Wer studiert, geht auch feiern – oder?

Wer studiert, geht auch feiern – oder?

Laut und voll. Das ist das erste, was ich am Samstagabend bei der 2000er-Party in der neuen Mensa wahrnehme und das zieht sich so auch durch die Nacht. Die Musik schallt mir entgegen. Ich kenne das Lied nicht, aber alle um mich herum scheinen mitzusingen. Ich kann nicht mal den Text verstehen, fühle nur den Bass im Brustkorb vibrieren. Ein schönes Gefühl. Noch stehen wir ganz hinten und fangen langsam an mitzutanzen. Ich trete von einem Fuß auf den anderen, lasse die Arme schwingen und versuche mich irgendwie dem Tanzen der anderen anzupassen. Zu jeder Zeit ist mir bewusst, wie viele Menschen um mich herum sind, mir zugucken können und ich rede mir ein, dass es niemanden interessiert, wie gut oder schlecht ich tanze. 

Ich bin 21 Jahre alt und war vorher noch nie auf einer richtigen Party, war noch nie feiern. Während der Online-Semester habe ich mich immer wieder beklagt, dass das Studieren auf das reine Lernen reduziert wurde. Vieles von dem, was man sich unter dem Studieren vorgestellt hat, ist weggefallen. Aber wie habe ich mir das Studium überhaupt vorgestellt? Welche Klischees sind wahr und auf welche habe ich überhaupt Lust? Feiern zu gehen ist definitiv ein Klischee, aber ich hätte nie gedacht, dass ich Lust dazu haben könnte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es mir Spaß machen würde, vor so vielen Leuten auf engem Raum und zu potenziell schlechter Musik zu tanzen. Konnte mir nicht vorstellen, dabei loslassen zu können und alle Hemmungen zu vergessen. Aber ich probiere gerne Neues und deshalb bin ich auch mit zwei Freundinnen zu der Party gegangen.

Die Schlange am Eingang ist lang. Wir sind eine Stunde nach Beginn der Party da. Von einer anderen Freundin weiß ich, dass es wohl eine ungeschriebene Regel gibt, nicht gleich zu Beginn einer Party aufzutauchen. Diese „Regel“ finde ich albern – soll man doch kommen, wann man will. Andere scheinen diese Regel allerdings auch zu kennen, denn die Schlange wird immer länger und bewegt sich nur langsam voran. Ich schätze die Geschwindigkeit auf einen Meter pro Minute. Vor und hinter uns wird schon fleißig getrunken. Je dichter wir an den Eingang kommen, desto mehr leere und kaputte Flaschen säumen den Weg. Viel Wodka, aber auch Saft und Cola sind dabei. Zwei Meter vor uns sehe ich, wie jemand ein Tetra Pak auf den Boden wirft. Bescheuert. Ein Mann läuft neben der Schlange entlang und sammelt Pfandflaschen ein, er macht heute bestimmt eine gute Ausbeute. Etwa eine Stunde nachdem wir uns angestellt haben, kommen wir an der Tür an. Es wird überprüft, dass sich alle bei der Luca-App eingecheckt haben und einen 2G-Status nachweisen können. Dann geht es weiter zur Kasse. Eine halbe Stunde später haben wir dann auch unsere Jacken an der Garderobe abgegeben und können endlich nach oben zur richtigen Party gehen. 

Die Schlange ist lang und von teilweise kaputten Flaschen gesäumt.

Auf dem Weg die Treppe hoch wird die Musik immer lauter und es lässt sich schon erahnen, dass es voll und eng wird. Unmittelbar muss ich an Corona denken. Wie kann es sein, dass ich mir die ganze Zeit nur Sorgen gemacht habe, ob mir die Party wohl Spaß machen wird, nicht aber, ob eine Party unter diesen Umständen gerade überhaupt eine gute Idee ist? Ich kriege ein schlechtes Gewissen. Klar, wir sind hier alle geimpft oder genesen, aber infizieren können wir uns ja immer noch. Ich entscheide mich, trotzdem weiterzugehen, aber der Gedanke bleibt im Hinterkopf und ich hoffe einfach sehr, dass alles gut geht. 

Dort, wo wir am Tag zuvor noch zu Mittag gegessen haben, sind zwei Bars und eine Bühne mit DJ und Lichtanlagen aufgebaut. Es ist kaum wiederzuerkennen. Wir stellen uns irgendwo in die Mitte zwischen die beiden Bars und beginnen zu tanzen. Es fühlt sich komisch an, hier einfach anzufangen sich zur Musik zu bewegen. Ich spüre den Bass im Brustkorb vibrieren, aber eine Melodie ist kaum auszumachen. Eine Freundin von mir sagt etwas, aber ich verstehe nichts. Die Musik ist einfach zu laut. Zudem liegt ein Summen von den ganzen anderen Stimmen im Raum, die versuchen sich schreiend zu unterhalten. Aber ich verstehe meine Freundinnen auch schreiend nicht. Ein komisches Gefühl, nicht miteinander reden zu können. 

Wir bewegen uns weiter nach vorne in Richtung Bühne und an den Rand des Saals. Dort fühle ich mich wohler, denn dort sind nicht so viele Leute um uns herum. Ich stehe mit dem Rücken an der Fensterscheibe und kann somit den Saal gut überblicken. Überall wird getanzt. Aber es gibt auch viel Bewegung, dauernd wird versucht weiter nach vorne zu einer freien Stelle oder nach hinten zum Ausgang oder zur Bar zu kommen. Dauernd werden wir angerempelt, müssen aufhören zu tanzen, um jemanden durchzulassen oder werden sogar von irgendwelchen Typen angetanzt. Unangenehm. Ich bin so auf meine Umgebung fokussiert, dass ich mich kaum auf meine Freundinnen konzentrieren kann. Und gleichzeitig muss ich mich auch auf das Tanzen konzentrieren. Wie muss ich mich bewegen? Was sieht nicht zu komisch aus? Würde es überhaupt jemand merken, wenn ich schlecht tanze?

Es sind zu viele Eindrücke: die laute Musik, die bunten Lichter, die Menschenmasse. Aber trotzdem tanze ich auf dem bisschen freien Platz, den wir haben und versuche Spaß zu haben. Endlich kommen auch ein paar Lieder, die ich kenne, und ich singe lauthals mit, hoffe, dass meine Stimme in den anderen untergeht. Das bringt Spaß. Mit der Weile komme ich dann doch auch immer mehr ins Tanzen hinein, es fühlt sich nicht mehr ganz so komisch an wie zu Anfang. Ein Zeichen, dass ich immer mehr auf der Party ankomme. Ich mache mit, wenn der DJ ruft, wir sollen die Hände in die Luft heben oder anfangen zu springen. Aber ich kann nicht die ganze Zeit über einfach alles ausblenden und hemmungslos tanzen. Es bleibt immer ein Bewusstsein dafür, was um mich herum los ist und wie ich mich gerade bewege.

Die Party ist in vollem Gange.

Nach einer Stunde machen wir eine Pause und gehen kurz nach draußen. Es tut gut, aus dem warmen und stickigen Saal rauszukommen. Aber draußen ist es dann doch auch eher ernüchternd, da dort die Luft von Zigarettenrauch verhangen ist. Wir sehen einen Krankenwagen abfahren und kurz darauf kommt schon wieder ein neuer. Erschreckend ist das schon. Aber die Party geht weiter und man kann nur hoffen, dass es denjenigen, für die die Krankenwagen kommen mussten, schnell wieder besser geht. 

Danach tanzen wir noch eine Weile weiter und ich freue mich über jedes Lied, das ich kenne. Sogar Let It Go aus Die Eiskönigin wird gespielt. Mit dem Lied habe ich gar nicht gerechnet. Aber nicht nur ich, sondern auch alle um mich herum singen lauthals mit. Wir stehen wieder am Rand des Saals am Fenster, aber diesmal stehe ich mit dem Rücken zur tanzenden Masse. Und auch da fühle ich mich jetzt wohl. Wieder müssen wir dauernd anderen ausweichen und stoßen mit wieder anderen zusammen. Ein Mann vom Sicherheitsdienst kommt an uns vorbei und ich sehe, wie er den Kopf leicht zur Musik bewegt. Zum Ende hin kenne ich wieder weniger Lieder, aber das macht nichts.

Als wir um halb drei gehen, bin ich zufrieden und froh, da gewesen zu sein, aber ein Partymensch werde ich wohl trotzdem nicht werden. Am liebsten tanze ich immer noch zuhause beim Kochen, in meinem ganz eigenen Tempo, unpassend zur Musik und mit so viel Platz wie ich möchte. Da kann ich dann auch besser loslassen und alles um mich herum vergessen (außer das Essen auf dem Herd natürlich).

Beitragsbilder: Juli Böhm

Partyguide fürs lange Wochenende

Partyguide fürs lange Wochenende

In der letzten Oktoberwoche beginnt unser Wochenende schon am Mittwoch! Und nein, der Grund ist nicht Halloween sondern der Reformationstag. Denn vor circa 500 Jahren hat ein gewisser Martin Luther 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen und der Reformation der Kirche den Weg bereitet. Aber genug Bildung – Halloween ist nämlich zufällig trotzdem und das Wochenende lang. Das muss ausgekostet werden und schreit nach Feiern!

Mittwoch, 30. Oktober

Um das Wochenende langsam einzuläuten, bietet sich die Greifswalder Kneipennacht an. Für 6€ könnt ihr heute am Mittwoch in sechs verschiedenen Clubs sechs verschiedenen Bands zu abwechslungsreicher Musik lauschen und ein oder zwei oder sechs Bierchen trinken.
Wann? Einlass ab 20 Uhr, Beginn 21 Uhr
Wo? Comix, Greifswalder Logenhaus, Brasserie Hermann, Mitt’n Drin, Domburg und Poro

Im Anschluss könnt ihr zur Anglistik Halloweenparty und mit eurem schaurigen Outfit in gespenstischer Location beeindrucken. Vertreibt mit eurem Tanzstil bei Electro- und Partymukke die bösen Geister. Der Eintritt kostet 3€, mit Verkleidung sogar nur 2€!
Wann? 22 Uhr
Wo? Klex

Auch in der Kiste findet an diesem Tag eine Halloweenparty statt. Hier könnt ihr für 2€ in Kostümen zu elektronischer Musik gruslig tanzen.
Wann? 22 Uhr
Wo? Studentenclub Kiste

Alternativ (oder zusätzlich) könnt ihr in der ROSA zur „Monsters in my house“-Party gehen. Wie jeden Mittwoch könnt ihr für 5€ das Monster in euch auf der Tanzfläche rauslassen und zu Techno-Beats feiern.
Wann? 23 Uhr
Wo? ROSA

Im Kontorkeller findet die Urban-Madness-Party statt. Auch hier sind kostümierte Menschen willkommen, gruselige Drinks werden bereitgestellt und es kann zu Urban Music getanzt werden.
Wann? 23 Uhr
Wo? Kontorkeller

Donnerstag, 31. Oktober

Wenn ihr euren schwarzen Kater auskuriert habt, geht es am Donnerstag am besten in die Mensa. Auch hier heißt es „Happy Halloween Party Night“. Wer verkleidet ist, kommt kostenlos rein! Der Club wirbt außerdem mit Black Death Shots und Fotoecke.
Wann? 23 Uhr
Wo? Mensaclub

Für die Muggel und Magier*innen unter euch veranstaltet die Kiste eine Harry-Potter-Party. Für 2€ könnt ihr in die Welt von J.K. Rowling eintauchen und euch wegzaubern lassen.
Wann? 23 Uhr
Wo? Kisteclub

Wer zwischendurch mal lieber etwas Gutes tun möchte und wem nicht nur Alkohol durch die Blutbahn fließt, kann vom 28.10. bis 08.11. am „Vampire Cup“ teilnehmen. Der Wettbewerb zwischen deutschen Pharmazie-Studierenden soll motivieren, Vollblut, Thrombozyten oder Plasma spenden zu gehen. Also – wenn ihr in der Lage seid Blut zu spenden, dann unterstützt doch unseren FSR Pharmazie!

Nachdem ihr euch am Freitag vom ersten Teil des Wochenendes erholt habt, könnt ihr die restlichen Tage in der Bib verbringen… Oder ihr nehmt noch eine Party mit!

Samstag, 2. November

In der ROSA legt unter anderem Dave Dinger auf, ihr könnt euch als Studierende für 8€ ins Delirium tanzen und euch so vom anstrengenden Party-Wochenende erholen.
Wann? 0 Uhr
Wo? ROSA

Auch die Stadthalle Greifswald bietet mal wieder eine fetzige „Daddy Cool“-Halloween-Party an. Mit Musik aus allen Zeiten könntet ihr Teil der „größten Halloweenparty Greifswald“ werden.
Wann? 22 Uhr
Wo? Stadthalle

Alternativ könntet ihr auf die 2000er-Hip-Hop-Party im Kontorkeller gehen.
Wann? 23 Uhr
Wo? Kontorkeller

Na dann! Bastelt euch coole Kostüme, trinkt ein bisschen Blut (oder alternativ Bier) und wir sehen uns auf der Tanzfläche!

Beitragsbild von Colton Sturgeon auf Unsplash

Feiern mal anders!

Feiern mal anders!

Ihr habt noch keine genauen Pläne für das Wochenende und wollt mal wieder etwas Außergewöhnliches erleben? Dann haben wir vielleicht genau den richtigen Tipp für Euch! Am Samstagabend (13.04.) steigt nämlich die erste Silent Party in Greifswald. Ab 23 Uhr könnt ihr im Mensaclub das Tanzbein schwingen, für schmale 5€ Eintritt für Studierende. Das Besondere hierbei: Es läuft keine laute Musik, sondern jeder Gast bekommt einen eigenen Kopfhörer ausgehändigt. Die speziellen Kopfhörer leuchten in unterschiedlichen Farben und zeigen so an, in welchem der drei verschiedenen Musikkanäle Ihr Euch gerade befindet. Welche Musik im dritten Kanal läuft, bestimmt Ihr an diesem Abend selbst. Hier dürft Ihr dafür Eure Wunschtitel in eine offene Spotify-Playlist eintragen. Wird Euch die Musik dann doch zu viel, einfach Kopfhörer abnehmen und die Stille genießen. Also, wenn das nicht außergewöhnlich ist, wissen wir auch nicht weiter!

Wir wünschen Euch ein wunderschönes Wochenende und viel Spaß bei der Party!

Beitragsbild: Emmanuel bei Unsplash

Alkohol als ständiger Begleiter?!

Alkohol als ständiger Begleiter?!

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AStA la vista moritz.medien

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