Lastenfahrrad für die Studierendenschaft ist da

Lastenfahrrad für die Studierendenschaft ist da

Auf Kommando fuhren plötzlich sechs Lastenfahrräder verschiedenster Ausführungen alle im Kreis. Auf dem Innenhof der Universität Greifswald gab es am Dienstagmittag die nächste Etappe eines wissenschaftlichen Projekts zu Transportlogistik in Form von frischen E-Lastenrädern.

Hintergrund des Projektes ist, den Autoverkehr und auch den Parkdruck in mittelgroßen Städten zu senken und damit die Luftverschmutzung und Lärmbelastung der Städte zu reduzieren. Die Universität testet Lastenfahrräder bereits seit letztem Jahr, die Stadt Greifswald sowie die Pflegedienste der Johanna-Odebrecht-Stiftung und Heinrich & Heinrich haben sich entschlossen, die Lastenfahrräder ebenfalls zu testen. Gefördert wird das Ganze von der Europäischen Union, die in vielen Ländern den Einsatz von Lastenfahrrädern vorantreibt. Greifswald ist Teil des Projektes Cargo bikes in urban mobility (CoBiUM), das ähnliche Projekte auch in anderen Städten des Ostseeraums durchführt. Da das Projekt Daten zum Gebrauch und dem Nutzen der Lastenfährrader in Greifswald erhebt, sind alle Fahrräder mit GPS-Sendern ausgestattet und QR-Codes, über die die Erfahrung der Fahrenden nach jedem Gebrauch abgefragt werden kann.

Es ist auch der Moment, in dem die Studierendenschaft endlich zu dem Lastenrad kommt, dessen Anschaffung auf der Vollversammlung der Studierendenschaft im November 2018 beschlossen wurde – das große Projekt von Goswin Schreck, der sich noch heute als „Fahrradbeauftragter“ des AStA versteht. Dieses Fahrrad ist nur teilfinanziert durch CoBiUM. Das Fahrrad selbst wurde mit circa 1500 Euro durch die Wohnsitzprämienmittel bezahlt, ist aber mit einem großen Anhänger ausgestattet, der auch einen Umzug quer durch die Stadt möglich macht. Dieser Anhänger wird auch durch CoBiUM gefördert und steht, nebst Fahrrad, allen Studierenden zum Verleih über den AStA zur Verfügung. Große Sportlichkeit ist nicht notwendig, um eine Waschmaschine damit durch die Stadt zu fahren. Wie die anderen Fahrräder ist auch das neue AStA-Lastenrad ein E-Bike.

Foto: Veronika Wehner

Carsharing

Carsharing

Die Redakteur*innen der moritz.medien haben sich schon immer einen Kopf um unsere Umwelt gemacht und darüber berichtet. In unserer neuen Kolumne erzählen wir euch, was wir über das Thema Nachhaltigkeit denken und geben euch viele hilfreiche Tipps, um euer Leben (noch) nachhaltiger zu gestalten.

Wer kennt es heutzutage nicht: Ab und an benötigen wir alle mal ein Auto oder einen Transporter, wenn es um den eigenen Umzug geht oder einfach um herumzufahren.

Leider sind wir nicht alle Besitzer eines eigenen Wagens. 

Früher hat man nach Mitfahrgelegenheiten gesucht, Freunde bequatscht oder in Autohäusern einen Wagen gemietet – heute ist es das Carsharing.

Das Prinzip des Carsharings ist eigentlich simpel. Es gibt verschiedene Plattformen, auf denen man sich seine Stadt heraussucht und einfach überprüft, ob ein Wagen in der Nähe ist. Üblicherweise muss man sich registrieren und einen Führerschein vorweisen können. Passt alles, geht es nur noch darum, den Wagen zu mieten. Hierbei gibt es aber Unterschiede, denn es gibt Plattformen, die Wagen in der Stadt zur Verfügung stellen, aus denen man sich eines auswählen kann sowie Plattformen, auf denen Privatpersonen ihr Auto zum Teilen anbieten. 

Normalerweise zahlt man nach Kilometern den Verschleiß und Spritverbrauch des Wagens. An sich ist das Konzept sehr gut und auch preiswert. Ich selbst habe in Greifswald einmal vom Carsharing Gebrauch gemacht. Das ist allerdings circa fünf Jahre her. Dabei handelte es sich um eine Plattform, auf der Privatpersonen ihre Autos zur Nutzung zur Verfügung stellten und man nach der Fahrt schließlich einfach den Wagen nachtanken musste. Abgeholt und auch wieder abgegeben wurde der Schlüssel bei der Besitzerin.

Heutzutage haben die Plattformen Apps, über die man das gewählte Auto freischalten kann, was für eine größere Flexibilität sorgt. 

Trotzdem konnte ich mich nicht beschweren und hätte ich mittlerweile kein eigenes Auto, würde ich das Angebot wahrscheinlich immer noch regelmäßig nutzen.

Natürlich hat Carsharing auch einen sehr nachhaltigen Aspekt – schließlich werden automatisch weniger Autos genutzt. Autos zu teilen, wenn man selbst selten fährt, führt dazu, dass auch weniger Autos im Straßenverkehr unterwegs sind und das ist doch letztlich eine gute Sache. 

Des Weiteren sind wir alle nicht mehr davon abhängig, ein eigenes Gefährt haben zu müssen, wenn die eigene Stadt ein großes Angebot an Autos zum Teilen hat. Weniger Autos in den Städten ist doch ein schöner Gedanke und mit diesem Konzept sehr gut umsetzbar. 

Finanziell gesehen entlastet es natürlich auch das eigene Portemonnaie, wenn man nicht regelmäßig zum TÜV oder für andere Wehwehchen die nächste KFZ-Werkstatt aufsuchen muss. 

Seid Ihr schon einmal über Carsharing-Plattformen gefahren? Vielleicht sogar hier in Greifswald? Schreibt gerne über Eure Erfahrungen in den Kommentaren. 

Nächste Woche erfahrt Ihr, was unsere Uni für die Nachhaltigkeit macht. 

Beitragsbild: Photo by Avel Chuklanov on Unsplash Banner: Jonathan Dehn

Kunst verbindet Menschen – eine Begegnungsstätte der anderen Art

Kunst verbindet Menschen – eine Begegnungsstätte der anderen Art

Normalerweise engagieren sich die Mitglieder der Organisation Greifswald Hilft für die Rechte und Freiheiten von Asylsuchenden. Ziel ist es, langfristig Strukturen zu schaffen, politische Aktionen zu organisieren und somit den öffentlichen Diskurs mitzugestalten. Im Vordergrund steht die Unterstützung von Geflüchteten und das Aufzeigen von neuen Perspektiven. Die ehrenamtlichen Helfer haben stets ein offenes Ohr für die Sorgen, Nöte und Fragen der Menschen. Das Projekt Pro Acryl fokussiert sich seit 2015 auf die gemeinsame Gestaltung von Workshops. Es vernetzt kreative Menschen mit unterschiedlichen Ideen und Talenten und schafft damit eine ganz eigene Gemeinschaft, in der kulturelle Hintergründe keine Rolle spielen. Erstmals engagierten sich die ehrenamtlichen Helfer nicht für die Asylpolitik, sondern trugen zu einem attraktiveren Stadtbild bei.

Bild: Lara Hansen

Am vergangenen Wochenende wurde buchstäblich ein Denkmal gesetzt. Im Auftrag der Ortsteilvertretung Schönwalde I/Südstadt wurde die alte DDR-Bushaltestelle in der Karl-Krull-Straße restauriert. Die Schmierereien an den Wänden wurden beseitigt und ein Stadtplan des Ortsteils sowie der gesamten Südstadt abgebildet. Eine Legende der Häuser und Straßennamen sorgt für die nötige Orientierung. Um zurückführen zu können, wer an der Umgestaltung beteiligt war, wurde das Logo von Pro Acryl sowie die Namen der Künstler verewigt. Auf der Rückseite sorgen verschiedene Tierbilder dafür, dass sich die Sicht vom dahinterliegenden Spielplatz auf die Haltestelle ebenfalls verbessert. Einige Meter von der Station entfernt befindet sich eine Art Betonplatte. Diese wurde im Zuge der Umgestaltung ebenfalls überarbeitet, sodass sie jetzt, überdeckt von einer künstlerischen Blumenwiese, kaum wiederzuerkennen ist.

Bild: MOPET

Die notwendigen Materialien für die Neugestaltung wurden aus dem Ortsteilbudget bezahlt. Initiiert wurde die Aktion von Marianne Seidlein und begleitet von Monika (unten links im Bild) und Peter Multhauf (Vorsitzender der Ortsteilvertretung/oben links im Bild). Die Vorbesprechungen des Projektes begannen bereits vor einem Jahr, sodass die Freude groß war, mit der Umsetzung endlich beginnen zu können. Schon bereits zu Anfang der Umgestaltung sorgten die Arbeiten in der Südstadt für Aufmerksamkeit. Interessierte und Nachbarn beobachteten die Veränderung des Betonhäuschens und blieben nicht selten für ein kurzes Gespräch. Für viele der Anwohner war der Anblick der beschmierten Haltestelle schon lange ein Dorn im Auge. Einige kleine Helfer aus der Umgebung zögerten nicht lange und beteiligten sich aktiv mit an der Umgestaltung. Diese dauerte, ohne die Vorbereitung, insgesamt vier Tage, sodass die Fertigstellung am letzten Sonntag erfolgte.

Bild: Lara Hansen

Um die Bushaltestelle als Teil der Stadtgeschichte zu bewahren, laufen bereits Gespräche darüber, sie unter Denkmalschutz zu stellen.

Habt Ihr Lust, das Team von Pro Acryl zu unterstützen? Dann könnt Ihr Euch über Facebook oder per E-Mail melden. Kunst-Vorwissen ist nicht erforderlich! https://www.hgwhilft.de/mitmachen/pro-acryl.html?L=0

Beitragsbild: Jana Eickholt

Ey man, wo ist mein Fahrrad?

Ey man, wo ist mein Fahrrad?

Wer kennt es nicht nach einer langen Nacht wacht man am nächsten Morgen auf und stellt sich die Frage: „Ey man, wo ist mein Fahrrad?“

Die einen oder anderen schaffen es, ihren Abend zu rekapitulieren und können ihr treues Gefährt wiederfinden. Für die anderen bietet sich am Samstag, den 29. Juni ab 13:30 Uhr, auf dem historischen Marktplatz die Möglichkeit, ein gutes Fahrrad zu ersteigern. 

Alle Jahre wieder kommt der Tag, an dem das Amt für Bürgerservice und Brandschutz die Fahrräder aus dem letzten Jahr versteigert, die im Fundbüro eingegangen sind, aber nicht abgeholt wurden. 

Diesen Samstag werden 55 Fahrräder versteigert. Mitmachen kann jede*r. 

Ab 12 Uhr habt Ihr bereits die Möglichkeit, vorbeizuschauen und Euch alle Exemplare anzusehen. Ab 13:30 Uhr beginnt dann die eigentliche Versteigerung. Was Ihr wissen solltet: Die Fahrräder müssen direkt nach der Versteigerung bezahlt werden, also bringt genügend Geld mit. Ansonsten gibt es um den Markt verteilt Sparkasse, Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank, Volksbank usw. 

In den letzten Jahren gab es auch kleinere Stände, die einen mit genügend Getränken und Essen versorgt haben. Wer also einfach nur das gute Wetter genießen möchte, kann sich einfach gemütlich dazusetzen und das Spektakel genießen. 

Beitragsbild: Annabell Hagen 

Und die Welt steht still, hier im Hinterwald – Teil 2: Rügen

Und die Welt steht still, hier im Hinterwald – Teil 2: Rügen

So soll es laut Silbermond an der B96 in Sachsen sein, und so scheint es auch hier, im Norden der B96. Mecklenburg-Vorpommern ist eine einsame, alte, eingeschlafene Gegend, aber keinesfalls leer und tot. MV ist reich an Kultur und Geschichte, an ruhigen weiten Feldern, stürmischen Küsten und tiefen Wäldern. Zahlreiche Ideen für Ausflugsziele für alle, die eine Auszeit vom Unialltag brauchen und denen langsam die Prokrastinationsmöglichkeiten ausgehen.

Wenn die Tage sonniger werden und die Temperaturen steigen, wenn der Unistress vergessen werden soll und man an einem Wochenende einmal wirklich freimachen kann, dann ist es Zeit für einen Ausflug. Rügen ist bei den Deutschen Urlaubsort Nummer eins, aber genauso lohnt es sich, die Insel nur für einen eintägigen Kurztrip zu besuchen. Durch die Rotbuchenwälder spazieren, Eis essen in Bergen, abends rüber fahren nach Ummanz, um dort am Strand die Sonne direkt vor sich untergehen zu sehen. Rügen steht für Natur und Kultur, kleine Dörfer und Städte voller Tradition und eine weit zurückreichende, bedeutende Geschichte.

In einem ersten Teil wollen wir euch bereits einige der Orte zeigen, bei denen sich ein Besuch durchaus lohnen könnte. Natürlich bleibt es nicht dabei. Rügen ist zu groß und zu abwechslungsreich, um alles auf einmal vorzustellen. Darüber hinaus bietet es sich auf Rügen wohl am ehesten an, einfach das Fahrrad mitzunehmen und die Insel selbst zu entdecken. Gerade abseits der Hauptstraßen, über holprige Feldwege hinweg, durch die tiefen Wälder hindurch oder an der Küste entlang, stößt man dabei immer wieder auf Neues und Unerwartetes – kleine Dörfer voller Reetdachhäuser, Wälder, die plötzlich in eine Steilküste münden, Hügel- und Hünengräber verstreut im Land, als Zeugen längst vergangener Kulturen.

Sonnenuntergang auf Ummanz

Anbindung

Tatsächlich ist es relativ simpel und lohnenswert, sich auf Rügen mit dem Fahrrad fortzubewegen. Nicht nur, weil das Fahrrad Flexibilität erlaubt und es wesentlich einfacher macht, spontan an schönen Stellen zu halten, auch wenn gerade keine Parkfläche in der Nähe zu sein scheint. Rügen ist zwar die größte Insel Deutschlands, aber mit rund 51 km Länge und 43 km Breite trotzdem nicht so groß, dass man nicht zumindest von den Bahnhöfen aus das meiste bequem mit dem Fahrrad erreichen kann. Die Hauptzugstrecke auf Rügen führt einmal quer über die Insel, von Stralsund nach Sassnitz. Von Bergen zweigt außerdem die Bahn Richtung Lauterbach ab, von Lietzow gibt es auch eine Strecke Richtung Binz. Wer zu Fuß unterwegs sein möchte, kann auch auf ein gut ausgebautes Busnetz zurückgreifen.

Lietzow

Die bereits erwähnte Gemeinde Lietzow ist aber nicht nur wegen ihres Bahnhofs interessant. Über dem Ort thront ein kleines „Schlösschen“, bei dem es sich eigentlich gar nicht um ein Schloss handelt, sondern um einen Kunstbau, eine kleine Kopie des Schlosses Lichtenstein in Baden-Württemberg. Hübsch ist es trotzdem. Am Fuß des Berges, am Rand von Lietzow, schließen sich erst ein Wald und dahinter eine niedrige Steilküste und das Meer an. Im Sommer kann man hier am steinigen Strand baden gehen, an kühleren Tagen bietet sich das Ufer aber auch einfach nur zum Spazieren an. Popularität erlangte Lietzow aber vor allem durch die mehr als 6000 Jahre alten Werkzeuge und Waffen aus Feuerstein, die hier gefunden wurden. Die Kultur, aus der sie stammen, ist unter Historiker*innen dementsprechend als Lietzow-Kultur bekannt. Die Fundstücke sind nicht einfach nur alt. Sie sind die ältesten Beweise Rügens für eine sesshaft gewordene Gesellschaft, die hier ausreichend Rohstoffe und Nahrung vorfand, um sich niederzulassen und die ersten Siedlungen zu errichten.

Feuersteinfelder bei Neu Mukran

Fährt man von Lietzow aus nach Osten, kommt man schon nach kurzer Zeit zu den Feuersteinfeldern. Mit dem Fahrrad sind sie nur etwa 6 km von Lietzow entfernt, wer mit dem Auto kommt, kann an dem Parkplatz an der Straße zwischen Prora und Neu Mukran halten und muss von dort aus nur noch ein kleines Stück von etwa 2 km zu Fuß durch den Kiefernwald laufen. Die Feuersteine wurden vor etwa 4000 Jahren durch starke Sturmfluten angespült und hier zu gigantischen Wällen aufgetürmt – auf einer Fläche von rund 350 bis zu 2000 Metern sowie mehreren Metern Höhe. Begehbar ist heute nur ein geringer Teil davon, das meiste liegt unter Sand und Kiefern begraben.

Wenn man sich an heißen Tagen vor den Kreuzottern vorsieht, kann man sich hier auf einen wunderschönen Spaziergang freuen, über die schwarz-weißen knirschenden Steine hinweg, durch Wacholder, Heidekraut, Heckenrosen und Obstbäume hindurch. Mit etwas Glück findet man vielleicht sogar einen Hühnergott. Den Steinen wurde früher übrigens wirklich eine gottgleiche Wirkung nachgesagt – man legte sie den Hühnern mit in die Nester, weil man glaubte, die Tiere würden dann gesünder bleiben und mehr Eier legen.

Woorker Berge

Von Lietzow aus in die andere Richtung, nur wenige Kilometer im Westen, liegt Ralswiek. In den 1970er und 80er Jahren wurden bei dem kleinen Dorf vier alte Holzboote aus dem frühen Mittelalter gefunden, die den Beweis für einen aktiven Handel mit den Wikingern liefern. Heute ist Ralswiek vor allem für seine Störtebeker Festspiele bekannt, aber genauso bietet sich die Stadt für einen Spaziergang an – zum Beispiel vom Hafen aus den Hügel hinauf durch den Landschaftspark hindurch, bis man zum Ralswieker Schloss gelangt.

Wer von Ralswiek aus der Straße Richtung Westen folgt, kommt nach etwa 3 km aus dem Wald heraus auf ein Feld, auf dem sich die sogenannten „Woorker Berge“ befinden. Vor allem mit dem Auto sind sie schwer zu finden. Wer sich Woorke von Süden aus nähert, muss darauf achten, am Ort nach links abzubiegen. Nach einem kurzen Weg über eine landwirtschaftlich genutzte Straße aus Steinplatten hinweg, tauchen die Hügel schließlich auf der rechten Seite auf.

Bei den „Woorker Bergen“ handelt es sich nicht wirklich um Berge. Die 14 Hügel sind künstlich aufgeschüttet worden, während der Bronzezeit vor etwa 3500 Jahren, als Begräbnisstätten. Wegen der kostbaren Grabbeigaben wurden viele der Hügelgräber aber schon vor langer Zeit geplündert. Andere wurden abgetragen, um dem Straßennetz oder der Landwirtschaft Platz zu schaffen. Zwar sind auf Rügen noch immer mehrere Hundert Hügelgräber erhalten, diese stehen aber oft so vereinzelt oder sind so sehr von einem Wald verborgen, dass man sie schnell übersehen kann. Hier bei Woorke dominieren sie die Landschaft. Lässt man Auto oder Fahrrad einfach stehen und erkundet zu Fuß die Gegend, steht man – zumindest im Sommer – vor einem beeindruckenden Anblick von gelben Rapsfeldern, aus denen sich hier und dort die bewaldeten Hügel erheben, als lebendige Zeugen vergangener Kulturen.

Bergen auf Rügen

Etwa 10 km südöstlich von Woorke stößt man auf einen richtigen Berg, der einen der wohl schönsten Ausblicke über ganz Rügen bietet. 1875 wurde der hier auf dem Rugard zu Arndts 100. Geburtstag errichtete Ernst-Moritz-Arndt-Turm fertiggestellt. Gegen ein kleines Entgelt von 2 € bzw. 1,50 € für Studierende ist es möglich, den Turm zu besteigen – im Sommer einfach beim Turm selbst, in den kälteren Monaten wird einem der alte, klobige Turmschlüssel auf Nachfrage hin im angrenzenden Hotel überlassen. Die Aussicht ist atemberaubend und reicht von der Kuppel aus und bei gutem Wetter von Stralsund bis zu den Kreidefelsen. Inmitten von Rügen zu stehen und die gesamte Insel überblicken zu können – ein wenig verschafft es einem ein Gefühl davon, wie es sich zu slawischen Zeiten angefühlt haben muss, als hier auf dem Rugard, der Burg der Rygir oder Rugier, noch eine Wallburg stand.

Das älteste noch erhaltene geschichtliche Vermächtnis Bergens ist wohl die Marienkirche. Die slawischen Ranen, die Rügen noch bis zum 12. Jahrhundert beherrschten, konnten erst 1168 endgültig vom Dänenkönig Waldemar I. unterworfen werden. Es gelang den dänischen Truppen dabei nicht nur, die Jaromarsburg am Kap Arkona zu zerstören, sondern auch, die Ranen zur Christianisierung zu drängen. Klöster wie das Kloster in Eldena führten die Missionierungen aus, daneben stiftete Waldemar I. Geld für die Errichtung von insgesamt 12 Kirchen. Mit dem Bau der ersten davon, der Bergener Marienkirche, wurde 1180 begonnen.

Dass die Kirche so alt ist, merkt man ihr beim Betreten sofort an. Der gotische Bau, in den romanische und über die Zeit hinweg auch barocke Elemente eingearbeitet wurden, strahlt eine gewisse Macht und Größe aus, man wird ehrfurchtsvoll und fühlt sich geradezu in die Zeit zurückversetzt. Populär ist die Marienkirche aber nicht unbedingt für ihre imposante Ausstrahlung geworden, sondern vor allem für das Uhrenziffernblatt an der Nordseite – bei einer Restaurierung 1983 wurde hier nämlich anstatt der Löcher für die üblichen 60 Minuten ein 61. Loch gebohrt.

Aber ein Tagesausflug nach Bergen ist auch ganz unabhängig von überschüssigen Minuten keine Zeitverschwendung. Rund um den Marktplatz, der als Parkfläche dient, ragen Giebelfassaden im Historismus und Jugendstil auf, im neben der Marienkirche gelegenen ehemaligen Zisterzienserinnenklosters befindet sich heute ein Stadtmuseum, in dem gegen 2 € Eintritt Exponate aus Rügens Ur- und Frühgeschichte besichtigt werden können. An heißen Sommertagen laden auch die Cafés und Eisdielen der Stadt ein – vielleicht gibt es bei einigen davon sogar ungewöhnliche Schätze zu entdecken, wie eine große Eisenbahnmodellanlage im Hinterhof.

Putbus

Von Bergen aus ist schließlich auch Putbus, eine andere größere Stadt Rügens, nicht mehr allzu weit entfernt – rund 8 km Richtung Süden mit dem Fahrrad bzw. 9 km mit dem Auto. Bis 1815 waren Rügen und Hiddensee noch schwedisch, erst nach dem Wiener Kongress gingen sie an Preußen über. Vielleicht war es dem preußischen Beamtentum geschuldet, dass schon kurze Zeit darauf viele Städte Rügens zu Kurorten ausgebaut wurden. 1816 wird Putbus zum ersten Seebad Rügens. In den darauf folgenden Jahren wurde die Stadt unter Fürst Wilhelm Malte I. zu einer fürstlichen Residenzstadt ausgebaut. Als „Stadt der Rosen“ oder „Weiße Stadt“ bekannt, wurde viel Wert darauf gelegt, Putbus vor allem für vornehme Sommergäste attraktiv zu gestalten.

Eindrucksvoll ist das noch immer am Circus zu erkennen, dem Mittelpunkt der Stadt. Der kreisrund angelegte Platz ist von strahlend weiß gestrichenen Häusern umgeben, vor denen unzählige Rosenbüsche gepflanzt wurden. In symmetrischer Anordnung führen acht Wege auf den Obelisken im Zentrum des Platzes zu, der 1845 errichtet wurde und an den Stadtpromi Fürst Malte I. erinnern soll.

Bereits in Aufzeichnungen aus dem 14. Jahrhundert ist belegt, dass eine Burg in Putbus den Grafen von Putbus als Herrschaftssitz diente. Von der Burg ist heute aber nichts mehr erhalten – sie wurde schon kurz nach 1600 zu einem Schloss umgebaut. Aber auch von dem Schloss ist kaum mehr was übrig – erst wurde es 1865 von einem Feuer zerstört, dann riss man den Neubau nur 100 Jahre später unter der DDR-Regierung ab.

Heute ist von der alten Fürstenresidenz nur noch die Schlossterrasse und der umliegende Schlosspark erhalten, aber ein Besuch lohnt sich trotzdem. Wer sich auf die Suche nach den noch immer im Park verstreut liegenden Zweckbauten macht, kann zum Beispiel das Mausoleum, das Affenhaus oder den Marstall entdecken. Im Affenhaus befindet sich heute ein Puppen- und Spielzeugmuseum, der Marstall wird für Konzerte genutzt. Die Schlosskirche wurde eigentlich als Salon zum Spielen, Tanzen und Feiern für die adlige Gesellschaft errichtet und erst 1891 zur Kirche umgebaut. Die ehemalige Villa Löwenstein wird heute als Rosencafé genutzt, in der Orangerie sind regelmäßig wechselnde Kunstwerke ausgestellt. Von dem Fasanenhaus am Schwanenteich ist nur noch eine Ruine geblieben.

Wer vom Circus aus gesehen den ganzen Park einmal durchquert, kommt am Ende beim Wildgehege heraus. Die etwa 8 Hektar große Anlage bietet seit ihrer Eröffnung 1833 Rot- und Damwild ein Zuhause. Wer nach einem Parkspaziergang noch eine Abendbeschäftigung sucht, kann einen Blick in den Theaterspielplan des Theaters Vorpommern werfen. Und wenn die Sonne danach noch nicht ganz versunken ist, lohnt sich auch ein Ausflug an den nur 3 km entfernten Strand von Neuendorf, um im weichen Sand oder im warmen Wasser entspannt den Tag ausklingen zu lassen.

Bilder: Julia Schlichtkrull, Franziska Schlichtkrull

Grüne Suchmaschine

Grüne Suchmaschine

Die Redakteur*innen der moritz.medien haben sich schon immer einen Kopf um unsere Umwelt gemacht und darüber berichtet. In unserer neuen Kolumne erzählen wir euch, was wir über das Thema Nachhaltigkeit denken und geben euch viele hilfreiche Tipps, um euer Leben (noch) nachhaltiger zu gestalten.

Google ist aus meinem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Durch einen Mausklick kann ich schnell und unkompliziert die Öffnungszeiten meines Lieblingsrestaurants nachschauen, oder Informationen für das nächste Referat sammeln. Innerhalb von einigen Sekunden, zeigt Google zahlreiche Seiten an. Doch bei jedem Suchvorgang wird erstaunlich viel Energie verwendet und es entstehen CO2-Emissionen.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Alternativen, um den eigenen CO2-Abdruck so gering wie möglich zu halten und etwas für die Umwelt zu tun. Man kann sich vegetarisch oder vegan ernähren, auf Plastikstrohhalme, -taschen und -flaschen und Co. verzichten. Aber gibt es auch umweltschonende Suchmaschinen, oder muss man wieder in alten verstaubten Enzyklopädien nachschlagen? – Nein, zum Glück müssen wir das nicht! Wir stellen euch heute hier einige grüne Alternativen zu Google, Yahoo und Bing vor.

Ecosia

Ecosia neutralisiert die CO2-Emissionen, die bei der Suche entstehen. 80 Prozent der Werbeeinnahmen werden an gemeinnützige Naturschutzorganisationen gespendet. Seit 2014 spendet Ecosia die Einnahmen an das „Greening The Desert“- Projekt von WeForest, das in Burkina Faso Bäume pflanzt. Mit jeder Suchanfrage über Ecosia könnt ihr euch daran beteiligen, dass dort Bäume gepflanzt werden. Ecosia gibt an, jede Sekunde einen Baum zu pflanzen; es wurde mittlerweile schon die 60 Millionen Marke geknackt. Zudem sollen diese Bäume bereits 2,5 Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gefiltert und neutralisiert haben.

EcoSearch

Auch die Suchmaschine EcoSearch unterstützt das Spenden an verschiedene Non-Profit Organisationen. 100 Prozent der Gewinne werden an Organisationen wie Rainforest Alliance oder Tree-People gespendet.

WeGreen und Umlu

WeGreen und Umlu sind Suchmaschinen, welche die Ergebnisse danach filtern, wie grün die Anbieter sind. Bei WeGreen werden die Suchergebnisse danach bewertet, wie ökologisch, fair und transparent Unternehmen, Marken und Produkte sind. Die umweltfreundlichsten Ergebnisse werden bei WeGreen und Umlu ganz oben angezeigt. Zudem spendet WeGreen 15 Prozent der Werbeeinnahmen an wohltätige Projekte.

Doch nicht nur Google, Yahoo und Bing sind umweltbelastend, jede Internetnutzung stößt CO2 aus. Forschern zufolge stößt das Internet bereits mehr CO2 aus, als Flugreisen. Bis 2030 könnte der Anteil am weltweiten Treibhausgasaustoß von aktuell knapp vier Prozent sogar auf acht Prozent ansteigen.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr mehr zum Thema Carsharing.

Beitragsbild: rawpixel.com bei Pexels
Banner: Jonathan Dehn