Singende Balkone und Elfenohren im Nebel
Greifswalder Kulturnacht – ein Streifzug zwischen Hula-Hoop, Stadtgeschichte und Musik.
Wenn die Tage im September kürzer werden, verwandelt sich Greifswald jährlich für eine Nacht in eine offene Bühne. Kunst, Gesang, Instrumente, Lichter, Geschichten, Workshops. Die Greifswalder Kulturnacht ist eine Möglichkeit, neue Orte kennenzulernen und sich durch die bunten Angebote der Stadt zu schlängeln. Alles an einem Abend und fast alles kostenfrei.
Was passiert in der „Stadt der kurzen Wege“, wenn die Kultur gefeiert wird?
Das Programm war so vielfältig, dass man beim Planen Abstriche machen musste. Gerade in der Innenstadt bekam man jedoch die geballte Kulturnacht zu spüren. Schnell blieb man zwischen A und B an einer Ecke hängen, die man vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Hier und da ein paar Lichter, schöne musikalische Untermalung, und schnell nahm man die ein oder andere Station mehr mit.
Wer schon nachmittags etwas Neues erfahren wollte, begann seine Kulturnacht in diesem Jahr bei der Kirche St. Jacobi, mit einem Vortrag zu Frauen in der Geschichte der Stadt oder ließ sich von den Mitarbeiter*innen des Botanischen Gartens etwas über Blüten und Blätter erzählen. Wer sich eher unterhalten lassen wollte, ging später zu einer Nachtführung mit Legenden, Sagen und Gruselgeschichten der Universität Greifswald.
Das Stadtleben vermischt sich
In Schönwalde II sangen Balkone, die Moschee sang wenig später mit und bot Köstlichkeiten an. Ein lebendiger und nachbarschaftlicher Auftakt. Auch in der Innenstadt verdichtete sich daraufhin das Geschehen und die Instrumente wurden angestimmt. Ob Folk/Rock auf der Straße, eine offene Jamsession in Wohnzimmeratmosphäre, Sprechgesang mit Wein in der Studio-Galerie, bunte Lichter im Keller der Bibliothek oder doch eine Techno-Session mit Nebelmaschine vor dem Landesmuseum – für alle war etwas dabei! Jeder konnte irgendwo schunkeln, schauen und vielleicht sogar singen, wie bei der Aufführung der Musikschule im Historischen Gewächshaus.
Dazwischen passieren Begegnungen, die so einen Abend ausmachen. Beim Hula-Hoop Workshop in der Volkshochschule traf ich eine alte Frau, die auch die Reifen ausprobieren wollte, später sah ich sie wieder zu Techno vor dem Landesmuseum wackeln. Ganz vorn beim DJ! In der Menge waren auch Menschen mit Elfenohren zu entdecken, die sie vorher bei einem Workshop in der Straze gebastelt hatten. Viele beendeten ihren Abend bei entspannter Musik am Hafen oder doch weiter aufgeheizt bei der Aftershow Party im C9. Mit dem Beutel voller Funde vom Flohmarkt der Stadtbibliothek, ging es zumindest für mich danach nach Hause.
Wer dieses Jahr Zuhause geblieben ist oder erst jetzt von diesem besonderen Kulturereignis in Greifswald erfährt, sollte sich diesen Spätsommertermin für nächstes Jahr dick im moritz.magenta anstreichen, die Vielfalt an Workshops und Musik erleben und die Kultur in Greifwald mitfeiern.
Erfahrungsbericht zur Greifswalder Kulturnacht am 11. September 2026; Bild & Text von Medea Gädke




