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Was macht mein*e Dozent*in eigentlich sonst so beruflich?
Diese Frage haben wir uns in letzter Zeit in der Redaktion häufiger gestellt.
Als Student*in vergisst man manchmal, dass die Lehre nur einen Aspekt der Uni ausmacht. Und selbst wenn man ahnt, womit sich der*die ein*e oder andere Dozent*in und seine*ihre Arbeitsgruppe in dem eigenen Studienfach beschäftigen, so bleibt es oft bei dieser groben Idee. In den Arbeitsalltag anderer Fakultäten oder sogar Institute erhält man selten einen Einblick. 

Wir fragen nicht mehr nur uns:
„Was macht mein*e Dozent*in eigentlich sonst so beruflich?“,
sondern fragen diese einfach selbst.

Als nächstes folgt Prof. Dr. Hans Pechtl aus der Wirtschaft.

Universität Greifswald

Wie erklären Sie fachfremden Personen Ihre Forschung?
Um so ein Forschungsprojekt Fachfremden zu erklären, sind Beispiele immer am besten, da man anhand von Beispielen das Problem skizzieren kann, um anschließend etwas tiefer zu gehen und dann die Forschungsfrage, die einen interessiert, anhand von Beispielen zu verdeutlichen.

Im Moment forsche ich über Themengebiete im Marketing, die man das Cause-Related Marketing nennt. Das sind vereinfacht gesagt Unternehmen, die eine gute Tat vollbringen. Diese taktet man in das sogenannte Corporate Social Responsibility eines Unternehmens ein, bei der das Unternehmen selbst im Anschluss über diese gute Tat berichtet. Vor allem natürlich gegenüber den Nachfragern, z. B. indem man diese in eigene Marketingaktionen einbaut. Das sind dann beispielsweise solche Aktionen, bei denen ein Nachfrager ein Produkt kauft und ein bestimmter Geldbetrag einer Stiftung oder einem guten Zweck zugeführt wird.

Und das ist im Moment ein Forschungsgebiet, das sehr weitläufig ist und aus dem mich einige Fragen interessieren, beispielsweise: Spielt es eine Rolle, wie gut Unternehmen und dieser sogenannte Cause (die gute Tat) zusammenpassen? Das ist die Frage des Cause Brand Fit, an dem ich zur Zeit arbeite. Erst einmal das Reinlesen in die Literatur und die Ideengenerierung.

Ich habe auch eine Promovendin, die über Cause Related Marketing ihre Doktorarbeit schreibt – das ist also kein Thema, das hier nur von mir allein gemacht wird.

Hätten Sie auf Anhieb ein Beispiel für Ihr Forschungsprojekt?
Eine interessante Frage im Zusammenhang mit diesem Fit ist: Wenn ein Unternehmen möglicherweise auch für den Missstand verantwortlich gemacht wird – also beispielsweise ein Mineralölkonzern unterstützt eine Stiftung, die sich dem Naturschutz verschrieben hat, z. B. Naturschutz im Bereich von Meeresfauna, er selber aber zur Verschmutzung beiträgt. Jetzt verkündet er groß in der Öffentlichkeit, er engagiert sich im Meeresschutz. Das passt vielleicht zusammen, es gibt da gewisse Gemeinsamkeiten, die aber von den Nachfragern möglicherweise sehr negativ gesehen werden. Im Vergleich dazu eine Kosmetikfirma, die sich im Bereich der Brustkrebsforschung engagiert, was sehr häufig der Fall ist. Da haben wir das gemeinsame Merkmal Kosmetik, welches vor allem Frauen interessiert. Frauen erkranken an dieser Krebsart, sodass dort ein positiver Fit vorliegt. Eine spannende Frage wäre dann: Kann man da tatsächlich den negativen Fit und positiven Fit unterscheiden? Ergeben sich dadurch unterschiedliche Marketingwirkungen? Und das ist eine der Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Cause Brand Fit ergibt.

Warum ist das, was Sie forschen so interessant/wichtig?
Das kann man zweigeteilt sagen: Zum einen ist das Angenehme an der Tätigkeit eines Hochschulforschers oder Hochschullehrers, zumindest an einer deutschen Universität, dass man sich mit Sachen beschäftigt, die man von sich aus als interessant empfindet – unabhängig davon, ob das jetzt ein unmittelbares Praxisinteresse hat oder ob sich dafür Forschungsgelder gewinnen lassen. Diese Frage stellt sich jetzt, angenehmerweise, nicht so stark.

Es ist ein Gebiet, auf das ich vor einiger Zeit, auch über einige Diplomarbeiten, gekommen bin. Als interessant empfinde ich dieses Gebiet vor allem, weil es viele taktische Beispiele dazu gibt. Insofern ist dieses Thema auch einmal aus Sicht der Praxis relevant, wobei das jetzt nur eine zweitrangige Bedeutung hat. Das Thema, welches die empirische Forschung betrifft, das kann ich hier mit einfachen Mitteln durchführen. Das bedeutet, es handelt sich um Befragungen, die nicht so kostenintensiv sind, sodass ich nicht irgendeinen Sponsor suchen muss, der mir dafür Geld gibt. Wenn die Ergebnisse dann interessant genug sind, werden diese, hoffe ich, auch veröffentlicht werden. Über diesen Weg kann möglicherweise auch ein Unternehmen auf einen aufmerksam werden und sagen: Ich hätte da eine spezielle Frage und man könnte das doch in einem Projekt bearbeiten.

Aber diese Praxisrelevanz ist, wie gesagt, eigentlich zweitrangig. Es ist ein Themengebiet, das mich interessiert und das in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen eine gewisse Häufigkeit hat. Was die Aufsätze betrifft, gibt es immer einige pro Jahr, die sich mit der Frage beschäftigen. Das ist also kein völliges Orchideenthema, das nicht beackert wäre, aber ob das jetzt aus Sicht der Praxis große Euphorie auslöst, das ist zweit- oder drittrangig.

Welches Forschungsprojekt war Ihr interessantestes?
Das, an dem man im Moment sitzt, ist immer das spannendste. Ich hatte aber schon andere Forschungsbereiche zu ganz anderen Fällen. Vor ein paar Jahren habe ich mich mit dem Bereich der Entscheidungsforschung beschäftigt. Das war auch sehr interessant und die Beiträge, die ich veröffentlicht habe, die werden auch heute noch zitiert. Man bekommt es immer noch mit, wenn einer wieder den Aufsatz zitiert. Das war auch eine recht interessante Sache, die erstaunlicherweise dann auch in einige Teile meiner Lehre eingeflossen ist. Ob man das jetzt positiv oder negativ sieht, letztlich haben auch die Studierenden etwas davon.

Wie hat sich das entwickelt, dass Sie von der Entscheidungsforschung zum jetzigen Forschungsthema gekommen sind?
Es ist schon so, dass man immer ein bisschen nach Abwechslung strebt. Wenn man eine Teilfrage behandelt hat, dann hat man auch immer ein bisschen das Gefühl, das ist jetzt mal abgehandelt. Ich sehe da jetzt wenig Sinn drin, das weiter zu behandeln. Wenn man da vier, fünf Jahre dran gesessen hat und ein paar Veröffentlichungen gemacht hat, dann hat man immer den Wunsch nach Abwechslung. Es gibt ja noch andere interessante Felder. Und daher hat sich dann eben dieses Cause Related Marketing eingeschlichen. Auf das bin ich gestoßen und dachte, das ist ja auch sehr interessant. Da gibt es zwar einiges an Veröffentlichungen, aber das scheint auch nicht so ein Themengebiet zu sein, das schon ausgelotet ist wie der Bereich aus der Entscheidungsforschung, in dem ich war, sodass man sich eben diesem Bereich zuwenden kann.

Können Sie Ihre Forschung in die Lehre einfließen lassen?
Das geht schon in Teilen. Wichtig ist, dass es immer nur ein kleiner Bereich der Lehre ist, weil es auch sehr spezifisch ist, sodass es im Grunde für eine Vorlesung zu detailgenau ist. Man kann das exemplarisch mal bringen. Es ist sicherlich kein Schwerpunkt in einer Vorlesung, aber punktuell kann man das schon einfließen lassen und es bietet auch auf Seiten der Studierenden Raum für mögliche Bachelor-, Diplom- und Masterarbeiten.

Wie sind Sie überhaupt darauf gekommen in den Bereich Wirtschaft zu gehen?
Das ist im Grunde schon eine Frage der Studienplatzwahl. Es gab immer schon ein gewisses Interesse für kaufmännische Fragen. Und ohne, dass das jetzt irgendein großes Geheimnis ist: Eines meiner Lieblingsbrettspiele in der Jugend war immer Monopoly, aus welchen Gründen auch immer. Es gab da immer eine gewisse Affinität zu Fragen der Wirtschaft. Und ich habe eben vor vielen Jahren angefangen, in Passau Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Dort bin ich auch vom Studium zu einer Promotionsstelle gekommen, im Bereich Marketing. Und in diesem Bereich bin ich hängen geblieben. Was die universitäre Tätigkeit betrifft, ist das schon immer eine Tätigkeit, die mir gefallen hat, weil man wenig von Äußerlichkeiten eingeschränkt ist wie in einer abhängigen Tätigkeit, wo man meist in einem engeren Korsett steckt. Das freiere Leben an einer Universität hat immer schon einen sehr großen Anreiz für mich gehabt. Was umgekehrt natürlich nicht so zu verstehen ist, dass es irgendwie in die Richtung von „Der will nicht arbeiten“ geht. Umgekehrt heißt auch die Tätigkeit hier an der Universität, dass man abends sehr lange etwas macht oder wenn an Wochenenden irgendwas ansteht, gearbeitet wird. Aber diese freie Einteilung der Tätigkeiten und der Arbeitszeit und auch der Inhalte, die man mit der universitären Tätigkeit verbindet, hat schon einen sehr hohen Anreiz geboten. Und durch das Fach Betriebswirtschaft und Marketing war schon immer eine gewisse Nähe gegeben.

Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich Medizin gemacht hätte oder Journalismus. Geschichte vielleicht noch, das ist richtig, aber da war immer auch die Überlegung dahinter, was man dann später mit dem Studium anfangen kann. Eine gewisse materielle Absicherung, dass man nach dem Studium auch eine Arbeitstätigkeit finden wird, war sicherlich auch nicht zu vernachlässigen. Diese Überlegung ist dann irgendwann in einer Universitätslaufbahn geendet. Das war lange nicht absehbar.

Du hast die vorherigen Vorstellungen verpasst?
Hier findet ihr den Beitrag zu Prof. Claus Dieter Classen aus der Jura.
Hier findet ihr den Beitrag zu Prof. Michael North aus der Geschichte.
Hier findet ihr den Beitrag zu Prof. Mareike Fischer aus der Biomathematik.

Beitragsbild: Magnus Schult, in Zusammenarbeit mit der moritz.familie
Das Interview wurde mündlich beantwortet.

Kommentare

  1. Udo S    

    Ach der Pechtl. Fasst Euch doch kurz … der lehrt nix und versaut Leuten die Zukunft mit fragwürdigen Klausuren ..

    1. Annabell Hagen    

      Ach Udo,
      Deinem Kommentar nach zu urteilen bist du wohl bei einer Prüfung von Herrn Pechtl durchgefallen.
      Dieser Artikel (diese Reihe) stellt unsere Dozierenden als Forscher vor und was sie über ihrer Arbeit in Vorlesungen und Seminaren überhaupt machen. Dein Kommentar geht darum vollkommem am Thema vorbei.
      Lg
      Annabell

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