Ein Interview mit Anna Kassautzki – Ihre Petition hat bereits knapp 6.000 Unterschriften

Ein Interview mit Anna Kassautzki – Ihre Petition hat bereits knapp 6.000 Unterschriften

Vielleicht hast du schon einmal von der „Petition für die Lehre und Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen an der Universitätsmedizin Greifswald“ gehört, die seit zwei Wochen hohe Wellen schlägt. Ich durfte die Initiatorin der Petition zu einem Interview treffen: Anna Kassautzki. Sie hat die Petition, die sich an die Leitung der Universitätsmedizin Greifswald wendet, gestartet. In diesem Interview erfährst du mehr über ihre Gründe ihre erste Petition zu starten und worum es genau in der Petition geht.

Anna, könntest du dich erst einmal, für diejenigen die dich noch nicht kennen, vorstellen?

Ich bin Anna Kassautzki und 27 Jahre alt. Noch bin ich im Master Politikwissenschaften eingeschrieben, arbeite aber hauptsächlich. Und vor kurzem habe ich eine Petition gestartet.

Was steht in der Petition? Was ist der Inhalt und was sind die Ziele?

Vielleicht kann ich erst einmal, um verständlich zu machen warum ich eine Petition gestartet habe, erzählen wie ich darauf gekommen bin. Im letzten Jahr gab es hier in Greifswald eine Demonstration zu reproduktiven Rechten. Unter anderem gab es auch einen Wortbeitrag, der die Situation an der Unimedizin thematisiert hat. Ich bin auch politisch aktiv und dort haben wir auch vorher schon häufig über das Thema Schwangerschaftsabbrüche diskutiert gehabt. Da ging es aber eher um die Abschaffung von §219a und um die Reform von §218. Aber ich kannte nicht die Lage in Greifswald. Ich bin fest davon ausgegangen, dass die Unimedizin auch Schwangerschaftsabbrüche lehrt. Da dachte ich mir, das kann so nicht sein und dagegen muss man etwas tun. Jetzt studiere ich aber nicht Medizin und stecke in diesen ganzen Strukturen nicht drin. Dann habe ich erst einmal geguckt, an wen müsste man überhaupt eine Petition wenden: Geht das dann an das Ministerium oder an die Uni? Aber die Unimedizin ist ja noch einmal gesondert. Also habe ich herausgefunden, dass es an die Leitung der Unimedizin geht.

Kurz vor dem Frauen-Kampftag kam mir die Idee [mit der Petition] wieder in den Kopf und was wäre ein besserer Tag, um so eine Petition zu starten. Deswegen hatte ich mit Medizin-Studierenden gesprochen gehabt. Also auch vorher schon in meinem Freundeskreis. Und geschaut, wie ist eigentlich die Situation. Stimmt das, was auf der Demo erzählt wurde. Und sie haben mir das weitestgehend bestätigt. Ich wollte nicht etwas Reißerisches schreiben, sondern es geht mir ja auch darum, dass die Forderungen umgesetzt werden. Deswegen habe ich es so sachlich wie möglich gehalten: Es ist ein Unding, dass hier an der Unimedizin keine Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden und es nicht wirklich in der Lehre vorkommt.  

Das wird in der Petition gefordert:
1. Die theoretische und praktische Ausbildung in den verschiedenen Methoden des Schwangerschaftsabbruchs im Medizinstudium zu lehren.
2. Schwangerschaftsabbrüche in das Angebot der Universitätsmedizin Greifswald aufzunehmen.

Als ich mich mit deiner Petition beschäftigte, wunderte ich mich auch darüber.

Stimmt, man geht davon aus, wenn man nicht Medizin studiert, dass das vollkommen normal ist. Und wenn man sich dann anschaut, dass die Anzahl der Praxen und Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen von 2000 auf 1200 gesunken ist. Und das geht perspektivisch so weiter, wenn keine neuen Ärzt*innen ausgebildet werden, die das durchführen können. Wie sollen sie es dann anbieten? Es tut sich halt nichts.

Warum sind konkret Schwangerschaftsabbrüche wichtig?

Es kann immer passieren, dass man ungewollt schwanger wird. Auch wenn man verhütet. Ob eine Frau bzw. eine schwangere Person das Kind behalten möchte, ist die Entscheidung der betroffenen Person. Dass das nicht möglich ist, kämpferisch ausgedrückt, zeigt wie das patriarchale System immer noch Frauen unterdrückt. Niemand anderes hat über meinen Körper zu entscheiden, außer ich selbst. Da gehört für mich ein Schwangerschaftsabbruch genauso dazu.

Warum bist du der Meinung, dass die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch von der Krankenkasse getragen werden sollen?

Es ist ein medizinischer Eingriff und das ist wieder eine Benachteiligung von schwangeren Menschen, die vielleicht weniger Geld haben und sich den Schwangerschaftsabbruch nicht leisten können.

Das Thema muss allgemein enttabuisiert werden. Natürlich ist es immer noch eine ethische Abwägung. Es geht immer noch um ein ungeborenes Leben. Aber das hat ja auch das Bundesverfassungsgericht entschieden, bis zum dritten Monat und nicht weiter. Und da wiegt für mich das Selbstbestimmungsrecht der Frauen höher.

Wie hat die Uni auf die Vorwürfe reagiert?

Im Interview mit der Ostseezeitung hat die Leitung der Unimedizin verlauten lassen, dass Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt würden. Profamilia meinte dagegen, sie wissen nichts davon. Ich bin gerade dabei, zusammen mit der AG Medizin und Menschenrechte, die außerhalb vom Lehrplan Workshops durchführt, nochmal einen Brief an die Leitung der Gynäkologie zu schreiben. Weil ich es schwierig finde, wenn man sich nur über eine Zeitung unterhält. Und man stattdessen vielleicht direkt ins Gespräch kommt. Jetzt habe ich aber von der fachlichen Ebene überhaupt keine Ahnung. Und dadurch, dass die AG Medizin und Menschenrechte schon viel länger an dem Thema dran ist, hätte ich die gerne dabei. Und jetzt sind wir gerade dabei, den Brief zu schreiben. Und ich hoffe, dass dann ein Treffen [mit der Leitung der Universitätsmedizin] zu Stande kommt.

Was tust du, wenn die Petition fehlschlägt? Wärst du für einen Kompromiss bereit oder würdest du einen anderen Weg gehen?

Ich finde es krass, wie viel Zuspruch die Petition bekommt. Das hat mich mega gefreut. Klar, ich bin auch SPD-Politikerin, aber ich habe das nicht in Absprache mit meiner Partei gemacht, sondern ich wollte etwas ändern. Also schreibe ich eine Petition. Und auch andere Parteien haben sich dem angeschlossen, zum Beispiel die FDP Greifswald unterstützt die Petition auch. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass der Status quo beibehalten wird. Daher hoffe ich einfach auf Besserung.

Hast du noch etwas zum Schluss zu sagen?

Was für mich vielleicht noch Motivation war, die Petition zu starten, war, dass auf der Demo erzählt wurde, dass Medizinstudierende schon intern versuchten, das zu ändern. Und mir war einfach wichtig zu zeigen, dass es nicht nur eine interne Debatte ist, sondern viele betrifft und Interesse an Änderung ist nicht nur aus den fachlichen Reihen gewünscht, sondern auch in der Bevölkerung. Und da dachte ich mir, die Petition wäre der richtige Weg dafür.

Hier kommst du zur Petition.

Bild: Maret Becker

Vampire Cup 2020 – Dr. Acula bittet um Blutspenden

Vampire Cup 2020 – Dr. Acula bittet um Blutspenden

Hurra, schon wieder ein Gesundheitsthema im Jahr 2020! Ja, sorry dafür, aber immerhin dieses Mal eines, bei dem ihr aktiv helfen und wirklich etwas Gutes tun könnt! Denn auch in diesem Jahr findet vom 26.10. bis 08.11. wieder der vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland organisierte „Vampire Cup“ statt, bei dem die Universitäten darum konkurrieren, möglichst viele Blutspender*innen zu akquirieren. Also stattet den Vampir*innen in der Blutspende doch mal einen Besuch ab und gönnt euch von den 20€ einen fetten Kürbis voller Süßigkeiten!

Um Halloween herum trennt sich die esoterische Spreu vom rationalen Weizen – die einen gruseln sich beim Gedanken an Geister und Monster, während es den anderen Angst und Bange wird, wenn sie einen Blick auf die Internetseite der Greifswalder Blutspende werfen. Dort müssen sie nämlich feststellen, dass die Spendeampel, wie bereits vor einem guten Monat, noch immer auf Rot steht und daher einige Eingriffe nicht wie geplant durchgeführt werden können.
Um dem Mangel an Blutkonserven entgegenzuwirken, rief der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) 2015 den landesweiten „Vampire Cup“ ins untote Leben, der seitdem schon viel Gutes bewirken konnte.
Auch in diesem Jahr wird der Wettstreit um die größte Anzahl an Blutspenden wieder stattfinden, wenn auch natürlich unter etwas anderen Vorzeichen als in den Vorjahren:
Wenn ihr zwischen dem 26.10. und 08.11. Vollblut, Plasma oder Thrombozyten spendet und vor Ort das Teilnahmeformular ausfüllt, fließt euer Blut mit in die Wettbewerbswertung ein. Dabei ist es egal, ob ihr Pharmazie oder etwas anderes studiert oder gar keine Studierenden seid, alle Spender*innen können am Wettbewerb teilnehmen. Anders als sonst müsst ihr dieses Jahr jedoch vorher telefonisch (03834-86 5478) einen Termin bei der Blutspende vereinbaren. Das ist zwar etwas unflexibler, hat jedoch den großen Vorteil, dass euch lange Wartezeiten erspart bleiben. Auch wenn ihr während der Spende selbst leider einen Mund-Nasen-Schutz tragen müsst, gibt es zur Stärkung hinterher wie gewohnt etwas zu essen und den beliebten Eistee! Und last but not least: Natürlich gibt es auch weiterhin Bares auf die Kralle der spendebereiten Werwölf*innen und sonstigen Halloween-Monster, 20€ pro Vollblut- und 25€ pro Plasmaspende.

Übrigens:
Der Vampire Cup hat seine Ursprünge eigentlich außerhalb Deutschlands, nämlich bereits im Jahr 2006 in Australien, und wurde im großen Rahmen 2012 von der International Pharmaceutical Students‘ Federation (IPSF) aus der Blutstaufe gehoben. Heute kämpfen die Fachschaften innerhalb Deutschlands um die meisten Spenden, aber auch die nationalen Verbände aus 14 Ländern konkurrieren untereinander um die spendierfreudigsten Venen.
In Deutschland hat sich in den letzten Jahren die Fachschaft aus Bonn als das Gegenteil von blutigen Anfänger*innen erwiesen und konnte regelmäßig den Sieg verbuchen. Mit 607 Spenden im Jahr 2018 lagen sie schon recht deutlich vor den Greifswalder Ergebnissen von 160 bis 200 Spenden in den letzten Jahren. ABER: Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl (Bonn gut 300.000 vs. Greifswald knapp 60.000) liegt Greifswald eindeutig vor den Bonner Blutspendezahlen. Angespornt von den Erfolgen der letzten Jahre, haben es sich die Greifswalder Pharmaziestudierenden daher dieses Mal zum Ziel gesetzt, die 200 Spenden zu knacken und lassen sich deshalb auch selbst für den guten Zweck fleißig anzapfen!
Die genauen Regeln für den Sieg in diesem Wettbewerb sind übrigens erstaunlich kompliziert, weshalb hier nicht weiter darauf eingegangen werden soll. Wer sich intensiver zu diesem Thema informieren möchte, kann dies entweder auf der Website des BPhD oder auf der Seite der IPSF tun.

Titelbild: Patrice Behrend