“Mal ein Stündchen raus” vol. 7 – Der Söllkensee

“Mal ein Stündchen raus” vol. 7 – Der Söllkensee

Die dumpfe Krachmusik, die vom Innenhofe der Geographie her donnert, knallt nicht nur gegen die Scheiben der Uni-Bibliothek, sondern sucht sich ebenso unerbittlich den Weg ins Innere – so auch in die Gehörgänge. Unerträglich! Warum muss das so laut sein? Der Hunger kommt, der Schreiber geht in das Epizentrum des elektronischen Klangbebens. Dort angekommen muss meine liebliche Engelsstimme so strapaziert werden, um meinem Nebenmann bzw. meiner Nebenfrau nur ein paar Neuigkeiten übermitteln zu können, sodass schon bald die Heiserkeit einsetzt. Dabei wird genüsslich die überteuerte Bratwurst verzehrt. Nur schnell weg hier! (mehr …)

Am Montag startet die Bachwoche – Ära „Modeß“ endet

Am Montag startet die Bachwoche – Ära „Modeß“ endet

Es war das Jahr 1946, das Greifswald heute weltweit bekannt macht, aber nicht nur deshalb. Damals war jedenfalls noch nicht daran zu denken. In jenem Jahr wurde aus der Bismarckstraße die Johann-Sebastian-Bach-Straße, die den Markt mit dem Hansering bzw. dem Hafen verbindet. Umbenennungen von Straßen kommen häufiger vor. Aber dieses Jahr 1946 war auch der Startschuss für unsere Greifswalder Bachwoche, die in diesem Jahr somit schon 72 Lenze zählt. Die mediale Reichweite ist aufgrund der professionellen Organisation dieses Musik-Festivals enorm, denn der Eröffnungsgottesdienst auf dem Greifswalder Markt wird am 4. Juni um 18:00 vom Deutschlandfunk übertragen werden. Es wird keine einfache Eröffnung, denn die 72. Greifswalder Bachwoche bedeutet das Ende eine Ära, denn ihr Leiter Jochen A. Modeß tritt nach einem Vierteljahrhundert Tätigkeit ab. Und auch in diesem jahr hat er es geschafft, natürlich nicht er allein, ein Programm auf die Beine zu stellen, in dessen Liste 43 Veranstaltungen stehen. Das Motto der 72. Bachwoche heißt auch nicht ohne Grund “MeMo”. Memoria, memory – ich brauche da nichts weiter erklären. Das ist natürlich ein Wortspiel. Zum einen geht es um Kirchenmusikdirektor Jochen A. Modeß, zum anderen um den Komponisten der deutschen Romantik Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847). Dieser war Unterstützer Johann Sebastian Bachs, der eigentlich gar nicht so viel mit Greifswald zu tun hatte. Das i-Tüpfelchen ist noch die Geschichte, dass vor 25 Jahren Jochen A. Modeß mit einer Themen-Woche zu Bach und Mendellsohn-Bartholdy seine Karriere als Leiter begann.

Was gibt es in diesem Jahr? Die Bachwoche beginnt mit dem 4. Juni und endet am 10. Juni. In diesem Zeitraum bekommt das Publikum z.B. ein Konzert “Bach – Mozart – Mendelssohn” geboten. Mozart ist “neu”. Jedenfalls werden zum ersten Mal seine Klänge bei einer Bachwoche zu hören sein. Dieses Konzert beginnt am Dienstag (5. Juni) im Dom St. Nikolai um 20:00 Uhr. Studenten bezahlen dafür 6 €. Ein weiteres Highlight an diesem Tag ist das Violin-Konzert im Hauptgebäude des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems. Es beginnt bereits um 12:00 Uhr. Für Studierende natürlich etwas ungünstig, aber nur hinsichtlich des Termins. Zusätzlich wird es noch einmal um 15:00 Uhr angeboten. Im Allgemeinen wurden die 43 Veranstaltungen jeweils über den ganzen Tag verteilt. Das große Konzert “Johann Sebastian Bach: Messe g-Moll in Erweiterung durch Jochen A. Modeß” findet am Mittwoch traditionell um 20:00 im Dom statt. Und natürlich führt auch Konzert 19, das letzte der Bachwoche, wieder in den Dom. Genau…, 20:00 Uhr. Dann kommt noch einmal Felix Mendelssohn Bartholdy “ins Spiel”. Den kompletten Plan gibt es auf der Seite der Bachwoche: http://www.greifswalder-bachwoche.de/

 

Beitragsbild: Wiebke Moritz

 

Den Ryck entlang vom Graben bis zur Mündung

Den Ryck entlang vom Graben bis zur Mündung

Ob nun trübe Brühe, ein gemütliches Plätzchen zum Grillen nach der Uni oder die Atmosphäre eines Fischerdorfes bei einem Fischbrötchen – der Ryck ist allein auf den fünf Kilometern, die wohl viele unserer Studierenden kennen, ziemlich facettenreich in Relation zu seiner Kürze. Unvergessen sind die „Rycksprünge“ der letzten Jahre, um auf die Wasserqualität aufmerksam zu machen. Bald gibt es auch wieder das beliebte Drachenbootrennen, das traditionell von der HSG Uni Greifswald organisiert wird (16./17.6.). Das Wehr, die Treppen und Wiesen, die Schiffchen, die maritime Spezialitäten anbieten, die Holzklappbrücke, das Sperrwerk und letztendlich auch die Skulpturen auf der Mole sind den meisten von uns nicht unbekannt. Per Fahrrad und mit Sportschuhen bewegt man sich entlang des Treidelpfads, der die letzten ca. fünf Kilometer des Rycks, die als Bundeswasserstraße klassifiziert wurden, begleitet. (mehr …)

„Mal ein Stündchen raus“ vol. 6 – Die Nebelbänke der Peene

„Mal ein Stündchen raus“ vol. 6 – Die Nebelbänke der Peene

“Und aus den Wiesen steiget, der weiße Nebel wunderbar.” Wir alle kennen diese Verse von Matthias Claudius (1740-1815). Nebel weckt immer verschiedene Assoziationen, die irgendwo zwischen “mir doch egal”, mystisch, lästig (ein Gruß an die Autofahrer) und beängistigend liegen. Klarer Himmel und ein feuchter Boden bringen mich dazu, um 5:00 aufzustehen. Im Allgemeinen habe ich damit nicht so ein Problem wie die vielen Studenten, die es unerträglich finden, wenn sie um 8:00 Uhr an einem Freitag bei einer Lehrveranstaltung erscheinen sollen. Damit wird dann noch die geringe Anwesenheit teilweise begründet. Leute! Da gibt es an der Uni doch auch andere gravierendere und vorzeigbarere Gründe, die das verursachen. Jedenfalls nutze ich, weil ich den Nebel seit der Ausstrahlung des Horrorfilms “Nebel des Grauens” gar nicht mehr so unputzig finde, den Strahlungsnebel über der Peene einfach aus, der durch das Hochdruckgebiet der letzten Tage mit seinem wolkenfreien Himmel und durch den fehlenden Wind über dem nächtlich doch ziemlich kalten Boden entstanden ist.

Die Sonne schenkt bereits dem Tag ihre ersten, wärmenden Strahlen, es ist noch recht kühl (ca. 2,5 °C), also greife ich fix die Sachen und mache mich auf den Weg nach Görmin. Das Dorf Görmin mit seiner Gemeinde befindet sich ca. 13 km südwestlich von Greifswald zwischen der A20 und der Bundesstraße 194. Görmin verbinden die Leute mit dem Sportverein 90 Görmin und einer Gegend, die durch eine intensive Landwirtschaft ziemlich “naturlos” ist. Aber! Da gibt noch das Naturschutzgebiet “Unteres Peenetal”. Das wertet die Gemeinde mit ihrem intensiven und aktiven Gemeinschaftsleben ziemlich stark auf. Das wussten schon die Leute vor ca. 12.000 Jahren, dass es sich genau hier gut leben lässt. In der Gegend sind beeindruckende Steingräber die letzten Zeugen dieser Zeit. Zwar häufiger, aber dennoch nicht ohne, sind auch die Nebelbänke über den Wiesen und Mooren des Peenetals. Die Peene ist durch ihre Vielzahl an Pflanzen, Getier und undurchdringbares Grün auch als Amazonas des Nordens bekannt. Künstler nutzen ihre Idylle gern als Inspirationsquelle. Auf einer Strecke von ca. 85 km beträgt der Hohenunterschied nur 30 m, weshalb die Fließgeschwindigkeit gering und somit optimal für Kajaks usw. geeignet ist. Die Uferregionen sind zu einem großen Teil naturbelassen, weshalb sich doch leider nur wenige Wandermöglichkeiten bieten. Das ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, denn hier und dort durchläuft die Peene auch einige andere, interessante Stationen wie z.B. Neukalen, Demmin, Stolpe und Usedom (Peenemoore, siehe letztes Foto), bis sie dann ins Achterwasser mündet. Als angenehmen Start in den Tag – oder für Studenten als Ausklang des Tages (immer diese Vorurteile…) – lohnt sich der kurze Weg nach Görmin ganz sicher. Aber immer schön auf den Wegen bleiben!

 

Estland macht den Auftakt – Beginn des “Nordischen Klangs”

Estland macht den Auftakt – Beginn des “Nordischen Klangs”

Mit dem heutigen Donnerstag beginnt wieder das Festival der Kunst- und Kultur der nordischen Ländern, das dem Greifswalder Publikum, den Studierenden und vielen anderen Menschen bis zum 15. Mai ein buntes Programm bieten wird. Schon zum 27. Mal lädt Greifswald das Baltikum und Skandinavien in die Hansestadt ein. Die Schirmherrschaft übernahm in diesem Jahr Estland. So verwunderte es nicht, dass ein Beitrag einer Estin über Estland den Auftakt zur nordischen Kulturwoche bildete. Was bringen Assoziationen mit Estland? Die Innenstadt von Tallinn? Ja, das zeigt auch und bestätigt auch schnell die Bildersuche im Netz. Danach folgen Naturfotos. Relativ unbekannt ist die Insel Kinhu. Sie befindet sich im Rigaer Meerbusen und ist ungefähr so groß wie Hiddensee. Die Insel wurde von der UNESCO in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die ca. 700 hier lebenden Menschen beeidruckten durch ihren Modestil und ihre Art zu sprechen. Hier gibt es einen speziellen Dialekt des Estnischen. Das kann man mit Bildern nicht so gut festhalten, die Mode dagegen schon. Das versuchte die Künstlerin Birgit Püve mit ihrer Ausstellung “Poesie Kinhu” auszudrücken. Der Name klingt zwar deutsch, aber ihre estnischen Worte wurden am Abend von einer estnischen Dozentin ins Deutsche übersetzt. Inmitten der Fotographien, die die traditionelle Kleidung zeigten, gab es auch Naturfotos. Wer sie betrachtet, wird feststellen, dass wir klimatisch nicht so weit auseinanderliegen. Begleitet wurde die Rede der Künstlerin von einem musikalischen Trio, das das Publikum auch estnische Klänge verzaubern wollte. Die Ausstellung kann man noch bis zum 22. Juni in der Rathausgalerie betrachten

Der Auftakt ist gemacht. Am dritten Mai geht es dann weiter. Und es folgen bis zum 15. Mai weitere Ausstellungen, Konzerte, Vorträge, Workshops, Literatursymposium, Lesungen und viele andere Veranstaltungen mehr.

Eine Übersicht gibt es hier: http://nordischerklang.de/programm-2018/