von Uwe Rossner | 12.05.2008
Die vorläufige Bilanz sieht richtig gut aus. Seit fast einer Woche zieht der Nordische Klang stetig Besucher an. Festivalchef Prof. Walther Baumgartner konnte daher am vergangenen Mittwochabend bei seiner kurzen Ansprache zum Jazz- und Stummfilmabend in der Medienwerkstatt des Caspar-David-Friedrich-Institutes der Universität Greifswald auf Veranstaltungstage mit vollen Häusern zurückblicken. (mehr …)
von Archiv | 12.05.2008
Die vorläufige Bilanz sieht richtig gut aus. Seit fast einer Woche zieht der Nordische Klang stetig Besucher an. Festivalchef Prof. Walther Baumgartner konnte daher am vergangenen Mittwochabend bei seiner kurzen Ansprache zum Jazz- und Stummfilmabend in der Medienwerkstatt des Caspar-David-Friedrich-Institutes der Universität Greifswald auf Veranstaltungstage mit vollen Häusern zurückblicken.
Eines gab er aufgrund jüngster Gerüchte zu Bedenken: „Der Nordische Klang ist kein Jazzfestival.“ Denn in diesem Jahr sei der Auftritt des Karen Bach Trios erst das zweite dem Musikstil verschriebene Konzert in dem insgesamt bunt durchgemischten Programm. Umso glücklicher zeigte er sich über das Deutschlanddebüt des angereisten dänischen Trios. Dank der freundlichen Unterstützung des Copenhagen Jazz Festival in Berlin. Begeisterndes Aufsehen erregten der markante Personalstil der Kompositionen aus der Feder der Pianistin Karen Bach und die sich der Klavierlinie anschmiegende Begleitung des huttragenden Kontrabassisten Erik Olevik und des mit den Besen knisternden Schlagzeugers Erik Laustsen. Benannte der Programmtext Theolonious Monk und Brad Mehldau als Inspirationsquellen Karen Bachs, so zeigte sich bereits während des ersten Sets die klassische Grundierung der Combo. Hervorragend eingesponnen leuchtete beim Titel „Nachtstück“ der tief reichende Einfluss der Nocturnes Frédéric Chopins herauf. Und selbst die schmuck im Melodiebogen eingeflochtenen Triller bezeugten keineswegs eine Verspieltheit der Pianistin mit der roten Rose in dem nach hinten zusammengesteckten Haar. Mit klarer Linienführung, akzentuierten Soli und einem fast einladenden tänzerischen Ensemblefluss verschaffte sich das Karen Bach Trio Gehör. Immer auch etwas Johann Sebastian Bach huldigend. Doch leider ohne großen zeitlichen Puffer für ausgiebige Zugaben. Umbau und der Asta Nielsen-Film drückten. Leider. Dafür trat das dänische Trio mit viel Applaus und einer Rose für jeden aus dem Rampenlicht.
Für einen runden Abend sorgten Jonas Struck (Gitarre), Kaspar Tranberg (Trompete), Mads Hyhne (Posaune) und P. O. Jürgens (Schlagwerk) mit ihrer Live-Performance á la Rock-Jazz zum fast einstündigen dänischen Film-Melodram „Dem Licht entgegen“ (1919) mit Asta Nielsen, des ersten weiblichen Filmstars der Kinogeschichte.
von Archiv | 12.05.2008
Der „Countdown“ soll zum Nachdenken anregen und Lust auf die Festivalwoche machen.
Dementsprechend starten die Veranstaltungen am Freitag, dem 16. Mai 2008, um 20.00 Uhr im Café Koeppen mit einer Lesung des Schriftstellers Thomas Podhostnik (geb. 1972 in Radolfzell/Bodensee). Er wird seinen Debüt-Roman „Der gezeichnete Hund“ vorstellen. Sivo ist der erste Deutsche einer slowenischen Immigrantenfamilie, die in Deutschland lebt. Das Land ist seinen Eltern fremd. Für ihn bedeutet es aber Heimat. Im Verlauf der Zeit wird er zum stillen Beobachter der Zersetzung von Identität und wächst dabei in zwei Welten auf, die selbst wiederum in Auflösung begriffen sind. Karten sind an der Abendkasse für 3 bzw. 5 Euro erhältlich.
Die zweite Countdownveranstaltung bietet einen Mix aus Kino, Live Musik und Party. Am Freitag, dem 23. Mai 2008, zeigen die Festivalmacher um 17.00 Uhr in Zusammenarbeit mit E-Politik, dem Forum für Politik, Gesellschaft und Politikwissenschaft den Dokumentarfilm ″Spin the Bottle″ (OmU) der Media Education Foundation (MEF). Der 45-minütige Film streift durch die amerikanische College-Szene und beleuchtet die zunehmende Glorifizierung exzessiven Alkoholkonsums. Im Anschluss daran spielt um 20.00 Uhr die Greifswalder Band ‚Naked neighbours on TV‘. Ungeachtet zahlreicher klanglicher Öffnungen lässt sich die Band zwischen Indie und Postrock verorten. Wer dann noch nicht genug hat oder erst zur Bestform aufläuft, ist herzlich zur Aftershowparty eingeladen. Treffpunkt zu diesem fulminanten Abend ist in Greifswald an der Europakreuzung. Der Eintritt ist frei.
Die dritte Veranstaltung findet am Freitag, dem 31. Mai 2008, um 20.00 Uhr im IkuWo (Internationales Kultur- und Wohnprojekt e. V.) in der Goethestraße 1 in 17489 Greifswald statt, das dann offiziell nach einem Umbau wieder seine Türen öffnet. Das weit gereiste Wanderkino „Laster der Nacht“ zeigt den Stummfilmklassiker „Berlin. Sinfonie der Großstadt“ aus dem Jahr 1927. Live begleitet wird der Film mit Violine und Piano. Es wird eine improvisierte nostalgische Stimmung erzeugt, die an die Pionierzeit des Kinos erinnern soll. Danach geht es wieder zurück in die Gegenwart, wenn die IKuWo-DJs zeigen, was die neue Schallschutzmauer zu leisten fähig ist.
Am Freitag, dem 6. Juni 2008, klingen die Countdown-Veranstaltungen aus. Ebenfalls im IKuWo wird um 19.00 Uhr die urbane Komödie „Thunderbirds!“/(srb) „Munje!“ (Belgrad, Serbien 2001) gezeigt, die in einer Nacht in Belgrad spielt. Die besten Freunde, Mare und Pop gründen die erste Drum’n’Bass Band in Serbien und möchten eine Platte bei ihrem alten Schulfreund Gojko aufnehmen. In der Nacht treffen Mare und Pop einen gefälschten Weihnachtsmann, einen coolen Polizisten und natürlich viele Mädels…
Um 21.00 Uhr spielt dann die erste internationale Band im Zuge des diesjährigen Festivals, die Band ‚Baaba‘ beschallt mit Elektro-akustischem Jazz und Breakbeat aus Polen. Sie sind ein gefeierter Akustik-Elektronik-Act. Live greifen die vier Musiker gern auf Jazz, Breakbeat und Zirkus-Muster zurück und arbeiten mit Improvisationen. Im Anschluss legen die Greifswalder DJs Hadi Baba und Roc Roach auf.
Eine Woche später startet das 4. Internationale Studentenfestival mit einer großen Welcome-Party in der Mensa am Wall in der Altstadt von Greifswald (Am Schießwall 1-4).
von Uwe Rossner | 12.05.2008
Stimmgewaltig wartete der Nordische Klang am vergangenen Dienstagabend mit gleich zwei Festivalpunkten auf.
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von Archiv | 12.05.2008
Stimmgewaltig wartete der Nordische Klang am vergangenen Dienstagabend mit gleich zwei Festivalpunkten auf.
Bewegend rückten die Altistin Maria Kowollik und ihre Pianistin Annikka Konttori-Gustafsson beim finnischen Liederabend des Nordischen Klangs in der Musikfabrik die enge romantische Verflechtung von Musik und Sprache in den Mittelpunkt. Natürlich nicht ausschließlich finnisch. Denn die Gastierenden verbeugten sich dabei ebenfalls tief vor dem Jubilar Johannes Brahms (1833 – 1897). Mit dessen „Juchhe!“ begannen die langjährigen Kammermusikpartnerinnen den Auftakt ihre klangvolle Seelenreise über Frühlingsblüten, Liebesträumereien bis hin zum prachtvoll versunkenen Schwanengesang. Die leuchtende Tiefe Maria Kowolliks Stimme verlieh den auf Finnisch vorgetragen Liedern von Toivo Kuula (1883 – 1918) und Tauno Pylkkänen (1918) einen rührenden Schimmer. Ganz zur Überraschung brachte Annikka Konttori-Gustafsson mit gemessenem Fingerspiel am schwarzen Flügel zwischen Brahms und den Kunstliedern aus ihrem Heimatland Klavierstücke Selim Palmgrens (1878 – 1897) und Jean Sibelius (1865 – 1957) zu Gehöhr. Vom Letzteren gar die einer ganzen Farbpalette für schwarze und weiße Tasten gleichenden Klavierstücke op. 75.
Mit der Soulkönigin des Nordens ließen es die Festivalmacher zu späterer Stunde in der ehemaligen Bowlingbahn der Dompassage richtig Krachen. Zog es die einstige R&B Queen LaGaylia Frazier 2001 aus den USA nach Schweden, so feierte sie bei der Clubtournee in ihrem neuen Heimatland in Presse beachtliche Erfolge. Vorgestern brachte die dunkle Schönheit die Festivalgemeinde mit ihrer gepflegt wärmenden Stimme und ihrer charmanten Art zum Glühen. Mit ihrem ersten, meist rockigen Album „LaGaylia Uncovered“ im Gepäck huldigte sie ihren mitreißenden Interpretationen beispielsweise Stevie Wonder, Chaka Khan und Alicia Keys. Immer wieder garniert mit kleinen Anekdoten als Überleitung für die nächste Nummer ihres bis auf das Feinste abgestimmten Auftritts im schweißtreibenden Rampenlicht. Den eleganten Hüftschwung einer reifen Frau, die von Beginn an gewollte Nähe zum Publikum oder das temperamentvolle Stampfen des Taktes mit den Füßen wie beim Flamenco kostete LaGaylia Frazier vollends aus. Kein Wunder. Innerhalb der knapp drei Stunden verwandelten sie und das Publikum singend, klatschend und tanzend den Konzertort zur Sauna. Dabei zierte sich die Soul Queen währenddessen erst gar nicht, von der großzügigen Bühne einmal herunter zu steigen und für eine Weile locker mit dem Mikrofon in der Hand mit der Menge zu stehen. Den Respekt eines Vollprofis sicherte sich die stilistisch breit gefächerte LaGaylia Frazier nicht allein für ihr Gastspiel mit einer sie fabelhaft unterstützenden Band, sondern auch für die Muße eines Small Talks bei einer kleinen Autogrammstunde kurz nach Mitternacht.
Geschrieben von Uwe Roßner