Überall in Deutschland ist Klimawoche. Auch an der Universität Greifswald hat die AG Ökologie zusammen mit dem BUND Greifswald eine Vortragswoche unter dem Motto „Neue Welt – Neue Stadt“ organisiert. Neben täglichen Vorträgen wurde am 27.11.19 auch eine Podiumsdiskussion unter dem Motto „Klimanotstand – was nun?“ veranstaltet.
Die Stadt Greifswald hat im Sommer 2019 den Klimanotstand ausgerufen. Ob dieser Ausruf reine Symbolkraft hatte, war der Einstieg in eine wenig umstrittene Podiumsdiskussion. Die Menschen, die in dem Thema eine Kontroverse hätten sehen können, schienen in dem halb gefüllten Hörsaal im Audimax ohnehin nicht vorhanden zu sein. Die Symbolkraft des Klimanotstands wurde von den meisten Diskussionsteilnehmenden bestätigt, insbesondere in der Richtungsweisung für die laufende Legislatur der Bürgerschaft. Da der Beschluss direkt am Anfang der Legislatur getroffen wurde, erklärte die SPD-Politikerin Wölk, kann er großen Einfluss auf den, noch zu verhandelnden, Haushalt der Stadt haben. Einzig Umnus von den Stadtwerken Greifswald fand die Assoziationen mit dem Begriff „Notstand“ zu dramatisch und der Situation Greifswalds nicht angemessen.
In fast zwei Stunden tauschten sich Jörg König von den Grünen, Tiemo Timmermann (Nachhaltigkeitsbeauftragter der Universität Greifswald), Monique Wölk (SPD), Prof. Dr. Volker Beckmann (Landschaftsökonom) und Henrik Umnus (Geschäftsführer der Verkehrsbetrieb Greifswald GmbH) über ihre nachhaltigen Zukunftsvisionen für Greifswald aus und darüber, welche Wege beschritten werden sollten. Das zentrale Thema war der Verkehr in Greifswald. Alle Diskussionsteilnehmenden waren sich darüber einig, dass die Stadt den Fahrradverkehr und den öffentlichen Nahverkehr (ÖPVN) ausbauen und speziell letzteren attraktiver machen sollte. Wölk wiederholte mehrmals ihre Forderung nach einem kostenlosen oder wenigstens sehr günstigen Busverkehr, denn auch in Wintermonaten und speziell als älterer oder mobil eingeschränkter Mensch sollte man nicht in seinen Fortbewegungsmöglichkeiten limitiert werden.
Waren sich eigentlich alle einig: Jörg König, Tiemo Timmermann, Monique Wölk, Prof. Dr. Volker Beckmann und Henrik Umnus
Auch über das zweite große Thema, die Energieversorgung, gab es kaum Differenzen. Umnus berichtete über das geplante solarthermische Feld der Stadtwerke für eine zukünftige regionale Energieversorgung. Nur das Tempo und die Prioritäten der Maßnahmen wurden unterschiedlich bewertet. Beckmann mahnte wiederholt an, dass es vor allem auch von der Akzeptanz der Bevölkerung abhängig ist, während Unmus Probleme durch die EU-Vorschriften für den Wettbewerb bei Ausschreibungen sah. Im Großen und Ganzen waren sich die Podiumsteilnehmenden und das Publikum darüber einig, dass dringend gute Maßnahmen für Greifswald und die Region gebraucht werden, um die Auswirkungen des Klimawandels abzuschwächen und darüber, dass diese eigentlich viel schneller kommen sollten.
Ausgerechnet Walther Noack, der für die CDU in der Greifswalder Bürgerschaft sitzt, forderte die anwesenden Politiker*innen auf, Mut zu beweisen, auch unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen. Ein Wunsch, der nicht nur von verschiedenen Stimmen aus dem Publikum unterstützt wurde, die sowohl radikale Maßnahmen als auch auch die Erkenntnis unterstützten, die Beckmann häufiger ansprach: die Durchsetzung von Projekten ist eng mit dem politischen Willen verbunden.
Wie schlimm wird der Klimawandel Greifswald treffen? Was kann ich persönlich tun, um den Klimawandel zu stoppen und warum fällt es den meisten Menschen so schwer, bei sich selbst anzufangen? Und was haben Moore eigentlich mit dem Klimawandel zu tun?
Diese Fragen und noch viele mehr wurden am vergangenen Freitag bei der Auftaktveranstaltung der Lectures For Future beantwortet. Lectures For Future ist ein gemeinsames Projekt der Pressestelle unserer Universität und den regionalen Gruppen von Fridays For Future und Scientists For Future. Das Ganze ist eine Art Vorlesungsreihe, in der Wissenschaftler*innen in kurzen Impulsvorträgen ihr Wissen mit allen Interessierten teilen und danach für Fragen zur Verfügung stehen.
Letzte Woche begann Prof. Markus
Münzenberg, der die Professur für Grenz- und Oberflächenphysik
innehat, mit einem Vortrag über Klimamodelle. Er deutete die
komplexen mathematischen Modelle und wichtige Annahmen an, die für
funktionierende Klimamodelle entscheidend sind, und er machte auch
klar, welche Art von Vorhersagen im Moment möglich sind und welche
nicht. Faustregel: Je kleiner der Zeitraum ist, für den man
Vorhersagen treffen möchte, desto kleiner müssen die Abstände
zwischen den verschiedenen Messstandorten sein. Deswegen ist es
schwer, das Wetter für nächste Woche Freitag vorherzusagen, aber
wie der Klimawandel im Verlauf der nächsten 100 Jahre aussieht, kann
man aktuell gut berechnen.
Ganz am Ende wurde Prof. Münzenberg
konkret: In und um Greifswald sind 15.000 Menschen von
Überschwemmungen bedroht, wenn der Meeresspiegel um 30 cm ansteigt.
Und den Modellen nach ist mit 30 bis 80 cm Anstieg des Meeresspiegels
zu rechnen.
Prof. Susanne Stoll-Kleemann, die den
Lehrstuhl für Angewandte Geographie und Nachhaltigkeitswissenschaft
leitet, sprach detailliert über Barrieren und Strategien, die
Menschen davon abhalten sich klimafreundlicher zu verhalten. 80%
unserer persönlichen Emissionen setzen sich aus vier Teilen
zusammen: Fliegen, Autofahren, Fleischkonsum und der Energieverbrauch
durchs Wohnen. Und: Je höher der Bildungsabschluss ist, desto
klimaschädlicher der Lebensstil. Obwohl den meisten Menschen bekannt
ist, was schädlich fürs Klima ist, setzen sie nicht bei sich selbst
an, sondern berufen sich auf die Politik oder darauf, dass auch
erstmal andere etwas CO2 einsparen könnten.
Es sei erwiesen, dass Nachbarn und Freunde am wirksamsten das Denken und Handeln verändern können. Prof. Stoll-Kleemann rief deswegen dazu auf, dass alle, die freitags demonstrieren, außerdem schauen sollten, was sie persönlich in ihrem Leben zu Gunsten des Klimas verändern können.
Der dritte und letzte Vortrag wurde von Monika Hohlbein gehalten, die Mitarbeiterin der AG Moorkunde und Paläoökologie ist und im Greifswald Moor Centrum mitwirkt. Sie erklärte, dass Moore weltweit zweimal so viel Kohlenstoff beinhalten würden wie der gesamte Waldbestand. Außerdem würden knapp 30% aller CO2-Emissionen Mecklenburg-Vorpommerns durch entwässerte Moore entstehen, die zum Beispiel für Ackerbau oder Viehhaltung genutzt werden. Monika Hohlbein warb deswegen dafür, weniger konventionelle Landwirtschaft auf Mooren zu betreiben und mehr Moore in ihren natürlichen, feuchten Zustand zurückzuführen. Dort können zum Beispiel Pflanzen wie Schilf und Erle angebaut werden, sodass die Flächen trotzdem genutzt werden können.
Wann die nächste Lecture For Future stattfinden wird, ist noch nicht klar, die Pressestelle wird aber mit Sicherheit rechtzeitig Bescheid sagen. Und wer Lust bekommen hat beim nächsten Mal dabei zu sein, sollte ruhig seine Freund*innen mitbringen. Platz genug war im Hörsaal auf jeden Fall und lernen kann man bei den Lectures For Future auch etwas!
Am heutigen Montag beginnt die UN-Klimakonferenz in einem Vorort von Paris. Bereits am ersten Tag nahmen die über eintausend französischen Polizisten 130 Demonstranten in Gewahrsam. Aber nicht nur in Paris, Ottawa oder anderen Großstädten auf der Welt demonstrieren Menschen gegen die Klimapolitik der Nationen. Auch in Greifswald will eine kleine Gruppe von Menschen auf die Probleme aufmerksam machen – mit Badehose und Kanu. (mehr …)
Der Nordosten Amerikas wird gerade schockgefroren. An die Atlantikküsten Portugals und Spaniens knallen Riesenwellen und bei uns wurde bisher einfach der Winter übergangen. Der Klimawandel füllt einmal mehr die Zeitungsspalten. In Kneipen und auf Podien wird diskutiert. Am Donnerstag, den 9. Januar gibt es in Greifswald gleich zwei Vorträge, die sich direkt oder indirekt mit diesem Allwetterthema auseinandersetzen.
Ein Beitrag von Juliane Stöver und Wibke Oesterhaus
Im Rahmen der Ringvorlesung „Klimawandel – Fakten, Fiktionen, Folgen” findet am Dienstag den 22. Oktober um 18 Uhr die erste Vorlesung von Professor Dr. Martin Meschede im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg statt. Die wöchentlichen Veranstaltungen sind öffentlich und für jeden zugänglich und umfassen die Themengebiete von Geologie, Landschaftsökologie, Physik, Politik, Umwelttechnik und Ethik.
Hier könnt ihr das aktuelle Video von moritz.tv sehen.
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