Update zum AStA-Vorsitz

Update zum AStA-Vorsitz

“Erinnert Ihr Euch noch an den Februar diesen Jahres? Ja, es mag einem wie ein Traum vorkommen. Kein Corona, offene Clubs und insbesondere eine Studierendenschaft der Universität Greifswald mit einer AStA-Vorsitzenden!”, kommentierte Frederik Looft unter dem letzten StuPa-Ticker. Dass sich die Besetzung des Vorsitzes für den Allgemeinen Studierendenausschuss schwierig gestaltet, ist in der HoPo-Geschichte nichts Neues. Doch dass sich die Wahl eines AStA-Vorsitzes trotz zwei Bewerber*innen seit zwei Monaten im Kreis dreht, ist ein Problem, das die letzten Sitzungen des StuPas bestimmt hat und die Stimmung innerhalb des StuPa zunehmend belastet. Im Folgenden rekapitulieren wir die Kandidaturen um den AStA-Vorsitz in den letzten Monaten und geben den Stupist*innen zusätzlich die Möglichkeit, sich zu der (Nicht-)Wahl von Annalena Mangels und Hennis Herbst zu äußern.

Aber von vorn: Eine kurze Chronik der Kandidierenden 2020

Der Allgemeine Studierendenausschuss, kurz AStA, besteht aus zwölf Bereichen. Der Vorsitzende wird im Studierendenportal beschrieben als “zuständig für die Leitung der AStA-Arbeit. Sie*Er vertritt den AStA und die Studierendenschaft gegenüber der Universität und nach außen und übernimmt für alle Bereiche des AStA die Richtlinienkompetenz.” Anfang des Jahres war noch Esther Erwin Vorsitzende des AStAs. Der Termin der 24-Stunden-Vorlesung, der vom AStA auf den Tag der Befreiung und des Massensuizids von Demmin gelegt worden war, sorgte allerdings für einen Konflikt zwischen AStA und StuPa: Während die Mehrheit der StuPist*innen beschloss, die Vorlesung zu verschieben, argumentierte der AStA, dass damit der Verlust der organisierten Referent*innen und der bereits getanen Arbeit einhergehen würde. Da Esther den Eindruck hatte, das StuPa überschreite mit der Entscheidung seine Kompetenzen, ließ sie den Beschluss durch die Rechtsaufsicht der Uni prüfen. Diese kam zu dem Ergebnis, dass das StuPa tatsächlich seine Kompetenzen übertreten hatte und beanstandete den Beschluss. Dieser wurde daraufhin aufgehoben, das StuPa fühlte sich durch diesen Schritt allerdings hintergangen. Noch bevor eine Personaldebatte um Esther eröffnet werden konnte, endete die Auseinandersetzung damit, dass Esther in der Sitzung vom 11. Februar 2020 von ihrem Amt zurücktrat.

Daraufhin übernahm zunächst Felix Zocher den kommissarischen Vorsitz, wurde allerdings auch in der Sitzung einen Monat später nicht zum Vorsitz gewählt. Am 07.07.2020 gab es dann eine Initiativbewerbung von Aliya Mironova, die bereits seit anderthalb Jahren im AStA für die Fachschaftsfinanzen zuständig war. Von 17 Stimmen erhielt Aliya 5 Ja-Stimmen, 9 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen. Damit wurde auch sie nicht gewählt.

Über zwei Monate später, in der Sitzung vom 15.09.2020, gab es dann nach langer Flaute plötzlich zwei Bewerber*innen: Annalena Mangels und Hennis Herbst. Annalena ist Deligierte der Landeskonferenz der Studierendenschaften und war von Juni 2019 bis Juli 2020 im AStA als Referentin für Hochschulpolitik aktiv, wo sie zeitweise auch den stellvertretenden Vorsitz sowie kommissarisch das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernommen hatte. Hennis war seit zwei Monaten AStA-Referent für Administration und Geschäftsführung. Seitdem hatte er auch die Position des kommissarischen Vorsitzes inne. Im ersten Wahlgang entfielen – bei einer Enthaltung – 6 Stimmen auf Annalena und 10 auf Hennis. Da es nicht zur benötigten Mehrheit gekommen war, folgte daraufhin der zweite Wahlgang, bei dem nur noch Hennis zur Wahl stand. Allerdings wurde er auch hier mit 13 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen nicht gewählt.

In der darauffolgenden StuPa-Sitzung stellten sich die beiden erneut zur Wahl auf und standen Rede und Antwort zur Klärung möglicher Fragen. Von 19 Stimmen gingen in diesem Wahlgang 12 an Hennis, 5 an Annalena und 2 Personen enthielten sich. Auch im zweiten Wahlgang erreichte Hennis mit wiederum 12 Ja-Stimmen nicht die erforderliche Mehrheit.

In der letzten StuPa-Sitzung vom 27.10.2020 ließ sich nur noch Hennis zur Wahl des AStA-Vorsitzes aufstellen. Auch diese Wahl führte mit 10 Ja-Stimmen, 4 Nein-Stimmen und einer Enthaltung nicht zu seiner Ernennung zum AStA-Vorsitzenden.
Daraufhin wurden in der Sitzung kritische Stimmen laut, die betonten, wie schade es sei, dass es nicht zur Wahl eines Vorsitzes kommen konnte, obwohl es immer wieder Bewerber*innen gab. Auch die Frage, was gegen Hennis spreche, der das Amt bereits kommissarisch besetzt, wurde gestellt. Weiterhin wurde kritisiert, dass die Punkte, die die StuPist*innen scheinbar von einer Wahl von Hennis abhalten, nicht kommuniziert werden. Hennis hatte zuvor bereits mehrmals bekräftigt, für Gespräche offen zu sein, allerdings hatte bis dato niemand dieses Angebot angenommen. Yannick van de Sand machte dies beispielsweise deutlich (Zitat Ticker): “Moralisch hält er es […] für bedenklich, wenn man konsequenterweise jedes Mal mit “Nein” stimmt, den Grund dafür aber nicht kommuniziert. Zumindest kritische Fragen im Vorhinein sollte es dann geben. In anderen politischen Bereichen wird in der Regel kommuniziert, warum man eine*n Kandidat*in unterstützt oder nicht unterstützt.” Ebenfalls kritisiert wurde, dass viele der 27 stimmberechtigten StuPist*innen weder zu den Sitzungen erscheinen noch die Möglichkeit einer Stimmübertragung nutzen, die aufgrund von Corona zurzeit sogar beliebig oft vergeben werden kann, und dadurch die Wahl erschweren.

Stimmen der Stupist*innen

Obwohl das Problem immer wieder in den Sitzungen angesprochen wird, wirkt es, als würde sich die Diskussion nur im Kreis drehen. Weder in der öffentlichen Diskussion noch im persönlichen Gespräch scheint sich bislang jemand gegen Hennis als Kandidaten für den AStA-Vorsitz geäußert zu haben – doch die Wahlergebnisse sprechen eine andere Sprache. Wie kann es nun weitergehen? Wir haben allen StuPist*innen die Möglichkeit gegeben, sich auch auf dem webmoritz. zur Situation um den AStA-Vorsitz zu äußern. Auch wenn nur wenige der 27 Abgeordneten dieses Angebot wahrgenommen haben, könnt ihr hier durch die Aussagen der StuPist*innen Fabian Fleßner, Sandra Grubert und Rick Sobirai sowie Melissa Seidel und Lennart Pinske (die beide zusätzlich auch im Namen der CampusGrünen Hochschulgruppe Stellung beziehen) einen Eindruck der Stimmung im Parlament bekommen.

Warum denkst du, konnte es immer noch nicht zu einem eindeutigen Wahlergebnis für den AStA-Vorsitz kommen?

Fabian: Ich denke, es gibt zwei Faktoren, die dazu geführt haben, dass wir es nicht geschafft haben, einen AStA-Vorsitzenden zu wählen. Zum einen ist da das Problem der geringen Anwesenheit einiger Stupisten, was dazu führt, dass die erforderliche absolute Mehrheit schwierig zu erreichen ist. Der zweite Faktor, der mit dem ersten eng zusammenhängt, ist die Tatsache, dass einige wenige Stupisten durch die geringe Anwesenheit eine Sperrminorität haben, mit der sie eine Wahl blockieren können.

Sandra: Hennis hat bei den Wahlen nicht die erforderliche Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen können. Dies kann diverse Gründe haben, welche legitim sind.  

Rick: Meiner Meinung nach haben die Nein-Stimmen stark persönliche Gründe, was ich sehr bedauernswert finde. Wie komme ich darauf? Zum einen macht Hennis als Geschäftsführer und kommissarischer AStA-Vorsitz einen sehr guten Job und ich höre bisher nichts Gegenteiliges, daher erfüllt er voll und ganz das Anforderungsprofil und ist geeignet. Zum anderen kommt es im StuPa zu keiner konstruktiv-fachlichen Auseinandersetzung über die Argumente, welche gegen seine Wahl sprechen, weshalb für mich persönliche Aspekte der einzige Grund zu sein scheinen, da ansonsten lösungsorientiert gearbeitet werden könnte. NIEMAND ist verpflichtet eine Meinung zu begründen, wenn sie in einer geheimen und freien Wahl getroffen wurde, jedoch ist es bedauernswert, einem engagierten Mitglied der HoPo kein ehrliches und hilfreiches Feedback zu geben, durch welches er möglicherweise seine Arbeit weiter optimieren könnte und somit vielleicht sogar ein positives Wahlergebnis erlangen könnte. Dass immer nur wenige Stupist*innen anwesend sind, ist sicherlich hinderlich, aber für mich keine Ausrede von Seiten des StuPa, warum es bis heute zu keiner Wahl eines AStA-Vorsitzes kam. 

Melissa und Lennart: Die Blockade-Haltung anderer Stupist*innen ist für uns nicht zu erklären und wir verurteilen
sie auf das Schärfste.

Was wünschst du dir von den anderen StuPist*innen?

Fabian: Ich persönlich bin nicht in der Situation, mir von den anderen Mitgliedern des Studierendenparlamentes etwas zu wünschen. Für Hennis aber würde ich mir wünschen, dass er in der Zeit seit der letzten Vorsitzwahl Rückmeldung von den Stupisten bekommen hat, die ihn anscheinend nicht für den Vorsitzposten geeignet halten.

Sandra: Eine bessere Diskussionskultur, mehr Anwesenheit und mehr Mitarbeit. Sollte nicht zu viel verlangt sein, wenn man ein Mandat angenommen hat.  

Rick: Offenheit, Transparenz, Ehrlichkeit, Unterstützung, produktives Denken und weniger Gelaber am eigentlichen Thema und dem eigentlichen Problem vorbei.

Melissa und Lennart: Wir wünschen uns, dass die Stupist*innen noch einmal in sich gehen und sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Parlament, der gesamten Studierendenschaft, unserer Außenwirkung gegenüber anderen Gremien sowie nicht zuletzt gegenüber Hennis selbst bewusst werden. Hennis übt das Amt seit Wochen und Monaten mit Leidenschaft und voller Hingebung aus und wird vom blockierenden Anteil des StuPas noch für seine gute Arbeit bestraft. Das ist inakzeptabel.

Wie soll es deiner Meinung nach weitergehen? 

Fabian: Wir müssen es schaffen, dass mehr Stupisten das ihnen von der Studierendenschaft anvertraute Mandat im Parlament wahrnehmen. Worüber sich möglicherweise eine Diskussion lohnen würde, wäre eine Änderung der erforderlichen Mehrheiten für die Wahl des AStA-Vorsitzenden. Zur Zeit ist es ja so, dass ein Kandidat die absolute Mehrheit der Stimmen aller gewählten Mitglieder braucht, um gewählt zu werden. Vielleicht wäre eine Änderung dahingehend eine gute Idee, dass in
einem dritten Wahlgang eine relative Mehrheit zu einer Wahl ausreicht. [Anm. d. Red.: Derzeit brauchen Kandidat*innen 14 Stimmen um gewählt zu werden.]

Sandra: Es sollten sich mehr Personen zur Wahl stellen. Des Weiteren sollte überlegt werden, was man ändern kann. Zum Beispiel sollte die Vakanz des AStA-Vorsitzes nicht nur durch den AStA legitimiert werden, sondern vielleicht auch durch das StuPa, damit es zu solchen Situationen in Zukunft nicht kommt. Falls die Anwesenheit der Stupist:innen in Zukunft auch so dürftig ist, dann sollte überlegen werden, ob die erforderliche Anzahl von Stimmen für Wahlen jeglicher Art herabgesetzt wird. Das würde die Arbeit der Personen erleichtern, welche ernsthaft ihr Mandat wahrnehmen. 

Rick: Meiner Meinung nach sollte der StuPa seine Arbeits- und Diskursweise hinterfragen und überlegen, ob ein produktives Arbeiten so möglich ist, auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit dem AStA.

Melissa und Lennart: Wir erwarten von den anderen Abstimmungsberechtigten, dass sie ihre Beweggründe in den Diskurs tragen, denn sollte es tatsächlich konstruktive Gründe gegen die Wahl und damit Befähigung zur vollwertigen Amtsausführung geben, sollte das den anderen Stupist*innen gegenüber transparent gemacht werden. Sollte dies nicht der Fall sein, wovon wir ausgehen, erwarten wir, dass das StuPa am Dienstag endlich den Vorsitz-Posten besetzen kann.

Was für einen Einfluss haben die langgezogenen Wahlen auf die Zusammenarbeit zwischen AStA und StuPa? 

Fabian: Tatsächlich sehe ich, Stand jetzt, noch keine negativen Folgen bei der Zusammenarbeit zwischen AStA und StuPa. Meiner Meinung nach ist der AStA handlungsfähig und leistet sehr gute Arbeit. Wie wir bei den Sitzungen des StuPas gehört haben, führt die ungeklärte Vorsitzfrage zwar zu aus meiner Sicht verständlichen Verstimmungen unter den AStA-Mitgliedern, aber ich hoffe, dass diese deren Arbeit nicht negativ beeinflusst. Und bei der Lösung der Vorsitzfrage sind wir Stupisten gefordert.

Sandra: Nicht sonderlich, denke ich. Der AStA hat eine relativ hohe Fluktuation an Mitarbeitenden.

Rick: Die langgezogenen Wahlen zeigen, wie sehr das StuPa seine Wahlen durchdenkt und wie intensiv es damit beschäftigt ist, nur die besten Leute in die AStA-Positionen zu heben… nee Spaß, das wäre ja dann noch nachvollziehbar. Die langen Wahlen führen einfach dazu, dass der AStA sich vera***** vorkommt. Der Gipfel hierbei ist ja noch die Bezahlung des kommissarischen Vorsitzes für seine Arbeit, nur um ihn dann nicht ins Amt zu lassen; kindisch, peinlich. Der AStA wird diese Wahlen sehr genau beobachten und die Entscheidungen und Ausgänge werden das Verhältnis zwischen den beiden Organen sicherlich nicht zementieren, sondern diese eher weiter in Schwingungen versetzen, bis es irgendwann wieder knallt. Ich bin froh, dass die Leute im AStA nicht nur einen guten Job machen, sondern dies auch gern tun, egal welches Feedback, beispielsweise durch Wahlen, sie erreicht. Die Stupist*innen, die dies immer noch nicht verstehen und weiter auf persönlichen Belangen ihre Wahlentscheidungen basieren, können froh sein, dass es solche Leute gibt und sie merken gar nicht, wie es wäre, wenn niemand mehr diese Arbeit ausführen würde.  

Melissa und Lennart: AStA und StuPa sollten Hand in Hand arbeiten, sich unterstützen und ergänzen – durch die
aktuellen Entwicklungen werden Misstrauen, Frustration und Demotivation sowie Zwietracht gesät und das schwächt vor allem die Handlungsfähigkeit und Außenwirkung der Studierendenschaft gegenüber Rektorat und Lehrenden sowie das Vertrauen der Studierenden in Ihre Vertretung.

Platz für dein Statement 

Sandra: Die Hochschulpolitik ist nicht bequem, sie lebt von Engagement und Diskurs. 

Rick: Zu Vieles, daher einfach nur ein kurzer Satz. Vielen Dank AStA und besonders Hennis für deine Arbeit, lasst euch durch solchen Schwachsinn nicht entmutigen, die Studierendenschaft schätzt euer Engagement und ich persönlich danke euch für dieses!

Melissa und Lennart: Wir erwarten einen offenen und konstruktiven Diskurs mit Lösungsfindung, an dessen Ende ein in einer eindeutigen Wahl bestärkter AStA-Vorsitzender aus der nächsten StuPa-Sitzung gehen kann.

Wir danken den Stupist*innen für ihre offenen Antworten.

Morgen stellen wir auf dem webmoritz. Annalena und Hennis vor, die beide zuletzt für den Vorsitz kandidiert haben. Wie und ob das Amt des AStA-Vorsitzes noch in dieser Legislatur besetzt wird, bleibt weiterhin offen – vielleicht wird die nächste StuPa-Sitzung am 10.11.2020 zu neuen Erkenntnissen führen.

Beitragsbild: Annica Brommann

Greifswald feiert Vielfalt: Das Questival

Greifswald feiert Vielfalt: Das Questival

Dass Greifswald bunt und vielfältig ist, wurde zuletzt in der Demo “Queere Sichtbarkeit Vorpommernweit!” Anfang Oktober deutlich, als circa 150 Menschen für die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Mecklenburg-Vorpommern Flagge zeigten. Hintergrund dieser Demonstration war die Aussage des CDU-Kreistagspolitikers Sascha Ott, der Anfang des Jahres queere Personen als „mikroskopische Randgruppe“ bezeichnet hatte.

Auch Qube, ein queeres Bildungs- und Antidiskriminierungs-Projekt aus Greifswald, gibt vielfältigen Themen Raum und organisiert dieses Wochenende das Questival. Das queere Festival, das eigentlich in der STRAZE veranstaltet werden sollte, wurde nun unter dem Motto “Questival goes digital” in eine Online-Veranstaltung umgewandelt. Von Freitag, den 06. November (heute), bis zum Sonntag, den 08. November gibt es also weiterhin die Möglichkeit, eine kleine Auswahl von Vorträgen zu vielfältigen Themen wie “Let‘s not talk about sex: Asexualität und das asexuelle Spektrum” oder “Interventionen – von Demo bis Musik – wer rebelliert wie, und warum eigentlich?” zu besuchen. Zusätzlich wird eine interaktive Buch- und Projektvorstellung in Form des Workshops “Unsere eigenen Worte_Gebärden_Bilder finden!” angeboten. Am Samstag ist außerdem ein Konzert von “prisma” live aus der STRAZE für musikalische Unterhaltung geplant. Nachdem ihr euch kostenlos auf der Seite angemeldet habt, bekommt ihr die Zugangsdaten für die verschiedenen Veranstaltungen.

Das Wichtigste auf einen Blick:
Was?
Questival, das queere Festival in Greifswald
Wo? digital, die Zugangsdaten gibt es nach der Anmeldung
Programm? Das ausführliche Programm findet ihr auf der Seite von Qube.

Beitragsbild: Yannis Papanastasopoulos auf Unsplash

Kein‘ Bock auf Quarantäne

Kein‘ Bock auf Quarantäne

Der Artikel stammt aus dem September 2020.

Eigentlich würde ich jetzt im Zug Richtung Heimat sitzen. Stattdessen sitze ich im Auto Richtung Corona-Testzentrum. Die letzten Septembertage sind noch mal richtig schön geworden, der Himmel ist strahlend blau. Ich kann gar nicht glauben, dass ich die nächsten zwei Wochen nicht mehr an die frische Luft darf. Nach einer halben Stunde Warten mit Menschen, die wahrscheinlich genauso im Ungewissen schweben wie ich, wird mir das berüchtigte Stäbchen in Rachen und Nase geschoben. So schlimm ist es gar nicht, eher fremd. So wie der ganze Tag heute. Wie eigentlich das ganze Jahr.

Drei Stunden zuvor werde ich mit der Nachricht: “Mein Coronatest war positiv. Ihr solltet auf jeden Fall nicht rausgehen” aus dem Schlaf gerissen. Einige Minuten später ruft das Gesundheitsamt an. Ich müsse in Quarantäne, weil ich Kontakt zu einer Corona positiv getesteten Person hatte. Das heißt: Zwei Wochen lang in der Wohnung bleiben, selbst bei einem Negativ-Test. Nicht mal den Müll runterbringen dürfen. Einkäufe vor die Tür stellen lassen, jeden Tag ein Anruf vom Gesundheitsamt.

Erst kommt die Verwirrung: Mein Koffer steht doch schon gepackt bereit, in einer Stunde sollte eigentlich mein Zug nach Hause gehen  – und jetzt muss ich in Quarantäne? Darauf folgt das Gedankenkarussel: Ich habe mich in den letzten Tagen nicht gerade vorbildlich verhalten. Natürlich habe ich mich an alle offiziellen Regeln gehalten, die die Pandemie erfordert, aber mir wird klar, dass das vielleicht nicht genug war. Die Freundin, die Corona hat, habe ich in der letzten Woche häufig gesehen. Wir waren lange Zeit im selben Zimmer und saßen nebeneinander im Auto. Zwar mit geöffnetem Fenster, aber reicht das? Wir haben uns sogar umarmt. Seit wann hat sie wohl Corona? Wann könnte sie mich angesteckt haben? Und: Wenn ich auch positiv bin, wen könnte ich alles angesteckt haben? Ich mache eine Liste von Menschen, mit denen ich in letzter Zeit länger als 15 Minuten Angesicht zu Angesicht war. Am Freitag war ich in einem Restaurant. Am Samstag auf einem Spieleabend. Gestern war ich in der Mensa. Abends war ich im Kino. Die Liste ist lang – unangenehm lang. Ich informiere die Leute, die ich, falls ich positiv bin, infiziert haben könnte. Einige haben Kontakt zu Risikogruppen. Niemand wirft mir etwas vor, aber ich habe trotzdem ein schlechtes Gewissen. Eigentlich habe ich ja nichts falsch gemacht, denn ich habe doch mein Bestes gegeben, das Virus einzudämmen. Oder?

Am Nachmittag bekomme ich mein Testergebnis: negativ. Ich bin zwar erleichtert, aber fühle mich immer noch schlecht. Nicht, weil mir die Quarantäne schon nach ein paar Stunden zu schaffen macht, sondern weil ich ein schlechtes Gewissen habe, da ich fahrlässig geworden bin. Ich wollte jetzt eigentlich in der Heimat sein, dabei ist Berlin doch gerade ein Hotspot. Ich wollte in den Urlaub fahren. Zwar innerhalb von Deutschland, aber trotzdem in eine Stadt im Süden. Ich wollte ein Wochenende mit Freunden verbringen, die aus ganz Deutschland kommen. Ich wollte nächste Woche auf eine Party gehen. Hab ich denn durch den Anfang der Pandemie nichts gelernt? Vielleicht werde ich, als junger und gesunder Mensch, keine Folgen der Erkrankung davon tragen, aber ich bin doch mitverantwortlich für meine Mitmenschen und dafür, dass das Virus sich nicht weiter ausbreitet. Ich habe nicht mehr gemacht als erlaubt war, aber trotzdem weniger als nötig.

Ich spreche mit einer Freundin. Ich erkläre ihr, dass ich nicht zu dem Treffen mit Freunden aus ganz Deutschland kommen werde, auch wenn die Quarantäne dann schon längst vorbei ist. “Aber wenn du auch nach den zwei Wochen so eingeschränkt leben willst, dann bringt das nichts für einen Monat. Dann musst du noch ein ganzes Jahr so leben, um konsequent zu sein, ne?”, erklärt sie mir. Sie sagt: “Darauf hätte ich kein‘ Bock. Ich verhalte mich auch nicht richtig, aber das macht hier in Berlin eh niemand. Ich will doch leben!”

Ja, ich hab auch keinen Bock. Überhaupt nicht. Keinen Bock auf Quarantäne. Keinen Bock, auf Partys zu verzichten. Keinen Bock, ständig eine Maske zu tragen. Aber gerade, weil ich darauf keinen Bock habe, muss ich das machen, damit wir nicht zu lange auf diese Freiheiten verzichten müssen. Denn ich hab keinen Bock auf überfüllte Krankenhäuser und steigende Todeszahlen. Die nächsten Monate habe ich ja deshalb nicht “kein Leben”. Die nächsten Monate werden eben anders, so wie es das ganze Jahr schon war. Dann geh ich eben nicht feiern und verzichte auf Treffen in großen Gruppen. Dann setze ich eben ein Mal mehr die Maske auf und lass mich dafür belächeln. Dann bestehe ich eben darauf, Räume öfter zu lüften. Das sage ich jetzt. Am Anfang meiner Quarantäne. Ich hoffe so sehr, dass ich das in einem Monat auch noch denke. Ich habe schon einmal zu schnell vergessen, welche Auswirkungen das Verhalten von einzelnen Personen haben kann. Muss es denn immer zu weit gehen, bis ich mich erinnere?

Beitragsbild: Erol Ahmed auf Unsplash

Greifswald als Risikogebiet – Was bedeutet das jetzt für uns?

Greifswald als Risikogebiet – Was bedeutet das jetzt für uns?

Seit letztem Mittwoch (28.10.2020) gilt auch der Landkreis Vorpommern-Greifswald als erster Kreis in Mecklenburg-Vorpommern als Risikogebiet. Am Mittwoch wurde hier ein 7-Tage-Inzidenzwert von 52,8 erreicht, inzwischen ist ein erneuter Anstieg auf 67,5 zu verzeichnen (Stand 01.11.2020). Diese Zahl sagt aus, wie viele von 100.000 Personen sich innerhalb einer Woche in unserem Landkreis mit dem Coronavirus infiziert haben. Ist die Schwelle von 50 Fällen überschritten, wird die Region als Risikogebiet eingestuft und infolgedessen werden strengere Regeln zur Eindämmung der Pandemie verhängt. Was genau bedeutet das für uns in Greifswald und unser Uni-Leben aktuell?

aktualisiert am 03.11.2020 um 11:45 Uhr

Schutzmaßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern

Ab dem heutigen Montag, dem 02.11.2020, gilt eine Kontaktbeschränkung. Das heißt, in der Öffentlichkeit darf sich nur noch mit Personen aus dem eigenem und höchstens einem weiteren Haushalt aufgehalten und die Gesamtanzahl von zehn Personen nicht überschritten werden. Die Maskenpflicht wird außerdem ausgeweitet: In Einkaufcentern, auf Märkten und auf belebten Plätzen wie in der Langen Straße ist nun auch ein Mundschutz zu tragen. Der Weihnachtsmarkt wurde übrigens bereits abgesagt.

Der Gastronomiebetrieb wird ebenfalls stark heruntergefahren. Das bedeutet, Restaurants, Cafés und Bars dürfen ausschließlich Speisen zum Mitnehmen ausgeben oder liefern.

Auch Freizeiteinrichtungen müssen schließen. Theater-, Kino- oder Museumsbesuche sind erst mal nicht mehr möglich. Gleiches gilt für Schwimmbäder und Fitnessstudios. Auch die Stadtbibliothek muss schließen.

Die Geschäfte sollen unter bestimmen Hygieneauflagen geöffnet bleiben. Es darf sich beispielsweise nicht mehr als ein*e Kund*in auf 10 qm Verkaufsfläche aufhalten und natürlich ist eine Mund-Nasen-Bedeckung weiterhin obligatorisch.

Zudem gilt in ganz M-V ein Tourismusstop, durch den touristische Betriebe wie Hotels keine Urlaubsgäst*innen mehr annehmen dürfen. Die Einreise in das Bundesland ist nur für Personen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern gestattet (oder Personen, die einen Vertrag über mindestens sechs Monate mit einer Ferienwohnungsvermietung etc. geschlossen haben oder einen Kleingarten besitzen). Das heißt, auch private Reisen und Verwandtenbesuche sollen eingeschränkt werden, solange keine Dringlichkeit besteht. Dabei sollte sich außerdem auf die Kernfamilie beschränkt werden.

Das Stadthaus ist übrigens weiterhin für dringende Angelegenheiten geöffnet, es wird aber um eine Online-Terminvergabe gebeten. Ebenso bleiben Kitas und Schulen vorerst geöffnet.

Schutzmaßnahmen an der Uni

Die Rektorin hat in ihrer Mail vom 02.11.2020 um 14:24 Uhr die aktuellen Corona-Auflagen bekanntgegeben, die zunächst bis zum 30.11.2020 gelten sollen, aber ständig auf ihre Notwendigkeit hin geprüft werden!

Auch weiterhin sind Mund-Nasen-Bedeckungen in allen Unigebäuden zu tragen, auch am Arbeitsplatz (ausgenommen sind Einzelbüros), bei Veranstaltungen oder zum Beispiel in der Bibliothek.
Lehrveranstaltungen und Prüfungen sollen wie bisher, falls möglich, digital stattfinden. Ausnahmen gelten in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden für Studierende im ersten Semester, für Studierende der Medizinischen Fakultät, für Studierende, deren Veranstaltungen spezielle Labor- oder Arbeitsräume erfordern und für Veranstaltungen, bei denen die Lehr-/Lernziele digital nicht erreicht werden können. Voraussetzung ist jedoch jeweils, dass die Hygienevorschriften des RKI eingehalten werden können. Überprüft also regelmäßig euren E-Mail-Account, denn es kann sein, dass Dozierende ihre Veranstaltungen von der Präsenz im Hörsaal auf digitale Formate verlegen müssen und euch kurzfristig informieren!

Die Nutzung der Lesesäle und Aufenthaltsbereiche der Hochschulbibliotheken und -archive ist ab sofort nur noch für Studierende zur Prüfungsvorbereitung und zur Arbeit an Abschlussarbeiten gestattet.

Mensen und Cafeterien bieten ab jetzt nur noch einen Außer-Haus-Verkauf an. Ihr könnt also in der Mensa am Beitzplatz und am Loeffler-Campus nun die Mensa-to-go nutzen. Nur die Cafeteria am Klinikum darf weiterhin einen Verzehr vor Ort anbieten, um die Mitarbeiter*innen des Klinikums zu versorgen. Übrigens dürft ihr aus hygienetechnischen Gründen nicht eure eigenen Gefäße mitbringen, sondern müsst die Boxen der Mensa nutzen. Die Nutzung von einem Pfandsystem mit Rebowls ist allerdings bereits geplant.

Die Kurse des Hochschulsports werden nicht mehr vor Ort stattfinden. Einige Kurse bieten aber eine (weiterhin kostenpflichtige) Onlinealternative an. Für Sportarten wie Badminton, Tischtennis oder Tanzkurse, die nicht digital stattfinden können, fallen natürlich keine Gebühren an. Die Teilnahmebeiträge werden erst im Dezember abgebucht, daher kann man angemeldet bleiben, falls bis dahin wieder die Möglichkeit von Präsenzkursen besteht. Es gibt nun außerdem die Möglichkeit, auf Kurse auszuweichen, die online stattfinden können.

Chorproben und Proben von Musikensembles müssen ausgesetzt werden.

Studentische Clubs müssen geschlossen bleiben.

Das Studierendenwerk hat zudem bekanntgegeben, dass persönliche Beratungen ab sofort nicht mehr vor Ort stattfinden, sondern nur noch telefonisch, per Mail oder oder über die Video-Sprechstunde. Das gilt für alle Bereiche (BAföG, Wohnen, Sozialberatung, psychologische Beratung, Kasse, Mietbuchhaltung, KfW-Sprechstunde).

Noch mehr Infos für euch:
Die aktuellen hochschulspezifischen Regelungen der Landesregierung findet ihr auf der Seite “Informationen für Hochschulen und Studierende sowie Forschungseinrichtungen“.
Die neuesten Verordnungen und weitere Informationen zu der Lage in M-V findet ihr auf der Seite der Regierung Mecklenburg-Vorpommern.
Aktuelle Daten zu Coronafällen in M-V findet ihr auf der Seite des Landesamts für Gesundheit und Soziales.
Neueste Informationen vom Studierendenwerk findet ihr auf deren Internetseite.
Das FAQ der Uni zum Corona-Virus sowie die aktuellsten Hygieneverordnungen findet ihr auf der Uniwebsite.

Beitragsbild: Lilli Lipka

Halloweenabend: Social-Distancing-Edition

Halloweenabend: Social-Distancing-Edition

Dieses Jahr ist um die Häuser ziehen und mit vielen Leuten feiern gehen selbst für Halloween zu unheimlich geworden – die Corona-Fälle steigen und mit dem düsterem Halloween-Spaß wäre eine Infektion nicht fern. Für den einen oder die andere sind die gruseligen Verschwörungstheorien und die schaurigen Gestalten, die zur Zeit ihr Unwesen im Internet treiben und in der Öffentlichkeit herumirren vielleicht schon gespenstisch genug und ein Blick in gewisse Telegram-Gruppen reicht, um einen Schauer über den Rücken zu jagen. Doch wer Lust hat, Halloween trotz allem zu zelebrieren und ein bisschen in Grusel-Halloween-Stimmung zu kommen, findet hier ein paar coronakonforme Anregungen.

Nachtwanderung

Sucht euch, bestenfalls nicht allein, einen unheimlichen Ort, an dem ihr im Dunklen herumirren und euch vorstellen könnt, das Geraschel ein paar Meter weiter kommt von einem lange gesuchten Massenmörder und das Gejaule in der Ferne stammt von einem Werwolf. Passt auf, dass ihr nicht in ein Naturschutzgebiet geratet, die Tiere feiern Halloween für gewöhnlich nicht und hätten gerne ihre Ruhe. Wie wäre es aber zum Beispiel mit der mystischen Klosterruine Eldena?

Kürbis schnitzen

Wann habt ihr das letzte Mal einen Kürbis geschnitzt und wer hat gesagt, dass das eine Beschäftigung für Kinder ist? Werdet kreativ, es muss nicht immer das selbe gruselige Gesicht sein. Im berühmt berüchtigten Internet findet man ganz viele Ideen, welche Motive man in den Kürbis schnitzen kann. Wenn ihr die orangene Deko mit einer Kerze versehen auf ein Fensterbrett oder in den Hauseingang stellt, freuen (oder erschrecken) sich bestimmt noch andere Leute über den Anblick.

Lagerfeuer

Wenn ihr glückliche*r Besitzer*in eines Grundstückes oder Schrebergartens seid, dann macht doch ein Lagerfeuer. Mit ein bisschen Abstand kann man sogar in Gesellschaft um das knisternde Feuer sitzen (oder wie eine Hexe drum herum tanzen) und sich Gruselgeschichten erzählen.

Horrorfilm gucken

Old but gold: Horrorfilme gucken! Kuschelt euch ein, macht’s euch gemütlich und lasst es in euren vier Wänden spuken. Falls es alleine zu gruselig ist, könnt ihr euch digital im Freundeskreis zum gemeinsamen Zittern verabreden und die Nachbar*innen aus dem Bett kreischen.

Spooky Spieleabend

Wie wäre es mit einer Runde Black Stories? Die Karten gibt es online oder als Spiel: Mit Freund*innen müsst ihr mit Ja- und Nein-Fragen einen gruseligen Fall rekonstruieren, der hinter einer Geschichte steckt. Besonders empfehlenswert und unheimlich ist übrigens die “Real Crime Edition”. Auch das Spiel “Die Werwölfe vom Düsterwald” passt zu kaum einem anderen Tag besser als zu Halloween. Entweder ihr spielt das Kartenspiel mit eurer Familie/WG zuhause oder digital als Online-Alternative. Das Ziel des Spiels ist es, herauszufinden, wer im Dorf der Werwolf ist. Durch Lügen und Manipulation versucht man den Bösewicht aufzudecken. Ähnlich funktioniert übrigens das Spiel “Among Us”, das entweder auf dem PC oder kostenlos als App mit Freund*innen oder Fremden gespielt werden kann. Diese Spiele sind besonders gruselig, weil sie die dunklen Seiten eurer Mitspieler*innen aufdecken …

Beitragsbild: Scott Webb auf Unsplash