von Gabriel Kords | 06.04.2010
Für die Greifswalder Studenten beginnt heute wieder der Ernst des Lebens: Ausgerechnet am Dienstag nach Ostern beginnen die Vorlesungen. Die Uni steht mit dieser Terminwahl eher einsam da, denn an den meisten Unis beginnt das Semester erst am kommenden Montag, dem 12. April. Das Semester geht bis zum 17. Juli mit einer einwöchigen Unterbrechung nach Pfingsten: In der Projektwoche (24.-28. Mai) finden keine Vorlesungen statt.
Schlechter Besuch bei der Ersti-Woche
Dass die Uni in diesem Jahr bereits direkt nach Ostern in die Vorlesungszeit startet, hatte negative Auswirkungen auf die Erstiwoche: Sie fand dieses Mal in der Karwoche statt, aber nur wenige der insgesamt 750 Erstis fanden ihren Weg zu den Angeboten des AStA. Sowohl die Ersti-Challenge am Dienstag als auch der Markt der Möglichkeiten am Mittwoch waren ausnehmend schlecht besucht.
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von Laura Brehme | 05.04.2010
Vergangene Woche zeigte die ARD einen Film über Scientology. „Bis nichts mehr bleibt“ soll einen Einblick in die Strukturen der Organisation und die damit einhergehenden Probleme bieten. Im Anschluss diskutierten Kritiker und Sympathisanten von Scientology bei „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg.

In Berlin warnten zeitweise Plakate vor den Methoden der Sekte.
Frank (Felix Klare) kämpft vor Gericht für das Sorgerecht seiner Tochter Sarah, nachdem er Scientology den Rücken gekehrt hat. Sowohl er, als auch seine Frau Gina (Silke Bodenbender) waren jahrelang Mitglied in der Organisation, bis Frank misstrauisch wird und sich gegen die Gruppierung entscheidet. Damit gerät er in eine heftige Auseinandersetzung mit seiner Frau, die seinen Entschluss nicht teilt. Von der Situation der Gerichtsverhandlung aus wird die Geschichte eines Aussteigers beschrieben.
Es war das erste mal, dass in Deutschland in Form eines Spielfilms über Scientology aufgeklärt werden soll. Der Zuschauer bekommt im Film einen hervorragenden Einblick in die Strukturen von Scientology. Angefangen bei den Einstiegstests bis hin zum „Alltag“ als vollständiges Mitglied der Organisation.
Besonders beeindruckend ist die Schilderung der Problematik, die mit einem Einstieg bei Scientology einhergeht: Schulden, Abbruch des Kontakts zu Familie und Freunden, Einschränkung der Willensfreiheit.
Scientology verspricht durch bestimmte Kurse mehr Glück, mehr Leistungsfähigkeit, mehr Stärke. Und tatsächlich stellt sich bei Frank und Gina zunächst ein Gefühl der Zufriedenheit ein. Sie sehen sich verändert, stärker. Doch bald wird klar, Glück findet man bei Scientology nur, solange man zahlt und nichts hinterfragt. Frank gibt sein gesamtes Geld für Kurse bei Scientology aus, für die er auch sein Architekturstudium aufgibt. Als er pleite ist, muss er bei Scientology arbeiten um seine Schulden abzubauen. Ein Gehalt wird ihm nie ausgezahlt.
Als er Zweifel an der Organisation zeigt, wird er unter besondere Behandlung gebracht. Immer wieder muss er so genannte „Wissensberichte“ schreiben, in denen er dazu gezwungen wird sogar seine eigene Frau anzuschuldigen.
Was jedoch im Film zu kurz kommt ist die Nachvollziehbarkeit. Der Einstieg von Frank und Gina wird mit persönlichen Schwierigkeiten begründet: Streit in der Ehe, ein schwieriges Verhältnis zwischen Gina und ihren Eltern sowie Franks Misserfolg im Studium. Doch reicht das aus, Scientologys Methoden zum Opfer zu fallen? Ist man den Persönlichkeitstests von Scientology tatsächlich derart ausgeliefert? Diese Fragen kommen im Film leider zu kurz.
Ein wenig Aufklärung bietet die Diskussionsrunde „Hart aber fair“ im Anschluss des Films. „Der Film nimmt einzelne Teile von Scientology heraus und stellt diese falsch dar“, wirft der Scientology-Pressesprecher Jürg Stettler dem Film vor. Er bestreitet, dass Übungen, wie sie im Film dargestellt werden, tatsächlich so stattfinden: „Ich habe noch nie gesehen, dass Kinder so trainiert werden.“ Inzwischen hat Scientology einen eigenen Film gedreht, der ihre Seite darstellen soll und im Internet zu sehen ist.
Das ehemalige Scientology-Mitglied Wilfried Handl widerspricht Stettlers Vorwürfen: „In den Übungen geht es darum Macht zu erlernen und Macht auszuüben! Das sind Standardübungen für Scientology-Mitarbeiter.“
Der ehemalige bayrische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), ebenfalls Gast in der Sendung, spricht die rechtliche Problematik von Scientology an: „Die Menschen haben das Recht auf ein selbst bestimmtes Leben. Doch bei Scientology führen sie ein von Scientology bestimmtes Leben!“
Es ist gut, mit einem Spielfilm die Menschen über die Strukturen von Scientology aufzuklären. Denn dadurch bleibt Scientology nicht die unbekannte Organisation, hinter deren Türen man nicht blicken kann. Und das Wissen über Hintergründe ist die Grundvoraussetzung für eine offene Diskussion über Scientology.
Bilder:
- Foto Startseite: striatic via flickr
- Logo Scientology: wikimedia commons
- Litfaßsäule Berlin: Andreas Praefcke via wikimedia
Hinweis: Am 6. April wurde um 11:35h die Bildunterschrift des ersten Bildes (Litfaßsäule) korrigiert. Zuvor war der Eindruck entstanden, das abgebildete Plakat hänge immer noch am abgebildeten Ort.
von Tjorven Hinzke | 31.03.2010
Das umstrittene Steinkohlekraftwerk Lubmin ist trotz des Rückzugs des dänischen Investors Dong Energy am 11. Dezember 2009 und des darauffolgenden Jubels der Kraftwerksgegner noch nicht zu Grabe getragen.
Wie in den letzten Wochen mehrfach den Medien zu entnehmen war, läuft das Genehmigungsverfahren weiter. In einer Pressemitteilung von Dong Energy heißt es: „Während dieser Phase beabsichtigt die Projektgesellschaft, keine Schritte zu unternehmen, die der Realisierung des Kraftwerksprojekts entgegenstehen. Insbesondere werden die gestellten Genehmigungsanträge nicht zurückgezogen“.

Die Projektgesellschaft gibt es nach wie vor.
Die Projektgesellschaft Kraftwerke Greifswald, an der Dong Energy 74,9 Prozent der Anteile hielt, die Frankfurter Aktiengesellschaft WV Energie das restliche Viertel, sucht aktiv nach weiteren Investoren. Äußern will man sich dazu aber derzeit nicht: Ein Sprecher der WV Energie, auf deren Website das Projekt noch in der alten Form mit DONG als Hauptbeteiligtem zu finden ist, teilte mit, es würden aufgrund des noch laufenden Ausstiegsverfahrens derzeit keine Auskünfte an die Medien gegeben. (mehr …)
von Gabriel Kords | 27.03.2010
Auch wenn man in den letzten Wochen beim Besuchen des webMoritz mitunter etwas anderes vermuten konnte: Selbst in der vorlesungsfreien Zeit passiert gelegentlich etwas in Greifswald. Zudem gab es wie immer die ein oder andere Nachricht, die nicht groß genug für einen eigenen Artikel war. Im Rahmen von webMoritz kompakt, einer Mischung aus Nachrichtenüberblick und Presseschau, werden sie nun ihre Erwähnung finden. Wir stellen im Folgenden zusammen, was sich in den letzten Tagen ereignet hat und bisher noch keinen Eingang in den webMoritz fand.
Hinweis: An manchen Stellen sind Artikel aus Online-Medien verlinkt, die nur für Abonnenten zugänglich sind oder nur für einen begrenzten Zeitraum kostenlos im Netz stehen. Daher kann es beim Aufrufen der Links zu Fehlermeldungen kommen.
Städtischer Bausenator Arenskrieger wechselte nach Schwerin

Reinhard Arenskrieger wechselte nach Schwerin
Der bisherige städtische Bausenator Reinhard Arenskrieger ist am Freitag, dem 12. März, zum Vizepräsidenten des Landesrechnungshofs M-V gewählt worden. Die Wahl des CDU-Manns war zunächst allerdings gescheitert: Im ersten Wahlgang erreichte Arenskrieger die notwendige Zweidrittel-Mehrheit nicht. Daraufhin entschied der Landtag mehrheitlich, die Abstimmung zu wiederholen – und Arenskrieger erreichte die erforderliche Zweidrittelmehrheit doch noch – aber hauchdünn. Damit ist der Posten des Vize-Chefs beim Landesrechnungshof nach langjähriger Vakanz wieder besetzt. (mehr …)
von Carsten Schönebeck | 17.03.2010
Der Akademische Senat der Greifswalder Universität hat sich heute klar für die Beibehaltung des umstrittenen Namenspatron ausgesprochen. Damit dürfte die universitäre Debatte der vergangenen 9 Monate, die auch bundesweite Beachtung fand, in den kommenden Tagen ihr Ende finden.
Nachdem eingesetzte Komission im vergangenen Monat bekannt gab, keine Empfehlung über Beibehaltung oder Ablegung des Namens geben zu wollen, hatte bereits im Februar eine Aussprache über den Abschlussbericht derselben im Senat stattgefunden. Wie erwartet war zur heutigen Sitzung des Gremiums ein Antrag eingegangen, der die Ablegung forderte. Gestellt wurde er von den Senatoren Prof. Hubertus Buchstein, Thomas Schattschneider und Fabian Freiberger.

Vor dem Rubenow-Denkmal hatten sich die Arndt-Kritiker versammelt - auf der anderen Straßenseite standen die Befürworter.
Zahlreiche Aktivisten hatten sich aus diesem Anlass heute vor dem Universitäts-Hauptgebäude versammelt und demonstrierten ihre Meinung. Geschätzt standen sich auf beiden seiten je fünfzig bis sechzig Demonstranten gegenüber, auf Seiten der Arndt-Befürworter unter anderem auch der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Greifswalder Bürgerschaft, Axel Hochschild, und der Vorsitzende des Uni-Fördervereins und Landtagsabgeordnete Sebastian Ratjen (FDP). Beide hatten sich im Verlauf der Debatte mehrfach öffentlich zu Wort gemeldet und positioniert. (mehr …)
von Gabriel Kords | 17.03.2010
Der akademische Senat der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, sich nicht vom Namenspatron der Universität zu trennen. Ein entsprechender Antrag mehrerer Senatoren verfehlte die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit deutlich.

Archivbild einer Senatssitzung
22 der insgesamt 36 Senatoren votierten in der geheimen Abstimmung für die Beibehaltung des Namens, 14 dagegen. Enthaltungen gab es nicht. Damit trat auch der befürchtete Fall, die Senatoren könnten zwar mit einfacher Mehrheit, aber nicht mit der benötigten Zwei-Drittel-Mehrheit gegen Arndt votieren, nicht ein.
Vor der Abstimmung hatten sich Gegner und Befürworter noch einmal auf dem Rubenowplatz vor dem Uni-Hauptgebäude, in dem der Senat tagte, versammelt. Anschließend nahmen über 100 Zuschauer an der Senatssitzung teil, in der der Antrag auf dem ersten Tagesordnungspunkt stand. (mehr …)