shadow

Der 1993 gegründete Mensaclub ist aus dem Greifswalder Nachtleben schwer wegzudenken.

Es gibt nahezu niemanden, der in Greifswald studiert und nicht mindestens einmal den Mensaclub besucht hat. Auch wenn nicht immer alle von dem Auftreten und dem Image begeistert sind, so ist der Club eine feste Institution im Greifswalder Nachtleben. Die Zukunft des Clubs ist jedoch ungewiss. Sinkende Einnahmen und eine ungeklärte Raumplanung machen dem Greifswalder Club das Leben schwer. Durch Umsatzeinbrüche musste zuletzt sogar die wöchentliche Donnerstagsparty eingestellt werden. Die einst als u.a. „Students only“-Party bekannte Veranstaltung wurde am Ende nur noch von 40-50 Gästen besucht. Auch die Entscheidung, die Veranstaltung für alle zu öffnen, konnte diesen Trend nicht aufhalten. Die letztlich viel zu geringen Besucherzahlen machten es unmöglich, die Kosten für einen solchen Abends zu tragen, ohne zum Beispiel auf einen professionellen Sicherheitsdienst zu verzichten. Dies kam im Interesse der Sicherheit der Gäste nicht infrage. Dadurch, dass nach Angaben des Vorstands selbst die Samstagsveranstaltungen bei Weitem nicht mehr so gut laufen würden, wie vor zwei Jahren, kam eine Querfinanzierung durch diese nicht infrage. Die insgesamt zurückgehenden Besucherzahlen werden aus Sicht des Clubs hauptsächlich auf ein geändertes Partyverhalten zurückgeführt. So wären private Partys beliebter geworden und auch der Getränkekonsum hätte sich mehr auf das Vortrinken konzentriert. Einen Zusammenhang zwischen dem Image des Clubs und den zurückgehenden Besucherzahlen sieht der Vorstand jedoch nicht. Im Sommer lösten die neuen Sticker jedoch zumindest eine Diskussion über das Selbstverständnis des Clubs aus.

Zukunft des Mensaclubs

Abgesehen von den zurückgehenden Einnahmen hat der Mensaclub jedoch ein viel dringenderes und sogar existenzielles Problem: Die Schließung der alten Mensa am Wall. Denn damit wird nicht nur die Essensausgabe an Studierende an diesem Ort beendet, sondern die Universität möchte das gesamte Gebäude verkaufen. Das heisst, dass sowohl das Studierendenwerk als auch der Mensaclub das Gebäude verlassen müssen. Da jedoch weder das Studierendenwerk noch der Club Informationen bezüglich eines Zeitplanes erhalten, ist die Zukunft höchst ungewiss. Fest steht jedoch, dass im März die neue Mensa am Loeffler Campus eröffnet werden soll und der Betrieb am Wall endet. Da die Universität den Standpunkt vertritt, dass ein Beitrieb des Gebäudes bis Ende 2018 zu teuer sei, und es weder für den Club noch für das Studierendenwerk eine Alternative gibt, ist eine Planung höchst unsicher. Vor allem ließe die Informationspolitik der Universität bezüglich eines konkreten Zeitplans zu wünschen übrig.
Durch die dramatische Situation des Studierendenwerks liegt der Fokus der Bemühungen um neue Räumlichkeiten durch die studentische Selbstverwaltung, natürlich auf dem Studierendenwerk. Jedoch zeigte sich auf der letzten Sitzung der AG-Bildungsstreik, dass es durchaus Räumlichkeiten im Besitz der Universität gibt, in denen sowohl das Studierendenwerk als auch der Club eine Bleibe finden könnten. Hierbei handelt es sich um die alte Pharmakologie in der Loefflerstraße.
Dieses Gebäude ist so groß, dass zusätzlich zu Studierendenwerk und Club noch genügend Platz für StudentenTheater sowie für die Büros des AStA und des StuPa-Präsidiums wäre. Obwohl dieses Gebäude eine Lösung für fast alle Raumprobleme darstellen würde, steht die Universitätsleitung dem Ganzen kritisch gegenüber. Vor allem seien die Sanierungskosten viel zu hoch, selbst wenn das Land einen Teil dazu beiträgt. Des Weiteren soll das Gebäude sowieso verkauft werden.
So bleibt es bei einer vagen Lösungsidee und einer ungewissen Zukunft für den Mensaclub und für das Studierendenwerk.

Auf die Frage, ob und wie Studierende den Mensaclub denn unterstützen könnten, antwortete der Vorstand:

Mit ihrem Besuch im Mensaclub können Sie natürlich immer einen kleinen Teil zum Erhalt des Mensaclubs beitragen, selbst wenn es dann evtl. eine andere Location geben sollte. Darüber hinaus freuen wir uns über jeden und jede die Interesse an unser ehrenamtlichen Tätigkeit hat. Dabei ist jeder und jede bei uns herzlich Willkommen.

Kommentare

  1. quergefragt    

    wie geht’s eigentlich dem C9 zur Zeit so?

  2. Hannes    

    Die Universität verhält sich mit Blick auf die Studierendenclubs leider höchst unsolidarisch. Ich verstehe bis heute nicht, dass ein lebendiges studentisches Kulturleben nicht als Chance und weicher Standortfaktor begriffen wird. Es wäre sehr schade, wenn nun auch noch der Mensaclub vor dem Aus stünde. Es reicht ja schon, dass der C9 bis heute keine feste Bleibe bekommen hat.
    Auf der anderen Seite muss natürlich auch der Mensaclub Selbstkritik üben. Früher war ja kein Treten vor dem Club und man kam nach halb 12 zum Teil nicht mehr rein – selbst auf einem Donnerstag. Die Mensapartys waren eine feste Institution der Studierendenschaft.
    Natürlich haben alle Studierendenclubs mit schwindenen Besucher*innenzahlen zu kämpfen. Das hängt sicherlich auch mit der gestiegenen Konkurrenz in der Stadt zusammen.
    Allerdings ist das Programm (zumindest in der Zeit, die ich noch miterlebt habe) stets gleich geblieben. Andere Clubs sind einfach moderner aufgetreten.

  3. Kommentator    

    Der Mensaclub stellt schon länger keine außergewöhnliche Bereicherung des Greifswalder Studentenlebens dar. Das Publikum sowie Angebot sind zum Notnagel für verzweifelte Feierwütige geworden. „Wenn du nicht total besoffen bist, kannst du den Spaß vergessen.“ – Aussagen wie diese sind der Standard und beschreiben das Niveau des Studentenclubs sehr gut.

    Die Universität sollte Zeit, Geld und Nerven in Alternativen investieren, die den Studienort Greifswald für neue Studierende tatsächlich attraktiver machen.

    Der Mensaclub liefert keinen Mehrwert und ist zu einer Last geworden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden

Ähnliche Artikel