von moritz.magazin | 19.12.2012
Im Beruf hat man Geld, aber keine Zeit – im Studium Zeit, aber kein Geld. Um die Kasse aufzubessern, verbringen viele ihre Abende im Callcenter. moritz hat drei Studierende getroffen, die stattdessen ihr Hobby zum Nebenjob gemacht haben.
Tim-Ole Jöhnk studiert im fünften Fachsemester Politik- und Kommunikationswissenschaft. Jeden Freitagnachmittag setzt er sich ins Auto und tauscht den Greifswalder Hörsaal gegen einen Proberaum in Kiel. Seit fünf Jahren ist er Sänger und Gesellschafter der A-capella-Gruppe „nur wir“. Die Bandkollegen sind vier Freunde aus Kiel, die sich durch den Schulchor kennenlernten und Lust auf ihr eigenes Ding hatten. Richtig losgelegt haben sie 2007, damals noch in ganz kleinem Rahmen. Einmal die Woche zur Probe und ab und an ein Auftritt vor 20 Leuten für einen Kasten Bier und ein bisschen Spritgeld, so war der Plan. Über die Jahre wurde dann immer mehr daraus. Inzwischen hat das Quintett etwa 30 Konzerte pro Jahr vor jeweils 80 bis 120 Zuhörern. „Und die Gagen werden auch nicht mehr in Bier vergütet“, erzählt Tim-Ole lachend.
Der Spagat zwischen Uni und Job ist recht gut zu schaffen, da die meisten Auftritte am Wochenende stattfinden. Ein weiteres Plus ist natürlich, dass die Jungs ihre Zeitplanung komplett selbst in der Hand haben. Den nervigen Chef sucht man hier vergebens. „Am meisten Spaß machen aber eigentlich immer die gemeinsamen Autofahrten zu den Konzerten,“ sagt Tim-Ole, „wenn man schon mit Halsschmerzen am Auftrittsort ankommt, weil man im Auto so viel Mist gelabert und gelacht hat.“
Heute Norddeutschland, morgen die Welt
Und auch sonst hält dieser ungewöhnliche Nebenjob einige aufregende Momente bereit. Da gab es zum Beispiel das erste Konzert vor über 1 000 Leuten, an das Tim-Ole sich erinnert; ein toller Moment auf der großen Bühne. Dann der Tag, als „nur wir“ ihre erste eigene CD in den Händen hielten. Oder die erste Konzertreise nach Estland. „Plötzlich ist man verreist um da zu singen und es kommen auch noch fremde Leute, die zuhören wollen –verrückt!“
Tim-Ole gefällt sein zum Beruf gemachtes Hobby so gut, dass er große Lust hat, die Sache auch nach dem Bachelor

’nur wir‘ beim Kieler Bootshafensommer 2012
weiterzuverfolgen. 2013 beginnt er die Arbeit mit einer anderen Gruppe. Er hat dann zwar (hoffentlich) seinen Bachlor, wird aber sein Geld als Sänger verdienen. Mit allem was dazugehört: 120 Konzerte pro Jahr, davon etwa 60 Prozent in Deutschland und der Rest im Ausland. Ein Leben „on tour“ quasi.
Nicht immer muss man so weit reisen, um einen spannenden Nebenjob zu finden. Auch an der Uni Greifswald gibt es interessante Stellen. So zum Beispiel an der Kustodie, der kunsthistorischen Verwaltungs- und Forschungseinrichtung. Sie ist zuständig für die Akademische Kunstsammlung und die historischen Räume der Universität, durch die im Sommer mehrmals täglich Studenten verschiedenster Fächer Führungen anbieten.
Ines Glaubitz ist eine von ihnen. Am Rubenow-Denkmal wartet sie gut erkennbar durch den roten Talar, ihrem Arbeitsgewand. Von hier aus führt sie unter anderem durch die barocke Aula und den Studentenkarzer. Das nötige Wissen hat sie durch spezielle Broschüren erlernt. Außerdem war die ersten Male noch ein „alter Hase“ dabei, um im Notfall auszuhelfen, erinnert sich Ines.
So eine Stadtführung ist kein Spaziergang
Gerade im Wintersemester werden oft Führungen von Schulklassen, Reisegruppen und früheren Studenten gebucht. „Die Ehemaligen liefern sich oft Wettstreite mit uns darum, wer mehr weiß“, erzählt sie lachend.
Zur Arbeit gehört auch eine gewisse Sprachbegeisterung. Derzeit besonders gefragt sind Schwedisch und Polnisch. Ines führt in Deutsch und Englisch durch die Sammlung.
„Hier zu arbeiten ist unheimlich gut für die Selbstbestätigung.“ Schnelles und meist positives Feedback, zum Teil in Form von Trinkgeld, gehört dazu. „Das hebt meine Laune. Manchmal ist es auch anstrengend, wenn man erst 23 Uhr heim kommt und am nächsten Morgen früh raus muss.“ Probleme mit ihrem Stundenplan hat Ines aber fast nie. Wenn es mal nicht passt, kann sie ihre Kollegen um Hilfe bitten. Allzu viel verdient sie in dem roten Gewand nicht, es ist eher ein Saisongeschäft. Für Studenten, die auf ein Zusatzeinkommen angewiesen sind, fällt die Touristenführer-Nummer flach. Wer sich aber in dem Beruf ausprobieren möchte und Spaß daran hat, wird auf seine Kosten kommen. Neue Leute sucht die Kustodie über Aushänge. So fand auch Ines ihren Weg zum Job. Sie absolvierte zunächst ein Praktikum im Rahmen ihres Kunstgeschichtsstudiums und bewarb sich später auf die Stelle. Wenn möglich, möchte Ines das Ganze bis zum Bachelor weiterführen. „Meine Zukunftspläne ziehen mich an andere Unis. Dort würde ich aber gerne wieder etwas Ähnliches machen.“

Kunigunde Baldauf leitet Seminare und Workshops in ganz Deutschland
Nicht nur Nebenberuf, sondern Ehrenamt
Einen ganz anderen Weg hat Kunigunde Baldauf eingeschlagen. Die 24-jährige Masterstudentin im Fach Nachhaltigkeitsgeografie und Regionalentwicklung gelangte über einen Auslandsaufenthalt an ihren derzeitigen Job. Während ihrer Bachelorzeit reiste Kunigunde mit weltwärts für zwei Monate nach Thailand. Weltwärts, das ist der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Er unterstützt junge Menschen finanziell bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit in Entwicklungsländern. Für Kunigunde war es damit jedoch nicht getan. Seit ihrer Rückkehr engagiert sie sich in der pädagogischen Betreuung anderer Teilnehmer und deren Vorbereitung durch Workshops und Seminare. Dazu kommt seit Kurzem auch die Ausbildung neuer Seminarleiter. Die Veranstaltungsorte sind in ganz Deutschland verstreut. Da muss schon mal der eine oder andere Dozent auf Kunigunde verzichten, was in der Regel jedoch kein Thema ist. „Die Kurse sind relativ klein, da kennt man die Profs ja meist persönlich. Und die freuen sich eigentlich immer, wenn man sich für eine Sache engagiert.“
Ihre Anfahrten bekommt die 24-jährige erstattet, zusätzlich gibt es eine Aufwandsentschädigung. Leben kann man davon nicht, aber das ist ja auch nicht die Idee hinter gemeinnütziger Arbeit. Für Kunigunde bedeutet ihr Job vor allem Spaß. „Das Schönste ist, wenn man die Leute bei ihrem Vorhaben begleiten kann“, sagt sie, „wenn man sie vorher und nachher trifft und sieht, wie sie selbst daran gewachsen sind.“ Als Hauptberuf kommt die Arbeit bei weltwärts aber vorerst nicht infrage, „da steht zu viel Öffentlichkeitsarbeit an, das ist nicht so mein Ding.“ Nebenbei will Kunigunde ihre Tätigkeit jedoch gerne so lange wie möglich weiterführen. „Ehrenamtliches Engagement lässt leider nach, obwohl es so wichtig ist“, beklagt sie. Damit anzufangen, sei doch eigentlich nicht schwer.
Ob nun Sänger, Tourguide oder Projektbetreuer – eines haben unsere drei Befragten gemeinsam: den Spaß an ihrer Arbeit. So ein Job, der wirklich interessiert, ist doch eigentlich der größte Wunsch aller zukünftig Berufstätigen – abgesehen von Lottogewinn und Sofortrente vielleicht. Und ob das Studium dafür nun die Wissensgrundlage oder einfach nur den Zeitrahmen bietet, das kann jeder Student für sich entscheiden.
Ein Bericht von Laura Hassinger & Lisa Sprenger; Fotos von Lisa Sprenger (Titelbild) und privat (Portrait Kunigunde Baldauf und Auftritt ’nur wir‘)
von moritz.magazin | 03.12.2012
Die Laune sinkt proportional zur Temperatur, die Erkältungsquote schießt in die Höhe und der Teeverbrauch steuert einem neuen Allzeithoch entgegen. Höchste Zeit, dem Winterblues entgegen zu wirken und etwas Sommer aufzukochen!
‚Was schreibt der denn für nen Blödsinn? Sommer aufkochen?!‘, denkt ihr euch wohl. Nix Blödsinn! Man nehme Kokosmilch, die steht für Sonne, Limetten für die Frische, Zucker für die Süße und Tomaten für die Wärme. Das ganze hört auf den Namen „Kokossuppe“ und schmeckt scharf, süß-sauer und salzig zu gleich, erfrischt und hebt die Laune.
Als erstes bringt ihr die Kokosmilch mit Ingwer, Zitronengras und Schalotten zum Kochen. Dann gebt ihr das klein geschnittene Fleisch hinzu und gart es fünf Minuten. Mit Zucker und Fischsauce würzen, eine Prise Pfeffer kann auch nicht schaden. Die Champignons in Scheiben schneiden, die Tomaten halbieren und ab in die Suppe damit. Drei Minuten köcheln lassen und dann die Limettenblätter, die Chillischoten und den Limettensaft hinzugeben. Schnell noch mit Koriander garnieren und sofort servieren.
Wenn ihr es lieber vegetarisch haben wollt, ersetzt die Fischsauce durch vier Esslöffel dünne Sojasauce und das Geflügel durch eingelegten Tofu oder Pilze. Dazu passt wunderbar ein Glas Mangosaft, den ihr auch zu einem Tequila Sunrise aufrüsten könnt.
Insgesamt dürftet ihr knapp zehn Euro in diese Sommer-Kur investieren.
Macht vier satt:
1l Kokosmilch
5cm Ingwer, klein gehackt
2 Stängel Zitronengras, klein gehackt
4 Schalotten, geschält und zerdrückt
2 EL Fischsauce oder 4 EL dünne Sojasauce
1 EL Zucker
200g Geflügelfilet oder eingelegter Tofu
200g Champignons
100g Cocktailtomaten
2 Chillischoten
Drei Kafirlimettenblätter
Saft von 1 Limette
Korianderblätter zum Garnieren
Von und mit Erik Lohmann, Bilder von Milan Salje
von moritz.magazin | 03.12.2012
„Analoge Fotografie ist dichter an dem Original. In dem Moment, wo du den Auslöser drückst, ist die Entscheidung getroffen“, meint Heiko Krause. Seine Ausstellung „russemblage“ ist bis zum 16. Dezember im Alfried-Krupp-Kolleg zu sehen.
Bei der Eröffnung von Heiko Krauses Ausstellung „russemblage“ am 15. Oktober im Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg ist der Vortragssaal überfüllt. Die Arbeiten des Greifswalder Fotografen und Kunstdozenten am Caspar David Friedrich Institut werden gelobt und gefeiert. Die Objekte im Fokus seiner Kamera sind Bilder des Vergehens eines ganzen Zeitalters, eines gefürchteten Staatsapparats, von dem heute nichts weiter übrig ist als farbige Wände und kaputte Aktenschränke.

Zimmer in der Liegenschaft Wünsdorf im Jahr 2008
Fotografien, die aussehen als wären sie Gemälde, zeigen Raumsituationen in verlassenen Liegenschaften der sowjetischen Armee auf dem ehemaligen DDR-Gebiet. Die sogenannten Militärstädte wurden im August 1994 endgültig geräumt. Seitdem blieb die Zeit, nicht aber der Zerfall in den abgeschiedenen Baukomplexen mitten im Wald, wo niemals ein DDR-Bürger Zutritt hatte, stehen. „Die Tatsache, dass ich nach 10 bis 15 Jahren in diese Liegenschaften hinein gehen konnte, war ganz bizarr“, erzählt der Fotograf und Doktorant, „Ein Wachmann öffnet dir ein Tor, man fährt hinein, sieht da sofort ein Lenin-Denkmal und beinahe 40 Jahre sowjetischer Lebenswirklichkeit. So war man fünf Minuten später in einer absoluten Parallelwelt.“ Professor Michael Astroh schreibt in seiner Einführung ins gleichnamige Fotoband „russemblage“: „Überreste, so wertlos, wie ihre Beseitigung teuer ist.“
Trotz des unmittelbar politischen Kontextes ist kaum eine direkte Symbolik in den Bildern der damaligen Zeit zu bemerken. Es ist viel eher ein sarkastisches Augenzwinkern, mit dem die alten Sowjet-Botschaften, wenn überhaupt, präsentiert werden. „Das ist eigentlich die Dimension, die in den Bildern steckt, dass man nicht mehr sieht, wer dort mal gelebt hat. Nur durch bestimmte Farbcodes ist ein Anklang des Russischen oder eher Sowjetischen vorhanden“, sagt Krause.
Der Künstler, der geboren in Templin wurde, hatte schon immer ein Interesse an der sowjetischen Kultur, denn seine Großeltern wohnten unmittelbar neben einer sowjetischen Militärstadt. Außerdem habe er schon in frühster Kindheit angefangen, Russisch zu lernen: Die kulturellen Einflüsse, Filme und Trickfilme seien einfach omnipräsent gewesen. In diesem Sinne kann man bei seinen Arbeiten nur begrenzt von Voyeurismus sprechen, denn Krause ist jemand, der mit der sowjetischen Kultur auf eine ganz besondere Art und Weise verbunden ist.

Forst Zinna im Jahr 2008
„Ich bin nicht jemand, der sich in diese Zeit zurücksehnt, aber ich versuche, die Bedeutung solcher Prozesse zu begreifen“, erklärt er. „Es gab da eine Situation kurz vor meiner Examensarbeit: Ich habe auf dem Balkon meiner Großmutter gestanden und von dort aus den Abriss der ehemaligen Garnison verfolgt. Da stellte sich die Frage, was denn mit diesem Teil der Geschichte, der Architektur passiert, was bleiben würde, was vergehen?“ Die Aufarbeitung der Geschichte sei seiner Meinung nach in erster Linie recht einseitig geschehen, schablonenhaft und wenig differenziert. „Aber es gab natürlich auch Zwischentöne und das hat mich interessiert, das wollte ich wissen.“
Für seine Doktorarbeit über die Architektur der sowjetischen Militärstädte hat Krause Zutritts- und Fotogenehmigungen beantragt und innerhalb von zwei Jahren zahlreiche Liegenschaften besichtigt. Dabei sind neben den dokumentarischen Fotografien die künstlerisch intendierten Aufnahmen der Serie „russemblage“ entstanden.
Ein Bericht von Anastasia Statsenko mit Bildern von Heiko Krause
von moritz.magazin | 03.12.2012
Die Betreuungssituation für krebskranke Kinder und ihre Angehörigen in Mecklenburg-Vorpommern ist äußert schwierig. Daher entschloss sich Petra Abramowski zur Gründung des Vereins „Kinderhospiz Leuchtturm e.V.“
In ganz Mecklenburg-Vorpommern gibt es 23 Erwachsenenhospize. Diese Abteilungen sind selten für Kinder und Jugendliche geeignet. Deshalb entwickelte sich in Rostock der erste und einzige ambulante Kinderhospizdienst „OSKAR“ im Oktober 2007. Nun soll in Greifswald ein Kinderhospiz gebaut werden.
Im Unterschied zu einem Erwachsenenhospiz können sich betroffene Familien bereits nach der Diagnosestellung an ein Kinderhospiz wenden. Dort wird es den Familien erleichtert, sich um das erkrankte Kind zu kümmern und nicht den schweren Schritt zu gehen, ihr Kind in ein Pflegeheim zu geben. Das Hospiz kümmert sich besonders um die Entlastung der Eltern und Geschwister. Hierbei erhält die gesamte Familie professionelle Unterstützung durch Ärzte und Psychologen. Damit die nötigen finanziellen Mittel und die statistische Grundlage in Greifswald gesammelt werden können, soll ab 2014 ein ambulanter Kinderhospizdienst geleistet werden. Beim ambulanten Dienst wird die Hauptaufgabe von der Koordinatorin und den Familienhelfern geleistet.
Petra Abramowski ist gelernte Kinderkrankenschwester und arbeitete auf einer onkologischen Station in Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen ihres Berufs bekam sie die Möglichkeit zur Hospitation im Kinderhospiz Balthasar in Olpe. Nach ihrem Umzug in den Norden stellte sie fest, dass die Infrastruktur für Krebskranke nicht gut genug ausgeprägt ist, was sie zum Handeln ermutigte: „Dann habe ich mir gedacht, dass etwas passieren muss und vielleicht ist es gerade deine Aufgabe hier oben etwas zu starten.“ Nach einigen Gesprächen mit dem Kinderhospizdienst in Rostock kam es zu der Idee, eins in Greifswald zu gründen. Der ambulante Kinderhospizdienst in Rostock sei mit der jetzigen Lage überfordert, da er eine viel zu große Fläche abdecken müsse. Die erste Anlaufstelle für Abramowski waren dabei Ämter und Behörden, von denen sie sich Unterstützung erhoffte. Sie bekam jedoch keine Hilfestellung. Trotz dieser Probleme kam es schließlich im August 2010 zur Gründung des Vereins Kinderhospiz Leuchtturm e.V. mit damals 13 Gründungsmitgliedern. Die Mitgliederzahl ist bis heute auf 50 Personen gestiegen, wovon zwei Drittel aktiv dabei sind. Die passiven Mitglieder helfen durch ihren Mitgliederbeitrag.
Schlechte Finanzlage
„Wir sind auf Spenden und auch auf die Mitgliederbeiträge angewiesen“, erklärt die Gründerin des Vereins. Die Mitglieder zahlen 30 Euro im Jahr. Aus den Beiträgen und den Spenden lässt sich kein stationäres Kinderhospiz finanzieren. Im Moment sei die finanzielle Lage eher mittelmäßig. Gerade in der Anfangszeit des Vereins musste viel Geld in Werbung investiert werden. Zudem müssen Büroräumlichkeiten und Aufenthaltsräume finanziert werden. Spenden kamen gerade zu Weihnachten von einigen Firmen, die Geld an den Verein spendeten anstatt ihren Mitarbeitern Weihnachtsgeschenke zu überreichen. „Das sind aber keine Großspenden“, so Abramowski. Des Weiteren kam es in den letzten Monaten zu Kranzspenden: Verstorbene haben vor ihrem Tod verfügt, dass sie keine Kränze auf den Gräbern wollen, sondern dass sie eine Spende an den Verein befürworten. Zusätzliche Gelder kommen aus der Bußgeldstelle. Dort hat sich der Verein einschreiben lassen, um Bußgelder zu erhalten. Das Jahr 2013 wird das sogenannte „Aufbaujahr“ des Vereins. Förderungen seitens des Landes und der Stadt sind gegenwärtig nicht vorhanden. Die Stadt schließt jedoch nicht aus, dass es zu einer künftigen Projektförderung kommen könne.
Auf die Frage, wie sich das Projekt bis heute entwickelt hat, antwortet Abramowski, dass es bisher noch keinen genauen Standort für das stationäre Kinderhospiz gebe: „Wir hatten letztes Jahr eine junge Frau gehabt, die an der Uni Gesundheitsmanagement studiert hat. Sie hat eine Machbarkeitsstudie erstellt und dabei ist raus gekommen, dass es ganz schwer ist an Zahlen zu kommen.“ Diese Zahlen sind allerdings wichtig, um ein Konzept erstellen zu können, welches die Notwendigkeit eines Hospizes darstellt. Bei der Schaffung dieser faktischen Grundlage spielt der ambulante Kinderhospizdienst eine wesentliche Rolle, da dieser die erforderlichen Zahlen und Daten sammeln könnte. Abramowski versucht, schon jetzt zu helfen: „Ich betreue im Moment zwei Kinder ehrenamtlich. Das mache ich in meiner Freizeit. Das ist im Moment das Einzige, was läuft.“ Die derzeit betreuten Familien seien froh über die Unterstützung, da ohne diese auch alltägliche Beschäftigungen, wie beispielsweise ein Friseurbesuch, nicht möglich wären. Der Verein sei auch schon von Eltern angesprochen worden, die einen solchen Dienst gerne nutzen würden, wenn er zur Verfügung stünde.
Tabuthema in der Gesellschaft
Daher versucht der Verein auf Ehrenamtsmessen auf das Thema aufmerksam zu machen, welches immer noch ein Tabuthema darstellt. „Kindertod und -krankheit hört keiner gerne. Das haben wir auf den Ehrenamtsmessen gesehen, dass gestandene Politiker aus dem Sozialministerium fröstelnd an uns vorbei gelaufen sind […] Die Thematik ist eine schwierige, aber wir können die Kinder nicht wegdiskutieren.“ Wie die Reaktionen von Politikern auf der Ehrenamtsmesse zeigt, sei das Thema Tod eines, das von der Gesellschaft eher verdrängt werde. „Früher war es Gang und Gebe, dass Verwandte in der Familie verstorben sind. Heute werden alle in Pflegeheime abgeschoben, um nur nicht damit in Berührung zu kommen“, lautet ihre Erklärung. Der Tod von Kindern sei besonders schwer zu akzeptieren. Zurückzuführen ist dies auf den Aspekt, dass ein genauer Todeszeitpunkt meist nicht festgelegt werden kann, da es vom Krankheitsverlauf abhängt. Deshalb sei es gerade für betroffene Familien wichtig eine Anlaufstelle zu haben, die mit dieser Problematik vertraut ist. „Es wird großer Wert darauf gelegt, dass auch die Geschwisterkinder mal im Mittelpunkt stehen. Die stehen sonst immer im Abseits, weil der Fokus auf dem erkrankten Kind liegt“, so Abramowski. Zurzeit findet die Betreuung der pflegebedürftigen Kinder noch auf der onkologischen Station des Uniklinikums statt. Diese ist mit zehn Planbetten ausgestattet, jedoch ist die Anzahl der Erkrankten deutlich höher, sodass die Eltern meist auf sich allein gestellt sind, was die Pflege der Kinder angeht.
Für die Zukunft erhofft sich der Verein, dass sie ein großes Netz aus ehrenamtlichen Mitarbeitern in den verschiedenen Landkreisen aufbauen können. Der Kinderhospizdienst Greifswald soll die betroffenen Kinder auch in Uecker-Randow versorgen. „Es wäre natürlich wichtig, wenn wir uns bis darunter vernetzen könnten“, meint die Vereinsvorsitzende. Erschwert wird die Arbeit dadurch, dass der siebenköpfige Vorstand des Vereins in Vollzeit berufstätig ist.
Bleibt zu hoffen, dass die geplante Umsetzung ein Erfolg wird, so dass betroffene Familien mehr Unterstützung erfahren. Denn „der leuchtende Blick aus Kinderaugen ist, wie das Leuchten eines Leuchtturms. Beide weisen uns den Weg“, so Hans-Georg Abramowski.
Ein Bericht von Sarah Schnieder und Katharina Stegelmann
von moritz.magazin | 03.12.2012
Sich Zeit nehmen
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
„zu viel Grübeln lässt den Menschen schneller altern“ wurde mir von meinen Eltern als Kind immer erzählt. Manchmal glaube ich heute noch, dass ihre Aussage stimmt. Geht es euch nicht genauso? Der alltägliche Rhythmus hat sich längst wieder in unserem Leben eingenistet. Die eigentlich so ruhige vorlesungsfreie Zeit liegt hinter uns. Unzählige Seiten an Skript, Hausaufgaben und schwere Wälzer warten jeden Tag nur darauf, gelesen zu werden. Aber nicht nur die wollen von uns Beachtung bekommen, sondern auch unsere Freunde und Verwandten. Wenn dazu dann noch sportliche und musische Aktivitäten in unserem Wochenplan sind, reicht es manchmal nicht aus, dass der Tag 24 Stunden hat.
Wie soll man nur all das unterbekommen ohne dabei nicht einen Augenblick für sich selbst zu haben? Irgendwann ist es dann soweit, in einem Raum voller Menschen fühlt man sich alleine und ausgelaugt. Man blendet jeden um sich herum aus und kann nicht mal mehr auf ein Lächeln eines Freundes antworten. Selbst ein wolkenloser Sonnentag scheint plötzlich nur noch aus Grautönen zu bestehen. Aber was kann man in solch einer Situation machen, denn ein Moment der Ruhe zu erwischen, scheint so schwer zu sein? Als wäre es die Lebensaufgabe der Menschheit geworden, die Zauberformel für ein paar Stunden Frieden für die eigene Person zu bekommen. So wie es zum aktuellen Zeitpunkt aussieht, ist dieser Zauberspruch wohl noch nicht gefunden. Denn schellt nicht irgendwann doch wieder das Telefon oder der Wecker? Wer kann nicht einmal einen Tag ohne einen Gedanken an morgen und die damit verbundene Arbeit verschwenden?
Dabei ist es doch so einfach mal nichts zu tun. Wir müssen es nur wollen. Einen Moment Abstand zur Welt lässt gerne auch mal die Grübchen und Denkerfalten eine Pause machen. Ein paar kleine Momente für uns. Nur einmal die Kopfhörer ins Ohr gesteckt und laut die Musik aufgedreht. Egal ob Heavy Metal oder klassische Musik, jeder kann das passende für sich finden.
Wenn Musik doch nicht so eure erste Wahl ist, dann schnappt euch ein gutes Buch und reist mit den Helden in eine Welt voller Abenteuer. Oder nehmt euch das neue moritz-Heft in die Hand, schnuppert am Geruch von frisch bedrucktem Papier und schmökert in den Seiten; lasst die Seele baumeln und gönnt euch ein paar Minuten der Ruhe.
Corinna Schlun
Das komplette Heft als pdf gibt es hier, einzelne Artikel können wie immer auch online gelesen und kommentiert werden.