moritz.vorpommern: Nachtwächterführung

moritz.vorpommern: Nachtwächterführung

Greifswald bietet uns die Meeresbrise, die Strände, die Möwen und viel(es) Meer. Aber nicht nur das wollen wir als Redaktion in dieser Reihe mit euch teilen. Wir zeigen euch die Stadt und ihre Region Vorpommern, und gehen hier und da auch darüber hinaus. Ihr erfahrt, was wir an dieser Region lieben, welche besonderen Orte es zu entdecken gibt, was man hier so isst, trinkt oder spricht. In MV gibt es so vieles, auch außerhalb der Ostsee: egal ob Schlösser oder Erlebnisdörfer. Heute nehmen wir euch mit zu einer Nachtwächterführung in Greifswald.

ein Artikel von Maret Becker und Svenja Fischer

Spoiler-Alarm! Falls du die Nachtwächterführung in nächster Zeit mitmachen möchtest, weisen wir dich daraufhin, dass in diesem Artikel schon vorab so manche Erzählung des Nachtwächters nacherzählt wird.

Informationen auf einen Blick: Nachtwächterführung in Greifswald

  • Datum: am ersten Freitag im Monat (Juli & August: JEDEN Freitag)
  • Uhrzeit20:00 Uhr (18:00 Uhr November bis März, im Dezember um 19:00 Uhr)
  • Preis: 12,00 € Erwachsene • 8,00 € Schüler*innen & Studierende
  • Erwerb der Tickets: in der Greifswald-Information erhältlich
  • Treffpunkt: Greifswald-Information
  • Dauer: ca. 2h

Heute Abend begeben wir uns in das nasse und verdunkelte Greifswald. Am Marktplatz treffen wir den Nachtwächterführer, der uns mit auf eine Reise zu den Geschichten der Stadt nehmen wird. Der Nachtwächter erscheint in passender Kostümierung mit seiner Hellebarde. Das ist eine Hieb- und Stichwaffe, die einen Spieß mit einer Axt kombiniert. Mit der sorgt er für Ruhe und Ordnung und schützt seine Begleiter vor Dieben und betrunkenem Gesindel. So wie auch uns in dieser Nacht.

Wir stehen bei der Greifswaldplatte, an der Greifswald-Information. Wir hören die Glocken der Pfarrkirche St. Marien. Der Nachtwächter erzählt uns, dass die Glocken dort zwei Minuten vor der Glocke des Rathauses schlagen. Auf dem Stadtmodell sind alle markanten Gebäude von Greifswald gut zu erkennen. Insbesondere die drei imposanten Kirchen, die das Stadtbild und die Stadtsilhouette dominieren. Dabei fällt auf, dass die Kirchen alle in Ost-West Richtung erbaut wurden, mit dem Turm nach Westen. Die Namen der Kirchen sind in vielen Hansestädten identisch. St. Nicolai ist der Schutzpatron aller Handelsreisenden, St. Jacobi der Fischer und Maria ist universal für alle zuständig.

Nun begeben wir uns auf dem Marktplatz, mit sieben Metern der höchste Platz der Stadt. Wenn man dort steht, sieht man tatsächlich auf das Rathaus hinab. Der Marktplatz ist dunkel und verlassen. Der Nachtwächter klärt uns darüber auf, warum es keine massiv bunte Beleuchtung gibt: Alles auf dem Marktplatz soll eine optische Einheit bilden. Auch die Schriften an der Fassade der Banken sind wegen einer Vorschrift der Stadt ausschließlich in Grautönen gehalten.

Vom Marktplatz biegen wir in die Knopfstraße ab. Dort fällt uns das erste Mal auf, dass die dort aufgestellten vereinzelten Buchstaben ein Wort ergeben: R Y C K. Für die nächste Station bleiben wir vor der Stadtbibliothek stehen. Sie ist das Geburtshaus von Hans Fallada. Dessen Name ist tatsächlich nur ein Pseudonym, welches aus einigen Märchen der Gebrüder Grimm zusammengesucht wurde. Wer weiß, welche gemeint sind?

Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Käthe-Kollwitz-Grundschule — die Worte an der Fassade sollen anscheinend den Wortschatz von Grundschüler*innen widerspiegeln — kommen wir bei der Marienkirche an. Das Glockenläuten ist schon vor einiger Zeit verstummt. Jetzt stehen wir, versuchend uns vor dem Wind zu schützen, tatsächlich vor ihr. Der Nachtwächter erzählt uns eine wahre Geschichte aus dem Jahr 1545: ein gestrandeter Orca in Wieck. Dieser wurde in allen drei Greifswalder Kirchen aufgezeichnet. In der Marienkirche ist das Bildnis jedoch am besten erhalten.

Unser Rundgang führt uns zum Ausgang der Innenstadt Richtung Europakreuzung. Hier wurde mithilfe von Messingbändern nachgezeichnet, wo früher das Stadttor stand. Die sich im Laufe der Geschichte langsam entwickelnden Stadtteile Greifswalds außerhalb der Innenstadt wurden nach den vier Stadttoren benannt, durch welche man gehen musste, um dorthin zu gelangen. Das Mühlentor führt folgerichtig zur Mühlenvorstadt. Das “Fette Tor” — so bezeichnet, da es das größte und breiteste war — erschuf den inzwischen etwas komisch anmutenden Namen “Fettenvorstadt”. Mit dem Fleischer- und Steinbeckertor haben auch die Stadtausdehnungen im Norden und Süden ihre Namen erhalten.

Nun begeben wir uns auf den Wall, mit direktem Blick auf den Dom. Unser Dom war früher tatsächlich ein gutes Stück größer als heute. Aber nachdem die hoch aufragende Spitze innerhalb von gut 100 Jahren durch Stürme zweimal heruntergepustet wurde, hat man sich schlussendlich für die etwas gedrungenere Form entschieden. Immerhin hält diese jetzt auch seit über 350 Jahren jedem Wetter stand. Auch die Stadtmauer war bedeutend höher und es gab einen Wall mehr. Außerdem hielt nicht nur der Kanal, der heute noch vielen Enten ein zu Hause gibt, Feinde auf, sondern auch ein zweiter, der zwischen dem heutigen Wall und den Resten der Stadtmauer lag.

Der Nachtwächter gibt uns auch einen kleinen Exkurs in die Geschichte von Greifswalder Straßennamen. Auch hier sind viele nach damals ansässigen Handwerksbetrieben benannt worden. Allerdings gab es auch einige Ausnahmen: Die Kapaunenstraße trägt den inzwischen nicht mehr gebräuchlichen Begriff eines kastrierten Hahnes. Und ein kleiner Funfact für die nächste Party: Als “Macker” wurden kastrierte Esel bezeichnet. Das ergibt vor allem für viele Frauen Sinn.

Als nächstes geht es in die kleine Gasse zwischen dem Fischmarkt und dem Dom. Hier steht, etwas versteckt, eine Statue von Caspar David Friedrich. Wir erfahren, dass er als Kind von seinem Bruder gerettet wurde, nachdem er im zugefroren Ryck eingebrochen war. Tragischerweise kam sein Bruder daraufhin selbst ums Leben. Diesen Schicksalsschlag hat er später immer wieder in seinen Bildern verarbeitet.

Im Nieselregen stehen wir vor dem Dom. Die breiten Granitsteine auf dem Weg ringsherum waren ursprünglich zur Beschwerung von Handelsschiffen auf dem Rückweg von Schweden genutzt worden. Aber da man sie einmal da hatte, wurden sie auch gleich einer sehr sinnvollen Betätigung zugeordnet. Aufgrund der eher schwierigen Hygieneverhältnissen zu der Zeit konnte man auf diesen Steinen trockenen und sauberen Fußes durch die Stadt kommen.

Weiter geht es zum Hauptgebäude der Uni. Diese war bereits seit ihrer Gründung eine Volluniversität mit damals noch vier Fakultäten. Eine kleine Eselsbrücke, um sich alle zu merken, findet sich in jedem Deutschunterricht:

„Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor“

Faust: Der Tragödie Erster Teil

Spätestens jetzt wissen alle, dass die vier Eingänge für die vier Fakultäten der Universität stehen. Ein Eingang ist jedoch zugesperrt. Auch zu der Uni gibt es noch allerlei zu erzählen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Unsere Führung in die Vergangenheit endet am Fischerbrunnen, wo wir erfahren, dass dieser ursprünglich ein 5 Meter hoher Brunnen auf dem Markt werden sollte. Doch dann kam die Wende, das Projekt wurde nie ganz fertiggestellt und somit wanderten die Figuren in den Rathauskeller. Irgendwann hat man einige davon ausgepackt und aufgrund von stadtplanerischen Veränderungen hier aufgestellt. Die restlichen Elemente, die auf dem Fischermarkt keinen Platz fanden, verstaubten weiterhin, bis sie ihre heutige Heimat am Ryck bekamen.

Mit kalten Füßen, aber dem Kopf voll neuem Wissen, geht es zurück zum Marktplatz, wo sich alle verabschieden können.

Beitragsbild: Svenja Fischer

Das neue Hotel am Hafen: Ein Schandfleck oder eine Chance für unsere Stadt?

Das neue Hotel am Hafen: Ein Schandfleck oder eine Chance für unsere Stadt?

Bis 2024 soll ein neues Hotel am Hafen entstehen. Diesem Projekt könnte man zum Beispiel in Anbetracht des fehlendem Wohnraums in Greifswald kritisch gegenüber stehen. Mich konnte das Projekt “Hotel” bisher auch nicht wirklich überzeugen. Aber meine Kenntnisse, was Städtebau und die Integration von Gebäuden in das Stadtbild angeht, sind auch nicht die besten. Daher habe ich die Bürgerinitiative “Steinbeckervorstadt” interviewt. Sie kennen sich mit solchen Sachen besser aus als ich.

Noch im Frühjahr dieses Jahres, nach der Frostperiode im März/April, soll der Bau des Hotels der AMEDIA-Group beginnen. Das neue Hotel wird auf dem Areal des A9-Quartiers am Hansering neben der Knopfstraße errichtet. Auf der vorgesehenen Fläche befindet sich derzeit noch ein Bewohnerparkplatz mit rund 30 Stellplätzen.

Die Pläne für ein Hotel am Hansering reichen bereits viele Jahre zurück. Ein konkretes Bauvorhaben wurde bereits 2017 der Greifswalder Öffentlichkeit vorgestellt. 2020 kam es zur Baugenehmigung. Im Dezember 2021 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern schließlich den Fördermittelbescheid für das Hotel erteilt, um die Gesamtfinanzierung zu sichern. Das Hotel soll mit rund 120 Zimmern, zwei Restaurants, drei Tagungsräumen, Lobby, Lounge, Shops, Eisdiele sowie Wellness- und Fitnessbereich ausgestattet werden.

Ein neues Hotel könnte eine große Chance für die Stadt sein, schließlich würde unter anderem die lokale Wirtschaft davon profitieren. Ein neues Hotel könnte aber auch das Stadtbild zerstören und die Anwohner*innen belästigen. Die Fragen, die sich daraus ergeben, habe ich mit der Bürgerinitiative “Steinbeckervorstadt” besprochen.

Stellen Sie sich kurz vor. Wofür setzt sich Ihre Organisation ein?

Silke Schnabel: Wir sind keine Organisation, sondern nur eine ganz lose Bürgerinitiative. Das heißt, dass wir keine echte Verwaltungsorganisation haben, uns aber trotzdem für viele zivilgesellschaftliche und politische Themen interessieren, die vor allen Dingen hier im Stadtteil Steinbeckervorstadt und in der Stadt passieren.

Der konkrete Anlass, warum die Bürgerinitiative gegründet wurde, war der Masterplan für die Steinbeckervorstadt. Wir wollten uns als Bürger*innen dieses Stadtteils besser aufstellen und unsere Wünsche und Anliegen mit einbringen. Vor vielen Jahren gab es schon mal eine Bürgerinitiative mit vielen Menschen, die auch jetzt in der BI sind. Damals ging es um den Bebauungsplan für die Steinbeckervorstadt. Wir wollen die Stimme der Bürger*innen mehr aufs Tableau bringen und mehr organisierte Mitbestimmung ermöglichen. Seitdem hangeln wir uns von Aktion zu Aktion und sind mal mehr und mal weniger Leute. Wir sprechen auch Menschen an, die nicht in unserem Stadtteil wohnen, weil es eben um ganz grundsätzliche Geschichten geht, die alle betreffen, die in der Stadt wohnen und die sich für ihre Prozesse interessieren.

Tiemo Timmermann: Ich bin spontan zu der Bürgerinitiative dazu gestoßen, als ich von dem Bauvorhaben Straße 47 erfuhr, weil ich das für einen großen Planungsfehler halte und weil ich da eine zukunftsgerichtete Vision für eine lebenswerte Stadt vermisse. Das beobachtete ich auch bei anderen Bauten, vor allem in zentraler Lage entlang des Rycks.

Klaus Marsiske: Ich bin früher in meinem Leben Architekt gewesen und jetzt interessiere ich mich für den Stadtteil direkt vor der Stadt. Ich selbst wohne in der Innenstadt und sympathisiere einfach mit Bewegungen, die sich mit der Gleichmacherei nicht abfinden können.

Was halten Sie von dem Bau des Hotels der AMEDIA-Gruppe am Hansering?

Tiemo Timmermann: Grundsätzlich finde ich ein größeres Hotel an diesem attraktiven, zentralen Ort sinnvoll. Es zieht Menschen an und schafft Bewegung. Ich finde den Bau selbst nicht umwerfend gut, aber nicht so schlecht wie andere Sachen.

Ich habe eigentlich das Gefühl, dass bei öffentlichen Diskussionen, zum Beispiel ausgelöst durch Zeitungspublikationen, die Würfel schon gefallen sind und man vielleicht noch an Details dieser Entwürfe abarbeiten kann. Ich will hier aber jetzt keine Schuldzuweisung betreiben. Eigentlich geht es doch darum, dass man ein gemeinsames Interesse hat. Man muss sich zu einem viel früheren Zeitpunkt über grundsätzliche Dinge verständigen: Was wäre dort eine geeignete Bebauung, welche anderen Funktionen, außer vielleicht ein maximierter Baukörper, sind für diese Stelle sinnvoll? Wir sind eine Hanse- und Universitätsstadt, da geht es um Begegnung. Und wir haben Orte mit einer hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität, zum Beispiel ein neues Zentrum im Bereich des Hafens, wo eine Promenadensituation entwickelt wird. Will man das fördern oder nicht? Man hat den Campus daneben, man hat den Ryck und die Entwicklung rund um die STRAZE. Da ist unheimlich viel Dynamik und das muss die Stadtplanung in ihrem Leitbild und ihren Leitlinien stärker berücksichtigen. Wenn ich das Hotel so betrachte, finde ich, da fehlt einfach ein bisschen Platz, wo noch andere Funktionen außer die eines Innenraums für Hotelgäste erfüllt werden.

Klaus Marsiske: Als ehemaliger Stadtplaner finde ich, dass es richtig ist, dass man da ein Hotel baut. Große Hotels stehen überall an großen Straßen, nicht nur in New York, und belasten auf der einen Seite zwar den, der im Hotel ist, aber andererseits ist er eben nur kurz drin. Wohnungsbau an der Stelle ist nicht gut geeignet, man sieht es auf der anderen Seite, wo neu gebaut worden ist. Da wohnen die Leute im Erdgeschoss zur Straße hin, weil die Straße zum Wohnungsbau hingezogen ist. Das ist keine Wohnqualität mehr. Es ist aber ärgerlich, dass dieser Hotelneubau so etwas wie ein Bunker geworden ist.

Silke Schnabel: Ich würde noch ergänzen, dass wir auch immer schon versucht haben, klarzumachen, dass wir nicht grundsätzlich gegen Bebauung im Stadtteilbereich sind, sondern dass wir es eigentlich gut finden, wenn Baulücken bebaut werden und nicht noch mehr Fläche versiegelt wird. Ja, wir sind nicht grundsätzlich dagegen, aber ich finde vor allem den Aspekt, dass man immer erst über die OZ informiert wird, komisch. Man hat tatsächlich als Bürger*in das Gefühl, dass jetzt noch entschieden werden kann, auf welche Etage das Fitnessstudio darf, aber mehr eigentlich auch nicht. Man kriegt bestimmte Informationen zu bestimmten Zeiten. Aber es gibt eigentlich kein Interesse an einem gemeinsamen gestalterischen Prozess.

Klaus Marsiske: Ich würde das nicht als Nichtinteresse bezeichnen, sondern es sind einfach keine fähigen Leute da, die das machen. Daran mangelt es und das macht das ganze Problem aus. Die müssten zum Beispiel die Fähigkeit besitzen, über Stadtstruktur, Lage von Funktionen, Höhe von Gebäuden und so weiter ganz klar nachzudenken und die städtebaulichen Vorgaben in der Stadt zu bestätigen und nicht nur einfach zu sagen: Ja, die Innenstadt ist ein denkmalpflegerisches Gebiet und da sind die Höhen einzuhalten. Für solche Restflächen kann man von vornherein sagen, was dort stehen kann und in welcher Wirkung das dort steht. Da hat man Vorgaben zu machen. Das kann man nicht den Investor*innen überlassen. Dafür sind diese Flächen viel zu prekär.

Tiemo Timmermann: Ich denke, es geht dann um die Werte der Stadtgesellschaft und die Werte der Stadt. Also das sind historisch orientierte Werte, vielleicht Denkmalschutz, aber auch die zukunftsgerichteten Werte, die vom Bestehenden ausgehen, von dem, was dort eben möglich ist. Das Leben hat sich in den letzten Jahrzehnten stärker in den öffentlichen Raum verlagert. Da, denke ich, muss man als Stadtgesellschaft eben eine Prioritätenliste haben, welche Werte zu schützen und zu entwickeln sind und die dann auch konsequent umsetzen. Aus meiner Sicht kann man sich das in anderen Städten gut abschauen. Man kann zum Beispiel an Stralsund sehen, dass dort vieles richtig gemacht worden ist. Dort ist es gelungen, den Erhalt der sehr interessanten Altbausubstanz mit qualitativ hochwertigem, interessantem Neubau zu kombinieren und dabei die Attraktivität insgesamt zu steigern.

Was denken Sie wird auf die Bewohner*innen der Stadt Greifswald mit dem Beginn der Bauarbeiten des Hotels in diesem Frühjahr zukommen?

Klaus Marsiske: Wenn man in einer dicht besiedelten Stadt wohnt, dann kommt es manchmal vor, dass Flächen, die gerade nicht bebaut sind, wieder bebaut werden. Das ist ein natürlicher Prozess und ganz normaler Städtebau. Darüber gibt es auch nichts zu jammern. Eine Stadt ist sinnvollerweise zu komplettieren. Wenn wir uns die Innenstadtquartiere anschauen, sind sie im Grunde alle rundherum verschlossene Gebiete. Da gibt es in der Regel im Inneren gar nicht viel Grün. Heute ist die Innenstadt grüner denn je. Und wir können nicht davon ausgehen, dass wir das, was wir gerade mal zufällig haben, nämlich einen schönen Blick, für alle Zeiten haben werden. Das ist in einer Stadt nicht normal, dass Restflächen ewig bestehen bleiben, das muss man aushalten.

Wissen Sie was mit der großen Fläche passiert, auf der der Speicher stand? War nicht auch hier ursprünglich ein Hotel in Planung?

Klaus Marsiske: Also was ich zuletzt mitgekriegt habe, war eine Projektvorstellung vor ein oder zwei Jahren, eine Art Hochhaus oder ein Hotel. Aber beides war nicht so ganz sicher. Der Investor war sich selbst nicht klar darüber. Beides würde ich aber an der Stelle bedauern, jedenfalls in der Höhe, weil schon der ehemalige Speicher eine Bausünde war. Er war viel zu hoch und was hinter der Marienkirche war, zumindest vom Ryck aus, so stark beeinflusst und auch städtebaulich von der Gesamtansicht beschädigt. Man muss das unbedingt verhindern, weil das eine Katastrophe wäre, die mit der kleinen Katastrophe, dem Hotelbau in der Innenstadt, gar nicht vergleichbar ist.

Wird sich das Hotel gut mit der Hafenkultur vertragen? Oder läuft es Gefahr, diesen Teil der Greifswalder Kultur zu verbieten, wenn der Lärmpegel die Gäste stört?

Klaus Marsiske: Wir wissen, dass in der verlängerten Hafenstraße ein großes Wohngebiet entsteht. Dieses Wohngebiet soll eigentlich dazu beitragen, dass das Hafengebiet verlängert wird, das heißt, dass die Hafenatmosphäre auch verlängert wird. Wenn man eine Befürchtung hätte, dass durch den Lärm vonseiten des Hafens und der Schiffe das Wohnen beeinträchtigt werden würde, was ich nicht denke, dann würde dieses neue Wohngebiet regelrecht gefährdet sein. Das halte ich für falsch. Es ist eine schöne Bereicherung, dass Wohnen und Maritimes dort zusammenwachsen können. Das würde ich mir eben auch in dem Bereich wünschen, wo ehemals der Speicher war. Das würde, wenn man dort auch Wohnungsbau machte, der nicht so hoch wäre, einen harmonischen Übergang bis in das neue Wohngebiet ergeben. Und dass wir davor maritim Schiffe herumliegen haben, ist bereichernd für jede Stadt und für das Wohnen sowieso. Ich sehe da keinen Widerspruch.

Silke Schnabel: Wir denken auch nicht, dass das problematisch ist. Ich würde da eher noch Klaus vom Anfang zustimmen, dass Leute, die im Hotel ein paar Nächte übernachten, ja eh nicht so einen Anspruch haben, dass es dann extrem ruhig sein muss. Spätestens bei der dritten Google-Bewertung wird dann auch stehen, dass es am Wochenende nachts lauter werden kann. Das ist, glaube ich, aus unserer Sicht kein Problem. Andererseits ist die Lautstärke mit dem Neubau am Hansering, wo jetzt so viele neue Menschen wohnen, ein Problem. Hier gibt es schon viele Konflikte zwischen der Museumswerft und den Anwohner*innen. Das darf man nicht unterschätzen.

“Auf der vorgesehenen Fläche befindet sich derzeit noch ein Bewohnerparkplatz mit rund 30 Stellplätzen. Diese werden mit Einrichtung der Baustelle voraussichtlich ab Mitte Januar wegfallen”, heißt es in der Pressemitteilung. Dieter Schick, Leiter des Tiefbau- und Grünflächenamtes, kündigte an: “Zeitgleich mit der Sperrung werden auf dem angrenzenden öffentlichen Parkplatz die Parkscheinautomaten abgebaut. Die rund 50 Stellplätze können dann ausschließlich von den Bewohnerinnen und Bewohnern genutzt werden.” Bereits 2018 hatte die Stadt zudem den Parkplatz am Museumshafen Nord um insgesamt 70 zusätzliche Stellplätze erweitert. Denken Sie, das reicht?

Silke Schnabel: Und was wir uns noch gefragt haben, ist: Wo parken die Leute aus dem Hotel? Weil der Parkplatz hier am Hafen im Sommer immer voll ist.

Klaus Marsiske: Was das Parken angeht, so denke ich, ist dieser Parkplatz auf der anderen Seite der Brücke sicherlich jetzt schon fast ausgelastet. Aber man könnte ihn aufstocken. Diese Fläche vergrößern und damit auch das Problem, was jetzt durch die Überbauung der Quartiere herrscht, lösen. Abgesehen von der Tendenz, dass wir versuchen das Parken aus der Altstadt herauszukriegen, kann dies nur unser aller Interesse sein. Wir müssen diesen Lärm auch selbst aus den Städten für die Anwohner*innen herauskriegen, auch wenn diese zunächst glauben, sie brauchen weiter ihr Auto vor dem Haus. Aber das ist so eine Denkweise aus den 50er Jahren, das wird irgendwann in den nächsten Jahren vergessen sein. Dann werden die Leute selbstverständlich ihr Auto hundert Meter weit wegstellen.

Tiemo Timmermann: Die Zahl der Autos soll sich, schon aus Klimaschutzgründen, in den nächsten 10 bis 15 Jahren halbieren. Das sind anspruchsvolle Ziele. Das ist vielleicht noch nicht genau festgelegt für MV oder Greifswald, aber das wäre eine sinnvolle Zielmarke. Das kann man auch erreichen. Man muss dann erst sehen, wo die Autos, die wir dann trotzdem haben, parken.

Ich bin dafür, dass man die 30 wegfallenden Parkplätze in dem Bereich, wo jetzt zum Beispiel der Parkplatz ist, vorsieht. Ich bin nicht dafür, dass man dort fünfstöckige Parkhäuser baut, aber vielleicht kann man da ein weiteres Stockwerk tolerieren und man würde die Zahl der Parkplätze verdoppeln. Man könnte eine entsprechend große Zahl von Parkplätzen anderswo zugunsten von Radwegen und Fußgänger*innen öffnen und so lärmfreie Aufenthaltszonen dazu gewinnen.

Klaus Marsiske: Aber der Parkplatz muss nicht 20 Meter voraus sein, er kann auch 200 Meter entfernt, 500 Meter entfernt sein, daran wird man sich gewöhnen müssen und das werden die Leute auch akzeptieren, weil der Druck eines Tages so hoch sein wird, dass man es nicht mehr in der Innenstadt machen kann. Einfach weil man die Wohnqualität in der Innenstadt steigern muss, damit wir alle das Gefühl haben, dass es wirklich noch wohnenswert ist, sonst machen wir uns die ganze Stadt kaputt. Mit Autos darf das in der Zukunft nicht mehr gehen. Es werden auch sicherlich der öffentliche Nahverkehr und zum Beispiel Carsharing verbessert werden müssen.

Unser Greifswalder Bürgermeister gab in der Pressemitteilung zu dem Hotel folgendes Statement ab: “Greifswald benötigt dringend ein weiteres Hotel. Daher sind wir sehr froh, dass das Bauvorhaben nun endlich starten kann und im 250. Jubiläumsjahr von Caspar David Friedrich fertig gestellt werden soll. Ich bin überzeugt, dass durch die Hotelansiedlung Greifswald als Ganzes gestärkt wird. Denn mehr Touristen und Tagungsteilnehmende werden nicht nur den Einzelhandel und die Gastronomie beleben, unsere Kulturangebote nutzen, sondern auch die Greifswalderinnen und Greifswalder selbst werden davon profitieren.“ Können Sie dem zustimmen?

Klaus Marsiske: Ich glaube, dass das Hotel sinnvoll ist. Ob es so viel Effekt haben wird, wie der Oberbürgermeister vermutet, das wissen wir nicht. Aber viele Dinge stellen sich erst nach längerer Zeit als sinnvoll oder nicht sinnvoll heraus. Es ist leider auch so eine Krux bei der Stadtplanung. Man kann vieles planen und man kann sich vieles wünschen. Oftmals reagieren Menschen und Zeiten ganz anders. Aber dass die Uni ein Tagungshotel braucht, da besteht meiner Ansicht nach kein Zweifel. Das Krupp-Kolleg reicht dafür nicht aus und viele Tagungen konnten in der Vergangenheit nicht in Greifswald absolviert werden, obwohl es Greifswalder Fakultäten waren, die da maßgeblich dran beteiligt waren; sie mussten beispielsweise nach Rostock abwandern. Das ist ein Missstand. Die Universität muss gestärkt werden. Sie ist das wichtigste Standbein Greifswalds.

Silke Schnabel: Ich würde ergänzen, dass wir uns auch gefragt haben, wie das wohl eigentlich die anderen Hotels in der Stadt sehen. Ich weiß auch, dass es Tagungen gab, für die nicht genug Schlafplätze gefunden wurden. Aber ich kann auch überhaupt nicht einschätzen, ob die Leute dann wirklich herkommen, um Kulturveranstaltungen in Anspruch zu nehmen. Ich bin nicht sicher, ob das Hotel wirklich so weitreichende Effekte hat.

Klaus Marsiske: Ich denke fast, die kleinen Hotels werden nicht darunter leiden. Die Plätze in den Hotels sind arg knapp. Wenn es gelingen würde, dass mit diesem Hotel auch noch andere Leute logiert werden können, dann wäre das ganz bestimmt entspannend und wäre für spontane Reisende eine große Hilfe. Das würde auch für Greifswald nützlich sein. Das Hotel wird nicht nur universitär sein, sondern auch für die Öffentlichkeit. Sonst kriegen sie das Hotel nicht voll, wenn sie es nur für Tagungen anbieten.

Abgesehen davon, dass es ein hässlicher Klotz ist, können wir positiv bewerten, dass es dort funktionell steht.

Haben Sie noch etwas hinzuzufügen?

Tiemo Timmermann: Wir unterstützen die Idee, dass die Stadt Greifswald einen Gestaltungsausschuss einberuft. So etwas hat es wohl auch in der Vergangenheit schon gegeben. Es soll ein unabhängiges Fachgremium sein. Es soll Menschen von außerhalb einbeziehen, die nicht durch eigene Interessen bestimmte Positionen vertreten und die einen neutralen Blick auf die Stadt werfen und ihr fachliches Urteil mit in den Entscheidungsprozess einbringen. Sowas gibt es zum Beispiel, wenn ich richtig informiert bin, im Moment noch in Stralsund und Rostock. Dort gibt es gute Erfahrungen. Das muss man ein bisschen finanzieren, man muss die Leute dann auch über die Zeit entschädigen und unterbringen. Aber das, denke ich, ist gut investiertes Geld, wenn man dann die wesentlichen Pflöcke, die an zentraler Stelle der Stadt eingeschlagen werden, in der Planung von vornherein hinreichend breit diskutiert und besser abwägen kann. Ein Gestaltungsausschuss ist, denke ich, auch in der Stadt Greifswald durchaus schon in der Diskussion und ich fände es richtig gut, wenn man da einen Neustart machen könnte.

Beitragsbild: MPP/Amedia
aus der Pressemitteilung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald vom 10.01.2022

Nur wer eine Wahl hat, kann wählen

Nur wer eine Wahl hat, kann wählen

Wie in jedem Jahr finden im Januar wieder die Gremienwahlen statt. Bei den studentischen Gremienwahlen werden das Studierendenparlarment (StuPa) und die Fachschaftsräte (FSR) gewählt. Dafür werden bis zum 7. Dezember wieder engagierte Studierende gesucht, um die studentische Mitbestimmung an der Universität Greifswald aufrecht zu erhalten und zu verbessern.

Studierendenparlament

Was ist das StuPa? Das StuPa ist das höchste studentische Gremium. Hier tagen 27 Mitglieder alle zwei Wochen.

Was macht das StuPa? Neben den hochschulpolitischen Grundsatzentscheidungen (wie Ordnungen oder Satzungen) verwaltet das StuPa die Gelder der Studierendenschaft (200.000 Euro pro Jahr) und beschließt für die Studierenden Anträge, wie zum Beispiel im Fall der Coronaregelungen (Onlineprüfungen, Regelstudienzeitverlängerung, etc.) oder in dem von Prof. Weber. Außerdem werden die Referent*innen des Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) durch das StuPa gewählt und kontrolliert.

Was habe ich davon? Durch das StuPa kannst du die Situation des Studiums an der Universität und deiner Kommiliton*innen aktiv beeinflussen. Du kannst entscheiden, wofür das Geld der Studierendenschaft genutzt wird. Du kannst persönliche Vorteile daraus ziehen (wie zum Beispiel Fristverlängerungen bei Abgaben, außerdem macht sich ein Amt im StuPa gut auf dem Lebenslauf).

Kann ich das? Natürlich kannst du das. Selbst dann, wenn du Ersti bist und/oder noch nie etwas vom StuPa gehört hast. Aber falls du noch Zweifel haben solltest, kannst du dich bei der Telefon-Sprechstunde der Wahlleitung unter der Nummer 03834 420 1750 am Donnerstag (26.11. und 3.12.) von 13:30 bis 14:30 Uhr melden und alle deine Fragen loswerden. Außerdem könntest du in unseren Podcast mit dem aktuellen StuPa-Präsidenten Bennet reinhören.

Was muss ich jetzt tun? Du musst bis spätestens zum 7. Dezember den Bewerbungsbogen im Studierendenportal ausfüllen und danach ausgedruckt und unterschrieben persönlich mit einem amtlichen Lichtbildausweis während der Sprechzeiten beim AStA einreichen. Sollten hier noch Fragen auftreten, meldet euch gerne ebenfalls Freitag von 13:30 bis 14:30 Uhr telefonisch (03834 420 1750) bei der Wahlleitung im AStA oder schreibt an diese eine E-Mail (wahl.stud@uni-greifswald.de).

Fachschaftsräte

Was sind Fachschaftsräte? Die FSR sind die Vertretungen der Studierenden ihrer jeweiligen Fachschaft.

Was machen die FSR? Die FSR vertreten die Interessen der Studierenden in der Fachschaft und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Du hast Probleme mit einem Dozierenden? Du weißt nicht, wie dein Stundenplan am besten strukturiert wird? Du hast Sorgen wegen einer Prüfung? Bei all diesen Problemen kann dir dein FSR weiterhelfen. Außerdem sind die FSR auch für die schönen Veranstaltungen zuständig. Sei es ein Ball, ein Kickerturnier oder eine einfache Party bei euch im Institut. Hier könnt ihr neue Leute kennenlernen und viel Spaß haben.

Was habe ich davon? Du kannst die Situation für das Studium in deiner Fachschaft und deiner Kommiliton*innen aktiv beeinflussen. Du kannst bei Fragen innerhalb der Fachschaft in Gesprächen mit den Dozierenden die studentische Perspektive einbringen und ein wichtiges Bindeglied sein.

Kann ich das? Natürlich kannst du das. Selbst dann, wenn du Ersti bist und/oder noch nie etwas vom FSR gehört hast. Aber falls du noch Zweifel haben solltest, kannst du dich bei deinem FSR melden und alle deine Fragen loswerden. Bestimmt kannst du auch schon vorab einmal an einer FSR-Sitzung vorbeischnuppern. Außerdem könntest du in unsere aktuelle Podcast-Reihe zum Thema FSR reinhören. Da sind zwar bisher nur einige vertreten, aber du gewinnst einen Eindruck, wie die Fachschaftsarbeit überhaupt so aussieht.

Was muss ich jetzt tun? Du musst bis spätestens zum 7. Dezember den Bewerbungsbogen im Studierendenportal ausfüllen und danach ausgedruckt und unterschrieben persönlich mit einem amtlichen Lichtbildausweis während der Sprechzeiten beim AStA einreichen. Sollten hier noch Fragen auftreten, meldet euch gerne Freitag von 13:30 bis 14:30 Uhr telefonisch bei der Wahlleitung (03834 420 1750) im AStA oder schreibt an diese eine E-Mail (wahl.stud@uni-greifswald.de).

Beitragsbild: Photo by Element5 Digital on Unsplash

Aus der Klinik auf die Straße: Warnstreiks an den Unikliniken

Aus der Klinik auf die Straße: Warnstreiks an den Unikliniken

Dass die Arbeitsbedingungen an den Kliniken Deutschlands zunehmend schlechter werden und es gleichzeitig vermehrt an Personal mangelt, ist nicht erst seit der Coronapandemie bekannt. Zwar hat die Notlage der letzten anderthalb Jahre auch der breiteren Öffentlichkeit einen Eindruck von der Situation in den Krankenhäusern geboten, doch die Politik scheint demgegenüber den Blick abzuwenden. Jetzt sollen neue Tarifverhandlungen sogar zu einer Herabgruppierung der Mitarbeitenden des Gesundheitswesens in eine niedrigere Entgeltgruppe führen. Die Antwort: Warnstreiks.

„Nach dem Klatschen kommt die Klatsche“, heißt es auf Flyern, die die Gewerkschaft vor dem Warnstreik am vergangenen Montag verteilt. Die ersten Demonstrierenden versammeln sich am 8. November schon gegen 6 Uhr vor dem Universitätsklinikum, wo der Streikzug beginnt. Nach einer Kundgebung auf dem Berthold-Beitz-Platz geht es für eine zweite Kundgebung gemeinsam zum Marktplatz und anschließend wieder zurück zur Klinik. Insgesamt über 200 Streikende kommen zusammen, die mit Trillerpfeifen und Rasseln, selbst gestalteten Plakaten und dem lauten Rufen ihrer Forderungen auf sich aufmerksam machen. Gleichzeitig legen auch Mitarbei­tende in anderen Städten wie Lübeck, Essen, Köln oder Münster ihre Arbeit nieder. Die aktuelle Lage des Gesundheits­wesens ist ein nationales Problem.

Die Frage des Streiks ist keine leichte, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Berufen betrifft eine Arbeitsniederlegung im Krankenhaus direkt andere Menschenleben. Deshalb wurde im Vorfeld über eine ganze Woche hinweg eine Notdienstvereinbarung ausgehandelt, damit keine lebensnotwendige Ar­beit zurückgestellt werden oder gar ausfallen muss. Doch ein Streik scheint unvermeidlich. Bereits zwei Mal kamen in Potsdam die Gewerkschaften und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zusammen, um über die Verteilung von Gehältern zu verhandeln. Der Vorschlag der TdL sieht eine Neustrukturierung des Arbeitsvorgangs bei der Berechnung vor, nach der verschiedene Arbeitsgrup­pen des öffentlichen Dienstes aus der Entgeltgruppe 9a in die Entgeltgruppe 6 herabgestuft würden. Darunter auch das Krankenhauspersonal der Unikliniken. Zudem wird das Problem der Personal­engpässe vom TdL-Verhandlungsführer Reinhold Hilbers (CDU) abgestritten. Die derzeitige Be­lastung sei lediglich ein vorübergehender Umstand unter der Pandemie, einen Fachkräftemangel gäbe es allenfalls in „Spezialbereichen“. Und: Würden die Gehälter weiter erhöht werden, müsse man zum Ausgleich Arbeitsplätze abbauen.

„Die Äußerungen des Herrn Hilbers zeigen, dass er von der Realität in den Kliniken null Ahnung hat. Wer den Fachkräftemangel und die enorme Arbeitsverdichtung einfach leugnet, treibt die Men­schen weiter aus dem Beruf. Wir werden ihn nicht nur mit guten Argumenten, sondern auch mit Aktionen vom Gegenteil überzeugen.“

– Sylke Kiel, Gesundheits- und Krankenpflegerin am Uniklinikum Jena; vom ver.di-Flyer „Arbeitgeber, geht’s noch?“

Dabei arbeiten viele Stationen bereits jetzt an der Personaluntergrenze, wenn sie überhaupt eingehalten werden kann. Vor allem dort, wo eine hohe Arbeitsbelastung und eine große Unplanbarkeit zusammenkommen, fehlen meist die notwendigen Mitarbeitenden. Ist eine Station beispielsweise nicht voll ausgelastet, wird oft auch mit weniger Pflegepersonal gerechnet, doch gerade in Bereichen wie der Notfallversorgung kann sich die Menge an Patient*innen jederzeit ändern. Durch reduzierte Bettenanzahlen und zunehmend verkürzte Liegezeiten kumuliert sich außerdem die Akutpflege, und das bei einer immer älter werdenden Patient*innenschaft, die ohnehin mehr Pflege benötigt. Und fällt eine Arbeitskraft aus – ein nicht allzu geringes Risiko bei den derzeitig steigenden Corona-Inzidenzen – ist oft niemand da, um die freigewordene Schicht zu besetzen, denn die anderen Pfleger*innen haben bereits ihre Arbeitsgrenze erreicht und ein hohes Pensum an Überstunden angesammelt.

Andere Forderungen der Streikenden umfassen einen eigenen Verhandlungstisch „Gesundheit“ in den Tarifverhandlungen, eine Erhöhung der Zeitzuschläge für Samstagsarbeit und Wechselschicht sowie eine größere Schichtzulage, als Inflationsausgleich monatlich 300 Euro mehr für alle Be­schäftigtengruppen der Universitätsmedizin Greifswald sowie 100 Euro mehr für Azubis, Studieren­de und Praktikant*innen und eine Übernahme aller Azubis nach erfolgreich abgeschlossener Aus­bildung. Und, das ist wohl die wichtigste Forderung, egal von welcher Station die Streikenden kommen: Anerkennung und Wertschätzung.

Um diese Ziele zu erreichen, sollen vor der dritten Verhandlungsrunde mit der TdL am 27. und 28. November noch weitere Streiks folgen. Denn auch hier könnte Corona einen Strich durch die Tarif­rechnung machen: Steigen die Zahlen an Infizierten weiterhin so wie in den letzten Wochen, wären weitere Streiks im Dezember unverantwortlich, sowohl den Streikteilnehmenden als auch den Patient*innen gegenüber. Daher soll die verbleibende Zeit genutzt werden, um möglichst viel Druck aufzubauen. Morgen, am Dienstag, dem 16.11.2021, möchte man sich daher wieder vom Beginn der ersten Frühschicht (gegen 6 Uhr) bis zum Ende der letzten Spätschicht (gegen 22 Uhr) versammeln und auf die Notsituation aufmerksam machen. Dieses Mal wird auch Unterstützung aus anderen Berufsfeldern erwartet, wie zum Beispiel aus dem Straßenbau, denn die Tarifverhandlungen mit der TdL betreffen alle Bereiche des öffentlichen Dienstes, von Kitas und Schulen über die Polizei bis eben zum Gesundheitswesen. Die Botschaft soll deutlich gemacht werden: Wertschätzung darf in Zukunft nicht nur auf ein Klatschen reduziert bleiben.

Weitere Informationen für euch:
Flugblatt “Arbeitgeber, geht’s noch?” von ver.di
Über die Forderungen und Verhandlungen der Tarifrunde 2021
Presseinformation der TdL nach der ersten Verhandlungsrunde

Beitragsbild: anonym

Running Dinner – kochen und bekocht werden

Running Dinner – kochen und bekocht werden

Ganze zwei Jahre ist es her, dass man an einem Abend von einer Wohnung zur nächsten “rennen” konnte und mit Essen und Gesprächen versorgt wurde. Nun ist es endlich wieder so weit: Nächste Woche am Donnerstag, den 18. November, veranstaltet der GrIStuF e.V. (das Greifswald International Students Festival) wieder ein Running Dinner. Und das Gute ist, du kannst dich noch bis morgen mit ein oder zwei Freund*innen zusammen anmelden.

Aber was ist das Running Dinner überhaupt?

Verschiedene Teams sind für Vorspeise, Hauptspeise und Nachspeise verantwortlich. Auch ihr müsst einen Gang vorbereiten. Welcher das genau sein wird, erfahrt ihr aber erst nach der Anmeldung. Wenn es Zeit für euren Gang ist, kommen zwei andere Teams zu euch nach Hause und ihr habt zwei Stunden Zeit zum Essen und Quatschen. Zu den anderen beiden Gängen “rennt” ihr dann quer durch die Stadt, um dann bei einem anderen Team zuhause zu speisen und euch auszutauschen.

Zeitlicher Ablauf:

  • 18 Uhr: Vorspeise
  • 20 Uhr: Hauptspeise
  • 22 Uhr: Nachspeise

An was ihr denken solltet

Dieses Jahr steht das Running Dinner unter dem Motto “Wasteless Heroes”, also sollte das Essen möglichst nachhaltig und frei von Verpackungsmüll sein. Aus gegebenem Anlass gibt es sogar für jedes Team 10% Rabatt beim Unverpacktladen (uver) hier in Greifswald.

Zur Anmeldung muss pro Team ein Onlineformular ausgefüllt werden. Dabei wird neben ein paar allgemeinen Angaben wie den Namen aller Teammitglieder, Angaben zu Essensvorlieben und Adresse, auch um je einen Kommentar als Gast und als Gastgeber*in und um die Angabe eines Teamnamens gebeten. Dem Team mit dem kreativsten oder witzigsten Namen wird sogar eine Überraschung versprochen.

Aus gegebenem Anlass wird außerdem erbeten, dass alle Teilnehmenden einen 2G-Status (geimpft oder genesen) nachweisen können.

Nun aber ganz viel Spaß beim Kochen, Essen und Quatschen!

Das Wichtigste auf einen Blick:

Ihr habt einen 2G-Status (seid also geimpft oder genesen);
Ihr bildet ein Zweier- bis Dreierteam;
Ihr meldet euch bis Sonntag, den 14.11.2021, auf rd.gristuf.org an;
Von GrIStuF e.V. erfahrt ihr, wann ihr am nächsten Donnerstag wohin müsst und welchen Gang ihr kochen dürft.

Beitragsbild: Juli Böhm

Gemeinsam für psychische Gesundheit – Beginn der Forumsreihe

Gemeinsam für psychische Gesundheit – Beginn der Forumsreihe

Vergangenen Monat gründete sich in Greifswald die Initiative “Gemeinsam für psychische Gesundheit”. Ziel dieses gemeinnützigen Vereins soll es sein, Bürger*innen aus Greifswald und Umgebung und vor allem Betroffene und deren Angehörige mit psychotherapeutischen Institutionen und Wissenschaftler*innen zusammenzuführen, um eine gemeingesellschaftliche Verbesserung der geistigen Gesundheit zu bewirken. Im Zuge der Initiative soll nun eine Forumsreihe starten.

Psychische Gesundheit ist spätestens seit Beginn der Coronakrise ein immer relevanter werdendes Thema der heutigen Gesellschaft. Das Motto “social distancing” ist aus Pandemieperspektive natürlich absolut richtig und wichtig, aber aus psychologischer Sicht eine Belastungsprobe für die geistige Gesundheit der Bevölkerung. Deswegen soll nun im Zuge der Initiative “Gemeinsam für psychische Gesundheit” eine Forumsreihe stattfinden.

Die Forumsreihe stellt ein Netzwerktreffen dar, bei dem nicht nur über psychische Gesundheitheit informiert, sondern auch gemeinsam diskutiert werden kann. Zentral sind dabei die Themen Vorsorge, Behandlung, Kooperation und Vernetzung. Mehr zu der Initiative erfahrt ihr demnächst auf dem webmoritz.

Veranstaltungen:

Jeden ersten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr wird es in der alten Frauenklinik in Greifswald (Wollweberstraße 1-3) einen neuen wissenschaftlichen Beitrag geben. Sowohl für die Online- wie auch die Präsenzteilnahme kann man sich per Mail unter gemeinsampsychischgesund@uni-greifswald.de anmelden.

  • Was? “Effizient, praktikabel und akzeptiert – neue Wege in der Expositionstherapie zur Überwindung von Ängsten” von Prof. Dr. Alfons Hamm & Dr. Jan Richter
  • Wann? 03.11.2021
  • Was? “‘Schnupperkurs’ Psychotherapie: Einzel- und Gruppentherapien live erleben” von Dr. Eva-Lotta Brakemeier & dem ZPP Team
  • Wann? 01.12.2021
  • Was? “‘Depri-Buddy’ Vorstellung einer Online-Website zur Selbsthilfe von psychisch Belasteten” von Alexander Liedtke
  • Wann? 05.01.2022
  • Was? “Die Unimedizin stellt sich vor” von Prof. Dr. Hans J. Grabe und Team
  • Wann? 02.02.2022
  • Was? “Monitoring und Feedbacksysteme: Was bringen Sie Patient*innen und Praktiker*innen?” von Dr. Tim Kaiser und M.Sc. Selin Demir
  • Wann? 02.03.2022
  • Was? “Citizen Science in Greifswald: Wie können sich interessierte Laien bei der Förderung der psychischen Gesundheit einbringen?” von Prof. Dr. Mazda Adli
  • Wann? 04.05.2022

Beitragsbild: Initiative Gemeinsam für psychische Gesundheit