresst und sexuell missbraucht. Dennoch verliebt sie sich in den sehr gutaussehenden und sehr reichen Massimo. Der Film lässt stark vermuten, dass Laura im Laufe der Handlungsgeschichte das Stockholm-Syndrom entwickelt. Meiner Meinung nach wäre ein Warnhinweis für diesen Film das mindeste, was Netflix zum Schutz der Zuschauer*innen tun müsste.
Der Film ist gewaltverherrlichend und nimmt dadurch keine Vorbildfunktion ein. Unter anderem entstand durch den Film der Tik-Tok-Trend, wie man sich und andere am besten fesseln kann und die gefährliche Ansicht unter Mädchen und Frauen, dass es romantisch sei, blaue Flecken von seinem Freund zu haben. Ob diese blauen Flecken eventuell gefakt sind, sei mal dahingestellt.
Trotz des Aufschreis in den Medien und Petitionen, den Film zu löschen, wurde klar, dass Netflix den erfolgreichen Film nicht von der Plattform herunternehmen würde. Es soll noch zu zwei Fortsetzungen des Filmes kommen. Wie diese ausschauen, kann sich ja wohl jede*r denken: Hochzeit, Kinder, Laura wird noch zweimal weggesperrt, Massimo hat eine Nahtoderfahrung und wird der hingebungsvollste Ehemann und Vater, den wir uns vorstellen können. Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zu viel gespoilert.
Auch die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“, war vor einiger Zeit in den Medien ein Thema, da in der Serie Suizid glorifiziert wird. Nach großer Kritik gibt es inzwischen seit geraumer Zeit einen Warnhinweis vor Beginn der Folgen. Warum gibt es so etwas sonst nicht für mehr Filme und Serien? Unter anderem für den Film „365 Tage“?
Dass Netflix mittlerweile aus Skandalen profitiert, merkt man z.B. auch an dem Film „Cuties“. Das Problem hier ist ein Poster gewesen, auf dem Mädchen in freizügigen Outfits aufreizend posieren. Die Mädchen sind 11 Jahre alt. Man mag zu dem Film stehen, wie man will, aber den Skandal, den diese Poster mit sich brachten, hatte Netflix höchstwahrscheinlich einkalkuliert. Immerhin wurden diese Poster wieder aus der Öffentlichkeit entfernt.
Aber es geht nicht nur um eingeplante Skandale oder darum, dass ein Warnhinweis für den Film „365 Tage“ angebracht wäre. Es geht auch darum, dass mich der Film veranlasst hat, zu hinterfragen, welche Rolle die Legitimierung von (mindestens) fragwürdigen Handlungen durch Reichtum und gutes Aussehen in Filmen und Serien spielt. Würde man sich vorstellen, dass Massimo nicht gutaussehend und nicht reich wäre, wäre für alle sofort klar gewesen, das es sich um eine Entführung und um Missbrauch von Laura handelt. Warum hinterfragen das einige nicht, nur weil jemand attraktiv ist? Insbesondere dieser Film trägt dazu bei, dass den Zuschauer*innen vermittelt wird: „Wenn du gut aussiehst und reich bist, kannst du dir alles erlauben.“ Ohne jegliche oder zumindest allzu harte Konsequenzen. Auch in der Netflix-Serie „You“ wird ein gutaussehender Stalker als der perfekte Freund inszeniert und man nimmt ihm als Zuschauer*in seine begangenen Verbrechen weniger übel, als wenn es ein durchschnittlich aussehender Mann getan hätte.
Streaming-Anbieter scheinen nicht erkennen zu wollen oder sogar in Kauf zu nehmen, dass, auch wenn es sich nur um eine 10-Sekunden-Szene handeln mag, die zum Beispiel sexuelle Gewalt zeigt, dieser kurze Ausschnitt bei manchen Menschen bereits traumatische Erinnerungen hervorrufen kann. Vielleicht betrifft das nicht die Mehrheit der Personen, die solche Filme oder Serien schauen, dennoch sollte man gerade auf diese Einzelnen besonders achten.
Die Lange Straße ist wie leergefegt, und das an einem ganz normalen Wochentagsnachmittag. Unter Beachtung strenger Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln sieht man noch den ein oder anderen dick eingemummelten Schatten in ein Geschäft hinein huschen. Die Restaurants, Cafés und Bars aber mussten schließen (verständlicherweise bei einem Inzidenzwert von mittlerweile 74,7), und das macht sich auf unseren Straßen bemerkbar. Wo es sich allerdings nicht bemerkbar machen muss, ist in unseren Bäuchen und, noch viel wichtiger, in den Kassen der lokalen Gastronomien.
Wie bereits zum ersten kleinen Lockdown im April hat die Greifswald Marketing GmbH gemeinsam mit der Pressestelle der Stadt eine Kampagne (zurück) ins Leben gerufen, die unsere lokale Wirtschaft stärken soll. Denn vor allem die kleinen und mittleren Betriebe sind auf den Verkauf ihrer Produkte angewiesen, um zu überleben. Der Hashtag #greifswaldisstzuhause soll dabei helfen, auf das noch immer bestehende Angebot von Restaurants, Cafés und Co. aufmerksam zu machen. Seit dem Ausruf des zweiten Lockdown lights am 04.11. sind Gastronomiebetriebe aus Greifswald wieder dazu eingeladen, ihre Tagesangebote, Wochenmenüs oder Auslieferungsbedingungen auf Instagram und Facebook unter dem Hashtag zu teilen. Außerdem werden auf der offiziellen Website die teilnehmenden Einrichtungen gesammelt aufgelistet, inklusive ihrer jeweiligen Lieferzeiten und eines Links zu ihrem Menü. 28 Betriebe sind hier bereits vertreten, aber die Liste ist noch nicht ausgeschöpft. In einer Pressemitteilung ruft die Pressestelle dazu auf, sich an die Greifswald Marketing GmbH zu wenden, wenn ihr ebenfalls auf der Seite mit aufgenommen werden wollt (Adresse: presse@greifswald-marketing.de).
Wer also gerne etwas für die Greifswalder Gastronomie tun möchte, stöbert am besten einmal durch den Hashtag #greifswaldisstzuhause auf Instagram und klickt sich durch die verschiedenen Beiträge. Der Hashtag #greifswaldkauftzuhause, der ebenfalls im April eingeführt wurde, hat bisher zwar noch keine Renaissance in einer eigenen Website erfahren, auf Instagram werdet ihr aber auch hier fündig. So hat zum Beispiel erst vor 4 Tagen das Papierhaus Hartmann in einem Post unter dem Hashtag auf den Greifswald-Gutschein aufmerksam gemacht: Eine weitere Möglichkeit, um die lokalen Betriebe zu unterstützen. Mit einem kleinen Betrag von 10 Euro könnt ihr durch den Gutschein die insgesamt über 70 teilnehmenden Geschäfte, Restaurants, Kultur- und Freizeiteinrichtungen unterstützen und euch vielleicht jetzt schon einmal auf die Zeit freuen, wenn ihr ihn irgendwann in einem ausgiebigen Shoppingtrip mit anschließendem Restaurantbesuch einlösen könnt.
Hier könnt ihr das aktuelle Video von moritz.tv sehen.
Beim Abspielen des Videos werden personenbezogene Daten zu YouTube übertragen. Weitere Informationen findest du in unseren Datenschutzhinweisen (Datenschutzerklärung | webmoritz.).