von Marco Wagner | 10.06.2010

Bärbel Bohley (Mitte) war die Schirmherrin des diesjährigen Festivals
„Wie können wir auf die Herausforderungen dieser unserer Welt reagieren?“ – Auf diese und viele andere Fragen versuchte das GrIStuF (Greifswald International Students Festival) vom 28. Mai bis zum 5. Juni Antworten zu finden. Das Festival wurde unter die Schirmherrschaft der Bürgerrechtlerin und Künstlerin Bärbel Bohley gestellt. Das GrIStuF findet alle zwei Jahre in Greifswald unter einem ganz bestimmten Motto statt. Das Thema des diesjährigen Festivals war „responsability“ – Verantwortung.
Wie die Veranstalter bereits zu Beginn feststellen mussten, reichte die Anzahl der Helfer für das Festival nicht aus. Dies hatte zur Folge, dass bei der Organisation der Festwoche einige Probleme auftraten.
So kam es in den ersten Tagen zu Engpässen bei der Versorgung aller Gäste mit Unterkünften. Auf das Festival-Programm in englischer Sprache mussten die Gäste ebenso vorerst verzichten, weil es nicht rechtzeitig fertig wurde. Gar keine Verwendung fand ein Trailer, den die Kollegen von moritzTV für das Festival entworfen hatten.
Erfreulicherweise konnten diese Organisationspannen im Laufe der Woche behoben werden. Während des Festivals fanden zahlreiche Workshops unter dem Leitmotiv „responsability“ statt. Sie widmeten sich gesellschaftlich relevanten Themen wie beispielsweise Nationalismus und Rassismus, Sexismus, Bildungspolitik und Konsumgewohnheiten. Im Rahmen der Workshops fanden unter anderem auch Exkursionen nach Rostock und Rügen statt, so Phillip Wagner, Mitorganisator des GrIStuF.
Schüler begeistert von „Greifswald macht Schule“

Das diesjährige GrIStuF wurde von den Besuchern überwiegend positiv wahrgenommen.
Besonders positiv wurde seitens der Schüler und Veranstalter der Workshop „Greifswald macht Schule“ aufgenommen. Dabei besuchten die Teilnehmenden des Festivals Greifswalder Schülerinnen und Schüler im Unterricht und stellten ihr Heimatland vor. „Die Schüler waren begeistert“, erzählt Phillip. „Eine Teilnehmerin kam aus China. Sie hat lediglich einige Zeichen an die Tafel geschrieben und die Schüler raten lassen, welche Bedeutung das angeschriebene Wort haben könnte, schon wollten sie gleich Chinesisch lernen.“, so Phillip weiter.
Als problematisch erwies sich, dass die Fläche zur Präsentation der Ergebnisse des Workshops oftmals nicht ausreichte. Des Weiteren mussten einige Workshops ausfallen, da die hierfür angemeldeten Teilnehmer nicht erschienen.
Festival stieß auf positive Resonanz
Neben der Arbeit in den Workshops sollte das Vergnügen nicht zu kurz kommen. Neben der feierlichen Eröffnung, der „Welcome Party„, fanden zahlreiche weitere kulturelle Veranstaltungen statt. Den Abschluss der Festivalwoche bildete das „World Cafe“. Bei diesem wurden die Ergebnisse der Workshops vorgestellt. Anschließend zogen die Veranstalter und Teilnehmer mit einem kleinen Umzug durch die Stadt. Das Festival kulminierte schließlich in der Abschlussparty im Strandbad, dem „GrIStuF Open“.
Seitens der Besucherinnen und Besucher stieß das Festival überwiegend auf positive Resonanz, sagen die Veranstalter. Besondere Publikumsmagneten waren die „Welcome Party“, das „Running Dinner“, „Ship ’n‘ Chill“ sowie das „World Cafe“ mit anschließendem Umzug. Obwohl der Eintrittspreis für das „Greifswald Open“ von nicht wenigen Teilnehmern und zum Teil auch von Organisatoren als für Greifswalder Verhältnisse zu hoch eingeschätzt wurde, verzeichnete diese Veranstaltung hohe Besuchszahlen und stieß insgesamt auf positive Resonanz. Dennoch gab es auch einige Beschwerden seitens der Besucher, dass ein Teil der Veranstaltungen deutlich später begann, als im Programmheft angekündigt. Zudem ging im späteren Verlauf das Bier aus – für viele ein unverzeihlicher Lapsus.
Deutlich weniger Besucher als beim letzten Mal

Vor dem GrIStuF-Büro sah es am Montag chaotisch aus.
Wie auf einem Treffen des GrIStuf-Vereins am Mittwoch zu erfahren war, setzt man sich zum Ziel, entsprechende organisatorische Pannen, welche bei den diesjährigen Vorbereitungen auftraten, in zwei Jahren zu vermeiden. Darüber hinaus plant der Verein für die Zukunft, die Teilnehmerzahl wieder deutlich zu steigern.
Während am ersten GrIStuF 500 Studierende weltweit an dem Festival teilnahmen, waren es dieses Jahr lediglich 150. Es waren bis auf Australien alle Kontinente vertreten. Wie von Phillip Wagner zu erfahren war, ist etwa ein Jahr Vorbereitung notwendig, um die Veranstaltung auf die Beine zu stellen. So habe man bereits im Juni des vorigen Jahres mit der Wochenplanung für das diesjährige GrIStuF begonnen.
Hauptförderer des Festivals war das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Studierendenschaft unterstützte die Veranstaltungswoche ebenfalls mit etwa 7.700 Euro, ebenso Studentenwerk und Rektorat. Aus den Einnahmen durch Eintrittspreise kostenpflichtiger Veranstaltungen wolle man die am 21. Juni stattfindende Fête de la Musique refinanzieren. Im Gegensatz zum GrIStuF ist dieses Musikfestival für Teilnehmer vollständig kostenlos.
Nachtrag vom 14.6., 9:30 Uhr:
Zu diesem Artikel hat der Fleischervorstadtblog heute eine ausführliche kritische Replik veröffentlicht.
Fotos:
- Eröffnung: Patrice Wangen
- Welcome Party: Luisa Wetzel
- GrIStuF Möbel im Flur: Gabriel Kords
von Marco Wagner | 03.06.2010
Im Rahmen des GrIStuF findet am Freitag, dem 4. Juni, eine Kulturmeile statt. Das Angebot erststreckt sich von Kunstausstellungen, Konzerten und Buchlesungen bis hin zu Film- und Theatervorführungen. Im Theater Vorpommern wird an diesem Abend das Stück „Noras Tag“ aufgeführt. Es handelt sich hierbei um ein Theaterprojekt des Humboldt-Gymnasiums. Das Studententheater Stuthe stellt, passend zum Thema des GrIStuF, sein Stück „VerANTWORTung“ im Klex vor. In der Medienwerkstatt (Caspar-David-Friedrich-Institut, Bahnhofstr) präsentiert der Filmclub Casablanca den Film „Der Tag des Spatzen“. Bei diesem Streifen handelt es sich um einen „politischen Naturfilm“.
Im Geographenkeller informiert derweil der Dokumentarfilm „China Blue“ über die Arbeitsbedingungen in den Jeansfabriken Chinas. Anschließend laden die Geographen zum Grillen ein. Wer an diesem Abend selbst kreativ werden möchte, kann dies in den Kunstwerkstätten tun. Hier kann jede und jeder um 18 Uhr Buttons nach seinen eigenen Vorstellungen erstellen. In der Medienwerkstatt wird indessen Kunst und Musik miteinander verbunden. So kann man ab 19 Uhr eine Vernissage der Kunststudierenden besuchen, welche mit Klaviermusik untermalt wird.
Zahlreiche Kunstausstellungen, Konzerte, Lesungen…

Flyer
Im St. Spiritus stellen um 19:30 St. Petersburger Fotografen unter dem Motto „Nationalmarks – Die Kunstwerkstatt als Schutzgebiet“ ihre Bilder aus. Weitere Kunstausstellungen gibt es in den neuen Räumen der Galerie Schwarz (18 Uhr), dem Hinterhof der Brinkstraße 16/ 17 (18 Uhr), der Alten Bäckerei (18-22 Uhr) und in den Hallen am Bahnhof (19 Uhr).
Nach einer längeren Konzertpause ist auch Trust Fate wieder mit von der Partie – Frontsänger Robert Kempin alias „Der Freezer“ ist wieder im Lande. Die Band tritt unplugged um 21:30 Uhr erstmalig nach dem Pausieren in der Brasserie Hermann auf. Im Geologenkeller spielt unterdessen ab 20 Uhr der Liedermacher Waldo Werner. Anschließend legt „DJ Two Tonest“ Ska im Keller auf. Im Klex werden die „Les Haferflocken Swingers“ um 22:30 ihre Musik vorstellen. „Rockige Kammermusik“ gibt es um 20 Uhr in den Hallen am Bahnhof. Weitere Konzerte finden in der Hornfischbar (19:30), dem Ballhaus (21 Uhr) und dem Labyrinth (19 Uhr) statt.
Wem an diesem Abend nicht nach Konzert, Theater und Vernissage zumute ist, kann auch diverse Vorträge und Buchlesungen besuchen. Anja Tuckermann stellt um 18 Uhr ihr Buch „Mano, der Junge, der nicht wusste, wo er war“ im IBZ vor. Im Antiquariat Rose geht es um 19:30 Uhr um Marc Thörners „Afghanistan Code“. Um 20 Uhr wird in einem Vortrag im Cafe Koeppen der Zusammenhang zwischen der Kunst Samuel Becketts und der psychoanalytische Arbeit geklärt. Wer sich kunstgeschichtlich weiterbilden möchte, kann sich – in englischer Sprache – auf Caspar David Friedrichs Spuren begeben. Die Führung beginnt um 19 Uhr am Caspar-David Friedrich Zentrum.
Genauere Informationen zur Kulturmeile gibt es auf der GrIStuF-Homepage.
Bild Kulturmeile: GrIStuF.
von Carsten Schönebeck | 02.06.2010
Ein Beirag von Christina Lembcke
Vergangene Woche begann das Internationale Studentenfestival in Greifswald. Christina Lembcke mischte sich für den webMoritz unter die zahlreichen Gäste aus aller Welt.
„Jak się masz?“, „kheif halak?“ oder auch ein einfaches „How are you?“ waren heute überall in Greifswald zu vernehmen. Dazu ein offenes Lächeln, ein paar weitere Worte, zum Teil in ziemlich exotischen Sprachen, und schon waren alle in ein spannendes Gespräch vertieft. Wenn jemand mit seiner eigenen Muttersprache nicht mehr weiterkam, wurde ins Englische gewechselt.
Doch wer waren die Leute, die zusammen in großen oder kleinen Gruppen durch Greifswald liefen, sich in unbekannten Sprachen unterhielten und fröhlich miteinander lachten?

Die Teilnehmer an der Stadtführung
Neugierig ging ich auf eine Gruppe zu und sprach sie an. Schnell stellte sich heraus, dass die drei Studenten aus Russland kamen und im Rahmen des Internationalen Studentenfestivals „GrIStuF“ hier waren. Das Festival hatte am Vortag begonnen und nun wollten die Studenten, die von überall aus der Welt her angereist waren, die Stadt erkunden. Die Organisatoren des GrIStuF veranstalteten kleine Touren durch Greifswald, wobei sie tatkräftig durch die Lokale Erasmus Initiative (LEI) unterstützt wurden. (mehr …)
von webmoritz. | 30.05.2010
Wie bei den vorangegangenen GrIStuFs gibt es auch dieses Jahr eine Schirmherrschaft für das Festival: Es ist Bärbel Bohley, Bürgerrechtlerin der ehemaligen DDR, die vor allem durch ihr Engagement im Rahmen des Systemumsturzes 1989 und der anschließenden Wiedervereinigung bekannt geworden ist.

Bärbel Bohley
Sie wurde dafür unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. Heute ist sie nach wie vor gesellschaftlich aktiv. Sie lebte mehrere Jahre in Nachfolgestaaten des im Bürgerkrieg zerfallenen Jugoslawiens und unterstützte dort verschiedene Wiederaufbau- und Friedensprojekte. Sie ist Gründerin des Kinderhilfsprojektes „Seestern e.V„, ein Verein, der sich zum Ziel setzt, Kindern und deren Familien aus der ehemaligen Kriegsregion auf dem Balkan zu helfen. Nachdem sie mehrere Jahre in Kroatien und Bosnien-Herzegowina lebte, wohnt sie heute wieder in Berlin.
Am vergangenen Freitag reiste sie vier Tage nach ihrem 65. Geburtstag nach Greifswald, um der feierlichen Eröffnung des GrIStuF beizuwohnen. Dort sagte sie in ihrem Grußwort unter anderem:
„Wir alle haben eine Verantwortung über Generationen hinweg, und manchmal müssen wir die Alten an den Müllhaufen erinnern, den sie uns hinterlassen haben und den wir nur gemeinsam aufräumen können. (…) Ich möchte mit einem Spruch von Laotse schließen: ‚Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das was wir nicht tun.‘
In diesem Sinne: Lasst uns alle unsere Verantwortung wahrnehmen. Ich glaube an die Bürgerbewegung und die zivile Gesellschaft weltweit, denn nur die Menschen auf der Strasse wissen, was für sie wichtig ist!“
Der webMoritz sprach im Vorfeld der Veranstaltung mit Bohley.
Frau Bohley, wie haben Sie Greifswald wahrgenommen, als Sie hier angekommen sind?
Ich war hier ewig nicht. Die Stadt hat sich auf jeden Fall verändert. Und nun komme ich am Freitag hier nach Greifswald und es sieht alles irgendwie tot aus. Es ist zwar alles schön gemacht, aber es sind so wenig Leute auf den Straßen. Aber vielleicht sind sie ja auch alle beim Abendessen. (mehr …)
von Gastautor*in | 28.05.2010
Ein Beitrag von Irene Dimitropoulos

Flyer
„Die einzig wahre Quelle der Kunst ist unser Herz, die Sprache eines reinen kindlichen Gemütes. Ein Gebilde, nicht aus diesem Borne entsprungen, kann nur Künstelei sein“ sprach schon Caspar David Friedrich. Diesem Motto gerecht werdend findet am 29.5. die „Illustra“, ein Autoren-, Kinderbuchillustratoren- und Comic-Künstlertreffen auf dem Hinterhof der Rats- und Unibuchhandlung statt, das vorwiegend junges aber auch älteres Publikum anspricht.
Das Angebot bietet dem Zuschauer verschiedene Möglichkeiten, die Welt der Illustration kennenzulernen. Durch verschiedene Workshops für Kinder, die zum Beispiel die Gelegenheit haben, kleine Bücher herzustellen, sollen die Besucher gelockt werden. Ebenfalls gibt es vier Lesungen verschiedener Kinderbücher und Vorträge über die Arbeit als Illustrator und Mappen-Beratung für werdende Illustratoren, die von Erfahrenen und Dozenten angeboten wird.
Freitag Abend: Einstimmungskonzert (mehr …)