Merkel & das Greifswalder Kohlekraftwerk

Angela Merkel besucht am 29.2. Stralsund, um das renovierte Theater der Hansestadt einzuweihen. Die Bürgerinitiative “Kein Kohlekraftwerk in Lubmin” will diesen Termin nutzen, um gegen Merkel zu demonstrieren, da sie hinter den Plänen für das Kohlekraftwerk steht. Alle Infos zur Demo & Bussen gibt”s hier.

Foto: angelamerkel.de

Schlagabtausch zum Kohlekraftwerk

Gestern kam der Grünen- Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer zum extra nach Greifswald verlegten Landesparteitag der Grünen. Dabei bezog er klare Position gegen das Kohlekraftwerk. “Das was Ihr hier kämpft, ist Teil eines internationalen Kampfes, bei dem es um nicht weniger als die Selbstrettung der Menschheit […]”, so Bütikofer. Er unterstützte zudem die grünen Bürgermeisterkandidaten in Greifswald und Stralsund und hofft über das Thema Kohlekraftwerk die dünne Basis der Partei in M-V (nur 300 Mitglieder) auszubauen.

DONG Energie (Baut das Kohlekraftwerk) hingegen hat gestern die Samstag-Ausgabe der Ostseezeitung einen vierseitigen Newsletter beigelegt. Darin wirft der Konzern der Bürgerinitiative “Kein Steinkohlekraftwerk in Lubmin e.V.” vor, die Bürger zu täuschen, indem die optische Störung des Lubminer Strandes durch das Kohlekraftwerks übertrieben werde.

Meine Meinung:

Während die SPD das Kohlekraftwerk nutzt, um einen langjährigen Ministerpräsidenten in einem internen Machtkampf loszuwerden (Archiv), versuchen die Grünen mit Hilfe des Protestes ihre Basis auszubauen. Schöne Welt.

Wahrscheinlich ist die Darstellung der Bürgerinitiative übertrieben. Aber es sind eben auch nur wütende Bürger und kein Ingenieurbüro. Erstaunlich ist jedoch, dass Dong behauptet sein Kraftwerk wäre vom Strand gar nicht mehr zu sehen. Auch dieser Darstellung gegenüber wäre ich skeptisch. Schließlich sieht man in Lubmin fast aus jedem Winkel die Türme des alten Atomkraftwerkes. Und Blöcke & Schornstein des Kohlekraftwerkes sollen noch höher werden als die alten.

Viel spannender als diese Diskussion ist jedoch, dass alle inhaltlichen Vorwürfen (Verbrennung von Braunkohle, Fehlen der Kraftwärmekopplung etc.) vom Dong-Flyer nicht thematisiert werden.

Bildquelle: reinhard-buetikofer.de // eigener Scan

Greifswalds Sturmnacht

Laut NDR hatten wir gestern Orkanböen mit bis zu 156 Stundenkilometern.

“Nach Angaben des Lagezentrums im Schweriner Innenministerium verzeichneten die Feuerwehren im Land mehr als 200 Einsätze. […] Schwerpunkt in Mecklenburg-Vorpommern war der Osten des Landes, insbesondere der Raum Greifswald. In der Region stürzten mehr als 150 Bäume um.”

Bei uns im Studentenwohnheim sind zwei Fenster eingebrochen, mindestens 10 Fahrräder hinüber, eine Papel steht schräg und ein größerer Busch ist völlig umgemäht… Was ist bei Euch kaputt gegangen?

DPA-Meldung

*Update*: Hier Bilder eines kleinen Spaziergangs:

Gefällter Busch vor dem Studentenwohnheim Geschwister-Scholl-Straße.

Umgestürzter Mülleimer in Anklamer-Straße.
Zerschmettertes Fenster im Studentenwohnheim Geschwister-Scholl-Straße.
Noch ein kauttes Fenster im Studentenwohnheim Geschwister-Scholl-Straße.
Dachschäden an fast jedem zweiten Haus.

Gerüstschaden am Greifswalder Krankenhaus.

Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten! Frischer Atommüll für Greifswald.

Es ist eine ganz kleine Meldung, die da gestern bei MV-Regio auftauchte:

“Test-Transport von leerem Castor von Karlsruhe nach Lubmin”.

Langweilig? Nicht ganz. Es ist das, was über 10 Jahre angeblich UNMÖGLICH war und jetzt doch passiert: Atommüll aus Westdeutschland wird mangels Endlager nach Osten abgeschoben. Genauer gesagt nach Greifswald (Lubmin) – wo es niemanden stört.

Das Zwischenlager bei Greifswald war gebaut worden, um ausschließlich Ost-Atommüll einzulagern, der durch die Abschaltung der gefährlichen DDR-Kernkraftwerke Greifswald und Reinsberg entstehen würde. Doch die Atomindustrie sorgte damals vor und konzipierte das Zwischenlage extra größer. Genau genommen bauten sie das größte Zwischenlager Deutschlands (größer als Gorleben und Ahaus zusammen). Bereits 1991 – noch in der Konzeptionsphase – wunderten sich Anhänger von Greenpeace woher all der Atommüll kommen sollte um die acht Betonhallen mit 20 000 Quadratmeter Stellplatz zu füllen.

Es war niemand geringeres als Angela Merkel, damals Bundesministerin für Umwelt und Reaktorsicherheit, die 1995 dafür bürgte, dass kein Westmüll nach Greifswald käme. Inzwischen sieht Frau Merkel das anders. Sie erkannte, dass das Atomgesetz nicht zwischen Ost- und West-Atommüll unterscheidet. Upps! Pech gehabt Greifswald.

Mit dem geheimen Transfer des Test-Castors (schon am 28. Januar) aus einer ehemaligen Wiederaufbereitungs-Anlage aus Karlsruhe wird der Transport von fünf echten, mit hochradioaktivem Material beladenen Castoren vorbereitet. Die echten Castoren, vom Typ der La Hague-Gorleben-Transporte, werden wahrscheinlich ab 2010 rollen.

Meine Meinung:

Wichtiger als ein leerer Castor ist für mich die symbolische Rolle des Transports. Mit ihm werden all die Lügen, mit denen man die Bürger über Jahrzehnte beruhigte, endgültig obsolet.

Es sind übrigens die Energiewerke Nord (EWN), die sowohl das Zwischenlager betreiben, den Atommüll anwerben (damit verdient man richtig viel Geld!), als auch jetzt den Investor für das (eventuell) größte deutsche Kohlekraftwerk organisierten. Und sie helfen Schröder und Putin eine Gaspipeline durch die Ostsee zu verlegen, die ebenfalls in dem selben Industriegebiet an Land kommt… In der Energiewirtschaft hilft man sich eben gerne.

In würde gerne mal in die Bücher dieses Unternehmens schauen…

Spiegelartikel von 9/1998 mit dem Titel “Atomklo Greifswald” (kostenloses Archiv)
Indymedia Artikel über den Transport (Hauptquelle)
moritz: “Greifswalds neuer Atommüllhafen” – Artikel (2004) über die EWN und das Atommüllzwischenlager (PDF, S. 10-16)

Bildquelle: Indymedia