von Archiv | 17.06.2005
Seine Kolumne hat im moritz Tradition, seine Texte sprudeln vor wilden Assoziationen über und er selber ist der inzwischen dienstälteste moritz-Redakteur: Arvid Hansmann.
Im Mai 2001 kam er zum moritz, wollte seine Gedanken zur Welt veröffentlichen und über Kino schreiben. Stattdessen beauftragte ihn Chefredakteur Robert Tremmel, eine Erotik-Messe im Schönwalde-Center satirisch unter die Lupe zu nehmen.
Erst ein Jahr später – im April 2002 – erschien dann die erste ganzseitige „Kolumne“ und ab der Juni-Ausgabe war die Kolumne dann das, was sie bis heute geblieben ist: ganzseitig auf der letzten Seite.
„Die Kolumne ist für mich Dokument und Instrument, eine Art Weiterentwicklung des reinen Textes“, sagt der 24-jährige Magisterstudent im 12. Semester. Vielleicht muß man Kunstgeschichte, Nordische Geschichte und Christliche Archäologie studieren, um den Zwängen der Kolumnenform so zu entfliehen, wie Arvid es tut. Die Überschrift ist schon mal ein Cicero-Zitat, das sich erst beim zweiten Lesen entschlüsselt und die Bilder illustrieren nicht nur. Einigen kann man bei genauem Betrachten versteckte Botschaften entlocken. „Meine Kolumne ist nicht umsonst im „Spiel-und-Spaß“-Teil des moritz gelandet, sie ist immer auch ein wenig Rätsel“, erläutert Arvid.
„Die Ideen kommen mir meistens durch einen aufmerksamen Blick auf meine Umwelt“, philosophiert Arvid, „und wenn ich nicht mehr weiter weiß, lasse ich mich meistens von der Bibel inspirieren aber auch schon mal von Nietzsche oder von Helge Schneider.“
Den Filmen und insbesondere George Lucas‘ Sternensaga Star Wars ist er trotz aller Kolumnen-Gedankenspielereien auf kryptischen Ebenen treu geblieben. Die Faszination macht für Arvid vor allem der Genremix des Weltraumepos aus und so nebenbei auch eine Hauptdarstellerin „mit überaus ansprechender Ästhetik“, schmunzelt er. So war es denn auch kein Wunder, dass er sich in die Presse-Vorab-Vorführung des dritten und letzten Teils von Star Wars setzte und noch in derselben Nacht einen begeisterten Kurzbericht schrieb.
Und dann wäre da noch die Berlinale, über die er in diesem Jahr bereits zum dritten Mal berichtet hat. Zwar jedes Mal ohne Presseakkreditierung, aber dennoch immer so nah dran, dass er seit 2003 George Clooney, Richard Gere, Jack Nicholson oder Roland Emmerich über den Weg lief.
Was er später beruflich machen wolle? Tja, das sei die Preisfrage für jeden Magister, so Arvid. Irgend etwas mit Religion, Journalismus oder Museum: „In Anlehnung an Robbie Williams‘ „Road to Mandalay“ kann ich nur sagen: There are still dragons left to slay.“
Geschrieben von Ulrich Kötter
von Archiv | 17.06.2005
Kurt Tucholsky hatte unrecht: „Alle vier Jahre tun wir so als ob wir täten,“ schrieb er 1931 über die Wahlen. Dabei wurde der Reichstag zu Tucholskys Zeiten schon weit öfter gewählt als alle vier Jahre, und ab 1933 lange überhaupt nicht mehr richtig. Jetzt tun wir wieder häufiger als ob wir täten um über das reale Defizit an Politik und Beteiligung hinwegzutäuschen.
Weil der Kanzler nicht mehr regieren will, sollen wir wählen. Dabei sind Wahlen für alle Beteiligten eine qualvolle Angelegenheit. Kandidaten müssen einen Sommer lang kleine Kinder küssen und Versprechen machen ohne sich dabei zu versprechen. Die Wahlberechtigten versuchen, sich zwischen den fiktiven Geschenkpaketen zu entscheiden. Nur für die nicht Wahlberechtigten sind Wahlen eine gelungene Unterhaltungsveranstaltung.
Im Herbst 2000 war ich gerade zwei Monate in New York, als ich in vier Tagen Wahlkampf mit dem Zettelverteilen für eine pro-Hillary-Clinton-Lobbygruppe meine Monatsmiete einspielte. Die Kandidaten hatten auf dubiose Spenden verzichtet, so dass der Geldsegen auf von den Lobbygruppen angeheuerte Wahlkämpfer fiel. Zur Europawahl 2004 war ich in Argentinien. Zusammen mit meinem Gastgeber begutachtete ich die Parteien, die auf dem Briefwahlzettel bekundeten, mich im Europäischen Parlament vertreten wollten. Ein halbes Dutzend dieser Parteien wollte Deutschland zu seinen christlichen Wurzeln zurückführen oder die deutsche Umwelt vor Ausländern schützem – und das im EU-Parlament. Bevor ich ihm das erklären musste, fand Martin den Namen Daniel Cohn-Bendit auf der Liste der Grünen. Ich sollte doch Dany Le Rouge wählen, sagte er. Das machte ich auch. Soviel Einfluss habe er noch nie auf EU-Politik gehabt, meinte er. Das alles ging auf die Rechnung meiner EU-staatsbürgerlichen Verantwortung.
Wenn ich keine Verantwortung für das Wahlergebnis habe, machen auch mir Wahlen spaß. So die U.S.-Präsidentschaftswahl 2004. Ich kann nur sagen: Ich war’s nicht, und ich hätte es auch nicht gewesen sein können. Mich fragt keiner, ob ich an der Grenze meine Fingerabdrücke hinterlassen oder meinen Nachbarn in den Krieg schicken möchte. Wenn man nicht wählen darf, sind Wahlen wie Kino. Wer will schon bei einer Tragikomödie mitspielen, wenn man sie unbeteiligt im Fernsehen verfolgen kann? Am 2. November nachts um halb drei mit Ungewissheit ins Bett gehen und am 3. November mittags heulen, wenn John Kerry wie der edle und weniger skrupellose Cowboy die Wahl stilvoll verloren gibt. Bei den Bushs wedeln junge Mädels so eifrig mit rot-weiß-blauen Fähnchen wie sie das auch in Kuba für den Revolutionsführer tun.
Bei welcher Liste soll ich im September mein Kreuz machen, an meinem Küchentisch weit weg? „Es is so ein beruhjendes Jefiehl. Man tut wat for de Revolutzion, aber man weeß janz jenau: mit diese Partei kommt se nich.“ Und das ist wichtig. Das wusste schon Tucholsky. Let the games begin: Wer Preisrichter ist, muss auch abstimmen. Nur die anderen dürfen sich über das Ergebnis beschweren. Das sind die Regeln.
Geschrieben von Christiane Wilke
von Archiv | 17.06.2005
Natürlich wollen wir es nicht versäumen, Euch das Rezept für das Wildschwein mit Rosmarinkartoffeln und Apfelrotkohl zu verraten. moritz und der Kanzler wünschen viel Erfolg und guten Appetit
Vorspeise: Radeberger Käsesuppe
Zutaten: (für 5 bis 6 Portionen)
3 Stangen Lauch
6 Radeberger „Knacker“
2 Becher Schmelzkäse Sahne (200g)
1 Becher Schmelzkäse Kräuter (200g)
1,5l Hühnerbrühe (instant)
Die Knacker in kleine Stücke schneiden und in einem großen Topf in etwas Öl anbraten.
Die Brühe hinzugeben und zusammen mit dem Lauch kurz aufkochen. Den Käse hinzugeben und die ganze Suppe eine halbe Stunde auf kleiner Flamme kochen.
Hauptgericht: Wildschwein nach Kanzlers Art mit Rosmarinkartoffeln und Apfelrotkohl
Zutaten: (für 4 Personen)
1kg Wildschwein, bevorzugt Keule (demnächst aus dem Universitätsforst)
1 große Mohrrübe
2 Stangensellerie
1 Knoblauchzehe
1 Stange Lauch
1 Zwiebel
etwas Tomatenmark
etwas Wildgewürz
Pfeffer aus der Mühle
100 ml trockenen Rotwein (z.B. Chianti Classico)
Das Fleisch von Fett und Sehnen befreien und in einem schweren Bräter von beiden Seiten circa 10 Minuten anbraten. Das Gemüse würfeln und zusammen mit dem Tomatenmark in den Schmortopf geben. Das Fleisch nun mit Salz und Pfeffer würzen, ggfs mit etwas Wildgewürz. Anschließend wird der Braten mit dem Rotwein abgelöscht und in den mit 160 Grad vorgeheizten Backofen gestellt. Das Fleisch ist nach 1 Stunde gar und sollte ab und zu mit etwas Bratenflüssigkeit übergossen werden.
Rosmarinkartoffeln
500g kleine Kartoffeln (fest kochend)
1 Zweig frischen Rosmarien
Die Kartoffeln werden geschält und in Salzwasser gar gekocht. Das Olivenöl wird in einer Pfanne erhitzt und die Kartoffeln werden zusammen mit dem Rosmarin hinzugeben. Großzügig salzen und solange garen, bis die Kartoffeln leicht angeröstet sind.
Sauce
2 EL Pinienkerne
1 EL Rosinen (in 4cl Cognac eingelegt)
1 EL Kakao
1 TL Zucker
1 EL Zitonat
3 EL Aceto balsamico
Kakao und Zucker zusammen mit den Pinienkernen in einer kleinen Pfanne anrösten. Das Zitronat unter ständigen Rühren hinzufügen und mit Balsamico und den Rosinen ablöschen.
Das Gemüse aus dem Bräter nehmen und durch ein Spitzsieb drücken. Anschießend den Bratensaft in die Pfanne geben und etwas reduzieren lassen.
Apfelrotkohl
1 Glas oder Schlauch Rotkohl
1/2 Apfel
1 El Zucker
Muskat
Den Apfel mit einer Reibe zerkleinern und zusammen mit dem Rotkohl in einen Topf geben. Auf mittlerer Hitze kochen und mit Zucker und Muskat abschmecken.
Das Fleisch aufschneiden und mit der Sauce übergießen, anschließend mit den Kartoffeln und dem Rotkohl anrichten. Als Getränk empfiehlt sich ein trockener Rotwein (den man auch zum Kochen benutzt hat).
Geschrieben von Michael Boortz, Dr. Thomas Behrens
von Archiv | 17.06.2005
„Es gibt keinen Koch, der keine Brandblasen hat!“ Wenn man als angehender Hobbykoch solche Sätze vor dem eigenen Herd vernimmt, sollte größte Vorsicht geboten sein. Doch Unfälle gab es glücklicherweise nicht beim „Kanzlerkochen“ mit Dr. Thomas Behrens. Der oberste Chef der Uni-Verwaltung hatte sich in Vertretung für Rektor Rainer Westermann bereit erklärt, anlässlich der 50. Ausgabe des moritz mit einigen Redakteuren ein Geburtstagsmahl zu bereiten.
Der Rektor hatte per E-Mail mitgeteilt, dass er außer „Trivialem“ nichts beisteuern könne, doch er folgte dem Beispiel des konstruktiven Misstrauensvotums im Bundestag und lieferte eine Alternative: Kanzler Thomas Behrens.
Auf dem Speiseplan stand etwas ganz Besonderes: Als Vorspeise eine Radeberger Käsesuppe, gefolgt von Wildschwein aus dem Universitätsforst, serviert mit Rosmarinkartoffeln und Apfelrotkohl, abgeschlossen durch ein Stück Quarktorte als Dessert.
Der Kanzler erschien pünktlich um 18 Uhr in sportlich-legerer Kleidung und selbst entworfenem „Nein zu Stellenkürzungen“-T-Shirt in der Küche der Studenten-WG in der Makarenkostraße. Er begann nach kurzem Small-Talk mit der Zubereitung des Wildes und berichtete dabei von seiner Studienzeit in Bochum und Marburg. Das Kochen hat er bei seiner damaligen Mitbewohnerin gelernt. „Sie war eine grandiose Köchin, meinte aber immer, sie könne nicht kochen“, gab Behrens zum Besten. „Ich habe bei ihr also das „Nicht-Kochen“ gelernt“, schmunzelte der passionierte Hobbykoch.
Unter Kommilitonen war Behrens für seine Pizzas bekannt, die 1969 noch sehr selten in Deutschland waren. Er erinnerte sich, dass es in ganz Bochum nur einen Italiener gab und ein Nudelgericht damals 2 Mark 50 kostete. Heute kocht der „Essen und Trinken“-Abonnent für Familie und Kollegen und an diesem Abend auch mit dem moritz-Team.
Gegen 19 Uhr wurde die Vorspeise serviert und die ersten Gläser „Chianti Classico“ getrunken – natürlich auf das Wohl des moritz. Nach einer guten Stunde Garzeit folgten dann der Hauptgang und anschließend das Dessert.
Während des Essens kam der Kanzler auf die Zukunftspläne der Universitätsverwaltung zu sprechen. So soll das Wild, das jedes Jahr im Universitätsforst erlegt wird, in Greifswalder Geschäften angeboten werden. Außerdem soll es bald einen eigenen Uni-Shop geben, in dem Pullover oder T-Shirts mit dem EMAU-Logo verkauft werden. Die Gewinne aus den Verkäufen werden direkt dem Körperschaftshaushalt der Uni zu Gute kommen, aus dem zum Beispiel auch die Renovierung der „Kiste“ bezahlt wurde.
Etwas wehmütig bemerkte der Kanzler gegen Ende des formidablen Mahls, dass die Esskultur heutzutage sehr nachgelassen habe: „Niemand nimmt sich noch die Zeit zu genießen. Jeder sitzt am Tisch für sich alleine und schlingt nur noch sein Essen herunter“.
Bleibt nur zu hoffen, dass wir moritz-Redakteure bei ihm ein besseres Bild hinterlassen haben..
Geschrieben von Michael Boortz
von Archiv | 17.06.2005
…die ganzen alten Chefredakteure, Mitstreiter und Vordenker des moritz heute? moritz hat für euch quer durch Deutschland recherchiert…
Mirko Gründer schreibt zur Zeit an seiner Doktorarbeit am Graduiertenkolleg in Bamberg. Seine Zukunft ist für ihn äußerst offen – irgendwo zwischen Uni, Presse und Verlagswesen.
Seine congeniale moritz-Mitstreiterin Christiane Wilke wohnte seit fünf Jahren in New York und arbeitet ab Juli an der Carleton University in Ottawa in Kanada. Christiane hat ihre Promotion in Politikwissenschaft schon hinter sich und will auf jeden Fall weiter forschen und lehren.
Kai Bauhoffer ist im Moment Rechtsreferendar in Dortmund und strebt – welche Überraschung – das zweite juristische Staatsexamen an. Wenn die Note für das Richteramt nicht reicht, wird er doch noch Journalist.
Caroline Blatz ist dem moritz verborgen geblieben; Gerüchten zufolge hält sie sich zur Zeit in Straßburg auf, wo übrigens auch Kay-Uwe May weilen soll.
Robert Tremmel studiert im 10. Semester an der hiesigen Uni, schneit sogar ab und zu noch mal im moritz-Büro herein und wünscht sich für die Zukunft vor allem, gesund und munter zu bleiben. Vielleicht sieht man ihn irgendwann zwischen Greifswald, Krakau und Tirana als freischaffenden Journalisten herumtingeln.
Norman Gorek studiert in Greifswald Skandinavistik, Amerikanistik und Niederdeutsche Philologie. Nach dem Magisterabschluß wird Norman Halle Berry heiraten und ein eigenes Formel 1-Team gründen.
Geschrieben von Ulrich Kötter