Mit moderner Technik auf den Spuren der Toten

Mit moderner Technik auf den Spuren der Toten

Einmal in eine Zeitkapsel steigen und in die Vergangenheit reisen – darüber haben bestimmt viele schon einmal nachgedacht. Einer würde vermutlich gerne ganz weit zurück reisen: der Greifswalder Paläontologe Marco Schade. Wir haben mit ihm über die Faszination von Knochen und die Schwierigkeiten des Lebens als Wissenschaftler*in gesprochen.

Marco Schade ist Greifswalder, Doktorand und seit Geburt Dinosaurier-Fan. Mit fünf Jahren haben ihn seine Eltern den Film „Jurassic Park“ schauen lassen. Seitdem hat ihn die Begeisterung für die prähistorischen Echsen nicht mehr losgelassen.

„Als ich älter wurde, haben mich nicht nur die Tiere begeistert, sondern auch die unglaublichen zeitlichen Maßstäbe mit denen wir uns beschäftigen“, sagt er heute rückblickend. Die Zeit, mit der er sich beschäftigt, liegt über 66 Millionen Jahre zurück. Damals lagen die Kontinente anders auf dem Erdball als heute und sie waren von Pflanzen und Tieren bevölkert, die einem Fantasy-Roman entsprungen sein könnten.

Nach seinem Master-Studium in München kehrte Marco Schade nach Greifswald zurück, um seine Doktorarbeit am Lehrstuhl für Paläontologie und Historische Geologie zu beginnen. In seiner Promotion erforscht er die Schädel von mesozoischen Dinosauriern multimethodisch. Das klingt zwar erst einmal trocken, doch dahinter verbirgt sich spannende Forschung: Mit Hilfe von CT-Scannern, die Einigen vielleicht aus der Medizin bekannt sind, untersucht er Dinosaurier-Schädel und erstellt dreidimensionale Computer-Modelle. Dabei hat er es besonders auf einen Teil des Ohres abgesehen: „Die Orientierung des seitlichen Bogenganges im Innenohr der Tiere kann uns eine Vorstellung davon geben, wie ihre Kopfhaltung war.“ Daraus ließen sich Rückschlüsse auf die Ernährung ziehen. Während der fleischfressende Tyrannosaurus rex die Schnauze eher gerade hielt, um die Umgebung zu überblicken, hielt der von Marco Schade untersuchte Irritator challengeri den Kopf nach unten geneigt. Vermutlich war er auf der Suche nach relativ kleiner Beute wie Fischen, die er mit einer schnellen Bewegung der Schnauze packen konnte.

„Als ich das Fossil [des Irritator challengeri] zum ersten Mal in Stuttgart gesehen habe, war das ein magischer Moment, weil es so wahnsinnig gut erhalten ist. Ich konnte dieses Fossil nie vergessen.“

Marco Schade

Neben diesem geschickten Jäger beschäftigt er sich zurzeit auch mit einem Vegetarier. Der Knochen eines etwa 80 Millionen Jahre alten Pflanzenfressers wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in Österreich gefunden und befindet sich nun als digitales Modell auf Marco Schades Computer. Im Gegensatz zu einigen seiner Kolleg*innen zieht der Greifswalder Paläontologe die Arbeit am Schreibtisch den Grabungen im Gelände vor. „Es gibt viele alte Stücke, die noch nicht umfassend untersucht sind und aus denen noch viele Erkenntnisse gewonnen werden können. Natürlich ist es auch wichtig weiter zu graben, aber momentan arbeite ich etwas ressourcenschonender.“

Wie es nach der Promotion weiter gehen soll, steht für Marco Schade noch nicht fest. Die wenigen Stellen in der Wissenschaft, aber auch der Leistungsdruck machen ihm zu schaffen. Er habe Sorge, sich in der akademischen Welt zu verlieren: „Irgendwann forscht man nur noch, um im Spiel zu bleiben, seinen Job zu behalten und dann rückt die eigentliche Motivation in den Hintergrund.“ Sein Ziel sei es, Menschen zu begeistern – so wie er damals von Dinosauriern begeistert war und es noch immer ist. Dankbar sei er für jedes Jahr, in dem er sich weiter mit Fossilien beschäftigen könne, um seine Erkenntnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Beitragsbilder: Marco Schade