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Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern stammen sie und sind vielleicht ja doch noch eine Guilty Pleasure des ein oder anderen.

Dieses Mal mit dem Thema: analoge Fotografie.

Ein Gastbeitrag von Leo Wegener.

1826 wurde das erste bekannte Foto in Frankreich aufgenommen. Damals auf einer 20x25cm großen Zinnplatte. Diese war mit einer Schicht aus Lavendelöl und Naturasphalt überzogen. Acht Stunden musste das Bild damals belichtet werden, um etwas sehen zu können.

Heutzutage kennt man das gar nicht mehr. Einmal auf den Auslöser gedrückt, und sofort hat man das Bild auf dem Smartphone in der Hand. Kein Entwickeln, kein Drucken und kein Warten. Doch manche Menschen wünschen sich zurück in diese Zeit, in der man noch voller Vorfreude auf seinen Film gewartet hat. Darauf, dass er aus dem Fotolabor wiederkommt und man endlich sehen kann, ob es wirklich so ein gutes Motiv war oder nicht. Darum soll es heute gehen. Die analoge Fotografie und wie sie eine kleine Renaissance im 21. Jahrhundert erfährt.

Zuerst noch einen kurzen Abriss der Fotografie. Im Jahre 1924, also rund 100 Jahre nach dem ersten Foto, kam die erste Kleinbildkamera auf den Markt, unter dem Namen Leica. Das Besondere war der vergleichsweise kleine Körper der Kamera und der dazugehörige Film in der Größe von 24x36mm. Man konnte bis zu 36 Bilder nacheinander machen und musste nicht nach jedem Bild einen neuen Film einlegen. Die Leica läutete damals eine neue Ära der Fotografie ein. Die Möglichkeit seine Erlebnisse zu teilen, war nicht mehr nur den Menschen vorbehalten, die einen klobigen Kasten mit sich herumtragen wollten.

Rund 50 Jahre später fing es dann langsam mit der digitalen Fotografie an. Immer bessere und preiswertere Alternativen zur analogen Fotografie kamen auf den Markt, woraufhin viele zu Recht umstiegen. Es war schlicht preiswerter, und man musste nicht mehr akribisch darauf achten, den richtigen Film in der Kamera zu haben oder ja nicht mehr Fotos zu machen, als man an Rollfilm dabei hatte. Im Jahr 2003 war es dann soweit. Es wurden mehr digitale Kameras verkauft als Filmkameras. Daraufhin verzichteten viele Hersteller auf die Produktion der analogen Kameras und fokussierten sich auf Digitalkameras.

Heutzutage bekommt man die alten Kameras fast schon hinterhergeschmissen. Die Kameras, die damals ein kleines Vermögen gekostet haben, werden heute auf Flohmärkten verscherbelt. So bin ich auch auf die analoge Fotografie aufmerksam geworden. Immer wieder war ich auf Flohmärkten unterwegs, um eigentlich nach alten Objektiven für meine digitale Kamera zu suchen. Dann hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen, auch selber analog zu fotografieren. Die eigene Fotografie wieder zu entschleunigen. Nicht nur fotografieren und vergessen, was man eigentlich gerade fotografiert hat, sondern sich wieder Zeit dafür zu nehmen. Ein kleines Event daraus zu machen.

Nachdem meine ersten beide Filme nicht richtig eingelegt waren und dementsprechend nur ein schwarzer Film rausgekommen ist, war der Ärger zunächst groß. Schließlich habe ich dadurch nicht nur die Bilder nicht gemacht, die ich machen wollte, sondern auch Geld weggeschmissen. Mein dritter Film ist dann etwas geworden und ich habe mich gefreut, als wäre es Weihnachten. Eine Woche nach meiner Fotosession hielt ich dann meine Bilder in der Hand. Sie waren nicht die besten, aber das war egal. Es war für mich etwas ganz anderes zu wissen, dass diese Bilder physisch sind und nicht nur ein paar Bytes auf einer Speicherkarte. Das hört sich jetzt sicherlich kitschig an, aber es war einfach wunderbar für mich.

Jetzt mache ich mir Gedanken darüber, welchen Film ich als nächstes in meine Kamera lege, denn jeder Film ist anders. Alle haben andere Farben. Keiner ist wie der nächste. Diese Faszination teilen auch viele andere Enthusiasten. Zum Beispiel auf der Website „lomography.de“. Sie dreht sich rund um die analoge Fotografie und wie man das meiste aus seinem neu gefundenen Hobby rausholt. Es ist kein preiswertes Hobby, darüber bin ich mir im Klaren. Aber die analoge Fotografie hat auch meinen Umgang mit der Fotografie an sich verändert, selbst dann, wenn ich dafür meine digitale Kamera nutze. Wenn ich jetzt fotografiere, dann halte ich öfter inne und wähle mein Motiv sorgfältiger, als es sonst vielleicht der Fall wäre.

Ein kleiner Eindruck wie die (digitalisierten) analogen Fotos aussehen können.

Beitragsbilder: Leo Wegener

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