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20141103_Bildungsstreik_Titelbild_lkkRund 40 Millionen Euro fehlen den Hochschulen im Land, allein Greifswald hat ein Defizit von 13 Millionen Euro. Rund 700 Studierende aus ganz Mecklenburg-Vorpommern gingen im Zuge des Besuchs der Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Straßen Greifswalds. Sie demonstrierten für eine bessere finanzielle Ausstattung ihrer Hochschulen.

Zu Gesicht bekamen sie die Kanzlerin leider nicht, da sich diese zur gleichen Zeit im Universitätshauptgebäude mit einigen Rektoren des Landes und Studierendenvertretern aus Greifswald unterhielt. Dennoch harrten die protestierenden Studenten bei der Zwischenkundgebung auf dem Rubenowplatz aus und lärmten so laut herum, dass man es im Gebäude gut hören konnte. Neben dem altbekannten Spruch wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“ riefen die Studierenden auch „Merkel raus“ und „Wir wollen die Mutti sehen“, um sie dazu zu bewegen, aus dem Gebäude zu kommen, was allerdings nicht funktionierte.

Rodatos: „Hoffentlich werden Sie nun vernünftig, Herr Brodkorb“

Rund 100 Studenten kamen aus Rostock angereist, weitere aus Neubrandenburg, Wismar und Stralsund. Die Demonstranten zogen vom Bahnhofsvorplatz über die Bahnhofstraße zum Markt, um von dort über die Friedrich-Loeffler-Straße zum Rubenowplatz zu gelangen. Von dort ging es wieder über die Lange Straße zurück zum Markt, auf dem die Abschlusskundgebungen stattfanden. Auf ihrem Weg durch die Stadt kamen die Studierenden an vielen Passanten vorbei. Eine ältere Frau meinte zum Umzug: „Das kommt für mich überraschend, aber ich bin auch nicht von hier.“ Die Wittenbergerin findet das Anliegen gut und denkt auch, dass der Staat sich mehr einsetzen könne. Ein Student meinte, er demonstriere nicht mit, weil er gleich in die Vorlesung müsse. Überhaupt wäre eine bundesweite Demonstration, wie es 2009 der Fall war, besser gewesen.

Bei der Kundgebung auf dem Markt sprachen dann die bundespolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Berger und Dr. Mignon Schwenke von den Linken. Milos Rodatos als Sprecher der Landesweiten Studierendenkonferenz kam nach dem Gespräch mit Merkel zum Markt und erklärte, dass Merkel deutliche Worte gefunden habe. Das Land müsse die BAföG-Millionen, wie vom Bund vorgesehen, in die Bildung stecken und keine anderen Haushaltslöcher damit stopfen. Das Land bekommt zusätzlich 29 Millionen Euro, weil der Bund das BAföG übernimmt. „Hoffentlich werden Sie nun vernünftig, Herr Brodkrob“, adressiert er den Landesbildungsminister direkt. Auch hatten Vertreter von einigen Greifswalder Hochschulgruppen das Wort. So spielte Jonathan Dehn von den Hochschulpiraten auf Marc-Uwe Kling an, indem er meinte: “ Die Gro-Ko, auch das ‚Große Kotzen‘ oder Scheißverein, spielen die Bildungseinrichtungen untereinander aus.“ Auch Johannes Barsch von den Jusos wetterte gegen die Bundesregierung: “ Der Bildungssektor ist nicht das Sparschwein der Bundesrepublik.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Menge aber schon merklich gelichtet.

Fotos: Lisa Klauke-Kerstan, Katrin Haubold

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