von Archiv | 17.06.2005
Stanley Kubricks unbekanntes Meisterwerk
1961 versprach John F. Kennedy dem amerikanischen Volk noch vor Ende des Jahrzehnts auf dem Mond zu landen. Die U.S.A und die UdSSR befanden sich zu diesem Zeitpunkt schon seit längerem in einem Wettstreit um die größten Fortschritte in der Raumfahrt. 1957 waren es die Russen, die mit dem „Sputnik“ den ersten Satellit in den Weltraum schossen.
Ein paar Jahre später schickten sie mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins All. Für das Selbstwertgefühl der Amerikaner war das Versprechen, das Kennedy zwei Jahre vor seiner Ermordung gemacht hatte, von großer Bedeutung – wenn auch nicht leicht zu verwirklichen. Die NASA rechnete damals angeblich eine Wahrscheinlichkeit von 0,0017 Prozent für das Gelingen des Vorhabens aus. Um so größer war das weltweite Erstaunen, als man 1969 dem Team um den amerikanischen Astronauten Armstrong in einer Live-Übertragung tatsächlich bei den ersten Schritten auf dem Mond zusehen konnte. Es war die Sensation und für Präsident Nixon eine willkommene Ablenkung der öffentlichen Aufmerksamkeit vom Vietnam Krieg.
Heute, mehr als 30 Jahre danach, glauben 20 Millionen Amerikaner immer noch nicht an die Mondlandung. Vielmehr vermuten sie hinter der Expedition eine Inszenierung auf Hollywood-Niveau, die sogenannte Moonhoax.
Anhänger dieser Verschwörungstheorie behaupten die Mondlandung wäre in einem Studio in der Wüste Nevadas gedreht worden. Unter der Regie von Stanley Kubrick. Die Darsteller und die Crew seien nach Beendigung des Drehs mit neuen Identitäten versehen, außer Landes geschafft und später, als ihr Wissen der Regierung zu gefährlich erschien, einer nach dem anderen umgebracht worden. Gestützt werden diese Theorien durch Wissenschaftler, die Aufnahmen der NASA analysieren. So verschwinden auf manchen Fotos zum Beispiel die Fadenkreuze hinter den Astronauten. Für Kritiker ein Anzeichen dafür, dass die Bilder entweder von der NASA unsauber manipuliert wurden oder die Kreuze auf den Studiokulissen aufgemalt waren. Die Schatten der Astronauten wiesen in verschiedene Richtungen, was darauf zurückzuführen sei, dass bei den Studioaufnahmen künstliche Lichtquellen benutzt wurden. Ein anderes Indiz für eine vorgetäuschte Landung sind die gut erhaltenen Filme. Auf dem Mond wird es bis zu 138°C heiß, Temperaturen bei denen die Filme in den Kameras schmelzen müssten. Argwohn ruft auch die hell erleuchtete amerikanische Flagge hervor, die zudem auch noch weht – obwohl es auf dem Mond aufgrund der fehlenden Atmosphäre doch gar keinen Wind gibt.
Die Gegendarstellung dazu findet man ausführlich unter www.appollo-projekt.de.
Warum wittern die Menschen eigentlich hinter allem eine Verschwörung?
Klaus Beck, Professor für Kommunikationswissenschaft am Institut für deutsche Philologie, beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Medienverschwörungen. Er vermutet bei den Ungläubigen fehlendes Vertrauen in die Berichterstattung. Die Geschichten, die uns in den Medien angeboten werden, sind mittlerweile durch räumliche und zeitliche Entfernungen so abstrakt geworden, dass man sie als normaler Mensch nicht mehr überprüfen kann. Entweder man interpretiert die Informationen so lange um, bis sie ins eigene Weltbild passen oder man akzeptiert nur die Teile, die vorstellbar sind. Diesen Vorgang nennt man in der Kommunikationswissenschaft kognitive Dissonanz.
In den letzten 30 Jahren hat die Medienglaubwürdigkeit erheblich abgenommen, was vor allem dadurch zu erklären ist, dass die Medien stärker über sich selbst berichten. So wird auch der Leser oder Zuschauer angeregt, Informationen kritisch zu beurteilen.
Geschrieben von Henrike Steiner
von Archiv | 17.06.2005
Podcasts revolutionieren die Hörgewohnheiten
„Es gibt keine Geheimnisse, nur Informationen, die du bislang noch nicht hast,“ lautet das derzeitige Motto der Generation Download. Dieses Zitat stammt von Adam Curry, dem Erfinder des Podcast.
Podcasts sind private Sendungen, die dem Radio nur insofern ähneln, dass man sie hören kann. Podcast richtet sich nicht an alle, sondern bietet Special-Interest-Themen in loser Folge, wöchentlich oder täglich.
Adam Curry war der Meinung, dass eine ständige Online-Verbindung, um auf dem Laufenden zu sein, noch lange nicht Realität sein wird. Er wollte Infos parat haben, ohne ständig auf das Internet zurückzugreifen.
Der Name Podcast stammt von dem berühmtesten mp3-Player, Apples iPod und dem englischen „broadcast“ (etwa: „senden“ oder „Rundfunksendung“). Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man zum Hören einen iPod braucht. Die Sendungen sind auf jeden mp3-Player übertragbar oder am PC anzuhören.
Was früher eine Nische für Nerds und Tech-Freaks gewesen ist, etabliert sich inzwischen weltweit. So auch in Deutschland. Jeder kann einen Podcast jederzeit und überall hören. Auf dem Weg zur Uni, am Strand oder beim Einkaufen.
„Ich quatsche in meinem Podcast „Schlaflos in München“ spontan und meist unvorbereitet drei bis fünf Minuten über ein Stichwort, dass ich mir ausdenke, oder das mir Hörer schicken. Mal informativ, mal skurril, je nach Laune,“ sagt Annik Rubens, die einen festen Teil ihrer Hörer im Ausland, wie Kalifornien oder Kanada hat.
Für Norman Osthus war Radiomachen schon immer ein Traum, den er jetzt durch seinen Podcast näher gekommen ist. In seiner Sendung „Normcast“ bringt er News, Aktuelles, IT-Themen, aber auch Neues aus der prominenten Welt untermalt von Musik und unterhält seine Hörer damit aufs Feinste, spielend leicht und mit einer sehr sympathischen Stimme. „Radiojournalismus war früher mein Jugendtraum, der heutzutage nicht ganz so unrealistisch daherkommt,“ schwärmt der studierte Mathematiker aus Gütersloh.
Zu den Special-Interest-Podcasts zählt Thomas Wanhoff mit seiner Wissenschaftssendung „Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft“ (WWWW), die er einmal wöchentlich produziert. In denen streift er schon einmal mit Biologie-Studenten durch die hessischen Wiesen und Auen. Oft reist der Zeitungsredakteur ins Ausland und moderiert Themenschwerpunkte von fernen Orten, wie den Philippinen oder Bali. Für ihn ist Podcast die logische Weiterentwicklung des Weblogs. „Ich habe mich anfangs reingehört bei Adam Curry und auch gleich meine erste Sendung produziert: „Sammelstelle“. Darin geht es um Musik aus Deutschland, ich stelle Bands vor, die GEMA-frei sind und noch nicht so bekannt“, berichtet er.
Das Prinzip Podcast ist einfach: Ein Podcaster stellt seine Audio-Datei ins Netz. Programme wie iPodder oder Nimiq reagieren auf diese Dateien und laden diese automatisch auf den Rechner des Hörers. Dabei findet sich für jeden Geschmack etwas: Rock, Metal, Punk, Blues, Literatur, Audio-Tagebücher, Religion, Stadtrundgänge und mehr. Live-Aufnahmen von der Verkündigung des neuen Papstes auf dem Petersplatz, Business-Themen oder Philosophisches wie Hegels Phänomenologie des Geistes – es gibt fast nichts, das es nicht gibt.
Die ersten Gehversuche waren aber nicht immer einfach, weiß Annik Rubens. „Anfangs hat mir ständig die Technik einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Derzeit laden mehr als 550 Leute ihre Show, bei „Normcast“ sind es 500, „Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft“ hören sich 800 Interessierte an, bei der englischen Ausgabe „Sciencecast“ sind es 400.
„Ich möchte möglichst spontan und spannend bleiben und die Hörer überraschen. Und ich hoffe, dass mir die Themen nicht ausgehen“, wünscht sich Annik Rubens. Die Amerikanistin sieht ihren Podcast eher als tägliche Kolumne und beschreibt die Welt mit einem Augenzwinkern. Das Glamour-Girl des Podcast erzählt vom Komiker Dieter Nuhr, von der Münchner Allianz-Arena und der geschichtlichen Entwicklung der Münchner Biergärten unter Ludwig I. oder dass sie gerade die Lederrücken ihrer alte Bücher mit farbloser Schuhcreme geputzt hat. Nichts wirklich Wichtiges, aber sehr unterhaltsam.
Gerade die kleine enge Zielgruppe des Podcast ist gleichzeitig seine Stärke, denn in ihnen kommt es auf den Inhalt an und nicht darauf, Massen zu erreichen. Der Podcast ist keine Medienrevolution, er stellt eher ein buntes Sammelsurium dar und ist auch nicht wirklich mit dem Radio zu vergleichen. Was bleibt, entscheidet jeder selbst mit seinem Speicherplatz auf der Festplatte.
Podcast im Internet
podster.de:
Übersicht deutschsprachigen Podcasts, eine Art Suchmaschine, unterschiedliche Podcasts werden vorgestellt und können heruntergeladen und auch abonniert werden
xaudible.de:
ausgewählte Artikel aus der Audio-Ausgabe der ZEIT
Empfehlenswerte Sendungen:
WWWW – Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft:
Wissenschaftssendung, die sich regelmäßig mit spannenden Phänomenen beschäftigt
Unterhaltungsshows mit aktuellen Themen:
Normcast
praegnanz.de
Mike?s Lounge
dailysourcecode.com: mit Podfather Adam Curry
Kultpavillon – Der Schweizer Roger setzt in jeder Sendung einen anderen unterhaltsamen Themenschwerpunkt
Musik:
Sammelstelle: Musik aus Deutschland, GEMA-frei
Bens Pod Blog – Metal: Neuestes aus der Rock und Metal-Szene
KonferenzRaum: NuJazz, Ambient, Chillout
Lindis Podcast: beste Blues-Musik
Geschrieben von Judith Küther
von Archiv | 17.06.2005
Kaizers Orchestra rockten die Mensa
Der Nordische Klang und somit Skandinavien hat weitaus mehr zu bieten als zeitgenössische klassische Klaviermusik oder Dramen von Henrik Ibsen. Am vorletzten Tag des Kulturfestivals in Greifwald gaben sich die sechs Norweger von Kaizers Orchestra in der Mensa die Ehre. Mit ihren Debütalbum Ompa Til Du Dør haben sie ihr Heimatland im Sturm erobert und beginnen jetzt mit der kontroll på kontinentet. Und das zu Recht.

Entgegen dem Trend, immer in Englisch singen zu müssen, bleiben die sechs aus der Nähe von Bergen ihrer Muttersprache Norwegisch treu. Auch wem diese Sprache fremd war, rockte am besagtem Donnerstag mit und versuchte ansatzweise den Refrain mitzusingen.
Ist die Band mit ihren Geschichten über Russisches Roulette und Mafia-Alltag für sich schon eine Wucht, unterstreichen Pumporgel (Ompa), Ölfässer, Kontrabass, Radkappen und Gasmasken das Besondere. Dienen sie jedoch nicht als Kulisse, sondern sind fester Bestandteil einer außergewöhnlichen Liveshow.
Musikalische Grundlage ist die gute alte Polka, die Kaizers Orchestra auf ihre Art und Weise neu interpretiert sowie mit alternativem Rock und nordischen Einflüssen vermischt, und bei der man schnell die Welt und die anderen Konzertbesucher um sich herum vergisst und sich einfach den Klängen hingibt. Die Umgebung wird erst wieder wahrgenommen, als die Band nach fast zwei Stunden und zwei Zugaben von der Bühne entlassen wird.
Was bleibt nach diesem Abend? Die Begeisterung und der Spaß, die die Band mit ihrer Musik an ihr Publikum weitergaben. Und der Vorsatz, am nächsten Tag die Platte zu kaufen oder sehnsüchtig auf das zweite Album von Kaizers Orchestra zu warten, das im August in die Läden kommt.
moritz: Where the hell do you get all these oil barrels from?
Janove Ottesen: I don’t know, I think we are sponsored. I think they are just on stage every time we get there. I don’t know where they come from.
Do you like it when people say that Tom Waits is a source or an influence to you or your music?
Well, we are fans of Tom Waits. He is phenomenal. He likes Kaizers Orchestra, so we like each other. He is been talking about Kaizers Orchestra quite a lot. So that‘s cool.
On stage, did you ever hurt yourself with those barrels and sticks and all that stuff?
Yeah, in the beginning we hurt ourselves in the same places every time we played. When you play on the oil barrels you can get injured here on your right hip, because you hit yourself with the stick and you can cut your leg. We did that a lot in the beginning, but then you learn.
Alright. The Live-DVD, when will it come out and what will be on it?
I think it’s coming in next winter, march 2006 maybe. It‘s a full live performance from a concert in Copenhagen. We wanted to do something outside of Norway. It’s going to be quite a big DVD with a lot of extra material, so it’s going to be cool.
Let‘s talk about the new album. I heard it‘s going to be funnier and happier. Is that right? Like the first one? Back to the roots?
Nah, not really. It‘s two steps ahead instead of two steps back. You know, we couldn’t have done what we are doing on this album two years ago.
Did you learn any German here?
“Haben sie in der Bundesliga gespielt?“ (lacht) Well, now we are picking up the language. Today I ordered a kebap in a store in german and no questions. Just got the kebap and ate it. Happy. No question.
So you like Greifswald, you like the festival?
We’ve never been here before and this place looks like a school. It‘s normally not the best venue for a Rock‘n‘Roll band. But it sounded okay on soundcheck and I think it‘s gonna be nice.
Anything you want to tell the students of Greifswald?
Take a year off. And make good songs and become artists. Everyone.
Geschrieben von Anne Breuer, Verena Lilge
von Archiv | 17.06.2005
Am 5. Mai 2005 wurde das Festival „Nordischer Klang“ feierlich im Theater Vorpommern eröffnet. Als erster trat Rektor Rainer Westermann an das Rednerpult. Nachdem er die Gäste begrüßt hatte, rühmte er die Verdienste Prof. Walter Baumgartners.
Dieser war noch am Nachmittag mit dem ritterlichen Orden des Königreiches Norwegen für seine Verdienste im Bereich der Völkerverständigung und Kulturvermittlung ausgezeichnet worden. Dem Vorsitzenden des Kulturvereins Nordischer Klang e. V. war der Wirbel um seine Person fast unangenehm. Auch Oberbürgermeister Arthur König und Bildungsminister Hans-Robert Metelmann freuten sich über Baumgartners Einladung zur Eröffnung des Nordischen Klangs.
Als letzte Rednerin trat die Norwegische Ministerin für Kultur und kirchliche Angelegenheiten Valgerd Svastad Haugland vor das Mikrophon. Sie und Ministerpräsident Harald Ringstorff übernahmen bereitwillig die Schirmherrschaft für den Nordischen Klang 2005. Auf sympathische Art und Weise ließ die Ministerin ihrer Freude, die ihr der Nordische Klang bereiten sollte und auf dessen Veranstaltungen sie gespannt war, freien Lauf. Die norwegische Vocal Group „Solfa“ begeisterte die Anwesenden mit ihren A-Capella-Versionen bekannter Songs von swingendem Jazz bis fetzigem Rock`n Roll.
Das Programm der folgenden Woche reichte von Theater über Poetry Slam bis zu Konzerten aller Musikgenres.
Jazz pur
Was braucht man für eine gelungene Afterhouse Jam Session? Genau, eine Hand voll interessanter und improvisationsfreudiger (Jazz-)Musiker, ein entspanntes Publikum und eine Bühne. Dies alles trieb einige im Rahmen des Nordischen Klangs auftretende Künstler am Abend des 8. Mai in die Musikfabrik.
Unter anderem spielte bei der Session die vierköpfige schwedische Band Odette, die sich auf dem musikalischen Zweig der Volkshochschule Skurup in Südschweden zusammengefunden hat. Sie begeisterte mit der Vielseitigkeit ihrer Jazzimprovisationen. Die Leitung des Abends übernahm der Musiker der Band „saxCfour“ Berndt Sjögren als Jam-Master. Er ist ein Meister auf dem Saxophon.
Als kleines Highlight kann man wohl das Hinzukommen des weltberühmten Bandoneonisten Per Arne Glorvigen bezeichnen, der sich nach einem angekündigten Song kaum von seinem Instrument lösen konnte und dem Lied „Fever“ eine neue Bedeutung zukommen ließ. Das Zusammenspiel von perfekter Beherrschung dieses Instruments und seiner von der Musik erfreuten Ausstrahlung war einfach beeindruckend.
Ein insgesamt sehr schönes Ereignis mit Jazzgenuss vom Feinsten.
Wortklang trifft Klangkunst
Der Abschlussabend im Koeppenhaus begeisterte die Zuhörer mit einem Hörspiel der besonderen Art.
„Endlich kamen sie an die Stelle, wo das Telegraphenkabel lag. Es hat ein langes Lager auf dem Meeresboden, von Europa nach Amerika hinüber, hinweg über Sandbänke und Meeresschlamm, über Klippengründe und Pflanzenwildnis, ja über ganze Korallenwälder. Da ist ein Rühren, ein Plätschern, ein Summen, ein Sausen.“
Mit Argwohn und Ablehnung – aber auch mit grenzenloser Neugier – nähern sich die Fische der „großen Seeschlange“ im gleichnamigen Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen. Ausdrucksstarker Wortklang von Katja Klemt und Andreas Dobberkau sowie spielerische Klangkunst von Christian Schwanz und Georg Fischer entführten die Hörer auf eine Phantasiereise zum Staunen und Schmunzeln.
Die Fische können unsere Ferngespräche mithören und das Rauschen in unseren
Leitungen ist Widerhall und Wispern von tief unten, vom Meeresboden. Mit dieser märchenhaften Gewissheit und der Vorfreude auf den Nordischen Klang des nächsten Jahres verlasse ich an diesem Abend das Koeppenhaus.
Geschrieben von Cornelia Leinhos, Anne Bringezu, Katja Streller
von Archiv | 17.06.2005
Carmina Burana in Greifswald
Musik – so sagt ein ziemlich kitschiges Sprichwort – verbindet die Menschen, denn sie kennt keine Sprachen. Am Samstag, den 21. April, konnte man allerdings in der Mehrzweckhalle in Schönwalde die praktische Anwendung dieses Sprichwortes beobachten – und genießen.
Gemeinsam mit Musikern aus Schweden und Polen brachten Greifswalder Musiker unter Leitung des Kirchenmusikdirektors Prof. Jochen A. Modeß die Carmina Burana mit insgesamt mehr als 150 Musikern und Sängern zur Aufführung.
Gehört hat wohl fast jeder schon zumindest einzelne Auszüge aus der Carmina Burana, de musik wird in der Werbung, in Filmen und sogar Computerspielen verwendet. In den vertonten, meist lateinischen Gedichten geht es um die ewigen Themen von Schicksal, der Vergänglichkeit des Lebens aber auch manchmal ganz direkt um die Sünden des Lebens.
Auch wenn die Atmosphäre des Veranstaltungsortes zu wünschen übrig ließ – die Mehrzweckhalle ist nun mal kein Konzertsaal – die Musiker machten dies mehr als wett. Vom ersten Lied an waren die Zuschauer begeistert. Dass das Konzert nicht ausverkauft, sondern nur knapp zur Hälfte gefüllt war, lag ganz sicher nicht an den Musikern und Sängern, sondern am zur gleichen Zeit stattfindenden Eurovision Song Contest der viele Leute zu Hause vor dem Fernseher sitzen bleiben ließ. Schade, denn sie haben eine faszinierende Aufführung verpasst, denn Carmina Burana begeistert nicht nur Kenner von klassischer Musik. Die eingängigen, immer wiederkehrenden Modelle und die Ursprünglichkeit der Lieder machen die Carmina Burana zu einem Erlebnis für jeden.
Beeindruckend auch die Leistungen der drei Solisten, der Studentin Teresia Bokor (Sopran) aus Malmö, Björn Haugan (Tenor) aus Schweden und dem Dozenten Leszek Skrla (Bariton) aus Polen. Besonders der Tenor beeindruckte in seinem einzigen Solo – einer wegen ihres Wechsels in die Falsettlage laut Prof. Modeß besonders schwierig zu singenden Partie – durch Ausdruckskraft und Stimmstärke. Auch der Domkinderchor aus Greifswald sang seine Partien mit viel Engagement.
Alles in allem ein sehr gelungener Abend, auch ohne eine albanische Tänzergruppe, die bei den Aufführungen in Schweden und Polen dabei gewesen war, nach Greifswald, so KMD Modeß, aus technischen und terminlichen Gründen aber nicht mitkommen konnte.
Wie aber kommt ein solches Projekt mit Musikern und Sängern aus drei verschiedenen Ländern zu Stande? Im Gespräch mit dem Moritz erklärte KMD Prof. Jochen Modeß, dass über den schon lange bestehenden Kontakt zum polnischen Kollegen Eugeniusz Kus die Verbindung nach Schweden, zum dortigen Musikdirektor Daniel Hanson zu Stande kam. Bei einem Treffen der drei Musikdirektoren in Stettin im Dezember vergangen Jahres wurde dann das Projekt Carmina Burana beschlossen und die drei Musikergruppen begannen, jede für sich, das zum Teil schon bekannte Stück zu erarbeiten. Gemeinsame Proben gab es nur an einem einzigen Nachmittag in Malmö, bevor am gleichen Abend die erste Aufführung des Stückes stattfand – eine beeindruckende Leistung.
Musikalisch, so KMD Modeß, hätte sich das Projekt auf jeden Fall gelohnt, auch die Studenten hätten die Erfahrung genossen, auch der Möglichkeit wegen, neue Kontakte zu knüpfen und gemeinsam an einem solchen Projekt zu arbeiten.
Es bleibt zu hoffen, dass diese beeindruckende multinationale Zusammenarbeit keine einmalige Angelegenheit war, sondern sich bald wiederholt.
Geschrieben von Sarah Rieser