retro.kolumne: Vom Jagen, Sammeln und Trainieren

retro.kolumne: Vom Jagen, Sammeln und Trainieren

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern, stammen sie und sind vielleicht ja doch noch ein Guilty Pleasure des ein oder anderen. Dieses Mal mit dem Thema: Pokémon!

„Ich will der Allerbeste sein

Wie keiner vor mir war

Ganz allein fang ich sie mir

Ich kenne die Gefahr

Gänsehaut – und das noch nach mehr als 20 Jahren. Wer in den 90ern aufgewachsen ist, kam an diesem Intro-Song des Animes Pokémon nicht vorbei. 1996 wurden die dazugehörigen zwei Spiele Rote und Blaue Edition der Reihe erstmals veröffentlicht. Seitdem nahm der Siegeszug des Franchises seinen Lauf. Aus den ursprünglich 151 Pokémons sind mittlerweile mehr als 800 geworden, mehr als 20 Filme liefen in den Kinos, 22 Staffeln der Serie mit über 1000 Episoden wurden im Fernsehen ausgestrahlt. Zahlreiche Nebenprodukte wie Sammelkarten, Plüschfiguren, Stickeralben, etc. sind erschienen. Und im Herbst diesen Jahres wird die nunmehr 8. Generation der Spiele herausgebracht und somit die Geschichte fortführen. Doch was macht diese Produktreihe so erfolgreich?

„Ich streife durch das ganze Land

Ich suche weit und breit

Das Pokémon um zu verstehen

Was ihm diese Macht verleiht

Zunächst einmal bietet sie für Kinder, die die primäre Zielgruppe sind, alles, was das Herz begehrt: schier unendlich viele Pokémons zum Fangen und Tauschen, Arena- und Ligakämpfe zum Trainieren und Siegen – #Jäger&Sammler – und eine spannende Geschichte mit vielerlei Rätseln, in der man selbst zum*r Held*in aufsteigen kann.

Erinnerungen an die Nächte, in denen man seinen Game Boy heimlich unter der Bettdecke versteckt hat, um noch weiter spielen zu können und endlich die Top Vier der Pokémon-Liga besiegen zu können und so zum Meistertrainer aufzusteigen, werden wach.

„Egal wie schwer mein Weg auch ist

Ich nehme es in Kauf

Ich will den Platz, der mir gehört

Ich gebe niemals auf

Zugegeben: Die Geschichte des Animes ist überwiegend langweilig, weil die Folgen nach dem Schema F aufgebaut sind. Die Protagonisten ziehen mit ihren Pokémon von Arena zu Arena, um alle Orden zu gewinnen und schlussendlich Meister zu werden. Zwischendurch werden sie von Team Rocket unterbrochen, welches mit ihren Plänen immer kläglich scheitert – „Das war mal wieder ein Schuss in den Ofen!“ Vor allem im direkten Vergleich zu anderen zeitgleich erschienenen Animes kommt die Serie eher plump daher. Wenn man sich allerdings mit der hintergründigen Geschichte der Spiele beschäftigt, kann man schnell spannende Parallelen zu antiken Weltentstehungsmythen ziehen und selbst gesellschaftskritische Aspekte in Umweltzerstörung und fehlgeleiteten Experimenten finden. Gerade Forschung und Wissenschaft spielen immer wieder eine nicht zu vernachlässigende Rolle in dem Narrativ. 

Spannend zu sehen ist, wie die Gesellschaft auf das Franchise reagiert. Bereits damals zur Veröffentlichung der Spiele auf dem deutschen Markt, gab es Tagesschauberichte und Debatten, in denen vor allem Lehrer*innen und Eltern Bedenken bezüglich der kämpferischen Kultur der Spiele äußerten. In manchen Schulen wurde das Sammelkartenspiel gar verboten, weil die Schüler*innen ihre Pause lieber überzogen, um das Spiel zu Ende zu spielen als pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Vor drei Jahren – zur Veröffentlichung und dem Hype um Pokémon Go, der Augmented-Reality-App – erlebte man ein Déjà-vu: Wieder beschäftigte sich die Tagesschau mit dem Suchtpotential und der Gefahr der Spiele.

„Pokémonkomm schnapp sie Dir

Nur ich und Du, in allem, was ich auch tu Pokémon

Mein bester Freund, komm, retten wir die Welt

Pokémon komm schnapp sie Dir

Dein Herz ist gut, wir vertrauen auf unseren Mut

Ich lern von Dir und Du von mir

Pokémonkomm schnapp sie Dir

Komm und schnapp sie Dir Pokémon

Was man aber in der Realität und auch in Greifswalds Straßen feststellen kann, ist, dass das Spiel jung und alt zusammenbringt und zu sogenannten Community-Days Sonntagsspaziergänge mit dem Smartphone zelebriert werden. War es nicht genau das, was uns immer gepredigt wurde: mit den Menschen raus in die Natur zu gehen und etwas zu unternehmen?!

Was man bei allen positiven Aspekten nicht vergessen darf ist freilich, dass es sich letzten Endes um ein Konsumprodukt der Unterhaltungsindustrie handelt. Reflexion des eigenen Konsumverhaltens und des bestehenden Narrativs, sind deshalb immer angebracht. Aber anstelle es generell zu verbannen (wie Saudi-Arabien es aus religiösen Gründen tat), sollten wir einen aufgeklärten und emanzipatorischen Umgang damit pflegen.

Die zugrundeliegende Botschaft, neben den martialischen Kämpfen, sollte ernst genommen werden: Nicht das Gewinnen allein ist wichtig, sondern die Art und Weise, wie man an sein Ziel kommt – dass man sich immer für die Freundschaft und die gute Sache einsetzt. Mit Intelligenz, dem Herz am rechten Fleck, einer Prise Mut und ausreichend Durchhaltungsvermögen wird es uns gelingen.

„Komm, zeigen wir der ganzen Welt

Dass wir Freunde sind

Gemeinsam ziehen wir in den Kampf

Das beste Team gewinnt

Artikel und Beitragsbild von: JD

retro.kolumne: Akte X

retro.kolumne: Akte X

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern, stammen sie und sind vielleicht ja doch noch ein Guilty Pleasure des ein oder anderen. Dieses Mal mit dem Thema: Akte X

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1993. Dies sind die Abenteuer der FBI Agentin Dana Scully und dem Agenten Fox Mulder, die in Verschwörungen vordringen, die noch nie ein Dr. Axel Stoll-Anhänger gesehen hat. So oder so ähnlich könnte das vermeintliche Intro der Mystery Kultserie Akte X beginnen, hätte es nicht das vermutlich ikonischsten Intro-Theme ever. Wäre dies hier nicht ein stummer Artikel, sondern eine akustische Review, wäre natürlich nichts passender gewesen, als eben mit dem von Mark Snow komponierten Intro-Song zu beginnen. Selbst jene, die noch nie eine Folge der Serie gesehen haben, kennen wenigstens das Intro, welches wie kaum ein anderes Theme bis heute für Mysterien und Verschwörungen steht. Doch die wahren Helden von Akte X sind selbstverständlich die FBI Agent*innen Mulder und Scully. Jene Agent*innen, die für die Aufklärung verschiedenster ungelöster mysteriöser Fälle des FBI in den USA kämpfen, selbst wenn sie dafür ihre Karriere oder sogar ihr Leben aufs Spiel setzen müssen. Dabei stellen sich ihnen nicht nur finstere Mächte wie Außerirdische, Monster oder sogar vermeintliche Vampire in den Weg, sondern hin und wieder auch eine US-amerikanische Regierung, der man noch zutrauen würde, zu vertuschen, zu manipulieren und Verschwörungen auszuhecken.

Bei der heutigen Administration scheint die Vorstellung solcher Kompetenzen doch eher unglaubhaft. Wohl auch ein Grund weswegen Akte X in einer Neuauflage von 2016-2018 gefloppt ist.

Für mich, als junger und zugegeben sehr leicht zu erschreckender 10-Jähriger, war Akte X so unfassbar gruselig, dass ich meist nie über die erste Werbepause hinwegkam. Als nun irgendwann zumindest körperlich gereifter Mann versuchte ich es später noch einmal, denn die Faszination hat mich dennoch nie losgelassen. Auch lange nach der ersten Ausstrahlung 1993 muss ich zugeben, dass die eine oder andere Folge bis heute meinen Herzschlag beschleunigt. Denke ich da zum Beispiel an die Folge „Das Nest“ (S1;F2) in der das Monster der Woche sich von menschlichen Lebern ernährt. Dabei erhält der „Feinschmecker“ durch diesen kulinarischen Trick nicht nur die Möglichkeit sein Leben stark zu verlängern, sondern ist auch selbst durch eine Mutation in der Lage, sich durch die kleinsten Öffnungen zu quetschen und seinen Körper stark zu deformieren bzw. zu verlängern. Da kann selbst Dr. Hannibal Lecter einpacken. In den voller Spannung, etwas Witz und mit einer kleinen Portion Ironie inszenierten Folgen ist es diese Mischung aus Reed Richards alias Mister Fantastic von den Fantastischen Vier und Dracula, die mich noch heute an den Bildschirm fesseln.

Als kleiner Funfact sei nebenbei erwähnt, dass der Schauspieler Doug Hutchison, der das wendige Leckermäulchen spielt, eigentlich Vegetarier ist.

Jedoch müssen unsere wackeren FBI Helden, wie bereits erwähnt, nicht nur gegen irdische Kostverächter antreten. Der Fokus der Reise der beiden Ermittler*innen liegt eindeutig bei der Aufklärung der groß angelegten Verschwörung, die offenbar bis ganz nach oben reicht. Das ist hier unter anderem wörtlich zu verstehen. Denn vor allem Mulder, der neben seiner Passion für Erotikmedien auch von der Existenz von Aliens überzeugt zu sein scheint, hat sich vorgenommen, diese Existenz auch zu beweisen. Dabei steht dem unengagierten FBI Agenten „Spooky“ Mulder eine nicht minder fähige, aber doch um einiges skeptischere Partnerin mit dem Namen Skully zur Seite. Gemeinsam begibt sich das ungleiche Duo auf eine mysteriöse und gefährliche Reise. Als Zuschauer fragt man sich derzeit eigentlich immer nur zwei Dinge. Warum schaut Skully immer im unpassendsten Moment weg und entgeht somit vielen Auflösungen der Fälle, und wann küssen sich beide endlich?

Wer sich diese Fragen beantworten möchte, kann sich noch heute auf diese mysteriöse Reise begeben, denn die Serie, die insgesamt acht gute und drei mittelmäßige Staffeln zu bieten hat, ist auch heute noch sehr sehenswert. Wenn ihr also nichts gegen den einen oder anderen frustrierenden Moment habt und euch eine nicht nur böse, sondern auch intelligente US-Regierung vorstellen könnt, dann schaut doch mal rein in die Akte X.

Titelbild von Martin Str auf Pixabay

retro.kolumne: Carlo Pedersoli und Mario Girotti

retro.kolumne: Carlo Pedersoli und Mario Girotti

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern stammen sie und sind vielleicht ja doch noch eine Guilty Pleasure des ein oder anderen.

Dieses Mal mit dem Thema: Carlo Pedersoli und Mario Girotti

Carlo Pedersoli und Mario Girotti als die größten Schauspieler der 80er und 90er zu bezeichnen ist sicher gewagt, aber es ist wohl unbestritten, dass ihre Filme bis heute eine riesige Fangemeinde haben. Moment…. ihr versteht gerade nur Bahnhof und habt weder je von einem Carlo Pedersoli noch von Mario Girotti gehört? Das ist nicht verwunderlich, denn vermutlich kennen wohl die Meisten die beiden unter ihren Künstlernamen Bud Spencer und Terence Hill. Wer jetzt immer noch nicht weiß, um wen es geht, ist entweder noch sehr jung oder hat die Faszination um die Hau-drauf „Helden“ nie verstanden. Für euch wird dieser Liebesbrief an eine der wichtigsten Helden meiner Kindheit, die mich bis heute mit derselben Faszination wie vor 20 Jahren begleiten, wohl eher langweilig. Euch begrüße ich dann sehr gerne bei meinem nächsten Beitrag, alle anderen dürfen gerne weiter lesen und abgleichen, ob sie genau so wie ich der Faszination um blöde Sprüche und „harmlose“ Prügeleien erlegen sind.

Vielleicht ganz kurz zu Spencer und Hill. Carlo Perdersoli, den ich der Einfachheit halber im weiteren Verlauf Bud Spencer nennen werde, ist im Jahre 1929 in Neapel geboren und 2016 trotz seines stattlichen Alters viel zu früh in Rom gestorben. Spencer war ein begnadeter Schwimmer und trat sogar zwei mal bei den Olympischen Spielen für Italien an. Als Schauspieler spielte er anfangs zumeist in relativ ernsten Italowestern mit und begriff sich selbst nie als Schauspieler. Er spielte immer nur sich selbst.

Mario Girotti, also Terence Hill, wurde 1939 in Venedig geboren. Seine Mutter Hildegard Thieme stammt aus Dresden, wo es Hill und seine Familie auch von 1943 bis 1947 hinzog. Hill zieht es seitdem immer mal wieder nach Deutschland und dem einstigen Domizil seiner Familie. Er selbst spricht Deutsch und betrachtet es als seine Muttersprache. Im Gegensatz zu Spencer hat Hill drei Jahre lang eine Schauspielschule besucht und sieht sich sehr wohl als Schauspieler. Er nimmt seine Vorbereitungen für einen Film sehr ernst und hatte es das ein oder andere Mal recht schwer mit der lockeren Art von Spencer an die Filme ranzugehen.

Doch was macht denn nun die Faszination der Filme aus, in denen sich vornehmlich geprügelt wird? Hier kommt jetzt ein weiterer Name ins Spiel der womöglich nur den Wenigsten bekannt ist. Rainer Brandt ist ein Synchronsprecher sowie Synchronregisseur, Dialogbuchautor, Schauspieler und Dialogregisseur. Brandt zeichnet sich maßgeblich dafür verantwortlich, wie die Bud Spencer und Terence Hill Filme synchronisiert wurden und schuf nebenbei das, was heute als „Schnodderdeutsch” bekannt ist. Vor Brandt wurden Filme sehr akkurat übersetzt, um die Originalstimmung eines Films so gut wie möglich zu transportieren. Rainer Brandt pfeift auf diese Art der Synchronisation und vertont seine Filme vollkommen anders. So lässt er Dialoge sprechen, die es im Original gar nicht gab oder lässt Figuren weitersprechen, wenn die Kamera ihr Gesicht nicht mehr zeigt und im Original eigentlich niemand spricht. Zusätzlich dazu verändert er die Sprache und erschafft mit seinem Schnodderdeutsch ganz neue Begriffe und Floskeln. Ein Beispiel gefällig? Bitte sehr:

„Das ist der Chefkoch der sich hier offenbar auf den Teller übergeben hat. Es tut ihm Leid und da hat er ein Blümchen gepflückt, weil er gerade an einer öffentlichen Anlage vorbei kam. Gelle. Ich bin der Meinung, teurer Vetter, wir sollten den wehrten Chefkoch mal überreden, seinen Gewürzprüfer in das Fressen zu hängen.“

Der ursprüngliche Dialog aus dem Film „vier Fäuste gegen Rio“ geht jedoch ungefähr so:

„Dieser Gentleman ist der gemeinste Typ hier. Er liebt es, Leute in Angst zu versetzen. Er will uns sicher überzeugen, dass wir ihm unseren Tisch geben sollen.“

Allein die Menge der gesprochenen Worte macht deutlich, wie Brandt hier vorgeht. Ist der Schauspieler nicht im Bild, werden ihm trotzdem Worte in den Mund gelegt. Das allein macht bestimmt nicht den Erfolg der Filmreihe aus, trägt aber sicher sehr zum Kultstatus bei. Denn auch die Louis de Funès Filme nutzten diese Art der Synchronisation und gewannen dabei sehr an Tempo und Witz. Jedoch bestehen die Filme natürlich noch aus mehr als nur aus wilden und absurden Sprüchen. Wie bereits erwähnt gibt es da ja noch die Schlägereien, die nie wirklich gefährlich wirken. Sie waren für mich immer wie eine Art Westernshow mit überzeichneten Stürzen und theatralischen Würfen. Alles wirkt überspitzt und niemand verletzt sich. Die bösen Buben, die in so vielen Hill und Spencer Filmen von den gleichen Schauspielern verkörpert werden, stehen nach jedem, unter anderen Umständen sehr gefährlichen, Schlag wieder auf und kämpfen weiter – nur um sich dann wieder eine einzufangen. Währenddessen untermalt eine fröhliche und leicht absurde Musik die Szenerie. Alles in allem sind es aber nicht nur die absurden Schlägereien, die cartoonige Musik oder die manchmal derben Sprüche, sondern die Charaktere Hill und Spencer, die einfach alles miteinander verbinden. Diese oft sehr spitzbübisch und doch stets liebevollen Figuren, die letztlich immer das Richtige tun, schaffen es immer wieder mich zum Lächeln zu bringen, während sie ihren eindimensionalen Widersachern das Leben schwer machen. Dabei sind ihre Charaktere häufig auch nicht viel ausdifferenzierter. Spencer ist meist der naive Haudrauf-Mann, der aber ein liebes Herz hat, Hill hingegen meist der verschlagene Typ mit Hirn und Herz. Gerade die Einfachheit aller Charaktere könnte es sein, was diese Filmreihe von Das Krokodil und sein Nilpferd“, „Vier Fäuste gegen Rio bisZwei sind nicht zu bremsen so nostalgisch für mich macht.

Also ist das wohl der Grund weswegen ich und so viele andere diese Filme so sehr lieben? Ja und nein. Es ist noch so viel mehr und letztlich hat wohl jeder seine eigenen Gründe, die Filme zu mögen oder nicht zu mögen. Mich erinnern sie einfach an eine einfachere Zeit, als ich noch ein Kind war und zusammen mit meiner sonst sehr streitbaren Familie diese leichte Unterhaltung genossen habe und die Welt für einen Augenblick einfach nur perfekt war.

Zum Schluss bleibt mir nur noch einmal Terence Hill zu zitieren, der mit Blick auf seinen Doppelgänger im Film „Vier Fäußte gegen Rio“ sagte:

„Wenn ich nicht ganz genau wüsste dass ich das nicht bin, dann würde ich sagen das bin ich nicht.“

Was auch immer ihr aus diesem Satz mitnehmt. Ich finde er passt immer.

Beitragsbild: Anne Frieda Müller

retro.kolumne: Schloss Einstein

retro.kolumne: Schloss Einstein

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern stammen sie und sind vielleicht ja doch noch ein Guilty Pleasure des ein oder anderen.

Dieses Mal mit dem Thema: Schloss Einstein

Als der Begriff „Schloss Einstein“ in der Redaktion fiel, wurde ich sofort hellhörig. „Eine der Kinder- und Jugendserien, die man früher gerne geguckt hat“, hieß es. Dass ich mir gerade ein paar Monate zuvor nochmal die erste Staffel bei YouTube angeguckt hatte, habe ich in diesem Moment lieber nicht laut gesagt. Ich hatte natürlich sofort die einschlägige Titelmelodie im Kopf: „Alles ist, aaalles ist relativ normal, alles ist, aaalles ist uns manchmal echt egal, selbst Einstein hatte nur ‘ne vier in Mathe und war später dann total genial“ – ich glaube, ich könnte sogar noch den Mittelpart mitrappen.

Seit 1998 wird Schloss Einstein schon gedreht und ist bis heute erfolgreich. Die Einsteiner waren einfach schon immer „die Kids von morgen“. Die Serie war in meiner Kindheit und Jugend immer eines der Highlights des Tages. Konnte ich nicht rechtzeitig für die Ausstrahlung um halb drei vor dem kastenförmigen Fernseher sitzen und KiKa einschalten, so habe ich die Serie aufgenommen, um sie später zu sehen und bloß nichts zu verpassen. Die Geschichten, die im Internat Einstein spielten, habe ich damals mit ganzem Herzen miterlebt und -gefühlt. Das, was für einige heute vielleicht GZSZ ist, war für mich Schloss Einstein – nur viel cooler. Irgendwie konnte sich jeder mit mindestens einem der Charaktere identifizieren.

Neben der ersten großen Liebe, dem ersten gebrochenen Herzen und dem Alltag pubertierender Teenies ging es auch um Probleme im Elternhaus oder Lernschwierigkeiten. Streit mit Freund*innen, Krankheiten, Tod – alles wurde mal thematisiert. Auch Drogen oder Alkohol wurden angesprochen, natürlich immer mit einer Moral am Ende. Und was für eine Kinderserie vor allem damals wahrscheinlich nicht selbstverständlich war, waren selbst politische Themen, die diskutiert wurden. Und natürlich kamen die fiesen Lehrkräfte und unfairen Behandlungen nicht zu kurz. Aber irgendwie wurden am Ende immer die für mich richtigen Werte vermittelt. Und den Bildungsauftrag hat der Kinderkanal mit dieser Sendung auch erfüllt: Im Matheunterricht wurde gefühlt immer der Satz des Pythagoras behandelt: a²+b²=c². Die einzige mathematische Formel, die ich mir jemals merken konnte.

Apropos Mathematik: Vielleicht kann sich der eine oder die andere ja noch an das Lehrpersonal erinnern. Niemals vergessen werde ich Herrn Dr. Wolfert aus den ersten Staffeln, der immer als total streng galt (aber wie ich glaube, ein gutes Herz hatte) und später die Mathelehrerin Frau Gallwitz heiratete. Wer nie im Repertoire fehlen durfte, war ein attraktiver Sportlehrer, an den eine Schülerin ihr Herz verlor, um dann zu merken, dass Erwachsene eigentlich doch nicht so cool wie die Gleichaltrigen sind. Ein weiterer Name, den wahrscheinlich fast jeder Schloss-Einstein-Fan kennt und ins Herz geschlossen hat: Herr Pasulke. Der Hausmeister ist die Person, die am längsten in der Serie zu sehen war. In 17 Staffeln war er ein wichtiger Teil des Internats. Nicht nur einfach der Mann, der den Ersatzschlüssel parat hatte oder den Wasserhahn reparieren konnte. Nein, er hatte für alle ein offenes Ohr und war irgendwie sowas wie ein Ersatzonkel für die Jugendlichen, man musste ihn einfach mögen. Und dann gab es natürlich noch den knuffigen Herrn Dr. Stollberg, der wegen seiner Liebe zu Aquarien von den Einsteinern „Guppi“ genannt wurde. Der neue Direktor war dann Herr Dr. Berger aber ich habe herausgefunden, dass der inzwischen von einem gewissen Herrn Chung ersetzt wurde. Der neue Rektor bringt wohl Themen wie „digital und kreidefrei“ mit ins Einstein. Man merkt: Die Serie ist aktueller und moderner denn je und doch gar nicht so retro. Obwohl, es wäre doch auch mal Zeit für eine Frau als Schulleitung, oder? Schloss Einstein läuft übrigens immer noch jeden Wochentag um 14.35 Uhr auf KiKa, inzwischen in der 22. Staffel.

Beitragsbild: Lilli Lipka

retro.kolumne: Konsolenfieber

retro.kolumne: Konsolenfieber

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern stammen sie und sind vielleicht ja doch noch eine Guilty Pleasure des ein oder anderen.

Dieses Mal mit dem Thema: Retro Konsolen

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit weit entfernten Stadt, na gut so weit entfernt nun auch wieder nicht. Also bei der Stadt geht es um Berlin, bei der Zeit um 1995. Viele von euch waren sicher noch nicht einmal geboren und doch schlich sich der kleine Mels immer extra früh aus seinem Zimmer um im elterlichen Wohnzimmer seine Zauberkiste zu benutzen. Die ihn in ferne Welten transportierte, wo es als Igel Ringe zu sammeln, mit Schildkröten die Welt zu retten, oder als Barbar Monster zu besiegen galt. Ja ich hatte einen Sega Master System!!!!!!

Konsolen wie das Sega Master System oder das NES (Nintendo Entertainment System) liegen heute wieder voll im Trend. Heute eher aus nostalgischen Gründen, damals bestaunten wir die Grafikpracht. Vor allem meine Eltern, die sonst kein großes Interesse an solchem „Kinderkram“, wie es mein Vater auszudrücken bevorzugte hatten, bestaunten die wunderbare Grafikpracht. Die aus heutiger Sicht natürlich alles andere als wunderbar zu sein scheint. Ich erinnere mich noch daran wie meine ganze Familie wie gebannt auf den Fernseher starrte, als wir das erste mal Super Mario Bros. in echt sahen. Ein Mario, der durch fast fotorealistische Unterwasserwelten tauchte.

Aber um diese Pracht genießen zu können musste man vorher doch noch die eine oder andere Hürde nehmen. Exerzieren wir die folgenden Schritte einmal durch:

  • an den Fernseher anschließen

Das schien einfacher gesagt als getan. Denn erst mal waren die Fernseher damals noch sehr viel dicker und schwerer. Ein Fernseher wie heute einfach mal eben schnell zu Seite zu schieben bzw. zu heben, beanspruchte zu jener Zeit mindestens zwei erwachsene Menschen. Hatte man dann noch, wie meine Eltern, eine passgenaue Schrankwand um den Fernseher gebaut, war es doppelt schwer an die Schnittstellen des Geräts, welches an die 50-60 kg wiegen konnte, heran zu kommen. Zumindest in unserem Haushalt ging das selten ohne väterliche Wortgefechte mit dem Fernseher aus, die eigentlich in jeder Talkshow weg gepiept worden wären (was eine Talkshow ist, besprechen wir besser ein andermal).

  • Sender suchen

Ist das Unterfangen des Anschließens nach langem Hin und Her endlich geglückt und alle Beteiligten lassen sich wieder erschöpft auf das Sofa fallen, beginnt das nächste Problem. Denn entgegen der heutigen moderneren Geräte musste man damals, die Konsolen an die Antennenbuchse anschließen. Was bedeutete das der Sender auf dem die Konsole ihr Bild ausstrahlte, erst einmal über den Suchlauf gesucht werden musste. Das klingt einfacher als es war. Denn erstens konnte das unter bestimmten Voraussetzungen wirklich lange dauern, und zweitens war es durchaus möglich, dass das Bild trotzdem kriselte. Das bedeute meist, dass entweder Stecker am hinteren Fernseher nicht richtig saß oder aber man musste den Suchlauf manuell durchführen um das perfekte Bild Schritt für Schritt zu finden.

  • Fehlersuche

Nun kam es darauf an wie frustresistent alle Beteiligten waren. Hatte demnach das Familienoberhaupt den Fernseher wieder vorgerückt und alle Stecker und Kabelverbindungen kontrolliert, und meist festgestellt, dass das blöde Antennenkabel rausgerutscht war, konnte es weiter gehen.

  • Pusten

Nachdem nun alles zu funktionieren schien, und dennoch kein buntes Bild erschien, ging das Rätselraten in die zweite Runde. Eine gängige Methode dieses Problem zu beseitigen, war in die cartridge (so hießen die Module, auf den die Spiele gespeichert waren) zu pusten und zu hoffen, dass es nun weiter ging. Meistens hilf dies. Auch wenn heute mittlerweile bekannt ist, dass dies eher den Kontakte durch den beim Pusten ausstoßenden Speichel Schaden zufügte. Damals jedoch glaubten wir festen an die Macht des Pustens.

  • Spielen

Nun konnte es endlich los gehen. Das Spiel startete, der 8 Bit. Sound dröhnte durch die Lautsprecher des Fernsehers. Große Euphorie machte sich breit und die gesamte Familie nebst Besuch, der das Gerät zur Verfügung stellte, atmete erleichtert auf und jeder Unmut, sowie jeder Rückschlag war vergessen. Nun ging es nur noch daran, wer als erstes spielen sollte. Auch das war zumindest unter Kindern nicht immer leicht zu beantworten. Aber die Erwachsenen fanden natürlich schnell eine Lösung und es konnte los gehen. Während mein Vater das Pad selbstbewußt in die Hand nahm und bei Super Mario Bros. in den ersten 5 Sekunden starb, da er direkt in den ersten Goomba (Pilz) hinein lief, versuchte meine Mutter erst einmal die Steuerung zu erlernen und verliebte sich prompt in die Sprungtaste, was sie jedoch nicht davon abhielt ebenfalls vom ersten Goomba getroffen zu werden.

Wie eingangs erwähnt scheinen viele eben diesem Retro-Charme der neuerlichen Geräte wieder erlegen zu sein. Die Reproduktions-Produkte von Nintendo erfreuen sich größter Beliebtheit und waren schon nach kurzer Zeit ausverkauft. Vor allem vermutlich, weil alle oberen Probleme wegfallen und man sich nun ganz auf die Spiele konzentrieren kann.

Meine Geschichte vom NES endete im Übrigen tragisch. Ich kam nicht zum Spielen und unser Besuch zog mit der von ihr neu erworbenen Konsole, noch am selben Abend weiter. So musste ich fast 20 Jahre warten, um endlich in den Genuss jenes Gefühls zu kommen gegen den ersten Goomba zu laufen. Sonic ist eh viel besser. Aber dazu ein andermal.

Photo by Jason Leung on Unsplash