Unsere Welt muss nachhaltig werden – diese Aufgabe hat die UNO der Menschheit gestellt. Das ist sehr inspirierend, doch unglaublich schwierig, und wahrscheinlich unmöglich unter den Bedingungen des Kapitalismus, der die Menschen zwingt, immer mehr und immer schneller zu konsumieren. Aber was ermutigt uns, an das Unmögliche zu glauben? Wir selbst! Genauer gesagt: das Beispiel der*diejenigen unter uns, die sich unter den widrigsten Umständen bemühen, die Welt zum Besseren zu verändern!
Ein Gastbeitrag von Danil Utyupin (Umweltjournalist aus Kasachstan).
Im Laufe der ganzen Geschichte träumten die Menschen von einer besseren Welt, als jener, die sie hatten. Diese imaginäre Welt wurde manchmal in der Vergangenheit angesiedelt, die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies oder dem Goldenen Zeitalter wachrufend, in dem die Menschen weder Krankheiten noch Hunger noch Kriege kannten und in duftenden Gärten mit den Göttern zechten. Manchmal wurde diese imaginäre Welt auch in die Zukunft projiziert, die dank wissenschaftlichem und technischem Fortschritt den Menschen Glück bringen sollte. Die Menschheit brachte viele Ideen hervor, die unsere Welt hätten perfekter machen sollen. Einige von ihnen blieben reine Abstraktionen, andere führten zu Massensterben und Tragödien, und wieder andere konnten das Leben der Menschen wirklich verbessern.
Wortspiel
Im laufenden Jahrhundert ist die Idee der „nachhaltigen Entwicklung“ zu einem Leitziel für die Menschheit geworden. Das steht für eine sorgfältige Haltung gegenüber dem Planeten, auf dem wir leben, und das harmonische Zusammenleben all seiner Bewohner. Kasachstan gehört zu den Ländern, die diese Idee verbal unterstützen. 2006 wurde das Konzept des Übergangs der Republik Kasachstan zu einer nachhaltigen Entwicklung für den Zeitraum 2007-2024 gebilligt. Und alle waren begeistert! Man verfasste muntere Artikel, laute Slogans erklangen, man führte Stammtische und Workshops durch. Dann stellte sich jedoch heraus, dass es viel schwieriger ist, dieses Modell ins Leben hineinzutragen, als darüber zu sprechen. Man konnte hören, dass die nachhaltige Entwicklung eine Art Utopie sei und Kasachstan darauf verzichten könne. Und so lange wie das Land über viele natürliche Ressourcen verfügt, müsse man diese Situation maximal nutzen. Im Jahr 2011 wurde das Konzept der nachhaltigen Entwicklung leise abgesagt. Stattdessen wurde das weniger ehrgeizige Konzept des „Übergangs“ zu einer „grünen Wirtschaft“ gebilligt. Doch der Begriff „nachhaltig“ ist in Kasachstan in Gebrauch gekommen und wird in verschiedenen Kontexten benutzt. Das Wort „nachhaltig“ kann in Kasachstan folgendes bedeuten: 1) stabil, dauerhaft 2) umweltfreundlich 3) stetig, fortwährend 4) widerstandfähig, unerschütterlich, mit Nachdruck.
Die Zerstörung der Natur kann
auch stabil sein. Und
es scheint, diese ist in Kasachstan tatsächlich stabil. Glücklicherweise finden einige positive
Veränderungen statt, auch wenn sie noch klein sind. Alternative Energien und
Abfallrecycling entwickeln sich, die
Zahl der Autos mit weniger toxischen Emissionen nimmt zu. Es steigt die
Zahl der Fahrräder und Elektroscooter auf den Straßen. Umweltmessen und
Umweltmärkte werden abgehalten. Am wichtigsten ist aber, dass die Zahl der
Menschen wächst, die sich für den Umweltschutz engagieren. Dies betrifft
hauptsächlich große Städte – Almaty, Astana, Karaganda, Ust-Kamenogorsk,
Shymkent, Pavlodar, Temirtau. Früher wurden diese Ideen in der Gesellschaft
entweder gleichgültig oder ironisch wahrgenommen, in letzter Zeit jedoch immer mehr mit Verständnis
und Freude.
Ende
und Beginn des Goldenen Zeitalters
Zu den Problemen, die in letzter Zeit in kasachischen Städten, aber vor allem für Almaty, immer akuter geworden sind, gehören die Bebauung von Baulücken und die Reduktion der Grünflächen und Erholungszonen in der Stadt und in ihrer Nähe. In der Sowjetzeit wurden Städte nach einem allgemeinen Plan errichtet, der zusammen mit Wohnanlagen und Betrieben den Bau von sozialen Einrichtungen (Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Kulturzentren, Schwimmbädern, Sportplätzen) und auch Grünflächen, manchmal sogar Wasserbassins vorschrieb. Aber mit der Ankunft des wilden Kapitalismus entdeckten die Beamten der Stadtverwaltungen die Gelegenheit, den Unternehmern Grundstücke für den Bau von Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren und Businesszentren zu verkaufen, dort, wo eigentlich Grünflächen und Erholungszonen waren oder sein sollten.
Die größte Stadt in Kasachstan ist Almaty – die ehemalige Hauptstadt. Sie befindet sich am Fuße des Trans-Ili Alatau-Gebirges. Diese Region gilt als Geburtsort der wilden Urformen von Äpfeln und Tulpen und als Anbaugebiet einer legendären Apfelsorte – dem Aport. Noch vor kurzer Zeit waren die Apfelplantagen in den Vorgebirgen die Hauptsehenswürdigkeit und das Lieblingserholungsgebiet von Einwohnern und Gästen. Die Leute wollten ihre Freizeit dort wie unbeschwerte Menschen aus dem Goldenen Zeitalter verbringen. Aber ihr Goldenes Zeitalter endete, als diese Gebiete in private Hände verkauft wurden. Und für andere Menschen begann ein Goldenes Zeitalter. Die Apfelplantagen wurden abgeholzt und an ihrer Stelle erschienen Villen, Hotels, Restaurants, Golfplätze. Gewöhnliche Menschen waren empört, konnten aber nichts dagegen tun. Es waren so mächtige Personen beteiligt, dass selbst die Generalstaatsanwaltschaft nicht in der Lage war, etwas zu unternehmen. Im Ergebnis wurden fast alle Vorberge in der Nähe von Almaty in private Hände überführt und bebaut. Einer der wenigen Orte zum Entspannen, der noch unbebaut ist, heißt Plateau «Kok-Zhailau», das kann aus der kasachischen Sprache übersetzt werden mit „himmlische Weide“. Dieser Ort ist sehr beliebt bei Menschen, die Wert auf unberührte Natur legen und sich vom städtischen Lärm und Stress erholen möchten.
Aber die Stadtverwaltung will dort ein Bergresort mit Skipisten, Seilbahn, Umspannwerk, Straßen, Restaurants, Hotel und einem künstlichen See für die Beschneiung errichten, und das in einem erdbebengefährdeten Gebiet. Dies soll dem Tourismus und Skisport in der Region starke Impulse verleihen, behaupten die Lobbyist*innen des Resorts. Obwohl man schon heute die Klimaveränderung und extreme Wetterphänomene in der Region beobachten kann und auch die Luftverschmutzung für Almaty ein immer größeres Problem darstellt – über der Stadt hängt dichter, giftiger Smog. Eine weitere Bebauung des Gebirges würde die Situation nur verschlechtern. Das alles interessiert die Lobbyist*innenen jedoch nicht. Doch kasachische Umweltaktivist*innen haben eine Gegenbewegung geschaffen: «Schützen wir Kok-Zhailau!». Die Vertreter*innen dieser Bewegung wollen den Bau des Resorts verhindern und dieses Plateau den nächsten Generationen intakt übergeben: ohne Gebäude, Betonstraßen und elektrische Leitungen. So verstehen sie nachhaltige Naturnutzung und nachhaltigen Tourismus.
Komische Dinge
Die Umwidmung von Grundstücken, einschließlich derjenigen, die zu Naturschutzgebieten gehören, wurde in Kasachstan mehr als einmal durchgeführt und hatte keine ernsthaften Konsequenzen für die Beteiligten. Eine Welle von Empörungen stieg an, aber nach einer Weile ließ sie nach, und die Aktivist*innen wechselten wieder zu anderen Aufgaben. Diesmal verläuft jedoch alles anders. Kok-Zhailau fand zahlreiche Beschützer*innen sowohl in Kasachstan als auch im Ausland. Darunter ist Professor Michael Succow, der 2013 mit seinen Kolleg*innen aus Greifswald Almaty und die „Himmlische Weide“ besuchte. Sie alle weisen auf den einzigartigen ökologischen Wert dieses Plateaus und die Risiken für die Stadt hin, die der Bau des Resorts mit sich bringen würde. Auf diesem Plateau und in seiner Nähe wachsen Pflanzen (Siewers-Apfel, Wildaprikose, Ostrovski-Tulpe, Albert-Iris usw.) und leben Tiere (Schneeleopard, Turkestan-Luchs, Steinmarder, Steinadler usw.), die in der Roten Liste Kasachstans und des IUCN aufgeführt sind. Aber gegen die Naturschützer arbeitet eine Staatsmaschinerie unter Nutzung der Verwaltungsressourcen, regierungsnaher Medien und Berater daran, die öffentliche Meinung zu manipulieren.
Seitens der Lobbyisten des Resorts wird an die Gesellschaft die Idee herangetragen, dass der Bau des Resorts auf jeden Fall schon unweigerlich beschlossen sei, Widerstand sich nicht lohne und es für die Aktivist*innen besser sei, sich anderen Aufgaben zu widmen. Tatsache ist, dass es Umweltaktivisten in Kasachstan selten gelingt, die Staatsmaschine zu besiegen. Und jeder weiß, dass es unglaublich schwierig ist, die Staatsmaschine in Kasachstan zu besiegen. Aber dieses Mal kann man etwas Neues beobachten: Die Umweltaktivist*innen haben nicht vor, aufzugeben und zu anderen Problemen zu wechseln. Sie wollen Kok-Zhailau unbedingt vor Bebauung schützen, oder mit anderen Worten: Das fast Unmögliche tun. Wie schon oben erwähnt: Das Wort «nachhaltig» in Kasachstan bedeutet nicht nur umweltfreundlich, sondern auch widerstandsfähig, unerschütterlich. Diese Bezeichnungen können zu Recht auf die Verteidiger*innen von Kok-Zhailau angewandt werden. In ihrem Kampf geht es nicht „nur“ um Naturschutz, sondern auch um Zivilgesellschaft und moralische Werte sowie Beständigkeit im Allgemeinen. Und wenn sie Erfolg haben, kann das Land in jedem Sinne nachhaltiger werden und einen Schritt in Richtung einer grünen, nachhaltigen und strahlenden Zukunft machen.
Den Artikel findet ihr nochmal im moritz.magazin 139 mit mehr Infos zum Autoren Danil und dem Umweltthema in Kasachstan. Weitere Infos zum Projekt, der Central Asian Desert Initiative, gibt es auf dieser Website.
Die Redakteur*innen der moritz.medien haben sich schon immer einen Kopf um unsere Umwelt gemacht und darüber berichtet. In unserer neuen Kolumne erzählen wir euch, was wir über das Thema Nachhaltigkeit denken und geben euch viele hilfreiche Tipps, um euer Leben (noch) nachhaltiger zu gestalten.
Das Smartphone ist kaputt. Was genau bedeutet das eigentlich?
Ist wirklich das gesamte Telefon kaputt, oder nur der Bildschirm oder der Akku?
Vielleicht
ist es auch einfach nur unerträglich langsam geworden und an das
Abspielen von Netflixvideos ist gar nicht mehr zu denken? Eigentlich
sollten unsere Handys
technisch
all unsere alltäglichen Dinge erledigen
können,
vieles
konnten sie ja schonmal.
Nur
scheinen sie trotzdem alt zu werden, irgendwann gibt es keine Updates
mehr und alles wird immer langsamer.
Zum Glück gibt ist ja in fast jedem Handyvertrag alle zwei Jahre ein neues, schnelles Smartphone. Und wenn man versucht vermeintlich alte Technik wieder auf den aktuellen Stand zu bringen, dann stellt man fest: Es geht nicht. Und das passiert mit voller Absicht. Viele Hersteller sperren ihre Nutzer aus und verhindern so, dass Updates, die von anderen geschrieben wurden, installiert werden können. Sie verbieten den Nutzer*innen ihr Gerät so zu nutzen wie sie es möchten, und begründen dies mit vermeinrtlich zu große Verantwortung für diese. Es wird viel Aufwand betrieben, möglichst jede Lücke zu schließen, durch die der*die Nutzer*in die Software seines Gerätes selbst verändern könnte. Dieser Aufwand stellt für technikbegeisterte Nachhaltigkeitsaktivist*innen ein Problem dar. Und zwar ein Ausgedachtes.
Einen alternativen Ansatz liefert eine kleine Gruppe von Enthusiast*innen die das Betriebssystem PostmarketOS entwickeln. Wie der Name schon sagt ist es ihr Ziel alten Handys ein Leben zu ermöglichen, nachdem sie von der Gesellschaft als wertlos deklariert wurden. Außerdem möchten sie diese so lange zu pflegen bis sie tatsächlich physisch kaputt gehen. Und hier stellt die Geheimhaltung der Originalsoftware ein weiteres Problem für die Entwicklung dar. So ist es auch nicht erstaunlich, dass sich ihr Projekt immer noch im Stadium einer „Machbarkeitsstudie“ befindet.
Immerhin Samsung schien 2017 einen Plan für die Geräte ihrer Galaxy-Reihe zu haben. So kündigten sie eine upcycling-Plattform für diese an. Man wollte den in die Jahre gekommenen, und mittlerweile in Schubladen lebenden Smartphones eine neue Lebensaufgabe geben. So sollte es für jeden möglich sein die enormen Fähigkeiten der kleinen Computer für eigene Projekte einzusetzen. Zum Beispiel um automatisiert ein Aquarium zu überwachen, die Fische zu füttern und ab und zu ein Bild an den Besitzer zu schicken. Auch für die Steuerung eines kleinen Gewächshauses wären die Geräte noch geeignet. Leider schien jedoch das Interesse von Samsung nur für eine kleine Website und einen Image-Film zu reichen.
Alles in allem scheint auch in der Technikwelt, bis auf einige Ausnahmen wie das Fairphone, der Nachhaltigkeitsgedanke noch nicht angekommen zu sein. Es werden zwar Smartphones recycelt, aber ein langes Leben scheint weder bei Smartphones noch bei den neuen Laptops ein Kriterium zu sein. So erreichten zum Beispiel die Microsoft Surface Laptops auf der Website Ifixit einen Wert für die Reparierbarkeit von 0 bei möglichen 10 Punkten. Den Technikern war es nicht möglich irgendetwas an diesen Geräten zu tauschen ohne es ernsthaft zu beschädigen oder gar zu zerstören.
Und dennoch ist momentan das Selbstreparieren von Smartphone, Laptop & Co. die beste Möglichkeit nachhaltiger mit Technik umzugehen. Und eigentlich muss man auch keine Angst haben es zu versuchen. Quasi zu jedem Gerät gibt es eine ausführliche Anleitung im Internet, wie man fast jedes Teil austauscht. Und wenn das Gerät sowieso schon kaputt ist, dann kann man es wenigstens probieren und hat nichts mehr zu verlieren.
Auch ist die Auseinandersetzung mit Technik für jeden nachhaltigkeitsbegeisterten Menschen zwingend notwendig, da dies unseren Alltag so sehr durchdringt. Auch in Greifswald fängt gerade eine kleine Gruppe an Technikinteressierten an sich zu organisieren. Es soll ein „Hackerspace“ gegründet werden. Dies bedeutet, dass man eine gemeinsame Werkstatt gründet, in der man gemeinsam Dinge baut und Wissen, Werkzeug und Material teilt, und so jedem einen Einstieg in diese Welt ermöglicht. Wer nach diesem Text Interesse an diesem Bereich hat, kann gerne die Augen und Ohren geöffnet halten und die ersten Veranstaltungen des „Makerspace Greifswald“ abwarten, oder hier einen Kommentar hinterlassen wenn man jetzt schon dabei sein möchte.
Nächste Woche schauen wir uns einmal an, wie schädlich das Internet für die Umwelt ist.
Der Grünen-Politiker Johann-Georg Jaeger gilt als Vorreiter der Wind-Energie in Mecklenburg-Vorpommern und betreibt selbst südlich von Rostock einige Windkraftanlagen. Vergangenen Freitag lud er zu einer Winradbesteigung ein.
Der Treffpunkt findet sich wie gewöhnlich am Bahnhof an der Osnabrücker Straße. Per Fahrgemeinschaft geht es zu elft zum Windpark Mistorf. Das liegt in der Nähe von Lüssow, was wiederum in der Nähe von Güstrow liegt. Dies befindet sich südlich von Rostock (Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland). Unter einem über 200 Meter hohen Windrad stehend erklärt Jaeger die Besonderheiten der Anlage. Die E82 ragt 138 Meter in den Himmel, ein Rotorblatt misst 82 Meter und streckt sich demnach über 200 Meter hoch der Sonne entgegen. Sie leistet 6 mW und kann bei einem durschnittlichen Verbrauch von 3000 kWh 2000 Haushalte mit Strom versorgen. Das 18 Quadratmeter einnehmende Fundament reicht 1,8 Meter in die Tiefe und wiegt 1000 Tonnen, darauf wächst der aus Betonschalen zusammengefügte Turm. „Das ganze funktioniert wie ein Stehaufmännchen: Durch das enormge Gewicht des Fundaments und der unteren Turmelemente ist die Konstruktion stabil genug für die gewaltige Kraft der drehenden Rotoren“, erläutert Jaeger.
Jede*r Teilnehmer*in bekommt Kletterequipment ausgehändigt: Schulter- und Beingurte, die mit einem Läufer verbunden werden, dazu ein Helm und Handschuhe. Das Windrad, das wir besteigen, ist ein älteres Modell: Es misst nur 80 Meter, die Rotoren strecken sich über 37 Meter. Am Leiterfuß hakt jeder seinen Läufer in ein Drahtseil ein, das einmal von oben nach unten durch das Windrad läuft. „Wenn ihr abstürzt, bleibt ihr am Drahtseil hängen und könnt mithilfe des an eurem Rückengurt befestigeten Rings gerettet werden. Dazu bleiben uns ungefähr 20 Minuten, dann ist zu viel Blut in den Beinen gelandet, um das Gehirn ausreichend zu versorgen.“ Jaegers Augen blitzen schelmisch, dann beginnt der Aufstieg. Mit dem Rücken an die Turmwand gepresst, kann man theoretisch ohne Nutzung der Hände auf den Sprossen nach oben wandern. Innen herrschen bestialisch heiße Temperaturen, oben sind alle schweißgebadet.
Doch die Mühen sind schnell vergessen, als Jaeger die Gondel öffnet. Wie bei einem Spaceshuttle gleiten die Halbschalen auseinander und offenbaren den Blick über die weiten Wiesen der Region. Besonders spannend wird es noch einmal, als Jaeger die Bremse des Windrades löst: die riesigen Rotoren beginnen sich erst langsam und dann immer schneller zu drehen, die Geräuschkulisse ähnelt einem startenden Flugzeug. Das Windrad erreicht schnell die maximale Umdrehungsgeschwindigkeit von 16 Umdrehungen pro Minute. Obwohl sich die Nabe scheinbar langsam dreht, sind die Rotorenspitzen auf 220 km/h beschleunigt worden. Über ein Getriebe wird mit 1600 Umdrehungen noch in der Gondel in einem Generator netzfertiger Strom erzeugt, der sofort eingespeist werden kann. Dann bringt Jaeger das Rad mit der öldruckgesteuerten Feststellbremse wieder zum Stehen, die Rotoren verzögern, die Gondel schaukelt und ruckelt hin und her. In 80 Meter Höhe raunen manche ein wenig verängstigt. Dann geht es auch schon wieder abwärts, weiteres Schwitzen und fröhliches Lachen in der abfallenden Aufregung. Unterwegs bewundern wir die Schrauben, mit denen die einzelnen Turmsegmente untereinander verbunden sind: 4600 nM. Zum Vergleich: Die Radmuttern am Auto werden mit 120 nM angezogen. Unten angekommen verabschieden sich alle Teilnehmer unter begeisterten Dankesbekundungen von Johann-Georg Jaeger und fahren in Windeseile in die Heimat zurück.
Natürlich erzählte der Grünen-Politiker noch viele andere spannende Impressionen zur Windkraft: Vor- und Nachteile, Chancen und Perspektiven, Natur- und Tierschutz sowie Zukunftsaussichten. Außerdem funktioniert die Mistorfer Anlage nach dem Solidarprinzip und beteiligt die umliegende Standortgemeinde am Gewinn. Wie genau das funktioniert, wie sich Vogelschutz und grüner Energiebedarf in Deutschland vereinbaren lassen und welche Rolle Jaeger bei dem Ganzen spielt, lest ihr im übernächsten moritz.magazin!
E82 von unten: 180 Meter ragt die Anlage in den Himmel
Die erste Leiter ist nur zwölf Meter lang, Zwischenböden trennen die Kletterstrecke
Beim Umsteigen von einer Leiter auf die andere wird der Läufer aus dem Drahtseil aushängt, vorher muss natürlich eine zweite Sicherungsleine (großer silbener Karabiner) am Klettergurt angebracht werden, damit man nie ungesichert ist.
Blick nach unten: Damit sich trotz Helm niemand den Kopf stößt, gibt der oben Kletternde bei jedem einspringenden Turmstück Signal nach unten.
Im Vordergrund blau das Getriebe, dahinter orange die ölgesteuerte Feststellbremse. Johann-Georg Jaeger entriegel die Halbschalen der Gondel…
… das Ganze erinnert frappierend an den sich öffnende Rücken eines Spaceshuttles
Orange die Feststellbremse, dahinter erhöht angebrachte Messinstrumente und der Blick auf die an Lüssow grenzenden Felder.
Windenergie-Fan, Vorreiter in MV und Grünen-Politiker Johann-Georg-Jaeger
Links im Bild die Nabe mit einem dort angebrachten Rotor, rechte Bildbegrenzung durch eine geöffnete Gondelhalbschale
Im Landtag
von Mecklenburg Vorpommern wird aktuell über die Einführung des neuen „Sicherheits-
und Ordnungsgesetz“ (SOG) verhandelt. Rechtfertigungsgrundlage für das neue
Gesetz ist, Terror und schwere Straftaten durch vorbeugendes Eingreifen der
Polizei, vor ihrer Ausführung zu verhindern.
Problematisch ist dabei, dass für ein Eingreifen der Polizei in Zukunft keine
Tatsachen mehr benötigt werden. Ausreichend sollen „tatsächliche Anhaltspunkte“
sein, die auf eine drohende Gefahr durch bestimmte Personen hindeuten. Das
Urteil, welches darüber entscheidet, ob bei einer bestimmten Person von einer drohenden
Gefahr ausgegangen werden kann, liegt somit in den Händen einzelner Personen
bei der Polizei. Das verfassungsmäßig korrekte Handeln der Polizei ist durch
keine übergeordnete Instanz kontrolliert.
Um von Maßnahmen wie unter anderem Wohnraumüberwachungen oder die Kontrolle von
Computern und Handys betroffen zu sein, ist es ausreichend mit verdächtigen
Personen in Kontakt zu stehen. Auch bei geringer Faktenlage, kann durch die
Polizei in jedermanns Privatsphäre eingegriffen werden. Für
Wohnraumüberwachungen Dritter reicht zum Beispiel der Verdacht aus, der
Verdächtige könne sich in der jeweiligen Wohnung aufhalten.
Auch an öffentlichen Plätze und Veranstaltungen soll die Videoüberwachung
ausgeweitet werden.
Das Problem liegt nicht nur darin, dass jeder ein Recht auf seine eigene
Privatsphäre haben sollte. Es besteht auch die Gefahr, dass Bürger nicht mehr
von ihren Rechten Gebrauch machen, aus Angst in Verdacht zu geraten. Denn wenn
man an jeder Ecke überwacht werden kann, überlegt man sich wahrscheinlich
zweimal wie und wo man seine Meinung äußert und mit wem man in Kontakt stehen
will.
Lass dir deine Rechte nicht nehmen und komm am 16.06.2019 nach Schwerin um zu demonstrieren. Start 12:00 Uhr am Grunthalplatz. Aus Greifwald werden Busshuttles fahren. Außerdem findet am 12.06. hier in Greifswald eine Informationsveranstaltung um 19 Uhr im Hörsaal in der Wollweberstraße 1 statt.
Auf der Webseite des Bündnisses www.sogenannte-sicherheit.org, und auf der Facebook – Seite „SOGenannte Sicherheit“ finden sich weitere Informationen.
Ein Ranking der 10 besten Ostseestrände (fast immer) in unserer Nähe.
Disclaimer: Die Einschätzung der Strände erfolgte auf Basis persönlicher Eindrücke und Erfahrungen. Aus den Begründungen beziehungsweise den Texten geht das nochmals genauer hervor. Außerdem möchte ich kurz auf den Naturschutz hinweisen, da viele Strände in Naturschutzgebieten liegen. Respektiert bitte die Tiere, die Pflanzen, die Regeln (kein Feuer, Hunde nur angeleint) und entsorgt anfallenden Müll immer ordnungsgemäß.
Platz 10: Boltenhagen
Der Boltenhagener Strand zwischen Klützer Bach und Redewisch
Boltenhagen hat es bei mir schwer. Vielleicht liegt es an der Nähe zu Hamburg und den Tourist*innen dort. Vielleicht liegt es auch an den Quallen, die ich dort antreffen durfte. Ich schätze, es ist eine Mischung aus beidem.
Vor 17 Jahren war ich das erste Mal dort. Damals gab es einige Badegäste, welche Nesselquallen aus der direkten Umgebung kennengelernt haben. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass es solche Quallen auch in der Ostsee gibt und ich wollte meinen Greifswalder Bodden, den Ort, wo es nur tote Fische gibt, zurück.
Vor einigen Jahren hatten zwei Freunde und ich dann die dümmste aller Ideen: Anbaden am 1. Januar. Die Blicke der Passant*innen lagen zwischen begeistert, amüsiert und verwirrt. Mit dabei waren neben uns auch – wieder einmal – die Quallen. Seltsame Quallen, die die Größe von großen Tellern hatten und eine eigenartige Färbung. Ihr seht schon: Wenn ihr in Boltenhagen das Wasser erkunden solltet, passt bitte auf euch und die Quallen auf.
In Boltenhagen ist es, meiner Meinung nach, recht egal, welchen Strandabschnitt man auswählt. Wichtig ist nur, zu wissen, dass der Strand zwischen Ostseeklinik und Klützer Bach sandig ist und steinig wird, je weiter man in Richtung Redewisch kommt.
Platz 9: Göhren Nordstrand
Nordstrand Kunst
Der Göhrener Nordstrand ist, wenn man ihn komplett betrachtet, vermutlich einer der typischen touristischen Ostseestrände: feiner Sand, sauberes Wasser, Sanitäranlagen in Reichweite, von der DLRG abgesichert und guter Zugang zu Essen.
Von daher kommt hier der Geheimtipp: Wer gleich den ersten Strandzugang nutzt und anschließend nach rechts in Richtung Nordperd läuft, kommt an eine wunderschöne Steilküste, mit einer Stein-Sand-Mischung und bewachsenen Steinen. Ab und an findet man dort auch Treibholz. Wer einfach nur einen Strandspaziergang abseits der Tourist*innen wünscht, wird sich dort wohlfühlen. Wer baden gehen will, sollte sich am Nordstrand an den richtigen Zugängen ein Plätzchen suchen.
Platz 8: Göhren Südstrand
Der Göhrener Südstrand in Richtung Lobbe
Der Südstrand von Göhren dagegen ist ein reiner Naturstrand mit einem Stück Steilküste. Man könnte nun vermuten, dass dort weniger Menschen unterwegs sind, aber leider wurden dort in den letzten Jahren einige Ferienhäuser und auch ein Ferienressort gebaut. Deswegen ist der Südstrand mittlerweile nicht mehr menschenleer, aber auch noch lange nicht so überlaufen wie die anderen Strände der Urlaubsorte.
Platz 7: Ueckermünde
Wenn ich an Ueckermünde denke, erinnere ich mich immer wieder an den Moment, als ich nach draußen schwamm, zu meinem Mitschwimmer sah, ihn fragte, ob er denn noch stehen könnte (bei einer Körpergröße von 1,90m) und er „Nein“ sagte. Wir waren gerade einmal auf Höhe der Buhne, sahen uns nur leicht schockiert an und einigten uns wortlos, wieder Richtung Strand zu schwimmen.
Ueckermünde liegt am Stettiner Haff, also an einer Art „See“ zwischen der Peene/Oder-Mündung und Usedom. Es gibt einen richtig schönen Sandstrand mit einer Länge von 800 Meter. Das Stettiner Haff ist eigentlich Flachwasser, weil die tiefste Stelle nur sechs Meter tief ist, allerdings erreicht es diese Tiefe recht schnell. Des Weiteren ist das Wasser dort kein Salzwasser, sondern Süßwasser, und es ist im Schnitt auch 2–3 Grad wärmer als das Ostseewasser.
Platz 6: Sassnitz Nordstrand
Hier findet man alles! 😉
Auch dieser Strand ist ein Naturstrand mit Steilküste und Steinen. Der Strand ist hauptsächlich hier in der Liste, weil ich aus meiner eigenen WG weiß, dass Treibholz und Ähnliches gern gesucht und als Deko benutzt werden. Das ist auf jeden Fall einer der Strände, an denen man einiges davon findet. Der Nordstrand eignet sich auch super für Spaziergänge, da Sassnitz direkt an den Nationalpark Jasmund anschließt und der Strand direkt unterhalb dieses Nationalparks liegt.
Platz 5: Wampen
weitläufige Wasserlandschaft: Wampen
Auch
Wampen besitzt einen kleinen Naturstrand. Je nachdem, wo man in
Greifswald wohnt, ist Wampen fünf bis zehn Kilometer entfernt. Die
Strecke ist demnach auch mit dem Fahrrad zu bewältigen. Die letzten
zwei bis drei Kilometer fährt man allerdings von Neuenkirchen nach
Wampen auf der Landstraße. Wer gern Offroad unterwegs ist, kann auch
von Wieck durch das Ladebower Moor auf Feld- und Waldwegen nach
Wampen gelangen.
In Wampen dann die letzte Straße (Strandweg, schwer zu finden, weil es doch eher Feldweg ist) nach rechts nehmen und dem Feldweg folgen bis zum Dünenbeginn. Am Dünenbeginn solltet ihr euch für den rechten Abzweig entscheiden und auf diesem bleiben. Et voilà: Naturstrand Wampen.
Wer wirklich schwimmen gehen möchte, sollte Ausdauer mitbringen. Der Weg ins Wasser ist etwas länger.
Platz 4: Ludwigsburg bei Loissin
Ausgestattet mit gutem Blick auf Greifswald
Erst vor einigen Wochen habe ich eine kleine Radrunde gemacht und bin recht zufällig an den Strand in Ludwigsburg gekommen. Das ist im Prinzip der Strand direkt gegenüber von Wieck und Eldena an der Dänischen Wiek. Ein kleiner Naturstrand, der mit dem Fahrrad und dem Auto zu erreichen ist. Dort gibt es zwei Parkplätze und bis zum Strand führen Straßen und Radwege, welche gut zu befahren sind.
Wer noch weiter in Richtung des Waldes geht, findet noch mehr Strand, der dann schon zum Greifswalder Bodden herausgeht.
Platz 3: Lubmin
Lubmin ist bei jedem Wetter einen Ausflug wert
Wahrscheinlich war jede*r Leser*in bereits einmal in Lubmin am Strand, denn für Greifswalder Studierende ist das irgendwie der Place To Be. Leider kommt man nur unter vier Bedingungen dort hin:
1. Man besitzt ein Auto. 2. Man kennt jemanden, der*die ein Auto besitzt. 3. Man hat tatsächlich genug Geld für den Bus. 4. Man fährt gern 50 Kilometer mit dem Fahrrad. (25 Kilometer pro Strecke)
Falls man dann aber tatsächlich nach Lubmin gelangt, sollte wirklich der gesamte Tag an diesem Strand verbracht werden. Dabei ist es auch relativ egal, welche Jahreszeit ist oder ob man baden gehen möchte oder nicht. Es handelt sich hier, möchte ich behaupten, um den schönsten Strand in der Umgebung Greifswalds (Umkreis 30 Kilometer).
Platz 2: Wohlenberger Wiek
Aufgrund
der vielen Winter- und Herbsturlaube in Boltenhagen habe ich auch die
Wohlenberger Wiek kennengelernt (und mich vielleicht auch ein wenig
verliebt). Wohlenberg liegt in Nordwestmecklenburg, genau an der L01,
also an der Straße, die von Klütz nach Wismar (oder umgekehrt)
führt. Das Dorf besteht – gefühlt – aus 50 Häusern, von denen
70 Ferienwohnungen sind (ja, das ist mathematisch nicht möglich),
und zwei Parkplätzen. Der Parkplatz im Ort an der L01 ist gegenüber
einer Fischräucherei, dort kann man weiter durchgehen zu einem
Anleger, welcher ein wenig so aussieht, als hätte er zwischen 1933
und 1945 seine Hochzeit der Verwendung erlebt,
allerdings wurde er erst 1977/78 errichtet.
Steht man nun auf diesem Anleger, gibt es links und rechts Strand: Der linke Strand – nach Weiße Wiek/Boltenhagen – ist ein Hundestrand und der rechte Strand – nach Niendorf/Gramkow – ist unfassbar schön. Da es sich nun einmal um eine Wiek handelt, ist das Wasser eben sehr weit weg und das lädt zu weiten Spaziergängen ein. Wer doch etwas mehr Wasser und richtigen Sandstrand genießen will, kann bis nach Niendorf oder Gramkow fahren und dort an den Strand. In Gramkow ist dann auch eine Surfschule und ein Bootsverleih zu finden.
Platz 1: Thiessow Natur-/Surfstrand
Thiessow ist ein kleiner Fischerort auf Rügen. Genauer gesagt: auf Mönchgut im Südosten. Das coole an diesem Ort ist, dass es drei Strände gibt: den Surfstrand nach Klein Zicker, den Naturstrand und den Hauptstrand, der die Tourist*innen anzieht.
Nach
zwanzig Jahren Thiessow kann ich den Surfstrand und den Naturstrand
absolut empfehlen. Der erste Strand liegt am Greifswalder Bodden (und
ja, man kann Lubmin von dort sehen). Der Naturstrand dagegen liegt
genau zwischen Ostsee und Greifswalder Bodden, weswegen es dort
oftmals seltsame Strömungen gibt.
Beide
Strände sind eher weniger besucht, da sie auf der Dorfseite liegen,
keine wirklichen Parkplätze vorhanden sind und vor allem der
Surfstrand – surprise, surprise – von Wind- und Kitesurfer*innen
genutzt wird.
Der Surfstrand mit Blick auf Klein Zicker
Am
Surfstrand liegen dazu noch einige Fischernetze aus, welche
gekennzeichnet und, bis auf eine Reuse, die vom Strand ins Wasser
verläuft, auch eher weiter entfernt sind.
Für die Surfer*innen unter den Leser*innen: Ein Campingplatz mit Kite- und Windsurfmaterialausleih liegt an der Hauptstraße zwischen Thiessow und Klein Zicker, sowie noch eine weitere Kitesurfschule mit Verleih direkt daneben. Auf die grundlegende Trennung von Kite- und Windsurfer*innen auf dem Wasser ist zu achten (der Kitesurflehrer erinnert euch gern lautstark an die Regel).
Der Endhaken in Thiessow
Ein Tipp für Menschen, die gern spazieren gehen: Man kann auch vom Surfstrand direkt zum Hauptstrand an der Küste entlang gehen. Wasserdichte Schuhe werden empfohlen, da an einigen Stellen Strand, Seegras und Wasser nicht voneinander zu unterscheiden sind. Es ist demnach möglich, dass man auf Seegras tritt und anschließend im Wasser versinkt. Mir ist es auch schon einmal passiert, dass ich im vom Wasser aufgeweichten Sand stand und plötzlich bis knapp über das Knie darin versank und nicht herauskam.
Nutzt den Sommer und entdeckt vielleicht einen neuen Lieblingsstrand!
Die Redakteur*innen der moritz.medien haben sich schon immer einen Kopf um unsere Umwelt gemacht und darüber berichtet. In unserer neuen Kolumne erzählen wir euch, was wir über das Thema Nachhaltigkeit denken und geben euch viele hilfreiche Tipps, um euer Leben (noch) nachhaltiger zu gestalten.
Laut Studien des Statistischen Bundesamts haben deutsche Haushalte 2017 im Durchschnitt 140 Euro für Innenausstattung und Haushaltsgeräte und 110 Euro für Kleidung ausgegeben – und das jeden Monat. Damit stehen diese beiden Konsumausgaben bei uns Deutschen auf Platz 6 und 7, gleich hinter Wohnen und Energie, Nahrungsmitteln, Verkehr, Kultur, und Dienstleistungen wie Hotels und Gastronomien. Dabei könnte gerade in den Bereichen Kleidung und Ausstattung viel gespart werden, sowohl finanziell als auch umweltökonomisch.
Wie oft nutzen wir die Dinge, die wir kaufen, wirklich und wie lange? Vieles, das wir nur wenige Male brauchen und nicht sofort konsumieren, können wir auch auf andere Weise erhalten, und die meisten tun das bereits. Wir leihen uns Bücher, Musik und Filme aus Bibliotheken, Videotheken oder schauen sie über Streaming-Dienste an. Anstatt ein eigenes Auto zu besitzen, greifen wir oft lieber auf öffentliche Verkehrsmittel zurück, und wenn es doch einmal notwendig ist, mieten wir lieber, nutzen Carsharing oder einen Fahrradverleih in fremden Städten. Wenn wir eine Party organisieren wollen, brauchen wir kaum etwas selbst mitzubringen. Wie auch in Greifswald gibt es an vielen Orten Unternehmen, über die wir die Locations, Partyzelte und sogar ganze Ausstattungen samt Bierzeltgarnitur, Stehtischen und Stühlen ausleihen können – gegen ein kleines Entgelt.
Die meisten dieser Dienste sind nicht völlig kostenlos, aber in den allermeisten Fällen bleibt es mit einem gemieteten Wagen oder Zelt, oder einem monatlichen oder jährlichen Mitgliedsbeitrag dennoch billiger als wenn wir uns die entsprechende Sache selbst anschaffen würden. Unabhängig davon ist sowohl Leihen als auch Mieten wesentlich nachhaltiger, denn jedes Buch, das wir leihen, jeder Tisch, den wir mieten, bedeutet am Ende weniger Produktion und damit geschonte Ressourcen.
Kleider, Elektronik oder ganze Maschinen
Und die Firmen und Läden passen sich an. Viele Anbieter haben ihren Verkauf schon längst auch auf einen Verleih erweitert. Bei vielen Elektrofachhandeln und Baumärkten ist es möglich, sich Geräte einfach zu leihen, anstatt sie teuer zu erwerben. Wer mal eben für eine kleine Renovierung einen Hammer oder eine Bohrmaschine braucht, kann sich diese jederzeit für nur wenig Geld mieten. Bei längeren Zeiträumen ist es auch möglich, einen Vertrag abzuschließen, sollte in dieser Zeit das Gerät den Geist aufgeben, – also ohne Eigenverschuldung – wird es sogar kostenfrei ersetzt.
Gleiches gilt für Elektrogeräte. Wasserkocher und Waschmaschinen und sogar Notebooks, Kameras oder Smartphones können in vielen Märkten mit einem ähnlichen Vertrag ausgeliehen werden und stehen einem dann für einen bestimmen Zeitraum zur Verfügung. Der Vertrag kann monatlich gekündigt oder verlängert werden, bei vielen Märkten geht das Mieten auch bereits ganz einfach und versandkostenfrei online.
Neben einem Second-Hand-Erwerb kann auch bei Kleidern aufs Ausleihen zurückgegriffen werden. Vor allem bei Kleidung, die nicht oft gebraucht wird, wie teuren Anzügen oder Abendkleidern, bieten sich Plattformen an, die selbst hochwertige Designermode für einen kurzen Zeitraum gegen geringes Geld vermieten. Junge Startups haben Plattformen entwickelt, über die man durch ein monatliches Abo eine bestimmte Anzahl an Kleidung für einen gewissen Zeitraum mieten kann. So ist es möglich, immer mal wieder einen neuen Stil auszuprobieren, ohne gleich den gesamten Kleiderschrank zu verdoppeln. Für den privaten Verleih haben Websites wie eBay Kleinanzeigen außerdem eigene Foren eingerichtet, bei denen jede*r Nutzer*in ganz einfach das anbieten kann, was er*sie besitzt, aber gerade nicht braucht. Ein bisschen gezielte Recherche lohnt sich hier also immer.
Sharing Economy
Das Prinzip hinter dem ganzen Leihen und Mieten ist fast schon zu einer eigenen Wissenschaft geworden. Bei der Sharing (auch Shared oder Share) Economy dreht sich alles rund um die Idee von Collaborative Consumption, also den Gemeinschaftskonsum. Das Prinzip ist simpel: Ein*e Anbieter*in (meistens eine Privatperson, aber auch Interessensgruppen und Unternehmen) stellt einen Gegenstand, Raum etc. zur Verfügung, der von einem*r Nachfrager*in vorübergehend benutzt oder bewirtschaftet werden kann. Das bezieht sich sowohl auf privates, kostenfreies Verleihen als auch auf das Vermieten, z. B. über eine vermittelnde Dienstleistung oder Plattform.
Kritisiert wird dabei oft, dass diese Plattformen zwar bereits in großer Zahl existieren, aber oft nur im digitalen Raum verfügbar sind. Es wird befürchtet, dass diejenigen, die kein Internet nutzen oder nutzen können, vom Sharing-Trend ausgeschlossen werden und sich damit eine gesellschaftliche Schere – zum Beispiel zwischen den Generationen – auftut. Gleichzeitig bietet die Onlineverfügbarkeit der Sharing-Dienste aber auch den großen Vorteil, dass Leihen und Mieten fast überall, schnell, simpel und möglichst kostengünstig möglich ist. Darüber hinaus gewährleistet das Prinzip des Sharings natürlich, dass bereits existierende Ressourcen optimal genutzt werden können und damit keine neuen beansprucht werden müssen. Und auch auf sozialer Ebene ist Sharing sinnvoll, denn es vernetzt die Leute und schafft damit einen stärkeren sozialen Zusammenhalt.
Fazit
Sharing, sowohl durch Verleih als auch durch Miete, ist eine einfache Möglichkeit, um den eigenen Konsum möglichst nachhaltig und flexibel zu gestalten. Es ermöglicht uns, alles, was wir nur für eine kurze Zeit brauchen oder immer mal wieder austauschen möchten, einfach und schnell zu erhalten – selbst Dekoartikel, Kunstwerke, Topfpflanzen und sogar überschüssiges Essen durch Plattformen wie foodsharing.de. Erster Anlaufpunkt sind bei den meisten wahrscheinlich die Nachbar*innen oder Freund*innen. In einigen Orten in der Schweiz funktioniert das mittlerweile sogar schon in gut organisiertem Rahmen über vom Projekt Pumpipumpe vorgefertigte Sticker am Briefkasten, mit denen man zeigen kann, was man zu verleihen hat.
Wer keine Lust auf Leihen hat, aber trotzdem nachhaltig sein will, kann sich viele Produkte auch selbst anfertigen, wie wir euch in den letzten Wochen bereits gezeigt haben. Nächstes Mal geht es übrigens ums Upcycling – eine weitere Möglichkeit, etwas Neues zu erhalten und dabei gleichzeitig Ressourcen zu schonen.