»Von dieser Zeigefingermoral möchte ich weg « – Diana Rümmler

Geschrieben von | Veröffentlicht am 1. April 2012 um 19:47 Uhr
Kategorien: Hochschulpolitik, Moritz Magazin

Nach mehreren Monaten Vakanz ist das Referat für Ökologie des Allgemeinen Studierendenausschusses seit November 2011 wieder besetzt. moritz fragte die Referentin Diana Rümmler nach ihrem Gartenprojekt und ihren weiteren Ideen.

Was hat dich dazu bewegt, dass Referat Ökologie zu übernehmen?
Während der Nachhaltigkeitswoche hier in Greifswald habe ich mir sehr viele Projekte angeschaut. Dabei habe ich festgestellt, dass sehr großer Bedarf besteht und dass zum Beispiel diese Nachhaltigkeitswoche wesentlich besser beworben und auf die Studenten hätte ausgerichtet werden können, wenn das Referat besetzt gewesen wäre. Deswegen entschloss ich mich zu kandidieren.

Welche Chancen siehst du in dem Referat?
Ich finde dieses Referat unfassbar wichtig. Die anderen Referenten haben noch nicht das nötige Gespür für nachhaltige Beschaffung entwickelt. Natürlich kennt man die gängigen Klischees, dass man Ökopapier nutzen soll und dergleichen. Aber es gehört noch sehr viel mehr dazu, wie die T-Shirts für die Erstsemestler oder der Bürobedarf an sich, der mit in die Beschaffung reinspielt. Man schaut immer nur auf die Kosten, ohne andere, ökologische Faktoren zu bedenken, die ein wirklich wirtschaftliches Angebot erst ausmachen.

Apropos Erstsemester-T-Shirts: Habt ihr einen Lieferanten gefunden, der den Finanzrahmen nicht sprengt?
Wir haben einen Lieferanten gefunden, der ökologische Shirts anbietet und mit ihm sogar einen Sponsorenvertrag ausgehandelt. Leider war es dann so, dass der Haushaltsplan der Erstsemesterwoche keinen Rahmen für diese Neuerung bot, nicht für dieses Jahr jedenfalls. Ginka, die Referentin für Veranstaltungen, und ich wollen für das nächste Jahr erwirken, dass die T-Shirts für die Erstis möglich sind, indem wir beim Studierendenparlament beantragen, dass der Topf für die Erstiwoche erweitert wird. Wir werden sie aber auf jeden Fall schon für die Referenten einführen. Da sind die ersten Angebote abgesegnet worden und wir warten nun auf den finalen Kostenvoranschlag, damit wir die Bestellungen aufgeben können.

Als du dich vor dem Studierendenparlament vorgestellt hast, wurdest du gefragt, was deine Pläne für das Referat sind: Du wolltest einen Garten aufbauen. Der Vorschlag wurde von einigen belächelt. Inwieweit wirst du die Idee weiterverfolgen?
Ich werde die Idee auf jeden Fall weiterverfolgen. Ich hätte bei der Bewerbung nicht gedacht, dass das Thema auf so großes Interesse stößt. Es gab ja sogar einen kleinen Artikel in der Ostsee-Zeitung. Ich freue mich auf jeden Fall über das Interesse und finde es überhaupt nicht schlimm, dass es noch belächelt wird. Es ist ein großes und aufwendiges Projekt: Es müssen Grundstücke gefunden, Gelder beantragt und ein Konzept erstellt werden, mit dem man vorstellt, was man mit dem Projekt erreichen will. Als nächstes treffe ich mich mit der Ortsteilvertretung von Schönwalde II. Dort gab es einen interkulturellen Garten, der jetzt allerdings sein Gelände verlassen musste, da die Stadt Baupläne für dieses Gebiet hat. Ich wurde angesprochen, ob ich mich nicht mit ihnen zusammentun will, um das Garten-Projekt zu verwirklichen. Diese Überlegung ist für mich interessant, weil das Projekt mit einer solchen Kooperation ganz neue Möglichkeiten bietet und ich, da ich ja auch nicht ewig Student sein werde, dieses Projekt dann an Leute, die länger in der Stadt und mit dem Projekt vertraut sind, übergeben kann.

Du baust gerade die Arbeitsgemeinschaft (AG) „mit – deine Umweltgruppe“ auf. Was willst du mit ihr erreichen und wer kann sich beteiligen?
Mitmachen kann jeder, der will. Deswegen auch der Name: mitmachen und mitteilen. Es geht nicht darum, bei den sowieso schon ökologisch eingestellten Leuten offene Türen einzurennen, sondern ich möchte Leute bewegen, die sich damit noch nicht so auseinandergesetzt haben. Im Rahmen der Arbeit der AG können sie sich weiterbilden. Ich habe das Gefühl, dass Leute, die sich sehr viel mit Ökologie auseinandersetzen, eher zu einer Zeigefingermoral tendieren: „Du darfst nicht“ oder „du musst“. Von dieser Zeigefingermoral möchte ich weg. Jeder soll für sich selbst herausfinden, dass es sinnvoll ist und viel Spaß machen kann, sich nachhaltig durchs Leben zu bewegen. Ich möchte bewirken, dass jeder an dem Gebiet arbeiten kann, welches ihn interessiert, während ich die bürokratischen Stolperfallen aus dem Weg räume. Derzeit arbeiten wir an der Webpräsenz mit-umwelt.de und ich versuche noch finanzielle Feinheiten zu klären, bevor am 12. April das erste Treffen stattfinden wird.

Du arbeitest außerdem mit dem Verein „Uni Solar“. Im Mai 2010 wurde der Verein gegründet und im November 2010 wurde die Photovoltaikanlage gebaut. Wie sehen die Pläne jetzt aus?
Das Projekt an sich ist ja schon fertig gewesen. Es gab einen Aufruf zur finanziellen Beteiligung, doch nachdem die Grenze von 20 000 Euro erreicht war, konnten einfach nicht mehr Interessenten aufgenommen werden. Wir hoffen nun, dass wegen der großen Nachfrage damals ein zweites Projekt gestartet werden kann. Die Anlage wurde zwar nicht wie angestrebt auf einem Universitätsdach gebaut, aber es fand sich ein Dach im Ostseeviertel, wo die Anlage in Betrieb genommen werden konnte. Wir wollen natürlich versuchen, dass die neue Anlage auf einem Universitätsdach ist. Aber das passende Dach zu finden ist schwierig. Speziell bei den Bauten auf dem neuen Campus befindet sich oft viel Technik auf den Dächern, wodurch es schwierig wird, dort noch Solarpanels aufzustellen. Gemeinsam mit der AG Umweltmanagement sind wir auf der Suche nach einem neuen passenden Dach. Auch besteht die Überlegung, ob eine vertikale Anlage in Frage kommt. Es gibt bereits Pilotprojekte für solche Anlagen an der Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde.

Welche Ziele hast du für das kommende Semester?
Mein ganz besonders großes Ziel ist es die Studenten zu sensibilisieren. Ich möchte gerne dieses Image der radikalen Körnerfresser weghaben. Wenn man über Ökologie spricht, geht es nicht darum, jemandem etwas zu verbieten, sondern um alternative Wege zu finden. Was ich unter anderem anstrebe, ist eine Infoveranstaltung zum Thema Umweltsiegel. Es gibt so viele Zertifikate, wo keiner mehr durchblickt. Neben ein paar großen Marktführern wie „Blauer Engel“ und „Fair Trade“ gibt es noch viele kleine Siegel, wo man nicht weiß, was dahinter steht. In Planung befindet sich derzeit der Nachhaltigkeits- und Umwelttag am 4. und 5. Juni in Zusammenarbeit mit der Universität, natürlich der Umweltgruppe und mit Hilfe der Teilnehmer der Gruppe die Wiederbelebung von Uni-Solar, der Biomensa und einigen kleineren Projekten, die leider unter den Tisch fallen würden, wenn ich versuchen würde, allein dieser Projektflut Herr zu werden.

Das Interview führte Katrin Haubold

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Ein Kommentar zu “»Von dieser Zeigefingermoral möchte ich weg « – Diana Rümmler”

  1. [...] Diana bereits im aktuellen moritz-Magazin sagte, ist es ihr Anliegen, Menschen, die sich bisher noch nicht mit Fragen der Ökologie und der [...]

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