Und die Welt steht still, hier im Hinterwald – Teil 2: Rügen

Und die Welt steht still, hier im Hinterwald – Teil 2: Rügen

So soll es laut Silbermond an der B96 in Sachsen sein, und so scheint es auch hier, im Norden der B96. Mecklenburg-Vorpommern ist eine einsame, alte, eingeschlafene Gegend, aber keinesfalls leer und tot. MV ist reich an Kultur und Geschichte, an ruhigen weiten Feldern, stürmischen Küsten und tiefen Wäldern. Zahlreiche Ideen für Ausflugsziele für alle, die eine Auszeit vom Unialltag brauchen und denen langsam die Prokrastinationsmöglichkeiten ausgehen.

Wenn die Tage sonniger werden und die Temperaturen steigen, wenn der Unistress vergessen werden soll und man an einem Wochenende einmal wirklich freimachen kann, dann ist es Zeit für einen Ausflug. Rügen ist bei den Deutschen Urlaubsort Nummer eins, aber genauso lohnt es sich, die Insel nur für einen eintägigen Kurztrip zu besuchen. Durch die Rotbuchenwälder spazieren, Eis essen in Bergen, abends rüber fahren nach Ummanz, um dort am Strand die Sonne direkt vor sich untergehen zu sehen. Rügen steht für Natur und Kultur, kleine Dörfer und Städte voller Tradition und eine weit zurückreichende, bedeutende Geschichte.

In einem ersten Teil wollen wir euch bereits einige der Orte zeigen, bei denen sich ein Besuch durchaus lohnen könnte. Natürlich bleibt es nicht dabei. Rügen ist zu groß und zu abwechslungsreich, um alles auf einmal vorzustellen. Darüber hinaus bietet es sich auf Rügen wohl am ehesten an, einfach das Fahrrad mitzunehmen und die Insel selbst zu entdecken. Gerade abseits der Hauptstraßen, über holprige Feldwege hinweg, durch die tiefen Wälder hindurch oder an der Küste entlang, stößt man dabei immer wieder auf Neues und Unerwartetes – kleine Dörfer voller Reetdachhäuser, Wälder, die plötzlich in eine Steilküste münden, Hügel- und Hünengräber verstreut im Land, als Zeugen längst vergangener Kulturen.

Sonnenuntergang auf Ummanz

Anbindung

Tatsächlich ist es relativ simpel und lohnenswert, sich auf Rügen mit dem Fahrrad fortzubewegen. Nicht nur, weil das Fahrrad Flexibilität erlaubt und es wesentlich einfacher macht, spontan an schönen Stellen zu halten, auch wenn gerade keine Parkfläche in der Nähe zu sein scheint. Rügen ist zwar die größte Insel Deutschlands, aber mit rund 51 km Länge und 43 km Breite trotzdem nicht so groß, dass man nicht zumindest von den Bahnhöfen aus das meiste bequem mit dem Fahrrad erreichen kann. Die Hauptzugstrecke auf Rügen führt einmal quer über die Insel, von Stralsund nach Sassnitz. Von Bergen zweigt außerdem die Bahn Richtung Lauterbach ab, von Lietzow gibt es auch eine Strecke Richtung Binz. Wer zu Fuß unterwegs sein möchte, kann auch auf ein gut ausgebautes Busnetz zurückgreifen.

Lietzow

Die bereits erwähnte Gemeinde Lietzow ist aber nicht nur wegen ihres Bahnhofs interessant. Über dem Ort thront ein kleines „Schlösschen“, bei dem es sich eigentlich gar nicht um ein Schloss handelt, sondern um einen Kunstbau, eine kleine Kopie des Schlosses Lichtenstein in Baden-Württemberg. Hübsch ist es trotzdem. Am Fuß des Berges, am Rand von Lietzow, schließen sich erst ein Wald und dahinter eine niedrige Steilküste und das Meer an. Im Sommer kann man hier am steinigen Strand baden gehen, an kühleren Tagen bietet sich das Ufer aber auch einfach nur zum Spazieren an. Popularität erlangte Lietzow aber vor allem durch die mehr als 6000 Jahre alten Werkzeuge und Waffen aus Feuerstein, die hier gefunden wurden. Die Kultur, aus der sie stammen, ist unter Historiker*innen dementsprechend als Lietzow-Kultur bekannt. Die Fundstücke sind nicht einfach nur alt. Sie sind die ältesten Beweise Rügens für eine sesshaft gewordene Gesellschaft, die hier ausreichend Rohstoffe und Nahrung vorfand, um sich niederzulassen und die ersten Siedlungen zu errichten.

Feuersteinfelder bei Neu Mukran

Fährt man von Lietzow aus nach Osten, kommt man schon nach kurzer Zeit zu den Feuersteinfeldern. Mit dem Fahrrad sind sie nur etwa 6 km von Lietzow entfernt, wer mit dem Auto kommt, kann an dem Parkplatz an der Straße zwischen Prora und Neu Mukran halten und muss von dort aus nur noch ein kleines Stück von etwa 2 km zu Fuß durch den Kiefernwald laufen. Die Feuersteine wurden vor etwa 4000 Jahren durch starke Sturmfluten angespült und hier zu gigantischen Wällen aufgetürmt – auf einer Fläche von rund 350 bis zu 2000 Metern sowie mehreren Metern Höhe. Begehbar ist heute nur ein geringer Teil davon, das meiste liegt unter Sand und Kiefern begraben.

Wenn man sich an heißen Tagen vor den Kreuzottern vorsieht, kann man sich hier auf einen wunderschönen Spaziergang freuen, über die schwarz-weißen knirschenden Steine hinweg, durch Wacholder, Heidekraut, Heckenrosen und Obstbäume hindurch. Mit etwas Glück findet man vielleicht sogar einen Hühnergott. Den Steinen wurde früher übrigens wirklich eine gottgleiche Wirkung nachgesagt – man legte sie den Hühnern mit in die Nester, weil man glaubte, die Tiere würden dann gesünder bleiben und mehr Eier legen.

Woorker Berge

Von Lietzow aus in die andere Richtung, nur wenige Kilometer im Westen, liegt Ralswiek. In den 1970er und 80er Jahren wurden bei dem kleinen Dorf vier alte Holzboote aus dem frühen Mittelalter gefunden, die den Beweis für einen aktiven Handel mit den Wikingern liefern. Heute ist Ralswiek vor allem für seine Störtebeker Festspiele bekannt, aber genauso bietet sich die Stadt für einen Spaziergang an – zum Beispiel vom Hafen aus den Hügel hinauf durch den Landschaftspark hindurch, bis man zum Ralswieker Schloss gelangt.

Wer von Ralswiek aus der Straße Richtung Westen folgt, kommt nach etwa 3 km aus dem Wald heraus auf ein Feld, auf dem sich die sogenannten „Woorker Berge“ befinden. Vor allem mit dem Auto sind sie schwer zu finden. Wer sich Woorke von Süden aus nähert, muss darauf achten, am Ort nach links abzubiegen. Nach einem kurzen Weg über eine landwirtschaftlich genutzte Straße aus Steinplatten hinweg, tauchen die Hügel schließlich auf der rechten Seite auf.

Bei den „Woorker Bergen“ handelt es sich nicht wirklich um Berge. Die 14 Hügel sind künstlich aufgeschüttet worden, während der Bronzezeit vor etwa 3500 Jahren, als Begräbnisstätten. Wegen der kostbaren Grabbeigaben wurden viele der Hügelgräber aber schon vor langer Zeit geplündert. Andere wurden abgetragen, um dem Straßennetz oder der Landwirtschaft Platz zu schaffen. Zwar sind auf Rügen noch immer mehrere Hundert Hügelgräber erhalten, diese stehen aber oft so vereinzelt oder sind so sehr von einem Wald verborgen, dass man sie schnell übersehen kann. Hier bei Woorke dominieren sie die Landschaft. Lässt man Auto oder Fahrrad einfach stehen und erkundet zu Fuß die Gegend, steht man – zumindest im Sommer – vor einem beeindruckenden Anblick von gelben Rapsfeldern, aus denen sich hier und dort die bewaldeten Hügel erheben, als lebendige Zeugen vergangener Kulturen.

Bergen auf Rügen

Etwa 10 km südöstlich von Woorke stößt man auf einen richtigen Berg, der einen der wohl schönsten Ausblicke über ganz Rügen bietet. 1875 wurde der hier auf dem Rugard zu Arndts 100. Geburtstag errichtete Ernst-Moritz-Arndt-Turm fertiggestellt. Gegen ein kleines Entgelt von 2 € bzw. 1,50 € für Studierende ist es möglich, den Turm zu besteigen – im Sommer einfach beim Turm selbst, in den kälteren Monaten wird einem der alte, klobige Turmschlüssel auf Nachfrage hin im angrenzenden Hotel überlassen. Die Aussicht ist atemberaubend und reicht von der Kuppel aus und bei gutem Wetter von Stralsund bis zu den Kreidefelsen. Inmitten von Rügen zu stehen und die gesamte Insel überblicken zu können – ein wenig verschafft es einem ein Gefühl davon, wie es sich zu slawischen Zeiten angefühlt haben muss, als hier auf dem Rugard, der Burg der Rygir oder Rugier, noch eine Wallburg stand.

Das älteste noch erhaltene geschichtliche Vermächtnis Bergens ist wohl die Marienkirche. Die slawischen Ranen, die Rügen noch bis zum 12. Jahrhundert beherrschten, konnten erst 1168 endgültig vom Dänenkönig Waldemar I. unterworfen werden. Es gelang den dänischen Truppen dabei nicht nur, die Jaromarsburg am Kap Arkona zu zerstören, sondern auch, die Ranen zur Christianisierung zu drängen. Klöster wie das Kloster in Eldena führten die Missionierungen aus, daneben stiftete Waldemar I. Geld für die Errichtung von insgesamt 12 Kirchen. Mit dem Bau der ersten davon, der Bergener Marienkirche, wurde 1180 begonnen.

Dass die Kirche so alt ist, merkt man ihr beim Betreten sofort an. Der gotische Bau, in den romanische und über die Zeit hinweg auch barocke Elemente eingearbeitet wurden, strahlt eine gewisse Macht und Größe aus, man wird ehrfurchtsvoll und fühlt sich geradezu in die Zeit zurückversetzt. Populär ist die Marienkirche aber nicht unbedingt für ihre imposante Ausstrahlung geworden, sondern vor allem für das Uhrenziffernblatt an der Nordseite – bei einer Restaurierung 1983 wurde hier nämlich anstatt der Löcher für die üblichen 60 Minuten ein 61. Loch gebohrt.

Aber ein Tagesausflug nach Bergen ist auch ganz unabhängig von überschüssigen Minuten keine Zeitverschwendung. Rund um den Marktplatz, der als Parkfläche dient, ragen Giebelfassaden im Historismus und Jugendstil auf, im neben der Marienkirche gelegenen ehemaligen Zisterzienserinnenklosters befindet sich heute ein Stadtmuseum, in dem gegen 2 € Eintritt Exponate aus Rügens Ur- und Frühgeschichte besichtigt werden können. An heißen Sommertagen laden auch die Cafés und Eisdielen der Stadt ein – vielleicht gibt es bei einigen davon sogar ungewöhnliche Schätze zu entdecken, wie eine große Eisenbahnmodellanlage im Hinterhof.

Putbus

Von Bergen aus ist schließlich auch Putbus, eine andere größere Stadt Rügens, nicht mehr allzu weit entfernt – rund 8 km Richtung Süden mit dem Fahrrad bzw. 9 km mit dem Auto. Bis 1815 waren Rügen und Hiddensee noch schwedisch, erst nach dem Wiener Kongress gingen sie an Preußen über. Vielleicht war es dem preußischen Beamtentum geschuldet, dass schon kurze Zeit darauf viele Städte Rügens zu Kurorten ausgebaut wurden. 1816 wird Putbus zum ersten Seebad Rügens. In den darauf folgenden Jahren wurde die Stadt unter Fürst Wilhelm Malte I. zu einer fürstlichen Residenzstadt ausgebaut. Als „Stadt der Rosen“ oder „Weiße Stadt“ bekannt, wurde viel Wert darauf gelegt, Putbus vor allem für vornehme Sommergäste attraktiv zu gestalten.

Eindrucksvoll ist das noch immer am Circus zu erkennen, dem Mittelpunkt der Stadt. Der kreisrund angelegte Platz ist von strahlend weiß gestrichenen Häusern umgeben, vor denen unzählige Rosenbüsche gepflanzt wurden. In symmetrischer Anordnung führen acht Wege auf den Obelisken im Zentrum des Platzes zu, der 1845 errichtet wurde und an den Stadtpromi Fürst Malte I. erinnern soll.

Bereits in Aufzeichnungen aus dem 14. Jahrhundert ist belegt, dass eine Burg in Putbus den Grafen von Putbus als Herrschaftssitz diente. Von der Burg ist heute aber nichts mehr erhalten – sie wurde schon kurz nach 1600 zu einem Schloss umgebaut. Aber auch von dem Schloss ist kaum mehr was übrig – erst wurde es 1865 von einem Feuer zerstört, dann riss man den Neubau nur 100 Jahre später unter der DDR-Regierung ab.

Heute ist von der alten Fürstenresidenz nur noch die Schlossterrasse und der umliegende Schlosspark erhalten, aber ein Besuch lohnt sich trotzdem. Wer sich auf die Suche nach den noch immer im Park verstreut liegenden Zweckbauten macht, kann zum Beispiel das Mausoleum, das Affenhaus oder den Marstall entdecken. Im Affenhaus befindet sich heute ein Puppen- und Spielzeugmuseum, der Marstall wird für Konzerte genutzt. Die Schlosskirche wurde eigentlich als Salon zum Spielen, Tanzen und Feiern für die adlige Gesellschaft errichtet und erst 1891 zur Kirche umgebaut. Die ehemalige Villa Löwenstein wird heute als Rosencafé genutzt, in der Orangerie sind regelmäßig wechselnde Kunstwerke ausgestellt. Von dem Fasanenhaus am Schwanenteich ist nur noch eine Ruine geblieben.

Wer vom Circus aus gesehen den ganzen Park einmal durchquert, kommt am Ende beim Wildgehege heraus. Die etwa 8 Hektar große Anlage bietet seit ihrer Eröffnung 1833 Rot- und Damwild ein Zuhause. Wer nach einem Parkspaziergang noch eine Abendbeschäftigung sucht, kann einen Blick in den Theaterspielplan des Theaters Vorpommern werfen. Und wenn die Sonne danach noch nicht ganz versunken ist, lohnt sich auch ein Ausflug an den nur 3 km entfernten Strand von Neuendorf, um im weichen Sand oder im warmen Wasser entspannt den Tag ausklingen zu lassen.

Bilder: Julia Schlichtkrull, Franziska Schlichtkrull

retro.kolumne: Akte X

retro.kolumne: Akte X

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern, stammen sie und sind vielleicht ja doch noch ein Guilty Pleasure des ein oder anderen. Dieses Mal mit dem Thema: Akte X

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1993. Dies sind die Abenteuer der FBI Agentin Dana Scully und dem Agenten Fox Mulder, die in Verschwörungen vordringen, die noch nie ein Dr. Axel Stoll-Anhänger gesehen hat. So oder so ähnlich könnte das vermeintliche Intro der Mystery Kultserie Akte X beginnen, hätte es nicht das vermutlich ikonischsten Intro-Theme ever. Wäre dies hier nicht ein stummer Artikel, sondern eine akustische Review, wäre natürlich nichts passender gewesen, als eben mit dem von Mark Snow komponierten Intro-Song zu beginnen. Selbst jene, die noch nie eine Folge der Serie gesehen haben, kennen wenigstens das Intro, welches wie kaum ein anderes Theme bis heute für Mysterien und Verschwörungen steht. Doch die wahren Helden von Akte X sind selbstverständlich die FBI Agent*innen Mulder und Scully. Jene Agent*innen, die für die Aufklärung verschiedenster ungelöster mysteriöser Fälle des FBI in den USA kämpfen, selbst wenn sie dafür ihre Karriere oder sogar ihr Leben aufs Spiel setzen müssen. Dabei stellen sich ihnen nicht nur finstere Mächte wie Außerirdische, Monster oder sogar vermeintliche Vampire in den Weg, sondern hin und wieder auch eine US-amerikanische Regierung, der man noch zutrauen würde, zu vertuschen, zu manipulieren und Verschwörungen auszuhecken.

Bei der heutigen Administration scheint die Vorstellung solcher Kompetenzen doch eher unglaubhaft. Wohl auch ein Grund weswegen Akte X in einer Neuauflage von 2016-2018 gefloppt ist.

Für mich, als junger und zugegeben sehr leicht zu erschreckender 10-Jähriger, war Akte X so unfassbar gruselig, dass ich meist nie über die erste Werbepause hinwegkam. Als nun irgendwann zumindest körperlich gereifter Mann versuchte ich es später noch einmal, denn die Faszination hat mich dennoch nie losgelassen. Auch lange nach der ersten Ausstrahlung 1993 muss ich zugeben, dass die eine oder andere Folge bis heute meinen Herzschlag beschleunigt. Denke ich da zum Beispiel an die Folge „Das Nest“ (S1;F2) in der das Monster der Woche sich von menschlichen Lebern ernährt. Dabei erhält der „Feinschmecker“ durch diesen kulinarischen Trick nicht nur die Möglichkeit sein Leben stark zu verlängern, sondern ist auch selbst durch eine Mutation in der Lage, sich durch die kleinsten Öffnungen zu quetschen und seinen Körper stark zu deformieren bzw. zu verlängern. Da kann selbst Dr. Hannibal Lecter einpacken. In den voller Spannung, etwas Witz und mit einer kleinen Portion Ironie inszenierten Folgen ist es diese Mischung aus Reed Richards alias Mister Fantastic von den Fantastischen Vier und Dracula, die mich noch heute an den Bildschirm fesseln.

Als kleiner Funfact sei nebenbei erwähnt, dass der Schauspieler Doug Hutchison, der das wendige Leckermäulchen spielt, eigentlich Vegetarier ist.

Jedoch müssen unsere wackeren FBI Helden, wie bereits erwähnt, nicht nur gegen irdische Kostverächter antreten. Der Fokus der Reise der beiden Ermittler*innen liegt eindeutig bei der Aufklärung der groß angelegten Verschwörung, die offenbar bis ganz nach oben reicht. Das ist hier unter anderem wörtlich zu verstehen. Denn vor allem Mulder, der neben seiner Passion für Erotikmedien auch von der Existenz von Aliens überzeugt zu sein scheint, hat sich vorgenommen, diese Existenz auch zu beweisen. Dabei steht dem unengagierten FBI Agenten „Spooky“ Mulder eine nicht minder fähige, aber doch um einiges skeptischere Partnerin mit dem Namen Skully zur Seite. Gemeinsam begibt sich das ungleiche Duo auf eine mysteriöse und gefährliche Reise. Als Zuschauer fragt man sich derzeit eigentlich immer nur zwei Dinge. Warum schaut Skully immer im unpassendsten Moment weg und entgeht somit vielen Auflösungen der Fälle, und wann küssen sich beide endlich?

Wer sich diese Fragen beantworten möchte, kann sich noch heute auf diese mysteriöse Reise begeben, denn die Serie, die insgesamt acht gute und drei mittelmäßige Staffeln zu bieten hat, ist auch heute noch sehr sehenswert. Wenn ihr also nichts gegen den einen oder anderen frustrierenden Moment habt und euch eine nicht nur böse, sondern auch intelligente US-Regierung vorstellen könnt, dann schaut doch mal rein in die Akte X.

Titelbild von Martin Str auf Pixabay

Grüne Suchmaschine

Grüne Suchmaschine

Die Redakteur*innen der moritz.medien haben sich schon immer einen Kopf um unsere Umwelt gemacht und darüber berichtet. In unserer neuen Kolumne erzählen wir euch, was wir über das Thema Nachhaltigkeit denken und geben euch viele hilfreiche Tipps, um euer Leben (noch) nachhaltiger zu gestalten.

Google ist aus meinem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Durch einen Mausklick kann ich schnell und unkompliziert die Öffnungszeiten meines Lieblingsrestaurants nachschauen, oder Informationen für das nächste Referat sammeln. Innerhalb von einigen Sekunden, zeigt Google zahlreiche Seiten an. Doch bei jedem Suchvorgang wird erstaunlich viel Energie verwendet und es entstehen CO2-Emissionen.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Alternativen, um den eigenen CO2-Abdruck so gering wie möglich zu halten und etwas für die Umwelt zu tun. Man kann sich vegetarisch oder vegan ernähren, auf Plastikstrohhalme, -taschen und -flaschen und Co. verzichten. Aber gibt es auch umweltschonende Suchmaschinen, oder muss man wieder in alten verstaubten Enzyklopädien nachschlagen? – Nein, zum Glück müssen wir das nicht! Wir stellen euch heute hier einige grüne Alternativen zu Google, Yahoo und Bing vor.

Ecosia

Ecosia neutralisiert die CO2-Emissionen, die bei der Suche entstehen. 80 Prozent der Werbeeinnahmen werden an gemeinnützige Naturschutzorganisationen gespendet. Seit 2014 spendet Ecosia die Einnahmen an das “Greening The Desert”- Projekt von WeForest, das in Burkina Faso Bäume pflanzt. Mit jeder Suchanfrage über Ecosia könnt ihr euch daran beteiligen, dass dort Bäume gepflanzt werden. Ecosia gibt an, jede Sekunde einen Baum zu pflanzen; es wurde mittlerweile schon die 60 Millionen Marke geknackt. Zudem sollen diese Bäume bereits 2,5 Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gefiltert und neutralisiert haben.

EcoSearch

Auch die Suchmaschine EcoSearch unterstützt das Spenden an verschiedene Non-Profit Organisationen. 100 Prozent der Gewinne werden an Organisationen wie Rainforest Alliance oder Tree-People gespendet.

WeGreen und Umlu

WeGreen und Umlu sind Suchmaschinen, welche die Ergebnisse danach filtern, wie grün die Anbieter sind. Bei WeGreen werden die Suchergebnisse danach bewertet, wie ökologisch, fair und transparent Unternehmen, Marken und Produkte sind. Die umweltfreundlichsten Ergebnisse werden bei WeGreen und Umlu ganz oben angezeigt. Zudem spendet WeGreen 15 Prozent der Werbeeinnahmen an wohltätige Projekte.

Doch nicht nur Google, Yahoo und Bing sind umweltbelastend, jede Internetnutzung stößt CO2 aus. Forschern zufolge stößt das Internet bereits mehr CO2 aus, als Flugreisen. Bis 2030 könnte der Anteil am weltweiten Treibhausgasaustoß von aktuell knapp vier Prozent sogar auf acht Prozent ansteigen.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr mehr zum Thema Carsharing.

Beitragsbild: rawpixel.com bei Pexels
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Die ganze Welt ist eine Bühne

Die ganze Welt ist eine Bühne

Unter diesem Motto kommt russische Kultur nach Greifswald – und das gleich dreimal!

Das Theater-Studio der staatlichen Universität St. Petersburg kommt nach Greifswald und präsentiert mit Hilfe der Greifswalder*innen die russische Kultur und Theater.

„Das majestätische Wort“ macht den Auftakt. Der Slawistikchor unserer Uni „Choryllisch“ beginnt mit einem musikalisch-poetischen Abend. Am Mittwoch (26.06.) beginnt das Spektakel um 20 Uhr in der Freien Waldorfschule (Hans-Beimler-Straße 79-83). Es werden russische Gedichte aus dem 19. Jahrhundert, u.a. von A. S. Puschkin und M. J. Lermontov inszeniert.

Das Titelstück „Die ganze Welt ist eine Bühne“ ist ein Theaterspiel, frei nach russischen Autoren inszeniert. Das führen die russischen Studierenden des Theater-Studios aus St. Petersburg in russischer Sprache auf. Und zwar wieder in der Waldorfschule, am 27.06. um 19 Uhr.

Ein weiteres majestätisches Wort wird es am Freitag (28.06.) um 18 Uhr in der Aula der Universität (Domstr. 11, Eingang 2, 1. OG) geben. Dort führt zuerst die Theatergruppe des Greifswalder Slawistik-Instituts ein Stück frei nach dem Werk „Verstand schafft Leiden“ von A. S. Gribojedow auf. Gefolgt wird die Aufführung von einem Schauspiel des Theater-Studios aus St. Petersburg mit „Das majestätische Wort“. Regie führen M. Dulchenko und M. Sadovnikov und die Choreografie inszenierte N. Kozlov.

Kommt gerne vorbei, der Eintritt ist frei! Lernt die russische Kultur mal ganz anders kennen – als Theater!


Auf den Ruinen von Eden

Auf den Ruinen von Eden

Unsere Welt muss nachhaltig werden – diese Aufgabe hat die UNO der Menschheit gestellt. Das ist sehr inspirierend, doch unglaublich schwierig, und wahrscheinlich unmöglich unter den Bedingungen des Kapitalismus, der die Menschen zwingt, immer mehr und immer schneller zu konsumieren. Aber was ermutigt uns, an das Unmögliche zu glauben? Wir selbst! Genauer gesagt: das Beispiel der*diejenigen unter uns, die sich unter den widrigsten Umständen bemühen, die Welt zum Besseren zu verändern!

Ein Gastbeitrag von Danil Utyupin (Umweltjournalist aus Kasachstan).

Im Laufe der ganzen Geschichte träumten die Menschen von einer besseren Welt, als jener, die sie hatten. Diese imaginäre Welt wurde manchmal in der Vergangenheit angesiedelt, die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies oder dem Goldenen Zeitalter wachrufend, in dem die Menschen weder Krankheiten noch Hunger noch Kriege kannten und in duftenden Gärten mit den Göttern zechten. Manchmal wurde diese imaginäre Welt auch in die Zukunft projiziert, die dank wissenschaftlichem und technischem Fortschritt den Menschen Glück bringen sollte. Die Menschheit brachte viele Ideen hervor, die unsere Welt hätten perfekter machen sollen. Einige von ihnen blieben reine Abstraktionen, andere führten zu Massensterben und Tragödien, und wieder andere konnten das Leben der Menschen wirklich verbessern.

Wortspiel

Im laufenden Jahrhundert ist die Idee der „nachhaltigen Entwicklung“ zu einem Leitziel für die Menschheit geworden. Das steht für eine sorgfältige Haltung gegenüber dem Planeten, auf dem wir leben, und das harmonische Zusammenleben all seiner Bewohner. Kasachstan gehört zu den Ländern, die diese Idee verbal unterstützen. 2006 wurde das Konzept des Übergangs der Republik Kasachstan zu einer nachhaltigen Entwicklung für den Zeitraum 2007-2024 gebilligt. Und alle waren begeistert! Man verfasste muntere Artikel, laute Slogans erklangen, man führte Stammtische und Workshops durch. Dann stellte sich jedoch heraus, dass es viel schwieriger ist, dieses Modell ins Leben hineinzutragen, als darüber zu sprechen. Man konnte hören, dass die nachhaltige Entwicklung eine Art Utopie sei und Kasachstan darauf verzichten könne. Und so lange wie das Land über viele natürliche Ressourcen verfügt, müsse man diese Situation maximal nutzen. Im Jahr 2011 wurde das Konzept der nachhaltigen Entwicklung leise abgesagt. Stattdessen wurde das weniger ehrgeizige Konzept des „Übergangs“ zu einer “grünen Wirtschaft” gebilligt. Doch der Begriff „nachhaltig“ ist in Kasachstan in Gebrauch gekommen und wird in verschiedenen Kontexten benutzt. Das Wort „nachhaltig“ kann in Kasachstan folgendes bedeuten: 1) stabil, dauerhaft 2) umweltfreundlich 3) stetig, fortwährend 4) widerstandfähig, unerschütterlich, mit Nachdruck.

Die Zerstörung der Natur kann auch stabil sein. Und es scheint, diese ist in Kasachstan tatsächlich stabil. Glücklicherweise finden einige positive Veränderungen statt, auch wenn sie noch klein sind. Alternative Energien und Abfallrecycling entwickeln sich, die Zahl der Autos mit weniger toxischen Emissionen nimmt zu. Es steigt die Zahl der Fahrräder und Elektroscooter auf den Straßen. Umweltmessen und Umweltmärkte werden abgehalten. Am wichtigsten ist aber, dass die Zahl der Menschen wächst, die sich für den Umweltschutz engagieren. Dies betrifft hauptsächlich große Städte – Almaty, Astana, Karaganda, Ust-Kamenogorsk, Shymkent, Pavlodar, Temirtau. Früher wurden diese Ideen in der Gesellschaft entweder gleichgültig oder ironisch wahrgenommen, in letzter Zeit jedoch immer mehr mit Verständnis und Freude.

Ende und Beginn des Goldenen Zeitalters

Zu den Problemen, die in letzter Zeit in kasachischen Städten, aber vor allem für Almaty, immer akuter geworden sind, gehören die Bebauung von Baulücken und die Reduktion der Grünflächen und Erholungszonen in der Stadt und in ihrer Nähe. In der Sowjetzeit wurden Städte nach einem allgemeinen Plan errichtet, der zusammen mit Wohnanlagen und Betrieben den Bau von sozialen Einrichtungen (Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Kulturzentren, Schwimmbädern, Sportplätzen) und auch Grünflächen, manchmal sogar Wasserbassins vorschrieb. Aber mit der Ankunft des wilden Kapitalismus entdeckten die Beamten der Stadtverwaltungen die Gelegenheit, den Unternehmern Grundstücke für den Bau von Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren und Businesszentren zu verkaufen, dort, wo eigentlich Grünflächen und Erholungszonen waren oder sein sollten.

Die größte Stadt in Kasachstan ist Almaty – die ehemalige Hauptstadt. Sie befindet sich am Fuße des Trans-Ili Alatau-Gebirges. Diese Region gilt als Geburtsort der wilden Urformen von Äpfeln und Tulpen und als Anbaugebiet einer legendären Apfelsorte – dem Aport. Noch vor kurzer Zeit waren die Apfelplantagen in den Vorgebirgen die Hauptsehenswürdigkeit und das Lieblingserholungsgebiet von Einwohnern und Gästen. Die Leute wollten ihre Freizeit dort wie unbeschwerte Menschen aus dem Goldenen Zeitalter verbringen. Aber ihr Goldenes Zeitalter endete, als diese Gebiete in private Hände verkauft wurden. Und für andere Menschen begann ein Goldenes Zeitalter. Die Apfelplantagen wurden abgeholzt und an ihrer Stelle erschienen Villen, Hotels, Restaurants, Golfplätze. Gewöhnliche Menschen waren empört, konnten aber nichts dagegen tun. Es waren so mächtige Personen beteiligt, dass selbst die Generalstaatsanwaltschaft nicht in der Lage war, etwas zu unternehmen. Im Ergebnis wurden fast alle Vorberge in der Nähe von Almaty in private Hände überführt und bebaut. Einer der wenigen Orte zum Entspannen, der noch unbebaut ist, heißt Plateau «Kok-Zhailau», das kann aus der kasachischen Sprache übersetzt werden mit „himmlische Weide“. Dieser Ort ist sehr beliebt bei Menschen, die Wert auf unberührte Natur legen und sich vom städtischen Lärm und Stress erholen möchten. 

Aber die Stadtverwaltung will dort ein Bergresort mit Skipisten, Seilbahn, Umspannwerk, Straßen, Restaurants, Hotel und einem künstlichen See für die Beschneiung errichten, und das in einem erdbebengefährdeten Gebiet. Dies soll dem Tourismus und Skisport in der Region starke Impulse verleihen, behaupten die Lobbyist*innen des Resorts. Obwohl man schon heute die Klimaveränderung und extreme Wetterphänomene in der Region beobachten kann und auch die Luftverschmutzung für Almaty ein immer größeres Problem darstellt – über der Stadt hängt dichter, giftiger Smog. Eine weitere Bebauung des Gebirges würde die Situation nur verschlechtern. Das alles interessiert die Lobbyist*innenen jedoch nicht. Doch kasachische Umweltaktivist*innen haben eine Gegenbewegung geschaffen: «Schützen wir Kok-Zhailau!». Die Vertreter*innen dieser Bewegung wollen den Bau des Resorts verhindern und dieses Plateau den nächsten Generationen intakt übergeben: ohne Gebäude, Betonstraßen und elektrische Leitungen. So verstehen sie nachhaltige Naturnutzung und nachhaltigen Tourismus. 

Komische Dinge

Die Umwidmung von Grundstücken, einschließlich derjenigen, die zu Naturschutzgebieten gehören, wurde in Kasachstan mehr als einmal durchgeführt und hatte keine ernsthaften Konsequenzen für die Beteiligten. Eine Welle von Empörungen stieg an, aber nach einer Weile ließ sie nach, und die Aktivist*innen wechselten wieder zu anderen Aufgaben. Diesmal verläuft jedoch alles anders. Kok-Zhailau fand zahlreiche Beschützer*innen sowohl in Kasachstan als auch im Ausland. Darunter ist Professor Michael Succow, der 2013 mit seinen Kolleg*innen aus Greifswald Almaty und die „Himmlische Weide“ besuchte. Sie alle weisen auf den einzigartigen ökologischen Wert dieses Plateaus und die Risiken für die Stadt hin, die der Bau des Resorts mit sich bringen würde. Auf diesem Plateau und in seiner Nähe wachsen Pflanzen (Siewers-Apfel, Wildaprikose, Ostrovski-Tulpe, Albert-Iris usw.) und leben Tiere (Schneeleopard, Turkestan-Luchs, Steinmarder, Steinadler usw.), die in der Roten Liste Kasachstans und des IUCN aufgeführt sind. Aber gegen die Naturschützer arbeitet eine Staatsmaschinerie unter Nutzung der Verwaltungsressourcen, regierungsnaher Medien und Berater daran, die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Seitens der Lobbyisten des Resorts wird an die Gesellschaft die Idee herangetragen, dass der Bau des Resorts auf jeden Fall schon unweigerlich beschlossen sei, Widerstand sich nicht lohne und es für die Aktivist*innen besser sei, sich anderen Aufgaben zu widmen. Tatsache ist, dass es Umweltaktivisten in Kasachstan selten gelingt, die Staatsmaschine zu besiegen. Und jeder weiß, dass es unglaublich schwierig ist, die Staatsmaschine in Kasachstan zu besiegen.  Aber dieses Mal kann man etwas Neues beobachten: Die Umweltaktivist*innen haben nicht vor, aufzugeben und zu anderen Problemen zu wechseln. Sie wollen Kok-Zhailau unbedingt vor Bebauung schützen, oder mit anderen Worten: Das fast Unmögliche tun. Wie schon oben erwähnt: Das Wort «nachhaltig» in Kasachstan bedeutet nicht nur umweltfreundlich, sondern auch widerstandsfähig, unerschütterlich. Diese Bezeichnungen können zu Recht auf die Verteidiger*innen von Kok-Zhailau angewandt werden. In ihrem Kampf geht es nicht „nur“ um Naturschutz, sondern auch um Zivilgesellschaft und moralische Werte sowie Beständigkeit im Allgemeinen. Und wenn sie Erfolg haben, kann das Land in jedem Sinne nachhaltiger werden und einen Schritt in Richtung einer grünen, nachhaltigen und strahlenden Zukunft machen.

Den Artikel findet ihr nochmal im moritz.magazin 139 mit mehr Infos zum Autoren Danil und dem Umweltthema in Kasachstan. Weitere Infos zum Projekt, der Central Asian Desert Initiative, gibt es auf dieser Website.

Beitragsbild: Anel Aibassova

Mit dem Motorrad durch die Berge Vietnams

Mit dem Motorrad durch die Berge Vietnams

Nun sitze ich in der Stadt Da Lat in Vietnam gemütlich beim Frühstück in meinem Hostel und warte darauf, abgeholt zu werden. Nur zwei Tage zuvor hatte ich einen schweren Busunfall, den ich glücklicherweise unverletzt überstanden habe. Doch brauchte ich danach erst mal eine Pause von den Reisebussen. Die logische Schlussfolgerung lag also auf der Hand: Weiter ging die Reise hinten auf dem Motorrad eines fremden Mannes.

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