AStA-TÜV: Märchenstunde

Der AStA-Vorsitzende und seine Helfer in Verwaltungstätigkeiten

Jede Geschichte hat ihren Anfang. Unsere Evaluation nimmt ihren vor sechs Jahren. Damals kam ein junger Mann von 20 Jahren aus der bundesdeutschen Hauptstadt in die norddeutsche Provinz, mit der edlen Absicht Gymnasiallehrer zu werden. Doch erstens kommt alles anders und zweitens als sich Studienanfänger dass so denken. Schon bald fand sich der junge Mann im Fachschaftsrat Geschichte wieder und von dort aus landete er geradewegs in die unerbittlichen Klauen einer mysteriösen, studienzeitverschleißenden Organisation, offiziell bekannt unter dem Namen AStA.

Dessen Vorsitzender heißt nun zum zweiten Mal Thomas Schattschneider, inzwischen im elften Semester Geschichte und zehnten Semester Latein. Der junge Thomas hat sich gut eingelebt und kommt, wie es scheint, überhaupt nicht mehr heraus aus dem hochschulpolitischen Sumpf. Dabei waren die Chefs aus dem StuPa von seiner ersten Bewerbungsvorstellung nicht sehr angetan. Doch die Erfahrung kam ihm zugute, schnell noch ein paar Passagen ausführlicher formuliert und schon durfte er ein zweites Mal Häuptling werden. Die Zeit nutzte er vernünftig. Schrieb gute Noten in Hausarbeiten oder die Pressemitteilungen, der dafür zuständigen Referentin um. Ansonsten übte er das Stirnrunzeln, wenn ihm seine Schäfchen auf der Nase herumtanzten. Ein Fortbildungsseminar in „Wie-haue-ich-mal-kräftig-auf-den-Tisch“ müsste es geben…

Nicht richtig gearbeitet

Dann würden wir wahrscheinlich auch registrieren, wenn im AStA-Büro jemand hustet. Kaum zu glauben, über welche Kleinigkeiten Pressesprecher so alles informieren! Glücklicherweise sind wir vor solchen Lästigkeiten gefeit. Denn wir haben Lisa Steckel. Die  Wahlleiterin der StuPa-Wahlen zur momentanen Episode ist Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Und mit solch herausragenden Fähigkeiten wie dem Schreiben eigener Geschichten, wollte die 22-jährige Lehramtsstudentin die Außenansicht des AStAs ordentlich aufpolieren. Warum hat ihr denn nur niemand gesagt, dass das Schreiben von Geschichten einfach nichts mit dem Verfassen von Pressemitteilungen zu tun hat? Sie würde es wissen, wenn sie es, wie in der Ausschreibung festgesetzt, geschafft hätte, an einem Fortbildungsseminar teilzunehmen. Dieses sollte zeitnah nach der Wahl erfolgen und der jeweilige Referent ist aufgefordert sich selbstständig nach geeigneten Workshops umzuschauen. Ob es dann ausgerechnet eine Fortbildung in PowerPoint sein muss, nun, darüber lässt sich streiten. Aber das Projekt scheiterte sowieso schon an der Anmeldung. Nicht nachvollziehbar ist auch die Tatsache, dass in der vorlesungsfreien Zeit lediglich fünf Pressemitteilungen entstanden sind, während die Rechenschaftsberichte anderer Referenten zu diesem Zeitraum drei bis vier Seiten umfassen. Auch insgesamt ist die Anzahl herausgegangener Mitteilungen dürftig: Die Legislatur begann im Mai und bis Redaktionsschluss hat der AStA anscheinend nicht mehr als zwölf berichtenswerte Veranstaltungen durchgeführt. Schlimm wärs. Ob das in einer angestrebten zweiten Folge besser wird?

Eine herausragende hochschulpolitische Karriere scheint Matthias Rebling anzustreben. Er stand dem moritz als einziger Referent nicht für ein Interview zur Verfügung. In seinem zweiten Semester entschied sich das StuPa ihm die Finanzen anzuvertrauen. Dort hat er sich mittlerweile prächtig eingelebt, die Sitzungen verbringt er Seite an Seite mit den immer gleichen StuPisten, ob aus Abneigung gegen das Team AStA oder Zuneigung zur RCDS-Gruppe oder beidem. Jedenfalls lassen seine Äußerungen darauf schließen, dass er sich im Haushalt der Studierendenschaft auskennt und seiner Beratertätigkeit nachkommt. Aufgabe soweit erfüllt. Er überahm kurzfristig die Organisation eines Fußballturniers, hierbei wurden Bälle geklaut und zu viele Würstchen gekauft. Viel mehr Arbeitskraft stellte er dem AStA für allgemeine Veranstaltungen nicht zur Verfügung. Kraft möchte er als RCDS-Mitglied aber in der nächsten StuPa-Legislatur einbringen. Vielleicht setzt der 21-Jährige auch den Trend fort, sich nach einer möglichen Wahl ins StuPa in den AStA zurückwählen zu lassen.

Irgendwie undefinierbar

Zusätzlich zum Referat Reblings gibt es eines, das sich neben den Finanzen noch einmal speziell um die Nachhaltigkeit kümmern soll. Darunter fallen Tätigkeiten wie die Beschaffung von möglichst ökologischem Büromaterial. Außerdem organisierte Michaela Bade den Studentenflohmarkt. Für die Nachhaltigkeit sollte die 23-jährigen Jurastudentin auch das Umweltbewusstsein stärken. Egal wie umweltfreundlich das Papier des AStAs auch sein mag, von einer Öko-Welle war nichts zu spüren.

Schussligkeit, Tätigkeiten im Rechenschaftsbericht, die gar nicht erledigt wurden und sogar die Aufwandsentschädigung gab es einmal nur in gekürzter Form. Eric Bernstein, Internet und Technikreferent, suchte nicht nach der Arbeit, die Arbeit schien mitunter auf ihn zu warten, eine ganze Weile. Dabei hat der 29-jährige Englisch- und Sportstudent ein wirklich angenehmes Referat erwischt. Denn eigentlich sieht hier sowieso keiner durch und der Bereich ist weder richtig interessant, noch schreit er nach neuen großartig angelegten Projekten. Oder wir irren uns alle und der Nächste greift richtig durch.

Hier endet unsere kurze Geschichte erster  Teil – ohne Happy End.

Geschrieben von Maria Trixa und Björn Buß

AStA-TÜV: Schattschneider‘s Seventeen

Jedes Jahr neu verhandelt – Personalkosten, Struktur, Interna

Etwas braut sich zusammen am Horizont. Schattschneiders Seventeen rüsten sich zum Abschied. In lässiger Coolness vereint. Harmonie, die sich durch nichts trüben lässt, so soll es sein. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) – eine große glückliche und zufriedene Familie!

Abgesehen davon, dass hier schon die Außendarstellung nicht perfekt läuft, geschweige denn überhaupt genügend von der immerhin 17-köpfigen Studentenvertretung bis zur untersten Ebene durchdringt, ist der Mythos vom perfekten Team natürlich Quatsch. Und eigentlich vollkommen egal, denn interessant ist nicht, wer mit wem, sondern wer macht was oder auch nicht.

Euros klingeln in der Referenten-Kasse

Spätestens im Mai läuft die Legislatur des momentanen AStA-Jahrgangs ab. Da wird es Zeit, die Arbeit von Vorsitz, Thomas Schattschneider, und seiner Crew einer vorläufigen Schlussbilanz zu unterziehen.

Denn: Wir zahlen jedes Semester acht Euro vom Beitrag zur Rückmeldung in den Haushalt der Studierendenschaft ein, über den das Studierendenparlament (StuPa) verfügen kann. Aus diesem Topf werden großzügig Finanzmittel für die Aufwandsentschädigung von Referenten geschöpft. Die sieben Hauptreferenten bekommen derzeit 240 Euro monatlich, die sieben Co-Referenten noch 180 Euro und die drei autonomen 150 Euro. Klar, ab und an wird ein bisschen gespart, wenn beispielsweise einer schlampig arbeitet oder zwischendurch ein studienbedingtes Praktikum absolviert. (Auch die beiden Chefredakteure von moritz bekommen eine monatliche Aufwandsentschädigung von 180 Euro, ebenso wie die Chefredaktionen von MoritzTV und moritzweb. Je 240 Euro gehen außerdem an die Geschäftsführung der moritz-Medien.)

Der Kostenfaktor ist sicherlich ein nicht zu unterschätzender Aspekt für einige Studenten, sich länger als nötig im AStA aufzuhalten. Nicht erwiesen ist, dass Referenten, die ein solches Amt hauptsächlich des Geldes wegen angetreten sind, schlechter arbeiten. Doch Beispiele anderer Unis zeigen auch, dass es billiger geht. An der Freien Universität Berlin wurde die Aufwandsentschädigung 1995 abgeschafft, als Grund wird die Unverhältnismäßigkeit zwischen Personalkosten und den Ausgaben für andere studentische Projekte angegeben. Geld gibt es nur noch für die Zeit, die im Büro verbracht wird.

Klein vs. groß

An der Greifswalder Uni nehmen die Debatten um die Aufwandsentschädigung und die Struktur des AStAs zu Beginn jeder Legislatur einen immensen Raum während der StuPa-Sitzungen ein. Das führt zu Sondersitzungen, Nachtschichten und oft zur Vernachlässigung anderer wichtiger Themen. Änderungen geschehen dabei nur minimal. Kernproblem der endlosen Diskussionen ist die Anzahl der Referate. So schallt es aus den immer gleichen Ecken mit Komprimierungs- oder Erweiterungsvorschlägen. Besonders beliebt und eigentlich auch besonders aussichtslos für eine Mehrheit ist der Gedanke, das Queer-Referat abzuschaffen. Im vergangenen Jahr wurde dieses schließlich zusätzlich mit dem Aufgabenbereich der Gleichstellung legitimiert. Kandidaten mit unklarem Aufgabenbereich und wenig Außenwirkung gibt es aber. Bisher hat beispielsweise ein Referent im Bereich der Evaluation und Hochschulentwicklung nur sehr begrenzte Befugnisse, somit ist fraglich, ob dafür eine ganze Person eingesetzt werden muss.

Krasser Bruch

Die Zukunft verspricht interessant zu werden. Von den jetzigen Referenten haben sich bisher nur zwei entschlossen, eine weitere Runde im AStA zu drehen. Vielleicht kommen noch drei hinzu. Aufhören werden aber alle, die schon jetzt mehr als ein Jahr das Amt eines Referenten bekleidet haben. Damit nehmen sie einigen engagierten Hochschulpolitikern, die eben diesen Personen Machtgeilheit und Geldgier vorwerfen, die Diskussionsgrundlage. Denn der verlangte, grundlegende Wechsel wird kommen. Von allein. Das bedeutet zum einen den Verlust von Wissen und zum anderen die Chance auf frischen Wind. Nicht zu vergessen ist, dass viele der alten Hasen in ihre Ämter ohne Gegenkandidaten gewählt wurden. Magisterstudenten gibt es inzwischen immer weniger und den Bachelor- und Masterstudenten wird eingeredet, dass sie für Engagement außerhalb des Fachstudiums keine Zeit haben. Es erfordert viel Motivation, um einen großen AStA voll besetzen zu können. Das ist auch bisher nicht immer gegeben gewesen.

Schattschneiders Seventeen vereinten jede Menge altes Fallobst, aber auch einige frische Früchtchen. Ob diese zusammen funktionierten und tatsächlich etwas im Sinne der Studenten bewegten, haben wir ausgewertet. Die Zusammenfassung verschiedener Referenten erfolgte nach den Arbeitsbereichen des AStAs: administrativ, hochschulpolitisch, studienorganisatorisch und sozial.

Was wird wohl im nächsten Jahr kommen? Schattschneiders Eighteen?Geschrieben von Maria Trixa und Björn Buß

AStA-TÜV: Auf vielen Hochzeiten getanzt

Die hochschulpolitisch Engagiertesten mit meisten Nebenjobs

Alle für mehr Wahlbeteiligung, mehr Wahlmöglichkeiten für alle! Diesem gleichsam heroischen wie fantastischem Ziel verschrieben sich Konstantin Keune, Alexander Köcher und Dirk Stockfisch bei Einberufung. Um das Ende vorweg zu nehmen: Sie haben es nicht geschafft. So viel dazu.

Aber das sollte nicht alles sein, was es in der Hochschulpolitik an Problemen zu lösen gab. Konstantin Keune, Referent für Hochschulpolitik, mit gesundem Misstrauen in die Regierungsparteien, erkannte den Kern allen Übels: Geld. Und bevor das, wie in anderen Teilen des Königreiches schon üblich, beim mittlosen Studenten eingeholt wird, bedankte er sich schnell bei möglichen Befürwortern dafür, dass sie es nicht tun. Die unterschriebenen Postkarten sind inzwischen verschickt. Ob Menschen mit Geldproblemen vor Papier zurückschrecken ist zu bezweifeln, doch die Symbolik zählt! Visionen vom allgemeinen politischen Mandat, dass es der Studentenschaft erlaubt, sich auch zum Kohlekraftwerk Lubmin zu äußern, scheiterten. Ebenso ein Hochschulpolitisches Wochenende. Und dann stand da in der Aufgabenbeschreibung noch irgendwas vom Landeshochschulgesetz, zu dem  König StuPa im Sommer Beschlüsse fasste. Ausgeführt und bearbeitet wurden zwölf Änderungsanträge von Keune, der somit doch noch seine eigentliche Aufgabe erfüllte.

Schwere Altlasten

Zugegeben er hatte es schwer. Schon Torsten Heil und Justus Richter vor ihm scheiterten an dem großen Vorgänger Simon Siewecke. Der Legende nach, war es der große Siewecke, der bei Uni und Professoren die studentische Selbstverwaltung wieder zu einer ernstzunehmenden Angelegenheit erklärte. Außerdem, so sagt man, brachte er die Studenten wieder in den Senat, einen studentischen Prorektor ins Gespräch – und sich selbst – und kannte die gesetzlichen Regelungen zur Hochschulpolitik besser als jeder andere. Diese Verdienste sind schwer zu toppen. Vor allem, wenn es noch Menschen im AStA gibt, die seine Legende hautnah miterlebten. Der 27-jährige Keune wird sich demnächst lieber wieder seinem Bachelorstudium in Wirtschaft und Politik widmen.

Vollkommen unvorbelastet dagegen, Alexander Köcher. Das Referat für hochschulpolitische Bildung und Nachwuchsgewinnung wurde neu eingerichtet. Der 25jährige Politikwissenschaftsstudent nutzte sein durch zahlreiche Aktivitäten gesponnenes Netz aus Bekanntschaften um etwas für das Politikverständnis unter seinesgleichen  zu tun. Doch natürlich können auch Helden nicht alles auf einmal. Die Leitung der Front deutscher Äpfel, die Leitung des Arbeitskreises Südostasien in der Politikwissenschaft und der Vorsitz des Fachschaftsrates (FSR) Politikwissenschaft mussten einfach zurückstehen. Oder man initiiert einfach eine Podiumsdiskussion zum G8-Gipfel oder einen Vortrag zu „Frankreich nach der Wahl“ in Kooperation mit dem FSR. Dann gab es zwei Vorträge zu Gremien und Co., beim ersten Mal mit guter Resonanz. Angespornt fanden sich Keune und Köcher bald darauf in der Mensa wieder. Anwerber für ein neues Dreamteam waren gesucht. Doch irgendwie steht das Referat mit der Nachwuchsgewinnung auf verlorenem Posten.

So ganz nebenbei

Entspannt in seinem Fachschaften und Gremienreferat ließ es Dirk Stockfisch angehen. Wahlabläufe nach ihrer Ordentlichkeit überprüfen, Kontaktdaten zu den Gremien pflegen und zur besseren Vernetzung Grill- und Glühweinfeten organisieren. Auch der 27-Jährige ist ähnlich umtriebig wie Köcher. Wichtige Dinge treiben ihn in seinen Eigenschaften  als Vorsitzender der Landesstudierendenkonferenz und Mitglied von ver.di in die unterschiedlichsten Gegenden Deutschlands. Nebenbei läuft das Referat und nach sieben nicht so erfolgreichen Semestern BWL-Studium, der neu begonnene Bachelor of Laws.  Das StuPa sah sich in seiner letzten Novembersitzung gar zu einer Rüge gezwungen. Stockfisch solle sich bitte an Termine halten und Anfragen aus  ihrem Hoheitsbereich zügiger beantworten.

Ach ja, bleibt das gemeinsame Streben nach Wahlbekanntmachung und -beteiligung. Hier wurde am Standardprogramm festgehalten: Flyer, zu klein um groß aufzufallen, Plakate und wozu gibt es eigentlich denWahlleiter? Vielleicht lohnt es sich über die alten Institutionen hinaus nach neuen bahnbrechenden Ideen zu schauen.

Geschrieben von Maria Trixa und Björn Buß

Greifswald kein Studentenparadies

Focus-Ranking macht Unistadt zum Flop – Focus Campus relativiert

Das Focus-Städteranking (48/2007) untersuchte die 55 großen Universitätsstädte, an denen mindestens 10 000 Studenten immatrikuliert sind. Gewinner dieses Rankings ist Berlin, Düsseldorf und Hamburg folgen auf dem zweiten und dem dritten Platz. Greifswald landet auf dem letzten Platz.

Der Vergleich der Städte bezieht sich nicht auf die Qualität der Lehre an den Universitäten, sondern auf die Faktoren in einer Stadt, die die Lebensqualität von Studenten optimieren. Diese Elemente sind laut Focus Wohnen, Jobben, Feiern und Flirten. Dazu werden zehn Kriterien wie Kneipendichte, Wohnheimplätze und Service der Studentenwerke betrachtet und zusätzlich fließen in die Endnote noch die Ergebnisse einer Focus-Online-Umfrage mit ein.

Provinzieller Alptraum?

Als Auslöser für das schlechte Ergebnis wird zunächst das geringe Kneipenangebot genannt. Die Hansestadt hat mit 110 Kneipen eine Kneipendichte (Kneipen je 100 Studenten) von 1,0. Fakt ist, dass Greifswald in dieser Kategorie aber nicht am schlechtesten abgeschnitten hat, mit einer Kneipendichte von 0,8 erreichen Göttingen und Jena ein schlechteres Resultat. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass um so höher die Einwohnerzahl einer Stadt ist, desto größer ist auch die Kneipenanzahl. Es ist also kein Wunder, dass es in größeren Städten mehr Lokale gibt, da hier die Nachfrage dementsprechend höher ist.

Das nächste Defizit soll das Kinoangebot sein, hier hat Greifswald mit einem Kino das geringste Angebot von allen Mitstreitern. Doch laufen auf sechs Leinwänden bis zu 20 Filme, sodass für jeden Geschmack der Kinogänger etwas dabei sein sollte. Der Tatbestand, dass nur ein Kino vorhanden ist, weist darauf hin, dass der Bedarf gedeckt ist, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot. Das heißt, wenn ein Kino für Greifswald tatsächlich nicht ausreichend wäre, dann hätten davon schon einige Kino-Unternehmen durch Marktforschung diese Information erhalten und weitere Kinopaläste auf den Greifswalder Markt gebracht.

Eine weitere Schwäche der Stadt am Ryck ist die geringe Anzahl an Wohnheimplätzen, von denen es nur neun Plätze auf 100 Studenten gibt. In der Tat ist es in Greifswald sehr schwierig einen Wohnplatz zu finden, diese Erfahrung müssen wohl viele der jeweiligen Erstsemester, besonders zum Start der Wintersemester, machen. Einige der Erstis müssen dann zunächst pendeln oder bei Freunden und Bekannten schlafen. Der Greifswalder AStA rief am Anfang dieses Wintersemesters 07/08 zum „Couch-Surfen“ auf, bei dieser Aktion nahmen andere Studenten einige wohnungslose Erstis für ein paar Nächte auf, bis diese eine eigene Bleibe gefunden hatten.

Der Mangel an Unterkünften ist ein Schwachpunkt Greifswalds, der verbessert werden sollte. Es wäre ein Schritt nach vorn, wenn das Studentenwerk es schaffen könnte, die Wohnheimkapazität zu erweitern. Dennoch hat die Unistadt, trotz ihres schlechten Ergebnisses nach der Ranking-Tabelle, in diesem Kriterium ein größeres Angebot an Wohnheimplätzen als die Hochschulstandorte Saarbrücken oder Kassel.
Insgesamt hat Greifswald bei den Kriterien nicht so schlecht abgeschnitten, wie der Focus es darstellt. Deswegen ist es verwunderlich, dass Greifswald auf dem letzten Platz landet. Der direkte Auslöser dafür ist aus dem Ranking nicht ersichtlich, es fehlt die Transparenz der Gesamtbewertung, zum Beispiel der Punktegewichtung. Zudem wirkt es schlecht informiert, wenn das Sportangebot als Serviceangebot der Studentenwerke bewertet wird, aber in Greifswald die Uni selbst den Hochschulsport anbietet – egal mit welcher Zukunft. Es ist somit unberechtigt  Greifswald hier einen Punkt abzuziehen.

Focus vs. Focus Campus

Auf der einen Seite stempelt der Focus Greifswald als Studentenhölle ab, dann wird in der Focus-Campus zur selben Zeit (48/2007) Greifswald wieder in den Himmel gelobt und soll dadurch getröstet werden. Versucht hier die Special-Interest-Zeitschrift alle negativen Aussagen über die Hanse- und Universitätsstadt wieder gut zu machen? Auf einmal tauchen mehrere positive Aspekte Greifswalds in diesem Artikel der Focus-Campus auf, wie zum Beispiel die gute und persönliche Studentenbetreuung oder die Investitionen in Neubauten und Ausstattung der Uni. Sogar ein ausführlicheres Interview mit dem Oberbürgermeister Dr. Arthur König schließt an den Artikel an. Für aktive Focus Campus-Leser befindet sich auch eine vorgedruckte Postkarte zum Ausschneiden mit der Aufschrift „Gruß aus Greifswald. Ich bin hier in der Hölle!“ in der Zeitschrift.  Es bleibt die Frage, was diese Wiedergutmachung bringen soll, besonders, da das Magazin viel mehr Leser erreicht, als sie die Focus-Campus hat und so die negative Werbung stärker verbreitet wird als die positive.

Tatsächlich spielen so viele Faktoren für die Lebensqualität eine Rolle, dass diese nicht im geringsten von einem Ranking erfasst werden können und sich deshalb jeder selbst die Frage stellen sollte, ob er in der Hölle lebt oder auch nicht!

Geschrieben von Isabel Bock

AStA-TÜV: Alte Karossen – Alte Gewohnheiten

Entfaltungsmöglichkeiten im Bereich der Studienorganisation

Willkommen in der Auto-Sammlung. Seit drei Jahren schaffen es hier immer die selben alten Motoren mit hübsch aufgemotzter Karosserie durch den StuPa-TÜV. Keine Frage, auch Oldtimer fahren lange und gut. Nur macht es erhebliche Umstände, sie mit den modernsten Techniken kompatibel zu machen, sodass auf Dauer nichts Überraschendes mehr herauskommt.

Dass Campus Europae ein supertolles Tuning-Programm für jede Uni mit Internationalitätsanspruch ist, hat Monika Peiz auch in ihren vorigen zwei Legislaturen schon deutlich gemacht. Die Neuigkeit: Campus Europae ist immer noch toll und die Uni kümmert sich immer noch zu wenig darum. Aber zu böse Worte sollen nicht geprochen werden, das beeinträchtigt die Harmonie. Doch was ist mit anderen Austauschprogrammen, wie ERASMUS/SOKRATES? Entweder die 24-jährige Magisterstudentin  in Klassischer Archäologie, Ur- und Frühgeschichte sowie Alte Geschichte, hat diese missachtet oder eine nähere Beachtung ist schlicht nicht notwendig, da das Akademische Auslandsamt hier ausreichend Wartungsarbeiten leistet. Außerdem ist in der Referatsbeschreibung im Rahmen der Internationalisierung von einer Begleitung des Bologna-Prozess die Rede. Aha? Wie viel Macht versprechen sich die StuPisten denn von einem Referat für Studienaustausch und Internationalisierung? Die Uni zeigt sich jedenfalls unbeeindruckt und bietet Lehrveranstaltungen wie gehabt auf Deutsch an.

Konzert als Teil der Studienorganisation

Ebenfalls ein Klassiker unter den Oldtimern, kulturell, sportlich unterwegs und dabei  immer bedächtig auf der Suche nach Erstsemestern, ist der 27-jährige Christian Bäz. Man beachte: Zu Beginn der Legislatur war er immer noch im siebten Fachsemester und damit in der Regelstudienzeit. Fachsemester ist eben glücklicherweise nicht gleich Hochschulsemester. Eine gefühlte Antiquität, die erst mal um die 17 000 Euro  von Studentenwerk und StuPa für DAS Geifswalder Erfolgsprojekt „Wissen rockt“ einsetzte. Ein Teil des Geldes kam außerdem aus den verkauften Eintrittskarten. Das von dem Konzert die Masse der Studenten eher angeödet scheint, schreckt einen routinierten Hochschulpolitiker nicht. Mit weniger Besuchern wird es schließlich erst kuschlig. Stress gibt es in der Erstsemesterwoche genug. Die drei übrigen Tage bleiben für die Organisation von Konzerten (warum auch immer das Aufgabe des AStAs ist) und der Rettung des Hochschulsports. Damit kann ein Referent doch nicht ausgelastet sein!

Hoch hinaus und wenig erreicht

Ein neuer schnittiger Flitzer zog im Juni in die Oldie-Garage ein. Marke: Bachelorstudent der Geschichte und Politikwissenschaft, inzwischen im dritten Semester, Modell: Christian Müller. Und wie diese Neuen so sind, stürzen sie sich voller Antriebskraft ins Rennen. Auch wenn die  Tragweite so  undefinierbar wie der Bereich Hochschulentwicklung und Evaluation ist. Doch allein die Feststellung, wer, wann, wo und wie, das AStA-Büro betritt, hat dem StuPa so grandios gefallen, dass sie mehr wollten –  über mehrere Monate hinweg. Und lieber ein sehr gutes Projekt in Angriff nehmen als mehrere mittelmäßige. Und es hat zu einer entscheidenden Änderung geführt: Das AStA-Büro hat nicht mehr ab acht Uhr geöffnet, das lohnt sich echt nicht. Ein Hoch auf das Evaluationsreferat! Was würden wir bloß ohne ihn machen. Kann der zukünftige Lehramtsstudent doch auch das methodisch gewonnene Wissen im Studium einbingen. Und wer sich mit den harten Fakten der Realität auseinandersetzt, der steigt auf in die hohen Sphären der Berufspolitiker! Aber im Ernst: Erst mal die Greifswalder Innenstadt fehlerfrei durchkurven und dann langsam Kurs auf die Landes- und Bundesstraße nehmen.

Nachwuchssuche angebracht

Kein Semesterstart, der nicht mit problematischen Lehrveranstaltungen, orientierungslosen Studenten oder Unverständnis von Prüfungs- und Studienordnungen beginnt. Kristina Kühn musste sich nie Sorgen um die 20-stündige wöchentliche Betriebszeit des Referats für Studium und Lehre machen. Die Studenten kommen von selbst, die Lösungen müssen erarbeitet werden. Dazu braucht es viele Ansprechpartner innerhalb der Universität. Nach drei Jahren Laufzeit im selben Amt bestehen die Kontakte. Und in Sachen Prüfungs- und Studienordnung ist es gelungen, ein mit allem Zubehör ausgestattetes Navigerät in dieser Oldtimerkarosse zu installieren. Dass die 24-jährige Biomathematikstudentin auch gern Geschwindigkeitsbeschränkungen übersieht, um ihre Meinung zu vertreten, wird in dem Fall nicht mit sofortigem Führerscheinentzug geahndet.

Diese Autos dürfen, nein, müssen den Motor aufheulen lassen, damit sie in der Uni-Punktekartei wahrgenommen werden. Das kostet Kraftstoff, Batterie und Zeit. In den vergangenen Jahren bekam das StuPa die wichtigsten Plätze in dieser Garage mit ihren Oldtimern fix besetzt. Diese werden im Frühjahr allesamt keine weitere Zulassung beantragen. Nun wird es an der Zeit, in neue Modelle zu investieren.

Geschrieben von Maria Trixa und Björn Buß