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Jörn Kasbohm (Vorsitzender der Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE) Quelle: Bürgerschaftsfraktion Die Linke, Greifswald

Die Umbenennung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Universität Greifswald ist eine Entscheidung des Senats der Universität. Die Meinung der Mitglieder der Fraktion zum Beibehalten oder Ablegen des Namens Ernst-MoritzArndt als Patron für die Universität in heutigen Zeiten ist genauso unterschiedlich, wie in der Universität selbst. Dabei sind wir in der Fraktion erst am Anfang unserer Meinungsbildung. Einig sind wir aber alle schon jetzt in dem Punkt: Es ist schon wichtig, dass man sich immer wieder verständigt, welche Haltungen der Vergangenheit auch heute noch zu akzeptieren und damit als Namenspatron tragbar sind. Nur über eine breite Diskussion kann sich ein neues Verständnis, können sich neue gesellschaftliche Standards des Miteinanders entwickeln. In der aktuellen Diskussion werden wohl zwei verschiedene Aspekte miteinander vermischt. Einerseits: Zweifelsfrei war Arndt in seiner Zeit mit seinem Einsatz gegen die Leibeigenschaft und für nationale Strukturen als damaliges Gegenmodell zu den feudalen Verhältnissen eine herausragende Persönlichkeit. Andererseits: Die Frage heute aber ist, ist Arndt auch als Namenspatron in diesen Zeiten geeignet? Wir leben heute in einer Zeit, wo zunehmend unsere jüngere Geschichte von einigen immer wieder in Frage gestellt wird (oder als was sonst sind die Bemerkungen von Höcke in Dresden zu verstehen?). Somit sind heutzutage auch die antisemitischen Bemerkungen von Arndt nicht als Vorbildwirkung zu akzeptieren. Genauso trifft dies zum Zeitpunkt und Historie der Namensverleihung an die Universität zu. Mit dieser Entscheidung des Senats der Universität wird die Diskussion zu Ernst Moritz Arndt in der Stadt sicher noch nicht beendet sein. Wir sprechen uns dabei für eine auf Werte des Miteinanders orientierte, respektvolle und vor allem breite Diskussion aus. Sollte es dann zu weiteren Entscheidungen auch in der Stadt kommen, dann bitte anders als soeben in der Universität. Dann muss gerade so eine Entscheidung auf wirklich breiten Schultern stehen.

Beitragsbild: Michael Sander via wikicommons

Kommentare

  1. Wunderer    

    Ich entdecke, dass sich ein häßliches Wortspiel mit Arndt hier auf der Seite einschleicht. Dieser historisch aufgeladene Ausdruck weckt unangenehme Assoziationen, die sicherlich von niemandem der Senatoren, ob für oder wider, angestrebt wurden.
    Das ist geeignet das ganze Thema tendenziell zu färben und bei Gegnern der Namensablegung unnötige Abwehrreflexe hervor zu rufen. Ich würde empfehlen auf diesen Ausdruck besser zu verzichten.

    Davon ab glaube ich auch, dass die Bürgerschaft dem Senat der Uni keine Weisung per Beschluss erteilen kann. Die Senatoren ‘müssten’ demnach sicher ihre Entscheidung nicht überdenken. Das ist dann wohl eher als eine Empfehlung zu verstehen.

  2. Dr.Matthias Schwenke    

    Sehr geehrte Frau Heide,
    Ernst-Moritz-Arndt lebte im 19. Jahrhundert und war also keine Person des Nationalsozialismus. Wussten Sie, dass E.M.Arndt als Hochschullehrer wegen seiner demokratischen Gesinnung und antifeudalen Haltung 20 Jahre Berufsverbot hatte?. Ihre Plattitüde “Universität und Stadt gehören zusammen” sollten Sie am nächsten Montag mit einer bürgernahen Entscheidung mit Leben erfüllen. Zuvor sollte man sich aber als Entscheidungsträger mit der geschichtlichen Person E.M.Arndt, seinen positiven wie negativen Eigenschaften, näher befassen, dazu geben ja die vielen Leserbriefe und auch das Forum hier ausreichende Gelegenheit.
    Mit freundlichen Grüßen

  3. Maike Schmidt    

    Sehr geehrter Herr Schwenke,

    genau! Nutzen wir als Quellen nur noch Leserbrief und Internetforen! Gerade die Leserbriefe in der OZ strotzen ja so Informationsgehalt und Toleranz!

  4. Thee Bee    

    Herr Hardtke,

    bezogen auf ihre mathematischen Überlegungen zum Abstimmungsverhalten der studentischen Mitglieder des Senats habe ich folgende Überlegung:

    Sie hatten bei der Kommunalwahl 2014 ein Ergebnis von 7,2% erreicht, bei einer Wahlbeteiligung von 42,1 %. Demnach sprechen Sie für eine Bevölkerungsmenge von knapp 3% aller Wahlberechtigten. So sollten Ihre Überlegungen zur Stadt auch nur zu 3% berückichtigt werden? Ist das Ihr Demokratieverständnis?

    Ich meine, wenn die studentischen Senatsvertreter nicht die Interessen der Studierendenschaft in der Abstimmung eingebracht haben, dann werden dies die nächsten Wahlen zeigen.

    1. Wunderer    

      Diesen Eindruck eines recht seltsamen Demokratieverständnisses habe ich ebenso bei Herrn Hardtke gewonnen.

      Gehörte es nicht zu den Grundsätzen, dass gewählte Abgeordnete in diesem Land ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet sind… wo stand das nochmal geschrieben?

      Ebenso ist das Bild, das er vermitteln will, nachdem die Mehrheit der Studierenden mit Herzblut dem Arndt als ihrem Patron verbunden sind und von der Entscheidung ganz erschüttert seien, wohl eher seiner Fantasie entsprungen. -.-

  5. Maik    

    Eine interessante Lesart repräsentativer Demokratie… Beeindruckend sind mithin auch die vermeintlich klaren Mehrheitsverhältnisse, auf die sich Hardtke bezieht, verfügt er anscheinend über valide Datensätze, die die Präferenzen der Greifswalder konzis darstellen…”weit überwiegende Mehrheit”…
    Interessant zudem, wobei dies auch für die CDU zutrifft, dass immer zwischen Bürgern und Studierenden unterschieden wird. Dabei muss man doch zugestehen, dass zwar alle Studierenden Bürger, nur wenige Bürger allerdings Studierende sind.
    Dass das “Wir-Gefühl” Greifswalds vom Namen E-M-A abhängig sein soll, halte ich zudem für einen billigen argumentativen Pappkameraden.

  6. Felix    

    Es wird immer wieder behauptet, die Rückbenennung sei allein Sache der Studenten gewesen. Es stimmten aber 24 von 36 Senatoren für die Rückbennung! Das heißt, mindestens 12 Vertreter der Professoren oder Mitarbeiter haben ebenfalls gegen den Namenspatron votiert.

    Auf der studentischen Vollversammlung hat sich die Studentenschaft übrigens mehrfach dafür ausgesprochen, auf den Namen Ernst Moritz Arndt zu verzichten. Die studentischen Senatoren hatten also die offizielle Rückendeckung der Studentenschaft! Wenn die vermeintliche passive Mehrheit der Arndtbefürworter nicht auf der Vollversammlung auftaucht, ist das ihr Problem.

    Außerdem trifft die immer wieder geäußerte Behauptung, dass die Studenten nach ihrem Studium sowieso nicht mehr in Greifswald leben werden, NICHT auf alle Studenten zu. Die Stadt lebt vielmehr davon, dass ein Teil der Studenten nach ihrem Studium hierbleibt.

    Des weiteren ist immer wieder von Gräben zwischen der Uni und der Stadt zu lesen, die durch die umstrittene Entscheidung zum Namenspatron aufgerissen worden seien.

    Zum einen ist überhaupt nicht klar, wie viele Greifswalder überhaupt für den Namen Arndt sind. Viele haben wohl gar keine eindeutige Meinung dazu, weil sie den Namen nicht kennen. Zu beachten ist auch, dass ca. 20% der Einwohner Greifswalds Studenten und ca. 10% Uni-Mitarbeiter sind. Das heißt, die gewählten akademischen Senatoren sind die Vertretung für 30% der Bevölkerung. Selbst bei einer geringen Wahlbeteiligung in den Senatswahlen wurden diese immer noch von einem bedeutenden Teil der Bevölkerung gewählt.

    Warum durch die Benennung einer Uni ein Gräben aufgerissen werden sollen, ist rational nicht erklärbar. Vielmehr rückt der Name in der Bezeichnung „Universität Greifswald“ zukünftig mehr in den Vordergrund! Allerdings wird Arndt, der in der DDR in der Schule gelehrt wurde, von einigen als Symbolfigur für Vorpommern gesehen (vgl. das Interview mit Prof. Stamm-Kuhlmann in der OZ vom 27.01.2017). Nach dieser Lesart war das Votum gegen Arndt ein Votum gegen Vorpommern! Ich hoffe, dass dieses unglaubliche Missverständnis aufgeklärt wird, in dem sich beide Seiten besser zuhören.

  7. Alicebut    

    Danke an alle. Ich fand, dass er suchte!

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