Was geht eigentlich ab in Greifswald? Ihr wollt etwas unternehmen, wisst aber nicht was? Wir haben da was für euch! Ob kreative Work-Shops, spannende Vorträge oder faszinierende Ausstellungen – hier stellen wir euch jede Woche unsere Veranstaltungstipps rund um die Themen Uni und Wissenschaft, Politik und Region, sowie Kultur und Sport vor.
Mit Empfehlungen von Vanessa Finsel, Simon Fortmann und Luise Markwort
Kultur und Sport
Ihr schreibt Gedichte, Geschichten, malt Bilder, liebt Standup-Comedy und wurdet durch das Caspar-David-Friedrich-Jahr inspiriert eure künstlerischen Adern auszuleben? Dann ist vielleicht die Open-Mic-NightOMG! CDF! CCL! was für euch. Stellt euch auf die Bühne und präsentiert eure Werke der Welt! Natürlich könnt ihr auch einfach als Zuschauer*in die Show genießen. Wo? Kiste Wann? Donnerstag, 24. Oktober 2024 Eintritt? 1 Euro
Lust auf einen richtigen ausgiebigen Spieleabend? Dann ist die 6. STRAZEspielenacht genau das Richtige. Hier könnt ihr neue Spiele entdecken, während ihr mit Freund*innen und neuen Bekanntschaften spielt. Und das Beste ist: Es ist Open-End! Wo? Stadthalle Greifswald – Rubenowsaal Wann? Freitag, 25. Oktober 2024 Eintritt? 3/5/7 Euro Weitere Infos findet ihr hier.
Der Caspar-David-Friedrich-Preis 2024 wird verliehen! Dieses Jahr geht er an die dänische Künstler*in Ida Raselli. Nach der Preisverleihung wird außerdem ihre Ausstellung “Seasons” feierlich eröffnet. Wo? Caspar-David-Friedrich-Zentrum Wann? Samstag, 26. Oktober 2024 Eintritt? frei Weitere Infos: Anmelden könnt ihr euch von Dienstag bis Sonntag jeweils zwischen 11:00 und 17:00 Uhr telefonisch unter: 03834/884568, persönlich im Caspar-David-Friedrich-Zentrum oder per E-Mail unter: buchung@caspar-david-friedrich-gesellschaft.de
Region und Politik
Neben all den schönen Seiten unseres Bundeslandes gehören leider auch rechtsextreme Strukturen zu Mecklenburg-Vorpommern. Warum ist die Region so anfällig dafür? Was hat sich schon verbessert? Darüber diskutieren Kommunalpolitiker, Aktivisten und Wissenschaftler in einer Dokumentation. Wo? Straze Wann? Montag, 21. Oktober, 20 Uhr Eintritt? Frei
Der Greifswalder Moorforscher Hans Joosten wurde gefangen genommen! Also zumindest fiktiv. Im neuen Moor-Escapespiel „Gefangen in der Vergangenheit“ gilt es, den Forscher mit 3-4 Freunden zusammen zu befreien. Probiert euch aus! Wo? Straze Wann? Donnerstag, 24. Oktober bis Sonntag, 27.Oktober Weiteres? Freie Zeiten und Anmeldung unter escapemoor@posteo.de
Ein Schloss von innen sehen – das ist jetzt möglich im Rahmen des „Schlösserherbstes in Mecklenburg-Vorpommern“. Die nächstgelegene Möglichkeit dafür gibt es im Schloss Ludwigsburg. Die Führungen geben Einblicke in das Leben von damals. Wo? Schlossanlage Ludwigsburg Wann? Sonntag, 20.Oktober bis Freitag, 1.November, immer um 11 Uhr
Universität und Wissenschaft
Der israelisch-palästinensische Konflikt ist ein Thema, welches uns weiterhin tagtäglich begleitet, ob es nun in den Nachrichten ist, in der Familie oder im Freundeskreis. Um die derzeitige Situation besser einordnen zu können, wird es einen Gastvortrag eines Referenten geben, welcher als Islam-, Politik- und Geschichtswissenschaftler tätig ist uns selbst eine Zeit lang in dem betroffenem Gebiet gelebt habt. Der Vortrag soll nicht nur die derzeitige Lage einordnen, sondern auch die dazugehörige Vorgeschichte erzählen. Wo? Neues Audimax, Hörsaal 4 Wann? Montag, 21. Oktober, 16 bis 19 Uhr
Am kommenden Dienstag wird die erste StuPa-Sitzung des neuen Semesters stattfinden. Für alle neuen Studis in Greifswald: Die Sitzungen des Studierendenparlaments sind für die Studierendenschaft frei zugänglich. Wer mal wissen möchte, was das StuPa so macht und wie so eine Sitzung abläuft, kann gerne am Dienstag zur Sitzung hinkommen oder unseren Live-Ticker verfolgen, welcher wie immer begleitend zur StuPa-Sitzung veröffentlicht wird. Wo? Hörsaal 2, Ernst-Lohmeyer-Platz 6 Wann? Dienstag, 22. Oktober, 20 Uhr c.t.
Die Erstberatung für Auslandaufenthalte findet ebenfalls in der kommenden Woche statt. Das International Office informiert wie immer über die existierenden Austausch- und Fördermöglichkeiten, die den Studierenden zur Verfügung stehen. Wer an einem Auslandsaufenthalt interessiert ist, sollte sich den Termin aufschreiben, denn die Teilnahme an der Erstberatung ist notwendig, für alle weiteren Planungsschritte. Wo? Online über BigBlueButton auf Moodle Wann? Freitag, 25. Oktober, 10 Uhr bis 11 Uhr
Weitere Veranstaltungen könnt ihr im Veranstaltungskalender der Uni (hier) finden.
Was sind eure Veranstaltungstipps? Kommentiert sie!
Ein Kribbeln im Bauch, ein unverhoffter Glücksmoment, ein wohlig warmes Gefühl. Dafür braucht es nicht immer ein großes Ereignis, vielmehr liegen diese magischen Momente oft verdeckt unter einem Mantel der Gewohnheit und der Selbstverständlichkeit. „Eine Liebeserklärung“ ist unsere neue Kolumne, in der es darum gehen soll, die vermeintlich einfachsten Dinge dieser Welt wertzuschätzen. Mit ihr bauen wir euch eine zynismusfreie Nische, in die sich hineingekuschelt werden kann, wenn der Alltag einem mal wieder die Daunendecke der guten Laune zu klauen versucht. In diesem Beitrag soll es um die stürmische Liebe zum Herbst gehen.
Lasst uns den Herbst romantisieren. Was bleibt uns anderes übrig? Man kann sich viel über jede Jahreszeit aufregen: Der Winter ist zu kalt und nass und dunkel, im Sommer ist es zu heiß, viel zu früh hell und Insekten sind überall, und im Frühling sterben Allergiker*innen sämtliche Tode, vor denen sie der Winter verschont hatte. Genauso über den Herbst. Ich denke viele mögen ihn nicht, weil sie sich nicht vom Sommer verabschieden wollen. Weil sich die Sonne und das Gefühl, alles und jede*r sprühte vor Leben, langsam zurückziehen. Es wird gewelkt und verblüht. Es wird kälter. Nasser. Windiger.
Ich finde nass und kalt auch nicht super, trotzdem ist Herbst meine Lieblingsjahreszeit. Ich liebe es, mich vom Sommer zu verabschieden. Sommerliche Wärme ist mir schnell zu viel, ich bekomme nichts gebacken (haha). Ein Spiegelei auf dem Asphalt hat mehr Elan als ich, wenn Temperaturen die 24-°C-Markierung hinter sich lassen. Der Moment, in dem sich spät im August oder früh im September die Luft abkühlt, ist mit Leichtigkeit einer meiner Top 3 im Jahr. Aber nicht nur das.
Herbst und Essen
Es wird langsam kühler, warme Mahlzeiten gewinnen wieder mehr an Wertschätzung. Jedes Jahr gibt es einen Zeitpunkt, wo ich dringend eine Suppe kochen will. Sie sind sonst nie meine erste Wahl. Aber sie haben etwas umarmendes – ich kann mich nicht in eine Badewanne legen, also koche ich eine Suppe und lasse sie denselben Effekt wirken. Natürlich schwingt ein Hauch von „Suppen sind gesund“ mit, wenn ich mehr Gemüse kleinschneide und hineinwerfe, als ich normalerweise in einem Monat esse. Angebratener Knoblauch, Zwiebeln, cremige Soßen, Käse auf allem, das sich nicht aktiv wehrt. Und die Küche riecht warm und einladend. Extrapunkte für Mahlzeiten, die ich aus Schüsseln essen kann. Was ebenfalls exponentiell steigt, sind die Tassen Tee pro Tag. Wenn sich kochen anfühlt wie Self Care, ist zumindest für den Moment alles in Ordnung.
Herbst und Übergangsjacken
Genauso geht es mir mit Übergangsklamotten. Kuschelige Pullover, Jacken, Schichten … Der Mensch ist wahrlich eine Zwiebel. Ist es nicht ein massiver Vorteil, wenn Kleidung kuschelig sein kann? Und wandelbar? Zugegeben, ich finde es super, im Sommer weniger Wäsche waschen zu müssen, weil man da einfach nicht viel Stoff tragen kann. Aber ich brauche auch in keiner anderen Jahreszeit so dringend eine Extratasche, weil Jackentaschen ausfallen und die an meinen sommerlichen Kleidungsstücken wirklich nicht optimal sind. Wenn vorhanden. So sehr es andere nervt (und mich, wenn ich mich ohne Schirm von Regen überrascht finde), ich bin Team „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“.
Herbst und Romantik
Okay, das könnte man im Winter ja auch alles gut finden. Aber da gibt es noch etwas anderes. Das Licht, die Luft. Für den Geruch nach Regen und Erde und verwesenden Blättern nehme ich die Kälte gerne in Kauf. Dramatisch wechselhaftes Wetter macht jeden Tag ein bisschen besonders. Wenn ich Greifswald im Herbst sehe, verstehe ich Künstler*innen der Romantik. Ich möchte das goldene Leuchten der ersten gelben Blätter in der Vormittagssonne festhalten und mich daran wärmen. Ich möchte den Mond in Ölfarben malen, wie er schon früh am Abend groß und hell in den Bäumen sitzt, über dem Feld, zwischen den Wolken. Straßenlaternen sehen kleiner aus neben ihm. Sie spenden zusammen ein warmes Licht, das hier und da in der diesigen Luft hängen bleibt. Der Wind fühlt sich nach Veränderung an. Gleichzeitig riecht die Luft nach einem spezifischen Tag, an den du dich nur vage erinnerst, du warst vielleicht fünf, vielleicht elf, an einen Moment, der dir glasklar vor Augen liegt. Du gehst die Straße entlang und plötzlich fühlst du dich, als könntest du eine andere Person werden, wenn du einfach nicht aufhältst, was die Zeit jetzt mit dir macht.
Herbst und Halloween
Ich frage nicht mehr nach, beschwere mich nicht mehr über weihnachtlich assoziierte Kekse, wenn sie Ende August in Supermärkten auftauchen, seit ich in einer solchen Übergangssaison Spekulatius-Regalen gegenüber an der Kasse saß. In einer Woche kam derselbe Kommentar von circa fünfzig Kund*innen. Jedes Jahr früher? Nein. Aber, wenn du mich fragst, jedes Jahr ein bisschen zu früh. September ist dazu da, um zu verdauen, dass das Jahr wieder „fast vorbei“ ist, Oktober ist Halloween, und November ist eine Gratwanderung zwischen Herbst und Mariah Carey. Halloween ist mein Lieblings-„Feiertag“ – völlig zwanglos, niemand erwartet eine Feiertagskarte oder Festtagswünsche auf anderen Wegen. „Das liegt daran, dass das kein Feiertag ist. Wenn überhaupt, ist Reformationstag.“ Gut, aber den feiert in meinem Umfeld auch niemand. Seit meiner Kindheit habe ich mich immer gerne verkleidet und damals ein bisschen geärgert, wenn es Ende Oktober kalt war und ich eine Jacke über dem Kostüm tragen musste – an dem einen Tag im Jahr, an dem dieses Hobby akzeptabel war. Oh, die Optionen. Die Freiheit. Ich war schon immer introvertiert, das letzte, was ich wollte, war aufzufallen. Da kam es mir natürlich entgegen, wenn es an einem Tag im Jahr gesellschaftlich akzeptabel ist, wenn nicht sogar erwartet wird, dass man mal von „normal“ abweicht. Und wenn keine Partys zustande kommen, kann man wunderbar Horror- und Halloween-Filme gucken, für die man eventuell zu anderen Zeitpunkten nicht in Stimmung ist. Ich bin auch immer für Horror-Podcasts und Graphic Novels zu haben. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht diejenige bin, die nachts das Licht ausmachen muss.
Bei wem wie bei mir immer schon Mitte September, mit den ersten grauen Tagen, die Winterdepressionen beginnen, der sollte unbedingt zu Veranstaltungen wie dem STRAZE-Herbstfest gehen.
Denn wenn man, Stockbrot mampfend und Glühwein oder heißen Apfelsaft schlürfend, ums Lagerfeuer sitzt und gemeinsam freudige Herbstlieder singt, dann kann man einfach nur davon überzeugt werden, dass diese Jahreszeit wunderschön ist. Denn in dem Moment merkt man: sie bedeutet nicht nur den nahenden, grauen und kalten Winter, sondern leuchtende Farben, bunte Blätter und ganz viel Gemütlichkeit.
Im Garten
Für die Gemütlichkeit konnte ich mich in den Innenräumen der STRAZE auf dem Flohmarkt mit kuscheligen Pullis in Herbstfarben eindecken. Und in Vorfreude auf den nächsten Sommer habe ich hübsche Tops und einen Rock gefunden. Es gab aber auch DVDs, Schallplatten und Kinderspielzeug – alles perfekt für die kalte Jahreszeit. Ob das von den Verkäufer*Innen geplant war oder nicht – thematisch gepasst hat es auf jeden Fall. Es konnte sich übrigens jede*r ganz spontan selbst einen Tisch aufstellen und Sachen verkaufen.
Wer eher Lust auf neues Wissen hatte wurde bei den beiden interessanten Ausstellungen „DT64 – Das Jugendradio und seine Bewegung“ und „Kinder spielen überall“ (eine Ausstellung über Kinder und Familien auf der Flucht durch die Balkanländer), die zurzeit in der STRAZE zu sehen sind, fündig. Die sind übrigens immer noch in der STRAZE zu sehen. Wer also neugierig geworden ist, kann auch jetzt gerne noch hingehen und sie sich anschauen.
Im Café gab es derweil leckere Kuchen und Kürbissuppe.
Für die Aktiveren gab es die Möglichkeit, selbst Apfelsaft zu mosten, Buttons zu basteln oder „Blattgold“ mit der [druckkammer] zu drucken.
Apfelmosten
Später am Abend gab es dann noch eine Lesung, bei der Autor Andrej Murašov seinen neuen Coming-of-Age-Roman „Alles Gold“ vorgestellt. Begleitet von Live-Rap. Wirklich eine spannende Mischung? Ja, das war es tatsächlich, aber sehr unterhaltsam und abwechslungsreich.
Zum Abschluss kann ich allen, die das Herbstfest dieses Jahr verpasst haben, nur raten: Geht auf jeden Fall im nächsten Herbst hin! Es lohnt sich! Aber auch so ist die STRAZE immer einen Besuch wert mit ihren vielseitigen Veranstaltungen, dem Café und den vielen verschiedenen Gruppen und Initiativen.
Zimt, Vanille und Nelken vereinen sich, das Wetter wird immer stürmischer, die Tage kürzer und die Abende kuschliger. Wenn der Wind mal wieder Regen von allen Seiten unter dem Schirm ins Gesicht pustet, die Brille dauerhaft beschlägt und das Lüften zur Zitterpartie wird, dann ist ein warmes und würziges Getränk genau das Richtige, um die kommende Jahreszeit mit all ihrer Gemütlichkeit zu zelebrieren.
„Chai“ gibt es hierzulande in allen möglichen Ausführungen – als Tee, als Latte, als Sirup im Kaffee und darüber hinaus auch als Zusatz beim Backen oder Kochen. Die eigentliche Bezeichnung „Masala Chai“ aus dem Hindi meint allerdings Gewürztee, welcher im gesamten südostasiatischen Raum in unterschiedlichen Zubereitungen getrunken wird. Als beliebtes und stark verbreitetes Getränk besteht der indische Masala Chai in der Regel aus einer Mischung aus starkem schwarzen Tee mit Milch und Zucker, die dann mit verschiedenen Gewürzen verfeinert wird.
Da es nicht das einzig wahre Grundrezept des Chai gibt, könnt ihr euch ganz nach Belieben eure eigene Mischung zusammen stellen. Hier findet ihr eine grundlegende Zubereitungsmethode für einen etwas länger haltbaren Sirup mit einigen üblichen Zutaten. Die Menge könnt ihr natürlich je nach Geschmack abwandeln oder ihr lasst einige der Gewürze ganz weg (bei mir eignet sich zum Beispiel Kardamom zum unhappy haunting). Alternativ kann man natürlich auch direkt einen frischen Teeaufguss zubereiten.
ZUTATEN
700 ml Wasser
200 g Rohrzucker
4 Beutel Schwarztee
2 Zimtstangen
1 TL gemahlener Zimt
1 Vanilleschote
5 Pfefferkörner
2 EL Fenchelsamen
1 Sternanis
2 EL Kardamom
10 Nelken
Ingwer je nach Belieben
ZUBEREITUNG
Den Ingwer schälen und in Stücke schneiden, die Zimtstangen brechen und die restlichen Gewürze bestenfalls grob mörsern. Die Gewürze zusammen mit dem Wasser und Zucker aufkochen und 10-15 Minuten auf niedriger Stufe köcheln lassen. Die Teebeutel für 5-10 Minuten hinzugeben und die Mischung durch ein Sieb abgießen. Wenn ihr den Sirup über längere Zeit im Kühlschrank aufbewahren wollt, dann kocht vorher am besten die Flaschen ab.
Mit dem Chai-Sirup habt ihr nicht nur ein wunderbares Geschenk für die kommenden Monate im Petto, ihr könnt euch auch ohne meistens sehr süßes, teures und verpacktes Instantpulver eure Herbststimmung viel persönlicher aufgießen.
Herbstzeit ist Pilzzeit. Und Sonntag ist Pilzsammeltag, manchmal auch unfreiwillig, wenn am Samstag Abend beim Late-Night-Shopping das Fach mit den Kulturchampignons bereits von den umtriebigen Greifswalder Kulturhungrigen leergesammelt worden war. Wie ihr trotzdem nicht unter eurem knurrendem Magen leiden müsst, lest ihr hier.
Vorab der Hinweis, dass man auf keinen Fall Pilze essen sollte, bei denen man sich nicht absolut sicher ist, ob sie genießbar sind! Falls das doch einmal passieren und es euch anschließend schlecht gehen sollte, ist umgehend ärztlicher Rat einzuholen und/oder der Giftnotruf zu konsultieren (dann ist es gut, wenn man für die Bestimmung noch einen Rest der Pilze zur Hand hat). Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, hat das Landesgesundheitsamt die Pilzberatung ins Leben gerufen, auf deren Angebote ich weiter unten noch näher eingehen werde. Hier werdet ihr von Fachkundigen in die faszinierende Welt der Pilze eingeführt, die so vielfältig ist, dass die Namen bald knapp wurden und einige der Arten so heißen, als wäre eine sehr wütende Person durch den Wald gelaufen und hätte wahllos mit kreativen Beleidigungen um sich geworfen: “Filziger Milchling, Klapperschwamm, Vorhautzieher und Ziegenlippe!” (sind das alles echte Pilznamen oder habe ich mir davon etwas ausgedacht? Auflösung unten.) Die Ziegenlippe zumindest gibt es tatsächlich und sie ist sogar in unserer Region zu finden. Und wo Ziegenlippen sind, können Böcke nicht weit sein. Allen voran der gemeine Holzbock, die häufigste Zeckenart in Deutschland, die in bis zu 30% der Fälle den Erreger der Lyme-Borreliose in sich trägt. Schützt euch also so gut wie möglich, außer ihr habt Bock auf Antibiotika-Schlucken. (Während ich das hier schreibe, jucken mich zwei Zeckenbisse vom vergangenen Wochenende.)
So, sind jetzt alle ausreichend desillusioniert und mit Zeckenschutz eingesprüht? Dann kann es wohl losgehen: Ihr habt ein paar Leute gefragt, ob sie Lust haben mitzukommen, stattdessen wegen des „regnerischen Wetters“ zunächst einen Korb (das It-Piece der Pilzsaison, unbedingt mitnehmen!) bekommen, dann aber doch jemanden zum Mitkommen überreden können und jetzt geht es ab aufs Rad! Aber wohin eigentlich? Pilze wachsen im Wald, so weit so gut, aber wo genau denn? Und was wollt ihr überhaupt sammeln? Grundsätzlich gilt erfreulicherweise, dass in praktisch allen Wäldern in der Greifswalder Umgebung auch Speisepilze wachsen. Wer trotzdem nicht auf gut Glück losziehen möchte, kann ganz klassisch zu einem Pilzatlanten greifen oder sich wie ich eine der diversen Pilzbestimmungs-Apps herunterladen. Ich habe mich für die „Pilze App“ aus dem Play-Store entschieden und inzwischen auch die Vollversion erworben (3,99 €). Die Anwendung bietet unter anderem eine Funktion, mit der man sich anzeigen lassen kann, welche Pilze zuletzt in der Umgebung gefunden wurden. Südlich von Greifswald waren das zum Beispiel Steinpilze und Gold-Röhrlinge. Die App beinhaltet außerdem einen “Pilzführer”, in dem aktuell 212 Arten aufgeführt sind. Mit diesem geballten Wissen seid ihr jetzt also wirklich gewappnet und fahrt los in den Wald eurer Wahl. Bei mir war das in letzter Zeit Ludwigsburg, weil man das Pilzesammeln so mit einem Strandspaziergang verbinden kann. Im nachfolgenden GIF seht ihr übrigens einen regionaltypischen Lubminer (Atom-)Pilz, der für den Geschmack der Allgemeinheit allerdings eher ungenießbar ist (überspitzte Darstellung):
Wenn ihr im Wald angekommen seid, wird es Zeit, den Spruch vom Facebook-Titelbild eurer verrückten Großtante in die Tat umzusetzen und die ausgetretenen Pfade zu verlassen, um die Pilzreviere zu finden. Bei klassischem Herbstwetter solltet ihr dann bereits nach einigen Metern vielerorts Pilze finden können. Falls nicht, verliert trotzdem nicht den Mut und sucht einfach weiter, irgendwann findet ihr sie! Wenn man dann vor dem ersten Pilz steht, merkt man, dass man absolut keine Ahnung hat. Irgendwie sieht der ja schön aus und lecker auch, außerdem duftet er gut. Also muss er giftig sein, oder? Grundsätzlich ist für Laien die Faustregel hilfreich, sich an Röhrenpilzen (und nicht an Lamellenpilzen) zu orientieren. Ein großer Teil der Röhrenpilze ist essbar. Aber wir sind ja nicht unvorbereitet gekommen und haben moderne Technik zur Hand. Die Bestimmung in meiner App kann über zwei verschiedene Wege durchgeführt werden. Die erste Option ist die manuelle Eingrenzung. Dafür muss ich den Fruchtkörper beschreiben, die Umgebung in der ich mich befinde, die Größe des Pilzes und das Aussehen des Hymenophor (Sporengebers). Meist bleiben dann etwa 5 bis 10 Pilzarten übrig. Schon mal ein großer Fortschritt gegenüber 212, aber auch mit relativ viel Arbeit verbunden. Also lieber Option 2, die App erkennt den Pilz mithilfe der Kamera automatisch. Sobald die Analyse fertig ist, schallt aus dem Handy ein “Hallelujah!” im Chor durch die Bäume. Naja, wie man in den Wald hineinruft… Aber was bedeutet das jetzt? Lustigerweise: Überhaupt nichts. Auch wenn ihr gerade einen Fliegenpilz gescannt habt, habt ihr den Engelschor geweckt. Will er euch etwa zu sich rufen? Also lieber Ton aus und die Waldeinsamkeit fernab der Greifswalder Bluetooth-Boxen genießen. Auch in der automatischen Analyse werden euch meist etwa 5 Arten vorgeschlagen. Letztlich läuft es also erneut auf das eigene Auge hinaus, aber wenn die App bei einem Pilz nur essbare Optionen vorschlägt, hatte ich bisher auch noch keinen giftigen dabei. Wenn ihr glaubt, einen Pilz erkannt zu haben, könnt ihr ihn in der App im „Pilztagebuch“ markieren. Und wenn ihr euch dann so sicher seid oder er euch einfach so gut gefällt, dass ihr ihn mitnehmen wollt, solltet ihr versuchen, ihn möglichst schonend zu lösen. Am besten gelingt das mit einem Messer. Ohne Messer dreht man ihn am Stiel heraus, auf diese Weise kann der Pilz wieder nachwachsen. Eure gesammelte Beute solltet ihr in einem Korb transportieren. Das sieht nicht nur sehr romantisch aus, sondern verhindert durch die gute Belüftung auch, dass sie matschig oder gar schimmelig (hmm, lecker, Pilz mit extra Pilz!) wird.
„Hallelujah!“ – Pilze App
Wenn der Korb immer voller und der Magen gleichzeitig leerer wird, kommt irgendwann der Punkt, an dem die Stimmung umschlägt und man sich wieder auf den Heimweg macht. Die Entscheidung, ob die Pilze im Topf, der Pfanne, im Backofen, auf dem Grill oder eben doch im Müll (weil ungenießbar) landen, sollte man allerdings wie oben beschrieben auf keinen Fall dem knurrenden Bauch überlassen. Deshalb sollte für Laien den Abschluss eines erfolgreichen Sammeltages immer der Besuch bei der Pilzberatung bilden. Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, das eine gesetzlich geregelte Pilzberatung mit amtlichen Lehrgängen ins Leben gerufen hat, und entsprechend gut ausgebaut ist die Beratungsstruktur hier erfreulicherweise auch. In Greifswald bieten Ehrenamtliche jeden Samstag und Sonntag im Oktober von 16-17 Uhr im Pavillon direkt rechts am Eingang des Arboretums eine fachkundige Beratung an. Hier erfahrt ihr von Expert*innen, was ihr gesammelt habt und dabei werden euch oft genug Überraschungen (auch im positiven Sinne!) erwarten. Außerdem erzählen euch die Berater*innen gerne mehr über eure Funde und geben Tipps für die Bestimmung und auch für die Pilzsuche selbst. Und wenn ihr einmal unter der Woche Heißhunger auf frische Pilze entwickeln solltet, stehen euch in Greifswald drei zusätzliche Pilzberater*innen nach telefonischer Absprache mit fachkundigem Rat zur Seite. Die Liste mit den Kontaktdaten und weitere Informationen zur Pilzberatung in Mecklenburg-Vorpommern findet ihr hier. Nach dem Besuch bei der Pilzberatung fühlt man sich meistens (weil im Vergleich zu den Expert*innen) noch unwissender als vorher und ist vielleicht auch ein bisschen traurig, eventuell einen Teil der Pilze wegwerfen zu müssen, hat aber viel Neues gelernt und kann sich nun auf eine bekömmliche und leckere selbst gesammelte Mahlzeit freuen! In diesem Sinne:
Viel Spaß beim Sammeln und guten Appetit!
Wie ein erfolgreicher Sammeltag aussieht, könnt ihr hier an Lillis Korb bestaunen und auch noch einmal in ihrem Erfahrungsbericht vom vergangenen Herbst nachlesen!
Auflösung: Die oben erwähnten Pilzsorten gibt es tatsächlich alle und noch viele weitere mit ebenso schönen Namen, von denen Ulrich Roski (selbst mit 70er Pilz auf dem Kopf) einige in seinem Lied „Des Pudels Kern“ humorvoll besingt.
Titelbild: adege auf Pixabay Beitragsbilder: Lilli Lipka und Philipp Schweikhard