von Archiv | 16.01.2008
Im sozialen Bereich helfen die meisten Referenten
Im Dezemberheft berichtete moritz über Rollstuhlfahrer, die (noch) nicht ohne fremde Hilfe in das Audimax gelangen. Regelmäßig vor Semesterbeginn pilgern ein paar tausend Studenten auf der Suche nach Bett und Dusche durch die Stadt während sich andere nach Ablauf ihrer Regelstudienzeit über Alternativen zum BaföG Gedanken machen müssen. Ausländische Studenten hocken in mehrfach untervermieteten Zimmern aufeinander, Integration fällt schwer.
Für alle diese Probleme und mehr gibt es im AStA-Büro fünf Referenten, die sich jeweils mit den einzelnen Fachgebieten im sozialen Gebiet beschäftigen. Man könnte meinen, das reicht aus.
Zoran Vasic, 26-jähriger Jurastudent, kurz vor dem Examen, einjährige AStA-Erfahrung und Mitglied im Mieterverein brachte beste Voraussetzungen in das Referat für Soziales und Wohnen mit. Doch gleich zu Beginn lehnte er sich ein bisschen weit aus dem Fenster. Er strebte monatliche Treffen im Rahmen von UniSono an, einem Verband sozialer Vereine Greifswalds. Da fühlten sich welche vor den Kopf gestoßen, befürchteten gar die sozialen Referenten wollen sich ausgrenzen. Wahrscheinlicher: Kommunikationsprobleme. Geworden ist aus der tollen Vernetzung trotzdem nichts. Doch getan hat sich einiges anderes: Kostenfreies Mensaessen für Studenten mit besonders schmalen Budget oder Kindern. Für letztere gibt es nun einen Kooperationsvertrag mit KiTas. Das Couchsurfing gewährt Wohnungssuchenden mietfreien Unterschlupf und seit Jahresbeginn können Studenten eine kostenlose Erstrechtsberatung wahrnehmen. Diese Projekte liefern insgesamt eine gute Bilanz für die Arbeit von Vasic.
Gleichstellung vernachlässigt
Dem Referat Vasics ist das Referat für BaföG und Studienfinanzierung zugeordnet. Hier gab es einen Besetzungswechsel. Mirko Wahlen trat Ende September, wie bei Amtsantritt angekündigt, zurück. Bis dahin bearbeitete er beispielsweise eine Umfrage zu den Serivceleistungen des BaföG-Amts und wertete diese gemeinsam mit dem Studentenwerk aus. Angedacht war in der Folge eine Veränderung der Öffnungszeiten, doch diese sind noch so miserabel angelegt wie zuvor. Das wäre eine Aufgabe für Nachfolgerin Anissa Pauli. Kenntnis vom Referatsinhalt bezieht sie aus eigenen Erfahrungen, da sich die 33-Jährige selbst finanziert. Seit Anfang November mischt sie im AStA mit und würde gern noch eine Legislatur anhängen.
Queer-Referent David Purchert hat dazu noch keine Entscheidung getroffen. Kaum an der Uni angekommen, entschied er im vergangenen Mai, studienexternes Engagement zu zeigen und brachte nach einem erfolglosen Versuch den Beitritt zum Aktionsbündnis gegen Aids durch. Auch sonst zeigte sich der Referent organisatorisch umtriebig auf diversen Veranstaltungen für Schwule, Lesben und Freunde. Die Präsenz war da. Nicht zu vergessen bei all den schönen Hilfestellungen für Akzeptanz und Integration von Homosexuellen, ist die Gleichstellung. Seit dieser Legislatur ist dieses Thema dem Referat für Soziales und Wohnen ausgegliedert und dem Queerreferenten zugeordnet. Hierbei könnte von Vernachlässigung gesprochen werden. Aus den Rechenschaftsberichten werden einige Besuche von Seminaren und Gespräche mit Experten zum Thema sexuelle Belästigung ersichtlich. Nach außen getragen wurde zu diesem Punkt nichts. Doch warten wir die nächste Legislatur ab. Schlimmstenfalls mehren sich die Stimmen, die schon im letzten Jahr ein solches Referat für ebenso sinnvoll erklärten wie eines für Vegetarier. In dem Fall könnte der 20-jährige Purchert sich seinem Lehramtsstudium widmen, für das in seinen ersten drei Semestern wenig Zeit übrig geblieben sein dürfte.
Später Durchbruch
Genau das tut Catharina Frehoff inzwischen. Sie trat am achten Januar von ihrem Referat für Studierende mit Behinderung und chronischen Krankheiten zurück und folgte dem Rest des Instiuts für Altertumswissenschaften nach Marburg. Davor hatte sie es mit Vertretern der Uni zwecks Barrierefreiheit zu tun. Da Behinderungen vom Studentensekretäriat nicht erfasst werden dürfen, musste sie auf die Initiative der Studenten setzen. Angenommen wurden Beratungen anscheinend dennoch. Auch wenn die 25-Jährige die Existenz ihres Referats durchaus mehr nach außen tragen könnte, wie sie selbst zugibt.
Sabryna Junker setzte sich in einer knappen Entscheidung gegen drei Konkurentinnen durch. Zu Recht. Inzwischen studiert die Ausländerreferentin im dritten Semester Biochemie und hat es geschafft, die Beratungen im Studienkolleg unter ausländischen Studenten populär zu machen. Diese sollten zur besseren Kontaktaufnahme dienen und standen beinahe vor dem Aus, weil sie nicht angenommen wurden. Hier zahlte sich Hartnäckigkeit aus. Ihre Aufgabe als Ansprechpartnerin außerhalb von Behörden machte sie mit allen Mitteln bekannt. Schwierige Prozesse, wie die Integrationsproblematik im Ostseeviertel und die Wohnraumverteilung, bieten noch Entfaltungsmöglichkeiten für Nachfolger.
Insgesamt lieferte der Service-lastigste Bereich des AStA in dieser Legislatur neue Projekte, umgesetzte Ideen und fähige Referenten. Verbesserungen sind immer möglich.
Geschrieben von Maria Trixa und Björn Buß
von Archiv | 16.01.2008
RCDS-Boss zu politischen Zielen und Zerwürfnissen
Martin Hackober sitzt seit drei Legislaturen im Studierendenparlament (StuPa). Dort erregte der 25-jährige BWL-Student – nicht unbedingt begeisterte – Aufmerksamkeit als Vorsitzender der Hochschulgruppe Ring-Christlich-Demokratischer-Studenten (RCDS).
moritz: Welches sind aus Deiner Sicht die wichtigsten Entscheidungen in der näheren Vergangenheit des StuPa?
Martin Hackober: Die Wirkung der Trennung von Amt und Mandat konnte in dieser Legislaturperiode zum ersten Mal deutlich erkennbar werden. Die Konsequenz im StuPa ist sehr vorteilhaft, denn man kann viel freier vom AStA nachdenken und sich ein unabhängigeres Bild vom ihm machen. Auf der anderen Seite ist man isolierter vom AStA, sodass nicht immer alle nötigen Informationen im StuPa vorhanden sind.
moritz: Wie nimmst Du die Beteiligung der StuPa-Mitglieder wahr?
Hackober: Wir hatten wenige Momente, wo StuPisten, die sich sonst eher selten an der Diskussion beteiligen, etwas gesagt haben. Leider haben wir trotzdem wenige Kandidaten, die sich kaum beteiligen, aber sogar wieder für 2008 kandidiert haben. Ich würde mir daher wünschen, dass sich alle aktiv einbringen, während sich andere hin und wieder in Zurückhaltung üben könnten.
moritz: Welche Interessen vertritt der RCDS im Moment in der Hochschulpolitik?
Hackober: Unser gemeinsames und auch mein persönliches Interesse ist es, dass sämtliche Handlungen des AStA gründlich überlegt und dem Wohl der Studierendenschaft dienen. Vor einem Jahr, als der AStA ein Fußballturnier organisiert hatte, wurden drei Bälle geklaut, die im Wert von 240 Euro durch den AStA erstattet werden mussten. Solche Nachlässigkeit einiger Referenten darf es nicht geben. Wenn sich anschließend mit dem Würstchenkauf vollkommen verspekuliert wird, sollten Schlüsse für weitere Großveranstaltungen des AStA gezogen werden. Zudem haben wir versucht, eine Honorrierung der Arbeit im Fachschaftsrat zu bekommen. Diese Idee ist leider im StuPa nicht mehrheitsfähig geworden.
moritz: Seid Ihr denn an eine parteipolitische Linie gebunden?
Hackober: Nein, und wir sind auch nicht weisungsgebunden. Wir stehen der CDU natürlich nahe, kümmern uns jedoch ausschließlich um hochschulpolitische Belange, denn das macht eine hochschulpolitische Gruppe aus! Es ist aber nicht so, dass wir mit einer Stimme abstimmen müssen, damit keine Meinung bei uns unterdrückt wird. Das ist bis jetzt auch noch nicht vorgekommen, wir waren eigentlich immer durchweg auf einem Kurs.
moritz: Aber man erzählt sich doch heute noch die Geschichte, wie Du bei einer Abstimmung Deinem RCDS-Kollegen Ivo Sieders in den Arm gefallen bist, als er anders als geplant abstimmen wollte.
Hackober: Es war eine rein menschliche Handlung. Ich würde niemandem aus Fraktionszwang den Arm runterziehen. Aber es gibt immer knappe Entscheidungen, wo man meint, den anderen in letzter Sekunde noch davon abbringen zu können.
moritz:Dir ist aber schon bewusst, dass das nach Außen so wirken kann, als ob Du dem Bild, das Du von Dir selbst und dem RCDS zeichnest, nicht gerecht wirst, oder?
Hackober: Es ist nicht so, dass wir uns darüber zerworfen hätten. Wir haben das beide freundschaftlich gesehen und damit nicht mehr darüber diskutieren müssen. Man kann sich vielleicht nicht immer einigen, aber danach doch wieder geschlossen weiterarbeiten.
moritz:Aber man kann auch mal eine Stimme an sich ziehen?
Hackober: Kann schon einmal vorgekommen sein.
moritz:Man munkelt ja, dass Deine Kollegen vom RCDS Dich liebevoll ihren „Großen Vorsitzenden“ nennen.
Hackober: Bis jetzt haben mich noch alle mit Martin angesprochen. Wir haben kein Hierarchiesystem in diesem Sinne. „Großer Vorsitzender“ ist sozusagen eine nette Geste.
moritz:Kommen wir noch einmal auf die StuPa-Wahlen zu sprechen. Hast du größere Chancen, gewählt zu werden, wenn du als Mitglied einer hochschulpolitischen Gruppe auftrittst?
Hackober: Es fällt jedenfalls dem Wähler einfacher, sich für einen Kandiadten zu entscheiden, wenn er ihn politisch einordnen kann. Man kennt nun auch nicht jeden Kandidaten aus jedem Fachbereich persönlich.
moritz:Willst du noch mal in den AStA?
Hackober: Nein. Ich war zwei Jahre Finanzreferent und wüsste nicht, was ich dort persönlich noch mehr realisieren wollte.
Geschrieben von Maria Trixa und Stephan Kosa.
von Jabbusch | 16.01.2008
Von den rund 11.000 Studenten sind bis heute Mittag nach Auskunft des Wahlleiters gerade mal knapp 600 Studenten wählen gegangen. Also los liebe Kommilitonen: Wählen kostet kein Geld und dauert keine 5 Minuten!
Besonders schlecht ist übrigens bisher die Wahlbeteiligung bei den Senats- und Fakultätsratwahlen, die im Hauptgebäude stattfinden. Dort verirrt sich wohl bisher nur selten jemand. Hier noch mal die „wo & wann“
(Quelle: Wahlmoritz, Copyrightbeschweren bitte in die Comments)
Hier noch eine thematisch passende, amüsante E-Mail von einem Freund:
„Ich glaube übrigens, dass du die Wahlbeteiligung ein wenig angeheizt hast…Treffe ständig Leute, die wählen, weil sie dich aus Ämtern fernhalten wollen…“
So unterschiedlich können die Wahlmotive sein… Ich hoffe er behält Recht und die Wahlbeteilung steigt noch…
von Jabbusch | 16.01.2008
Wie hier berichtet, verbietet der AStA mir unter Androhung einer Klage weiterhin in diesem Blog das offizielle AStA Logo (angeblich aus Copyright-Gründen) zu verwenden. Daher rief ich zum Logo-Kreativ-Wettbewerb auf. Hier Vorschlag Nummer 1:
Mal oder designed auch Ihr Euer persönliches AStA-Logo! Es gibt zwei Flaschen Bier zu gewinnen! Der Wettbewerb läuft weiter!!
(Der Zeichner möchte namentlich nicht genannt werden, da er meint, der AStA verstände keinen Spaß)
von Jabbusch | 16.01.2008
Wie ich bereits berichtet hatte, kürzte das noch amtierende StuPa die finanzielle Unterstützung für Radio 98eins von 5000 auf 3000 Euro. Daraufhin kritisierte das Radio in einer Aussprache die Art des StuPa offen:
„Wir haben bei unseren Anträgen wiederholt feststellen müssen, dass wir misstrauisch bis unfair behandelt und in jedem Fall als wenig kompetent dargestellt wurden. […]“
„Wir, die studentischen Kulturschaffenden von Greifswald, fühlen nicht, dass die von uns gewählten Vertreter ausreichende Nähe zur Studierendenschaft haben. Wie kann es sein, dass die Kooperation mit anderen studentischen Initiativen und sogar mit Behörden weitaus einfacher und sogar konstruktiver verlaufen als mit unserem Studierendenparlament? Anstatt Interesse und Respekt vor den Leistungen der Studierenden zu haben, müssen diese sich rechtfertigen für das, was sie tun. Die Antragsteller engagieren sich ehrenamtlich für andere wie ihr.“
Es blieb bei der verringerten Förderung. Daraufhin – und hier beginnt die neue Eskalation – kündigte Radio 98eins offenbar am 11.1. den Kooperationsvertrag mit der Studierendenschaft, was der AStA jedoch erst gestern bekannt gab.
Wie es jetzt im kommenden Semester mit der Förderung des Radios durch das StuPa weitergeht ist noch völlig offen. Die Nerven liegen nun zunächstmal blank.