retro.kolumne: Carlo Pedersoli und Mario Girotti

retro.kolumne: Carlo Pedersoli und Mario Girotti

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern stammen sie und sind vielleicht ja doch noch eine Guilty Pleasure des ein oder anderen.

Dieses Mal mit dem Thema: Carlo Pedersoli und Mario Girotti

Carlo Pedersoli und Mario Girotti als die größten Schauspieler der 80er und 90er zu bezeichnen ist sicher gewagt, aber es ist wohl unbestritten, dass ihre Filme bis heute eine riesige Fangemeinde haben. Moment…. ihr versteht gerade nur Bahnhof und habt weder je von einem Carlo Pedersoli noch von Mario Girotti gehört? Das ist nicht verwunderlich, denn vermutlich kennen wohl die Meisten die beiden unter ihren Künstlernamen Bud Spencer und Terence Hill. Wer jetzt immer noch nicht weiß, um wen es geht, ist entweder noch sehr jung oder hat die Faszination um die Hau-drauf „Helden“ nie verstanden. Für euch wird dieser Liebesbrief an eine der wichtigsten Helden meiner Kindheit, die mich bis heute mit derselben Faszination wie vor 20 Jahren begleiten, wohl eher langweilig. Euch begrüße ich dann sehr gerne bei meinem nächsten Beitrag, alle anderen dürfen gerne weiter lesen und abgleichen, ob sie genau so wie ich der Faszination um blöde Sprüche und „harmlose“ Prügeleien erlegen sind.

Vielleicht ganz kurz zu Spencer und Hill. Carlo Perdersoli, den ich der Einfachheit halber im weiteren Verlauf Bud Spencer nennen werde, ist im Jahre 1929 in Neapel geboren und 2016 trotz seines stattlichen Alters viel zu früh in Rom gestorben. Spencer war ein begnadeter Schwimmer und trat sogar zwei mal bei den Olympischen Spielen für Italien an. Als Schauspieler spielte er anfangs zumeist in relativ ernsten Italowestern mit und begriff sich selbst nie als Schauspieler. Er spielte immer nur sich selbst.

Mario Girotti, also Terence Hill, wurde 1939 in Venedig geboren. Seine Mutter Hildegard Thieme stammt aus Dresden, wo es Hill und seine Familie auch von 1943 bis 1947 hinzog. Hill zieht es seitdem immer mal wieder nach Deutschland und dem einstigen Domizil seiner Familie. Er selbst spricht Deutsch und betrachtet es als seine Muttersprache. Im Gegensatz zu Spencer hat Hill drei Jahre lang eine Schauspielschule besucht und sieht sich sehr wohl als Schauspieler. Er nimmt seine Vorbereitungen für einen Film sehr ernst und hatte es das ein oder andere Mal recht schwer mit der lockeren Art von Spencer an die Filme ranzugehen.

Doch was macht denn nun die Faszination der Filme aus, in denen sich vornehmlich geprügelt wird? Hier kommt jetzt ein weiterer Name ins Spiel der womöglich nur den Wenigsten bekannt ist. Rainer Brandt ist ein Synchronsprecher sowie Synchronregisseur, Dialogbuchautor, Schauspieler und Dialogregisseur. Brandt zeichnet sich maßgeblich dafür verantwortlich, wie die Bud Spencer und Terence Hill Filme synchronisiert wurden und schuf nebenbei das, was heute als „Schnodderdeutsch” bekannt ist. Vor Brandt wurden Filme sehr akkurat übersetzt, um die Originalstimmung eines Films so gut wie möglich zu transportieren. Rainer Brandt pfeift auf diese Art der Synchronisation und vertont seine Filme vollkommen anders. So lässt er Dialoge sprechen, die es im Original gar nicht gab oder lässt Figuren weitersprechen, wenn die Kamera ihr Gesicht nicht mehr zeigt und im Original eigentlich niemand spricht. Zusätzlich dazu verändert er die Sprache und erschafft mit seinem Schnodderdeutsch ganz neue Begriffe und Floskeln. Ein Beispiel gefällig? Bitte sehr:

„Das ist der Chefkoch der sich hier offenbar auf den Teller übergeben hat. Es tut ihm Leid und da hat er ein Blümchen gepflückt, weil er gerade an einer öffentlichen Anlage vorbei kam. Gelle. Ich bin der Meinung, teurer Vetter, wir sollten den wehrten Chefkoch mal überreden, seinen Gewürzprüfer in das Fressen zu hängen.“

Der ursprüngliche Dialog aus dem Film „vier Fäuste gegen Rio“ geht jedoch ungefähr so:

„Dieser Gentleman ist der gemeinste Typ hier. Er liebt es, Leute in Angst zu versetzen. Er will uns sicher überzeugen, dass wir ihm unseren Tisch geben sollen.“

Allein die Menge der gesprochenen Worte macht deutlich, wie Brandt hier vorgeht. Ist der Schauspieler nicht im Bild, werden ihm trotzdem Worte in den Mund gelegt. Das allein macht bestimmt nicht den Erfolg der Filmreihe aus, trägt aber sicher sehr zum Kultstatus bei. Denn auch die Louis de Funès Filme nutzten diese Art der Synchronisation und gewannen dabei sehr an Tempo und Witz. Jedoch bestehen die Filme natürlich noch aus mehr als nur aus wilden und absurden Sprüchen. Wie bereits erwähnt gibt es da ja noch die Schlägereien, die nie wirklich gefährlich wirken. Sie waren für mich immer wie eine Art Westernshow mit überzeichneten Stürzen und theatralischen Würfen. Alles wirkt überspitzt und niemand verletzt sich. Die bösen Buben, die in so vielen Hill und Spencer Filmen von den gleichen Schauspielern verkörpert werden, stehen nach jedem, unter anderen Umständen sehr gefährlichen, Schlag wieder auf und kämpfen weiter – nur um sich dann wieder eine einzufangen. Währenddessen untermalt eine fröhliche und leicht absurde Musik die Szenerie. Alles in allem sind es aber nicht nur die absurden Schlägereien, die cartoonige Musik oder die manchmal derben Sprüche, sondern die Charaktere Hill und Spencer, die einfach alles miteinander verbinden. Diese oft sehr spitzbübisch und doch stets liebevollen Figuren, die letztlich immer das Richtige tun, schaffen es immer wieder mich zum Lächeln zu bringen, während sie ihren eindimensionalen Widersachern das Leben schwer machen. Dabei sind ihre Charaktere häufig auch nicht viel ausdifferenzierter. Spencer ist meist der naive Haudrauf-Mann, der aber ein liebes Herz hat, Hill hingegen meist der verschlagene Typ mit Hirn und Herz. Gerade die Einfachheit aller Charaktere könnte es sein, was diese Filmreihe von Das Krokodil und sein Nilpferd“, „Vier Fäuste gegen Rio bisZwei sind nicht zu bremsen so nostalgisch für mich macht.

Also ist das wohl der Grund weswegen ich und so viele andere diese Filme so sehr lieben? Ja und nein. Es ist noch so viel mehr und letztlich hat wohl jeder seine eigenen Gründe, die Filme zu mögen oder nicht zu mögen. Mich erinnern sie einfach an eine einfachere Zeit, als ich noch ein Kind war und zusammen mit meiner sonst sehr streitbaren Familie diese leichte Unterhaltung genossen habe und die Welt für einen Augenblick einfach nur perfekt war.

Zum Schluss bleibt mir nur noch einmal Terence Hill zu zitieren, der mit Blick auf seinen Doppelgänger im Film „Vier Fäußte gegen Rio“ sagte:

„Wenn ich nicht ganz genau wüsste dass ich das nicht bin, dann würde ich sagen das bin ich nicht.“

Was auch immer ihr aus diesem Satz mitnehmt. Ich finde er passt immer.

Beitragsbild: Anne Frieda Müller

retro.kolumne: Konsolenfieber

retro.kolumne: Konsolenfieber

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern stammen sie und sind vielleicht ja doch noch eine Guilty Pleasure des ein oder anderen.

Dieses Mal mit dem Thema: Retro Konsolen

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit weit entfernten Stadt, na gut so weit entfernt nun auch wieder nicht. Also bei der Stadt geht es um Berlin, bei der Zeit um 1995. Viele von euch waren sicher noch nicht einmal geboren und doch schlich sich der kleine Mels immer extra früh aus seinem Zimmer um im elterlichen Wohnzimmer seine Zauberkiste zu benutzen. Die ihn in ferne Welten transportierte, wo es als Igel Ringe zu sammeln, mit Schildkröten die Welt zu retten, oder als Barbar Monster zu besiegen galt. Ja ich hatte einen Sega Master System!!!!!!

Konsolen wie das Sega Master System oder das NES (Nintendo Entertainment System) liegen heute wieder voll im Trend. Heute eher aus nostalgischen Gründen, damals bestaunten wir die Grafikpracht. Vor allem meine Eltern, die sonst kein großes Interesse an solchem „Kinderkram“, wie es mein Vater auszudrücken bevorzugte hatten, bestaunten die wunderbare Grafikpracht. Die aus heutiger Sicht natürlich alles andere als wunderbar zu sein scheint. Ich erinnere mich noch daran wie meine ganze Familie wie gebannt auf den Fernseher starrte, als wir das erste mal Super Mario Bros. in echt sahen. Ein Mario, der durch fast fotorealistische Unterwasserwelten tauchte.

Aber um diese Pracht genießen zu können musste man vorher doch noch die eine oder andere Hürde nehmen. Exerzieren wir die folgenden Schritte einmal durch:

  • an den Fernseher anschließen

Das schien einfacher gesagt als getan. Denn erst mal waren die Fernseher damals noch sehr viel dicker und schwerer. Ein Fernseher wie heute einfach mal eben schnell zu Seite zu schieben bzw. zu heben, beanspruchte zu jener Zeit mindestens zwei erwachsene Menschen. Hatte man dann noch, wie meine Eltern, eine passgenaue Schrankwand um den Fernseher gebaut, war es doppelt schwer an die Schnittstellen des Geräts, welches an die 50-60 kg wiegen konnte, heran zu kommen. Zumindest in unserem Haushalt ging das selten ohne väterliche Wortgefechte mit dem Fernseher aus, die eigentlich in jeder Talkshow weg gepiept worden wären (was eine Talkshow ist, besprechen wir besser ein andermal).

  • Sender suchen

Ist das Unterfangen des Anschließens nach langem Hin und Her endlich geglückt und alle Beteiligten lassen sich wieder erschöpft auf das Sofa fallen, beginnt das nächste Problem. Denn entgegen der heutigen moderneren Geräte musste man damals, die Konsolen an die Antennenbuchse anschließen. Was bedeutete das der Sender auf dem die Konsole ihr Bild ausstrahlte, erst einmal über den Suchlauf gesucht werden musste. Das klingt einfacher als es war. Denn erstens konnte das unter bestimmten Voraussetzungen wirklich lange dauern, und zweitens war es durchaus möglich, dass das Bild trotzdem kriselte. Das bedeute meist, dass entweder Stecker am hinteren Fernseher nicht richtig saß oder aber man musste den Suchlauf manuell durchführen um das perfekte Bild Schritt für Schritt zu finden.

  • Fehlersuche

Nun kam es darauf an wie frustresistent alle Beteiligten waren. Hatte demnach das Familienoberhaupt den Fernseher wieder vorgerückt und alle Stecker und Kabelverbindungen kontrolliert, und meist festgestellt, dass das blöde Antennenkabel rausgerutscht war, konnte es weiter gehen.

  • Pusten

Nachdem nun alles zu funktionieren schien, und dennoch kein buntes Bild erschien, ging das Rätselraten in die zweite Runde. Eine gängige Methode dieses Problem zu beseitigen, war in die cartridge (so hießen die Module, auf den die Spiele gespeichert waren) zu pusten und zu hoffen, dass es nun weiter ging. Meistens hilf dies. Auch wenn heute mittlerweile bekannt ist, dass dies eher den Kontakte durch den beim Pusten ausstoßenden Speichel Schaden zufügte. Damals jedoch glaubten wir festen an die Macht des Pustens.

  • Spielen

Nun konnte es endlich los gehen. Das Spiel startete, der 8 Bit. Sound dröhnte durch die Lautsprecher des Fernsehers. Große Euphorie machte sich breit und die gesamte Familie nebst Besuch, der das Gerät zur Verfügung stellte, atmete erleichtert auf und jeder Unmut, sowie jeder Rückschlag war vergessen. Nun ging es nur noch daran, wer als erstes spielen sollte. Auch das war zumindest unter Kindern nicht immer leicht zu beantworten. Aber die Erwachsenen fanden natürlich schnell eine Lösung und es konnte los gehen. Während mein Vater das Pad selbstbewußt in die Hand nahm und bei Super Mario Bros. in den ersten 5 Sekunden starb, da er direkt in den ersten Goomba (Pilz) hinein lief, versuchte meine Mutter erst einmal die Steuerung zu erlernen und verliebte sich prompt in die Sprungtaste, was sie jedoch nicht davon abhielt ebenfalls vom ersten Goomba getroffen zu werden.

Wie eingangs erwähnt scheinen viele eben diesem Retro-Charme der neuerlichen Geräte wieder erlegen zu sein. Die Reproduktions-Produkte von Nintendo erfreuen sich größter Beliebtheit und waren schon nach kurzer Zeit ausverkauft. Vor allem vermutlich, weil alle oberen Probleme wegfallen und man sich nun ganz auf die Spiele konzentrieren kann.

Meine Geschichte vom NES endete im Übrigen tragisch. Ich kam nicht zum Spielen und unser Besuch zog mit der von ihr neu erworbenen Konsole, noch am selben Abend weiter. So musste ich fast 20 Jahre warten, um endlich in den Genuss jenes Gefühls zu kommen gegen den ersten Goomba zu laufen. Sonic ist eh viel besser. Aber dazu ein andermal.

Photo by Jason Leung on Unsplash

retro.kolumne: Bibi Blocksberg/Benjamin Blümchen

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Ein Gespenst geht um in Europa

Ein Gespenst geht um in Europa

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Dr. Axel Stoll – wobei sein Gespenst vielleicht doch eher im Aldebaran umgeht. Doch wer jetzt nur Bahnhof versteht und von diesem berühmten Dr. Axel Stoll noch nie was gehört hat, dem kann hier geholfen werden. Denn eines ist klar: Die nun folgenden Zeilen enthalten Informationen, die euch normalerweise vorenthalten werden sollten. Diese große Verschwörung aufdeckend, begab sich dieser todesmutige Redakteur in die Katakomben der geheimsten Archive. Von Wikipedia bis YouTube, nichts blieb mir verborgen. Nur der einen Weisheit jenes Mannes, der uns alle erleuchten wollte, folgend:

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