von moritz.magazin | 17.01.2014
Seit einiger Zeit begegnet man auf den drei Stationen der inneren Medizin im Greifswalder Uniklinikum am Nachmittag Damen in lindgrüner Kleidung, die weder Schwestern noch Ärztinnen sind. moritz hat nachgeschaut, um was für Menschen es sich dabei handelt.
Von: Juliane Stöver

Eine Grüne Dame bei der Arbeit.
Wer jemals einige Zeit im Krankenhaus verbringen musste, kennt das: Ärzte und Pflegepersonal sind im Stress, für persönliche Dinge ist keine Zeit. Schlimm, wenn dann auch noch die Verwandten nicht vorbeischauen können. Deswegen gibt es in immer mehr Krankenhäusern das Projekt der „evangelische Krankenhaushilfe e.V.“. Dabei handelt es sich um einen ökumenischen Verein auf Bundesebene, in dem Ehrenamtliche – die „Grüne Damen und Herren“ genannt werden, weil sie lindgrüne Kittel tragen – die Patienten unterstützen, indem sie kleine Besorgungen für diese erledigen oder ihnen einfach zuhören, wenn die Patienten jemanden zum Reden brauchen. Seit April letzten Jahres gibt es eine Gruppe „Grüner Damen“ auch an der Universitätsmedizin in Greifswald. Derzeit arbeiten nachmittags 16 Ehrenamtliche auf den drei Stationen für Innere Medizin (INM), wo sie tägliche Besuche tätigen.
Erfahrung, die bereichert
Doch der Einsatzbereich könnte auf weitere Stationen ausgeweitet werden, wenn sich genügend Freiwillige finden, so Rainer Laudan von der Krankenhausseelsorge, der sich um die Koordination der ehrenamtlichen Mitarbeit kümmert. Momentan gebe es nicht genügend Ehrenamtliche und der Bedarf sei auf diesen Stationen am größten. Die Finanzierung verläuft dabei über den Verein „Freunde und Förderer des Universitätsklinikums Greifswald e.V.“ in Form von Spenden, die für Fahrtkosten und andere Aufwandsentschädigungen, Weiterbildungen, die grüne Kleidung und die Anwerbung neuer Mitwirkenden verwendet werden. Der Verein und besonders der Vorsitzende Doktor Gunter Jess sind auch verantwortlich für die Gründung der Gruppe in Greifswald gewesen. Dieser hatte die Idee, in Kooperation mit dem Vorstand des Klinikums das Projekt in Greifswald zu integrieren. Die Grünen Damen selbst werden zwar nicht bezahlt, dennoch sei ihre Arbeit „eine Bereicherung an Erfahrung“, erzählt Antanina Plamann, eine der „grünen Damen“, die seit September immer dienstagnachmittags auf der Station INM-13 anzutreffen ist. Sie selbst suchte gezielt nach einem Ehrenamt, als sie nach Greifswald gezogen ist, Schließlich ist es ihr wichtig, Menschen zu helfen. Sie selbst war selbst bereits in einer Situation, wo sie auf Hilfe angewiesen gewesen war.
Da sie ein kommunikativer Mensch ist, der bereits viel mit Menschen gearbeitet hat, und kein Problem damit hat, auf Menschen zuzugehen, empfinde sie ihre Arbeit im Krankenhaus nicht als Belastung, auch wenn sie weiß, dass sie nicht immer etwas tun kann, wenn Menschen im Krankenhaus Probleme haben. Vielmehr helfe sie sehr gerne, auch wenn es manchmal schwierig sei, an manche Patienten „heranzukommen“ und ihnen klar zu machen, dass man sich nicht aufdrängen, sondern ihnen helfen möchte. Dabei ist es vor allem wichtig, ein besonderes Feingefühl für die Menschen und eine gewisse Menschenkenntnis zu besitzen. Auch ein wenig Mut ist nötig, da die Damen nie wissen können, was sie erwartet, da jede Situation anders ist. Zwar gibt es derzeit noch keine spezielle Schulung, doch werde dies im Frühjahr auch ermöglicht, um es Neueinsteigern zu erleichtern, Kontakt mit den Patienten aufzunehmen und diesen zu helfen.
Dass Plamann ihr Ehrenamt sehr schätzt, ist ihr deutlichanzusehen, als sie schildert, wie sie es schaffte, einem verschlossenen und schlecht gelaunten Patienten durch ihre offene und lebensfrohe Art ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Oder als sie berichtet, wie ein Patient sie gefragt hat, ob sie am nächsten Tag wiederkomme. Das war zwar nicht der Fall, da jede „Grüne Dame“ ihren eigenen Arbeitstag hat, doch es zeigt, dass die ehrenamtliche Arbeit von vielen Patienten gut aufgenommen wird. Obwohl es auch vorkommt, dass die angebotene Unterstützung abgelehnt wird und Patienten keinen Besuch wünschen. Auch von den Ärzten und Schwestern werde die Unterstützung geschätzt. Eine der Hauptaufgaben der Ehrenamtlichen ist es, den Patienten moralische und psychologische Unterstützung zu bieten, ihnen zuzuhören, wenn sie Kummer oder Probleme haben und ihnen so den Aufenthalt ein wenig leichter zu machen. Dabei können durchaus mehrstündige Gespräche entstehen, in denen nicht nur den Patienten geholfen werden kann, sondern nicht selten auch die Grünen Damen einen Rat erhalten oder etwas über sich selbst lernen können.
Dienstagnachmittag auf der INM-13
Wenn Antanina Plamann die Station betritt, geht sie immer zuerst ins Schwesternzimmer, um sich ins Dienstbuch einzutragen, was damit zusammenhängt, dass die Grünen Damen über den Verein „evangelische und ökumenische Krankenhaushilfe e.V.“ versichert sind. Dann fragt sie bei den diensthabenden Schwestern, ob es an diesem Tag etwas Besonderes zu beachten gibt oder ob einige Patienten speziell Unterstützung benötigen beziehungsweise besser nicht gestört werden. Daraufhin dreht Plamann ihre Runde über die Station, fragt die Patienten nach ihrem Befinden und unterhält sich mit denen, denen es schlecht geht oder die Gesellschaft brauchen. Ihre Arbeitsstunden richten sich danach, wie lange diese Gespräche dauern und was es sonst noch zu tun gibt, wie Patienten zu Untersuchungen begleiten oder ihnen etwas aus der Cafeteria, dem Kiosk oder Blumenladen holen. In der Regel arbeitet eine Grüne Dame oder ein Grüner Herr mindestens vier Stunden die Woche. Doch manchmal dauern Gespräche sehr lange und wenn die Gesellschaft so gut ist, bleibt Plamann auch etwas länger. Das macht ihr auch nichts aus, denn die Arbeit auf der Station erfülle ihr Leben und gebe ihr sehr viel. Es helfe ihr, ihr eigenes Leben mit anderen Augen zu sehen, sich darüber zu freuen, dass sie gesund ist „lachen, tanzen, singen kann“, wenn sie bedenkt, dass „andere nicht mal die Hälfte“ können. Auch mit ihren Kolleginnen verstehe sie sich sehr gut. Einmal im Monat gibt es ein gemeinsames Treffen von allen Grünen Damen, die am Universitätsklinikum arbeiten, und den Verantwortlichen. Dabei geht es dann vor allem um die Zusammenarbeit auf den Stationen, sehr schnell aber auch um Privates, was dazu führt, dass Freundschaften geschlossen werden und alle Ehrenamtlichen untereinander bereits per du sind. Die Weihnachtsfeier im letzten Dezember hat ebenfalls dazu beigetragen, das Team zu festigen.
Weitere Unterstützung erwünscht
Neue Mitglieder unter den Ehrenamtlichen sind immer gerne gesehen. Einen großen Zuwachs brachte bereits eine Veröffentlichung in der Ostsee-Zeitung. Damals hatten sich 22 Damen gemeldet. Wer Interesse hat, kann sich entweder bei Herrn Laudan oder Herrn Dr. Jess melden, denn noch immer besteht großer Bedarf an der Arbeit der Grünen Damen. Wobei es natürlich auch Männern möglich ist, mitzumachen. Jeder, der anderen Menschen helfen möchte, könne sich beteiligen, unabhängig von Lebenshintergrund, so der Krankenhausseelsorger.
Der erste Tag sei immer der schlimmste, weiß Frau Plamann. Aber mit jeder Erfahrung und durch den Austausch mit anderen Ehrenamtlichen, den Schwestern und den Verantwortlichen von der Krankenhausseelsorge lernt man, wie man die Arbeit am besten bewerkstelligt. Frau Plamann kennt „ihre“ Station inzwischen, kennt die Mitarbeiter und Abläufe. Selbstsicher bewegt sie sich zwischen den Zimmern, scherzt mit den Pflegern und Patienten und genießt ihre Arbeit, die ihr so viel bedeutet. „Aber“, so meint sie, „wenn wir 88 wären, wäre es noch schöner.“
Foto: Juliane Stöver
von moritz.magazin | 01.04.2011
Ein großer Kritikpunkt am Bologna-Prozess ist die Komprimierung der Lehrpläne. Dadurch nimmt auch die Zeit für außer-universitäre Aktivitäten ab. moritz hat nachgefragt, wie sich das auf einige der studentischen Clubs und Vereine auswirkt.

GrIStuF sorgte immer für viel Spaß unter den Studenten – wie hier bei einer „Tofu-Schnitzeljagd“ im Vorfeld ihres letzten Festivals
Der Beginn eines neuen Semesters erinnert oft an den Jahresbeginn, wenn gute Vorsätze für die kommende Zeit abgelegt werden. Zwischen „Dieses Semester fange ich eher an, um für die Prüfungen zu lernen“ oder „Dieses Semester besuche ich die Vorlesungen regelmäßig“ liegt vielleicht auch ein „Dieses Semester engagiere ich mich in einem Club oder Verein“. Ob die Vorsätze eingehalten werden, ist ungewiss. Die studentischen Clubs und Vereine würde es freuen, denn sind sie immer auf Nachwuchssuche.
Angelina Kristin König studiert im zweiten Semester Skandinavistik und Kunstgeschichte und ist im letzten Semester dem Geologenkeller beigetreten. Anfang des Wintersemesters besuchte sie mit einem Freund die Halloweenparty. „Auf der Party habe ich mich in den Keller verknallt“, erzählt Angelina. Also entschloss sie sich, Mitglied zu werden und stellte sich bei der Kellergemeinschaft vor. Der 1962 gegründete und somit älteste Studentenclub Greifswalds hat zurzeit 34 aktive Mitglieder. Eine Besonderheit des Geologenkellers ist die ‚Geologentaufe‘. Jeder Geologe kann sie ablegen, bei den Mitgliedern „allerdings wird dieses Ereignis eher als eine positive Auszeichnung gesehen. Speziell Probemitglieder werden mit der Taufe fast immer auch gleichzeitig Vollmitglieder“, erzählt Kellermitglied Andreas Milde. (mehr …)
von Tjorven Hinzke | 17.11.2010
Ein Vorraum mit Sesseln und einer Couch, weitere tiefe Sofas, Tische und Stühle neben der Bartheke, an einer Wand ein titelgebendes Zitat, im schummrigen hinteren Teil des Tanzraums lässt es sich auf rot bezogenen, gepolsterten Bänken gemütlich beisammensitzen – die Kiste auf der Rückseite des gleichnamigen Hörsaals lädt schon auf den ersten Blick zum längeren Verweilen ein.
Seit vor genau 32 Jahren die Gründungsmitglieder mit dem Kulturauftrag der Universität auch die Räumlichkeiten der heutigen Moschee und des Hörsaals zur Verfügung gestellt bekamen, hat sich die Fläche verkleinert, nicht aber das Programmangebot. Am 17. November feiert die Kiste ihr Jubiläum und alle sind herzlich eingeladen: Freier Eintritt ab 21 Uhr und verschiedene DJs erwartet die Besucher des Studentenclubs in der Makarenkostraße 49. Wie vor 32 Jahren werden hier neben den Lesungen Kino, Partys, Konzerten, (Puppen-)Theater und Auftritte von Studenten geboten.
Mittwoch sind Mottopartys

Es findet sich auch immer ein Platz zum gemütlichen Beisammensitzen
Die Mittwoch-Partys stehen unter bestimmten Mottos, auf die Musik, Dekoration und hin und wieder auch Getränke passend abgestimmt werden. Veranstaltungen an Freitagen und Samstagen sind spezielleren Musikrichtungen gewidmet, hier sind etwa die Ärzte-Party, die Dark Theatre mit Dark Wave, der Metalabend oder die TranceCube vertreten. Während bei den Mittwoch-Partys meist 170 und mehr Gäste feiern, sind die Veranstaltungen am Wochenende mit 40 bis 100 Leuten weniger besucht – was der Stimmung keinen Abbruch tut.

Sonja Petkovic, 1. Vorstand der Kiste
Sonja Petkovic, welche gemeinsam mit vier anderen Studenten im Vorstand des Vereins tätig ist, meint dazu: „Die Kiste ist bunt – nicht nur räumlich, sondern auch von den Leuten her. Hier treffen ganz unterschiedliche Charaktere zusammen, was sich eben auch in unserem Monatsprogramm widerspiegelt. Egal ob vom einzelnen Mitglied oder Gast – neue Mottovorschläge und Partyideen werden gerne gesammelt und umgesetzt. Je nach Urigkeit und Beliebtheit mausert sich dann die Idee vielleicht zur regelmäßigen Veranstaltung“.
Kultfilme im Kiste-Kino
Während der Vorlesungszeit organisiert der Club montags das Kiste-Kino, in welchem man zu sehr günstigen Preisen Kassenschlager vom Vorjahr, aber auch ältere, meist Kultfilme, Geheimtipps, eben bewusst ansprechende und anspruchsvolle Filme sehen kann. Auch hier kann und soll das Publikum mitbestimmen und Vorschläge im Forum der Kiste machen.
Auch Aufführungen des StuThe bietet der Club Raum. Genauso arbeiten die Mitglieder mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss im Rahmen der Erstsemesterwoche und der Karaokepartys, Fachschaftsräten, dem radio 98eins und der Lokalen Erasmus-Initiative zusammen.
Unterstützt wird das vielfältige kulturelle Angebot zudem vom Studierendenparlament und Studierendenwerk. „Uns liegt viel an der Kommunikation mit anderen Gremien und ehrenamtlich tätigen Studenten. Natürlich auch mit den anderen Clubs – wofür die Clubs-U-Night ein gutes Beispiel ist“, meint Vorstandsmitglied Sonja.
Engagement für Schönwalde-II
Darüber hinaus engagiert sich der Club für seinen Stadtteil Schönwalde II – etwa beim Stadtteilfest und zusammen mit der Moschee zu ihrem Tag der offenen Tür in der interkulturellen Woche. Dort grillen die Mitglieder, verkaufen Getränke oder helfen neuen ehrenamtlichen Einrichtungen bei der Veranstaltungorganisation. „Uns erkennt man immer an der guten Stimmung, den Kiste-Shirts und dem Banner, welches sagt: ‚Von Studenten, mit Studenten und für Studenten.‘ Wer einen genaueren Blick riskiert, wird zudem feststellen, dass die Kiste sowohl unter den Gästen wie auch unter den Mitgliedern Nichtstudenten aufweist. Jeder ist willkommen!“, erzählt Sonja weiter.

Benjamin Kraenz, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, vor der Bar der Kiste
Benjamin Kraenz, Lehramtsstudent und seit 2006 Kiste-Mitglied, wirft ein: „Wir haben keine Fachausbildung, wenn es etwa ums Getränkemixen geht. Teilweise wird man dann schon belächelt oder die Leute reagieren sogar empört, wenn etwas nicht ganz klappt. Leider glauben manche Leute nun einmal, dass wir ein kommerzieller Club sind, obwohl wir alles hier ehrenamtlich und unentgeltlich machen. Uns geht es eben in erster Linie darum, unseren Kulturauftrag mit Spaß umzusetzen“.
Und so sorgt ein lebendiges Clubleben mit internen Feiern, Film,- Grill- und Spieleabenden für den Zusammenhalt der Gruppe. Spricht man mit den einzelnen Mitgliedern, merkt man, wie viel ihnen der Club bedeutet. „So, wie mir das vorkommt, und ich bin ja schon eine Weile dabei, besteht bei uns ein Gemeinschaftsgefühl, das man so selten findet“, stellt Benjamin fest.
Drei Monate Probemitgliedschaft vor Aufnahme in den Verein
Wer an der Vereinsarbeit interessiert ist, kann in einer dreimonatigen Probemitgliedschaft alle Bereiche der ehrenamtlichen Tätigkeit austesten – vom Arbeiten hinter der Bar über Einkauf, Flyererstellung bis hin zum Kennenlernen der vier anderen Clubs. Am Ende dieser Zeit wird über die endgültige Aufnahme entschieden. „Die Arbeit – und es ist Arbeit – soll Freude machen, unsere Mitglieder sollen sich bei uns wohlfühlen“, erklärt Sonja. Man lerne viele unterschiedliche Charaktere kennen. Das sei zum Einen eine Herausforderung in der persönlichen Entwicklung. „Zum Anderen entwickeln sich Freundschaften fürs Leben“, schwärmt Benjamin. Letzteres spiegelt sich auch in der Gründung des Vereins „Kiste lebt“ weder. Einmal im Jahr treffen sich die früheren und die aktuellen Mitglieder für ein Wochenende und tauschen Erfahrungen und lustige Geschichten aus.
Wichtig sei in einem Club neben guter Zusammenarbeit der verantwortungsvolle Umgang mit der erhaltenen Position. Wer nur Mitglied werden wolle, um diese ausnutzen, etwa wenn es um Alkohol oder freien Eintritt in die anderen Studentenclubs geht, habe hier nichts verloren. Allen, die ein ehrliches Interesse an der Vereinsarbeit haben, bietet der Club über sein breites Programmspektrum und die unterschiedlichsten Fähigkeiten, die in dessen Realisierung zusammenfließen, viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren.Man hat mit einer Mitgliedschaft Einfluss auf das Kulturleben einer ganzen Stadt, kann Konzerte, Lesungen und Partys selbst organisieren oder gar, wenn man zum Beispiel DJ ist, die Musik auf einer vollen Party bestimmen. Benjamins Worte dazu: „Es ist durchaus möglich, sich bei uns selbst zu verwirklichen“.
Bilder: Ersti-Party, Sonja Petkovic: Kiste e.V., Benjamin Kraenz: Benjamin Kraenz
von Carsten Schönebeck | 18.05.2009
Am vergangenen Donnerstag lud die Stadtverwaltung zu ihrem alljährlichen Empfang ins Landesmuseum. Auch dieses Mal rankte sich die Veranstaltung vor allem um die Ehrung verdienter Greifswalder Bürger. Dabei stand sie ganz im Zeichen des anstehenden 20. Jubiläums des Mauerfalls am 9. November 1989.
Aus diesem Anlass wurde zum ersten und – wenn man den Ankündigungen der Stadt glauben darf – letzten Mal der Goldene Greif an sechs Männer verliehen, die sich 1989 und in den Jahren danach für einen friedlichen Umbruch in Greifswald einsetzten. Dr. Reinhard Glöckner, Dr. Christoph Poldrack, Dr. Jürgen Drenckhan, Dr. Thomas Meyer, Hinrich Küssner und Thilo Braune begründeten in Greifswald den Runden Tisch, der auf kommunaler Ebene den gesellschaftlichen Umbruch umsetzen sollte. Ebenfalls beteiligt war damals Norbert Meyer, der die Auszeichnung jedoch ablehnte. In seinem Grußwort dankte Bürgermeister Dr. König den Geehrten für ihren Mut und ihr Engagement.

Dr. Joachim Gauck bei seiner Festrede
Neben den Ehrungen selbst, war es der Stadt gelungen, mit Dr. Joachim Gauck als Festredner für einen weiteren Höhepunkt des Nachmittags zu sorgen. Gauck warnte in seiner Ansprache vor einer Verklärung der DDR und ihrer Ungerechtigkeit. Er kritisierte, dass es zum zweiten Mal in der jüngeren deutschen Geschichte, bei einigen Bevölkerungsgruppen zur Verharmlosung einer Diktatur käme. (mehr …)