Der Mensaclub hat ausgetanzt

Der Mensaclub hat ausgetanzt

Weiße Schrift auf schwarzem Grund, ein Geburts- und ein Todesdatum – wie eine Todesanzeige präsentiert sich der Instagrambeitrag des Mensaclub e.V. Das Bild verkündet das Ende des legendären Clubs am Wall zum Ende des Jahres. Die Kommentare darunter sind größtenteils verständnislos oder schockiert. Wie konnte es dazu kommen, und wie geht es jetzt weiter?

Um die jetzige Situation besser zu verstehen, müssen wir zurück ins Jahr 2018. Die Mensa am Wall stellte damals ihren Betrieb ein und im großen verglasten Gebäude verbleiben das Studierendenwerk und der Mensaclub e.V. Schon damals stand die Frage im Raum, ob das Gebäude verkauft wird. 2019 kam die WITENO GmbH ins Spiel. Die Firma, bei der unter anderem die Hansestadt Greifswald und die Universität Gesellschafter*innen sind, plante das Gebäude zu sanieren und ein digitales Innovationszentrum zu bauen. Der Mensaclub sollte Teil dieses Zentrums werden. Wie genau, stand dabei nicht fest. „Dass es langfristig Veränderungen gibt, das war ja schon immer klar“, sagt Tom – 1. Vorstand des Mensaclub e.V. – heute. Das Studierendenwerk suchte derweil nach einer neuen Unterkunft.

Doch die beantragten Fördergelder für den Umbau lassen auf sich warten. Während also die WITENO GmbH in den Startlöchern für den Bau steht, fehlt das Geld. Ende 2022 zieht das Studierendwerk planmäßig in die Bahnhofstraße 44b und allein im denkmalgeschützten Gebäude verbleibt: der Mensaclub e.V.

Da das Gebäude im Eigentum der Universität steht, muss die Universität für die Unterhaltung des Gebäudes aufkommen. Die mit der Unterhaltung verbundenen Kosten sind auch ohne die aktuell durch das Wissenschaftsministerium geplanten Kürzungen nicht durch die Universität tragbar.

Jan Meßerschmidt – Pressesprecher der Universität Greifswald

Am 26. Oktober trafen sich Vertreter*innen des Mensaclub e.V. mit der kommissarischen Kanzlerin der Uni Dr. Juliane Huwe. Eigentlich sollte es um die Verlängerung des Mietvertrags gehen. Doch dann der Schock: Die Universität wird das Gebäude zum 31.12.22 von der Strom- und Wasserversorgung trennen. Das Gebäude kann dann nur noch mit Genehmigung betreten werden. Ein normaler Betrieb des Mensaclubs ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.

Die Reaktionen

Tom erinnert sich: „Ich habe mir eine Packung Tücher aus dem Lager geholt und mich erstmal ausgeheult.“ Aus einer geplanten Sitzung zur Planung des 30-jährigen Mensajubiläums wurde eine Krisensitzung. Dabei wurde klar: Die Mitglieder wollen für ihren Verein kämpfen. Neben Gesprächen mit der Universität und der Stadt, plante der Mensaclub deshalb zwei öffentlichkeitswirksame Aktionen. Am 21. November wurde der bereits beschriebene Instagram-Post veröffentlicht. Der Beitrag hat etwa viertausend Menschen erreicht.

Es ist als Warnung zu verstehen: Wenn jetzt nichts passiert, dann ist der Mensaclub tot.

Tom Gutzmer – 1. Vorstand des Mensaclub e.V.

Direkt am nächsten Tag tagte die Vollversammlung der Studierendenschaft mit über 400 Teilnehmenden. Der Antrag zur Rettung der Mensa wurde dabei einstimmig angenommen. Aliya – 2. Vorstand des Mensaclub e.V. – ist überwältigt. Der Mensaclub habe in Greifswald nicht den besten Ruf, dieser Rückhalt sei deshalb toll zu sehen. Sie sagt: „Der Mensaclub ist nicht nur Samstagsparty. […] Die Leute haben nicht für die Samstagsparty gestimmt, sondern für alles andere.“ Als größter der fünf Greifswalder Studierendenclubs bietet der Mensaclub zahlreichen Vereinen und Teilen der Studierendenschaft eine Infrastruktur für Veranstaltungen. So findet beispielsweise die Weihnachtsparty des FSR Psychologie im Mensaclub statt. Während einhundert Gäste im Mensaclub wenig sind, kommt beispielsweise der Geologenkeller dabei schon fast an die Kapazitätsgrenze.

Die Perspektiven

Geschäftsführer der WITENO GmbH Wolfgang Blank hält an dem Plan fest, das Gebäude zu übernehmen: „Rein formell soll die Alte Mensa ab 01.01.2024 der WITENO gehören. Dann sind wir hoffentlich mit der Planung durch und der tatsächliche Umbau kann erfolgen.“ Auch die Stadt möchte das Projekt weiter vorantreiben. Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder sagt dazu: „Das Konzept für das Digitale Innovationszentrum Alte Mensa sieht vor, dass der Mensaclub auch in Zukunft seinen festen Platz in der Alten Mensa behalten wird. Ich freue mich schon darauf.“ Im kürzlich erneuerten Kooperationsvertrag zwischen Universität und Stadt findet sich ebenfalls das Ziel, weiter am Projekt Alte Mensa zu arbeiten.

Bis es allerdings so weit ist, wird nach neuen Räumlichkeiten gesucht. Dabei steht der Mensaclub im Gespräch mit der Universität und der Stadt. Aliya und Tom sind sich einig, dass sie weder mit der Stadt, der Uni, noch mit WITENO im Krieg sind. Nur gemeinsam sei es möglich, eine Lösung zu finden. So gab es auch schon Besichtigungen möglicher Gebäude. Doch bisher kam nichts davon in Frage.

Würde Geld keine Rolle spielen, wüsste Aliya genau was sie aus der Alten Mensa machen würde: Ein Haus der Kultur und der Vereine. Als Verein sei es derzeit schwer, Räumlichkeiten an der Uni zu finden. In der Alten Mensa gibt es genügend Büros, einen großen Saal, Flächen für Sportvereine und natürlich den Mensaclub.

Beitragsbilder: Tom Gutzmer und Lilly Biedermann

Mensa-Ausschuss

Immer wieder gab es Beschwerden über die Qualität des Mensaessens und die Unfreundlichkeit des Personals. Als dann die Studierenden auch noch mit Preiserhöhungen konfrontiert wurden, musste das Studentenwerk auf die Kritik reagieren. Anfang des Jahres wurde der sogenannte Mensa-Auschuss ins Leben gerufen. In diesem sitzen neben Mitarbeitern des Studentenwerks, auch Studierendenvertreter, die ihre Ideen mit in die neue Konzeption der Mensen einbringen können. Mit ihnen und mit Verwaltungsratsmitglied Erik von Malottki haben wir uns getroffen und uns mal erzählen lassen, was im Mensa-Ausschuss so passiert ist und wie es in Zukunft weitergehen soll.

Eröffnung der neuen Mensa

Nach langer Verzögerung eröffnete die neue Mensa am Beitz Platz am 29.Oktober 2012 ihr Pforten. Wir zeigen euch Impressionen der Eröffnung und haben mit der stellvertretenden Geschäftsführerin Ina Abel gesprochen, die die Neuheiten der Mensa und Gründe für die verspätete Eröffnung darlegt.

TITEL „Ein Löffelchen voll Zucker“

Um fünf Uhr aufstehen, die Kochjacke überwerfen und einen Tag lang das Selbstexperiment wagen. Als moritz-Redakteurin mache ich mich auf, um herauszufinden, was im Hintergrund unserer Mensa passiert, wenn keiner hinschaut.

Mẹn|sa, die;-, Plur.-s u. …sen ‹lat.› (restaurantähnliche Einrichtung an Universitäten [für die Studierenden]“, so schreibt es der Duden.

Unsere Redakteurin bei der Arbeit

Soweit kann jeder Studierende die Institution Mensa definieren. Man schwingt sich ja schließlich häufig genug nach Vorlesungen aufs Fahrrad um in Richtung Mensa am Schießwall oder Berthold-Beitz-Platz zu radeln, manchmal öfter in der Woche als man vielleicht möchte. Die Treppen hoch, noch einmal auf den Plan geschaut, vielleicht einen unschönen Blick auf das Essen in der Vitrine geworfen und dann ist die Entscheidung meistens auch schon gefallen. Also stellt man sich an, hofft auf eine möglichst kurze Wartezeit und bezahlt anschließend. Manchmal hört man noch die Worte: „ich hätte gern“, oder „schönen Tag noch“. Diese Szene bedeutet Routine für viele Studierende unserer Universität und auch für mich ist sie Alltag. Doch als ich vor einiger Zeit vor meinem vegetarischen Essen saß, fiel mir auf, dass die Wenigsten wissen, was hinter den Theken geschieht und welchen Weg die Lebensmittel täglich gehen, bevor sie auf den Tellern landen.

 

Ich mache mich auf, es herauszufinden und wage das Selbstexperiment: ein Tag als Mensamitarbeiterin. Es wird ein spannender, anstrengender und aufschlussreicher Tag, der den Sonnenaufgang nicht abwarten kann. Während so ziemlich jeder Student noch in den Betten liegt, beginnt für die Mitarbeiterinnen der Mensa um 6.30 Uhr schon der Arbeitstag. So früh bin ich noch nie aufgestanden, um zu arbeiten. Bevor es in die Küche geht, muss aber zunächst die Umkleide aufgesucht werden. Straßenkleidung ist an den Herden nicht erwünscht, wird mir vom Chefkoch, Herrn Woryna, erklärt. Also pelle ich mich aus der Kleidung, die mich am Morgen beim müden Anziehen so viel Mühe gekostet hat und nehme vorlieb mit karierten Hosen, einem weißen Poloshirt und einer kompliziert geknöpften Kochjacke. Ich sehe wahrscheinlich ziemlich albern aus, aber plötzlich bin ich ein Teil des Kollegiums und werde mit freundlichen Augen gemustert. (mehr …)

Mensa am Wall: Vollversammlung der Studierendenschaft

Am Mittwoch veranstaltet der Allgemeine Studierendenausschuss in der Mensa am Wall die Winter-Vollversammlung der Studierendenschaft. Los geht es um 16 Uhr. Der webMoritz sprach mit dem hochschulpolitischen Referenten Franz Küntzel.

AStA-Referent für Hochschulpolitik: Franz Küntzel.

webMoritz Was wird auf der Vollversammlung an Themen behandelt?

Franz Küntzel Wie jedes Jahr gibt es mehrere recht vielversprechende Anliegen. In einem Antrag wird die derzeitige Raumsituation des Studententheaters thematisiert, um die Studierendenschaft, so die Antragssteller, dafür mehr zu sensibilisieren und mehr Unterstützer zu finden. Ein weiterer sehr wichtiger Antrag betrifft die Novellierung des Landeshochschulgesetzes, wonach der Freiversuch für jede Hochschule nur noch Optional wird. Das kommt einem Abschaffen gleich. Und dann soll sich die Vollversammlung dafür aussprechen, dass ihre Beschlüsse bindend für das Studierendenparlament werden.

webMoritz Wieso bindend und wie soll man das erreichen?

Küntzel Ich sehe die Vollversammlung als ein wichtiges basisdemokratisches Organ der Studierendenschaft, welches zum einem den Mitgliedern des Studierendenparlaments eine wichtige Rückmeldung zur ihrer Arbeit geben kann und zum anderem die politische Ausrichtung der Studierendenschaft festlegt. Leider ist die Vollversammlung für viele Studierende nicht mehr interessant und deshalb bleiben sie fern. Wenn aber nicht „nur“ Meinungsbilder gefasst werden können, sondern richtige bindende Beschlüsse, dann bin ich der Meinung, dass sich wieder mehr Studierende beteiligen werden. Deswegen werde ich den Antrag stellen, dass ein Rechtsgutachten erstellt wird, welches Rechtssicherheit gibt und die Diskussion über die Stellung der Vollversammlung beendet.

webMoritz Gibt es sonst noch weitere Anträge?

Küntzel Ja natürlich. Ein Antrag behandelt die derzeitige Situation von Campus Europae. Es gibt zurzeit Bestrebungen im Studierendenparlament dieses Austauschprogramm an unserer Universität abzuschaffen beziehungsweise diese nicht mehr zu fördern. Des Weiteren gibt es noch einen recht interessanten Antrag zum Teilzeitstudium, welches die Universität auffordert die Richtlinien im neuen Landeshochschulgesetz umzusetzen, sodass Studierende mit einem Beschäftigungsverhältnis und Familie oder ähnlichen Situationen die Chance haben von Studienbeginn an nur Teilzeit zu studierenden.

webMoritz Mit vielen Studierenden rechnest Du denn?

Küntzel Natürlich rechne ich damit, dass wir beschlussfähig werden. Dafür müssten mehr als 600 Studierende kommen. Da wir sehr viele wichtige Sache zu beschließen haben, hoffe ich, dass wir es dieses Semester endlich wieder schaffen.

webMoritz Herr Küntzel, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Torsten Heil, Foto: Christine Fratzke (Archiv)