Praktikum bei der Nummer gegen Kummer: ein Interview

Praktikum bei der Nummer gegen Kummer: ein Interview

Von April bis Juni startet wieder die Ausbildung für die Beratung bei der Nummer gegen Kummer vom Deutschen Kinderschutzbund. Psychologie- und Lehramtsstudierende können sich die ehrenamtliche Arbeit auch als Praktikum anrechnen lassen nähere Informationen zu den Ausbildungsterminen findet Ihr auf der Internetseite des Kinderschutzbundes Vorpommern-Greifswald.
Für einen kleinen Einblick in die Beratungsarbeit habe ich mit der Psychologin Silvia Stüber gesprochen, die Ausbildungsleiterin für die Berater*innen ist.

Was umfasst die Nummer gegen Kummer alles?
Die Nummer gegen Kummer ist ein anonymes, kostenfreies Telefonangebot für Kinder und Jugendliche, die über was auch immer reden möchten und umfasst eigentlich alles, was Kinder und Jugendliche bewegt. Angefangen bei schönen Sachen (wobei eher selten) und ansonsten Kummer, Sorgen, Nöte und Themen, bei denen man alleine nicht weiter weiß oder eine andere Meinung haben möchte.

„Die ganze Bandbreite des Lebens“

Was sind aufkommende Themen?
Häufig sind es Liebeskummer, Mobbing in der Schule, Sexualität, Stress mit den Freunden oder den Eltern. Hilfe bei Schulaufgaben oder Langeweile kommt sogar auch manchmal vor, es ist wirklich ganz breit gefächert. Ich sage immer: Es gibt bei uns nichts, was es nicht gibt. Man begegnet Themen, mit denen man im Alltag vielleicht sonst nichts zu tun hat, eigentlich ist es die ganze Bandbreite des Lebens.

Wer kann alles anrufen?
Es ist ja ein Angebot für Kinder und Jugendliche, das gilt bis hin zu jungen Erwachsenen. Es kommt manchmal aber auch vor, dass ältere Menschen anrufen. 

Wer kann alles beraten?
Also theoretisch können wirklich alle beraten, es ist ja eine ehrenamtliche Sache. Wir hatten auch schon Studierende der Geschichte oder Medizin. 

Wer gehört alles zum Team?
Insgesamt sind es momentan zwölf feste Beraterinnen und Berater. Dazu gehören dann drei Frauen, eine Koordinatorin, ich als Psychologin in der Ausbildung und eine weitere Kollegin ist Familientherapeutin.

Was für „Hauptprobleme“ kann man beobachten?
Zu den Schwerpunkten gehören schon Liebe und Sexualität, beispielsweise Liebeskummer oder der eigene Körper.
Ein anderer Schwerpunkt sind auch noch Freundschaften, zum Beispiel, wenn es Streit gibt.

Geht es bei der Sexualität eher um die Aufklärung oder um eigene Berichte und Probleme?
Das ist auch durchmischt. Zum Beispiel geht es um Beziehungsprobleme oder das erste Mal. Da ist das Telefon eine schöne Möglichkeit für die Kinder und Jugendlichen Fragen stellen zu können, ohne dass man direkt ein Gesicht gegenüber hat. 

Was für Voraussetzungen sollte man zum Praktikum mitbringen?
Das einzig Wichtige ist eigentlich, dass man anderen gerne helfen möchte, denn darum geht es ja. Ansonsten sollten man wenigstens gut Deutsch sprechen, ansonsten ist es für beide Seiten schwer. 
Was vielleicht noch wichtig ist, ist eine gewisse Frustrationstoleranz: Es gibt schon viele Telefonate, bei denen sich Kinder und Jugendliche nur einen Spaß draus machen und da muss man dann ruhig bleiben können, denn manche haben dadurch ja auch Erstkontakt zu der Nummer gegen Kummer und rufen dann noch mal an, wenn es wirklich ernst gemeint ist. Von daher muss man das dann einfach abkönnen, die tiefen und ernsten Gespräche machen das aber auch alles wieder gut.

Wie hoch muss die psychische Belastbarkeit sein, man kann ja nur über das Telefon helfen?
Sexueller Missbrauch wird auch manchmal angesprochen und das wird dann meist zum ersten Mal bei uns geäußert. Sowas ist aber wirklich eher selten, ich würde die psychische Belastbarkeit eher auf die Frustration beziehen, dass man nicht immer für das genutzt wird, wofür man da ist.

Wird bei Bedarf auch weitervermittelt?
Ja, auf jeden Fall. Wir haben auch einen Computer da, an dem man nebenbei auch Beratungsstellen raussuchen kann. Viele Kinder und Jugendliche sind ja noch gar nicht so kompetent im sozialen System und wissen gar nicht, wo sie gucken sollen.

Muss man Angst davor haben, Fehler zu machen oder etwas Falsches zu sagen?
Nein! Bitte keine Angst haben! Alles, was man aus der Sicht heraus macht, dass man helfen will, ist richtig. Das reine Zuhören macht schon einen großen Teil aus.

Was ist, wenn man mal sprachlos ist?
Ja klar, das kann mal vorkommen.

Und was macht man dann?
Einfach sagen, dass es so ist. Es hilft meistens schon ungemein viel, dass sich diejenigen verstanden fühlen und ernst genommen werden, wenn die Beraterinnen und Berater das auch erst mal genau so schwer finden und keine absoluten Überflieger sind, die immer alles wissen und dann eher ein komisches Gefühl vermitteln. Ja, es darf einem also total passieren, dass man sprachlos ist.

Und zum Praktikum?

Gibt es ein Bewerbungsverfahren für das Praktikum?
Nein, man meldet sich einfach wenn der Kurs beginnt und nimmt dann teil. Es bleibt ja eine ehrenamtliche Geschichte. 

Was umfasst die Ausbildung alles? 
Die 72 Stunden umfassen eine Grundausbildung in der Beratung und dann gibt es noch themenspezifische Vertiefungen, zum Beispiel zu Drogen, sexualisierter Gewalt, Trauer und Tod und so weiter. Da kommen dann auch fachspezifische Beraterinnen und Berater, wie zum Beispiel aus dem Hospiz. Und dann hospitiert man noch zwei Stunden bei Telefonaten und das war es dann.

Sitzen am Anfang noch andere dabei?
Nicht zwangsläufig. Wenn man möchte, dann würde das gehen, aber bisher haben sich alle fit gefühlt und wollten dann auch anfangen! Wir haben uns auch schon manchmal in den letzten Stunden der Ausbildung ans Telefon gesetzt und beraten und danach Tipps gegeben.

Wie wurde die Beratungsarbeit denn bisher von Studierenden angenommen?
Sehr unterschiedlich. Letztes Jahr hatten wir eine ziemliche Flaute, da mussten wir noch einen Kurs im Herbst machen. Die Telefonate werden sonst an andere Standorte weitergeschaltet, also war es dann trotzdem besetzt. 
Studierende sind manchmal auch so schnell wieder weg, wenn sie dann ins Ausland gehen oder ein Praktikum machen, deswegen machen wir die Kurse auch jedes Jahr. Das Schöne ist ja aber für die Studierenden, dass man das nebenbei machen kann und nicht geballt in den Semesterferien. Viele nutzen das auch, um auch mal was Praktisches zu machen, gerade wenn man auch später etwas mit Menschen zu tun haben möchte.

Was ist, wenn man zwischendurch merkt, dass es doch nichts für einen ist?
Dann sagt man einfach Bescheid und kann dann natürlich aufhören.

Und wie sieht das mit den Prüfungsphasen aus, kann man sich da einige Wochen zurücknehmen?
Ja klar, das geht. Für uns ist das natürlich immer nicht so schön, weil plötzlich alle weg sind, einige wollen aber auch gerade dann zur Abwechslung kommen. Die Termine für die Ausbildung sind fest und ansonsten kann man sich immer sehr frei eintragen und sagen, wie oft und an welchen Tagen es am besten passt.

Das Leben ein bisschen wärmer machen.”

Was kann man also aus dem Praktikum mitnehmen?
Häufig bekommen wir die Rückmeldung, dass man auch bei Freunden besser zuhört oder sowas sogar gesagt bekommt. Dadurch werden auch eigene Beziehungen vertieft und man bekommt ein Gefühl dafür, wie gutes Helfen geht, das macht auch das Leben insgesamt ein bisschen wärmer. Außerdem lernt man sich dadurch selbst und die eigenen Fähigkeiten besser kennen, das stärkt auch das Selbstwertgefühl. Durch all die Themen hat man auch Einblick in Lebensbereiche, die einem sonst erst mal fremd sind und man lernt, damit auch offener umzugehen.

Alles klar, dann bedanke ich mich herzlich für das Gespräch!
Sehr gerne, ich danke auch.

Beitragsbild: Image by Pexels from Pixabay 

07.02.: AFTER HOURS mit Thomas Meinecke und der ROSA

07.02.: AFTER HOURS mit Thomas Meinecke und der ROSA

Das Wochenende startet literarisch und musikalisch: Die AFTER HOURS im IZfG gehen in die zweite Runde. Diesen Freitag liest und spricht der Schriftsteller, Musiker und DJ Thomas Meinecke aus und über seinen Roman Tomboy.
Popliteratur, Identitätssuche und Empfang in der Rubenowstr. 3, ab 18.30 Uhr.

Und danach? Ab 23 Uhr geht es in die AFTER AFTER HOURS in der ROSA mit Thomas Meinecke, Prof. Eckhard Schumacher aus der Neueren deutschen Literatur und Fierce House Music aus den 1990er Jahren. You Better Work! – für uns mal als Pause von Bib und Büchern.

Beitragsbild: IZfG

27.01.: Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

27.01.: Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Auch der diesjährige NS-Gedenktag wird in Greifswald wieder von einer Veranstaltung begleitet. Heute Abend, am 27. Januar um 19 Uhr wird in der Aula der Universität (Domstraße 11) im Besonderen an die katholischen Priester gedacht, welche trotz angeblicher Souveränität der katholischen Kirche unter Beobachtung und Verfolgung litten. Trotz aller Diskussion um das Ausmaß des Widerstands der katholischen Kirche sollte nicht vergessen werden, dass es beispielsweise auch im Dachauer Konzentrationslager einen eigenen Block für Priester gab. Nach einem gesamthistorischen Einblick wird das Schicksal eines hingerichteten Greifswalder Pfarrers vorgestellt. Musikalische Begleitung erhält der Gedenktag von der hiesigen Musikschule.

Beitragsbild: Myriam Zilles auf Pixabay

advents.kalender 2019: 20. Türchen – Euer Jahresrückblick

advents.kalender 2019: 20. Türchen – Euer Jahresrückblick

Es weihnachtet sehr, auch in Greifswald – und besonders bei den moritz.medien. Mit dem advents.kalender geben wir Euch weihnachtliche Tipps, Tricks, Erfahrungsberichte, Rezepte uvm. für die Adventszeit. Öffnet jeden Tag ein Beitrags-“Türchen”! Im heutigen Türchen findet ihr Anregungen für einen Jahresrückblick.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Vorbereitungen für Weihnachten und die Planung für Silvester und das neue Jahr nehmen uns meistens vollkommen ein, sodass wenig Zeit für einen kleinen Jahresrückblick bleibt. Nehmt Euch doch mal eine halbe Stunde zum Innehalten und überlegt, was Ihr dieses Jahr alles erreicht habt, was für schöne Erlebnisse Ihr hattet und was vielleicht auch unerwartet in Eurer Leben getreten ist. Versetzt Euch vielleicht in Situationen zurück, in denen Ihr dachtet, dass sie niemals zu schaffen sind und wie Ihr sie dann doch gemeistert habt. Schreibt es am besten auf, vielleicht habt Ihr ja ein Journal oder eine Liste im Handy, denn dann könnt Ihr auch später noch in die positiven Momente der letzten Jahre zurück und sie Euch vor Augen führen. Der Januar scheint bei allen erst mal stressig zu werden, wir tendieren dazu, uns eher an den negativen Momenten aufzuhalten – vielleicht verhilft Euch dieses Türchen ja zu ein bisschen Inspiration, um all den positiven Dingen unseres Lebens ein wenig Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und diese Stimmung dann auch nach außen zu tragen. Genießt Eure Feiertage! 🙂

Beitragsbild: Till Junker
bearbeitet von: Anne Frieda Müller

advents.kalender 2019: 12. Türchen – Weihnachtsdüfte selber machen

advents.kalender 2019: 12. Türchen – Weihnachtsdüfte selber machen

Es weihnachtet sehr, auch in Greifswald – und besonders bei den moritz.medien. Mit dem advents.kalender geben wir Euch weihnachtliche Tipps, Tricks, Erfahrungsberichte, Rezepte uvm. für die Adventszeit. Öffnet jeden Tag ein Beitrags-“Türchen”! Im heutigen Türchen: Wie man Weihnachtsdüfte selber machen kann.

Eine winterweihnachtliche Atmosphäre entsteht vor allem durch die typischen Zimt-Zitrusfrucht-Gewürz-Gerüche. Herkömmliche Duftkerzen oder Stäbchen sind aber häufig mit chemischen Zusätzen versetzt und schaden der Gesundheit. Warum also nicht einfach selber machen? Die Düfte eignen sich auch gut als Geschenkidee, hier nur drei exemplarisch vorgestellt:

1. Früchte trocknen 

Viel gehört nicht dazu. Einfach eine Orange, Zitrone, Mandarine oder einen Apfel in Scheiben schneiden und zum Beispiel mit kleinen Klammern an einem Band aufhängen oder auf einem Teller in der Nähe der Heizung trocknen lassen. Während der ein bis zwei Wochen Trocknungszeit verströmt das Obst einen frischen Geruch und die Scheiben lassen sich wunderbar im nächsten Jahr als Deko verwenden. 

2. Duft im Einmachglas

Hier gibt es je nach Geschmack verschiedenste Zusammenstellungen. Gemischt wird heißes Wasser mit einer Orange oder Zitrone und dann mit unterschiedlichen Gewürzen und Kräutern verfeinert. Neben Zimtstangen, Vanille, Nelken und Lebkuchengewürz kann man beispielsweise auch Tannengrün, Rosmarin oder Zapfen hinzufügen. 

Die Zutaten werden in einem Einmachglas mit dem kochenden Wasser übergossen und für einige Tage in den Kühlschrank gestellt. Die Mischung kann dann entweder kurz erhitzt und dann in den Raum gestellt oder auf einer Duftlampe mit kleinem Schälchen dauerhaft warm gehalten werden. 

3. Nelkenorange 

Einfach eine Orange mit Nelken bestücken, indem die spitzen Enden der Nelken in die Schale gedrückt werden. Wenn die Schale der Orange angeschnitten wird, wird der Zitrusgeruch noch ein wenig intensiver. 

Beitragsbild: Till Junker
bearbeitet von: Anne Frieda Müller