von Archiv | 17.06.2005
Man soll aufhören, wenn‘s am schönsten ist, sagt ein bekanntliches Sprichwort. Vor drei Jahren feierten Oasis‘ Fans ihr letztes Album „Heathen Chemistry“. Viele dachten es sei vorbei mit der Band, doch sie irrten sich. Nach dreijähriger Pause präsentieren die selbsternannten Britpop-Könige pünktlich zum Sommer ihr sechstes Album. „Don‘t believe the Truth“ heißt ihre neue Scheibe und knüpft an gute alte Zeiten an. Die Gallagher-Brüder zeigen 10 Jahre nach ihrem Debüt, dass sie immer noch zur Musikwelt dazu gehören. Während ihrer letzen Tournee durch die Vereinigten Staaten lief nicht alles glatt. Nach einem Autounfall mussten Konzerte abgesagt werden und später hörte man nur noch Negativschlagzeilen von einer Schlägerei in München. Dies ist nun drei Jahre her und sie können gelassen mit ihren neuen Liedern durch die Clubs und Hallen ziehen. Oasis spielt den Sound, den sie immer suchten und selbst eingeschworenen Kritikern kommt die ewig lallende Platte langsam melodisch vor. In ihrem letzten Song „I can see it now“ spürt man den Drang nach Zukunft, nach Droge, nach der ersten Platte von Oasis.
von Archiv | 17.06.2005
Süß und hinterlistig – so lautet die deutsche Übersetzung des zweiten Albums des neuen Sterns am finnischen Rockhimmel – Negative. Unschuldig sehen sie aus, mit ihrem Glitter Make-Up, das wehmütig an fast vergessene Glamrock-Zeiten erinnert. Doch mit Mitte zwanzig haben die fünf Finnen schon so einiges erlebt. Die Band, bestehend aus Jonne (Gesang), Larry (Gitarre), Sir Christus (Gitarre), Jay (Schlagzeug) und Snack (Keyboard), fand sich schon 1997 zusammen, eine Zeit in der noch einige ihrer Idole Glanzzeiten hatten. So lassen sich Einflüsse von Guns’n’Roses oder Mörtley Crue einfach nicht überhören. Negative vereinen gleich mehr als 3 Jahrzehnte in ihrer Musik. Sie mischen, nicht nur äußerlich Glamrock der 70-er mit dem Hairmetal der 80-er und kombinieren geschickt den melancholischen Düsterrock, á la Ville Valo, der 90-er Jahre dazu. Das Endprodukt kann sich auf jeden Fall sehen und hören lassen und so ist es kein Wunder, dass die Jungs von Negative in ihrer Heimat längst kein Geheimtipp mehr sind. Das Album beginnt zwar mit einem eher ruhigen Intro doch schon die beiden folgenden Songs „Frozen To Lose It All“ und „The Moment Of Our Love“ zeigen den Weg des Albums. Sehr glatt produzierter Rock voller Kraft und Leidenschaft zieht den Hörer mit eingängigen Melodien in seinen Bann. Wer also auch meint, eine Hairmetal-Retrophase ist längst überfällig und hat mit The Darkness nur angefangen, hat hier neues Material mit Suchtfaktor. Also kaufen, kaufen, damit Negative auch in Deutschland bald als Headliner unterwegs sein können.
Geschrieben von Delia Holm
von Archiv | 17.06.2005
Es war einmal eine talentierte junge Sängerin. Musikalisch verschrieb sie sich dem Jazz, tingelte durch Clubs und gab Konzerte in Nobelhotels der Hauptstadt.
Doch dann streckte die Plattenindustrie nach der hübschen Sängerin, die sich durch Model-Gagen ihre Demo-Tapes finanzierte, die Finger aus. Herausgekommen ist das Album „My Innermost“, platt, zusammengestaucht und massenkompatibel. Und soll angeblich das Debütalbum sein. Ist es aber nicht. Ihre erste Platte ist „Pieces of Dreams“, eine Jazz-Album. Doch die wurde kurzerhand aus der Biografie geschmissen.
Die Stimme von Joana Zimmer ist immer noch faszinierend, aber es ist Billig-Pop, schnell produziert mit Blick auf die Massen. „I Believe“ hat es bereits in die Top Ten der Deutschen Charts geschafft. Ende gut, alles gut.
Geschrieben von Judith Küther
von Archiv | 17.06.2005
Total durchgeknallt. Tophits covern – im Countrystyle. Dazu sexy Cowboy-Outfits, fertig ist die ursprünglichste Boygroup aller Zeiten, bestehend aus Boss, Hoss, Russ, Guss, Frank, Hank und Ernesto. Schon der Opener „Hey Ya“ ursprünglich von Outkast gehiphopt, sitzt einfach von vorn bis hinten wie ein blitzblank polierter Revolver im passenden Hüftgürtel. Kaum wiederzuerkennen ist ebenfalls „Toxic“ von Britney Speras, nun mit Banjo und Pferdegetrappel. „Loser“ von Beck klingt in Whiskey-Atmosphäre genuschelt eh besser als das Original. Die lässige Bonanza-Coolheit der Asphalt-Cowboys kommt besonders authentisch rüber bei „Hey Joe“ von Jimi Hendix, untermalt von Cowboy-Gejuchze und saftigen Gitarren-Riffs. Unbedingter Anspieltipp: „Like Ice in the Sunshine“. Weitere Highlights: Billy Idols „Eyes without a Face“ und „Sabotage” von Beastie Boys.
Geschrieben von Judith Küther
von Archiv | 17.06.2005
Nachts leuchten nicht nur die Sterne – SILBERMOND im moritz – Gespräch
Silbermond rockte Stralsund und die Rufe nach Zugaben wollten nicht abklingen. Am 10. Juni fand das 9. Stralsunder Brauerei-Hoffest statt, das den Rahmen für Auftritte junger deutscher Bands bot. So begeisterten Tele, Klee, Juli, 2raumwohnung und eben auch Silbermond das Publikum. Die junge Nachwuchsband aus Bautzen, die zunächst mit englischsprachiger Musik begann, gilt heute als eines der Aushängeschilder deutschsprachiger Popmusik. moritz sprach mit Stefanie, Johannes, Andreas und Thomas über ihren Erfolg, Musik aus Deutschland und ihre Skandinavientour.
moritz: Ihr habt euch bei dem Jugendprojekt „Tensing“ kennengelernt und später als Band „JAST“ zunächst englisch getextet. Welche Vorteile hat es, nun in deutscher Sprache zu veröffentlichen?
Stefanie: Man braucht kein Wörterbuch mehr mit sich rumschleppen. Es ist einfacher, seine Gedanken auf Deutsch auszudrücken, als lange nach Übersetzungen zu suchen.
Thomas: Zuerst haben wir englische Songs gecovert und uns kurze Zeit im Texten auf Englisch probiert. Irgendwann meinte dann aber Andreas „Sag es treffender“ und legte einen deutschen Text vor.
Ihr schwimmt zurzeit auf der sogenannten „Neuen Deutschen Welle“. Was macht deutsche Musik und euch momentan so erfolgreich?
Thomas: Die „Neue Deutsche Welle“ ist eigentlich nur ein Begriff der Medien. Deutsche Musik war ja schon immer erfolgreich, wie man an Grönemeyer, den Ärzten und den Toten Hosen sehen kann. Wir wollen uns aber nicht anmaßen, uns mit diesen Größen des Musikgeschäfts zu vergleichen. Wir freuen uns, am derzeitigen Erfolg deutschsprachiger Musik teilhaben zu können. Außerdem hoffen wir, dass man uns noch in zehn Jahren kennt und aus der Welle ein Meer wird.
Was haltet ihr von dem „Kulturauftrag“ der deutschen Medien bzw. der „Deutschquote“?
Thomas: Wir sind keine Freunde der Deutschquote. Die Diskussion darum ist inzwischen fast im Sande verlaufen, als deutschsprachige Musik so erfolgreich wurde. Kunst findet ihren Weg – ob mit oder ohne Gesetz.
Im Auftrag des Goethe-Instituts seid ihr eine Woche durch Skandinavien getourt. Mit welchem Ziel?
Stefanie: Sie haben uns angesprochen und wir waren sofort begeistert. Das Goethe-Institut ist daran interessiert, die deutsche Sprache in andere Länder zu tragen. Auch andere Bands wie „Mia“ und „Clueso“ stehen mit ihnen in Verbindung.
Wie waren die Reaktionen auf eure Konzerte?
Stefanie: Positiv. Auch wenn uns nicht alle Skandinavier kannten, war ihnen deutsche Musik vertraut. Den Refrain von „Symphonie“ konnten sehr viele mitsingen, da die deutsche Sprache dort relativ populär ist. Insgesamt war die Tour für uns eine tolle Erfahrung.
Geschrieben von Cornelia Leinhos, Grit Preibisch