von moritz.magazin | 28.03.2013

Wenn ich mich in dem kleinen Dorf umsehe, in das es meine Eltern nach meinem Auszug verschlagen hat, kommt mir immer dieselbe Frage in den Sinn: Warum und wieso hier, wo nicht einmal ein Bus regelmäßig fährt?
Ich selbst war aber auch nie scharf darauf in einer größeren Metropole zu leben. Aber aufs Land ziehen, wo man auf den kleinen Konsum um die Ecke angewiesen wäre – nein danke. Wenn ich mich bei anderen Leuten umhöre, streben sie nach einem Leben in der großen Stadt. Berlin, Hamburg und München – ein Traum, denn dort ist das Arbeitsangebot am vielfältigsten. Mecklenburg-Vorpommern (MV) besitzt keinerlei Metropolen dieser Größe und so wandern immer mehr junge Menschen über die Grenzen des Bundeslandes ab. In Greifswald fällt dies nicht so stark auf, weil es hier aufgrund der Universität eine Bildungswanderung gibt. Hierdurch werden nicht nur junge Leute importiert, sondern auch die Kaufkraft weiterhin angekurbelt, wovon Einzelhandel, Gastgewerbe und der Wohnungs- und Immobilienmarkt profitieren. Dabei sollte man sich aber auch vor Augen halten, dass viele Studenten nach ihrem Abschluss MV auf dem schnellsten Wege wieder verlassen.
Doch woran liegt das? Als ich einige der hier ansässigen Studenten befragte, war die Antwort fast immer dieselbe: Es fehle an Perspektiven im Bundesland. Belegen könnte man dies mit der überdurchschnittlichen Arbeitslosenquote vom Dezember 2012 in Höhe von zwölf Prozent. Diese ist aus dem Monatsbericht Dezember der Agentur für Arbeit MV zu entnehmen. Gleichzeitig liegt sie 5,2 Prozentpunkte über dem Gesamtdurchschnitt in Deutschland, wie eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit vom Januar 2013 zeigt.
Berufliche Vielfalt?
Ein weiterer Faktor scheint für mich die eingeschränkte, berufliche Vielfalt zu sein. Wie man aus einem Bericht des Landesportals MV entnehmen kann, ist die Landwirtschaft mit etwa 22 000 Beschäftigten mit einer der größten Arbeitgeber im ländlichen Raum. Aus einer Wirtschaftlichkeitsberechnung von 2010 des Tourismusverbandes MV geht hervor, dass rund 173 000 Personen durch den Tourismus in MV ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten. Wer sich nicht in touristischen oder agrarwirtschaftlichen Berufszweigen wiederfinden mag, wandert meist ab. Oder versucht in kleineren Berufszweigen wie der Universität eine Anstellung zu erhalten. Die Problematik, die sich daraus ergibt, ist ein Arbeitskräftemangel von jungen, qualifizierten Arbeitnehmern, welche mit neuen Ideen diesem Verlust entgegen wirken können. Ideen wandern ab in den Großstadtdschungel und nähren damit die dort ansässige Wirtschaft. Was bedeutet das eigentlich für den ländlichen Raum? Besonders in Regionen wie MV ist eine rasante Zunahme des demografischen Wandels ersichtlich. Doch was heißt demografischer Wandel eigentlich? Zum einen ist der demografische Wandel geprägt durch eine höhere Lebenserwartung der Bundesbürger aufgrund medizinischer Errungenschaften und einer bewusst gesünderen Lebensweise. Was somit eigentlich nicht negativ ist. Aber wir werden weniger, da die Geburtenrate immer geringer wird. Auslöser hierfür ist der Untergang der DDR, wodurch 1989 eine erhebliche soziale Verunsicherung einsetze, so aus dem Bericht „Demografie in Mecklenburg-Vorpommern – Auswirkungen auf Lebenswelten junger Menschen“ von Professor Helmut Klüter. Er ist Leiter des Lehr- und Forschungsbereiches Regionale Geographie an der Universität Greifswald.
Darin schreibt er, dass damals geltende Vergünstigungen, welche es Familien mit Kindern erleichtern sollte, gestrichen oder nicht weiter ausgebaut wurden. Ein Mangel, der selbst noch heute im Kritikzentrum steht. Hinzu kommen Abwanderungs- und Zuwanderungsprozesse. Besonders durch Abwanderungsprozesse der Jüngeren steigt das Durchschnittsalter der zurückbleibenden Personen an. Eine Dynamik, von welcher nicht nur ländliche Gegenden in MV betroffen scheinen, wie das Statistische Bundesamt 2011 prognostizierte. Es zeigte auf, dass 17 Millionen Menschen in Deutschland um die 65 und älter sind und somit 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.
Deutschland altert und schrumpft
Besonders junge Frauen gehören zu der Gruppe der Abwandernden, wodurch meist alte und gering qualifizierte Männer zurückbleiben. Hintergrund hierfür ist, dass Frauen sich bewusst gegen Kinder und Familie entscheiden und stattdessen Karriere machen wollen. Ein politisch bewegtes Jahr war daher für sie 2012, indem es um Fragen wie die Frauenquote in Führungspositionen, sowie Recht auf Betreuungsplätze von Kindern und die Thematik der Armutsrente ging. Kinder zu bekommen ist nicht mehr so attraktiv wie in den Babyboomgernerationen der 50er und 60er Jahre. Die Frauen und Männer dieser Zeit gehen in einigen Jahren in Rente und immer häufiger kommt die Frage nach nachfolgenden, qualifizierten Arbeitskräften auf. Woher nehmen wir diese, wenn wir immer weniger werden?
Deutschland altert, schrumpft und wie im Statistischen Bundesamt diagnostiziert wurde, hat man mit einem Rückgang der Bevölkerung um 12 bis 17 Millionen Menschen bis 2060 zu rechnen. Nach dieser Berechnung kommen 2050 auf ein Neugeborenes in Deutschland zwei 60-Jährige. Aus der Alterspyramide mit ihrer breiten Basis wird zunehmend ein Pilz. Dennoch sind die Regionen unterschiedlich von dem Rückgang betroffen. Städte wachsen und andere Landstriche verringern sich immer mehr.
Abenteuer demographischer Wandel
Wie wir uns entwickeln und in Zukunft damit umgehen sollten, beleuchtet das Thema „Die demografische Chance“ des Wissenschaftsjahres 2013. Die hierbei entstandene Ausstellung „Zukunft leben: Die demografische Chance“ der Leibniz-Gemeinschaft zeigt, wie sich der demografische Wandel auf unsere Lebensprozesse auswirken wird. Zurzeit zu sehen im Museum für Naturkunde in Berlin, später ist die Ausstellung in Mainz, Dresden, Bochum, Bremerhaven und München. Beleuchtet werden in neun Abteilungen, wie wir lernen, arbeiten, Familien gründen, wohnen und zu guter Letzt altern werden. Den Ausgangspunkt bilden Ergebnisse und Lösungsvorschläge aus der Forschung. Anschaulich durch begehbare Modelle, viele persönliche Fotografien und Comics wird den Besuchern das Abenteuer demografischer Wandel näher gebracht und erklärt, welche Faktoren die Bevölkerungsentwicklung in den kommenden Jahren beeinflussen werden.
Als ich nun selbst durch die Tore des zerstörten Bevölkerungsbaumes der letzten Jahre unseres Landes schritt, der aus hellem Holz gefertigt wurde und den Beginn der Ausstellung bildet, frage ich mich, inwieweit wird die Thematik vielleicht verharmlost? Selbst durch die warm gewählten Farben und Formen, welche eine beruhigende Atmosphäre auslösen sollen, spüre ich, dass einiges unausgesprochen bleibt, trotz des Informationsreichtums, der geboten wird. Es wirkt fast schon wie eine Art Hinnahme und Entwicklung, die unaufhaltsam scheint und wogegen wir nichts tun können. Mir kommen die Fragen in den Sinn: Wo sind die Alternativen? Wie können wir der Abwanderung aus ländlichen Gegenden entgegenwirken und ist es letzten Endes kein Problem, dass ganze Landstriche dünner besiedelt werden und die Städte fast platzen? In einem weiteren Bericht „Von der Dominanz der Agrarindustrie zum Garten der Metropolen“ von Klüter heißt es: „Der demografische Wandel gilt als gottgegeben und wird von der Landespolitik bis in die Ewigkeit verlängert. [Somit] diente [er] auch als Vorwand für die Kreisgebietsreform 2011.“ Dabei seien am stärksten die kleinen Gemeinden der ländlichen Regionen des Landes betroffen, so in seinem Bericht „Demografie in Mecklenburg-Vorpommern – Auswirkungen auf Lebenswelten junger Menschen.“ In diesem verweist er gleichzeitig auf eine Alternative zum demografischen Wandel in MV, deren Aufgabe es sein sollte, die ländlichen Räume aus ihren passiven Opferrolle zu befreien. Dabei sei es wichtig, zukunftsfähige Leitbilder zu erarbeiten, wie beispielsweise den „Garten der Metropolen“.
Dieses Leitbild würde die vorhandenen Faktoren – wie den Freizeit- und Erholungswert der ländlichen Räume – ausbauen sowie erweitern und miteinander verbinden. Das bedeutet weiterhin, dass die Landwirtschaft die eigene Bevölkerung sowie die Metropolen mit regional erzeugten Produkten bedient. Es würden zusätzlich Produktions-, Kunst-, Kultur- und Dienstleistungssektoren geschaffen werden, wodurch man nicht oder zeitweise nicht mehr auf das Arbeitsangebot in der Stadt angewiesen wäre. Damit könnte man ein qualitativ hochwertiges Wohnen und Arbeiten vor ländlicher Kulisse ermöglichen, in welcher Kind- und Familiengerechtigkeit gewährleistet wäre. Erreichen könne man diese Verbindung durch ein neues Monitoring für ländliche Räume und indem man ländliche Räume untergliedert, die dort ansässigen Gemeinden unterstützt, die Bindeglieder zwischen regional effektiver Landwirtschaft, Tourismus, Kunst, Kultur, Sozialbereich und Wohnen stärkt.
ein Feature von Ulrike Günther
von moritz.magazin | 28.03.2013

Die unerwünschten allsemesterlichen Prüfungen sind für die meisten von uns vorbei und man kann sich wieder schöneren Dingen hingeben, zum Beispiel dem alltäglichen Schwachsinn. In meiner Prüfungszeit habe ich immer die Angewohnheit mich zu Hause förmlichst zu verstecken und hauptsächlich nur zum Arbeiten rauszugehen. Wo dies nun so gut wie vorbei ist und der Abschluss zum Greifen nah (Jippiehh), fällt mir alltäglicher Schwachsinn neuerdings an allen Ecken förmlichst entgegen.
Dank Facebook und Co. wissen wir zwar, wie das Essen unserer Freunde aussieht, können aber immer noch nicht richtig kochen. Auch die neuesten Tassen bei Bäckerei Junge entgehen uns nicht. In Foren unterhält man sich ganz angeregt darüber, dass der neue Papst nun doch nicht schwarz ist und warum er nur einen Lungenflügel hat. Und irgendwie scheint das wichtiger zu sein als die Tatsache, dass Politiker wie Assad immer noch ungestört Menschen töten lassen.
Auf der Straße werde ich von Leuten regelrecht umgelaufen, weil sie nach unten auf ihr Handy gucken, anstatt in die Welt nach oben. Sie beschweren sich über Schnee, aber bemerken vor lauter Rumspielerei die Sonne gar nicht. In der Kaufhalle motzen Kunden, weil ein Angestellter zu langsam die Melone an der Salatbar schneidet, während sie selbst dann an der Kasse stundenlang nach Kleingeld suchen. Den Höhepunkt des alltäglichen Schwachsinns habe ich dann schlussendlich in meinem Fernseher gefunden, ganz zufällig beim Zappen.
Deutschland sucht den neuen erfolglosen Superstar und gleichzeitig heulen Mädels bei Heidi Klum rum, dass man ihre Haare abschneidet, damit sie das nächste, ebenfalls erfolglose Topmodel werden können. Während ein Typ namens Elvis in Russland versucht eine Frau mit Wodka rumzukriegen, streiten sich ein paar Weiber um einen Typen und seine Rosen. Der Bachelor im TV ist eben unterhaltsamer als der Bachelor auf dem Papier und Nadine weiß bei Frauentausch nach langem Überlegen immer noch nicht, welche Wurst sie am liebsten isst. Stumpf ist Trumpf.
Ich für meinen Teil habe nun beschlossen, dass der Fernseher noch häufiger als sowieso schon ausbleibt. Ich tausche Fernsehzeit und Internetblödsinn gegen ein Buch und Zeit mit meinen Freunden an der frischen Luft. Manchmal sind Prüfungen vielleicht doch gar nicht so schlecht, so bleibt man wenigstens etwas fitter im Kopf.
Laura-Ann Schröder
Das aktuelle Magazin findet ihr analog überall in der Uni, oder hier zum Download.
von moritz.magazin | 28.01.2013
Seit einem halben Jahr lädt ein öffentliches Tauschregal in der Innenstadt zum unkomplizierten Bücherhandel ein. moritz ist auf der Suche nach den Wurzeln des ersten Greifswalder Bücherbaums und den Früchten, die er trägt.
Winter in Greifswald – ein leidiges Thema. Die Straßen der Stadt sind vereist, der Himmel grau und die Bäume kahl. Bis auf einer.
Am Platz der Freiheit – den meisten besser als Europakreuzung bekannt – wurzelt seit Juli vergangenen Jahres ein besonders prächtiges Exemplar. Aus seinem Stamm wachsen Bücher der verschiedensten Genres und Farben. Ein bunt gefüllter Bücherbaum ist das.
Die Idee zu dem Projekt ist von der Spree zu uns herübergeschwappt. Wie so vieles in Greifswald, könnte man meinen. Mode, Mate und Musik, … jetzt eben auch Bücherbäume. Vielleicht kennen einige von euch sogar die Rotbuche in Berlin Köpenick/Grünau oder die fünf Baumstämme an der Ecke Kollwitzstraße/Sredzkistraße in Prenzlauer Berg, nach deren Vorbild das Greifswalder Projekt entstanden ist. Vertreter des Kulturamts, der Jugendkunstschule, der Stadtwerke Greifswald und des Vereins Bücherfreunde e.V. setzten sich vergangenen Jahres in einer Arbeitsgruppe zusammen und diskutierten lange über eine mögliche Umsetzung. Das Ergebnis: Im Sommer wurde die Skulptur des Stralsunder Bildhauers Raik Vicent an der Bushaltestelle in der Anklamer Straße aufgebaut. Die Finanzierung haben die Stadtwerke übernommen und auch die Sparkasse Vorpommern ist mit einem Metallschild am Baum als Sponsor vermerkt. Mitglieder der Bücherfreunde betreuen das öffentliche Tauschregal. Fast täglich füllen sie die Fächer mit Büchern aus ihrem Bestand auf und kontrollieren, was von den Passanten hineingestellt wurde. Dabei kann es allerdings auch vorkommen, dass „fremde“ Bücher mal eben entfernt werden, wenn sie dem Sinn der Bücherfreunde nicht entsprechen.

Buchdeckel mit dem Aufruf, sich beim moritz zu melden.
Diesem Eifer fiel wohl auch moritz zum Opfer. Anfang Dezember hatten unsere Redakteure einige Bücher mit einem kleinen Text und der Bitte, sich bei „Fund“ zu melden, präpariert und in den Bücherbaum gestellt. Auf eine Antwort warteten wir vergeblich. Dabei war durchaus ansprechende Literatur darunter: zwei Krimis, ein Kinderbuch, ein paar Romane. Aber wie Paul Kroll vom Verein deren Interessen und Bestand beschrieb: „Der Grundstock sind eben die guten DDR-Verlage.“
Von eben diesen finden sich hunderte, ja tausende wahre Klassiker und Raritäten in den Vereinsräumen in der Spiegelsdorfer Wende. Ein echtes Erlebnis, sich dort durch das Labyrinth aus Lesestoff zu forsten – wie in einem richtigen Bücherwald eben!
Weitere Bücherbäume geplant
Doch zurück zu dem einzelnen Baum an der Europakreuzung. Auch hier trifft man nicht selten Neugierige, die einen Blick in die Regalfächer werfen. Natalia Okuń ist eine von ihnen. „Immer wenn ich auf den Bus warte, schaue ich, ob etwas Interessantes für mich dabei ist“, verrät sie. Der Bücherbaum ist ein absolutes Novum für die polnische Austauschstudentin. „Am Anfang wusste ich nicht, wie das funktioniert, aber jetzt nutze ich das Angebot oft, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern.“ Im Gegenzug hat Natalia einige polnische Bücher in den Baum gesteckt für die Studenten, die hier in Greifswald ihre Sprache lernen.

Der Bücherbaum an der Europakreuzung.
Es scheint, als wäre dieser neue Trend ein voller Erfolg. Und die Akzeptanz der Bürger zahlt sich aus: Schon jetzt plant die Arbeitsgruppe um den Bücherbaum, weitere Exemplare in der Hansestadt zu etablieren. Nur wenige Meter entfernt vor den Kunstwerkstätten wäre so ein Standort. Und auch Schönwalde soll mit einem Bücherbaum aufgeforstet werden. Nur das liebe Geld verzögert wie gewöhnlich jegliches Vorhaben. Zumindest der Baum an der Europakreuzung bleibt vorerst bestehen. Die Bücherfreunde geben ihr Bestes, sein Inneres trocken zu halten, doch das raue Klima macht auch vor Bücherbäumen nicht Halt. Im Laufe der Monate hat sich das Holz mal zusammengezogen, mal ausgedehnt, schließlich hier und da gespalten. Ihn als mobile Tauschbörse zeitweilig in anderen Teilen der Stadt aufzustellen, wie ursprünglich angedacht, ist daher nicht mehr möglich. Allerdings gibt es zumindest in der Innenstadt auch noch andere Orte, die zum „Bookcrossing“ einladen. So befindet sich neben dem Jugendhaus Pariser seit Längerem ein in die Wand eingelassenes Tauschregal, ebenso in der Gützkower Straße am Waschsalon. Eine ältere Passantin begrüßt die Idee: „Es ist doch so: Man sammelt und sammelt, und irgendwann landet es im Keller. Hier haben die Bücher wenigstens noch Verwendung.“
Natalia ist von dem Prinzip sogar so begeistert, dass sie die Bücherbäume nun auch in ihrer Heimat vorschlagen will, zuerst an der Universität und später vielleicht im Stadtzentrum. Schon bald könnte es in Polen dann heißen: „Das haben wir uns aus Greifswald abgeguckt.“ Wer braucht schon noch Berlin als Trendsetter?
Ein Feature von Laura Hassinger; Bilder von Laura Hassinger
von moritz.magazin | 28.01.2013
Na, seid ihr gut im neuen Jahr angekommen? Habt ihr die Schlemmereien überlebt und auch beschlossen „Ab jetzt lebe ich gesünder“? Ich für meinen Teil habe mich nach den weihnachtlichen Fressorgien zu zwei Wochen vegetarischem Dasein entschlossen, da ich kein Fleisch mehr sehen kann. Glücklicherweise gibt es eine Menge sehr leckerer, vegetarischer Gerichte, sodass keine Langeweile aufkommt, wie manche eingefleischte Fleischesser gerne behaupten. Vieles Asiatische, einiges Mediterrane und auch manches Deutsche ist fleischlos. Und selbst eines der klassischen Fleischgerichte – der Burger – ist ziemlich einfach vegetarisch zuzubereiten. Der Clou dabei sind natürlich die Bestandteile der Bratlinge, und ich zeige euch, wie ihr sie richtig schmackhaft hinkriegt.
Der Vorteil von Burgern ist, dass sie leicht zu variieren sind; mal mit Tomate und Zwiebel, mal mit Gurke, Salat und Zucchini, und jedes Mal eine andere Sauce. Dazu kommt, dass die vegetarischen Bratlinge nicht schwer im Magen liegen, im Gegensatz zum klassischen Hackfleischburger. Also ein gesunder, leichter Ausgleich zum Geschlemme über die Feiertage.
Ein bisschen Vorbereitung solltet ihr allerdings einplanen, denn die Linsen und der Reis müssen abkühlen, bevor ihr daraus die Bratlinge formen könnt. Also am besten morgens oder bereits am Vortag aufkochen. Dann geht alles fix: Sellerie, Zwiebeln und Knoblauch kleinschneiden, Möhren reiben, in einer Schüssel mit Reis, Linsen, Eiern und Kumin (Kreuzkümmel) mischen. Etwas Pfeffer und Salz dazu, eventuell auch Mehl, damit die Bratlinge nicht auseinanderfließen, sondern halbwegs formstabil sind.
In einer Pfanne bratet ihr die etwa handtellergroßen Bratlinge in Öl an, bis sie hellbraun sind, was eine Weile dauern kann (nicht auf höchster Stufe, sonst sind sie schnell schwarz). In der Zwischenzeit halbiert ihr die Brötchen und toastet sie. Das geht auch im Backofen, dauert nur etwas länger. Salat, Gurke, Tomate, Zwiebel und was ihr sonst noch auf eure Burger packen wollt, zurechtschneiden, Brötchen aus dem Toaster oder Ofen holen und mit Sauce bestreichen. Die genaue Schichtung eurer Burger ist euch überlassen, Hauptsache es schmeckt und ihr könnt noch gerade so abbeißen. Dazu passt eine Lemongrass-Limonade. Haut rein!



Für 12 Burger braucht ihr:
12 Burgerbrötchen (logisch)
125g Reis, am besten rot
125g Linsen
2 Möhren
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Stange Staudensellerie
1 TL Kumin (Kreuzkümmel), gemahlen
2 Eier
Salz, Pfeffer, Mehl
Zum Garnieren Salat, Gurke, Tomate, Zwiebel, Sauce, Käse, etc.
Von und mit Erik Lohmann; Bilder von Milan Salje
von moritz.magazin | 28.01.2013
„Deutsch für alle!“ – Studenten des Faches Deutsch als Fremdsprache geben für internationale Studierende und Asylbewerbern Deutschunterricht und lernen so die Welt der Integration kennen.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Beziehungen zu internationalen Studierenden sowie Menschen mit Migrationshintergrund zu fördern, hat die Referentin des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) Christin Weitzmann das Projekt „Regenbogen“ im Dezember 2011 ins Leben gerufen. Nach einem Jahr der Planungs- und Vorbereitungsphase wurde das Vorhaben im letzten Jahr vorgestellt. Das Projekt richtet sich vor allem an Studierende des Faches Deutsch als Fremdsprache (DAF), die sich die Arbeit auch im Rahmen des Bachelor-Pflichtpraktikums anerkennen lassen können.
Unter dem Motto: „Deutsch für alle!“ geben die Studierenden im Lektorat des Studienkollegs und im Flüchtlingsheim Greifswald Deutschunterricht. Im Lektorat werden Konversationskurse angeboten, im Flüchtlingsheim gibt es verschiedene Angebote wie einen Alphabetisierungskurs, ein Deutsch-Anfängerkurs und eine Hausaufgabenhilfe für Kinder.
Sichtstunde im Lektorat
Für die Gestaltung des Deutschunterrichts sind die DAF-Studenten selbst verantwortlich. Sie treffen die Entscheidung über den Inhalt und den Aufbau. Trotz der hohen Eigenverantwortung, die die Studierenden tragen, sind sie nicht völlig auf sich alleine gestellt. So werden ihnen Unterrichtsmaterial und Leitfäden zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiter des Lektorats kommen sogar zur Sichtstunde, bewerten die „Deutschlehrer“ und geben Verbesserungsvorschläge. Inhaltlich werden das Studium, der Alltag und die Kultur in Greifswald thematisiert, auch der Umgang mit den Behörden wird besprochen. Gerade für die Kursteilnehmer im Lektorat ist es von Bedeutung, da sie sich entweder auf ein Studium in Deutschland vorbereiten oder erst noch dafür qualifiziert werden müssen.
Neben der Didaktik machen die Studierenden eine ganz andere Erfahrung. Unterschiedliche Kulturformen, wie die Kultur Afrikas oder des Orients, treffen im Flüchtlingsheim aufeinander, dem gegenüber steht die eigene Kultur, die die Studierenden mitbringen – das kann zunächst einmal eine ziemlich beängstigende oder überfordernde Aussicht sein. Aus diesem Grund werden die infrage kommenden Studenten durch das Flüchtlingsheim geführt, bevor sie dort anfangen, Deutsch zu unterrichten. So wird eine erste Vertrautheit mit der Situation der Asylanten hergestellt, die dann eine Vertrauensbasis für die ersten Unterrichtsstunden bietet. Sollten dennoch Berührungsängste bei den Studierenden bestehen, so werde diese durch die freundliche Atmosphäre schnell beseitigt, erzählt Christin. Die Bewohner kommen alleine auf einen zu, vor allem diejenigen, die schon ein bisschen Deutsch können, um sich zu unterhalten.
Nach und nach nimmt das Gefühl der Fremdheit auf beiden Seiten ab. Zu vielen Gelegenheiten bringen dann beide Seiten einander die jeweils unvertraute Kultur nahe, wie durch gemeinsame Feste: Im Dezember organisierte der AStA eine kleine Weihnachtsfeier im Flüchtlingsheim. Hierfür haben die Mitglieder des Regenbogenprojekts Geschenke für die Kinder gesammelt und Plätzchen gebacken. Während die Plätzchen gut ankamen, waren die meisten Bewohner von der klassischen Weihnachtsmusik nicht so begeistert.
Im Flüchtlingsheim herrscht eine familiäre Atmosphäre
Ohne lange zu zögern haben die Bewohner den Studierenden ihre Musik nahe gebracht, die Kinder begannen zu tanzen. Musik verbindet. Bei Augenblicken wie diesen bleibt es nicht, auch in vielen alltäglichen Situationen in den Kursen merkt man deutlich, dass viele Bewohner Interesse zeigen. „Man kann regelrecht sagen, dass nicht die Flüchtlinge integriert werden, sondern wir Deutschen“, erzählt Christin. Aufgrund der familiären Atmosphäre bleiben einige DAF-Studenten nach ihrem Praktikum ehrenamtlich dabei.
Dennoch bleibt es wichtig, dass die DAF-Studenten lernen, das aufgebaute Vertrauensverhältnis auf einer professionellen Ebene zu gestalten. „Man muss nur ab und zu den Punkt finden, wo man sagt, jetzt ist gut. Einige kommen dann auch und wollen etwas erklärt haben oder eine Beratung, das dürfen wir nicht“, so Christin.

Für jedes Kind gab es Geschenke, auch für die Kleinen
Insgesamt kommt das Projekt „Regenbogen“ bei den Bewohnern sehr gut an. Natürlich erreicht man nicht jeden, aber ein Anfang ist gemacht und „eigentlich hätte es mittlerweile zum Selbstläufer werden können“, berichtet die AStA-Referentin. Doch der Betreiberwechsel des Flüchtlingsheims durch European Homecare im November 2012 sorgte bei den Mitgliedern des DAF-Projekts für Unruhe. Das Weiterbestehen des Projektes blieb lange fraglich. Während die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und früheren Mitarbeitern sehr gut verlief, hat das Programm des DAF-Projekts eine Umstrukturierung erfahren. Die vielen Unsicherheiten haben dazu geführt, dass nicht mehr die Mitarbeiter des Flüchtlingsheims die Unterrichtsstunden für die Studierenden bestätigen. „Der Kontakt zu den früheren Mitarbeitern war ein bisschen familiärer, deswegen konnte man das besser nachvollziehen“, erzählt Christin. Nun handhabt man die Angelegenheit wie im Lektorat, wo die DAF-Studenten von allen Teilnehmern nach jeder Unterrichtstunde eine Unterschrift bekommen. Ist ihre Pflicht erfüllt, können sie damit zum Lektorat gehen und sich eine Praktikumsbestätigung holen; für die Arbeit im Flüchtlingsheim macht das vorläufig der AStA. Auch in Zukunft wird man im Flüchtlingsheim Deutschunterricht geben können, die Kurse zur Hausaufgabenhilfe für die Kinder sollen sogar ausgeweitet werden. Nur um das Lektorat ist es nicht gut bestellt. Die Kurse werden zu wenig besucht. Dafür gibt es erfreuliche Nachricht aus Wolgast: Nach mehrfachen Anfragen hat man beschlossen, dass DAF-Projekt Regenbogen auf das Flüchtlingsheim in Wolgast auszuweiten.
Ein Feature von Preciosa Alberto; Bilder von Charlotte Saebsch