Grenzmärkte, die Deutsche zum billigen Einkauf besuchen und Polenmarkt nennen, heißen auf der anderen Seite der Grenze „niemiecki rynek“ – deutscher Markt. Und Dr. Marek Fiałek vom Institut für Slawistik der Universtität Greifswald? Der nennt des Festival, das jeden November Menschen in Pommern verbindet und polnische Kultur zelebriert, kurz: polenmARkT.

Wobei „Markt“ längst untertrieben ist. Die Bezeichnung Plattform trifft es viel besser für das, was mittlerweile das ganze Jahr über den Austausch zwischen Deutschland und Polen fördert und im November seinen jährlichen Höhepunkt findet. Nach Dr. Marek Fiałek ist die wichtigste Aufgabe erfüllt, sobald sich Kulturschaffende und Künstler*innen vernetzen und neue Projekte anstoßen. Bestes Beispiel: Die neue Ausstellung im Kunstcubus CUBIC „Ein reich gedeckter Tisch / A Richly Set Table“ am Karl-Marx-Platz. Das Konik Studio, das 2025 erstmals im Rahmen des Festivals ausgestellt hatte, kehrt nun mit einer neuen Installation nach Greifswald zurück. Genau darum geht es: Grenzen überwinden und nachhaltig zusammenarbeiten.

Das vollständige Programm findet ihr auf der Website des polenmARkTes – einzelne Punkte auch auf dem Instagram Account des Vereins.

Auch die moritz.medien werden vor Ort sein und im web.weekly berichten! 🙂

Hier schonmal einige Tipps:

🧠 Am 14.11. dreht sich im Pommerschen Landesmuseum alles um die deutsch-polnische Geschichte.

Wer den Blick genauer auf Fragen von Zugehörigkeit, Fremdheit und Migration richten möchte, sollte am 16.11. um 18:00 Uhr in den Konzilsaal der Universität kommen. Der Vortrag „Fremd in der Metropole? Die Deutschen und ihre Nachbarn in Warschau von der Adelsrepublik bis zum Ersten Weltkrieg“ beleuchtet das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen im historischen Warschau.

🍿 Anlässlich des Jubiläums des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags lädt die Brasserie Hermann am 20.11. zu einem Film- und Dialogabend ein. Gezeigt werden die Filme „Leben an der Oder-Neiße“ sowie „Nova Silesia“, die den Wandel und die kulturelle Vielfalt der Grenzregion beleuchten. Im anschließenden Gespräch wird der Bogen zu Vorpommern geschlagen: Welche Chancen bietet die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und wo liegen ihre Grenzen?

Der Filmclub Casablanca zeigt in der STRAZE am 23.11. „Frau aus der Freiheit“ von Małgorzata Szumowska und Michał Englert – ein Drama über individuelle Selbstermächtigung und dem gesellschaftlichen und politschen Wandel Polens vom Kommunismus hin zur Demokratie.

🎸 Auch 2026 werden wieder unterschiedliche Musikgenre geboten. Sängerin Ola Jas, die bereits die feierliche Eröffnung begleitet, gibt einen Tag später, am 13.11., ein Live-Konzert in der mal anders Genuss-Manufaktur. Das Greifswalder Publikum kann sich auf eine Mischung aus zeitgenössischem Folk und Folk-Jazz freuen.

Beim Abschlussabend am 21.11. gibt es gar kein Halten mehr an Genres: die Fat Angels aus Stettin kommen ins St. Spiritus. Das Ensemble steht für experimentierfreudige Live-Auftritte. Sollte man die Musik doch beschreiben wollen, dann wäre es: Ambient, Acid Rock und psychedelischen Sounds.

📕Zwei Menschen, ein Raum und die Frage nach der Freiheit: Am 15.11. lädt die Brasserie Hermann zur szenischen Lesung des Stücks „Die Emigranten“ ein. In den Figuren eines intellektuellen politischen Flüchtlings und einem Gastarbeiter werden die Themen von Klasse und Migration verarbeitet. Gespannt kann man wohl auf die Umsetzung sein, da der Autor Sławomir Mrożek für seinen grotesken und ironsichen Stil bekannt ist.

Ebenfalls empfehlenswert: „Sichtbare“ – Lesung und Gespräch am 18.11. auch im mal anders. Im Zentrum stehen Texte aus der zweisprachigen Anthologie „Lepiej. Opowieści emigrantek“ (Besser. Geschichten von Emigrantinnen). Hier stehen Migration, Identität und Selbstbestimmung von Frauen – sich selbst eine Stimme zu geben und sichtbar zu werden – in Mittelpunkt.

Im Web Weekly stellen wir euch jede Woche ein neues Kultur-Ereignis in Greifswald und Umgebung vor.
Wir wünschen viel Spaß bei allen Veranstaltungen! (Design: Medea Gädke)