Interview mit Esther Erwin zum Konflikt um den 08. Mai

Interview mit Esther Erwin zum Konflikt um den 08. Mai

Seitdem im November auffiel, dass die für den 08.05. geplante 24h-Vorlesung mit der traditionell aus der Studierendenschaft unterstützten Demonstration gegen die rechtsradikale Vereinnahmung des Gedenkens an die Gewalt und den Massensuizid in Demmin 1945 zusammenfällt, versucht eine Mehrheit im Studierendenparlament (StuPa) den AStA dazu zu bewegen, die 24h-Vorlesung auf einen anderen Tag zu verlegen. Auf der vergangenen StuPa-Sitzung eskalierte die mehr und mehr zugespitzte Auseinandersetzung und führte zum Rücktritt der damaligen AStA-Vorsitzenden Esther Erwin. moritz. hat Esther um ein Interview gebeten, um die Ursachen des Konflikts genauer zu ergründen.

Jonas Meyerhof: Vielen Dank, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast und dass du dabei hilfst an die Ursachen zu kommen, warum zwischen StuPa und AStA wieder alles so schief gegangen ist. Falls du inhaltlich anderer Meinung bist oder auf andere Aspekte lenken willst, dann sag das ruhig.

Im Rahmen der auf beiden Seiten emotional sehr aufgeladenen StuPa-Sitzung am 11.02. kam es zu deinem Rücktritt. Wie ging es dir danach, gab es persönliche Anfeindungen oder Aussprachen?

Esther Erwin: Also danach ging es mir eigentlich ganz gut, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, dass ich damit so ein bisschen einen Abschluss gefunden hatte. Aber ich war tatsächlich etwas traurig dass es dann auch so plötzlich enden musste und dass es dann auch so ein bisschen ausgeartet ist. Und persönliche Anfeindungen gab es dann tatsächlich auch danach, also zumindest eine.

JM: Die unter dem Artikel?

EE: Genau. Also der webmoritz. hatte ja noch einen Artikel in derselben Nacht geschrieben und darunter gab’s dann einen Kommentar, in dem es auch persönliche Beleidigungen gab.

„Naja, vielleicht auch ein bisschen Sturheit auf beiden Seiten, also vielleicht auch von mir .“

JM: Was denkst du, war das Grundproblem, dass eine Einigung zwischen StuPa und AStA verhindert und so zur Eskalation geführt hat und wie könnte der Konflikt gelöst werden?

EE: Also, ich denke eine Konfliktlösung ist jetzt dadurch gefunden, dass die 24h-Vorlesung gar nicht stattfinden wird – also das ist zumindest jetzt mein Standpunkt, ich bin ja jetzt gar nicht mehr in den Sitzungen und so dabei – aber das ist jetzt sozusagen eine Lösung, wenn man das so will. Zum Grundproblem: Naja, vielleicht auch ein bisschen Sturheit auf beiden Seiten, also vielleicht auch von mir. Aber ich steh auch noch zu dem was ich mir da überlegt hatte, das war eben eine Entscheidung, die der AStA schon vor sehr langer Zeit, also jetzt mittlerweile vor einem Jahr, getroffen hat und das StuPa hat das aber – warum auch immer – erst vor drei Monaten mitbekommen und deswegen finde ich es immer noch richtig, was ich gemacht habe.

JM: Einen Tag vor deinem Rücktritt, in der AStA-Sitzung am 10.02., hast du dich noch mit dem StuPa-Präsidium auf den Kompromiss geeinigt, den Termin um einen Tag nach hinten zu verlegen. Am nächsten Tag in der StuPa-Sitzung am 11.02. wolltest du dem nicht zusagen, weil Liliya, die AStA-Beauftragte der 24h-Vorlesung und einige AStA-Referent*innen noch nicht einverstanden waren. Standest du als AStA-Vorsitzende in dem Konflikt zwischen den Stühlen oder warst du auch persönlich der Meinung, dass der Termin nicht verschoben werden sollte?

EE: Ja war ich. Und zu der AStA-Sitzung am Montag, ich weiß nicht ob das irgendwie ein Missverständnis war, aber ich habe auf der AStA-Sitzung gesagt, dass ich diesen Kompromissvorschlag gerne an die Zuständigen weitergeben werde, aber dass wir noch keine Entscheidung treffen können, bevor ich nicht mit den Zuständigen gesprochen hab. Es gibt Leute – also in jedem Fall zwei Leute – die im AStA dafür zuständig sind das alles zu planen und das kann nicht einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden werden. Und das war das, was ich auf der AStA-Sitzung gesagt hatte. Offensichtlich ist das nicht so rübergekommen, oder… ich weiß nicht. Es war eben nur ein Kompromissvorschlag und kein fertiger Kompromiss.

JM: Du hast gesagt, dass auch du dich ein bisschen zu stur verhalten hast. Wie würdest du dich aus heutiger Sicht in dem Streit verhalten? Gibt es etwas, das du vielleicht anders machen würdest?

EE: Ich denke, ich würde es genau so nochmal machen.

JM: Was kann auf Seiten der StuPist*innen, des StuPa-Präsidiums, der AStA-Referent*innen, der moritz.medien oder anderer Gremien besser gemacht werden, damit so ein festgefahrener Konflikt in Zukunft verhindert werden kann?

EE: Ich muss sagen, das StuPa-Präsidium hat sich in dem Konflikt eigentlich sehr angenehm – sage ich jetzt mal – verhalten. Auf der vorletzten StuPa-Sitzung ging es ja auch nochmal um Liliyas Aufwandsentschädigung – und da hat Felix, finde ich, die Sitzung sehr neutral geleitet, also das fande ich alles in Ordnung. Und von den Medien – also ich finde ihr habt immer sehr neutral und sachlich getickert.

JM: Trotzdem gab es ja bis zuletzt keine Annäherung, obwohl das Thema über Monate in StuPa- und AStA-Sitzungen mit Vertreter*innen aus beiden Gremien diskutiert wurde. Warum konntest du dich nicht mit dem StuPa-Präsidium auf eine Lösung einigen, hat die Zusammenarbeit nicht funktioniert?

EE: Naja, also die ganze Sache ist ja jetzt nichts zwischen dem StuPa-Präsidium und mir, sondern eher generell zwischen StuPa und dem AStA, oder mir und den zuständigen Referent*innen. Das grundsätzliche Problem oder was uns am Anfang einfach geärgert hat, war, dass die ganze Sache wirklich erst im Dezember aufkam, obwohl dieses Datum schon so lange feststand und auch schon seit Oktober an dieser 24h-Vorlesung gearbeitet wurde. Da war eben auch das Präsidium auf den AStA-Sitzungen, das immer auf den AStA-Sitzungen da ist – also das ist jetzt nicht unbedingt die Schuld des Präsidiums oder so, das hätten auch andere StuPist*innen sein können, die auf der AStA-Sitzung waren und was hätten sagen könnten.

Die Argumente kommen vielleicht Leuten, die nicht selbst daran mitarbeiten, schwach vor, aber das ist halt für jemanden, der das wirklich praktisch organisieren muss, schon ein Argument.

JM: Die Diskussion gab es ja aber schon im November. Seitdem wirkt es etwas so als ob der AStA die Auseinandersetzung mit dem StuPa gemieden hat. Als Reaktion auf auf den StuPa Auftrag vom 16.11. zu prüfen ob der Termin verschoben werden kann, einen alternativen Termin zu finden und zu beschließen und mit der Hochschulleitung über die Möglichkeit einer Verschiebung der Hochschulinformationstage zu sprechen, hast du in der folgenden StuPa-Sitzung am 10.12. anfangs angegeben, dass der Termin nicht verschoben werden kann. Erst auf Nachfrage haben du und Liliya dann ausgeführt, dass der Termin zwar doch verschoben werden könnte, dass mit den neuen Einladungen aber „unnötiger“ Mehraufwand und eine für Liliya „unangenehme“ Terminverschiebung für Referent*innen einhergehen würde, die bereits zugesagt haben. Bis dahin gab es nach euren Angaben laut StuPa-Protokoll 5, laut StuPa-Ticker 10 Zusagen, davon 5 von internen Referent*innen. Im Verhältnis: für die 24h-Vorlesung im November wurden 35 Vorträge organisiert. Täuscht dieser Eindruck?

EE: Ja, ich finde das täuscht. Also erstmal – so ein Termin kann natürlich theoretisch immer verschoben werden, aber im AStA wird halt dazu gearbeitet und dann ist immer die Frage: wie sinnvoll ist es sowas zu machen, wieviel Mehraufwand bedeutet das und wie peinlich wird das eventuell auch, wenn man den Leuten dann sagen muss: „Entschuldigung wir hatten hier ein bisschen Streit, könnten Sie auch an dem anderen Datum?“ Das ist irgendwie ein bisschen unnötig und eben auch ein viel größerer Aufwand. Wegen der zwei verschiedenen Zahlen: Im Ticker stand 10, das waren wahrscheinlich die Eingeladenen, 5 davon die Zusagen. Also deshalb würde ich sagen, wir sind einer inhaltlichen Diskussion auf keinen Fall aus dem Weg gegangen. Die Argumente kommen vielleicht Leuten, die nicht selbst daran mitarbeiten, schwach vor, aber das ist halt für jemanden, der das wirklich praktisch organisieren muss, schon ein Argument.

JM: Was wäre der Mehraufwand gewesen?

EE: Erstmal den Leuten abzusagen, die schon zugesagt haben, und dann auch die Leute zu informieren, die schon eingeladen waren, aber noch keine Rückmeldung gegeben hatten. Dann kommt natürlich auch noch hinzu, dass die Leute, die man ursprünglich eingeladen hat, vielleicht an dem neuen Datum dann gar nicht können, und um das neue Datum festzulegen, hätte es dann auch nochmal zwei Wochen gedauert. Dann hätte man die Leute auf dieses neue Datum verschieben müssen, dann hätte bestimmt der Großteil auch nicht gekonnt und dann hätte man sich neue Leute raussuchen müssen. Also alles nochmal von vorne eigentlich und dann den alten Leuten nochmal absagen.

JM: Habt ihr deswegen auch nicht nach einem neuen möglichen Termin gesucht oder mit der Hochschulleitung über eine Verschiebung der Hochschulinformationstage gesprochen?

EE: Doch, ich habe das in der darauffolgenden Dienstberatung [mit dem Rektorat] angesprochen – aber es war natürlich nicht möglich, das war ja eigentlich schon im Vorhinein klar. Aber nachgefragt habe ich auf jeden Fall.

JM: Was war die Reaktion von der Hochschulleitung?

EE: Amüsiert .

Wir hätten da bestimmt drei Stunden gesessen und am Ende wäre nichts rausgekommen.

JM: Warum bist du noch vor der Personaldebatte zurückgetreten, statt dich z.B. zu erklären und deinen Punkt stark zu machen?

EE: Erst einmal: das kam schon öfter in der Diskussion auf, ich weiß dass eine Personaldebatte nicht zwangsläufig dazu führt, dass man rausgeschmissen wird, aber trotzdem fand ich es ehrlich gesagt so unglaublich anstrengend, diese Monate zu diskutieren und dann immer die gleichen Argumente zu wiederholen und nie zu einem Punkt zu kommen, und deswegen war ich dann auch nicht mehr daran interessiert meine Sache nochmal darzulegen, obwohl schon jeder wusste was meine Meinung dazu ist. Wir hätten da bestimmt drei Stunden gesessen und am Ende wäre nichts rausgekommen. Und deswegen bin ich dann zurückgetreten.

JM: Glaubst du, der Kompromissvorschlag den Termin um einen Tag zu verschieben hätte eine realistische Chance gehabt?

EE: Das Problem mit dieser Terminverschiebung wäre halt gewesen, dass es an einem Sonntag gewesen wäre und Referent*innen für einen Sonntag zu finden ist generell nochmal viel schwieriger. Wer will schon sonntags um 4 Uhr morgens dann hier schon stehen und irgendeinen Vortrag halten. Wenn man das vielleicht vor vier Monaten gemacht hätte, dann vielleicht. Der Grund warum die 24h-Vorlesung mit den Hochschulinformationstagen zusammengelegt werden sollte, war ja, dass sich das ein bisschen überschneidet. Bei den Hochschulinformationstagen gibt es auch Vorträge in dem gleichen Gebäude. So hätte es 4 Stunden gegeben, die thematisch auch für die Studierenden interessant gewesen wären – die wir in unser Programm aufgenommen hätten, und unser Programm wäre wiederum in das Programm der Hochschulinformationstage gekommen, was natürlich für uns auch nochmal viel größere Werbefläche bietet. Wenn das dann um einen Tag verschoben worden wäre, wäre das nicht mehr reingefallen, es hätte ja dann am 09. Mai um 18:00 angefangen, die Vorträge der Hochschulinformationstage hören aber auf jeden Fall früher auf. Das wäre auch nochmal auf jeden Fall blöd gewesen für uns.

JM: Als Argument für die Beibehaltung des Termins am 08. Mai wurde vorgeschlagen, dass man das Gedenken an die Gewalt und den Massensuizid in Demmin 1945 und Aktionen gegen die Vereinnahmung dieses Ereignisses durch Rechtsextreme mit einer 24h-Vorlesung, die am gleichen Tag stattfindet, verbinden könnte. Gab es im AStA konkrete Pläne für so eine Verknüpfung, z.B. passende Vorträge oder eine mit der Demo in Demmin verträglich gemachte Vortragsgestaltung?

EE: Es gab schon ganz ganz früh eine Zusage für 18:00 Uhr – wenn ich das jetzt richtig weiß – da müsste man nochmal bei Liliya nachfragen. Aber das wäre für uns auf jeden Fall möglich gewesen, das so zu machen. Das war ja aber auch ein Kompromiss, der offensichtlich nicht angenommen werden wollte, das wurde ja auf der StuPa-Sitzung im Dezember vorgeschlagen, von Goswin glaube ich, da gab es aber irgendwie nur negative Reaktionen von den StuPist*innen.

JM: Wie lange wusste das StuPa-Präsidium im Voraus von deiner Entscheidung den StuPa-Beschluss, dass die 24h-Vorlesung verschoben werden soll von der Rechtsaufsicht (Herrn Wehlte) prüfen zu lassen? Hast du mit dem StuPa-Präsidium davor nochmal darüber gesprochen?

EE: Im Voraus nicht, das liegt aber daran, dass das sehr sehr kurzfristig passiert ist. Ich habe dem StuPa-Präsidium aber dann direkt nachdem ich bei ihm war eine Mail geschrieben. Aber dass ich überhaupt ins Justitiariat gehe und einfach mal nachfrage, das war auch eher eine total spontane Entscheidung, weswegen da eine Vorinformation irgendwie gar nicht richtig möglich war.

„Ich habe mich ehrlich gesagt auch ein bisschen geärgert, weil ich das Gefühl hatte, dass das Studierendenparlament versucht, ein bisschen unsere Arbeit zu boykottieren – natürlich nicht extra – aber faktisch schon“

JM: Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden direkt zu Herrn Wehlte zu gehen – du hättest die Frage der Weisungskompetenz ja auch ins StuPa einbringen können, z.B. mit: „Ich glaube, ihr habt nicht die Kompetenz uns das aufzuzwingen, und ich könnte das auch zur Rechtsaufsicht bringen.“

EE: Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das wirklich etwas gebracht hätte, wenn ich das im StuPa gesagt hätte. Dann wäre wahrscheinlich eher die Reaktion gewesen, dass ich das doch machen soll. Es war ja auch erstmal nur eine Ersteinschätzung und es hat mich einfach auch wirklich interessiert. Ich habe mich ehrlich gesagt auch ein bisschen geärgert, weil ich das Gefühl hatte, dass das Studierendenparlament versucht, ein bisschen unsere Arbeit zu boykottieren – natürlich nicht extra – aber faktisch schon ein bisschen. Und deswegen hat es mich einfach interessiert was Herr Wehlte dazu denkt.

JM: Konntest du verstehen, was die Beweggründe der StuPist*innen waren, die den Termin verschieben wollten?

EE: Ich kann das sehr gut verstehen und ich hätte das auch vollkommen ok gefunden, wenn das ein paar Monate früher gekommen wäre – dann wäre das alles kein Problem gewesen. Dadurch, dass dem StuPa irgendwie nicht aufgefallen ist, was sie dort für Beschlüsse fassen, ist es halt irgendwie ein bisschen blöd gelaufen. Ich kann die Gründe dahinter nachvollziehen – ich finde man muss es aber auch immer ein bisschen abwägen.

JM: Auch dieser Terminstreit steht wieder im Kontext der langjährigen Auseinandersetzung zwischen Mehrheiten im StuPa einerseits und anderen StuPist*innen sowie Herrn Wehlte andererseits, inwiefern sich die verfasste Studierendenschaft für das allgemeinpolitische Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einsetzen darf. Auch diesmal wurden im StuPa zumindest mit manchen Argumenten wieder beide Stellungen bezogen. Denkst du, dass die Frage nach den Grenzen des Hochschulpolitischen Mandats auch für die Haltung des AStA eine Rolle gespielt hat?

EE: Diese ganze Diskussion hat ja mit der Fragestellung, wie jetzt das Hochschulpolitische Mandat auszulegen ist, gar nichts zu tun. Es geht ja dabei nicht darum, ob wir jetzt als Studierendenschaft offiziell zu dieser Demo in Demmin fahren dürfen, das war ja überhaupt nicht das Thema. Es geht lediglich darum, ob das StuPa Kompetenzen überschritten hat – das hätte ja auch jede andere Sache sein könnten.

JM: In der StuPa-Diskussion wurden diese Argumente doch aber auch wieder mit eingebracht…

EE: Ich kann verstehen, warum sich manchmal diese Themen überschneiden, auch wenn es eigentlich nichts miteinander zu tun hat. Ich finde aber auch, dass sich das nicht grundsätzlich ausschließt. Also nur, weil jetzt die 24h-Vorlesung an diesem Tag ist, heißt das ja nicht, dass ich dann damit dazu aufrufe, nicht nach Demmin zu fahren. Das steht sich ja ideologisch gesehen nicht wirklich im Weg, vor allem auch wenn wir die 24h-Vorlesung thematisch darauf abgestimmt hätten. Das hätte ja dann noch eher viel mehr Leute erreicht. Also auch als politische Bildung.

„Der AStA ist eine Behörde und es gibt eben einen ganz fest gesteckten Handlungsrahmen und es ist schwierig, für so allgemeinpolitische Sachen Werbung zu machen. Aber wenn man das irgendwie mit der Studierendenschaft verbindet, dann geht das.“

JM: Genauere Pläne die 24h-Vorlesung thematisch abzustimmen gab es ja aber noch nicht. Du glaubst also, dass die Frage, ob man sich als Studierendenschaft überhaupt etwa für Antirassismus einsetzen sollte, keine Rolle für die Haltung des AStA gespielt hat?

EE: Ja. Man hätte ja trotzdem noch diskutieren können, ob man für die Demo Werbung macht. Das hätte ja parallel laufen können. Aber dann ist eben wirklich die Frage, wie das ist mit dem Hochschulpolitischen Mandat. Das hat dann auch nichts irgendwie mit meiner oder der politischen Meinung allgemein zu tun, sondern das ist halt irgendwie ein bisschen das Problem: Der AStA ist eine Behörde und es gibt eben einen ganz fest gesteckten Handlungsrahmen und es ist schwierig, für so allgemeinpolitische Sachen Werbung zu machen. Aber wenn man das irgendwie mit der Studierendenschaft verbindet, dann geht das. Das hatten wir auch schon öfter mit Herrn Wehlte, dass wir uns dann überlegt haben, ok, wie können wir das jetzt auf die Studierendenschaft beziehen, sodass das vollkommen in Ordnung geht.

JM: Wie fandest du die Arbeit als AStA-Vorsitzende ganz allgemein?

EE: Ich muss sagen, es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Natürlich war es sehr viel Arbeit, also es ist ja ein 30-Wochenstunden-Job. Und ich muss auch sagen, klar, es ist irgendwo im Büro, wo man arbeitet und so, aber es ist auch so ein bisschen heimelige Atmosphäre, also ich nehme mal an, so ein bisschen wie bei den moritz.medien, wahrscheinlich nicht ganz so stark. Weil man einfach auch sehr viele neue Leute kennenlernt, auch an der Uni, und sehr viele nette und engagierte Leute. Es hat schon sehr viel Spaß gemacht.

JM: Gibt noch etwas, worauf du mehr eingehen willst?

EE: Ne, eigentlich nicht.

JM: Ok, vielen Dank für das Interview.

EE: Gerne, dir auch vielen Dank.

Anm. d. Red.: Das Interview wurde aus redaktionellen Gründen
leicht gekürzt und für die Veröffentlichung angepasst.

Beitragsbild von Daniel Friesenecker auf Pixabay

Greifswald für Hanau

Greifswald für Hanau

Auf dem Greifswalder Marktplatz kamen am Donnerstag circa 150 Menschen für eine Mahnwache zusammen. Gemeinsam setzten sie ein Zeichen gegen das rassistisch motivierte Attentat in Hanau.

Am Mittwochabend hatte ein Mann in einer Shisha-Bar sowie einer weiteren Bar in Hanau um sich geschossen. Dabei kamen neun Menschen ums Leben, sechs wurden schwer verletzt. Die meisten der Opfer hatten einen Migrationshintergrund, fünf von ihnen einen türkischen Pass.

In Greifswald gingen deshalb circa 150 Bürger*innen auf die Straße, um friedlich gegen die rechtsextreme Tat zu demonstrieren. Anna Kassautzki, Kreisvorsitzende der Jusos, eröffnete die Mahnwache mit einer kurzen Ansprache: „Wir wollen gemeinsam hier stehen und wir wollen gemeinsam als demokratische Kräfte sagen: […] wir wollen ein Land haben, in dem Menschen frei und sicher leben können.“ Nach einem Moment des Schweigens war das Mikrofon für alle geöffnet. Etwas zu sagen trauten sich zunächst nicht viele.

So sagte der Bürgermeister Stefan Fassbinder: „Vielleicht ist es bezeichnend, dass keiner hier ans Mikrofon geht. Denn irgendwie stehen wir ja auch fassungslos vor den Ereignissen […]. Natürlich sagen wir, wir stehen zusammen und es darf nicht passieren. Aber es ist ja auch die Frage, wie können wir damit umgehen, dass es nicht mehr passiert? Wir wollen ja keinen Polizeistaat oder eine Diktatur errichten, wo jede Regung unterdrückt wird. Eine freie Gesellschaft tut sich schwerer, sich vor solchen Taten zu schützen. Was wir tun können, ist immer laut dagegen zu sein […]. “

Die Integrationsbeauftragte der Stadt Greifswald betonte außerdem: „Das war der gezielte, rassistisch motivierte Angriff […] und das war der Angriff auf uns alle, der jeden von uns treffen kann, auf unsere gesamte Gesellschaft. Ich möchte deswegen allen Menschen mit Migrationsgeschichte in unserer Stadt sagen: Wir wurden heute alle angegriffen und wir werden alles dafür tun, um diese Form von Rassismus und Diskriminierung zu bekämpfen. Wir stehen zusammen.“

Die Stimmung auf dem Marktplatz gestern Abend war kalt, bedrückend, ruhig und zeigte die Betroffenheit der Anwesenden. Einige Politiker*innen und Vertreter*innen von Organisationen trauten sich schließlich doch, das Wort zu ergreifen und sich gegen Fremdenfeindlichkeit auszusprechen.

Gregor Kochhan von „Greifswald für Alle“ machte auch deutlich, dass man die geistigen Brandstifter beim Namen nennen sollte. Er machte auf die Politik in Deutschland und bei uns aufmerksam, die Ausgrenzung antreibt und die er als geistigen Anstifter hinter solchen rechtsextremistischen Taten wie in Hanau sieht. Namentlich nannte er selbst hier niemanden.

Auch wir von den moritz.medien positionieren uns klar gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Rassismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wir sprechen uns für Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz aus.

Fotos: Ole Kracht

Umgekrempelt: Sieben Tage ohne Kaffee

Umgekrempelt: Sieben Tage ohne Kaffee

Kennt ihr das, wenn man mal was Neues ausprobieren will, aber am Ende alles beim Alten bleibt? Uns jedenfalls kommt das sehr bekannt vor, deswegen haben wir uns für euch auf einen Selbstoptimierungstrip begeben. In dieser Kolumne stellen wir uns sieben Tage als Testobjekte zur Verfügung. Wir versuchen für euch mit unseren alten Gewohnheiten zu brechen, neue Routinen zu entwickeln und andere Lebensstile auszuprobieren. Ob wir die Challenges meistern oder kläglich scheitern, erfahrt ihr hier.

Wer trinkt ihn nicht? Morgens zum Frühstück oder gleich als erste Flüssigkeit überhaupt am Tag. Der Kaffee. Wir Deutschen lieben unser schwarzes Gebräu, nicht umsonst besitzen wir eine richtige Kaffeekultur. 

Die einen brauchen ihn, um überhaupt in den Tag starten zu können, die anderen lieben ihn einfach zum Frühstück, bei der Arbeit oder eigentlich überall.

Ich darf mich wohl selbst zu den Leuten zählen, die ihren Kaffee, genauer gesagt ihren Latte Macchiato, jeden morgen zum Frühstück genießen und gerne auch mal im Café den einen oder anderen trinken. 

Und trotzdem habe ich mich entschieden, eine Woche auf Kaffee in all seinen Variationen zu verzichten. 

Der erste Tag stellte sich als besonders schwer heraus. Normalerweise trinke ich jeden morgen zum Frühstück einen Latte Macchiato oder einen Milchkaffee. Heute gab es einen Orangensaft. Das hat mich innerlich irgendwie sehr gestört. In der Bibliothek musste ich unweigerlich auch immer wieder daran denken, wie gut das schwarze Gebräu jetzt wäre. Als es in der Mittagspause in die Mensa ging und im Anschluss noch einmal ins Grüne, kam es gleich zum nächsten Verzicht. Statt eines Cappuccinos gab es eine Ginger-Mate. Ich glaube, ich habe meine Freundinnen etwas neidisch angesehen, während sie ihren Kaffee tranken. 

Der nächste Morgen verlief schon etwas besser. Ich hatte zwar immer noch das Verlangen, einen Kaffee zum Frühstück trinken zu wollen, aber es war schon deutlich weniger stark als am Tag zuvor. Trotzdem vermisste ich ihn bei der Mittagspause im Grünen. Gewohnheiten abzusetzen ist nicht so einfach wie erwartet. Und ich hatte auch das Gefühl, dass sich eine innere Unruhe an diesem Tag in mir breitmachte. 

Am nächsten Morgen ging es zum Frühstücken zur Bäckerei Junge. Dort holte ich mir eine Schlemmertasche. Auf dem Weg nach Hause ging ich am Café Küstenkind vorbei, wo ich mir normalerweise noch einen Latte Macchiato mitgenommen hätte. Etwas wehleidig bin ich am Café vorbei und dann nach Hause. An diesem Tag hat sich der Entzug richtig auf meine Laune übertragen. Eigentlich hatte ich durchgängig schlechte Laune und war von allem und jedem genervt. An diesem Tag habe ich auch auf das Mittagessen in der Mensa verzichtet.

Der Donnerstag jedoch begann merkwürdigerweise richtig gut. Ich hatte zuhause gefrühstückt und war später mit einer Freundin im Café Küstenkind verabredet. Und da kam auch die Gewohnheit zum Vorschein, denn ohne weiter darüber nachzudenken und vertieft in das Gespräch mit einer Freundin, bestellte ich mir einen Cappuccino. Der Fehler wurde mir erst klar, als wir das Café verließen. Ich muss ehrlich gestehen, es hat mir nicht sonderlich leid getan. Trotzdem habe ich etwas darüber nachgedacht, wie süchtig ich eigentlich nach Kaffee bin. Wobei ich glaube, mit zwei bis drei Kaffee am Tag noch zum allgemeinen Durchschnitt zu gehören. Meine Laune war dafür wieder richtig gut und ich würde sogar meinen, dass mich auch alles deutlich weniger stresste im Vergleich zu den vorherigen Tagen. Deshalb beschloss ich an diesem Punkt, das Experiment zu beenden. 

Ich hatte eigentlich angenommen, dass es mir leichter fallen würde auf Kaffee zu verzichten. Aber letztlich hat mich der Entzug gestresst und meine Stimmung beeinträchtigt. Ich glaube, dass es nicht mal am Kaffee selbst gelegen hat, sondern vielmehr daran, dass er seit Jahren fest in meiner Routine verankert ist. Frühstück – Kaffee, im Grünen – Kaffee. Oder im Café – Kaffee. Und plötzlich ohne einen richtigen Grund darauf zu verzichten führt unweigerlich zu Stress. Zumindest in meinem Fall. Trotzdem finde ich, dass es ein spannendes Experiment gewesen ist. Wiederholen würde ich es jedoch nicht.

Beitragsbild: Annabell Hagen
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retro.kolumne: Bands

retro.kolumne: Bands

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern, stammten sie und sind vielleicht ja doch noch ein Guilty Pleasure des ein oder anderen. Dieses Mal mit dem Thema: Bands

Rückblende: Wir befinden uns in den 90ern. Genauer gesagt im Jahr 1995. Denn genau in diesem Jahr erblickte ich das Licht der Welt. Mehr oder minder gehöre ich damit zur Generation der Millennials. Heute hat man schon fast vergessen, dass die Menschen damals an Silvester 1999 dachten, dass die Welt untergeht. In Anbetracht der heutigen umwelt- und klimapolitischen Lage ist diese Tatsache ein richtiger Schenkelklopfer. Aber weiter im Kontext…

Geprägt durch meine sehr viel ältere Schwester fand ich früh Kontakt zur Musik und zu den üblichen Fernsehsendern MTV und VIVA. Wenn ich eins vermisse, dann diese beiden Sender und zwar genauso wie sie Ende der 90er bis Anfang der 2000er waren. Nicht der Shit, der danach kam.

Music makes you lose control

Du wirst dir vielleicht denken, dass ich jetzt gleich von Tokio Hotel schreiben werde, aber nö. Diese Band war nicht so meins. Ich schreibe auch nicht von den Backstreet Boys. Es sollen keine traumatischen Erfahrungen geweckt werden. Gott, was war das damals für eine Katastrophe. Wo sie doch zuvor sangen ,,I’ll never break your heart“. Wir alle wissen spätestens nach unserer ersten Beziehung, dass dieser Satz eine Lüge ist.

Es ist für mich gar nicht so leicht eine Band zu finden, von der ich sagen würde, dass ich sie konsequent über die Jahre gehört habe. Nie habe ich ein Fan-Dasein gehegt. Fanszenen habe ich ehrlich gesagt nie so richtig verstanden. Dennoch gab es zwei Bands, die mich trotz ihres musikalischen Wandels immer wieder mit ihren Texten berührt haben.

Will eventually be a Memory of a time when…

Linkin Park hat sich im Jahr 1996 damals noch unter dem Namen ,,Xero“ gegründet. Die Band bedient ein weites Genrespektrum, welches von Electro Rock bis Post-Grunge reicht. Im Jahr 1999 gewann sie mit Chester Bennington ihren charismatischen Frontsänger hinzu und der Erfolg setzte prompt nach ihrem ersten Album ,,Hybrid Theory“ ein. Bis heute ist die Band eine der erfolgreichsten Bands des 21. Jahrhunderts. Am 20. Juli 2017 beging Chester Bennington Suizid. Für Millionen von Fans brach damit eine Welt zusammen. Durch seine Texte, die auch von Schwermut und Hoffnung geprägt waren, wird Chester aber dennoch in den Herzen seiner Fans am Leben gehalten.

Hier meine persönlichen Lieblingslieder:

  1. Crawling
  2. Bleed it out
  3. Faint
  4. Leave out all the rest
  5. Papercut

Please don’t put your life in the hand of a Rock’n’Roll Band

Zugegeben ist Coldplay keine Rock’n’Roll Band, sondern mehr eine britische Pop-Rock-Band. Ebenfalls wie Linkin Park gründete sich die Band im Jahr 1996. Anfang der 2000er Jahre fand Coldplay ihren kommerziellen Durchbruch mit ihrem ersten Album ,,Parachutes“. Mittlerweile hat die Band weltweit über 80 Millionen Tonträger verkauft. Aber ihr Erfolg ist ihnen nicht zu den Köpfen gestiegen. Seit mehreren Jahren unterstützt Coldplay soziale Organisationen wie Amnesty International und Oxfam.

Hier meine Lieblingslieder der Band:

  1. Shiver
  2. In my Place
  3. Don’t Panic
  4. Speed of Sound
  5. The Scientist

Welche Bands haben dich über die Jahre begleitet?

Mimimi-Mittwoch: Die Mär vom politisch Neutralen

Mimimi-Mittwoch: Die Mär vom politisch Neutralen

Wut, Hass, Zorn: All diese Gefühle verbindet man so manches Mal mit seinen Mitmenschen. Genau für solche Momente ist diese Kolumne da. Wann immer wir uns mal gepflegt über Leute auslassen oder uns auch generell mal der Schuh drückt, lest ihr das hier.

Seit ich hier an der Uni studiere, kursieren Begriffe wie ,,unideologisch‘‘, ,,unpolitisch‘‘ und ,,politisch neutral‘‘. Es ist die Pest. Setzen sich Studierende gegen Diskriminierung, Rechts oder sonstige menschliche Widerwertigkeiten ein, dann sind sie ideologisch. Meistens kommen diese Kampfbegriffe, die mehr dazu dienen, das politische Gegenüber zu entwaffnen, aus dem liberalen oder konservativen Spektrum. Dabei ist nichts ideologischer als der Konservativismus, der Politik mit Religion vermischt, um seine Ansicht von der Ungleichheit der Menschen zu verbreiten. Wenn das im Islam geschieht, dann geht natürlich gleich das Abendland unter und alle kleinen Provinz-Politiker*innen fühlen sich berufen, vor ihrer Provinzpresse den Satz ,,Der Islam gehört nicht zu Deutschland‘‘ zu sagen.

Aber auch der Liberalismus ist nicht besser. Vom ursprünglichen Gedanken der Französischen Revolution – wir erinnern uns: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – abgewichen, dient er heute mehr als Bettvorleger des Kapitalismus. Anhänger*innen dieser Ideologie beten den Satz ,,Der Markt regelt alles‘‘ von morgens bis abends runter. Studierende der Wirtschaftswissenschaften, die im Studium aufgepasst haben, werden wissen, dass das eine Utopie ist. Unter schwarz-weiß Christian Lindner aka. Gott für alle, die die ,,Männlichkeit‘‘ anders als bei Anhänger*innen von Bernd Höcke schon gefunden haben.

Halten wir also fest: sowas wie ,,unideologisch‘‘ gibt es nicht. Jeder Mensch hat irgendwelche Werte und Normen, glaubt an eine Religion oder zumindest an die Vorstellung, dass alle Menschen gleich viel wert sind oder eben nicht. Denn Ideologien sind am Ende des Tages nur Weltanschauungen, die entweder darauf aus sind zu töten oder Menschen miteinander zu verbinden.

Das Private ist politisch

Auch die Erzählung vom vermeintlich ,,Unpolitischen‘‘ ist unlogisch. In meinem bisherigen Leben bin ich noch nie auf einen Menschen getroffen, den ich als unpolitisch bezeichnen würde. Nicht alle sind parteilich organisiert oder sitzen jeden Abend vor ihren Flimmerkisten um drittklassige Polittalkshows zu gucken, die nicht der Ermündigung der Menschen dienen sondern vielmehr der semikritischen Betrachtung des Politikbetriebs mit Politiker*innen, denen es neben Leidenschaft auch oft an Augenmaß fehlt. In den späten 60er Jahren, als es noch Menschen mit Haltung gab, machten diese Sendungen auch noch Spaß – heute sitzen Menschen mit Haltung vor Gericht, weil sie sich an geltendes Menschenrecht gehalten haben und Menschen vor dem sicheren Tod im Mittelmeer gerettet haben.

Und wie steht es um die ,,politische Neutralität‘‘?

Ja, wenn du nicht gerade im Sinne des Staates also als verbeamtete Person arbeitest, ist auch diese Phrase ganz großer Quatsch. By the way heißt das übrigens nicht, dass Lehrkräfte keine politische Einstellung haben dürfen. Sie dürfen und sollten für bestimmte Grundwerte stehen. Jedoch sollten sie dabei keine Parteipolitik verbreiten.

Fazit: Die Begriffe ,,politische Neutralität‘‘, ,,unideologisch‘‘ und ,,unpolitisch‘‘ sind nicht nur dämlicher Sprech aus liberal-konservativer Seite, sie verhindern auch den gesellschaftlichen Diskurs über wichtige politische Anliegen. Wenn Personen wie Greta Thunberg zum Beispiel auf ihren Asperger Autismus oder wahlweise ihr Alter reduziert werden, dann hat das nicht nur damit zu tun, dass wir von vielen alten, weißen, verbitterten Männern der Wirtschaftswunderjahre regiert werden (man könnte auch den Begriff Patriachat droppen) – nein, dann hat das auch damit zu tun, dass sie durch Personen wie Greta vorgesetzt bekommen, wie mittelmäßig sie sind. Wenn Leute unserer Generation jetzt bewusst für 24h nach Malle fliegen, weil Malle heutzutage mehr als einmal im Jahr ist, dann hat das damit zu tun, dass wir insgeheim alle wissen, wie verloren wir sind. Nicht einmal die Pariser Klimaziele, insofern diese erreicht werden sollten, werden einen Temperaturanstieg von weniger als 1,5 Grad verhindern können. Und dieses unterbewusste Schwarmwissen lähmt uns. Deswegen neigen einige Personen dazu unter dem Mantra ,,Live fast, die young‘‘ zu leben, während andere ,,ideologisch‘‘ bei Fridays for Future mitprotestieren. 

Beitragsbild von Jannik Texler auf Pixabay
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AStA-Vorsitzende zurückgetreten

AStA-Vorsitzende zurückgetreten

Die AStA-Vorsitzende Esther Erwin ist auf der heutigen StuPa-Sitzung zurückgetreten.
Dies ist der bisherige Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen StuPa und AStA bezüglich der Terminfindung zur 24-Stunden-Vorlesung. Der AStA plante die 24-Stunden-Vorlesung für den 8. Mai 2020.

Da dies der Tag der Befreiung und des Massensuizids von Demmin ist, war die Mehrheit des StuPas gegen diesen Termin und stimmte für eine Verschiebung. Da der AStA befürchtete, dass es durch eine Verschiebung zum Verlust von Referent*innen und bereits geleisteter Arbeit kommen könnte, ließ die AStA-Vorsitzende den Beschluss juristisch prüfen. Sie war der Auffassung, dass das StuPa hier seine legislativen Kompetenzen überschritten habe. Dieser Auffassung folgte das Justitiariat und erklärte den Beschluss für unrechtmäßig.
Nach dieser Feststellung arbeitete der AStA weiter an der Planung der 24-Stunden-Vorlesung.
In der heutigen StuPa-Sitzung sollte deshalb nun eine Personaldebatte gegen die AStA-Vorsitzende eröffnet werden. Dieser kam die AStA-Vorsitzende jedoch zuvor und trat zurück.

Doch wieso wurde die 24-Stunden-Vorlesung überhaupt auf den 8. Mai gelegt?
In der vergangenen Legislatur wurde beschlossen, dass man dieses Jahr einmal die 24-Stunden-Vorlesung gleichzeitig zu den Hochschulinformationstagen stattfinden lassen möchte. Zum Zeitpunkt der Anfrage der Universität war jedoch das Datum für diese noch nicht bekannt.
So kam es dazu, dass niemandem unter den beteiligten AStA-Referent*innen auffiel, dass es hier einen Konflikt mit den Demonstrationen in Demmin geben könnte. Nachdem dies im späten Planungszustand doch auffiel, vertrat der AStA die Auffassung, dass beide Veranstaltungen durchaus koexistieren könnten, da nicht jede*r an der 24-Stunden-Vorlesung teilnehmen würde und auch nicht jede*r an der Demo in Demmin. Außerdem würde die Demo auch nicht die vollen 24 Stunden einnehmen.

Diese Auffassung teilte die Mehrheit des StuPas jedoch nicht. Man war der Meinung, dass es allen möglich sein sollte, an beidem teilzunehmen. Auch würde so eine doppelte Belegung die Wichtigkeit des antifaschistischen Engagements in Demmin untergraben.

Wie genau es jetzt mit der 24-Stunden-Vorlesung weitergeht, ist momentan noch völlig unklar. Die AStA-Geschäfte werden kommissarisch von Felix Zocher weitergeführt.

Weitere Information erhaltet ihr bald wie immer auf dem webmoritz.

Der Autor dieses Textes ist Mitglied der gleichen Hochschulgruppe wie
die ehemalige AStA-Vorsitzende


Beitragsbild: Magnus Schult