Das Reparatur Café in der Straze

Das Reparatur Café in der Straze

Schon ewig liegt mein altes und kaputtes Handy bei mir zu Hause in einer Schublade rum, fast vergessen. Doch als neulich in der Redaktionssitzung die Idee für einen Artikel über das Reparatur Café von verquer aufkam, ist es mir wieder eingefallen. Und ich war direkt hellauf begeistert: Gleichzeitig mein altes Handy reparieren können und einen Artikel über eine super coole Initiative schreiben? Eine perfekte Kombi!

Also beschließe ich zur nächsten Öffnungszeit direkt einmal vorbei zu schauen und mein kaputtes Handy mitzubringen. Das Reparatur Café von verquer findet alle zwei Wochen in den ungeraden Kalenderwochen immer montags von 16 bis 19 Uhr in der Straze statt. Die Straze liegt in der Stralsunder Str. 10 und das Reparatur Café im ersten Stock in den Kurswerkstätten. Die Werkstatt ist dabei für jede*n offen – das Alter spielt keine Rolle und alle sind willkommen, vorbei zu kommen und ihre defekten Gegenstände mitzubringen. Vor allem Elektrogeräte, aber auch Möbel können hier gut repariert werden, also alles von Laptops über Lampen, zu Nähmaschinen, Kinderwägen oder Stühlen. Für kaputte Kleidung kann man am besten in die Kabutze gehen und um sein Fahrrad mit Hilfe selbst zu reparieren, in die Fahrradwerkstatt im Klex. Bei großen Gegenständen wie Waschmaschinen oder sehr komplizierten Reparaturen wird darum gebeten, vorher einmal abzusprechen, ob die Kapazitäten dafür da sind. Das geht über folgende Mail-Adresse oder Telefonnummer: reparieren@bildung-verquer.de, 03834-77 37 881. Was man sonst mitbringen sollte, ist etwas Zeit, da es manchmal zu kleinen Wartezeiten kommen kann, wenn an einem Tag besonders viel los ist.  Das Reparatur Café existiert seit Anfang des Sommers 2021, also seit etwa 1,5 Jahren, und ist gut besucht. Etwa 10 – 15 Menschen kommen pro Schicht. Die Leute, die kommen, sind nicht nur alternative Studis, sondern Menschen jeden Alters von Jugendlichen bis zu Senior*Innen.

Im Reparatur Café geht es vor allem um Hilfe zur Selbsthilfe. Und um gemeinsames Reparieren mit den ehrenamtlichen Helfer*innen, die sich alle gut auskennen. Es geht also nicht darum, dass man einfach seinen kaputten Gegenstand abliefert und der von den ehrenamtlichen Handerker*innen repariert wird. Stattdessen gibt es viel zu lernen und selbst auszuprobieren. Man kann selbst löten und schrauben und nach Fehlern suchen. Man arbeitet also immer gemeinsam an dem mitgebrachten Gegenstand, kriegt bei allen Schritten Unterstützung und ist nie auf sich allein gestellt. Nebenbei kann man viel über verschiedene Werkzeuge, Produktionsprozesse und Ressourcen lernen. Und hinterher wird man mit dem tollen Gefühl belohnt, etwas selbst repariert zu haben, erzählt mir Claudia, die bei verquer arbeitet und das Café betreut.

Nachdem Claudia mir etwas über das Reparatur Café erzählt hat, schaue ich mich ein wenig im Raum um. Leider hat gerade niemand Zeit, um mir bei meinem Handy zu helfen, aber ich werde direkt bei der Reparatur einer Tablet-Ladebuchse mit eingebunden. Zwischendrin trinke ich einen Tee und esse etwas von den Keksen, die für alle dastehen – sehr gemütlich wie ich finde. Wirklich wie in einem Café.

Dann hat Tiano, einer der ehrenamtlichen Reparateure, Zeit, mir bei meinem Handy zu helfen. W-Lan und Bluetooth lassen sich nicht mehr einschalten. Wir beginnen also zunächst mit einer Heißluftpistole das Handy am Rand zu erhitzen, um den Kleber zu lösen, mit dem es zusammengeklebt ist. Ich habe immer geglaubt, dass man Handys, seit sie verklebt werden, gar nicht mehr aufbekommt. Ein Irrglaube von mir, wie ich jetzt erfahre. Trotzdem wird durch das Verkleben eine Reparatur natürlich schwieriger, da es länger dauert und man spezielles Werkzeug braucht. Das Verkleben hat zwei Gründe: Zum einen können Handys dadurch wasserdicht gemacht werden (das geht auch anders, wäre dann allerdings teurer in der Produktion). Aber zum anderen können die Firmen dadurch bewirken, dass viele Menschen sich direkt ein neues Handy kaufen. Und das obwohl vielleicht nur einzelne Teile kaputt sind, die man leicht austauschen könnte, wenn man weiß, wie. Zum Glück lässt sich mein Handy sehr schnell und unkompliziert öffnen. Und ich sehe zum ersten Mal sein Innenleben. Ich bin direkt fasziniert von den ganzen winzigen Bauteilen. Tiano erklärt mir, dass einige der Transistoren (elektrische Schalter, durch die Smartphones erst möglich geworden sind) nur etwa 10.000 Atome groß sind – eine große Zahl aber trotzdem eine unvorstellbar kleine Größe und mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Er erklärt mir sehr anschaulich die Funktionsweise meines Handys – ich bin fasziniert. Dann geht es ans Aufschrauben, um an die WLAN-Antenne ran zu kommen. Diese könnte der Grund sein, warum Bluetooth und WLAN nicht mehr funktionieren. Dabei entdecken wir leider Spuren von Wasser, das ins Innere des Handys gedrungen ist und einen Kurzschluss ausgelöst hat. Leider kann man so etwas nicht mehr selbst reparieren, weil die Teile zu klein sind. Trotzdem hat mir die das vorsichtige und meditative Arbeiten Spaß gemacht.

Der Arbeitstisch mit meinem geöffneten Handy

Claudia und Tiano betonen zum Schluss beide, dass man häufig mehr Gegenstände reparieren kann, als man denkt. Und dass vieles nicht direkt weggeschmissen werden muss. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen und schont die Umwelt. Besonders spannend finde ich dazu eine Website, die Tiano mir zeigt. Auf ihr kann man sehen, wie viele Geräte durch das Netzwerk Reparatur-Initiativen, zu dem das verquer Reparatur Café in Greifswald gehört, repariert werden und wie viel CO2 dadurch eingespart wird. Im September, dem Monat in dem ich dort war, haben 12 Reparatur-Initiativen beim Reparieren von 140 Gegenständen geholfen und damit 1 Tonne CO2 und 16 Tonnen Boden und Gestein eingespart. Das ist eine Menge!

Das zufriedenstellende Gefühl, etwas selbst repariert zu haben, kann ich selbst leider nicht erleben. Trotzdem hat es mir großen Spaß gemacht, mein Handy selbst aufzuschreiben und ich fand es super interessant, es einmal von innen zu sehen. Sonst liegt die Erfolgsquote bei etwa 85%, wenn man die von vorneherein so gut wie aussichtslosen Fälle nicht berücksichtigt, meint Tiano. Aber ich habe Glück und einer der anderen Reparateure nimmt mir das kaputte Handy ab, um die einzelnen Teile als Ersatzteile nutzen zu können. So passiert dann letztlich doch noch etwas Sinnvolles damit und ich muss es nicht in den Müll werfen. Ein rundum erfolgreicher Besuch für mich.

Fotos: Leonie Vogelsang

Aktivistisch durch die Adventszeit

Aktivistisch durch die Adventszeit

Bereits zum zweiten Mal gestaltet die Greifswalder Initiative verquer ihren aktivistischen Adventskalender, den man auf ihrer Website entdecken kann. Auf was ihr euch hinter den 24 Türchen freuen könnt, erfahrt ihr hier.

„Adventsäktschn in Greifswald“ ist der Titel, der den Adventskalender auf der Website des Projekts verquer ziert. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Initiativen und Organisationen aus Greifswald wurde hinter jedem Türchen des digitalen Kalenders eine besondere Aktion oder ein spannendes Angebot versteckt, um „eine schöne, aktivistische und gerechte Vorweihnachtszeit“ zu bescheren.

Die Initiative verquer steht für vielfältige Bildung in Vorpommern ein. Etwa 40 Personen engagieren sich in dem Team für eine globale Perspektive und mehr Gerechtigkeit. Dafür stellt es verschiedene Projekte auf die Beine, etwa eine eigene Radiosendung zu verschiedenen Themen, Weiterbildungsangebote – oder eben einen aktivistischen Adventskalender.

Vor einem Jahr wurde dieser besondere Adventskalender ins Leben gerufen, dieses Jahr verspricht verquer eine kleine Neuerung:

In diesem Jahr läuft das ein bisschen anders als im letzten Jahr und ihr habt nicht nur die Möglichkeit, sondern werdet von uns sogar ausdrücklich dazu eingeladen, zu luschern. Also euch schonmal anzuschauen, was es hinter den anderen Türchen so zu entdecken gibt. Manchmal werdet ihr nichts finden, aber in den meisten Fällen verraten wir euch schon, was wir mit euch vor haben.

verquer

Auf der Website von verquer könnt ihr also schon jetzt einmal das ein oder andere Türchen angucken und die aktivistische Adventszeit einläuten.

Beitragsbilder:  Jan Romero auf Unsplash und verquer

24 Tage Gutes – der aktivistische Adventskalender

24 Tage Gutes – der aktivistische Adventskalender

Nicht nur der webmoritz. hat in diesem Jahr einen digitalen Adventskalender für euch zusam­mengestellt. Auch andere Greifswalder Einrichtungen und Initiativen haben sich für die Vor­weihnachtszeit etwas Besonderes überlegt, mit dem sie euch jeden Tag ein klein wenig Freude schenken können – oder, wie im Fall des digitalen „Aktivismus-Adventskalenders“ von verquer, mit dem ihr selbst jeden Tag ein klein wenig Freude schenken könnt.

Im Aktivismus-Kalender findet ihr jeden Tag bis Heiligabend eine kleine Anregung oder inspirie­rende Geschichte zum Thema globale Gerechtigkeit. Das Projekt wurde zwar von der Greifswalder Bildungsinitiative verquer organisiert, ist aber eine große Kooperation aus den verschiedensten aktivistischen Verbünden und Einzelpersonen aus ganz Deutschland. Auch die einzelnen Themen sind breitgefächert. Denn „globale Gerechtigkeit“ heißt globale Missstände aufdecken, die zu einem Großteil durch kapitalistische Interessen hervorgerufen wurden – ob es einen fairen Handel betrifft, Klimagerechtigkeit im Allgemeinen oder sogar Menschenrechte. Baustellen gibt es an jeder Ecke. Vielleicht manchmal sogar so viele, dass uns die einzelnen kleinen Straßenschäden unserer Welt-Stadt gar nicht mehr so auffallen. Der aktivistische Adventskalender ist deshalb auch eine gute Anlaufstelle, um sich einmal bewusst zu machen, was eigentlich alles noch so auf dem (Bau-)Plan steht.

Aber der Kalender deckt nicht nur Probleme auf. In erster Linie bietet er Lösungen an. Er wirft ein Licht auf bestehende Projekte und Ideen, wie ihr selbst aktiv werden könnt. So wurde im ersten Türchen der Brief einer Aktivistin aus dem Dannröder Forst geteilt, in dem sie ihre Eindrücke aus den monatelangen Protesten und der erlebten Polizeigewalt eindrücklich beschreibt. Darunter eine Aufforderung und Anregungen, wie ihr selbst etwas für den Wald tun könnt. Das zweite Türchen vom Weltladen Greifswald hat sich das Problem des fairen Handels zum Thema gemacht und sowohl ein Quiz als auch einen Kurzfilm geteilt, die über das Problem der Profitgier im Agrarbereich aufklären. Auch das dritte und vierte Türchen drehen sich um Nachhaltigkeit. Beigesteuert von der christlichen Jugendorganisation JUST (Jugend.Stadt.Turm) zu nachhaltiger Entwicklung und wie ihr selbst euren Advent in alter Fastenzeit-Tradition nachhaltiger gestalten könnt. Und vom radio 98eins und dem St. Spiritus, die gestern Abend eine Lesung des Buches „Vom Ende der Klimakrise“ von FfF-Aktivistin Luisa Neubauer und Politökonom Alexander Re­penning live gestreamt haben (das Video und einen weiteren digitalen Adventskalender findet ihr auf dem Youtube-Kanal des St. Spiritus‘.

Und der aktivistische Kalender ruft euch auch direkt zum Mitmachen auf. So wurde bereits vorab verraten, dass das Türchen des 15.12. ein offener Projekttag zum Thema Menschenrechte werden soll, zu dem jede*r eingeladen ist, teilzunehmen. Dafür ist lediglich eine Anmeldung bei verquer erforderlich, von den weiteren Schritten dürft ihr euch in weihnachtlicher Spannungsmanier überraschen lassen. Außerdem findet ihr am Ende des 1. Türchens des aktivistischen Kalenders auch noch eine Einladung zu einem Gewinnspiel. Hierfür seid ihr aufgerufen, eure eigenen Beiträge in Foto- oder Videoform zu den jeweiligen Türchen mit verquer zu teilen – entweder über die Hashtags #adventmitzukunft und #thelastchristmas auf Instagram oder direkt per Mail an info@bildung-verquer.de. Wenn ihr neugierig geworden seid, werft doch gerne mal einen Blick in den Kalender und lasst euch vom Geist der Weihnacht zu Vorhaben globaler Gerechtigkeit inspirieren!

Beitragsbild: Julia Schlichtkrull

„Nutzen statt besitzen“

„Nutzen statt besitzen“

NHWoche2013Unter diesem Motto steht die Nachhaltigkeitswoche 2013 an der Uni Greifswald. In Zeiten von Eurokrise, Klimawandel und steigenden Benzinpreisen sind kostengünstige, effektive und umweltschonende Konsumkonzepte gefragter denn je. Während hierzulande Couchsurfing, Carsharing und Gemeinschaftsgärten immer beliebter werden, ist man in den USA sogar schon einen Schritt weiter gegangen. Dort wird Teilen zum Wirtschaftsfaktor, mit dem sich Geld verdienen lässt. (mehr …)