von moritz.magazin | 17.05.2010

Die Umsetzung des Ostseeraumschwerpunkts an der Universität Greifswald.
„Schwerpunkt“ ist ein Wort mit vielen Bedeutungen. Der geometrische Schwerpunkt, einer dreieckigen Platte beispielsweise, ist derjenige Punkt, „der unterstützt werden muss, um die Platte in Balance zu halten.“ Dass es sich bei dem mit „Ostseeraum“ betitelten Schwerpunkt unserer Universität um etwas anderes handelt, dürfte jedem klar sein – doch einige Parallelen zu der geometrischen Form des Dreiecks lassen sich vielleicht dennoch ziehen. Inwiefern muss auch der Schwerpunkt der Uni unterstützt werden, um sie „in Balance“ zu halten – sodass sie nicht kippt?
Die Konzentration auf den Ostseeraum beruht auf langen Traditionen: Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Grundstein für eine umfassende Beschäftigung mit nordeuropäischen Ländern in Greifswald gelegt. Als schließlich der Wende folgend nach möglichen Schwerpunkten für die Uni gesucht wurde, habe man sich an den bereits bestehenden Stellenstrukturen und außerdem an der geographischen Lage Greifswalds orientiert, berichtet Rektor Rainer Westermann. Nicht zuletzt wollte man sich in Mecklenburg-Vorpommern und auch in ganz Deutschland profilieren: „So einen Schwerpunkt gibt es an keiner anderen Universität in Deutschland!“ Die „Weiterentwicklung des Schwerpunktes Ostseeraum zu einem Alleinstellungsmerkmal in Forschung und Lehre“ ist auch im Leitbild sowie in der Zielvereinbarung der Universität von 2006 verankert.
Doch Worte sind bekanntlich noch lange keine Taten. Inwieweit hat die Universität nicht nur auf dem Papier ihren Schwerpunkt auf den Ostseeraum umgesetzt, sondern füllt diesen auch inhaltlich aus? Wie sieht das Verhältnis zwischen Anspruch und Verwirklichung aus? (mehr …)
von moritz.magazin | 14.05.2010
Der webMoritz veröffentlicht vorab diesen Artikel aus dem neuen moritz-Magazin (Nr. 84). Die neue Ausgabe des Magazins erscheint Anfang der kommenden Woche.

Von Annegret Adam
Warum brennt nachts im Audimax eigentlich das Licht? Und warum wird die Uni nicht grüner, obwohl doch alle „Nachhaltigkeit“ predigen? Während das Ministerium für Bildung und Wissenschaft das Jahr der „Zukunft der Energie“ ausruft, hinterfragen wir einmal die Energieeffizienz unserer Universität.
Die Verwaltung der Universität versucht ihren Beitrag zum grünen Campus zu leisten. So sollen in naher Zukunft – natürlich abhängig von der Haushaltslage – die derzeit 25 Kraftfahrzeuge der Universität durch emissionsarme Fahrzeuge ersetzt werden. „Dies könnte im nächsten oder übernächsten Semester so weit sein“, erklärt Mike Naujok, Referatsleiters der Allgemeinen Verwaltung und Nachhaltigkeitsbeauftragter. Ebenfalls zeitnah sollen zwei Fahrrad-Pools errichtet werden. Einer soll in der Altstadt stationiert werden, der zweite auf dem neuen Campus am Beitz-Platz. Mitarbeiter der Universität hätten so die Möglichkeit, zwischen alten und neuen Campus auf umweltschonende Weise zu pendeln.

Ohne Strom läuft nichts. Nach Angaben des Dezernats für Bau und Technik verbrauchte die Uni im Jahre 2006 7,3 Millionen Kilowattstunden Elektroenergie. Das entspricht einem Verbrauch von rund 1820 Einfamilienhäusern. In den letzten Jahren sah es ähnlich aus. Und wer glaubt mit der Sanierung von Gebäuden könnte man die Energieeffizienz positiv beeinflussen, der irrt. „Neue Gebäude müssen modernen Standards gerecht werden. Dazu gehören zum Beispiel aufwendige Belüftungssysteme“, berichtet Udo Mainusch, Mitarbeiter im Referat für Bau und Technik. War früher die Luft in den Hörsälen knapp, half nur Fenster öffnen. Heute genügt das nicht mehr. Nach einer Modernisierung verbraucht ein Gebäude daher wesentlich mehr Energie als vorher. Was man tun kann, ist den Energieverbrauch auf die wirklichen Bedürfnisse anzupassen. Dafür wird ein zentrales Steuersystem verwendet. Dieses analysiert den tatsächlichen Bedarf in den einzelnen Räumen und stimmt daraufhin die Versorgung ab.
Auch die moderne Architektur ist schuld. Während die Architekten des Institutes für Physik mit Preisen ausgezeichnet werden, flucht die Verwaltung. Riesige Säle und Eingangshallen verschlingen große Mengen an Heizkosten. Ganz zu schweigen von den Reinigungskosten für die großen Fensterfronten. Und wer sitzt nachts eigentlich in der Uni-Bibliothek? Während es zu Prüfungszeiten durchaus berechtigt ist, dort bis 24 Uhr arbeiten zu können, stellt sich die Frage, ob solche Öffnungszeiten auch in der normalen Vorlesungszeit notwendig sind?

Durch Kleinkredite finanzierte Photovoltaikanlagen könnten bereits nächstes Jahr die Universität mit Strom versorgen
Strom ist dann grün, wenn er aus nachhaltigen Ressourcen stammt, wie dem Sonnenlicht. Die AG UniSolar plant deshalb den Bau einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Universität (siehe moritz 80). Die Solaranlage soll eine Größe von 60 bis 300 Quadratmeter erreichen, dies hängt vor allem von der Größe des Daches ab, auf dem die Anlage installiert wird. Über dieses wird derzeit noch diskutiert. Der Bau soll im kommenden November beginnen. Damit es endlich losgehen kann, sammelte die AG in den vergangen Monaten kräftig Gelder. Fast schon wie ein Hilfeschrei wirkte das „Konzert für den Klimaschutz“, das mit Hilfe des AStA organisiert wurde. Während der Veranstaltung konnten letztendlich circa zehn weitere Investoren gewonnen werden und mit den Einnahmen des Abends von insgesamt 3230 Euro ist der Bau nun finanziell abgesichert.
Auch die Energie des Menschen sollte aus nachhaltigen Ressourcen stammen. Deshalb bietet die Mensa seit vergangenem Oktober ein regelmäßiges Bio-Menü an. Und weil niemand grüner ist als die Grünen, plant die Grüne Hochschulgruppe (GHG) für die Projektwoche im Mai ein Angebot von Workshops, sowie eine Exkursion zum Thema „BioMensa“. „Es soll dabei unter anderem um die Grundsatz-Policy für Ernährung an der Universität gehen“, so Florian Geyder von der GHG. In einem der Workshops soll versucht werden, ein Marketingkonzept für eine Biomensa aufzustellen, in einem anderen wird gekocht. „Außerdem versuchen wir möglichst einen Referenten für nachhaltige Fischerei von Greenpeace zu engagieren“, verriet Florian. Die Exkursion soll auf einen nahe gelegenen Bio-Hof gehen.
Auch in wissenschaftlicher Hinsicht baut die Universität ihre Energie- und Umweltsparte aus. Am 10. März wurde das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) unter dem Dach der Universität gegründet. Der Sitz befindet sich jedoch in Berlin, was an den Partnerinstitutionen liege. „Im Moment laufen Überlegungen an der Universität, ein übergeordnetes Zentrum zu gründen. Bei entsprechenden räumlichen Möglichkeiten wäre auch ein Umzug denkbar“, erklärt Professor Michael Rodi, Vorstandsmitglied des IKEM. Mit derzeit sechs Beschäftigten ist das Institut noch relativ klein. Aber auch das könnte sich ändern.
Ein „Grüner Campus“ zu sein, ist das erklärte Ziel der Universität. Doch am Ziel sind wir noch lange nicht. Erst wenn sich jeder selbst hinterfragt, kommen wir dem wirklich grünem Grün ein entscheidendes Stück näher. Und wenn ihr mal wieder im vollen Hörsaal sitzt und das Gefühl habt, das Belüftungssystem versagt, dann öffnet doch einfach das Fenster und freut euch über die Energie, die gerade eingespart wird.
Bilder:
Hauptgebäude – moritz-Magazin
Photovoltaikanlage – Pink Dispatcher via flickr
von moritz.magazin | 11.04.2010
Liebe moritz-Leserinnen und Leser,
Scheiße geteilt durch Utopie ist gleich Unzufriedenheit. So etwas lernt man also in der Uni. Aha. Unzufriedenheit versuche ich jedoch in meinem Wortschatz zu vermeiden. Das Leben ist einfach viel zu kurz, als dass ich mich mit den Unstimmigkeiten des Lebens rumplage. Es muss ja nicht immer die rosarote Brille sein, aber ein leichtes rosé. So sollten es übrigens alle halten. Zufriedenheit hängt oft von dem Weg ab, den wir einschlagen. Das Leben ist geprägt von Entscheidungen, quasi immer ein Ja oder Nein. Ein Jein existiert nun mal nicht.
Auch nicht bei der Entscheidung über unseren Namenspatron, welche nun endgültig gefallen ist. Es ist ein großer Schritt und jener Bedarf noch einmal einer ausführlichen Beleuchtung, welche ihr im aktuellen Heft findet. Auch die Möglichkeiten abzuwägen, gehört erheblich zum Entscheidungsfindungsprozess dazu. Was zum Beispiel nach dem Studium machen? Weiter dem Studentenleben frönen oder ins geregelte Berufsleben einsteigen? Wir gewähren euch einen Einblick anhand eines Interviews mit der Personalchefin von Medigreif, einem Erfahrungsbericht von der Zeit nach der Universität und einem Beitrag über den schwierigen Gang zum Arbeitsamt. Man sollte keine Angst vor Entscheidungen haben. Nicht der zugefallenen Tür hinterher trauern, sondern den Blick nach vorne richten, vielleicht ins Ungewisse, aber genau dies ist der Reiz des Lebens! (mehr …)
von moritz.magazin | 11.04.2010
Aufbruch in ein neues Leben
Ich habe ihn immer noch. Etwas abgegriffen und geknickt steckt er in meinem Portemonnaie zwischen Bahn- und Girokarte: mein Studentenausweis. Ich drehe und wende die unscheinbare Karte, die zu einer anderen Zeit gehört. Wegwerfen könnte ich sie, denn das Gültigkeitsdatum ist schon lang überschritten. Doch ich stecke sie wieder zurück. Zurück zu anderen Karten, Fotos und Erinnerungen.
„Ihre Studienzeit ist hiermit offiziell abgeschlossen.“ Die Worte des Studiendekans gehen mir nicht aus dem Kopf. Die Rede von Professor Schneider hallte auf der Absolventen-Feier Ende des letzten Jahres durch die historische Aula in Greifswald und brachte das auf den Punkt, was ich nicht wahrhaben wollte. Über fünf Jahre Studentenleben mit unzähligen Partys, tollen Menschen, prägenden Erfahrungen und unvergesslichen Stunden sind vorbei. Aus, Schluss, Ende. Die Erinnerungen an die schönen Momente in Greifswald können mir noch immer die Tränen in die Augen treiben. (mehr …)
von moritz.magazin | 11.04.2010
Nach dem Studienende gibt es viele Möglichkeiten. Welche sind die besten?
Die Abschlussarbeit geschrieben, die letzten Prüfungen bestanden, nun folgt der Gang zum Prüfungsamt, um das Abschlusszeugnis in Empfang zu nehmen. Und dann … endlich fertig! Jetzt kann man in die Arbeitswelt eintauchen, seinen Traumjob antreten. Endlich ist am Ende des Monats noch Geld da und man kann sich mehr leisten als nur Nudeln mit Ketchup und einem Wochenendtrip nach Hause.
Rund 1 500 Studenten machen jedes Jahr ihren Abschluss an der Universität Greifswald. Nach dem Abschluss geht es zum Arbeitsamt, um sich in die Datenbank aufnehmen zu lassen. Das Arbeitsamt hat schließlich alle freien Stellen parat. Doch wer diesen Weg eingeschlagen hat, ist mitunter bitter enttäuscht worden. Das Arbeitsamt kann oft nicht wirklich bei der Jobsuche weiterhelfen, sondern nur Tipps geben, wo man etwas finden könnte. Gründe gibt es dafür viele. In Städten, wo es keine Universität gibt, wissen die Mitarbeiter oft nichts mit den Studiengängen und -abschlüssen anzufangen, beziehungsweise welche Jobs dafür geeignet sind oder welche Qualifikationen man mitbringt. (mehr …)
von moritz.magazin | 11.04.2010
Katja Enderlein, Personalchefin der Medigreif-Gruppe, erzählt über ihr Erfolgsrezept, schlechte Bewerbungen und warum man keine Vorlesung verpassen sollte.
moritz Frau Enderlein, in einem Erfahrungsbericht in diesem moritzerzählt eine ehemalige Studentin über das tiefe Loch, in das sie nach dem Studium gefallen ist. Sie sind mit jungen Jahren bereits in der Führungsetage angelangt. Was haben Sie anders gemacht?
Katja Enderlein Ich habe als eine der ersten Studentinnen nach der Wende Rechtswissenschaften hier in Greifswald studiert, doch habe ich schon während des Studiums aktiv gearbeitet, beispielsweise am Lehrstuhl für Strafrecht und Strafrechtsgeschichte. Für mich hieß studieren nie, sich zurückzulehnen, sondern vielmehr Anstrengung und harte Arbeit.
moritz Wie sah diese Anstrengung konkret aus?
Enderlein Ich habe aktiv Praxis eingefordert und mir nicht nur bei meiner Praktikumsstelle den Stempel abgeholt. So halten wir es auch in unserem Unternehmen. Hier wird nicht nur kopiert, wir erwarten auch etwas von den Praktikanten. Einige kommen damit nicht klar, aber die die bleiben, haben eine reelle Chance, einmal richtig eingestellt zu werden. Praxis und Theorie liegen nun einmal weit auseinander, das kann zu Startschwierigkeiten führen. Aber bei uns geht es nicht nach „Schema F“, bei uns müssen Entscheidungen getroffen werden. (mehr …)