Es weihnachtet sehr, auch in Greifswald – und besonders bei den moritz.medien. Mit dem advents.kalender geben wir Euch weihnachtliche Tipps, Tricks, Erfahrungsberichte, Rezepte uvm. für die Adventszeit. Öffnet jeden Tag ein Beitrags-„Türchen“! Im heutigen Türchen: Schuhputztipps für Studierende
Lustig, lustig, tralalalala, bald ist Nik’lausabend da! Und wie wir alle schon als kleine Kinder gelernt haben: Damit der Nikolaus uns auch einen kleinen Gruß hinterlässt, müssen die Schuhe geputzt sein. Als arme Studierende haben wir aber wahrscheinlich nicht alle Schuhputzmittel und -pflege zu Hause. Damit ihr morgen trotzdem nicht vor leeren Schuhen steht, gibt es heute ein paar Schuhputztricks für Studierende, mit Mittelchen, die ihr vielleicht schon in eurer WG rumzuliegen habt.
Spülmittel, Essig, Hautpflege & Co. – mehr braucht es nicht, um eure Schuhe zu reinigen
Um den vom Greifswalder Wetter generierten Schmutz von den
Schuhen bekommen, sollte erstmal das Gröbste runtergeputzt werden. Man muss
nicht immer eine Schuhbürste kaufen, um den groben Dreck von den Schuhen
zu entfernen. Vielleicht habt ihr noch eine alte Spülbürste rumliegen, die eh
mal entsorgt werden müsste? Auch alte Zahnbürsten eignen sich. Als
Reinigungsmittel könnt ihr einfach euer vorhandenes Spülmittel verwenden.
Falls nach dem Bürsten immer noch hartnäckige Flecken
zu finden sind, dann probiert es doch mit folgenden Tipps.
Glatt- und Kunstleder: Ihr könnt einfach das Shampoo nehmen, das bereits in eurer Dusche steht und Flecken damit behandeln. Auch kosmetische Pflegetücher enthalten pflegende Reinigungsmittel und Öl. Ideal, um gegen den Schmutz anzukämpfen.
Wildleder: Einfach ein altes Shirt oder Stück Stoff
(im besten Fall Baumwolle) nehmen und den Fleck mit Essig einreiben. Danach die
Stelle mit einem weiteren nassen Lappen einreiben. Ist der Punkt getrocknet,
dann einfach abbürsten. Aber Achtung: Essig kann auch verfärben, also testet am
besten zuerst an einer unauffälligen Stelle des Schuhs.
Wenn ihr dem Nikolaus eure Stoffturnschuhe hinstellen wollt, dann macht es euch einfach und wascht die Sneaker bei 40 Grad und niedrigem Schleudergang in der Waschmaschine. Denkt aber daran, vorher eventuell lose Teile und Schnürsenkel zu entfernen. Alternativ geht auch eine Handwäsche. Habt ihr weiße Stoffschuhe, könnt ihr sie zusätzlich mit einem Backpulver-Wasser-Gemisch einreiben und 10 Minuten einwirken lassen, um sie wieder heller und strahlender zu machen.
Nach dem Reinigungsvorgang könnt ihr die Schuhe mit
Zeitung ausstopfen, damit sie schneller trocknen. Vergesst aber nicht, das
Papier wieder zu entfernen, sonst weiß der Nikolaus ja gar nicht, wohin mit dem
Süßem.
Zur Nachbehandlung und Pflege von Glatt- und Kunstlederschuhen könnt ihr ein wenig Speiseöl oder eine Hautcreme verwenden. Vielleicht habt ihr noch irgendwo einen löchrigen Nylonstrumpf rumliegen? Das Material eignet sich nämlich besonders gut, um die Pflege einzuarbeiten. Alternativ könnt ihr den Schuh aber auch -witzig wie es klingt- mit der Innenseite einer Bananenschale einreiben.
Na dann: Die Ausrede „Ich hab kein Schuhputzmittel zu Hause.“ zählt nicht mehr – ran an den Schuh!
Beitragsbild: Till Junker bearbeitet von: Anne Frieda Müller
Es weihnachtet sehr, auch in Greifswald – und besonders bei den moritz.medien. Mit dem advents.kalender geben wir Euch weihnachtliche Tipps, Tricks, Erfahrungsberichte, Rezepte uvm. für die Adventszeit. Öffnet jeden Tag ein Beitrags-„Türchen“!Im heutigen Türchen: Tokyo Godfathers (2003).
Gastbeitrag von Philip Reißner (moritz.magazin)
Eigentlich habe ich ja gar keine Lust auf Weihnachten. Die Kälte und der ewige Regen lassen nicht wirklich die richtige Stimmung für eine besinnliche Adventszeit aufkommen, und ganz ehrlich, auch die besinnliche Adventszeit an sich hat schon ihre nervigen Seiten. Will man denn wirklich den ganzen Einkaufsstress, die lange Fahrt zu den verschrobenen Verwandten, die immer gleichen Gespräche – ob denn das Studium läuft und wann man denn endlich mal was Vernünftiges mit seinem Leben anfangen will? Ich persönlich würde ja den Winterschlaf bevorzugen, gäbe es dann nicht doch die eine oder andere Weihnachtsgeschichte, die mich in dieser dunklen Jahreszeit emotional abholt.
Eine dieser Geschichten ist Tokyo Godfathers des Drehbuchautors und Regisseurs Satoshi Kon, den vielleicht einige durch seine Filme Perfect Blue und Paprika kennen. Inspiriert ist die Geschichte durch den Western Spuren im Sand von John Ford, nach einer Erzählung von Peter B. Kyne. Drei Obdachlose in Tokyo finden in der Weihnachtszeit einen Säugling zwischen Mülltüten und suchen nach den Eltern des Kindes. Dabei ist Hana, eine ehemalige Dragqueen, hin und her gerissen, da sie selbst immer gerne ein Kind gehabt hätte. Doch ihre Gefährten Gin und Miyuki bestehen darauf, dass das Kind zu seiner eigenen Mutter gehört. In all der trostlosen Winterlichkeit sind die drei Wanderer und ihr heiliges Kind ihr ganz eigenes Weihnachtswunder füreinander und arbeiten Stück für Stück zusammen ihre Vergangenheit auf.
Für mich persönlich ist Tokyo Godfathers in der Adventszeit immer wieder eine Bereicherung, die mich auch daran erinnert, dass all die verschrobenen Charaktere in meinem Leben doch alle auf ihre Art liebenswert sind. Letztendlich ist doch das verregnete Wetter, die Kälte und die Dunkelheit gar nicht so entscheidend für die Adventsstimmung, und auch der Weihnachtseinkauf bleibt einem erspart, wenn man dankbar für all die kleinen Dinge sein kann, die man bereits hat.
Beitragsbild: Till Junker bearbeitet von: Anne Frieda Müller
Es weihnachtet sehr, auch in Greifswald – und besonders bei den moritz.medien. Mit dem advents.kalender geben wir Euch weihnachtliche Tipps, Tricks, Erfahrungsberichte, Rezepte uvm. für die Adventszeit. Öffnet jeden Tag ein Beitrags-“Türchen”! Im heutigen Türchen: Eine Weihnachtsgeschichte.
nach einer Idee von Franziska Schlichtkrull
Die gegenwärtige Weihnacht
Der Gestank von Schweiß und Zigarren, scharfem Alkohol, tiefster Enttäuschung und geplatzten Träumen erfüllte die stickige Luft des kleinen Raums. Er schien sich schon längst in jede Ritze in dem brüchigen Holz verkrochen zu haben, haftete an den verdreckten Scheiben und an dem klebrigen Tresen, tropfte von den Öllampen, und fraß sich durch die Kleidung der Leute im Pub, sodass er aus jeder Pore ihrer Körper triefte. Sie nahmen ihre Erbärmlichkeit mit dem Ale auf, das sie tranken, und gaben noch mehr davon zurück, als sie die leeren Gläser wieder über den Tresen schoben.
Die angenehmere
Gesellschaft war schon vor einer ganzen Weile gegangen, diejenigen,
die nur kamen, um einen anstrengenden Arbeitstag bei einem
gemütlichen Bier ausklingen zu lassen, die sich in trauter Runde
miteinander unterhielten und lachten, bevor sie sich ihre Mäntel
wieder über die Schultern warfen und nach Hause zu ihren Familien
gingen.
Er vermisste ihre
Gespräche nicht. Glückliches Gerede über die eigenen Kinder oder
die neueste Wochenzeitung konnte er nicht gebrauchen. Es passte nicht
zu der Stimmung, die sich in seinem benebelten Kopf ausgebreitet
hatte. Bei dem lallenden Gesang des alten Shapney über seine
miserable Zeit bei der Armee fühlte er sich willkommener.
Shapney sang nicht wirklich, er erzählte nur, aber der Alkohol auf
seiner Zunge zerrte die Worte so sehr in die Länge, trat den Ton mal
nach oben und mal nach unten, dass er einen melodiösen Klang annahm.
Wie eine geisterhafte Melodie direkt aus der Totenwelt. »Haben
die Kanonenkugeln genommen und eingeschmolzen, sag ich euch. Und dann
den guten Arthur draus gemacht, Wellesley, den Duke, ihr wisst
schon.«
»Erzähl
nicht!« MacPinny schlug lautstark sein Glas auf den Tisch und das
Bier spritzte hoch bis auf seinen roten Bart. »Der auf dem Square?
Der ist doch nicht aus Kugeln gegossen, der ist aus Stein, ist der!«
Die
Männer gerieten in Streit. Ihre beiden Stimmen und die ihrer ebenso
betrunkenen Freunde mischten sich allesamt miteinander zu einem
Teppich aus kreischenden Tönen, der sich über ihn legte und ihn
langsam in den Schlaf wog. Fort von alldem. Fort von ihrem
miserablen Geschrei, fort von dem dröhnenden Schmerz in seinem
Kopf, fort von den Sorgen.
»Das
war’s, Charles. Das war die letzte Chance, die ich dir geben kann.
Deine letzten Manuskripte waren alle, und es fällt mir so schwer,
dir das sagen zu müssen, aber sie waren alle der größte Mist, den
ich je gelesen hab. Und du weißt, ich mag dich, du weißt, wie
wichtig du mir bist, aber ich muss auch an mich denken, Charles. An
meine Familie. Mary ist gerade wieder schwanger, fünf Kinder,
das sind viele Mägen, viele Kleider, du kennst das ja, du hast
ja auch schon das Vierte mittlerweile. Gott weiß, ich bin der
größte Philanthrop der Welt, aber irgendwann … Irgendwann muss
ich auch mal an mich denken.«
»Ich
hab’s doch selbst gesehen!« Shapneys Stimme war so laut geworden,
dass die gläserne Umfassung der Lampen vibrierte. Draußen
wütete schon den ganzen Tag ein heftiger Sturm, der ununterbrochen
Regentropfen an die Scheiben schlug, sodass Charles glaubte, das Glas
hätte schon vor Ewigkeiten darunter zerbrechen müssen. Eccleston,
der zu seiner Linken saß, hob müde die Hand, um noch einen Pint zu
bestellen. Seinen Kopf konnte er schon längst nicht mehr heben.
»Wir
bekommen kein Geld mehr.«
Der
Gesichtsausdruck, mit dem Catherine ihn daraufhin strafte, hätte ihn
gut auf der Stelle in Fetzen reißen können. »Hat
William dir das gesagt?«
»Nein,
Edward. Aber er war wirklich sehr entschlossen.«
»Du
solltest noch mal mit William darüber sprechen.«
Er
spürte die Wut heiß in seinen Wangen glühen. »Damit
ich dem auch noch in den Arsch kriechen darf?«
Catherines Augen wurden finster. »Charles, solche Worte! Denk an die Kinder!«
»Die
Kinder! Alle denken nur an die Kinder! Ich hab jetzt das fünfte,
Charles, wie soll ich dich da auch noch durchfüttern? Ich bin
halt nicht Christus, der hat sich am Weihnachtstag der Welt
geschenkt, aber ich, bin ich denn Gott, Charles? Soll ich mich denn
auch für andere aufopfern? Verrecken soll Edward an seinem
Weihnachtstag!«
Shapney
hatte eine Münze aus seiner Tasche geholt und hielt sie dem
aufgebrachten MacPinny dicht vors Gesicht. »Die Königin! Die
Königin selbst hat gesagt …«
MacPinny
streckte die Hand so hastig aus, dass er sein Glas dabei umstieß. Er
riss Shapney die Münze aus der Hand. »Die Königin! Ich piss auf
die Königin!« Seine Hände machten sich an seinem Hosenbund zu
schaffen.
Charles
Dickens beschloss, dass der perfekte Moment gekommen war, um den
Pub und dieses Trauerspiel hinter sich zu lassen. Er legte ein paar
Münzen auf den Tresen, wahrscheinlich zu viel für die drei,
vier Gläser, die er getrunken hatte, aber das kümmerte ihn im
Moment wenig. Er wollte nur so schnell wie möglich gehen, bevor
MacPinny ihm noch einen Anblick lieferte, den er so schnell nicht
mehr vergessen konnte.
Er
rutschte schwerfällig von seinem Stuhl, zog mühevoll ein Bein nach
vorne, dann wieder das andere, so schnell er nur konnte. Zu seiner
Rechten gaffte der alte Shapney MacPinny auf der anderen Seite des
Tisches an, als stünde da nicht der schottische Fabrikarbeiter
sondern Bonaparte selbst vor ihm. Drei Männer waren aufgesprungen
und versuchten verzweifelt, MacPinnys Arme zu fassen zu bekommen,
während sie lautstark auf ihn einschrien.
Charles
wusste, dass es schon zu spät war. Eine andere beißende Note
hatte sich unter den Gestank in der Luft gemischt.
Er
stieß die Tür des Pubs auf und genoss für einen Moment die klare,
kalte Luft und den harten Regen auf seinem Gesicht. Hier draußen in
den Gassen Londons war es überraschend still. Die Nacht war bereits
so weit vorangeschritten, dass nur entfernt, in hinter
Häuserreihen verborgenen Straßen das Klappern vereinzelter
Droschken zu hören war. Nur durch die Tür und die Fenster des Pubs
drangen noch immer die Schreie der Männer zu ihm nach draußen,
und irgendwo hinter der nächsten Häuserecke übergab sich jemand.
Die Würgelaute waren so elegant in derbe Flüche eingebunden, dass
es Charles wie ein gut komponiertes Lied vorkam. Das Lied hatte eine
seltsam ansteckende Wirkung auf ihn. Beinahe fühlte er sich, als
müsste er jeden Moment mit einstimmen, aber er zwang sich,
seinen Mageninhalt von vier Pints in sich zu lassen.
Er
torkelte nach vorn, dann zur Seite, fing sich an der Wand des Pubs
ab, wagte noch einen Schritt. Über ihm mischte sich unter das laute
Klappern des Regens auf die Dachziegel auch ein schnelles Kratzen,
vielleicht von Katzen oder Marderhunden. Er tat noch einen
Schritt, schob sich langsam an der Wand voran, um nicht zu stürzen.
Wenn William oder Edward ihn so finden würden! Er wollte ihnen nicht
die Genugtuung geben und zu dem Taugenichts werden, den sie in ihm
sahen. Vielleicht war er das bereits, aber das brauchten sie nicht zu
wissen.
Noch
ein weiterer Schritt. Die Pelztiere über ihm kreischten laut auf,
als würden sie sich zu streiten beginnen. Etwas kratzte über die
Ziegel, kein Tier, kein Regen. Es klang metallen oder gläsern
vielleicht.
Charles
Dickens hob den Blick. Das letzte, was er sehen konnte, war ein etwa
zwölf Zoll großer Gegenstand, der sich in rasender Geschwindigkeit
auf seinen Kopf zubewegte. Für einen winzigen Moment blitzte das
Ding im Licht der Straßenlaterne silberweiß auf. Der
Schriftzug COKE
brannte
sich in sein Gedächtnis ein.
Dann
spürte er einen dumpfen Schmerz auf der Stirn und das Bild
verschwamm vor seinen Augen. Er fiel. Den Aufprall spürte er nicht
mehr.
Regentropfen
auf seiner Haut, aber schwächer als zuvor. Es war kälter geworden,
oder so schien es zumindest. Nur langsam kehrten seine Sinne
zurück. Ein Geruch lag in der Luft, so süßlich als hätte man ihn
in eine Zuckerfabrik entführt. Stimmen. Unzählige, aber dumpf,
weit entfernt von ihm. Männer und Frauen unterhielten sich angeregt,
Kinder lachten vor Freude. Trotz der Benommenheit schnaufte er
verächtlich in den kalten Stein unter seiner Wange. Er konnte
unmöglich noch immer in London sein.
»Sir?
Geht es Ihnen nicht gut? Soll ich …« Eine Hand legte sich auf
seine Stirn, schwebte dann so nah über seinem Mund, dass er die
kalten Finger auf seinen Lippen spüren konnte. »Soll ich einen
Krankenwagen rufen?«
»Können
Sie aufstehen?« Zwei weitere Hände griffen ihn vorsichtig an den
Oberarmen und zogen an ihm. Der kalte Stein unter seinem Gesicht
verschwand. Er fühlte, wie sich die Welt um ihn herum drehte, auch
wenn er es nicht sehen konnte. »Ja, kaum machen die Weihnachtsmärkte
auf, muss man sich schon vollaufen lassen, hm?«
Er
runzelte die Stirn. Sein Schädel brummte, als hätte jemand
eine Druckerpresse darin angeworfen. »Weihnachtsmarkt?«
»Wissen
Sie nicht mehr, wo Sie sind? Vielleicht sollten wir doch einen
Krankenwagen rufen.«
Charles
öffnete die Augen. Zuerst konnte er nichts als Dunkelheit
ausmachen, doch nach und nach kehrten die Lichter zurück.
Straßenlaternen nicht weit von ihm, aber sie waren hell, so viel
heller als sonst. Dahinter eine Londoner Häuserfassade, aber dort,
wo der braune und rote blanke Stein hätte sein müssen, waren
Girlanden aus Tannenzweigen und bunten Lichtern gezogen worden. Sein
Blick folgte ihnen die Straße hinunter, zum Leicester Square, das
wusste er. Aber dort, wo sonst die Häuser den Blick auf den kleinen
Park freigegeben hätten, konnte er jetzt nur eine gewaltige
Ansammlung von Menschen entdecken, die sich allesamt auf ein
umzäuntes Gebiet in der Mitte des Parks zuzuschieben schienen. Noch
mehr grelle Lichter schienen ihm aus den Fenstern der Häuser
entgegen und von den Kronen der Bäume. »Wer hat denn diesen
Schwachsinn da in die Bäume gehängt?«
Von
dem umzäunten Bereich drang ein Chor zu ihm hinüber, auch wenn
der Klang seltsam war, von Instrumenten gespielt, die er nicht
einordnen konnte.
There
must have been some magic in
That
old silk hat they found
»Kommen
Sie, Sir, hoch mit Ihnen. Sie können hier nicht so rumliegen
bleiben.« Der Mann hinter ihm, der noch immer seine Oberarme
umklammert hielt, zerrte behutsam an ihm, um ihn auf die Beine zu
ziehen. Widerwillig ließ er sich aufrichten. Der Mann vor ihm, aus
der indischen Kolonie wie es schien, zog etwas aus seiner Tasche
hervor. Charles legte den Kopf schief. Der Mann war seltsam
gekleidet. Sein Mantel, aus einem glänzenden Material, leuchtete in
sattem Rot als würde er das Kleid einer Frau tragen. Seine Hose war
blau, mit weißen Streifen, als hätte ein Vogel sich darauf
erleichtert, und der Mann besaß sogar die Frechheit, keinen Hut zu
tragen!
»Ich
ruf jetzt einen Krankenwagen, in Ordnung, Sir?« Das Ding in seiner
Hand blinkte gleißend hell auf, stach in seine Augen.
Charles‘
Kehle entrann ein spitzer Aufschrei. Er riss sich aus den Händen des
Mannes hinter ihm los, rappelte sich auf, stolperte nach vorn,
aber fing sich, bevor er erneut fallen konnte. Er rannte los, auf den
Leicester Square zu. So viele Leute um ihn herum, so viele Stimmen
und andere, fremde Geräusche, eine Kakophonie des Lärms. Aber
vielleicht, vielleicht konnte er ja jemanden finden, nur eine einzige
Person, die ihm helfen konnte, die ihm erklärte, was geschehen war.
Nur
noch vier Schritte, drei, dann hatte er den Platz erreicht. Er
taumelte aus der Irving Street heraus. Und schrak zusammen.
Blendendes blaues Licht zu seiner Rechten, das ihn aufschreien
ließ. Er trat ein paar Schritte zurück, lief in jemanden hinein,
der hohe Schrei einer Frau. Er wirbelte herum, blickte der jungen
Lady in die Augen, dann an ihr hinauf und hinab, schüttelte den
Kopf, fassungslos, über alles. »Eine Hose«, murmelte er nur.
Ihr
Blick wurde finster. Sie erinnerte Charles an Catherine. »Wie hast
du mich genannt?«
Bevor
er zu einer Antwort ansetzen konnte, erklangen wieder die
Stimmen der beiden Männer hinter ihm. »Sir, warten Sie mal!«
Er
wollte davon laufen, aber wusste nicht, wohin. Überall leuchtete es
aus den Fenstern heraus, von den Wänden, von den Bäumen, Menschen
in der seltsamsten bunten Kleidung, als wären sie Papageien, die aus
einem Zoo geflohen waren, und sie unterhielten sich auf den
verschiedensten Sprachen, kamen aus den verschiedensten Ländern. Und
wo waren ihre Hüte?
»Sir!«
Der Mann, der noch immer den leuchtenden Gegenstand mit sich
herum trug, hatte ihn mittlerweile eingeholt. Er legte ihm seine
freie Hand auf den Unterarm, nicht fest, aber bestimmt. »Sie sind
etwas verwirrt. Wir gehen da hinten hin, zum Weihnachtsmarkt, ja? Da
sind ein paar Leute, die Ihnen bestimmt helfen können. Kommen Sie.«
Er
ließ sich von dem Mann mitziehen. Seine Gedanken waren
mittlerweile so verworren, dass es schien, als hätte er überhaupt
keine Gedanken mehr. Sie gingen ein paar Schritte, während die
Musik, die vom Leicester Square auszugehen schien, weiter anschwoll.
Er konnte jetzt die kleinen Hütten ausmachen, die in dem Park
kreisförmig errichtet worden waren, wie Stände bei einem
Wochenmarkt. Aus einigen von ihnen stieg Dampf auf, als wäre
eine ganze Küche in ihnen errichtet worden, andere waren bis
zur Decke gefüllt mit winzigen bunt verzierten Kisten, doch er
konnte nicht erkennen, was in ihnen angeboten wurde. Er streckte
sich, wollte über den Zaun spähen, mehr erkennen.
»Entschuldigung.«
Der Mann mit dem Leuchtkästchen, aber er sprach nicht zu ihm,
sondern zu einer Frau, die am Eingang des Parks zu warten schien.
»Kann
ich Ihnen helfen?«
»Der
Typ hier … Wir haben ihn da hinten gefunden, er lag am Boden,
stinkt ziemlich nach Alkohol. Er ist ganz schön durcheinander, er …«
Charles
wirbelte herum. Auf seinem Gesicht lag eine beinahe kindliche
Freude. »Diesen Markt hier …«
Der
Leuchtkastenmann runzelte die Stirn. »Der Weihnachtsmarkt?«
Charles
nickte. Das hier konnte nur ein Traum sein, ein sehr seltsamer Traum
zwar, aber sicherlich nur ein Gespenst seiner wirren
schriftstellerischen Fantasie, nichts Ungewöhnliches eigentlich. Er
wollte noch nicht erwachen. Er verstand nicht, was um ihn herum
geschah, aber genau das erregte ihn am meisten. Er wollte diese
merkwürdige Welt bis ins kleinste Detail erkunden, er wollte sich
inspirieren lassen.
»Du
schreibst nichts Originelles mehr«,
hatte Edward gesagt. »Was
ist nur mit dir los, Charles? Du warst doch früher so inspiriert,
und jetzt das hier?«
Edward
hatte eine Geschichte gewollt. Das hier war eine.
Charles Dickens trat einen Schritt nach vorn und packte den Leuchtenkastenmann beim glänzenden, knisternden Mantel. »Ich möchte ihn sehen, diesen Weihnachtsmarkt. Ich möchte alles sehen!«
TO BE CONTINUED
Beitragsbild: Till Junker bearbeitet von: Anne Frieda Müller
Es weihnachtet sehr, auch in Greifswald – und besonders bei den moritz.medien. Mit dem advents.kalender geben wir Euch weihnachtliche Tipps, Tricks, Erfahrungsberichte, Rezepte uvm. für die Adventszeit. Öffnet jeden Tag ein Beitrags-“Türchen”! Im heutigen Türchen: How to not get Wham!’ed.
Last Christmas, I gave you my heart …
Und jetzt alle!
Nur normalerweise halt nicht, wenn ich in der Nähe bin. Denn ich spiele jedes Jahr aufs Neue mit meiner Familie ein klassisches Weihnachtsspiel: Don’t get WHAMed. Ein Spiel, dass jede Innenstadt und Weihnachtsfeier zu gefährlichen Abenteuerparcours werden lässt. Und die lieben Freund*innen und Kolleg*innen zu fiesen Grinches mutieren lässt (liebe Grüße gehen hier raus an ein ganz besonderes ehemaliges Mitglied aus der Chefredaktion vom webmoritz. *zwinkizwonki). Die Regeln sind wirklich einfach: Die Person, die als letzte bis Weihnachten das Lied „Last Christmas“ von WHAM! nicht gehört hat, hat gewonnen. Läuft man über einen Weihnachtsmarkt und es ertönt, muss das eigene Ausscheiden unverzüglich den Mitspielenden gemeldet werden.
Damit ihr die besten Chancen habt, kommen hier ein paar Tipps:
– Meidet große Menschenansammlungen in eurer Freizeit.
– Meidet es, an Einkaufszentren vorbeizugehen – Geschenke braucht kein Mensch.
Je eremitischer ihr euer Leben gestaltet, desto sicherer könnt ihr euch fühlen. Wenn ihr doch noch rausmüsst:
– Haltet euch beim Weihnachtsmarkt an die Stände mit der Schlagermusik. Die spielen das Lied aus irgendeinem Grund viel seltener. Dafür wird man dort gelegentlich von angetrunkenen Schlagerfans eingehakt (ja wirklich, wer verbreitet dieses Vorurteil von den verschollenen Pommeranään?).
– Einkäufe nur mit Kopfhörern und lautem Metal drauf erledigen.
– die Challenge geheim halten. Ihr werdet überrascht sein, wie viele eurer Freund*innen euch reinreiten wollen.
Normalerweise ist das Kino sicher, vor allem, wenn man ein bisschen verspätet reinhechtet. Dann ist nämlich die Werbung oft schon vorbei. Aaaber dank Greg Wise ist das Kino in diesem Jahr kein sicherer Ort mehr. Der hat mich schon geWHAMed. Einmal Kinotrailer auf YouTube gucken und schon säuselte George Michael im Oktober Weihnachtsmusik zu Daenerys im Elfenkostüm. Gegen die Enttäuschung hilft nicht einmal die großartige Emma Thompson und den Film werde ich aus Rache nicht gucken.
Aber euch wünsche ich eine abenteuerliche Adventszeit. Mögen die Spiele beginnen!
Beitragsbild: Till Junker bearbeitet von: Anne Frieda Müller
Es weihnachtet sehr, auch in Greifswald – und besonders bei den moritz.medien. Mit dem advents.kalender geben wir Euch weihnachtliche Tipps, Tricks, Erfahrungsberichte, Rezepte uvm. für die Adventszeit. Öffnet jeden Tag ein Beitrags-“Türchen”! Im heutigen Türchen: Weihnachten im Flüchtlingsheim
Weihnachten und Geschenke liebt doch jedes Kind. Deshalb findet in Greifswald auch in diesem Jahr wieder das von der ZORA Kinder- und Jugendhilfe organisierte und vom AStA unterstütze Event „Weihnachten im Flüchtlingsheim“ statt. Diese Veranstaltung soll Kindern und Jugendlichen in Gemeinschaftsunterkünften in Mecklenburg-Vorpommern am 14. und 15. Dezember und im Rahmen von weiteren Weihnachtsfeiern ein schönes Fest bescheren.
Damit der Weihnachtsmann nicht mit leeren Händen dasteht, wird Eure Unterstützung gebraucht! Im ZORA Büro werden Sachspenden für Kinder und Jugendliche im Alter von 0-18 Jahren gesammelt.
Welche Geschenke? Die Kinder würden sich zum Beispiel über Schulmaterialien, Mal- und Kinderbücher, Gesellschaftsspiele, Spielzeug und Outdoorspielzeug oder kleine Sportgeräte freuen. Auch abgepackte Kosmetik- und Hygieneartikel für Mädchen und Jungen, Babyzubehör und Babybekleidung sind ein gern gesehenes Geschenk. Geldspenden werden ebenfalls angenommen.
Wann? Bis zum 13.12., von Montag bis Freitag, 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr
Wo? Im ZORA Büro (Markt 20/ 21, 17489 HGW)
Hilfe für das Sortieren und Einpacken von Geschenken, zum Schuhkartons besorgen und zum Flyer verteilen ist ebenfalls willkommen. Falls übrigens der ein oder andere Weihnachtsmann noch Zeit hätte, kann er oder sie sich gerne bei den Organisator*innen melden.
Also: Geschenke bekommen macht Spaß, aber schenken noch viel mehr!
Beitragsbild: Till Junker bearbeitet von: Anne Frieda Müller