Juni ist Queerer Informations- und Aktionsmonat!

Juni ist Queerer Informations- und Aktionsmonat!

Am Samstag hat der Pride Month begonnen, und somit auch der erste Greifswalder Queere Informations- und Aktionsmonat. Es gibt Parties, Filmabende, Vorträge, einen Trans*-Thementag der Unimedizin, Aktionen und jede Menge Informationen.

Queeres Leben in Greifswald

Am Dienstag, den 4. Juni, fand bereits die Auftaktveranstaltung statt. Auf einer Art queerem Mini-Markt der Möglichkeiten haben sich verschiedene Organisationen und Anlaufstellen für queere Personen (v.a. Studierende) vorgestellt, außerdem wurden die Ergebnisse der Umfrage zu queerem Leben an der Universität Greifswald vorgestellt. (Dazu kommt aber auch noch ein separater Artikel.) Diese erste Veranstaltung lieferte Antworten auf Fragen wie “Wo finde ich Hilfe?” und “Wo kann ich mich engagieren?”.

Doch falls ihr diese Veranstaltung verpasst habt, keine Sorge, es gibt noch viele weitere Veranstaltungen, sowohl aus dem wissenschaftlichen als auch aus dem kulturellen Bereich. Zu den nichtwissenschaftliche Veranstaltungen gehört der Gender Trouble AG Stammtisch am Freitag, den 07. Juni ab 18 Uhr in ELP3, SR 1.03, der Filmabend zum Film “Pride” in der Kiste an Donnerstag, dem 13. Juni, Einlass 19:30, der FLINTA* Selbstverteidigungskurs am Samstag, den 15. Juni (hier ist der Anmeldungslink), der Alternative Pride am Sonntag, den 23. Juni, und schließlich die 25 Jahre Gender Trouble AG Jubiläumsparty am Samstag, den 29. Juni im C9.

Vorträge zu Queerness und Gender

Beginnend am Mittwoch, den 5. Juni (18:00, Ernst-Lohmeyer Platz 3, Seminarraum 1.06) gibt es jede Woche mindestens einen Vortrag zu queeren Themen oder Gender. Bei dem ersten Vortrag von Carolin Müller-Spitzer und Samira Ochs geht es um “Gender-inklusive Sprache im Deutschen: Linguistischer Hintergrund, empirische Studien, aktuelle Diskurse”, und Laura Strelow erklärt, wie es mit geschlechtergerechter Sprache an der Uni Greifswald aussieht. Spannendes zum Thema Gender gibt es übrigens auch bei der 24h-Vorlesung am 7./8. Juni (und ein bisschen was Queeres ist bestimmt auch mit dabei, vor allem wenn’s um Vampire geht.)

In der nächsten Woche gibt es gleich zwei Vorträge: “Queer und (Anti-)Kapitalismus”, Vortrag und Diskussion zum Thema des Buches von Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter am Montag, den 10. Juni ab 19 Uhr im Ernst-Lohmeyer Platz 6, Hörsaal 3 und “’There and Back Again’: West German queer activism in a transatlantic perspective” von Dr. Sébastien Tremblay am Dienstag, den 11. Juni ab 18:00 im ELP 3, SR 1.06.

Am Mittwoch, den 19. Juni ab 19:00 hält Prof. Dr. Kathrin Horn (Anglistik) einen Vortrag zu „Camp – Kommerz und Kritik in Queeren Medien“ im ELP 6, HS 1, und am Tag darauf gibt es um 20 Uhr im ELP 6, HS 1einen Vortrag mit dem vielversprechenden Titel “Trangender Marxism”, allerdings noch ohne Vortragende*n.

In der letzten Juniwoche gibt es noch einen Workshop von Innawa Bouba zum Thema: “Diversity und Vielfalt: Fassade oder tatsächliche Realität” am Mittwoch, den 26. Juni um 18 Uhr im ELP 3, SR 1.06, und einen Vortrag über Sexualität und Kolonialismus von Prof. Dr. María do Mar Castro Varela mit dem Titel “Heteronormativität als Zivilisationsprojekt?” am Donnerstag, den 27. Juni um 18 Uhr im ELP 6 HS 1.

Themen Tag Trans* der Unimedizin

Am Freitag, den 28. und Samstag, den 29. Juni bietet die Universitätmedizin im C_DAT-Center der Universitätsmedizin Seminarraum 1&2 Vorträge zu verschiedenen Aspekten rund um Trans*ness in der Medizin an, mit den Vorträgen „Expert by experience“ (Freitag, 16 Uhr, Daniel Masch), „Trans*affirmative medizinische Begleitung – Bedarfe und Perspektiven“ (Samstag, 12:30 Uhr, Dr. Martin Viehweger) und “Trans* Chirurgie” (Samstag, 14:30 Uhr, Prof. Dr. Markus Küntscher).

Viel Spaß diesen Monat und happy Pride! 🏳️‍🌈🏳️‍⚧️🥳

Beitragsbild: AStA Uni Greifswald, Gender Trouble AG, Gleichstellung Uni Greifswald


Zur Person der*des Autor*in

Dies Academicus 2024 – Uni Greifswald feiert Gründungstag

Dies Academicus 2024 – Uni Greifswald feiert Gründungstag

Beim Dies Academicus am Mittwoch, den 29.05., gibt es wie letztes Jahr viele Möglichkeiten die Gründung unserer Alma Mater zu feiern – unter anderem mit feierlichen Preisverleihungen, Musik, Vorträgen und Führungen durch die Teile der Universität, die sonst verschlossen bleiben. Außerdem gab es Gerüchte über eine Hüpfburg und Freibier…

Am 29. Mai 1456 erhielt die Universität Greifswald ihre Gründungsurkunde (deren Text ihr übrigens auf dem Rubenowplatz nachlesen könnt), und um diese Gründung zu feiern findet seit 2023 jährlich am 29. Mai der Dies Academicus statt. Bei dieser akademischen Jahresfeier werden verschiedene Preise verliehen, es gibt einen Festvortrag und ein vielfältiges Kulturprogramm, gestalten von den Mitgliedern der Universität. Die hochschulöffentliche Feier findet am Campus Loefflerstraße statt und beginnt um 14 Uhr. Wie letztes Jahr finden an diesem Tag ab 12 Uhr keine Lehrveranstaltungen mehr statt. Neben Getränken und Snacks wird auch Kinderbetreuung angeboten.

Neben den Veranstaltungen auf und an dem Campus Loefflerstraße gibt es auch Führungen durch die historischen Räume der Universität, die Alte Universitätsbibliothek, die Gustaf-Dalman- Sammlung, das Zoologische Museum und die Sternwarte auf dem Historischen Campus. Für diese kann man sich hier kostenlos anmelden.

Die Eröffnung, die Verleihung der Preise und der Festvortrag finden im Hörsaal 2 im neuen Hörsaalgebäude ELP 6 statt, das Fest mit den Angeboten der verschiedenen Mitgliedern der Universität findet draußen auf dem Campus Loefflerstraße statt und die Afterparty mit Profs am DJ-Pult findet im C9 statt.

Hier das komplette Programm:

14:00 – 15:30 Eröffnung des Dies Academicus durch die Rektorin
Verleihung der Lehrpreise der Universität
Verleihung des DAAD-Preises für Studierende
Verleihung des Nachhaltigkeitspreises
musikalische Begleitung durch Lege & Lena und Immanuel Musäus (Zink)

15:30 Eröffnung des Universitätsfests mit Kaffee und Kuchen durch die Rektorin

16:00-17:00 Festvortrag von Kilian Heck und Christian von Savigny: „Caspar David Friedrich interdisziplinär, oder was Physik und Kunstgeschichte voneinander lernen können“, moderiert von Elisabeth Ansel

ab 17:00 Buntes Kulturprogramm, gestaltet von den Mitgliedern der Universität
u.a. mit der Bigband, Prof. Dr. Michael Lalks Vorlesung “Feuer und Flamme” und Angeboten durch die verschiedenen FSR

ab 21:00 Afterparty mit Professor*innen an den Turntables (Nicole Endlich, Uwe Bornscheuer, John Rock und Eckhard Schumacher)

Beitragsbild: Universität Greifswald

Einführung des Semestertickets in Greifswald?

Einführung des Semestertickets in Greifswald?

Ob auf Flyern, Postern, in Vorlesungen oder auf Instagram, inzwischen sollten alle von der Urabstimmung zum Semesterticket an unserer Uni erfahren haben. Dieser Beitrag ergänzt die Fakten, die ihr im Studierendenportal findet, um Hintergrundwissen, wie ihr es auch bei den Online-Infoveranstaltungen (nächste Chance: Montag, 18 Uhr) erfahren könnt.

Was bedeutet Semesterticket?

Ein Semesterticket ist ein Ticket mit dem man während des gesamten Semesters (also auch der vorlesungsfreien Zeit, sechs Monate am Stück) bestimmte Verkehrsmittel nutzen kann. Der Preis für dieses Ticket ist im Semesterbeitrag enthalten, man bezahlt also einmal und kann dann während des gesamten Semesters den ÖPNV unbegrenzt benutzen.

Das Semesterticket, das in Greifswald eingeführt werden könnte, ist eine vergünstigte Version des Deutschlandtickets, auch bekannt als 49€ Ticket. Mit diesem Ticket kann man in ganz Deutschland den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr benutzen, also Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen und Regionalbahnen. Für Fernverkehrszüge (IC, ICE) gelten die Tickets in der Regel nicht, allerdings soll es auch vereinzelte Strecken geben, wo man mit dem Deutschlandticket ICE fahren darf.

Es gibt in Mecklenburg-Vorpommern keine billigeren Alternativen. Allein ein Monatsticket bei den Stadtwerken Greifswald kostet 33€. Für Studierende, die außerhalb der Hansestadt wohnen, gibt es kein Angebot, Pendeln ist also ohne PKW sehr teuer und unbeliebt.

Das Semesterticket soll 60% des Deutschlandtickets kosten. Im Moment kostet dies 49€ pro Monat, das Semesterticket würde also 29,40€ kosten. Für ein Semester würde es also 176,40€ kosten. Diese 176,40€ müsste man als Teil des Semesterbeitrags vor Beginn eines neuen Semesters bezahlen. (Kleine Erinnerung, dass ihr euch bis zum 9. Februar fürs kommende Semester zurückmeldet!) Wenn der Preis des Deutschlandtickets steigt, steigt auch der Preis des Semestertickets und somit der Semesterbeitrag. 2024 soll der Preis des Deutschlandtickets konstant bleiben, aber 2025 könnte er steigen.

Der Semesterbeitrag für das Sommersemester 2024 beträgt 98€ für Studierende. Ab WS 24/25 wird es zu einer Erhöhung auf 109€ Semesterbeitrag kommen, womit wir immer noch weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen würden. Mit Semesterticket müssten wir dann aber 285,40€ bezahlen.

Warum Urabstimmung?

Weil die Einführung eines Semesterticket einen so hohen Anstieg des Semesterbeitrages verursachen würde, haben der AStA, der Allgemeine Studierendausschuss, und das Studierendenparlament, beschlossen eine Urabstimmung durchzuführen. Bei der Urabstimmung können alle Studierenden direkt abstimmen und das Ergebnis ist bindend. (Mehr zur Urabstimmung findet ihr unter §36 der Satzung der Studierendenschaft.) Wenn also die Mehrheit der Studierendenschaft dafür stimmt, das Semesterticket anzuschaffen, sind AStA und StuPa dazu verpflichtet, die Anschaffung umzusetzen, und wenn die Studierendenschaft dagegen stimmt, wird es kein Semesterticket geben. Diese Bindung gilt so lange, bis es zu einer neuen Urabstimmung kommt.

Das Ergebnis des Urabstimmung ist allerdings nur dann bindend, wenn genug Studierende an der Abstimmung teilnehmen. Mehr als die Hälfte aller Studierenden müssten für das Ticket stimmen, damit es eingeführt werden könnte. Bei 9290 wahlberechtigten Studierenden wäre diese Mehrheit mit 4.645 Studierenden erreicht.

Wenn weniger als 4.645 Studierende für das Ticket stimmen ist die Abstimmung nicht bindend. Wenn die Abstimmung nicht bindend ist, nehmen AStA und StuPa das Ergebnis als eine Empfehlung und können selbst entscheiden, ob sie das Ticket einführen oder nicht. Wenn also insgesamt nur 2.000 Studierende abstimmen würden, davon 1.200 für das Ticket und 800 dagegen, wäre das Ergebnis nicht bindend, und AStA und StuPa könnten sich frei für oder gegen das Ticket entscheiden. (In Anbetracht der geringen Wahlbeteiligung bei den Studentischen Gremienwahlen (nur 18,1% Wahlbeteiligung bei der Wahl zum Studierendenparlament) scheint dieser Fall sehr wahrscheinlich.)

Ab wann würde es das Ticket geben? Und wäre das verpflichtend?

Bund und Länder haben die Möglichkeit eines bundesweiten Semestertickets geschaffen, es liegt nun an den Organen der Studierendenschaften diese Möglichkeit zu ergreifen und umzusetzen.
Die Einführung eines Semestertickets erfordert natürlich viel Bürokratie. Die Studierendenschaft – repräsentiert durch den AStA – müsste dafür Verträge mit den Verkehrsbetrieben schließen. Damit die Verkehrsbetriebe so ein Ticket aber überhaupt in Betracht ziehen, gibt es das Vollsolidarmodell. Das heißt, dass alle immatrikulierten Studierenden für das Ticket bezahlen, egal ob sie planen das Ticket zu nutzen oder nicht. Allerdings kann man aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund von Auslandsaufenthalten von der Zahlung des Ticketpreises befreit werden. (Der Hintergrund ist, dass Menschen mit Behinderungen oft bereits kostenfrei im ÖPNV mitfahren dürfen. Um sich wegen Auslandsaufenthalten befreien zu lassen, muss man i.d.R. mehr als drei Monate während des Geltungszeitraumes im Ausland verbringen.)

Der AStA hofft, das Semesterticket zum Wintersemester 24/25 einführen zu können. In den Verhandlungen, die – wenn die Entscheidung für das Ticket ausfällt – anstehen, werden noch weitere Details geklärt werden. So könnte es theoretisch möglich sein, Kinder unter gewissen Bedingungen kostenlos mit dem Ticket mitzunehmen. Auch kann dort über die Statusgruppen, die von dem Vollsolidarmodell ausgenommen sind, verhandelt werden. So könnten zum Beispiel Studierende, die Wohngeld oder andere Leistungen empfangen, von der Zahlung befreit werden. Weiterhin könnte bei Verhandlungen die Möglichkeit auf bestimmten Strecken in ICEs zu fahren geschaffen werden.

Die Verhandlungen haben noch nicht begonnen, Verträge wurden noch nicht geschrieben. Das StuPa und der AStA warten das Ergebnis der Urabstimmung ab, um zu sehen, ob sie sich weiter mit der Umsetzung beschäftigen wollen. Die genauen Fristen, sollte es zu einer Kündigung kommen, sind auch noch nicht klar. Wahrscheinlich müsste ein Semester vorher gekündigt werden. Die Möglichkeit, über die fertigen Verträge ebenfalls in einer Urabstimmung zu entscheiden, wurde bei dem Informationstreffen am Dienstagabend auch in den Raum gestellt.

Wie kann ich das ganze beeinflussen?

Wenn euch die Anschaffung des Semestertickets am Herzen liegt – egal ob ihr dafür oder dagegen seid – nutzt die Chance der Urabstimmung! Stimmt ab und motiviert andere Studierende, abzustimmen!

Weiterhin haben alle Studierende die Möglichkeit, sich hochschulpolitisch zu engagieren. Auch wenn ihr nicht gewählt wurdet, könnt ihr den Sitzungen des Studierendenparlaments beiwohnen und eurer Stimme Gehör verschaffen. Auf dem Studierendenportal findet ihr alle Informationen zu den verschiedenen Organen der Hochschulpolitik, inklusive deren Ordnungen und die nächsten Sitzungen.

Am Montag, den 29. findet um 18 Uhr nochmal eine online-Infoveranstaltung zum Semesterticket statt, wo ihr Robert, dem AStA-Vorsitz, alle eure Fragen stellen könnt. Hier ist der Zoom-Link dazu. Ihr erreicht ihn auch per Mail unter asta_vorsitz@uni-greifswald.de.

Beitragsbild: AStA der Uni Greifswald

Adventskalender Türchen 18: Wichtel und wo sie zu finden sind

Adventskalender Türchen 18: Wichtel und wo sie zu finden sind

Wichtel gehören zu Weihnachten wie Weihnachtsbaum, Weihnachtslieder und Weihnachtsplätzchen. In diesem Beitrag könnt ihr ein wenig über Wichtel in verschiedenen Formen und Interpretationen lernen. (Aber weil ich Norden-Nerd (bzw. Nørd) bin, bezieht sich das meiste auf den Norden.)

Weihnachtswichtel als Saisonarbeiter?

Das wohl verbreitetste Bild von Wichteln ist das als Helfer des Weihnachtsmannes. Sie fabrizieren für ihn Geschenke und helfen bei der Verteilung. Die estnischen Päkapikud (sg. Päkapikk) helfen dem Weihnachtsmann (oder Jõuluvana), indem sie die Weihnachtspost einsammeln, gucken, welche Kinder gut und böse sind, und sie helfen auch beim Verteilen der Geschenke. Der Jõuluvana kommt zu den estnischen Kindern mit einem Schlitten aus Finnland – genauer gesagt aus Korvantunturi in Lappland; wenn ihr ihm Briefe schreiben wollt, müssen die an 96930 Napapiiri adressiert werden – ob er dann einheimische Elfen benutzt, oder ob die finnischen Wichtel (Tontut) in Estland unter anderem Namen arbeiten, ist nicht bekannt.

Aber was machen die Wichtel dann den Rest des Jahres? Gehen sie wie der Weihnachtsmann in einem Kinderbuchklassiker in den Urlaub? Nein, aber nicht weil der Weihnachtsmann sie nicht gut genug bezahlt, sondern weil sie meist schon eine ganzjährige Festanstellung als Haus- und Hofwichtel haben.

Die schwedische Bezeichung tomte, so wie die finnische Bezeichnung tonttu, lässt sich von dem Wort für Grundstück, “tomt”, ableiten. Laut nordischem Volksglaube wird jedes Grundstück von mindestens einem Wicht bewohnt. In Dänemark und Norwegen heißen die Wesen nisse, dazu später mehr. Die Wichte sind eigentlich meist gutmütig und kümmern sich um den Hof und die Tiere (wie bei Astrid Lindgrens Tomte Tummetott), sollten aber nicht verärgert werden, wenn man nicht wie Nils Holgersson enden möchte. So stellt man ihnen Heiligabend am besten auch Weihnachtsgrütze mit extra viel Butter hin, damit sie im nächsten Jahr wieder bei der Arbeit auf dem Hof mithelfen.

Julenisser (Weihnachtswichtel), gezeichnet von Wilhelm Larsen, 1890

(Wilde) Wichtel und wo sie zu finden sind

Wichtel werden beschrieben als kleine menschenartige Kreaturen mit zerfurchtem Altmännergesicht und weißem oder grauen Bart. Der Wichtel trägt meistens eine rote Zipfelmütze, eine graue Wollhose, eine Jacke und entweder Holzschuhe oder feine Schuhe mit Silberspangen. Wichtel können sich jedoch unsichtbar machen und zeigen sich also nur, wenn sie wollen.

Wenn Wichtel aber einen Bart haben, sind sie dann zwangsläufig männlich? In den vielen Geschichten, zum Beispiel den norwegischen Volksmärchen, gesammelt von Asbjørnsen und Moe, tritt der Wichtel zwar meistens in männlicher Gestalt auf, kann aber traditionell männliche und weibliche Arbeitsaufgaben gleich gut ausführen, sodass Wichtel auch jenseits der traditionellen menschlichen Geschlechterrolle gelesen werden können.

In der Neuzeit gibt es aber auch Erzählungen mit Wichtelkernfamilien bestehend aus Vater, Mutter und Kindern. Ein gute Beispiel dafür ist die Erzählung Snekker Andersen og julenissen (Schreiner Andersen und der Weihnachtswichtel) von Alf Prøysen: In der Geschichte, die jedes Jahr zu Heiligabend im norwegischen Staatsfernsehen ausgestrahlt wird, besuchen der Weihnachtswichtel und der Schreiner die Familien des jeweils anderen und erfüllen die Wünsche der Familien: die Wichtelkinder bekommen eine Schlitten, ein Puppenbett (eine Puppe braucht das Wichtelmädchen nicht, sie darf das Baby der Waldmaus benutzen) und einen Kreisel, der Wichtelopa bekommt einen Gehstock und die Wichtelfrau einen Holzlöffel.

In dieser Erzählung wohnen die Wichtel in einer Höhle im Wald, aber in der Regel wohnen Wichtel auf einem Hof, gerne auf dem Dachboden, in der Scheune oder dem Stall, oder unter diesen Gebäuden. Wilde Wichtel gibt es auch, und insgesamt sind die Wichtel eher der Domäne der Natur als der Menschenwelt zuzuordnen.

Ist der Weihnachtsmann ein Wichtel?

In Norwegen und Dänemark erfüllen die Nisse die gleiche Funktion, aber unter einem Namen, der vom heiligen Nikolaus inspiriert ist. Ursprünglich bestand die Verknüpfung zum christlichen Weihnachtsfest nur über diesen Namen, und die Wichtel wurden eher negativ dargestellt und in der Zeit der Reformation – wie der Großteil der heidnischen Folklore – als unchristlich angesehen, aber nach und nach wurde der Wichtel in die christliche Tradition integriert. Im Rahmen der nationalromantischen Bewegung (vor allem in Norwegen, aber auch in den anderen skandinavischen Ländern) wurde die folkloristische Wichtelgestalt mit christlicher und nationaler Bedeutung aufgeladen und die Verbindung zum geschenkebringenden Nikolaus forciert.

In Skandinavien heißt der Weihnachtsmann auch Julenisse (Dänemark und Norwegen) und Jultomte (Schweden), also Weihnachtswichtel. In Finnland (was nicht zu Skandinavien gehört!) heißt der Geschenkebringer Joulupukki, also Weihnachtsbock von schwedisch julbock, weil dort eine zeitlang eine alptraumerweckende Ziegengestalt auftrat.

Der Wichtel wurde auch zu einem zentralen Symbol für norwegische/nordische Kultur und Tradition sowie Mentalität aufgeladen und wurde somit auch zu einem Zeichen des politischen Widerstands: Zu Zeiten der Prohibition gab es Weihnachtskarten, auf denen Wichtel mit geschmuggelten Brandweinfässern dargestellt wurden, und während des zweiten Weltkriegs waren Weihnachtskarten mit Wichteln und Wichtelmützen durch die deutsche Besatzungsmacht verboten worden.

Gibt es in eurer WG auch einen Wichtel? Und wer bringt bei euch die Geschenke? Möchtet ihr auch Schoko-Joulupukki? Welche anderen Weihnachtswesen kennt ihr?

Beitragsbild: Laura Schirmeister
Julenisser: Humoristisk julemotiv tegnet av Wilhelm Larsen. 1890. nb.no {{nb.no|NBN:no-nb_digifoto_20171010_00161_blds_09061}}.

Adventskalender Türchen 13: Lucia

Adventskalender Türchen 13: Lucia

Eine Frau, die in Weiß gekleidet ist, mit brennenden Kerzen auf dem Kopf, kommt in der längsten Winternacht und singt altertümliche schwedische Lieder. Das klingt zunächst absurd und wie eine gute Idee für ein Sequel zu Midsommar (2019), ist aber eine geliebte Tradition in Schweden – und am Institut für Fennistik und Skandinavistik unserer Universität.

Eine italienische Heilige in Schweden

Der Luciabrauch in Schweden geht auf die italienische Heilige Santa Lucia von Syrakus zurück. Die Legenden über sie überschlagen sich: Manche sprechen davon, dass sie ihre Jungfräulichkeit Christi schenken wollte; in anderen Geschichten reißt sie sich ihre Augen aus und wird mit Feuer gefoltert. Wie passend also, dass sie als Heilige der Blinden und des Lichts gilt.

In Skandinavien hat sie vor allem die Rolle der Lichtbringerin inne, die in der dunkelsten Winternacht das Licht wieder in die Stuben bringt – zusammen mit einem Tablett mit Kaffee und Safrangebäck. Die Luciafeier war ursprünglich eine Wintersonnenwendentradition (mehr zur Wintersonnenwende später hier im Adventskalender), weil der 13. Dezember im julianischen Kalender der kürzeste Tag des Jahres war. An diesem Tag verkleideten sich Kinder und Jugendliche, zogen singend durch die Stuben und bettelten um Essen und Trinken; ein wenig wie es die Sternsinger bei uns tun. Die lange Winternacht wurde von der ländlichen Bevölkerung als bedrohlich aufgenommen, böse Mächte herrschten und ließen Tiere sprechen. Hinzu kommt, dass Lucias Spitzname, Lusse, sich auch auf Luzifer beziehen könnte.

Der Text des traditionellen Lucialieds “Himlen hänger stjärnsvart” von 1902 zeigt die zweideutige Natur des Feiertages: Die herumwandernden Lusseknechte können als Bedrohung oder als Botschafter des Lichts gelesen werden.

Himlen hänger stjärnsvart och snön ligger blå
och mörkret är så beckmörkt och stjärnorna så små.
Skumma ligga stigarna där mänskobarnen gå,
och tysta ruva stugorna med snöskägg på.
Då komma väl de hundra, då komma väl de tusen
Lusseknektar vandrande kring husen.

De vandra kring med stjärnljus, de vandra kring med bloss,
med masker och med narrspel, en jublande tross.
De bulta hårt på rutorna så isen går loss,
de buga sig, de bjuda sig till gästning hos oss.
De vandra kring med visor som jubla och tralla,
så backarna och skogarna de skalla.

Der Himmel hängt sternenschwarz und der Schnee liegt schwarz
und die Dunkelheit ist so pechschwarz und die Sterne so klein.
Düster liegen die Stiegen wo die Menschenkinder gehen,
und stumm brüten die Stuben mit Schneebärten obendrauf.
Dann kommen wohl die hundert, dann kommen wohl die tausend
Lusseknechte wandernd um die Häuser.

Sie wandern herum mit Sternenlicht, sie wandern herum mit Fackeln,
mit Masken und mit Narrenspiel, ein jubelnder Zug.
Sie pochen hart an die Scheiben, sodass das Eis sich löst,
sie verbeugen sich, sie laden sich ein zur Herberge bei uns.
Sie wandern herum mit Weisen, die jubeln und trällern,
sodass die Hügel und Wälder schallen.

Original: K G Ossiannilsson, abgerufen von Julsånger.se., eigene Übersetzung
Der Universitätschor der Uni Stockholm singt “Himlen hänger stjärnsvart” von K.G. Ossiannilsson

Mit der Kalenderreform von 1753 und dem wachsenden Einfluss des Christentums fielen diese heidnischen Traditionen mit denen des Namenstages der heiligen Lucia zusammen. Dann darf sie auch bei wohlhabenderen Familien in Westschweden eingehen als eine Art Weihnachtsengel, der das Licht Gottes zu den Bedürftigen bringt.

Lussebräute und Sternbuben

Im 18. und 19. Jahrhundert findet Lucia ihren Einzug in die Universitäten und darf dort singend durch die Gebäude ziehen. Weil aber zu dieser Zeit nur Männer studieren konnten, waren die Lussebräute natürlich auch männlich. Die nationer (Studentenverbindungen) wählten den schönsten Erstjahresstudenten aus ihren Reihen. Tatsächlich war die erste (historisch belegte) Lucia mit Kerzen im Haar auch männlich.

Auch wenn es in der Regel nur eine Lucia geben kann, tritt sie nicht alleine auf. Meist hat sie in ihrem Zug tärnor (sg: tärna, auf Deutsch in etwa ‘Jungfer’) dabei und stjärngossar (‘Sternbuben’), manchmal auch ein paar tomtar (Wichtel oder Weihnachtsmänner), aber sie wird mitunter auch in Begleitung von Pfefferkuchenmännchen gesehen. Mal sagt Lucia ein Gedicht auf, mal singt sie ein Solo.
Wer zur Lucia gekrönt werden kann, ist immer eine große Diskussion. Manchmal wird das Ganze wie eine Schönheitskonkurrenz aufgezogen, mal wie ein Beliebtheitswettbewerb. Welche Rolle das Geschlecht der Lucia spielt, ist auch unklar: 2016 warb ein schwedisches Kaufhaus mit einem kleinen Junge in Lichterkrone, woraufhin eine hitzige Debatte aufkam, zu der ein Video von Zlatan Ibrahimovic als Lucia weiter beitrug; 2022 stoppte ein Politiker der Schwedendemokraten, der rechtspopulistischen Partei Schwedens, einen Luciazug, weil er mit einer Lucia, die sich nicht weiblich identifiziert hat, zu untraditionell sei.

Lucia in Greifswald

Zeichung von Annika Rekow für das Mitsingeheft des Luciafests des Instituts für Fennistik und Skandinavistik

Spätestens seit den 1950er Jahren ist der Luciabrauch in ganz Schweden verbreitet, und es gibt erste Luciazüge sowohl in den anderen skandinavischen Ländern als auch im Baltikum – und natürlich an Skandinavistik-Instituten. Dass die Universität Greifswald die älteste Universität Schwedens ist, stimmt zwar nicht ganz (irgendwann werde ich auch dazu einen Artikel schreiben), aber trotzdem, beziehungsweise gerade deswegen gibt es hier das älteste Institut für Nordistik (beziehungsweise Fennistik und Skandinavistik) Deutschlands. Der FSR veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Institut und dem Institutschor jedes Jahr ein pan-nordisches Lucia- und Weihnachtsfest, mit einem richtigen Luciazug und Liedern in fast allen nordischen Sprachen (Grönländisch und Saamisch sind noch nicht dabei, aber Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Isländisch, Färöisch, Finnisch und Estnisch sitzen schon). Wie das dann aussieht, könnt ihr hier sehen. Das diesjährige Fest fand bereits am 9. Dezember statt, aber für die, die nicht aufs nächste Jahr warten können, gibt es den Luciatåg auch am 13.12., um 18.30 Uhr auf der Bühne auf dem Weihnachtsmarkt hier in Greifswald zu sehen.

In Schweden gibt es Lucia nicht nur an Schulen, sondern eigentlich überall. Oft werden dafür Chöre engagiert: Als Teil eines Studentinnenchores der Universität Linköping habe ich an Lucia 2019 an bestimmt 15 verschiedenen Orten, darunter der Flughafen, ein Altenheim, mehrere Firmen (u.a. Ericsson), und die Universitätsbibliothek, am Luciazug teilgenommen. Nach den “offiziellen Gigs” sind wir dann noch ungefähr eine Stunde singend über den Campus und durch alle Universitätsgebäude gezogen.

Das schwedische Fernsehen sendet jedes Jahr den Luciamorgen von einem anderen Ort in Schweden, dieses Jahr vom Kalmarer Schloss (für die Geschichtsnerds: ja, das ist das mit der Kalmarer Union). Das Video kann man hier kostenlos und ohne Werbung sehen. Und für die, die sich das Ganze gerne anhören möchten, kann ich dieses Album hier empfehlen.

Habt ihr schon mal von Lucia gehört? Und was haltet ihr von dem Brauch? Wollt ihr auch sehen, wie ein Luciazug euren Campus unsicher macht?

Beitragsbild: Laura Schirmeister