TITEL: Eine Karriere neben dem Studium

TITEL: Eine Karriere neben dem Studium

mm107_universum_16-Grafik3Das Studentenleben besteht nicht nur aus Vorlesungen, Seminaren oder Prüfungen. Dort knüpft man zwar neue Kontakte, allerdings erhöht das Engagement bei einem Verein die Chancen auf noch mehr  Bekanntschaften. In Greifswald gibt es einige Möglichkeiten, die das erleichtern: Die Mitarbeit in Vereinen wie GrIStuF, LEI oder Capufaktur.

Schummrig ist es, wenn man den Keller der Alten Frauenklinik in der Wollweberstraße betritt. Ein paar klapprige Schränke stehen im Flur und alte Tische in den Ecken. An den Türen prangen Schilder aus der Zeit, als die Frauenklinik noch genutzt wurde; sie weisen den Weg zur „Wäscherei“ und dem „Krankenblattarchiv“. Doch jetzt befinden sich hier keine Krankenblätter mehr, jetzt ist der Keller das Reich vom Greifswald International Students Festival (GrIStuF e.V.).

Der Verein organisiert seit 2002 regelmäßig drei große Veranstaltungen: das Running Dinner, die Fête de la musique und das alle zwei Jahre stattfindende Festival. Wöchentlich finden dazu die Sitzungen statt, zu denen sich seit ein paar Monaten auch Magdalene Majeed gesellt. Neben GrIStuF arbeitet die Masterstudentin für Organisationskommunikation noch im Allgemeinen Studierendenausschuss und in ihrem Fachschaftsrat mit. „Das ist natürlich extrem zeitintensiv“, gibt sie zu, „aber man kriegt das alles schon unter einen Hut. Man muss sich nur die Zeit gut einteilen.“ Sie begeisterte sich für den Verein in ihrer ersten Woche in Greifswald, als sie dessen Schnuppersitzung besuchte. „In Bamberg, wo ich meinen Bachelor gemacht habe, war das Angebot an studentischer Kultur nicht so groß. Und dann kam ich hierher und hab den Verein für mich entdeckt. Da dachte ich mir: Geh ich doch einfach mal vorbei!“, erzählt sie lächelnd. Magdalene freut sich schon sehr auf das anstehende Festival: „Es wird stressig, keine Frage, aber ich mag das. Ich brauche diesen Stress.“ Natürlich habe das Studium ein bisschen gelitten durch die ehrenamtlichen Aufgaben, aber Magdalene hat kein Problem damit, ein Semester länger zu studieren: „Ich mache das eben sehr gerne. Dafür nehme ich mir gerne die Zeit und verlängere um ein Semester.“

Durch das Sitzungszimmer spannt sich eine Leine mit Briefumschlägen, die mit den Namen der Mitglieder beschriftet sind. Aus einigen schauen Zettel hervor. An der Wand pinnt ein erster Entwurf vom Ablaufplan des Festivals, mit dem die Mitglieder allerdings noch nicht hundertprozentig zufrieden sind. Ungefähr ein Jahr, bevor das Festival stattfindet, beginnt das Team mit den Planungen. Magdalene sowie Anne Tober sind Teil der PR-Gruppe, in der unter anderem das Design des Festivals entwickelt wird: Das Logo, die Gestaltung der T-Shirts und der Homepage fallen darunter. „Man lernt auf jeden Fall etwas, das man im normalen Studium nicht lernt. Hier steigt man in solche großen Projekte ein und eignet sich alles learning by doing an“, schwärmt Magdalene. Anne ergänzt: „Ich freue mich darauf, kreativ sein zu können bei der Gestaltung des Logos. Da kann man sich schon recht gut ausleben.“ Sie schreibt gerade an ihrer Diplomarbeit in Biologie und ist erst vor kurzem zu GrIStuF gestoßen: „Zwei meiner Mitbewohner waren vorher schon dabei. Ich allerdings habe mich recht spät entschlossen mitzumachen.“ Durch den Aufruf „Die Fête fällt aus!“, der vom Verein gestartet wurde, weil es zu wenig Engagierte gab, hat sie sich endgültig zu einer Mitarbeit entschieden. Beide sind sehr gespannt auf die Teilnehmer, die aus vielen verschiedenen Ländern kommen. „Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, weshalb er hier ist. Ich freue mich auch darauf, ihnen Greifswald zu zeigen, weil Greifswald eine tolle Stadt ist“, erklärt Magdalene.

Während die Sitzungen bei GrIStuF auch in den Semesterferien weitergehen, hat Sabryna Junker diesbezüglich wenig zu tun. Sie ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Lokalen Erasmus Initiative (LEI n.V.). „Während der Semesterferien bin ich dabei, die alten Unterlagen zu sortieren, um zu schauen, was aktualisiert werden muss. Weil mir die alten Sitzungsprotokolle in die Hände gefallen sind, weiß ich auch wieder ganz genau, wann ich zu LEI gestoßen bin: am 16. Oktober 2007“, erzählt sie lachend. In den Semesterferien sei eigentlich nur der Vorstand aktiv, alle anderen Mitglieder stoßen kurz vor Beginn des Semesters wieder dazu. Für die ausländischen Studierenden gibt es schon eine Woche vor der Erstsemesterwoche Veranstaltungen, bei denen sie die Stadt kennen lernen oder letzte organisatorische Dinge klären können.

Nach der Arbeit zu der Sitzungmm107_Universum_17_Grafik2

Sabryna macht gerade Feierabend von ihrer Doktorarbeit am Institut für Mikrobiologie. Durch den Job ist sie zeitlich nicht mehr so flexibel wie früher während des Studiums. „Ich hatte tagsüber mehr Zeit, ich war nie von 8 bis 18 Uhr in der Universität. Dadurch war es natürlich einfacher Termine, wie Behördengänge, zu erledigen“, erklärt Sabryna. Sie rief die Stadtführung für die Erasmusstudenten ins Leben. Diese zählt inzwischen zu dem Repertoire, dass LEI jedes Semester anbietet. „Wir wollen den Studenten das Einleben in die Stadt und eine Integration in die Studierendenschaft erleichtern. Sie sollen deutsche Studenten, Greifswald und die Region kennen lernen“, zählt sie auf. Deswegen organisieren die LEI-Mitglieder neben Partys auch Fahrten in Großstädte wie Berlin oder Hamburg, aber auch nach Rügen oder Usedom. „Jeder kann hier die Aufgabe übernehmen oder die Veranstaltung organisieren, auf die er Lust hat“, meint Sabryna. Ihr selbst liegen eher die organisatorischen Dinge: Mit der Verwaltung sprechen, die Finanzierung planen oder eben alte Unterlagen sortieren. Sie erklärt lachend: „Ich arbeite lieber im Hintergrund. Mir macht die Arbeit Spaß, die normalerweise keiner machen will.“ Schon zu Schulzeiten war das Interesse, sich für ausländische Schüler zu engagieren, bei ihr sehr ausgeprägt. „LEI war eine willkommene Gelegenheit, das umzusetzen“, erläutert Sabryna.

Mittlerweile gibt es 15 bis 20 Mitglieder, die um die 20 bis 30 Veranstaltungen pro Jahr planen und durchführen. „Die Initiative ist viel größer geworden. Im Oktober 2006, beim ersten Treffen, kamen sechs oder sieben Leute zusammen, um zwei bis drei Veranstaltungen zu organisieren“, erzählt Sabryna, „Jetzt haben wir natürlich viel mehr Möglichkeiten, etwas auf die Beine zu stellen.“ Durch LEI lerne man neue Kulturen und Bräuche kennen. Die Nachtschicht, die jedes Semester stattfindende Schnitzeljagd durch Greifswald, brachte beispielsweise ein tschechischer Student aus seiner Heimat mit. Für Sabryna steht fest: „Es ist eine recht unkomplizierte Möglichkeit viele Leute und auch das kennen zu lernen, was neben dem Studium abläuft.“ Durch LEI hat sie viele Kontakte geknüpft zu Leuten innerhalb ihres Studiengangs, zu ausländischen Studenten, wobei der Kontakt auch erhalten blieb, nachdem die Studenten wieder in ihre Heimat zurückgegangen sind. „Ich habe auch sehr viel mehr über meine Region und die Universität kennen gelernt, als ich als Student kennen gelernt hätte, wenn ich nur geradeaus geschaut hätte“, hält sie fest.

Aufnahmeverfahren schreckt nicht ab

Anders als bei GrIStuF und LEI, bei denen man einfach bei den Sitzungen vorbeischauen kann, hat die studentische Unternehmensberatung Capufaktur e.V. ein Aufnahmeverfahren. Der Vereinsmitglieder arbeiten in verschiedenen Projekten mit meist regionalen Firmen zusammen. So haben sie zum Beispiel das Konzept für das Karriereportal „UNIchance“ der Universität Greifswald mitentwickelt (moritz berichtete im Heft 103). „Wir haben ein Assessment Center, bei dem wir unter anderem die Teamfähigkeit testen“, erklärt Jette Dowe, die seit ihrem fünften Semester bei dem Verein dabei ist. Danach muss jeder Anwärter auch ein Anwärterprojekt als eine Art Probedurchlauf mitmachen, bevor man offiziell Berater wird. „Man kann natürlich jederzeit als Interessent auch so zu den Vereinsrunden kommen, allerdings ist es dann abhängig vom jeweiligen Ressortleiter, ob man aktiv mitarbeiten kann“, erklärt Ersin Ceylaner, einer der Vorstandsvorsitzenden. Dieses Aufnahmeverfahren wird nur zu Beginn des Semesters angeboten. „Wir haben dieses Verfahren eingeführt, als ich im Vorstand war“, erklärt Jette, „denn damals sind sehr viele Anwärter von ihren Projekten abgesprungen, was die verbliebenen Mitglieder demotivierte.“ Abschreckend wirkt das Aufnnahmeverfahren anscheinend aber nicht: Zum letzten Termin waren über 60 Studenten da, weswegen drei Assessment Center organisiert wurden.

Ersin und Jette sitzen gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Vereins in der Cafeteria in der Mensa am Berthold-Beitz-Platz, um zu frühstücken, und sich danach auf ihre Prüfungsvorbereitungen zu stürzen. Die meisten Mitglieder sind BWL-Studenten, so auch Ersin und Jette. Beide lernten Capufaktur zu Beginn ihres Studiums kennen, entschieden sich aber später zum Beitritt. „Man sagt sich immer, man will das später machen, aber je eher man beginnt, desto besser kann man seine Zeit managen“, findet Ersin. Bei der Capufaktur gibt es zwei Karrieren, die man gehen kann. Es gibt auf der einen Seite eine Art „Vereinskarriere“: Man startet Anwärter, wird dann Ressortleiter und kann später Vorstandsmitglied werden. Dann gibt es aber noch die „Projektkarriere“ mit den Stufen Projektteammitglied, Projektleiter, Projektmanager. Jette hält fest: „Ich konnte eigentlich überall mal ein bisschen reinschnuppern. Mir gefällt die Stelle als Projektleiterin sehr.“ Ihrer Ansicht nach hält die Capufaktur viel für die Mitglieder bereit. Man lernt, sich vor anderen Leuten zu präsentieren, wie man effizienter verhandelt, aber auch wie man in einem Team zusammenarbeitet. Man durchläuft bei den Projekten mehrere Phasen und lernt dabei auch, mit dem Druck durch den Kunden umzugehen. Ersin fügt hinzu: „Man lernt Studenten kennen, die dasselbe machen wie wir auch. Es gibt zweimal im Jahr einen Kongress unseres Dachverbands, bei denen man ziemlich gut Kontakte knüpfen kann, zum Beispiel mit Unternehmen. Dabei springt ab und an auch mal ein Praktikumsplatz raus.“

Der Zeitmangel scheint bei allen drei Initiativen das größte Hindernis zu sein, weswegen sich Studenten gegen ein über das Studium hinausgehende Engagement entscheiden. „Ich finde, außerhalb der Klausurenphase habe ich keine Probleme, Studium und Capufaktur unter einen Hut zu bekommen. Während der Klausuren allerdings muss das eine oder andere Treffen doch schon mal verschoben werden“, erklärt Ersin. Bei allen Initiativen kann man selbst entscheiden, wie viel Zeit man in das Engagement stecken will. „Wenn man allerdings alles mitnehmen will, dann muss einem schon bewusst sein, dass ein Vorstandsposten sehr viel Energie kosten kann“, verdeutlicht Jette, „aber wenn man sich dessen bewusst ist, dann schafft man das auch.“ Und für Magdalene ist klar: „Ich verstehe das, wenn man Angst hat, dass es zu zeitintensiv wird oder dass man das Studium vernachlässigen könnte. Aber man bekommt einfach so viel zurück.“

Ein Feature von Katrin Haubold

TITEL: Im Namen der Studierendenschaft

mm107_hopo_8_Grafik1 Heutzutage gibt es die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Vereine. Nicht nur in der Kultur kann man sich engagieren. Auch in der Politik, genauer in der Hochschulpolitik, kann man sich ehrenamtlich betätigen. moritz macht sich auf den Weg die Studenten zu finden, die sich für ihre Universität einsetzen.

Immer wieder kreuzen große Slogans mit noch größeren Plakaten meine Wege. Slogans, die von mir verlangen ein Teil des Ganzen zu werden, sich zu engagieren oder einfach nur fragen: „Und Du?“. Aber kann man sich heute noch im modularisierten Studiengang engagieren? Und dann auch noch politisch? Kann ich mich irgendwie einsetzen für meine Universität, mein Institut?  Ich mache mich auf den Weg um das heraus zu finden.

Als ich Jan Mävers kennen lerne, sitzt er fünf Meter vor mir. Wir befinden uns in einem alten Hörsaal in der Botanik. Die Tische und Stühle sehen so aus als hätten sie schon ihre Blütezeit lange hinter sich – aber in vielen Gebäuden der Universität ist das ja der Fall.  Wir sind aber nicht hierhergekommen, um über altes Inventar der Uni zu diskutieren. Wir besprechen unsere Ziele und Wünsche. Nicht etwa die eigenen persönlichen Angelegenheiten, sondern unsere Wünsche und Ziele an die Arbeitsgemeinschaft (AG) Ökologie. Am 16. April 2013 berufte das Studierendenparlament (StuPa) die AG Ökologie ein. In dieser AG soll das ökologische Bewusstsein der Studierendenschaft geschult werden, indem Veranstaltungen organisiert und geplant werden.

Gemeinschaft der StudierendenZusammen geht alles leichter

Jan wirkt an diesem Abend selbstsicher, was wohl an seinen vielen unterschiedlichen Tätigkeiten liegt, wie seine Mitgliedschaft des Wahlausschuss für die  StuPa-Wahl. Seit 2011 ist er ehrenamtlich in der Greifswalder Hochschulpolitik tätig. Neben seinem Engagement in der AG sitzt er auch noch im Fachschaftsrat der Wirtschaftswissenschaften. „Im Fachschafstrat (FSR) bin ich Referent für Hochschulpolitik und Vernetzung, das passt ganz gut, weil ich durch die Arbeit in der AG Ökologie viel Kontakt zum StuPa und zum Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) habe“, erklärt mir Jan. Seine Arbeit in den Gremien macht ihm Spaß, gerade das Zusammenarbeiten mit den verschiedensten Menschen, sei es Studenten, Dozenten oder Außenstehende. Es sei ein tolles Gefühl, wenn die Arbeit plötzlich leichter von der Hand geht, weswegen Jan sich auch gerne engagiert. „Ich glaube aber auch, dass wir als Gemeinschaft der Studierenden eine wichtige Stimme haben, aber diese Stimme nicht automatisch da ist, sondern erst gefunden werden muss. Dafür braucht es viele Studierende, die sich einbringen.“ Nach zwei Stunden ist die konstituierende Sitzung der AG Ökologie vorbei mit der Entscheidung, dass wir eine Nachhaltigkeitswoche organisieren. Jeder der 15 anwesenden Studenten kommt aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Ich sitze hier neben Politikstudenten auf der einen Seite und Juristen auf der anderen. Vor allem Umweltwissenschaftler interessiert das Thema, sie füllen die Lücken des Raumes auf. Jeder der Anwesenden übernimmt eine Aufgabe, zum Beispiel  andere Initaitven anschreiben oder Veranstaltungsorte suchen. Allen Beiteiligten ist klar, dass sie in den nächsten Wochen viel Zeit für die Nachhaltigkeitswoche aufbringen müssen. Für den 24-jährigen Betriebswissenschaft-Student Jan ist das aber kein Problem. In wenigen Monaten wird er sein Studium der Betriebwirtschaftslehre beenden. „Ich hatte also keinen Druck, irgendwelche Leistungen im Studium zu bringen.“

Ehrenamt auf dem Neuen Campus

Immer wieder höre ich die Klischees der anderen Studenten. Nur die Studenten an der Philosophischen Fakultät und der Rechts-und Staatswissenschaftlichen Fakultät würden sich engagieren., Gerade die Studiengänge der Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät hätten alles was sie wollen. Sie bräuchten sich nicht zu engagieren. Ich bin gegenüber dieser Aussage skeptisch. Auf dem neuen Campus sehen zwar die Gebäude moderner aus und sie erinnern mich gar nicht an die Botanik. Aber auch hier sind Studenten dabei, sich für ihre Kommilitonen einzusetzen. Annekatrin Sill ist eine von ihnen. Sie wurde Anfang Januar von den Studenten der Biochemie und der Umweltwissenschaften in den FSR gewählt. „Es macht mir Spaß mich für Studenten  einzusetzen und wenn ich dann damit noch etwas bewegen kann, ist das umso besser“, erzählt Anne.  Ihre Aufgaben im FSR sind die Finanzen der Fachschaften zu verwalten. Sie erstellt den Haushaltsplan der Fachschaft und plant die internen Veranstaltungen. Neben den Finanzangelegenheiten hilft sie dabei, Laborkittel zu verkaufen. In erster Linie ist sie aber Ansprechpartner für die Studenten, die Probleme während des Studiums haben. Bei all der vielen Arbeit ist sie häufiger in der Stadt und im Institut unterwegs, um sich für die Belange der Studenten einzusetzen.

Neben dem Studium und ihrer Arbeit im FSR engagiert sich Anne auch noch bei der Freiwilligen Feuerwehr in ihrem Heimatort und ist Mitglied der Junior GBM. Die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie organisiert Tagungen und Vorträge. Bei so viel Ehrenamt ist es manchmal schwer das Studium noch mit unter den Hut zu bekommen. Gerade in der Prüfungszeit sei es schwer Klausuren zu schreiben und nebenbei noch die Arbeit zu absolvieren. „Ein guter Zeitplan ist alles!“, verrät mir die 26-jährige Biochemikerin im sechsten Semester.

Engagement ist etwas Selbstverständlichesmm107_hopo_8_Grafik2

Als ich die Alte Augenklinik betrete um meine Hausarbeit abzugeben, fällt mir ein Flyer auf, der auf den Treppenstufen liegt. Der AStA sucht nach Referenten und Praktikanten, die sich für die Studierendenschaft einsetzen sollen. Da wird es mir klar. Das erste hochschulpolitische Engagement, welches ich in Greifswald gesehen habe, war dass des AStA: nämlich die Erstsemesterwoche.

Im AStA-Büro ist in der vorlesungsfreien Zeit wieder einiges zu tun. Vor allem die neue Erstsemesterwoche nimmt viel Arbeit und Hilfe Hände von vielen fleißigen Studenten in Anspruch. Aber auch andere Themen müssen behandelt werden, wie die Petition „Bildung braucht…“. Hierfür ist neben dem AStA-Referenten für Hochschulpolitik auch seine Co-Referentin für Hochschulpolitik, politische Bildung und Antirassismus verantwortlich. Marie Bonkowski hatte sich Anfang März dafür entschieden, ein Praktikum beim AStA zu machen. Die Chance mit einem engagierten Team zu arbeiten und dabei die unterschiedlichsten Leute kennen zu lernen, waren die Argumente, die sie veranlasst haben, das Co-Referat für Hochschulpolitik Anfang Juli zu übernehmen. „Die Aufgaben, die ich momentan habe, mache ich unglaublich gerne“, erklärt Marie. Sie ist neben der Unterstützung des Hauptreferenten auch für die Organisation der Gremienwahlen und der Vollversammlung zuständig. Ebenfalls plant sie eigene Veranstaltungen zum Thema Antirassismus und politische Bildung. Viel Zeit für die Universität hat die Studentin des Öffentlichen Rechts neben ihrem Ehrenamt nicht. „Meistens lässt es sich aber ganz gut kombinieren, dafür verringert sich dann aber die Freizeit teilweise recht stark.“ Trotz des Stresses und der wenigen Freizeit würde Marie das Ehrenamt nicht aufgeben. „Politisches und soziales Engagement sind für mich etwas völlig Sselbstverständliches, da man wirklich etwas bewirken kann“, schwärmt sie. Weitere Initiativen zu besuchen, ist neben ihrer Arbeit nicht möglich. „Durch mein Referat habe ich allerdings die Möglichkeit, projektbezogen, mit verschiedenen Initiativen zusammenzuarbeiten.“

Neben ihrer Arbeit beim AStA ist die 23-Jjährige seit September auch noch Tutor für die Erstsemester des Studienkollegs. Hierbei hilft sie den Studienkollegiaten bei  Problemen mit Behörden und ist Ansprechpartner für die neuen Studierenden. Sie zeigt ihnen  zum Beispiel die Stadt und die universitären Einrichtungen. Marie ist begeistert, dass sie bei der Arbeit viele Menschen in den unterschiedlichsten Kulturen kennenlernen kann, was sonst kaum gehe

„Es gibt so viele tolle Möglichkeiten sich in Greifswald zu engagieren, dass ich es schade finde, dass Studenten nicht die Zeit für weitere Aktivitäten haben.“

Nachdem ich die halbe Stadt durchquert habe, stehe ich am Ende wieder vor den Plakaten mit dem Aufruf zum Engagement. Dieses Mal weiß ich aber, „ja ich kann mich neben meinem Studium politisch engagieren“. Und neben bei weiß ich, dass nicht nur Politikstudenten diejenigen sind, die sich für die Belange ihrer Studiengänge oder der Studierendenschaft einsetzen.

Ein Feature von Corinna Schlun.

Rubenow-Medaille geht an ehemaligen OB von der Wense

Rubenow-Medaille geht an ehemaligen OB von der Wense

Joachim von der Wense-David VössingJoachim von der Wense, der von 1993 bis 2001 Oberbürgermeister der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald war, wurde beim diesjährigen Stadtempfang in der Stadthalle mit der Rubenow-Medaille ausgezeichnet. Diese höchste Ehrung der Stadt wurde von seinem Amtsnachfolger Dr. Arthur König (beide CDU) für sein besonderes Engagement beim Krupp-Kollegs verliehen.  (mehr …)

Franz Müntefering in Anklam über Engagement, Niederlagen und Sarrazin

Ein Bericht von Martin Hackbarth

17.45 Uhr. Ein Zug passiert den Anklamer Hauptbahnhof. Einige wenige steigen aus, darunter auch ein älterer Herr im grauen Mantel und mit schwarzer Tasche. Er sieht sich um und lässt sich von einer kleinen Gruppe begrüßen, welche ihn zum Veranstaltungsort bringen soll. Es handelt sich bei ihm um Franz Müntefering, den ehemaligen Bundesvorsitzenden der SPD. Er ist wohl der bekannteste Politiker, der in den letzten Jahren in der Hansestadt an der Peene zu Besuch war. Grund seines Besuches war eine vom SPD Ortsverein organisierte Veranstaltung „Warum sich politisch engagieren?“ 50 Personen, welche nicht nur aus Anklam kamen, sondern auch aus näherer Umgebung, nahmen dies zum Anlass, um daran teilzunehmen. Für Müntefering selbst ist es eine recht kleine Veranstaltung, aber für Anklamer Verhältnisse hingegen ein Erfolg.

Demokratie lebt von der Mitgestaltung vieler

Franz Müntefering in Anklam. SPD-Mitglied und Theologiestudent Christopher Denda war auch dabei.

Die Veranstaltung begann: Müntefering referierte etwa eine halbe Stunde darüber, weshalb man sich politisch engagieren soll, warum er es damals tat und was er in seiner politischen Laufbahn erlebt hatte. Dabei war Müntefering weitestgehend neutral und riet zum allgemeinen politischen Engagement in demokratischen Parteien auf. „Es ist wichtig, dass sich Menschen politisch engagieren und sich für andere einsetzen“, sagte er. „Denn“, erläuterte der SPD-Politiker weiter, „eine Demokratie lebt von der Mitgestaltung vieler und nicht vom Diktieren einiger weniger.“

Man solle sich nicht von der politischen Arbeit abschrecken lassen und darf auch gerne mal anecken, denn „ wer zu 100 Prozent hinter einer Partei steht, ist nicht ganz dicht“, fuhr Müntefering fort. Darüber hinaus sollte man auch keine Angst vor dem Streiten innerhalb einer Partei, sowie mit anderen Parteien haben. Der 70-jährige Bundestagsabgeordnete erklärte: „In der Politik muss man sich streiten, aber danach noch ein Bier miteinander trinken können.“ Dies sei sehr wichtig, um Privates von Politik trennen zu können. Denen an Politik interessierten Anwesenden riet das SPD-Mitglied sich den Satz „Ein Sieg dauert seine Zeit, Niederlagen hingegen kommen viele“ einzuprägen.

Über die sozialen Sicherungssysteme

Dem Referat schloss sich eine etwa einstündige Debatte an. Während dieser wurde kurz über Thilo Sarrazin, Hartz IV, ehrenamtlichen Engagement und Bürgerinitiativen gesprochen. Zu Sarrazin selbst äußerte sich Müntefering nur dahingehend, dass er eine spätere Auflage des Buchs las und nun das unabhängige Schiedsgericht über die Zukunft entscheiden solle. Hartz IV wurde vor den anwesenden Bürgerinnen und Bürger verteidigt, aber unter dem Eingeständnis, dass sich einiges verbessern müsse. Er beobachtet auch mit Bedauern, wie sich die Politik derzeit verändert. Die sozialen Sicherungssysteme „dürfen wir uns von den FDP-isten nicht kaputt machen lassen“, so der ehemalige SPD-Vorsitzende zur aktuellen Lage. Zum ehrenamtlichen Engagement, Bürgerinitiativen und mehr Volksbefragungen auf Bundesebene äußerte sich Müntefering positiv. Er begrüßte, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich für andere einsetzen.

Foto: Stefan Damm