Kino: Zerbrechliches Glück

?Die Töchter des chinesischen Gärtners?

China, 1980er Jahre. Die junge Waisin Li (Mylène Jampanoi, „Die purpurnen Flüsse 2“) absolviert ein Praktikum auf der Insel des Botanik-Professors Chen (Dongfu Lin), der dort mit seiner Tochter An (Li Xiaoran) inmitten eines üppigen und exotischen Gartens lebt. Dort wird sie mit der streng patriachalischen Autorität des akribischen Gelehrten konfrontiert, der keine Nachlässigkeit duldet.

Ihre einzige Verbündete scheint die schüchterne An zu sein, in der Li die Hoffnung weckt, Abwechslung in  die triste Isolation der grünen Oase zu bringen. Zwischen den beiden Mädchen entwickelt sich eine bisher unbekannte Vertrautheit. Sie entdecken behutsam ihre Gefühle für einander und kommen sich in der Einsamkeit der  paradiesischen Kulisse näher. Der Regisseur Dai Sijie arbeitet mit alltäglichen Details und sinnlichen Nahaufnahmen, um die leise Erotik der Beziehung der beiden darzustellen.

Worte bedarf es während der gesamten 95 Minuten Spieldauer nur weniger. Die raschen Gefühlsänderungen der Charaktere verlangen  seltsamer Weise   keiner weitere Erklärung. Abstriche macht die französisch-kanadische Coproduktion bei der Qualität der Technik. Es fehlt etlichen Sequenzen an Auflösung. Das Spiel der Darsteller bleibt aufgrund der Unschärfe teilweise unkenntlich und auch die Kameraführung ist wenig einfallsreich, bedient sich hauptsächlich Standaufnahmen ohne Dynamik. Die technischen Mängel beeinträchtigen jedoch nicht die Dramatik der tragischen Liebesgeschichte der Töchter des Gärtners, deren Geheimnis in einem Land, in dem gleichgeschlechtliche Liebe verboten ist, nicht lange sicher ist.    

Geschrieben von Sarah Bechimer

Spannender als Zeitung

MoritzTV ist erst zehn Jahre jung
Mit einem Spielzeugmikrofon fing alles an. Als erster nur von Studenten gelenkter Studentensender erblickte MoritzTV 1997 das Licht der Welt.

Seitdem hat sich viel getan, nicht aber die Ausnahmestellung der rein studentischen Besetzung: Die Redaktion wuchs auf rund 20 Mitstreiter an, Kameratechnik und Software zum digitalen Schneiden der Beiträge wurden angeschafft, regelmäßig sendet der Kabelsender GTV die rund halbstündige Sendung und nun ist auch MoritzTV mit eigenen Auftritten bei Youtube und MySpace vertreten.

Männer erwünscht

Das Ideal: Jeder Redakteur muss alles können. Ein Konzept erstellen, die Kamera bedienen, das Material schneiden und den Ton bearbeiten. Viele Arbeitsstunden stecken in jedem Beitrag. Sind alle Beiträge einer Sendung fertig, muss die Moderatorin sich Texte überlegen, um die Verbindung zwischen den einzelnen Abschnitten herzustellen. „Wir hätten auch gern einen Moderator“, wünscht sich Jeannette Rische, stellvertretende Chefredakteurin. Bisher engagieren sich mehr Frauen im vom Studierendenparlament (StuPa) unterstützten Medium.

Auch Lebenslaufpusher willkommen

„Sich während seines Studiums zu engagieren ist sehr wichtig“, meint Rische. Neben dem Umgang mit der Technik, wird vor allem die kreative Seite der Redakteure gefordert und gefördert. Auch das Schlagwort Teamfähigkeit wird bei MoritzTV mit Leben gefüllt. Spätere Arbeitgeber erfreuen diese Kompetenzen.  „Und niemand braucht Angst zu haben, auf uns zuzukommen“, beteuert Rische. Jeder an Medien Interessierte sei herzlich willkommen, auch ohne Vorkenntnisse. Und interessanter als Printmedien sei Fernsehen laut der jungen Frau auch: „Bild und Ton ermöglichen mehr Möglichkeiten der Darstellung von Emotionen als das gedruckte Wort.“   

Geschrieben von Martin Haberland, Björn Buß

Mit 41 Prozent ein Rekord

Wahl des Fachschaftrates Medizin mit hohem Partizipationsgrad

Die Beteiligung an der diesjährigen Wahl des Fachschaftsrates Humanmedizin fiel sehr hoch aus. 41 Prozent aller wahlberechtigten Medizinstudenten gaben ihre Stimme ab und zeigten somit ein reges Interesse an der Arbeit des Fachschaftsrates und der hiesigen Hochschulpolitik. Bei vorherigen Wahlen machte nur jeder Fünfte von seinem Recht Gebrauch.

Insgesamt neun Kandidaten buhlten um die Gunst der Wähler – fünf Plätze waren zu besetzen. Alexander Laske wurde anschließend zum Vorsitzenden ernannt.
„Es gibt sicherlich mehrere Gründe, weshalb die Wahlbeteiligung dieses Jahr so enorm ausfiel“, sagt Sven Flemming, der Wahlleiter. „Zunächst einmal stand uns ein wirklich sehr engagiertes Team von Wahlhelfern aus allen Studienjahren der Medizin zur Verfügung. Aufgrund dessen und wegen der stets aktuellen Internetpräsenz via emau.net als Plattform für alle Semester erreichten wir die Mehrzahl der Studenten. Außerdem gestalteten wir sehr anschauliche und informative Infobroschüren, so dass sich jeder ein genaues Bild über Ziele und Vita der einzelnen Kandidaten machen konnte.“

„Um die Studenten zur Wahl zu bewegen, haben wir mobil gemacht“, berichtet Sven Flemming. Nach dem Motto: Kommt der Prophet nicht zum Berg, muss der Berg  halt zum Propheten kommen, sind die Wahlhelfer samt ihres Informationsstandes in einige Medizininstitute gegangen, um die Studenten nach der Vorlesung auf sich aufmerksam zu machen und sie über die Wahl zu informieren. „Die Mediziner waren durchaus bereit zu wählen“, erklärt Flemming, „aber nicht jeder geht regelmäßig in die Mensa, in der die Wahl hauptsächlich stattfand.“

Alexander Laske, der neue Vorsitzende der Fachschaft, freut sich über das große Engagement der Studenten: „Wir werden das Vertrauen der Studenten nicht enttäuschen und arbeiten an der Durchsetzung unserer Ziele. Ich denke da speziell an eine strukturelle Verbesserung des Medizinstudiums in Zusammenarbeit mit dem Fakultätsrat. Außerdem werden wir die Unterstützung lokaler Projekte fortführen wie beispielsweise dem „Teddybär-Krankenhaus“ und „Mit Sicherheit Verliebt“. Ich hoffe, wir werden vom AStA ausreichend finanziell unterstützt, so dass wir diese Projekte auch umsetzen können.“
Die diesjährige Wahl des Fachschaftsrates Medizin war hinsichtlich der 41-prozentigen Wahlbeteiligung ein Erfolg. Für die nächste Abstimmung ist schon ein neues Ziel formuliert worden: Die 60-Prozent-Grenze soll erreicht werden.

Geschrieben von Alexa Bornhorst

Speisen fördern Integration

Das Lichtblick feiert seinen dritten Geburtstag
Am 8. Juni feierte das Lichtblick am Fischmarkt seinen dritten Geburtstag. Im Unterschied zu anderen Gaststätten in Greifswald ist es gleichzeitig auch eine Werkstatt für behinderte Menschen.

 Dort wird den betroffenen Menschen die Möglichkeit geboten, am Arbeitsleben teilzuhaben.

Berufliche Bildung

Einer davon ist der 24-jährige Beikoch Christoph Buhl. Mit Kochmütze auf dem Kopf kümmert er sich um die Gulaschsuppe. Ihm und seinen Kollegen in der Küche steht hilfreich Küchenmeister Gernot Fulge zur Seite. Zusammen mit dem von Sozialpädagogen unterstützten Fachpersonal sorgt er neben dem Tagesgeschäft für die berufliche Bildung und die individuelle Förderung aller Mitarbeiter. Gemeinsam bewältigen sie in wechselnden Schichten von 8 bis 20 Uhr den täglichen Gastronomiebetrieb. Anders als in normalen Restaurants ist hier die Arbeit auf die Stärken des einzelnen Mitarbeiters zugeschnitten. So variiert etwa die tägliche Arbeitszeit zwischen fünf und sieben Stunden. Und wenn mal die Luft raus ist, lädt ein heller Pausenraum zum Ausruhen ein. Hier treffen sich die etwa 40 Mitarbeiter des ganzen Hauses. Neben dem Lichtblick hat der Pommersche Diakonieverein Züssow als Träger der Greifenwerkstatt auch die Werkstattbereiche Näherei, Büroservice und Werk-Stadtladen im Haus integriert.

Am Markt etabliert

Dass das Konzept Lichtblick auch bei den Gästen ankommt, zeigt die kleine Schlange, die sich oft zur Mittagszeit am Tresen bildet. „Abwechslungsreiche Mittagskost zu fairen Preisen. Viele haben das Lichtblick in den letzten drei Jahren zu schätzen gelernt. So verwundert es nicht, dass die Zahl der Stammgäste weiter wächst und sich durch alle Altersklassen zieht“, berichtet Ulf Hrybinski, der Leiter des Hauses. Anlässlich des Geburtstages sind  besondere Aktionen geplant. Dazu erzählt Ulf Hrybinski: „Wer im Juni nachweislich fünf Mal bei uns zum Mittagstisch Gast war, kommt in einen Lostopf und kann mit etwas Glück zum Martinstag am 11. November zum Mittagessen ins Lichtblick eingeladen werden.“
    

Geschrieben von Frauke Kibscholl, Anne Thal

Die Tasche packen zum Lernen

Exkursionsproblematik an der Greifswalder Universität

Die in einigen Fachbereichen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität unabdingbare Exkursionspflicht bringt für manchen Studenten einige Schwierigkeiten im Studienverlauf mit sich. Erschwernisse wie Finanzierung oder Angebotsmangel stellen sich der Einlösung von Exkursionstagen in den Weg. Die wissenschaftlichen Lehrveranstaltungen sind ein sinnvoller und integraler Bestandteil des Lehrangebotes: Theorie kann durch die Reisen plastisch begriffen werden.


In Studienfächern wie der Kunstgeschichte, Theologie, Geschichte oder Geographie sind Exkursionen zur Vertiefung und praktischen Erfahrung des Lernstoffes von unschätzbarem Wert. So stellt das Erleben von Bauwerken, das Erforschen geographischer Räume oder das Erfahren von historischen Orten die intensivste Form der Lehre dar. Dr. Michael Lissok, Dozent für Kunstgeschichte, meint, sein Fachbereich wäre ohne das Einbeziehen von Exkursionen nicht zu absolvieren.

Probleme beim Angebot wissenschaftlicher Reisen

Trotz der Erkenntnisgewinne für die Studenten entwickeln die – teilweise in hoher Anzahl geforderten – Exkursionstage immer mehr Barrieren, die in der Studienberatung und im Zentralen Prüfungsamt gelöst werden müssen. Die Zahl der verlangten Lehrexkursionen schwankt zwischen sieben Tagen in einigen Magister Nebenfächern und Bachelorfachrichtungen bis hin zu dreißig Tagen in besonders praxisorientierten Studienfächern.
Aufgrund der bekannten Einsparungen an der Greifswalder Hochschule, die sich vor allem bei der Anzahl der Lehrkräfte bemerkbar machen, sind auch bei der Exkursionspflicht Konsequenzen entstanden. So sind die Lehrangebote für mehrtägige Exkursionen an vielen Instituten stark eingeschränkt und die Teilnehmerzahl demzufolge begrenzt. Durch das „Schrumpfen“ einiger Einrichtungen sind nicht mehr ausreichend Dozenten für die Durchführung solch wissenschaftlichen Reisen zu finden. Denn für eine Teilnehmerzahl von zwanzig Studierenden sollten mindestens zwei Lehrende die Effektivität einer solchen Veranstaltung gewährleisten. Bei vielen Studenten wird neben dem Lehrangebot für Exkursionen auch deren finanzielle Bewältigung zu einem Problem. Durch die angesprochenen Kürzungen werden diese Reiseveranstaltungen nicht mehr so gefördert wie noch vor einigen Jahren. Erhielt eine Exkursionsgruppe früher anteilig Reisekosten für die Unterkunft zurück, so werden heutzutage lediglich Fahrt- und Nebenkosten bezuschusst. Tages- und Wochenendexkursionen werden überhaupt nicht finanziell unterstützt. Die Zuschussmittel werden zu einem Teil vom Land Mecklenburg-Vorpommern und zum anderen Teil durch den Institutshaushalt finanziert. Durch die Zuschusskürzungen der letzten Jahre kann es unter Umständen dazu kommen, dass Exkursionsteilnehmer für eine einwöchige Reise Kosten von bis zu 700 Euro auf sich nehmen müssen.

Finanzanträge können helfen

Dennoch gibt es weiterhin Möglichkeiten für Exkursionsgruppen, aber auch den Einzelnen, finanzielle Unterstützung zu beantragen. Zum einen kann ein Finanzantrag beim AStA-Referenten für Finanzen gestellt werden: Maximal 300 Euro vergibt der Referent. Sollte ein höherer Betrag benötigt werden, ist es möglich, einen Finanzantrag im Studierendenparlament (StuPa) zu stellen. Ganz egal, wie hoch der Zuschuss ausfallen soll, die Einnahmen und Ausgaben müssen dargestellt werden und zwischen den Gesamtkosten der Exkursion und den beantragten Zuschuss sollte ein vernünftiges Verhältnis bestehen. Klar erkennbar sollte ebenfalls der Zweck des Zuschusses sein. Durch die Mühlen der beiden studententischen Gremien gehen Finanzanträge zur Bezuschussung einer Exkursion gewöhnlich schnell. Als hilfreich erweist sich, mit dem notwendigen Procedere vertraut zu sein. Einfacher ist da nur noch der Weg zum eigenen Fachschaftsrat. Exkursionen ins Ausland fördert beispielsweise  der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD).

Wissenschaftliche Reisen sind ein Muss

Die Einschränkungen im Lehrangebot für Exkursionen und die finanziellen Belastungen sollten nicht dazu führen, dass diese Lehrform verloren geht. Zwar sind die Exkursionsbescheinigungen bei einem Großteil der betroffenen Fachrichtungen noch zulassungsverpflichtend für Prüfungen, doch haben sich auch hier schon erste Änderungen gezeigt. Exkursionen sind in einigen Teilbereichen der Philologie nur noch freiwillig, was auch durch den Angebotmangel zu erklären ist, der sich wiederum aus dem Lehrkräftemangel erschließen lässt. Rechtzeitiges Bemühen um einen Exkursionsplatz ist wichtig, besonders  um die universitären Finanzierungsmöglichkeiten auszuschöpfen. Für einen reibungslosen Ablauf des Studiums müssen für jeden Greifswalder Studenten Regelungen und Verbesserungen angestrebt werden, damit sich die studienbedingte Exkursionspflicht nicht zu einer Problematik beim Studienabschluss entwickelt.              

Geschrieben von Saskia Arnold