Das neue Hotel am Hafen: Ein Schandfleck oder eine Chance für unsere Stadt?

Das neue Hotel am Hafen: Ein Schandfleck oder eine Chance für unsere Stadt?

Bis 2024 soll ein neues Hotel am Hafen entstehen. Diesem Projekt könnte man zum Beispiel in Anbetracht des fehlendem Wohnraums in Greifswald kritisch gegenüber stehen. Mich konnte das Projekt „Hotel“ bisher auch nicht wirklich überzeugen. Aber meine Kenntnisse, was Städtebau und die Integration von Gebäuden in das Stadtbild angeht, sind auch nicht die besten. Daher habe ich die Bürgerinitiative „Steinbeckervorstadt“ interviewt. Sie kennen sich mit solchen Sachen besser aus als ich.

Noch im Frühjahr dieses Jahres, nach der Frostperiode im März/April, soll der Bau des Hotels der AMEDIA-Group beginnen. Das neue Hotel wird auf dem Areal des A9-Quartiers am Hansering neben der Knopfstraße errichtet. Auf der vorgesehenen Fläche befindet sich derzeit noch ein Bewohnerparkplatz mit rund 30 Stellplätzen.

Die Pläne für ein Hotel am Hansering reichen bereits viele Jahre zurück. Ein konkretes Bauvorhaben wurde bereits 2017 der Greifswalder Öffentlichkeit vorgestellt. 2020 kam es zur Baugenehmigung. Im Dezember 2021 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern schließlich den Fördermittelbescheid für das Hotel erteilt, um die Gesamtfinanzierung zu sichern. Das Hotel soll mit rund 120 Zimmern, zwei Restaurants, drei Tagungsräumen, Lobby, Lounge, Shops, Eisdiele sowie Wellness- und Fitnessbereich ausgestattet werden.

Ein neues Hotel könnte eine große Chance für die Stadt sein, schließlich würde unter anderem die lokale Wirtschaft davon profitieren. Ein neues Hotel könnte aber auch das Stadtbild zerstören und die Anwohner*innen belästigen. Die Fragen, die sich daraus ergeben, habe ich mit der Bürgerinitiative „Steinbeckervorstadt“ besprochen.

Stellen Sie sich kurz vor. Wofür setzt sich Ihre Organisation ein?

Silke Schnabel: Wir sind keine Organisation, sondern nur eine ganz lose Bürgerinitiative. Das heißt, dass wir keine echte Verwaltungsorganisation haben, uns aber trotzdem für viele zivilgesellschaftliche und politische Themen interessieren, die vor allen Dingen hier im Stadtteil Steinbeckervorstadt und in der Stadt passieren.

Der konkrete Anlass, warum die Bürgerinitiative gegründet wurde, war der Masterplan für die Steinbeckervorstadt. Wir wollten uns als Bürger*innen dieses Stadtteils besser aufstellen und unsere Wünsche und Anliegen mit einbringen. Vor vielen Jahren gab es schon mal eine Bürgerinitiative mit vielen Menschen, die auch jetzt in der BI sind. Damals ging es um den Bebauungsplan für die Steinbeckervorstadt. Wir wollen die Stimme der Bürger*innen mehr aufs Tableau bringen und mehr organisierte Mitbestimmung ermöglichen. Seitdem hangeln wir uns von Aktion zu Aktion und sind mal mehr und mal weniger Leute. Wir sprechen auch Menschen an, die nicht in unserem Stadtteil wohnen, weil es eben um ganz grundsätzliche Geschichten geht, die alle betreffen, die in der Stadt wohnen und die sich für ihre Prozesse interessieren.

Tiemo Timmermann: Ich bin spontan zu der Bürgerinitiative dazu gestoßen, als ich von dem Bauvorhaben Straße 47 erfuhr, weil ich das für einen großen Planungsfehler halte und weil ich da eine zukunftsgerichtete Vision für eine lebenswerte Stadt vermisse. Das beobachtete ich auch bei anderen Bauten, vor allem in zentraler Lage entlang des Rycks.

Klaus Marsiske: Ich bin früher in meinem Leben Architekt gewesen und jetzt interessiere ich mich für den Stadtteil direkt vor der Stadt. Ich selbst wohne in der Innenstadt und sympathisiere einfach mit Bewegungen, die sich mit der Gleichmacherei nicht abfinden können.

Was halten Sie von dem Bau des Hotels der AMEDIA-Gruppe am Hansering?

Tiemo Timmermann: Grundsätzlich finde ich ein größeres Hotel an diesem attraktiven, zentralen Ort sinnvoll. Es zieht Menschen an und schafft Bewegung. Ich finde den Bau selbst nicht umwerfend gut, aber nicht so schlecht wie andere Sachen.

Ich habe eigentlich das Gefühl, dass bei öffentlichen Diskussionen, zum Beispiel ausgelöst durch Zeitungspublikationen, die Würfel schon gefallen sind und man vielleicht noch an Details dieser Entwürfe abarbeiten kann. Ich will hier aber jetzt keine Schuldzuweisung betreiben. Eigentlich geht es doch darum, dass man ein gemeinsames Interesse hat. Man muss sich zu einem viel früheren Zeitpunkt über grundsätzliche Dinge verständigen: Was wäre dort eine geeignete Bebauung, welche anderen Funktionen, außer vielleicht ein maximierter Baukörper, sind für diese Stelle sinnvoll? Wir sind eine Hanse- und Universitätsstadt, da geht es um Begegnung. Und wir haben Orte mit einer hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität, zum Beispiel ein neues Zentrum im Bereich des Hafens, wo eine Promenadensituation entwickelt wird. Will man das fördern oder nicht? Man hat den Campus daneben, man hat den Ryck und die Entwicklung rund um die STRAZE. Da ist unheimlich viel Dynamik und das muss die Stadtplanung in ihrem Leitbild und ihren Leitlinien stärker berücksichtigen. Wenn ich das Hotel so betrachte, finde ich, da fehlt einfach ein bisschen Platz, wo noch andere Funktionen außer die eines Innenraums für Hotelgäste erfüllt werden.

Klaus Marsiske: Als ehemaliger Stadtplaner finde ich, dass es richtig ist, dass man da ein Hotel baut. Große Hotels stehen überall an großen Straßen, nicht nur in New York, und belasten auf der einen Seite zwar den, der im Hotel ist, aber andererseits ist er eben nur kurz drin. Wohnungsbau an der Stelle ist nicht gut geeignet, man sieht es auf der anderen Seite, wo neu gebaut worden ist. Da wohnen die Leute im Erdgeschoss zur Straße hin, weil die Straße zum Wohnungsbau hingezogen ist. Das ist keine Wohnqualität mehr. Es ist aber ärgerlich, dass dieser Hotelneubau so etwas wie ein Bunker geworden ist.

Silke Schnabel: Ich würde noch ergänzen, dass wir auch immer schon versucht haben, klarzumachen, dass wir nicht grundsätzlich gegen Bebauung im Stadtteilbereich sind, sondern dass wir es eigentlich gut finden, wenn Baulücken bebaut werden und nicht noch mehr Fläche versiegelt wird. Ja, wir sind nicht grundsätzlich dagegen, aber ich finde vor allem den Aspekt, dass man immer erst über die OZ informiert wird, komisch. Man hat tatsächlich als Bürger*in das Gefühl, dass jetzt noch entschieden werden kann, auf welche Etage das Fitnessstudio darf, aber mehr eigentlich auch nicht. Man kriegt bestimmte Informationen zu bestimmten Zeiten. Aber es gibt eigentlich kein Interesse an einem gemeinsamen gestalterischen Prozess.

Klaus Marsiske: Ich würde das nicht als Nichtinteresse bezeichnen, sondern es sind einfach keine fähigen Leute da, die das machen. Daran mangelt es und das macht das ganze Problem aus. Die müssten zum Beispiel die Fähigkeit besitzen, über Stadtstruktur, Lage von Funktionen, Höhe von Gebäuden und so weiter ganz klar nachzudenken und die städtebaulichen Vorgaben in der Stadt zu bestätigen und nicht nur einfach zu sagen: Ja, die Innenstadt ist ein denkmalpflegerisches Gebiet und da sind die Höhen einzuhalten. Für solche Restflächen kann man von vornherein sagen, was dort stehen kann und in welcher Wirkung das dort steht. Da hat man Vorgaben zu machen. Das kann man nicht den Investor*innen überlassen. Dafür sind diese Flächen viel zu prekär.

Tiemo Timmermann: Ich denke, es geht dann um die Werte der Stadtgesellschaft und die Werte der Stadt. Also das sind historisch orientierte Werte, vielleicht Denkmalschutz, aber auch die zukunftsgerichteten Werte, die vom Bestehenden ausgehen, von dem, was dort eben möglich ist. Das Leben hat sich in den letzten Jahrzehnten stärker in den öffentlichen Raum verlagert. Da, denke ich, muss man als Stadtgesellschaft eben eine Prioritätenliste haben, welche Werte zu schützen und zu entwickeln sind und die dann auch konsequent umsetzen. Aus meiner Sicht kann man sich das in anderen Städten gut abschauen. Man kann zum Beispiel an Stralsund sehen, dass dort vieles richtig gemacht worden ist. Dort ist es gelungen, den Erhalt der sehr interessanten Altbausubstanz mit qualitativ hochwertigem, interessantem Neubau zu kombinieren und dabei die Attraktivität insgesamt zu steigern.

Was denken Sie wird auf die Bewohner*innen der Stadt Greifswald mit dem Beginn der Bauarbeiten des Hotels in diesem Frühjahr zukommen?

Klaus Marsiske: Wenn man in einer dicht besiedelten Stadt wohnt, dann kommt es manchmal vor, dass Flächen, die gerade nicht bebaut sind, wieder bebaut werden. Das ist ein natürlicher Prozess und ganz normaler Städtebau. Darüber gibt es auch nichts zu jammern. Eine Stadt ist sinnvollerweise zu komplettieren. Wenn wir uns die Innenstadtquartiere anschauen, sind sie im Grunde alle rundherum verschlossene Gebiete. Da gibt es in der Regel im Inneren gar nicht viel Grün. Heute ist die Innenstadt grüner denn je. Und wir können nicht davon ausgehen, dass wir das, was wir gerade mal zufällig haben, nämlich einen schönen Blick, für alle Zeiten haben werden. Das ist in einer Stadt nicht normal, dass Restflächen ewig bestehen bleiben, das muss man aushalten.

Wissen Sie was mit der großen Fläche passiert, auf der der Speicher stand? War nicht auch hier ursprünglich ein Hotel in Planung?

Klaus Marsiske: Also was ich zuletzt mitgekriegt habe, war eine Projektvorstellung vor ein oder zwei Jahren, eine Art Hochhaus oder ein Hotel. Aber beides war nicht so ganz sicher. Der Investor war sich selbst nicht klar darüber. Beides würde ich aber an der Stelle bedauern, jedenfalls in der Höhe, weil schon der ehemalige Speicher eine Bausünde war. Er war viel zu hoch und was hinter der Marienkirche war, zumindest vom Ryck aus, so stark beeinflusst und auch städtebaulich von der Gesamtansicht beschädigt. Man muss das unbedingt verhindern, weil das eine Katastrophe wäre, die mit der kleinen Katastrophe, dem Hotelbau in der Innenstadt, gar nicht vergleichbar ist.

Wird sich das Hotel gut mit der Hafenkultur vertragen? Oder läuft es Gefahr, diesen Teil der Greifswalder Kultur zu verbieten, wenn der Lärmpegel die Gäste stört?

Klaus Marsiske: Wir wissen, dass in der verlängerten Hafenstraße ein großes Wohngebiet entsteht. Dieses Wohngebiet soll eigentlich dazu beitragen, dass das Hafengebiet verlängert wird, das heißt, dass die Hafenatmosphäre auch verlängert wird. Wenn man eine Befürchtung hätte, dass durch den Lärm vonseiten des Hafens und der Schiffe das Wohnen beeinträchtigt werden würde, was ich nicht denke, dann würde dieses neue Wohngebiet regelrecht gefährdet sein. Das halte ich für falsch. Es ist eine schöne Bereicherung, dass Wohnen und Maritimes dort zusammenwachsen können. Das würde ich mir eben auch in dem Bereich wünschen, wo ehemals der Speicher war. Das würde, wenn man dort auch Wohnungsbau machte, der nicht so hoch wäre, einen harmonischen Übergang bis in das neue Wohngebiet ergeben. Und dass wir davor maritim Schiffe herumliegen haben, ist bereichernd für jede Stadt und für das Wohnen sowieso. Ich sehe da keinen Widerspruch.

Silke Schnabel: Wir denken auch nicht, dass das problematisch ist. Ich würde da eher noch Klaus vom Anfang zustimmen, dass Leute, die im Hotel ein paar Nächte übernachten, ja eh nicht so einen Anspruch haben, dass es dann extrem ruhig sein muss. Spätestens bei der dritten Google-Bewertung wird dann auch stehen, dass es am Wochenende nachts lauter werden kann. Das ist, glaube ich, aus unserer Sicht kein Problem. Andererseits ist die Lautstärke mit dem Neubau am Hansering, wo jetzt so viele neue Menschen wohnen, ein Problem. Hier gibt es schon viele Konflikte zwischen der Museumswerft und den Anwohner*innen. Das darf man nicht unterschätzen.

„Auf der vorgesehenen Fläche befindet sich derzeit noch ein Bewohnerparkplatz mit rund 30 Stellplätzen. Diese werden mit Einrichtung der Baustelle voraussichtlich ab Mitte Januar wegfallen“, heißt es in der Pressemitteilung. Dieter Schick, Leiter des Tiefbau- und Grünflächenamtes, kündigte an: „Zeitgleich mit der Sperrung werden auf dem angrenzenden öffentlichen Parkplatz die Parkscheinautomaten abgebaut. Die rund 50 Stellplätze können dann ausschließlich von den Bewohnerinnen und Bewohnern genutzt werden.“ Bereits 2018 hatte die Stadt zudem den Parkplatz am Museumshafen Nord um insgesamt 70 zusätzliche Stellplätze erweitert. Denken Sie, das reicht?

Silke Schnabel: Und was wir uns noch gefragt haben, ist: Wo parken die Leute aus dem Hotel? Weil der Parkplatz hier am Hafen im Sommer immer voll ist.

Klaus Marsiske: Was das Parken angeht, so denke ich, ist dieser Parkplatz auf der anderen Seite der Brücke sicherlich jetzt schon fast ausgelastet. Aber man könnte ihn aufstocken. Diese Fläche vergrößern und damit auch das Problem, was jetzt durch die Überbauung der Quartiere herrscht, lösen. Abgesehen von der Tendenz, dass wir versuchen das Parken aus der Altstadt herauszukriegen, kann dies nur unser aller Interesse sein. Wir müssen diesen Lärm auch selbst aus den Städten für die Anwohner*innen herauskriegen, auch wenn diese zunächst glauben, sie brauchen weiter ihr Auto vor dem Haus. Aber das ist so eine Denkweise aus den 50er Jahren, das wird irgendwann in den nächsten Jahren vergessen sein. Dann werden die Leute selbstverständlich ihr Auto hundert Meter weit wegstellen.

Tiemo Timmermann: Die Zahl der Autos soll sich, schon aus Klimaschutzgründen, in den nächsten 10 bis 15 Jahren halbieren. Das sind anspruchsvolle Ziele. Das ist vielleicht noch nicht genau festgelegt für MV oder Greifswald, aber das wäre eine sinnvolle Zielmarke. Das kann man auch erreichen. Man muss dann erst sehen, wo die Autos, die wir dann trotzdem haben, parken.

Ich bin dafür, dass man die 30 wegfallenden Parkplätze in dem Bereich, wo jetzt zum Beispiel der Parkplatz ist, vorsieht. Ich bin nicht dafür, dass man dort fünfstöckige Parkhäuser baut, aber vielleicht kann man da ein weiteres Stockwerk tolerieren und man würde die Zahl der Parkplätze verdoppeln. Man könnte eine entsprechend große Zahl von Parkplätzen anderswo zugunsten von Radwegen und Fußgänger*innen öffnen und so lärmfreie Aufenthaltszonen dazu gewinnen.

Klaus Marsiske: Aber der Parkplatz muss nicht 20 Meter voraus sein, er kann auch 200 Meter entfernt, 500 Meter entfernt sein, daran wird man sich gewöhnen müssen und das werden die Leute auch akzeptieren, weil der Druck eines Tages so hoch sein wird, dass man es nicht mehr in der Innenstadt machen kann. Einfach weil man die Wohnqualität in der Innenstadt steigern muss, damit wir alle das Gefühl haben, dass es wirklich noch wohnenswert ist, sonst machen wir uns die ganze Stadt kaputt. Mit Autos darf das in der Zukunft nicht mehr gehen. Es werden auch sicherlich der öffentliche Nahverkehr und zum Beispiel Carsharing verbessert werden müssen.

Unser Greifswalder Bürgermeister gab in der Pressemitteilung zu dem Hotel folgendes Statement ab: „Greifswald benötigt dringend ein weiteres Hotel. Daher sind wir sehr froh, dass das Bauvorhaben nun endlich starten kann und im 250. Jubiläumsjahr von Caspar David Friedrich fertig gestellt werden soll. Ich bin überzeugt, dass durch die Hotelansiedlung Greifswald als Ganzes gestärkt wird. Denn mehr Touristen und Tagungsteilnehmende werden nicht nur den Einzelhandel und die Gastronomie beleben, unsere Kulturangebote nutzen, sondern auch die Greifswalderinnen und Greifswalder selbst werden davon profitieren.“ Können Sie dem zustimmen?

Klaus Marsiske: Ich glaube, dass das Hotel sinnvoll ist. Ob es so viel Effekt haben wird, wie der Oberbürgermeister vermutet, das wissen wir nicht. Aber viele Dinge stellen sich erst nach längerer Zeit als sinnvoll oder nicht sinnvoll heraus. Es ist leider auch so eine Krux bei der Stadtplanung. Man kann vieles planen und man kann sich vieles wünschen. Oftmals reagieren Menschen und Zeiten ganz anders. Aber dass die Uni ein Tagungshotel braucht, da besteht meiner Ansicht nach kein Zweifel. Das Krupp-Kolleg reicht dafür nicht aus und viele Tagungen konnten in der Vergangenheit nicht in Greifswald absolviert werden, obwohl es Greifswalder Fakultäten waren, die da maßgeblich dran beteiligt waren; sie mussten beispielsweise nach Rostock abwandern. Das ist ein Missstand. Die Universität muss gestärkt werden. Sie ist das wichtigste Standbein Greifswalds.

Silke Schnabel: Ich würde ergänzen, dass wir uns auch gefragt haben, wie das wohl eigentlich die anderen Hotels in der Stadt sehen. Ich weiß auch, dass es Tagungen gab, für die nicht genug Schlafplätze gefunden wurden. Aber ich kann auch überhaupt nicht einschätzen, ob die Leute dann wirklich herkommen, um Kulturveranstaltungen in Anspruch zu nehmen. Ich bin nicht sicher, ob das Hotel wirklich so weitreichende Effekte hat.

Klaus Marsiske: Ich denke fast, die kleinen Hotels werden nicht darunter leiden. Die Plätze in den Hotels sind arg knapp. Wenn es gelingen würde, dass mit diesem Hotel auch noch andere Leute logiert werden können, dann wäre das ganz bestimmt entspannend und wäre für spontane Reisende eine große Hilfe. Das würde auch für Greifswald nützlich sein. Das Hotel wird nicht nur universitär sein, sondern auch für die Öffentlichkeit. Sonst kriegen sie das Hotel nicht voll, wenn sie es nur für Tagungen anbieten.

Abgesehen davon, dass es ein hässlicher Klotz ist, können wir positiv bewerten, dass es dort funktionell steht.

Haben Sie noch etwas hinzuzufügen?

Tiemo Timmermann: Wir unterstützen die Idee, dass die Stadt Greifswald einen Gestaltungsausschuss einberuft. So etwas hat es wohl auch in der Vergangenheit schon gegeben. Es soll ein unabhängiges Fachgremium sein. Es soll Menschen von außerhalb einbeziehen, die nicht durch eigene Interessen bestimmte Positionen vertreten und die einen neutralen Blick auf die Stadt werfen und ihr fachliches Urteil mit in den Entscheidungsprozess einbringen. Sowas gibt es zum Beispiel, wenn ich richtig informiert bin, im Moment noch in Stralsund und Rostock. Dort gibt es gute Erfahrungen. Das muss man ein bisschen finanzieren, man muss die Leute dann auch über die Zeit entschädigen und unterbringen. Aber das, denke ich, ist gut investiertes Geld, wenn man dann die wesentlichen Pflöcke, die an zentraler Stelle der Stadt eingeschlagen werden, in der Planung von vornherein hinreichend breit diskutiert und besser abwägen kann. Ein Gestaltungsausschuss ist, denke ich, auch in der Stadt Greifswald durchaus schon in der Diskussion und ich fände es richtig gut, wenn man da einen Neustart machen könnte.

Beitragsbild: MPP/Amedia
aus der Pressemitteilung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald vom 10.01.2022

Das geistige Klima an den Universitäten

Das geistige Klima an den Universitäten

Wie fühlen sich eigentlich Professor*innen und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen an den Universitäten? Fühlen sie sich durch umstrittene Themen wie Political Correctness, Diversität und Frauenquote in ihrer Lehre beeinträchtigt? Das und viele ähnliche Fragen untersuchte die Studie „Das geistige Klima an den Universitäten“ des Instituts für Demoskopie Allensbach. Was bei der interessanten Studie herauskam, erfahrt ihr hier.

Auch du wirst wohl nicht um die Debatte „Professor Weber“ an unserer Uni herumgekommen sein. Bei dieser geht es vor allem um die Abwägung, was ein*e Hochschullehrer*in in und teilweise auch außerhalb der Uni äußern darf und was nicht. Daraufhin kam es bisher zu mehreren Demonstrationen und Anträgen in den universitären Gremien. Und genau solche Debatten haben Einfluss auf das geistige Klima an Universitäten. Denn nicht nur die Studierenden waren über diverse Aussagen von Professor Weber empört, sondern auch die Professor*innen unserer Uni.

Passend zur Thematik erschienen im November die Ergebnisse einer Online-Befragung von Hochschullehrer*innen vom Institut für Demoskopie Allensbach. Dabei wurden 1.020 Professor*innen und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen im Zeitraum vom 30. September bis zum 11. Oktober 2021 interviewt. Die Stichprobe unterlag einer Zufallsauswahl aus dem Deutschen Hochschullehrerverzeichnis und dem Mitgliederverzeichnis des Deutschen Hochschulverbandes. Auftraggebende sind der Deutsche Hochschulverband und die Konrad-Adenauer-Stiftung.

Damit ihr euch abseits des Unialltags nicht durch noch mehr Studien quälen müsst, habe ich mir die Ergebnisse der Online-Befragung für euch angeguckt. Die zentralen Punkte sind im Folgenden zusammengefasst, am Ende schließt sich noch eine kleine persönliche Einschätzung von mir an.
Anmerkung: Es handelt sich immer nur um einen Auszug aus den Angaben der Studie. Zudem wurde in der Studie nicht auf eine gendergerechte Sprache geachtet. Dies wurde im Zuge der Aufarbeitung von mir selbstständig verändert.

In der Studie wurden folgende Punkte erfragt:

  1. Selbstbild und Selbstverständnis der Hochschullehrer*innen
  2. Diversität
  3. Was an der Universität erlaubt sein sollte
  4. Der Druck durch das gefühlte Meinungsklima an den Universitäten

Selbstbild und Selbstverständnis der Hochschullehrer*innen

Es wurde die Frage gestellt: „Was ist in Ihren Augen der Zweck der Wissenschaft, was gehört zu den Aufgaben der Wissenschaft?“

Die Top 3 bei Professor*innen waren:

  1. Neues entdecken
  2. Wissen weitergeben
  3. Wissenschaftliche Erkenntnisse dokumentieren und Wissenslücken schließen

Bei dieser Frage geht es um die mangelnde Distanz: „Hatten Sie auch schon ein oder mehrmals das Gefühl, dass Sie selbst Gefahr laufen, die Distanz zu Ihrem Forschungsobjekt zu verlieren, oder ist das noch nicht vorgekommen?“. 73 % der Befragten gaben an, dass das noch nicht vorgekommen sei – bei 19 % allerdings schon. Interessant dabei ist der Blick auf die Fachgebiete: 33 % der Mediziner*innen gaben an, dass es bei ihnen so ein Distanzverlust vorkomme. Mit den 33 % liegt die Medizin vor den anderen Fachbereichen Geisteswissenschaften, Rechts-/Wirtschafts-/Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften.

Diversität

In dieser Kategorie wurde ermittelt: „Wie wichtig finden Sie ganz allgemein, dass an Ihrer Hochschule ein hohes Maß an Diversität herrscht?“ Auffällig ist, dass Frauen und Männer unterschiedliche Meinungen dazu hatten. 41 % der Frauen hielten Diversität für sehr wichtig, Gleiches galt jedoch nur für 17 % der Männer. Frauen fanden es mit 50 % (Männer: 19 %) wichtiger, dass es Diversität mit einer ausgewogenen Mischung von Männern und Frauen, Älteren und Jüngeren, Menschen unterschiedlicher Herkunft usw. gibt. Gefragt wurde auch nach dem Verhältnis zur Frauenquote. 13 % der Frauen (Männer: 3 %) gaben an, dass eine bestimmte Frauenquote eingehalten werden müsse.

Was an der Universität erlaubt sein sollte

Viele stimmten darüber ein, dass man „[a]ls Westdeutscher über die DDR forschen“ (98 %), „[a]ls Atheist über die katholische Kirche forschen“ (97 %) und „[e]inen prominenten Parteipolitiker an die Universität einladen“ (90 %) dürfe. Überraschend ist vielleicht, dass etwa die Hälfte der Befragten der Meinung war, es wäre in Ordnung, „[d]en Klimawandel zu bestreiten“, 33 % fanden es auch in Ordnung „[d]en Islam als Religion abzulehnen“ und 6 % „[d]as Grundgesetz abzulehnen„.

Interessant ist auch, dass 80 % der Befragten meinten, dass „[s]ich der gendergerechten Sprache verweigern“ erlaubt sein sollte; 17 % waren dagegen. Auch hier gab es einen Geschlechterunterschied: Frauen waren mit 28 % dagegen und nur 13 % der Männer. Allgemein waren Männer mit 61,9 % öfter für „Das sollte erlaubt sein“ als die befragten Frauen.

Druck durch das gefühlte Meinungsklima an den Universitäten

Es wurde außerdem der Frage nachgegangen: „Mit welchen dieser Verhaltensweisen würde man an einer Universität auf erheblichen Widerstand stoßen, egal, ob von den Studierenden oder von der Universitätsleitung?

Die Top 3 für 2021 waren:

  1. Das Grundgesetz ablehnen
  2. Rassenforschung betreiben
  3. Menschliche Embryonen klonen

Wie steht es um die Political Correctness? 18 % waren 2021 der Meinung, dass „[d]ie Political Correctness verhindert […], dass man bestimmten Forschungsfragen nachgehen kann“. Im Vergleich: 2019/2020 waren es nur 13 %. Das betrifft laut dieser Studie mit 21 % vor allem die Geistes- und mit 26 % die Rechts-/Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Eigene Meinung

Viele Ergebnisse scheinen eine*n nicht weiter zu verwundern. Für mich trifft das auf alle Teilbereiche der Studie zu. Das, was ich in meinem Studienalltag bemerke, spiegelt auch diese Studie wider. Manche Dozent*innen sind weltoffen und bedacht, jeden Menschen zu integrieren – andere scheinen hinter ihrem Berg von Publikationen vergessen zu haben, wie man miteinander umgeht und warum es ehrenwert ist, anderen Menschen Wissen zu vermitteln. Auch bin ich der Meinung, dass Dozent*innen an Hochschulen ihre Meinung frei äußern können sollten. Wenn ihre Meinung aber andere diskriminiert, verfassungsfeindlich ist und/oder Falschinformationen enthält, haben diese Menschen ihre Berufung verfehlt. Schließlich soll die Studierendenschaft während des Studiums lernen, wie man richtig mit Informationen umzugehen hat.

Beitragsbild: Michał ParzuchowskiHire auf Unsplash

Was war los bei den Gegenversammlungen?

Was war los bei den Gegenversammlungen?

Vielleicht hast du es schon durch diverse Social-Media-Kanäle mitbekommen oder du warst sogar selbst anwesend: Am Montag, den 06. Dezember 2021, kam es zwischen der Europakreuzung und dem Südbahnhof zu Gegenversammlungen gegen den Aufzug des AfD-Kreisverbandes Vorpommern-Greifswald unter deren Motto „Deutschland – aber normal! Impfzwang verhindern! Corona-Wahn stoppen!“. Dort soll auf Seiten der Polizei einiges schiefgelaufen sein. Hier erfährst du Genaueres.

Von 17 bis 21 Uhr waren am vergangenen Montag fünf Gegenversammlungen in Form von Mahnwachen entlang der Aufzugsstrecke der AfD in Greifswald angemeldet. 480 Einsatzkräfte waren dafür in Greifswald laut der Pressemitteilung der Polizeiinspektion Anklam im Polizeieinsatz. Die Pressemitteilung berichtet auch, dass es gegen 20 Uhr zu Widerstandshandlungen gegenüber den Einsatzkräften kam: Eine teilnehmende Person der Gegenversammlung missachtete hierbei die Anweisungen der Polizei. Es folgte ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstandes gegen Vollstreckungskräfte. Ein*e andere*r Teilnehmer*in der Gegenversammlung warf eine Banane in Richtung des Aufzuges. Auch hier folgte ein Ermittlungsverfahren, dieses Mal wegen versuchter Körperverletzung. 

Soweit so gut. Aber was soll nun Diskutables an diesem Abend passiert sein? Darüber klärt die Pressemitteilung des Arbeitskreises Kritischer Jurist*innen (AKJ) Greifswald1 vom 07. Dezember auf. Das Wichtigste aus der achtseitigen Pressemitteilung:

Der Zugang zu einzelnen Mahnwachen wurde erschwert. So wurde „die direkte Zufahrt zu den angemeldeten Mahnwachen auf der Hans-Beimler-Straße komplett verhindert“. Außerdem kritisiert der AKJ Greifswald, dass die Kennzeichnungspflicht der Einsatzkräfte „mithilfe von Schlagstöcken, Helmen oder sonstigen Einsatzmitteln, die Nummern verdeckten“ vernachlässigt wurde. Zudem wurden kältebedingt „Handschuhe und zur Einhaltung der Hygienevorschriften Masken mitgeführt. Mit beidem wurde in vielen Fällen erfolgreich die Dienstnummer versteckt.“ Es kam des Weiteren zum Einsatz der Videoüberwachung von Versammlungsteilnehmenden und auch Unbeteiligten. Es sind „eine Vielzahl von fragwürdigen Videoaufzeichnungen um das Versammlungsgeschehen aufgefallen“, erklärt der Arbeitskreis in seinem Schreiben.

Einen großen Kritikpunkt stellt der Polizeikessel in der Hans-Beimler-Straße dar. Dort kam es zu einer Sitzblockade, welche die Polizei auflösen wollte. Dabei liefen die Polizist*innen in Richtung Versammlung, entwendeten Fahrräder der Teilnehmenden und schubsten Personen oder drängten diese beiseite. Der AKJ bewertet dieses Vorgehen wie folgt: „[D]er Umgang der Hamburger Polizeibeamt:innen mit der Sitzblockade und ihren Teilnehmer:innen kann nur als gewaltorientiert und versammlungsfeindlich bewertet werden.“ Später wurde die Personenmenge von Polizeibeamt*innen eingekesselt, als sie auf die Gehwege der Hans-Beimler-Straße traten, um zur nächsten Mahnwache zu gelangen. Der Grund für dieses Vorgehen der Polizeibeamt*innen? „[D]ie Begründung für diese Maßnahme sei die Gefahrenprognose, es handle sich bei dieser Versammlung um eine Verhinderungsblockade“, macht der AKJ deutlich.

Daneben kam es außerdem zu einer Eskalation auf der Kreuzung Anklamer Str./Brinkstr., nachdem sich etwa zehn Personen zu einer Sitzblockade gebildet hatten. Der AKJ beobachtete: „[Es] wurden einzelne Versammlungsteilnehmer:innen an den Armen gepackt, angeschrien und rabiat weggeschubst. […] Andere Personen wurden hochgehoben und auf den Gehweg geworfen. Dieses Vorgehen der Polizei ist als unverhältnismäßig einzustufen.“

Es gab weitere „Vergehen“ der Polizei. Diese könnt ihr hier, vom AKJ zusammengefasst, im Detail durchlesen.

Auch die Grüne Jugend Greifswald, die Jusos Vorpommern-Greifswald und die Linksjugend Greifswald kritisierten den Polizeieinsatz am 06. Dezember und äußerten den Vorwurf, dass die Einsatzkräfte für keine Deeskalation gesorgt hätten. Sie seien Gegendemonstrant*innen aggressiv angegangen, hätten diese angeschrien und/oder weggeschoben. Außerdem hätten die Polizeibeamt*innen nicht auf die missachtete Maskenpflicht bei der AfD-Kundgebung reagiert. Bemängelt wurde auch, dass die Polizei VG in ihrer Pressemitteilung nicht selbstkritisch war.

1Der AKJ Greifswald beschreibt sich auf seiner Homepage wie folgt: „Der Arbeitskreis kritischer Jurist*innen ist eine Vereinigung von Jurastudierenden, welche die sozialen Bezüge des Rechts reflektiert und einen kritischen Umgang mit Recht fördert.“ Sie erklären auf ihrer Hompage auch: „Der Arbeitskreis Kritischer Jurist_innen (AKJ) Greifswald beobachtet seit 2010 öffentliche Versammlungen und dokumentiert, ob die Rechte [der] Demonstrierenden eingehalten werden. Problematisch ist dies etwa bei Protesten gegen Naziaufmärsche oder Castortransporte – was folglich auch das Hauptbetätigungsfeld der AKJ-Demobeobachtung ist.“

Beitragsbilder: Philipp Schulz

Adweb.kalender 8. Fensterchen: Wir bauen unser erstes (Lebkuchen-)Haus!

Adweb.kalender 8. Fensterchen: Wir bauen unser erstes (Lebkuchen-)Haus!

Alle Jahre wieder weihnachtet es auch beim webmoritz.! Hier wird Weihnachtsmusik gedudelt, werden Plätzchen gebacken und Geschichten der vergangenen, diesjährigen und zukünftigen Weihnacht unter flackernden Lichterketten geraunt. Einen Teil dieser besinnlichen Stimmung möchten wir wieder in unserem Adweb.kalender mit euch teilen. Hinter dem 8. Türchen erwartet euch: die Blaupause für ein Lebkuchenhaus!

ein Beitrag von Tom Siegfried und Maret Becker

Die gleiche Weihnachtsmusik wie jedes Jahr? Na dann los! Wir packen den doch sehr übersichtlichen Baukasten aus. Hat schon was von Geschenke öffnen. Uns erwarten 6 Lebkuchenplatten, welche das Haus ergeben sollen. Außerdem sind mit Gummibärchen, Schokolinsen und Liebesperlen wichtige Deko-Elemente gegeben. Doch vor allem stechen Feuerwehrmann Sam und die Katze aus der gleichnamigen Serie hervor. Damit sollte das Haus auch vor einem Brand gesichert sein. (Passt da wirklich drauf auf, Kerzen unterschätzt man schnell!) Wir haben uns für unser erstes Mal eine einfache Anleitung besorgt.

Die Platten legen wir für die Übersicht auf einer Lage Backpapier aus. Um alle Teile zu befestigen, müssen wir natürlich Beton (oder Vergleichbares) anrühren. Da Beton nicht so geil schmeckt, entscheiden wir uns für locker leichte 250g Puderzucker. Der Schock, dass das eine ganze Packung ist, ereilt uns genauso schnell, wie der Aufbau dauern soll. Den Puderzucker fix gesiebt, mit einem Eiweiß und zwei Spritzern Zitronensaft ausgestattet, geht es auch schon ans Mixen. Da der Mixer aber so nervig laut ist und die Weihnachtsmusik übertönt, könnte die Möglichkeit bestehen, dass die vom Architekten geforderten 10 min rühren nur zu rund 4 min werden. Das verstärkt das Fundament des Hauses zwar sehr, ist jedoch nicht die lustigste Art, die Masse aus dem Spritzbeutel zu verteilen. Nach und nach werden also die Einzelteile mit der (viel zu festen) Zuckergussmasse aneinander befestigt.

Sobald das Konstrukt steht, geht es ans Verzieren. Als Erstes kommt das Dach. In einem gewollten Durcheinander bringen wir Schokolinsen und Gummibärchen in einem Zuckergusssockel an. Um den Tannenbaum vor dem Haus wird auch noch „Schnee“ verteilt und, damit niemand hinfällt, mit Liebesperlen bestreut. Der Baum wird ganz traditionell mit einem kreisrunden lila Weihnachtsstern geschmückt. Was nicht fehlen darf, ist natürlich die Katze, die als Richtkrone an die Wand unseres ersten Lebkucheneigenheims geklebt wird.

Und so steht das gute Stück nun in unserer weihnachtlich geschmückten Wohnung. Viel Spaß beim Nachbauen!

Beitragsbilder von Maret Becker

Nach der Wahl ist vor der Regierung – Part II

Nach der Wahl ist vor der Regierung – Part II

Die Bundes-und Landtagswahl ist schon wieder etwas länger her. Bis vor Kurzem befand sich die Bildung der neuen Bundesregierung noch in der „Findungsphase“. Aber jetzt gilt „Butter bei die Fische“: Der Koalitionsvertrag steht fest. Mecklenburg-Vorpommern hingegen war schon etwas weiter. Den neuesten Stand erfahrt ihr hier.

So eine Regierungsbildung kann ganz schön lange dauern. Über die damaligen Wahlergebnisse berichtete ich schon – schließlich waren die Wahlen schon am 26. September. Damals waren noch Semesterferien, heute steht bereits der Weihnachtsmarkt. Es wurde schon gemunkelt, dass Angela Merkel doch noch die längste Regierungszeit als Kanzlerin innehaben könnte (Dauer ihrer Kanzlerschaft: 5.862 Tage, Helmut Kohls: 5.870 Tage). Doch es kommt (anscheinend) anders.

Nach der Wahl ist vor der Regierung in MV

In MV ging alles etwas gesitteter und schneller zu. Den Entwurf für den Koalitionsvertrag bekamen wir schon am 08. November zu Gesicht.

Das Wichtigste aus dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und Linke:

  • Der Frauentag (08.03.) soll ein Feiertag in MV werden.
  • Sie versprechen eine Verbesserung der Kitas, Horten und Schulen.
  • Es soll zum Ausbau erneuerbarer Energien kommen.
  • Es steht die Entwicklung zu einer klimaneutralen Wasserstoffwirtschaft an.
  • Die wichtige Rolle intakter Moore wird für den Kampf gegen den CO₂-Ausstoß hervorgehoben.
  • Hier kommt ihr zur Koalitionsvereinbarung, um genauer nachzulesen, was die Parteien erreichen wollen.

Beide Parteien stimmten dem Koalitionsvertrag zu.

Die neue Landesregierung in MV ist rot-rot:

  • Manuela Schwesig, SPD: Ministerpräsidentin
  • Till Backhaus, SPD: Landwirtschaftsminister (Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft und Umwelt)
  • Stefanie Drese, SPD: Sozialministerin (Ministerin für Soziales, Gesundheit und Sport)
  • Bettina Martin, SPD: Kulturministerin (Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten)
  • Heiko Geue, SPD: Finanzminister
  • Reinhard Meyer, SPD: Wirtschaftsminister (Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus, Arbeit, Verkehr, Energie und Landesentwicklung)
  • Christian Pegel, SPD: Innenminister (Ministerium für Inneres, Bauen und Digitalisierung)
  • Simone Oldenburg, Die Linke: Bildungsministerin; stellvertretende Ministerpräsidentin
  • Jacqueline Bernhardt, Die Linke: Ministerin für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz

Nach der Wahl ist vor der Regierung in der Bundesrepublik Deutschland

Der Koalitionsvertrag steht. Zumindest der Entwurf (Stand: 24.11.). Die Minister*innenposten scheinen bereits klar zu sein. Es kommt (anscheinend) zu einer Ampel-Regierung (SPD, FDP und Grüne).

Das sind die wichtigsten Fakten aus dem Koalitionsvertrag:

  • Bis 2030 soll „idealerweise“ der Kohleausstieg gelingen.
  • Der Mindestlohn soll auf 12 Euro pro Stunde steigen.
  • Das Wahlalter soll auf 16 Jahre gesenkt werden, was Bundes- und Europawahlen angehen.
  • Das Transsexuellengesetz soll abgeschafft werden.
  • Cannabis soll in lizenzierten Geschäften zu Genusszwecken verkauft werden dürfen.
  • § 219a StGB (Werbeverbot für Abtreibungen) wird gestrichen.
  • BAföG soll elternunabhängiger werden.
  • Hier könnt ihr alles Wichtige aus dem Koalitionsvertrag nachlesen.

Die Verteilung der Ministerien:

SPD

  • Kanzleramt
  • Inneres und Heimat
  • Verteidigung
  • Bauen
  • Arbeit und Soziales
  • Gesundheit
  • Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die Grünen

  • Wirtschaft und Klimaschutz
  • Auswärtiges Amt
  • Familie
  • Ernährung und Landwirtschaft
  • Umwelt und Verbraucherschutz

FDP

  • Finanzen
  • Justiz
  • Verkehr und Digitales
  • Bildung und Forschung

Welche Personen die jeweiligen Ministerien führen werden, wird noch bekannt gegeben. So gut wie fest stehen allerdings:

  • Olaf Scholz (SPD) als Kanzler
  • Robert Habeck (Die Grünen) als Vizekanzler
  • Christian Lindner (FDP) als Finanzminister

Endlich kamen die Ampelparteien zu „Butter bei die Fische“. Aber so endgültig steht doch noch nicht alles fest. Die SPD und FDP müssen auf ihren Parteitagen noch den Koalitionsvertrag durchbekommen und Die Grünen bei einer Mitgliederbefragung. Vielleicht kann Mutti Angi doch noch Kohl überholen, was ihre Amtszeit als Kanzlerin angeht, falls Olaf Scholz nicht am 10.12. als Kanzler vereidigt werden sollte.

Ob man sich über die Koalitionsverträge und die Regierungen freuen kann oder nicht, bleibt jedem Menschen selbst überlassen. Dennoch ist die neue Regierung in MV schon im Einsatz und versucht die vierte Corona-Welle zu beherrschen. Die neue Bundesregierung braucht noch etwas, um sich zu finden. Es bleibt also weiterhin (zumindest ein wenig) spannend.

Beitragsbild: Mika Baumeister auf Unsplash