von Archiv | 19.05.2008
Mit Volldampf in die neue Legislatur
Genial! Nur drei Marathon-Sitzungen dauerte die Ausschreibung der AStA-Referate an. Sorgfältig und mit Bedacht haben sich die großartigen Änderungspläne dabei heimtückisch aus der Hintertür geschlichen und die Kreativität gleich mitgenommen. Nach einer Sitzung schrieb das vergangene Parlament die Referate des AStA aus – inklusive der Stellen für die moritz-Medien. Das konnte demnach höchstens eine Schnellschuss-Entscheidung gewesen sein und erforderte konsequenterweise eine durchdachtere Variante der AStA-Struktur für dieses Jahr.
Wenig durchdacht haben einige den Beginn ihrer Mandatsträgerschaft. Erst RCDS-Obermacker Martin Hackober musste für sich und seine Schäfchen nach seinem späterem Eintreffen zur Sitzung auf eine bedeutende Lücke hinweisen. Denn RCDS und LHG seien in der nächsten Sitzung nicht da. Zuvor hatte man eine halbe Stunde über die nächsten Sitzungstermine gesprochen. Gegen Mitternacht ging es weiter: Außerdem sei am folgenden Tag Uni, für einige sogar Prüfungen. Was für ein Zufall, dass dies gleich über ein Drittel der Mitglieder von den Ausschreibungstexten fern hielt. Über diesen „Kindergarten“ konnte Alexander Schulz-Klingauf nur den Kopf schütteln, während sich Thomas Meyer im Schneidersitz auf einem Tisch einrichtete um das Ende abzuwarten. Ein dezenter Hinweis des Präsidenten Frederic Beeskow auf die Verantwortlichkeit der StuPa-Mitglieder für die Studenten, beendete diese lächerliche Veranstaltung. Tja, auch copy and paste braucht Zeit, nämlich für eine ganze Sondersitzung.
Seltsamerweise hat sich für den kommenden AStA fast nichts verändert. Okay, es gibt zwei Referate weniger. Doch das schien mehr an mangelnder Überzeugungskraft seitens der vorigen Amtsinhaber zu liegen als an der wahren Bedeutung der Ämter. Ein Großteil der StuPa-Mitglieder hat so gar nicht verstanden, dass eine Person nichts über die Wichtigkeit dieser aussagen kann. Oder wie kommt sonst einer, der sich Hochschulpolitiker nennt, auf den abstrusen Einfall über die Notwendigkeit eines Postens für Hochschulpolitik zu disputieren. Das Referat ist verdammt schwierig auszufüllen, kaum einer schafft es so, wie es sein sollte. Doch fordert eine fehlende Positionierung seitens der Studenten ein Bildungsministerium doch geradezu auf, fröhlich Kürzungen an den falschen Stellen anzukreuzen, über rektorfreundliche Machtansprüche zu entscheiden und somit den größten Murks der Geschichte des Landeshochschulgesetzes zu verfassen.
In die Länge zog die Ausschreibung nebenbei noch ein Antrag Sebastian Jabbuschs, moritzweb eine Seminarförderung für 380 Euro zu verwehren. Martin Hackober sprach sich für eine Zahlung aus, aber nur für den Fall, dass der derzeitige Chef Uwe Roßner wiedergewählt würde. Das veranlasste Alexander Schulz-Klingauf zu der Aussage: „Das ist aber scheiße, Martin!“ Hackobers neuestes Großprojekt ist übrigens, den Chefredakteuren des moritz-Magazins die Aufwandsentschädigung für April einzubehalten, da diese persönliche Informationen über ihn preisgegeben hätten (moritz 69).
Ein neuer kritischer Wind weht durch das Studentenparlament – doch er weht in die falsche Richtung. Echt, Martin.
Geschrieben von Maria Trixa und Björn Buß
von Archiv | 19.05.2008
Die Nutzung des Körperschaftsvermögens steht zur Debatte
„Eine der Aufgaben der Universität ist es, ihr Körperschaftsvermögen zu erhalten sowie zu vermehren. Und mit den Erträgen sowohl die Wissenschaft und Forschung als auch die Lehre zu unterstützen“, erklärt noch AStA-Vorsitzender und stellvertretender Senatsvorsitzender Thomas Schattschneider. Diese Ziele erhielten bislang auch Priorität durch die Universitätsleitung.
Doch sieht diese noch mehr Potential, das Universitätsvermögen weitaus zweckmäßiger und effektiver nutzen zu können. An Ideen und Vorschlägen mangelt es hierzu nicht. Die Gründung einer Stiftung oder der Verkauf des Eigentums wären Alternativen gegenüber dem weiterführenden Erhalt des Vermögens. Aber nicht alles ist Gold, was glänzt. Vor- und Nachteile sind vom Senat genauestens zu erörtern und abzuwiegen.
Grundstücke, Wald, Gebäude
Insgesamt gehören der Universität land- und forstwirtschaftliche Flächen sowie diverse Gebäude in und um Greifswald von 8.711 Hektar. Nur ein Teil wird von der Hochschule selbst genutzt. Privatpersonen und Einrichtungen mieten und pachten den Rest. Die Acker- und Grünflächen werden komplett von ortsansässigen landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet. Anders verhält es sich dagegen beim Waldbestand. Hier lebt die alte Forsttradition der Alma Mater weiter. Bei den Gebäuden außerhalb Greifswalds handelt es sich vor allem um Gutshäuser, von denen die meisten vermietet sind. Innerhalb der Stadt nutzt die Uni ihren Gebäudebestand für eigene Zwecke.
Ein zweiter Haushalt
Die wenigsten Hochschulen in Deutschland besitzen so viele Ländereien wie die Greifswalder Universität. Mit den jährlichen Erträgen, die aus den Forst- und Liegenschaften erzielt werden, verfügt sie über eine zweite Einnahmequelle. Die größte Finanzspritze kommt allerdings vom Schweriner Bildungsministerium, da Bildung Ländersache ist. Beide Geldquellen werden getrennt voneinander geführt. „Wenn die öffentlichen Kassen leer sind, steht die Universität vor einem Problem. Daher ist es hilfreich einen separaten Körperschaftshaushalt zu haben“, konstatiert Wolfgang von Diest, Forstmeister der Universität. Entgegen den seit Jahren steigenden Studentenzahlen erhöhten sich die Zahlungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern nur um jährlich 1,5 Prozent. Vereinbart wurde dies zwischen dem damaligen Bildungsminister und vorherigem Greifswalder Rektor Professor Hans-Robert Metelmann und der hiesigen Universitätsleitung. Aber 1,5 Prozent können nur als Inflationsausgleich dienen. Daher kann sich die Hochschule glücklich schätzen, den Körperschaftshaushalt zu besitzen. Diese Einnahmen werden gezielt dort eingesetzt, wo das Land nichts geben kann oder will. Beispielsweise hätte der Umbau der „Kiste“ zum größten Hörsaalgebäude der Hochschule niemals so schnell und flexibel umgesetzt werden können. Trotz aufgetretener Baumängel: Die Raumsituation entspannte sich dank dem Körperschaftshaushalt. Auch die Sanierung des Audimax’ wurde durch die eigenen Mittel ermöglicht.
Prämisse liegt nicht im Verkauf
Die Hochschulleitung ist sich jedoch bewusst, dass bislang durch die Verpachtung und Vermietung nicht die bestmöglichen Erträge und Leistungen aus dem Körperschaftsvermögen erzielt wurden. Ein Verkauf könnte kurzfristig viel Geld einbringen. Diese Forderung ist keineswegs neu. Und nicht nur Forstmeister von Diest plädiert für den kompletten Erhalt des Universitätswaldes. Schon seine Vorgänger mussten sich gegen Verkaufspläne durchsetzen. Denn verkauft ist verkauft. „Teilweise ist die Uni gut beraten, sich von Liegenschaften zu trennen“, schränkt von Diest ein. „Vor allem die Gutshäuser können ihr zukünftig Probleme bereiten.“ Die um 1910 erbauten Gebäude befinden sich überwiegend in einem miserablen Zustand und sind sanierungsbedürftig. Als Mosaiksteine der pommerschen Kulturgeschichte sollte das Betreben darin liegen, diese zu erhalten. „Jedoch fehlen der Universität hier die notwendigen Investitionsgelder. Darüber hinaus ist ihr Kerngeschäft Lehre und Forschung, nicht das Sanieren von Häusern“, stellt von Diest klar.
Ein Verkauf an Privatpersonen oder öffentliche Einrichtungen könnte den Verfall dieser Kulturhistorie unterbinden. Auch im Zuge der Neugestaltung des Hochschulkomplexes mit der Konzentration der geisteswissenschaftlichen Fächer in der Rubenow- und Domstraße sowie in der Friedrich-Loeffler-Straße und der naturwissenschaftlichen und medizinischen Fachbereiche am Beitz-Platz hat sich die Universität in jüngster Zeit zunehmend für den Verkauf zahlreicher Gebäude entschieden. Peter Rief, Leiter des Dezernat Planung und Personalmanagement, kündigt an: „Es gibt die Absicht, weitere Gebäude zu verkaufen. Welche Gebäude dies sind, hängt von der Realisierung unserer Bauplanungen ab.“ Grundsätzlich liegt die Prämisse aber nicht im Verkauf, sondern im Erhalt des Hochschuleigentums. Gegner der Verkaufspläne weisen daraufhin: „Das Veräußern des Besitzes ist der sichere Weg, dass überkommene Erbe zu verlieren, mit dem die Universität auf engste verknüpft ist.“ Da die Universität Greifswald ein Großteil ihres Vermögens während ihres 552jährigen Bestehens durch Schenkungen erworben hat, würde im Verkauf ein mangelndes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der eigenen Geschichte liegen. „Zudem besteht hier die Gefahr, mit dem Geld nur kurzfristig etwaige Löcher stopfen zu wollen“, gibt der Forstmeister zu bedenken. Die Erlöse können nur einmal verwendet werden und die Garantie, dass das an der richtigen Stelle passiert, kann niemand geben.
Auch Stiftung ist keine Lösung
Eine weitere Idee ist es seit längerem einen Teil des Körperschaftsvermögens, insbesondere den Waldbesitz, in eine Stiftung zu überführen. Rektor Professor Rainer Westermann verdeutlicht: „Stiftungen unterschiedlicher Art sind für Universitäten ein Thema, das in Zukunft noch an Relevanz gewinnen wird.“ Generell stehen einer Hochschule verschiedene Möglichkeiten offen, dem Stiftungsgedanken nachzugehen. Zum einen können ganze Hochschulen – wie in Niedersachsen und Hessen geschehen – in eine Stiftung des öffentlichen Rechts überführt werden. Ziel war eine größere Eigenverantwortung zu erlangen, denn Hochschulen wissen besser, was für sie gut ist, als Beamte in den fernen Landeshauptstädten. Zum anderen kann die Universität als Körperschaft selbst eine privatrechtliche Stiftung gründen. Letzteres wurde auch für Greifwald überlegt. „Die Möglichkeit wäre gewesen einerseits den Wald zu veräußern und das erworbene Geld in eine Stiftung einzubringen.
Andererseits hätte man auch den gesamten Wald überführen und hier durch die jährlichen Einnahmen für die Stiftung nutzbaren Gewinn erzielen können“, erklärt Hochschulpolitiker Thomas Schattscheider. Solch eine privatrechtliche Stiftung wäre für von Diest wenig attraktiv: „Eine Stiftung hat ihre Reize, vor allem weil sie das Stiftungsvermögen schützt. Jedoch bringt sie auch Nachteile für die Universität mit sich. Und ihre Einnahmen zielgerichtet für bestimmte universitäre Zwecke einsetzen, kann sie bereits jetzt.“ Da die Stiftungsorgane eine eigene juristische Person bilden würde der Senat seine Entscheidungskompetenz über das eingebrachte Hochschuleigentum verlieren. Aus diesem Grund sieht er in einer Stiftung nicht den richtigen Lösungsweg und der Rektor fügt hinzu: „Schon allein aus steuerlichen Gründen könnte es wenig ratsam sein, Grundbesitz der Universität in eine Stiftung einzubringen.“
Nun bleibt es abzuwarten, wo das Rektorat neue Wege sieht, dass Universitätseigentum effektiver zu nutzen und wie der Senat diese Vorschläge aufnehmen wird. Vorerst werden die Gespräche aber weiterhin unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Bis Juni soll jedoch ein erstes Konzept vom Rektorat und der Verwaltung vorgelegt werden, das sich neben einer umfassenden Auflistung des Universitätsvermögens bis dahin nochmals intensiv mit der Neuordnung des Körperschaftsvermögens auseinander gesetzt haben wird.
Geschrieben von Cornelia Bengsch
von Archiv | 19.05.2008
Welche Richtung die neuen Konzepte auch einschlagen werden, eins ist offensichtlich – Fehlentscheidungen sind zu vermeiden. Die Fort- und Liegenschaften haben ihren Wert, der auch weiterhin nachhaltig der universitären Lehre zugute kommen sollte. Die Finanzmittel der Länder passen sich längst nicht mehr den steigenden Bedürfnissen der Hochschulen an. Wenn dann eine Universität wie die unsrige in Greifswald zusätzlich auf ein eigen erwirtschaftetes Vermögen zurückgreifen kann, gibt es nur ein Konsens: Kein Verkauf des Tafelsilbers. Und immer schön putzen.
Geschrieben von Cornelia Bengsch
von Archiv | 19.05.2008
Über Prüfungsbedingungen zwischen „eng“ und „laut“
Julia Prange betritt den Hörsaal. Eine Fahrt durch das winterliche Greifswald und unzählige Stunden am Schreibtisch liegen hinter ihr. Die Magisterstudentin hat sich viele Wochen auf diesen Tag vorbereitet. Auf den Tag ihrer schriftlichen Abschlussprüfung.
Doch was sie erwartet verschlägt ihr den Atem. Fast alle Plätze des Hörsaals in der Rubenowstraße 3 sind besetzt. Die Frage nach einer Sitzordnung erübrigt sich. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Hörsaal so voll sein würde“, sagt die 24-Jährige. Eine Freundin winkt sie heran. Glück gehabt. Ein Platz ist noch frei. „Es war insgesamt sehr eng in dem Raum.“ Julia versucht Schreibblock, Trinkflasche, Essen, Kugelschreiber und Aufgabenblätter auf dem kleinen Klappbrett zu ordnen. „Ich hätte mich gern mehr ausbreiten wollen, aber das war nicht möglich.“ Augen zu und durch. Die Prüfung beginnt. Vier Stunden muss sie sich mit Aufgaben rund um die Kommunikationswissenschaft beschäftigen. Ihr Wunsch: Ruhe. Doch schon nach zwei Stunden wird sie aus ihren Gedanken gerissen. Abgabe der Bachelor-Klausuren. Lautes Gekicher. Stöckelschuhe auf dem Holzboden. Stimmengewirr. Blätterrascheln. Die Ermahnung einer Aufsichtsperson: „Bitte schnell den Raum verlassen.“ Eine Stunde später: Abgabe der Master-Klausuren. Wieder Unruhe. Wieder Lärm. „Es war einfach nur nervig. Und natürlich ging bei all dem Trubel die Konzentration schnell flöten.“
Wer trägt eigentlich die Verantwortung?
Volle Räume, unterschiedliche Abgabezeiten der Klausuren. Schon seit vielen Semestern berichten Studenten von solchen Prüfungsbedingungen. „Bei Geschichtsprüfungen ist das auch schon vorgekommen“, sagt Christian Ahlrep, Mitglied des Fachschaftsrats Germanistik. Der Studiendekan der Philosophischen Fakultät ist sich keiner Verantwortung bewusst. „Was soll ich ihnen dazu sagen?“, sagt Professor Walter Werbeck schlicht. Auch das Zentrale Prüfungsamt sieht keinen Handlungsbedarf. „Wir vergeben nur Termine und machen Vorschläge, wie die Prüfungen überschneidungsfrei ablaufen können. Welche Klausuren zusammen geschrieben werden bestimmt hingegen das Institut“, sagt Steffi Albrecht, Angestellte im Zentralen Prüfungsamt.
Verantwortliche im Fachbereich der Kommunikationswissenschaft haben Verständnis. „Ich kann den Unmut der Studenten nachvollziehen“, sagt Juniorprofessor Stefan Wehmeier. Der Lehrstuhlvertreter für Kommunikationswissenschaft kann sich nicht an eine Entscheidung über Prüfungstermine erinnern. „Es wurde so gehandhabt, wie in den letzten Jahren. Hinterfragt habe ich das bisher nicht.“ Wehmeier verspricht Änderungen. „Wir werden das intern besprechen und Lösungen finden. Zu klären ist dabei der Raum- und Betreuungsaufwand.“
Julia Prange hat inzwischen ihr Klausurergebnis erfahren und ist zufrieden. „Trotz allem ist es irgendwie gegangen. Aber ich hoffe für die Nächsten, dass die Organisation der Prüfungen verbessert wird“, wünscht sich die 24-Jährige.
Geschrieben von Grit Preibisch
von Archiv | 19.05.2008
Studentenwerk erwartet mehr Antragsteller nach BAföG-Erhöhung
Geschenke verteilt der Staat selten. Wenn er es tut, fallen die Gaben meistens nicht sehr großzügig aus. Trotzdem freuen sich viele Studenten über die Erhöhung des BAföGs ab 1. Oktober 2008. Laut Bundestagsbeschluss vom November 2007 bekommen BAföG-Empfänger zehn Prozent mehr Geld. Außerdem erhöhen sich zum Wintersemester die Eltern-Freibeträge um acht Prozent.
„Das ist ein längst überfälliger Schritt“, meint Karl Schöppner, Abteilungsleiter der Ausbildungsförderung des Studentenwerks Greifswald. „Es hätte schon zu einem früheren Zeitpunkt zu einer Erhöhung kommen müssen.“
Die letzte BAföG-Erhöhung war 2001. Seitdem gab es für die Studenten in Deutschland sieben Jahre Nullrunden. In dieser Zeit sind auch die Lebenshaltungskosten kontinuierlich gestiegen.
Die maximale Förderungssumme beträgt statt 585 ab Oktober 642 Euro. Zusätzlich können Studenten mit Kind einen Zuschlag von 113 Euro bekommen. Trotzdem: „Die Vollförderung ist immer noch nicht ausreichend, um die Lebenshaltungskosten komplett abzudecken“, erklärt Schöppner. Das beweist auch eine Studie des Deutschen Studentenwerkes. Laut dessen Erhebungen hat der durchschnittliche Student monatliche Ausgaben von rund 740 Euro.
10 Prozent mehr Geförderte
Bundesweit greift die Ausbildungsförderung für jeden fünften Studenten. In Greifswald, Neubrandenburg und Stralsund erhält jeder vierte Akademiker staatliche Unterstützung. Allein in Greifswald liegt die Förderquote bei 23 Prozent. Von 3348 Antragsstellern bezogen 2568 Studierende im Jahr 2007 BAföG. Zum Wintersemester erwartet das Studentenwerk mehr Antragssteller. Der Grund ist die Anhebung der Eltern-Bedarfssätze um acht Prozent. „Wir freuen uns darüber, dass jetzt mehr Studenten einen Antrag stellen können und staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen können“, sagt Karl Schöppner. „Für das Jahr 2008 gehen wir davon aus, dass sich die Zahl der Antragssteller um 15 Prozent erhöht.“ Genau das passierte nämlich bei der letzten BAföG-Anhebung im Jahr 2001. Damals stellten 16 Prozent mehr Studenten einen Antrag. „Da sich die Chancen auf einen BAföG-Anspruch verbessert haben, rechnen wir mit zehn Prozent mehr Geförderten“, fügt Schöppner hinzu.
Böse Überraschungen vermeiden
Anissa Pauli befürwortet ebenfalls die Erhöhung der Elternbeiträge. „Das war dringend notwendig, weil die meisten Antragssteller wegen zu hoher Freibeträge der Eltern abgelehnt werden“, sagt die Asta-Referentin für BAföG und Studienfinanzierung. Pauli berät und hilft vielen Studenten, die eine Ablehnung bekommen haben. Sie findet, dass die Berechnungen nicht der Realität entsprechen: „Viele Eltern haben zwar ein entsprechend hohes Einkommen, aber auch finanzielle Belastungen. Ohne BAföG könnten sie kein Studium finanzieren.“ Franziska Reute ist derselben Meinung. „BAföG entlastet Eltern, die Schulden haben“, meint die Baltistik- und Slawistikstudentin. Sie finanziert ihr Studium über einen Studienkredit und mit Unterstützung von ihrer Mutter. Franziska empfängt keine staatliche Ausbildungsförderung, weil das Einkommen ihrer Mutter zu hoch ist.
Gedankenlos ins Studium
Viele Studenten unterschätzen das Einkommen ihrer Eltern. Diese Erfahrung hat Anissa Pauli vor allem bei Erstsemestern gemacht. „Es ist erstaunlich. Das Bewusstsein, sich im Voraus Gedanken über die Finanzierung des Studiums zu machen, fehlt oft“, weiß Pauli, „Viele fallen aus allen Wolken, wenn sie abgelehnt werden und merken, dass sie vor dem absoluten Nichts stehen.“ Gegen solche bösen Überraschungen möchte die AStA-Referentin etwas unternehmen. An den Hochschulinformationstagen will sie in Zukunft über BAföG und Studienfinanzierung informieren. „Es ist wichtig, die Studenten vorher zu erreichen“, sagt sie.
Geschrieben von Benjamin Vorhölter